Neuerscheinung: Ars Mathematica

Hallo zusammen,

ganz frisch in den pegasus’schen Druckerpressen vom Stapel gelaufen ist der neueste Abenteuerband für die 7. Edition des Traditions-Horrorrollenspiels CTHULHU! So sieht das gute Stück aus:

Zum Inhalt verrät Chefredakteur drüben im Cthulhu-Forum folgendes:

Inhalt: Die drei Siegerabenteuer der Wettbewerbs „Eidition 7“ von 2016 (Preishverleihung war auf der RPC 2016).

In Kürze:

Platz 1:
Ars Mathematica
von Andreas Osterroth
1920er
Ort der Handlung: ein Zug (d.h. das Abeteuer spielt sich während der Zugfahrt ab

Platz 2:
Jäger und Gejagte
von André Frenzer („Seanchui“, ja, der bekannte cthulhoide Blogger)
1920er
Ort der Handlung: Alaska
One-Shot

Platz 3:
Orakelknochen
von Hilmar Poganatz
NOW
Ort der Handlung: chinesische Grabkammer
One-Shot

Es ist also eine bunte Mischung von Themen, Zeiten und Möglichkeiten.

Nanu? Was ist denn nun los? Billige, dafür umfangreiche Werbetexte hier auf Seanchui’s Blog? Seid Ihr denn nicht eher Rezensionen oder kritischen Umgang mit neu erschienenem CTHULHU-Material auf diesen Seiten gewohnt?

Nun, damit kann ich bei dieser Publikation im Speziellen leider nicht dienen, denn wie unschwer an der Autorenauflistung zu erkennen ist: ich bin dabei. Damit wird sich natürlich zu „Ars Mathematica“ auf diesen Seiten nie eine Rezension einfinden – denn selbst, wenn ich meinen Text ausklammerte: wer würde mir ernsthaft abnehmen, dass ich den Rest eines Bandes, von dem ich ein ganzes Drittel füllte, neutral beurteilen würde? Ich habe tatsächlich bereits einige Projekte mit Pegasus hinter mir und auch schon einiges Material für CTHULHU publizieren dürfen – auch in gedruckter Form. Doch mit „Ars Mathematica“ erscheint nun erstmals ein Band im „normalen“ Produktportfolio, in dem ich meinen Namen platzieren konnte.

Was ich aber unumwunden zugeben muss: Den eigenen Namen in einer „offiziellen“ Printpublikation für das eigene Lieblingsrollenspiel wiederzufinden ist schon ein irres Gefühl. Heute ist ganz unversehens mein Belegexemplar bei mir eingetrudelt und es war sehr spannend, den eigenen Text im offiziellen Layout, professionell lektoriert und bebildert wiederzufinden.

Worüber ich mich natürlich noch mehr freuen würde, ist Feedback. Wie hat Euch der Band gefallen? Und mein Abenteuer? Werdet Ihr es spielen? Falls ja, wie ist es angekommen? Eine gute Anlaufstelle für Feedback dieser Art ist natürlich der entsprechende Thread im Cthulhu-Forum. Doch auch auf diesen Seiten stehen Euch meine Kommentarfelder immer offen!

Eine versunkene Stadt

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 08. Januar 2009
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerNachdem er eingeschlafen war, befiel ihn ein noch nie dagewesener Traum von riesigen Zyklopenstädten aus titanischen Blöcken und vom Himmel gestürzten Monolithen, die vor grünem Schlamm troffen und unheilvolle Schrecken bargen. Wände und Säulen waren von Hieroglyphen bedeckt, und von unten, unbestimmbar, von wo, war eine Stimme erklungen, die keine Stimme war…

H. P. Lovecraft
Der Ruf des Cthulhu

Sollte es tatsächlich wahr sein? Ist ein Teil einer Stadt der Tiefen Wesen, vielleicht gar ein Außenposten R’lyehs gefunden worden? Die Presseagentur Reuters hat jedenfalls eine interessante Meldung veröffentlicht, die ganz sicher in die eigene „Prof. Angell Box” gehört:

