7. WOPC: eine cthuloide Nachlese

Hallo zusammen,

die Abstimmungsfrist für den diesjährigen Winter-OnePageContest ist am gestrigen Tage abgelaufen. Bereits knapp zwei Wochen steht das Material online zur Verfügung – in diesem Jahr also genug Zeit vor dem GratisRollenspielTag, um einen Blick auf das Material zu werfen. Wie auch in den vergangenen Jahren habe ich mich auf der Suche nach cthuloidem Material für Euch durch die beeindruckenden PDF-Dateien gewühlt.

Wie auch schon in den vergangenen Jahren präsentiere ich die Einträge wieder nach Setting sortiert, nicht nach Kategorie. Ich hoffe, Ihr findet Euch dennoch rasch zurecht :-).

CTHULHU WildWest

  • Die „Chicago Great Western Railroad“

Ich mag inspirierende Zufallstabellen und „Die „Chicago Great Western Railroad““ ist eine tolle Inspirationsquelle für Western-Settings aller Art. Insbesondere der hohe Anteil von Klischees, die ohne große Beschreibung auskommen und die angenehme Komplettheit der Liste – inklusive Plothooks und Namen – haben mich voll überzeugt.

Darüber hinaus hat Nick Dysen wie auch in den vergangenen Jahren einige Episoden für „Deadlands“ über die verschiedenen Kategorien verteilt, die jedoch in diesem Fall mehr auf die ungewöhnlicheren Settingeigenheiten eingehen und damit nicht so ohne weiteres für CTHULHU WildWest konvertierbar sind. Dennoch gibt es von mir eine klare Leseempfehlung für diese OnePager.

1920er

  • Jimmy will Dich sehen

In der Kategorie „Im Zentrum der Macht“ hat sich ein waschechter Gangsterplot eingeschlichen, der sich hervorragend in einer Gangsterkampagne unterbringen lassen sollte. Seine volle Wirkung entfaltet es aber wohl als OneShot, denn insbesondere die Charakterkonstellation ist absolut göttlich. Ich könnte mir gut vorstellen, „Jimmy will Dich sehen“ mit „FIASCO“ zu beenden, aber auch eine cthulhoide Verknüpfung bietet sich an. Schaut es Euch an.

  • Der Große Max

Als Schauplatzkarte konzipiert ist „Der Große Max“ natürlich universell einsetzbar. Doch damit natürlich auch für CTHULHU. Wer einmal einen besonderen Schauplatz über den Wolken sucht, der sollte sich diesen gelungenen OnePager merken.

  • Ein Opfer für den Mondbaum

Das für „FHTAGN“ geschriebene „Ein Opfer für den Mondbaum“ ist settingtechnisch ein wenig schwierig einzubauen, funktioniert es doch als waschechter Traumlandeplot in jeder Epoche gleichermaßen; mit ein wenig Arbeit lässt es sich sogar zu einem Katzulhu-Szenario umstricken, denke ich. Wer einen sachten Einstieg in die Tiefen der Traumlande braucht, sollte hier einmal einen Blick riskieren – für Einsteiger in die Traumlandethematik bietet sich das „Opfer für den Mondbaum“ vorbehaltlos an.

NOW

  • Roadkill

Das leicht slapstickartig angehauchte „Roadkill“ lässt sich problemlos in ein „Blood-Brother“-ähnliches CTHULHU-Szenario verwandeln – oder man nimmt die angestrebte Ausgangslage als Basispunkt für einen bierernsten CTHULHU-Plot, je nach Wunsch. Gelungen.

  • Olde Roulemaster

Mein eigener Beitrag für die Kategorie „On the Road“ ist zugegebenermaßen wenig cthuloid, aber doch als Grusel/Mystery-Element konzipiert. Wer einmal ein wenig Abwechslung braucht – oder einen Bus benötigt, der auch von Yog Sothoth verflucht sein könnte – kann ja mal querlesen. Ich denke, diesen OnePager werde ich bezeiten auch hier noch einmal gesondert veröffentlichen.

SO! Das war’s schon wieder. Tatsächlich sind es deutlich weniger Einseiter als im letzten Jahr, was aber wohl auch an den Kategorien liegt – die „Geisterhaus“-Seiten des letzten Jahres ließen sich nahezu alle cthuloid ausschlachten. Bleibt nur, danke zu sagen. Danke, Greifenklaue, Würfelheld, Teilnehmer, Jury und Sponsoren!