Basalt rock wall found in ocean near Taiwan
TAIPEI, Jan 5 (Reuters) – A biodiversity researcher has found a huge basalt rock formation in the Taiwan Strait, resembling a city wall and rivaling similar monoliths on land. The 200 metre-long, 10 metre-high undersea wall, which looks like thousands of pillars packed together, is near the Pescadores archipelago, researcher Jeng Ming-hsiou said on Monday.
Jeng, who is a professor at the state-run Academia Sinica in Taipei, was diving in the area when he saw and filmed the wall, about 40 km (25 miles) west of Taiwan’s main island. “It was completely unexpected,” said Jeng. “It’s not easy to see these formations underwater.” Basalt walls such as the famed Giant’s Causeway on the coast of Ireland and the Wairere Boulders of New Zealand are known to have occured on land but seldom, if ever, found at sea.
The Taiwan Strait formation, which local media have compared to a city wall, likely began with a volcanic eruption as far back as 1,800 years ago, Jeng said.

RPG-Blog-O-Quest März 2017: Magie und Technik

rpg-blog-o-quest_logo3Ah ja, der Februar ist dann doch schon wieder vorbei. Der Jahreszeitenwechsel macht sich auch vor dem Fenster langsam bemerkbar… wird also Zeit, mal wieder eine RPG-Blog-O-Quest zu beantworten! Den März wirft wieder einmal Greifenklaue in den Ring.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt, in abwechselnder Reihenfolgen, Würfelheld oder Greifenklaue dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten – ich bin gespannt und werfe parallel mal den Denkapparat an :-).

Nun aber auf zu den März-Fragen!

1. Magie und Technik im selben Setting _______________ _______________ ________________.
Magie und Technik im selben Setting funktionieren für mich ganz hervorragend. Es kommt allerdings auf den Grad von Technik an, wie ich finde. „Echte“ Magie – also der klassische Feuerball-Magier – passt für mich bis zu einem gewissen Stand der Technik – Schwarzpulverwaffen oder Luftschiffe bspw. Warhammer Fantasy hat mit seinen verrückten Technicus-Errungenschaften in meinen Augen genau den richtigen Grad. Technisiertere Zeiten sollten in meinen Augen spezialisiertere Magie-Inkarnationen mitbringen.

2. Ein abgestürztes UFO als Dungeon ______________ ________________ ______________.
Ein abgestürztes UFO als Dungeon habe ich bislang nur bei CTHULHU erlebt. In einem Fantasy-Setting wäre das nicht meins, auch, wenn man hier viele irre Ideen unterkriegen könnte.

3. Hast Du schonmal einen Roboter/Droiden/Cyborg gespielt und war das wie bei jedem anderen {N}SC oder hatte das eine besondere Note?
Ja, einen Droiden bei Star Wars D6. Nein, keine besondere Note – es tut mir leid :-).

4. Was hältst Du von einem Ansatz wie bei Numenera, wo Technik zur Magie wird?
Bei Numenera finde ich den Ansatz total genial und auch in der Umsetzung sehr gelungen. Ich muß aber gestehen, dass mir das gleiche Konzept bei Warhammer 40k immer leicht auf die Nerven fiel (auch, wenn es einen gewissen Humorfaktor in das Setting bringt…). Wie so oft kommt es auf die Umsetzung an.

5. Was hältst Du von Magie {PSI/ die Macht} in SciFi-Settings?
Alles prima, solange es sich von „normaler Fantasy“-Magie unterscheidet. Die Macht z. B. wirkt einfach nicht wie ein Feuerball-Zauber. Auch bei Fading Suns fand ich die Einbindung von Magiewirkern gut gelöst. Also, eigentlich kein Problem :-).

Außerdem gibt es eine Bonusfrage – diesmal wieder passend zum Karneval Rollenspiel und Bücher:

Welches war das letzte Buch, welches Dich rollenspielerisch beeinflußt hat, ohne ein Rollenspielbuch zu sein? Inwiefern hat es Dich beeinflußt?
Ich nutze gerade für CTHULHU sehr gerne real-historische Bücher für Hintergrundrecherchen… ich weiß aber grade nicht, welches das letzte war, ehrlich gesagt… aber ich schreibe vielleicht noch etwas im Karneval dazu :-).

…lang lebe die Vielfalt!

Hallo zusammen.

Ich schreibe eigentlich selten über „Community“-Themen. Ich habe die „Community“ ins Herz geschlossen und betrachte mich – abseits aller persönlichen Con-Treffen – als Teil ebenjener. Heute möchte ich aber eine Beobachtung mit Euch teilen und Eure Meinung erfahren, daher breche ich einmal mein Schweigen über „Community“-Themen.

Die cthuloide Internet-Community in Deutschland ist verhältnismäßig klein, zumindest, wenn man ihre Internet-Aktivitäten mit denen anderer namhafter Rollenspiele vergleicht. Über „CTHULHU“ wurde im deutschsprachigen Rollenspiel-Web verhältnismäßig wenig gesprochen, so hatte ich immer den Eindruck. Das hat sich allerdings in den letzten Monaten geändert – nicht gravierend geändert, aber doch so erheblich, dass es auffällt. Was ist passiert?

Es ist noch gar nicht so lange her, da bündelte sich die deutsche Internet-CTHULHU-Szene auf einer einzelnen Plattform: dem Cthulhu-Forum. Hier wurde nicht nur über das Rollenspiel gesprochen und gefachsimpelt, sondern auch über Lovecraft im Allgemeinen, andere Horror-Rollenspiele, Bildbände, Hörspiele und alles, was sich im cthuloiden Kosmos da draußen so ansammelte. Natürlich gab es zu dieser Zeit auch cthulhu.de, den Blog, von dessen Bestsellern ich heute noch profitiere. Zwischen diesen beiden großen Anlaufstellen gab es ein paar alte Websites und ein, zwei Blogs – das war es. In anderen Foren war CTHULHU zwar dem Namen nach vertreten, aber kaum aktiv besprochen.

Den ersten tiefen Einschnitt erfuhr das Forum, als es von seiner vertrauten, freien Server-Adresse in die Pegasus-Forenlandschaft integriert wurde. Plötzlich gab es einige „Alt“-Poster, die nicht mehr mitmachen wollten. Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum dem so war. Ich bin wahrscheinlich noch nicht lange genug „dabei“ um beurteilen zu können, wieso viele Poster nicht unter dem direkten Deckmantel des Verlages posten wollten. Ich habe diese User auch leider nicht über irgendeinen anderen Kanal wiedergefunden.

In der Folgezeit gewöhnten sich die übrigen User an die neue Umgebung, lernten die neue Forensoftware schätzen, integrierten herzlich willkommenen Nachwuchs und diskutierten weiter fröhlich über Cthulhu und die Welt. Doch mit den Jahren schlich sich eine Unzufriedenheit ein. Die Leute wurden dünnhäutiger, man meckerte öfters gegeneinander. Hilfreich gemeinte – aber oft unnötige – Eingriffe der Moderaten wurden – oft zurecht – fehlinterpretiert, es wurde von Übermoderation gesprochen. Wenig hilfreiche Threadkomplexe drehten sich um immer wieder die gleichen Themen. Und dann gingen irgendwann alle fort. Das Cthulhu-Forum in seiner damaligen Form als Plattform für die cthuloide Internet-Community existiert nicht mehr. Sporadische Posts, keine Vielschreiber, viel Schweigen. Wenn ein neues Thema eröffnet wird, drehen sich die Diskussionen erst einmal darum, ob man das Thema überhaupt diskutieren sollte, statt das Thema aufzugreifen. Nein, das Forum existiert nicht mehr.

Doch aus der Asche des untergegangen Forums ist Vielfalt entstanden! Der Tanelorn-Channel für CTHULHU ist so aktiv wie schon lange nicht mehr. Gleiches gilt für den Channel bei den Blutschwertern. Mit dem Forum der deutschen Lovecraft-Gesellschaft hat sich darüber hinaus ein themenübergreifendes, neues Lovecraft-Forum etabliert, in dem nach Herzen über cthuloides gefachsimpelt werden darf. Und ja, auch der CoC-Channel bei rsp-blogs.de wird nicht mehr in erster Linie von diesem Blog gespeist, wie es zwischenzeitlich den Anschein hatte.