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Rezension: Gruselkabinett 90: Die Farbe aus dem All

Ein weiteres Mal widmet sich die erfolgreiche Reihe des „Gruselkabinett“ den Werken des Altmeisters der modernen Horrorliteratur, Howard Phillips Lovecraft. Mit „Die Farbe aus dem All“ hat sich Marc Gruppe dieses Mal ein oft interpretiertes Werk Lovecrafts vorgenommen. Wie gelungen ist seine Umsetzung des Stoffes?

Zwei Landvermesser reisen durch die Wildnis nahe Arkhams. Ihr Auftrag lautet, ein Tal zu vermessen, dass durch den Bau eines geplanten Staudammes geflutet werden soll. Bald stoßen sie auf einen Landstrich, dessen unheimliche, verödetet Atmosphäre ihnen Furcht einflößt. Der alte Ammi Pierce, einer der wenigen Bewohner der Gegend, erzählt ihnen daraufhin die Geschichte der „Verfluchten Heide“, wie die Einheimischen den Landstrich nennen.

Mehr zu erzählen würde der morbiden Faszination, die Lovecrafts Geschichte heraufzubeschwören vermag, schaden. Daher beschränke ich mich auf diese reichlich kurze Zusammenfassung und schwärme stattdessen lieber über die Geschichte selbst, denn die Vorlage, die Marc Gruppe für die neunzigste Ausgabe des „Gruselkabinett“ gewählt hat, gehört zu Lovecrafts besten Geschichten. Der Spannungsbogen, die geheimnisvollen Andeutungen, das sich im Wahn überschlagende Finale: hier stimmt einfach alles.

Es mag nicht verwundern, dass „Die Farbe aus dem All“ damit zu den schon oft interpretierten und adaptierten Werken Lovecrafts zählt. Es gibt sie als Hörbuch, als Hörspiel, Huan Vu widmete ihr mit „Die Farbe“ eine sehr gelungene, lovecrafteske Verfilmung und auch als moderne Bild- und Klanginstallation durften Lovecraftfans „Die Farbe aus dem All“ bereits bewundern. Marc Gruppe stellt sich also zahlreichen Vergleichsmöglichkeiten und – um es vorweg zu nehmen – schneidet dabei gar nicht schlecht ab.

Ein wenig nervös wurde ich gleich in der Einleitung, hat Gruppe dem einsam reisenden Landvermesser aus Lovecrafts Originalgeschichte doch eine junge Frau an die Seite gestellt, mit der er gemeinsam die „Verfluchte Heide“ besucht. Während sich in ihrem koketten Miteinander ein weiterer Versuch Gruppes anzubahnen schien, Lovecrafts Geschichten mithilfe von romantischen Anleihen in die moderne Adaption zu verhelfen, beließ er es – glücklicherweise – bei diesen zarten Andeutungen. Wie im Original trägt Ammi Pierce als Erzähler die Geschichte, die sich fortan sehr eng am Original hält und gut weitererzählt wird.

Die wiederum illustre Riege bekannter Sprecher – allen voran Jochen Schröder als Ammi Pierce – führen sehr gekonnt durch die traurige Geschichte der Familie Gardner. Insbesondere die Sprechleistung der drei Söhne Zenas, Thaddeus und Merwin Gardner weiß zu gefallen. Musik und Soundeffekte sind ein weiteres Mal stimmig in die Geschichte eingebunden und unterstützen die Erzählung, wo es geht. Technisch ist damit wieder einmal alles in Ordnung.

Fazit: Mit „Die Farbe aus dem All“ liegt eine sehr gute Hörspieladaption einer fantastischen Geschichte vor. Fans von Lovecraft oder der „Gruselkabinett“-Reihe machen auch mit der neunzigsten Ausgabe sicher nichts falsch.

RPG-Blog-O-Quest Februar 2018: Das perfekte Rollenspiel?

Ein neuer Monat, eine neue RPG-Blog-O-Quest. Für „Spiele im Kopf“, den Ausrichter in diesem Monat, tut es mir schon ein wenig leid, denn diese Einleitung wird deutlich kürzer als sonst. Teils ist es der Zeitmangel, teils die Tatsache, dass es mir immer schwerer fällt, der monatlichen Queste eine ausführliche Einleitung zu verpassen, die sich deutlich von den Vormonaten unterscheidet. Eines vielleicht: meine Antworten zeigen natürlich nur MEINE Sicht auf die Dinge und sind kaum universell einsetzbar :-). Wie auch immer, die Original-Fragen findet ihr HIER.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten!

So, und nun in die Vollen!

1. Über- und Unterwürfeln, Poolsysteme, Karten ziehen oder erzählerische Fakten schaffen – die Liste der Mechanismen ist lang. Die perfekten Rollenspielregeln …
…lassen sich in zehn Minuten erklären und bieten dennoch den einen oder anderen Kniff, um später die eine oder andere taktische Herausforderung zu bieten. Ich mag es gern regelleicht und mir ist es wichtig, meine Gruppen nicht allzulange damit aufzuhalten, Regeln lernen zu müssen.