Ich freue mich über die neue Vielfalt. Ich freue mich, dass ich an verschiedenster Stelle die unterschiedlichsten Meinungen über mein Lieblingsrollenspiel austauschen kann. Ich freue mich, dass sich die „Community“ breiter aufgestellt hat. Und doch bleibt – ehrlich gesagt – ein wenig Wehmut, wenn ich an das alte Forum denke.

Wie seht IHR das? Täuscht mich meine Wahrnehmung? Wie entstand das große Schweigen im Forum? Und interessiert das überhaupt irgendjemanden außer mir?

Warum ich Railroading bei CTHULHU weniger schlimm finde

Hallo zusammen,

heute möchte ich mal wieder ein wenig mehr Rollenspieltheorie auf meinem Blog unterbringen. Ich weiß, eigentlich seid ihr hier eher seichte Unterhaltung und hin und wieder eine PDF mit Spielmaterial gewohnt. Heute aber muß ich selbst einmal meine Gedanken ein wenig sortieren und möchte versuchen, Euch daran teilhaben zu lassen. Außerdem muß ich gestehen, dass ich das Thema recht spannend finde und bin schon sehr gespannt auf Eure Meinung dazu!

rail-1640435_1920Also, die Überschrift verrät es ja schon: heute soll es um „Railroading“ gehen. Railroading ist in vielen rollenspieltheoretischen Diskussionen einer der meistgehassten Begriffe. Die Spieler werden in ihren Entscheidungen beschnitten, sie beobachten die Abenteuerhandlung „wie auf Schienen“, während sie an ihnen vorbeifährt. Ausbrüche nach links und rechts bringen den Plot derart ins Wanken, dass die Spielleitung zu abstrusen Mitteln und letztendlich Spielergängelung greifen muß, um das Abenteuer noch durchzuziehen. Nein, Railroading KANN doch überhaupt nichts gutes sein.

Auch ich habe immer von mir selbst gedacht, Railroading wäre nichts für mich. Aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Doch bevor ich das weiter ausführe, muß ich kurz eine kleine Definition einschieben:

meine Definition Railroading vs. „Böses Railroading“

Für mich existieren zwei Arten von Railroading. Das eine Railroading wird durch Formulierungen „egal was die Spieler nun tun, es passiert…“ oder „egal, wohin die Spieler gehen, es wird…“. Das sind Formulierungen, die ein bestimmmtes Ergebnis in einer Szene erzwingen wollen – und das geht in meinen Augen gar nicht. Ich nenne diese Art „Böses Railroading“, da hier einfach mit der Brechstange ein Plotteil durchgezogen wird, ohne Einflußnahme der Spieler.

Anders sieht es in meinen Augen mit ausweichenden Formulierungen aus. Oft sieht man sie in kleinen „Troubleshooting“-Kapiteln in Einsteigerabenteuern. Die Charaktere haben also den Bösewicht in der ersten Szene versehentlich erschossen – deswegen kann es eigentlich kein „Finale“ mehr geben? Gut, sein „zweiter Mann“ findet seine Unterlagen und es geht wie geplant weiter. Oder so. Das ist für mich „weiches“ oder „nicht-böses“ Railroading. Denn: es hält den anvisierten und vom Spielleiter für gut befundenen Plot am Leben, OHNE direkt Einfluß auf die Spielerhandlungen zu nehmen. Natürlich kann man hier wieder ansetzen, dass die „Freiheit der Spieler“ eingegrenzt wird – aber ehrlich gesagt: wir wollen doch alle Abenteuer erleben, oder? 🙂

Weiter im Text

Nachdem ich diese kurze Definition zwischengeschoben habe, möchte ich kurz klarstellen, dass die weiteren Überlegungen das „weiche“ Railroading betreffen. „Böses Railroading“ bleibt in meinen Augen schlechter Stil. Nun aber weiter im Text.

Ich habe vor kurzem den neuen „Prag“-Band durchgearbeitet. Die komplette Rezension folgt hier in den nächsten Tagen, keine Sorge. Die Aufarbeitung der Abenteuer – und insbesondere der hier enthaltenen Kampagne „Die Goldene Stadt“ unterscheidet sich eklatant von vielen, vielen CoC-Abenteuern, die ich in der Vergangenheit gelesen und/oder geleitet habe. Die Autoren setzen auf eine wesentlich freiere Aufbereitung der Geschichte. Es gibt Zufallstabellen, Zwischeneinschübe, Ideen für Leerlaufstrecken. Die SL ist angehalten, selbstständig NSC einzuführen, die später in der Kampagne wichtig werden können. Eine der verfeindeten Parteien entwickelt sogar ein von den Autoren unplanbares Eigenleben, dass sich von Kampagne zu Kampagne unterscheiden wird.
Ich habe das alles interessiert durchgearbeitet und eigentlich vieles von dem wiedergefunden, was ich für modernes und gutes Rollenspieldesign halte. Und doch stand ich etwas ratlos vor dem Text. Er konnte einfach keinen Funken in mir entzünden und je mehr ich las, desto mehr wurde er mir zur Mühe und Last.

Ich habe nun ziemlich lange darüber nachgedacht, warum das so ist. „Die Goldene Stadt“ enthält alles, was ich von einem modernen Abenteuer erwarte. Viel Freiheit für SL und Spieler. Eine Menge Hints und Hinweise. Beweglich einsetzbare Antagonisten. Intelligent zusammengestellte Zufallstabellen. Und dennoch ist es einfach nicht meins. Warum?

Ich glaube, ich habe für mich eine Erklärung gefunden.

Ich liebe „CTHULHU“. So sehr, dass ich diesem Spiel einen eigenen Blog und damit einen nicht unerheblichen Teil meiner freien Zeit gewidmet habe. Ich habe in der CR publiziert, ich habe für Pegasus geschrieben. Ich habe über Produktphilosophien gewettert und die Community schätzen gelernt. Warum aber liebe ich dieses Spiel? Es ist nicht das simple und angestaubte Regelwerk, dass in meinen Augen teilweise eher stört als förderlich ist. Es ist nicht die „Sanity“-Mechanik. Es ist nicht einmal unbedingt der cthuloide Hintergrund, denn Tentakelmonster gibt es viele. Nein, „CTHUlHU“ erzählt – gerade in seiner deutschen Inkarnation – einfach gute Horrorgeschichten.

Ja, es stimmt. Viele der alten Abenteuer sind unhandlich. Ja, es stimmt – viele leiden unter einem gewissen Maß an Railroading. Aber nun ist mir erstmals aufgefallen, wie gerne ich das in Kauf nehme. Denn: ICH bin kein Autor für Horror-Geschichten. Ich bin nicht einmal ein großer Horror-Film-Fan. Ich mag es, wenn mir ein Autor einen gruseligen Plot präsentiert, der auch meine Spieler gruseln wird. Für mich ist CTHULHU ein One-Shot-System, in dem die Charaktere an den Rand ihrer Möglichkeiten getrieben werden und in dem ihnen schreckliche Dinge widerfahren. Es ist für mich kein System der Charakterentwicklung, der epischen Geschichten, der Langzeitentwicklung, der Verwirrungen und Irrungen, der Antagonistenwechsel und der totalen Freiheit.

Eines meiner liebsten Szenarien ist und bleibt beispielsweise „Tod an Bord“ aus dem „Geisterschiffe“-Band. Eigentlich ist das ganze Szenario Railroading pur, denn die Handlungen der Charaktere haben kaum Einfluß auf den Verlauf der Rahmenhandlung. Dennoch hat es allen meinen Spielern Spaß gemacht, denn dem Abenteuer gelingt der Kniff – und damit ist es letztlich wirklich nicht alleine – eine gute, gruselige Horror-Story zu erzählen und DENNOCH den Spielern totale Bewegungsfreiheit „vorzugaukeln“. Sie können während des Tages an Bord des Luxusliners tun und lassen, was sie wollen. Sie können sich streiten, mit wem sie wollen, sie können in ihrer Kabine hocken, sie können essen, tanzen oder schwimmen gehen. Sie können sich natürlich auch entscheiden, aktiv am Plot mitzuwirken – so entfaltet das Szenario sicher die größte Wirkung. Aber egal, wie sich der Abend gestaltet – alle werden eine gruselige Geschichte erleben. Sie stimmt vom Pacing, die eingestreuten Effekte sind stimmig. Und das ist es doch, weshalb wir CTHULHU spielen, oder?

Wie seht ihr das? Wieviel Freiheit sollte eine gute Horror-Story den Spielern gewähren, um noch als solche durchzugehen? Wieviel „modernes Design“ verträgt „CTHULHU“, bevor es „Fantasy-Tentakel-Spektakel“ wird? Sehe ich das Alles zu engstirnig und „ewig-gestrig“? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt!

Seanchui

RPG-Blog-O-Quest Februar 2017: Rollenspielzubehör

rpg-blog-o-quest_logo3Ein wenig still ist es schon geworden, hier auf diesen Seiten. Tatsächlich arbeite ich im Moment an einigen anderen Themen, die sich hoffentlich bald schriftlich in der einen oder anderen Form wiederfinden lassen. Das wird die Zeit zeigen. Um diesen Blog aber nicht völlig brach liegen zu lassen, bietet sich die Teilnahme an der aktuellen Blog-O-Quest, dieses Mal organisiert vom Würfelhelden, natürlich an!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt, in abwechselnder Reihenfolgen, Würfelheld oder Greifenklaue dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Auf geht’s zu den Fragen!

1. Welches Rollenspielzubehör hast Du zuletzt gekauft und warum?
Zuletzt habe ich mir 25 sechsseitige Würfel im Pack gekauft. Diese sind komplett Weiß, unbedruckt und blanko. Ich habe vor, sie mir irgendetwas zu bekleben, habe aber noch keinen rechten Plan, womit eigentlich. Aber der Preis war unschlagbar günstig und ich habe blind zugeschlagen. Mal schauen, was daraus vielleicht wird.

2. Hast Du schonmal Zubehör gebastelt (Beweisfotos wären toll) und dieses auch eingesetzt?
Hm, ich habe in jungen Jahren für meine DSA-Helden „Heldenbücher“ gebastelt, so mit selbst gezeichneten Ausrüstungslisten und so nem Kram. Seitdem ich allerdings einen Computer habe, beschränken sich meine „Basteleien“ auf den digitalen Sektor.

3. Planst Du derzeit weitere Käufe und/oder Basteleien?
Tatsächlich spiele ich sehr ernsthaft mit dem Gedanken, mir ein „GamerBoard“ anzuschaffen. Allerdings eher für’s „Haben“ und weniger, weil ich es im Spiel ernsthaft vermisse.

4. Hast Du Battlemap-Erfahrungen?
Kaum. Für meine neu gegründete Einsteigergruppe bin ich allerdings dazu übergegangen, Karten zu zeichnen. Irgendwie haben wir das früher nie gemacht – es reichte uns, wenn die SL „links oder rechts?“ fragte. Da ich nun aber erstmals eher in Richtung „Dungeon“ für die Gruppe gehe, wollte ich es auch ein wenig plastischer aufziehen. Damit sind wir allerdings auch immer noch meilenweit von einer „Battlemap“ entfernt, wie ich zugeben muss.

5. Was hältst Du von Token, Miniaturen, TriFolds, Countern, Pöppeln und was bevorzugst Du ggf.?
Wir haben so etwas nie eingesetzt. Ich mag Miniaturen und habe auch eine ganze Zeit lang TableTops gespielt. Aber im Rollenspiel hatte ich bislang noch nicht das Bedürfnis nach einer plastischen Visualisierung von Kampfszenen.

H.P. Lovecrafts Neuengland – Die Architektur

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 15. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Das endlose Gewirr durchhängender Walmdächer und spitzer Giebel rief mit erschreckender Eindringlichkeit die Vorstellung wurmstichigen Verfalls hervor, und als wir auf der nunmehr abfallenden Straße näher kamen, konnte ich sehen, dass viele Dächer gänzlich eingestürzt waren. Es gab auch ein paar große, viereckige georgianische Häuser mit Walmdächern, Kuppeln und Erkern.

– H.P. Lovecraft
Der Schatten über Innsmouth

Immer wieder beschreibt Lovecraft in seinen Geschichten die schiefwinkligen Gebäude Arkhams oder Innsmouths. Dabei fällt oft der Begriff „georgianisch“, aber wie sehen die Straßen von Innsmouth denn nun aus und wie erscheint dem Reisenden ein Gang durch die Gassen Arkhams, deren Pflaster von den großen Walmdächern umringt werden? Eine Antwort auf diese Frage bietet hoffentlich dieser Artikel.

Beginnen wir jedoch chronologisch, denn der georgianische Stil ist bei weitem nicht der Einzige der in Neuengland anzutreffen ist, auch wenn er wohl zu seiner Zeit äußerst beliebt war und man noch heute viele georgianische Bauwerke auf einer Reise durch die Staaten zu sehen bekommt.

Early Colonial
earlycolonialDie ersten europäischen Siedler bauten in Neuengland Häuser, die eine vertikale Asymmetrie aufwiesen, wie seinerzeit im Mittelalter. Im Laufe der Zeit wurde die Ausrichtung jedoch symmetrisch und entfaltete sich im 18. Jahrhundert zum Colonial-Stil. Walmdächer mit aufgesetzten Schornsteinen sind charakteristisch für diese Art der Gebäude und wurden in Neuengland mit Schindeln gedeckt, wohingegen im Osten Englands Dachpfannen verwendet wurden. Flügelfenster verteilten sich ausbalanciert auf jeder Seite des Hauses ohne aufdringlich zu wirken.

Georgian
georgianBereits 1686 wurde in Boston das erste Gebäude im georgianischen Stil erbaut und wenig später trat dieser Stil seinen Siegeszug durch Neuengland an. Die klassische Architektur der römischen und griechischen Antike stand hier als Vorbild Pate und die Symmetrie ist das vorherrschende Element in der georgianischen Architektur. Die Gebäude sind vom Grundriss und von der Fassade her klar symmetrisch gegliedert und die Walmdächer verleihen der Gesamtansicht eine vollendete Balance. Auf die Flügelfenster des Early Colonial Stils wurde dagegen verzichtet, sie wurden durch Schiebefenster ersetzt. Viele der Gebäude verfügen zudem über Pilaster (ausgearbeitet Teilpfeiler, die vor allem in der Antike genutzt wurden), die nicht nur bei der optischen Gliederung dienlich sind, sondern auch tragende Funktionen erfüllen können.

Federal
federalDer postrevolutionäre Stil der „Federal“ genannt wurde (1780-1830), war wesentlich flexibler und graziler als der georgiansiche Stil. Inspiriert wurde er durch die freigelegten Städte Pompeji und Herculaneum. Seine Innenräume waren kunstvolle Vielecke, ovale und auch kreisrunde Zimmer, die mit Ornamenten verziert wurden, auf denen Urnen und Girlanden zu sehen waren.

Gothic Revival
gothicrevivalNach 1830 wurden die Farben dunkler, die Symmetrie durch Asymmetrie ersetzt und der Spitzbogen hielt Einzug in Neuengland, während die Dächer giebliger und abschüssiger wurden. Erker und Erkerfenster konnte man nun öfter sehen und oft glänzte dort das Buntglas.

Greek Revival
greekrevivalIm südlichen Neuengland war der Greek Revival Stil recht bliebt, dessen Bauwerke die Form griechischer Tempel hatten. Er wurde dort für öffentliche Gebäude genutzt, aber man konnte ihn später auch im nördlichen Neuengland bei dem ein oder anderen Wohnhaus finden. Dieser Stil vereint in sich griechische und römische Aspekte und gilt als Nachfolger des populären Federal-Stils.

Renaissance Revival oder Beaux Arts
beauxartsNachdem in den 1880ern/1890ern die amerikanischen Architekten in Paris am „Ecole des Beaux Arts“ studierten und in die Vereinigte Staaten zurückkehrten, brachten sie eine Wiederentdeckung der Renaissance mit sich. Manchmal in städtischen Wohnhäusern genutzt, fand Beaux Arts eher bei akademischen oder öffentlichen Gebäuden Anklang. Der Stil umfasst drei Perioden der Renaissance und vereint sie in Vollendung.

Richardson Romanesque
richardsonromanesqueRichardson Romanesque vereint in sich die Nutzung massiver Formen und filigraner Details der romanischen Baukunst: rundliche Torbögen, Türme und widerstandfähige Verklinkerungen. Das bekannteste Bauwerk ist wohl die Trinity Church in Boston, die von Henry Hobson Richardson entworfen wurde, nach dem dieser Stil benannt wurde.