2. EDO, Sword & Sorcery, Harte SF, Postapokalypse – so viele Genres. Das perfekte Rollenspielsetting …
…hat Tentakel? Nein, jedes Setting hat seine Daseinsberechtigung und keines ist perfekt. Ich mag es, wenn Settings auf der einen Seite bunt und neu sind, auf der anderen Seite aber nur so grob beschrieben, dass ich mich als Spielleiter noch voll austoben kann. Das Genre ist dabei zweitrangig, wobei ich persönlich am Ehesten der Fantasy und dem Horror-Genre zugeneigt bin.

3. Aufwändige Hardcover, günstige Taschenbücher, Boxen oder PDFe. Das perfekte Starterprodukt …
…enthält den kompletten Regelkern! Nichts finde ich nerviger, als mich nach der Starterbox an neue Regeln gewöhnen zu müssen. Ich finde auch, dass die Charaktergenerierung MIT in die Starter gehört. Das perfekte Starterprodukt war damit eigentlich der alte „CTHULHU“-Schnellstarter, den es von Pegasus bis zur 3. deutschen Edition gab. Mit dem Ding konnte man unendlich lange weiterspielen, wenn man auf ein paar Hintergrundinfos verzichten konnte :-).
Wenn es wiederum um die PublikationsFORM gehen soll: also, ich mag Boxen…

4. Metaplot und Sandkasten, Splat-Books und Hintergrundbände, One-Shots und Kampagnen – Möglichkeiten, sich in einem Rollenspiel auszutoben, gibt es viele . Die perfekten Ergänzungspublikationen …
…enthalten reizvollen Inhalt :-). Nein, ich denke Ergänzungen sind immer dann perfekt, wenn sie mich in einer bestimmten Detailfrage voranbringen. Wenn ich allerdings eine bestimmte Publikationsform bestimmen muss – dann würde ich gerne mehr Material in der Art von „Das neue Ätherversum“ für „Space: 1889“ sehen wollen. Kurze Informationsschnippsel, gepaart mit ein paar guten Szenario-Ideen in wilder Mischung und ohne sich ewig in Details zu verlieren… da kann man was draus machen. Die OPC-Downloads gehen da in eine ganz ähnliche Richtung :-).

5. Würfel, Spielleiterschirm, Kartenwerk oder Spielkarten. Das perfekte Rollenspielzubehör …
…gibt es für mich nicht. Die meisten empfinde ich dann doch eher als unnützes Beiwerk.

Bonusantwort
Und dieses perfekte Produkt darf dann gerne geschrieben / publiziert werden von …

…jedem, der es kann?

WOPC 2017: Jetzt abstimmen!

Wie treue Leser meines Blogs wissen, fand bis zum Anfang dieses Jahres wieder der von Greifenklaue und Würfelheld organisierte OnePageContest statt! Heute hat der gute Greifenklaue alle Beiträge online gestellt und sie damit dem Publikumsvoting übergeben. Bis zum 20. Februar habt ihr Zeit, Eure Stimme für die einzelnen Beiträge je Kategorie abzugeben. Ich habe wieder fleißig den virtuellen Bleistift geschwungen. Natürlich freue ich mich dabei über jede Stimme, die ich abbekommen sollte 🙂 – aber eine erste Durchsicht zeigt auch, dass hier wieder extrem viel unterschiedliches, sehr starkes Material zusammengekommen ist.

Nun aber ran: die Dateien und Modalitäten findet Ihr hier: https://greifenklaue.wordpress.com/2018/02/08/7-wopc-die-abstimmung-beginnt-jetzt/

Ein paar Links in eigener Sache…

Hallo zusammen!

Heute möchte ich drei Links in eigener Sache loswerden, denn ich freue mich wahnsinnig über ein paar Dinge, die ich Euch als meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten wollte :-).

Zunächst einmal hatte ich die Möglichkeit, mich abseits meines Blogs ein wenig cthuloid-schriftlich auszutoben. Als Friederike von FateRPG.de bei mir anfragte, ob ich mir vorstellen könnte das neue „Die geheime Welt der Katzen“ mit einem katzulhoiden Artikel zu unterstützen, war ich gleich Feuer und Flamme. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen:

Hinterlasst doch einen Kommentar, wenn es Euch gefallen hat :-).

Dann habe ich leider viel zu spät festgestellt, dass Michael von jaegers.net für seinen „CTHULHU“-Podcast tatsächlich mein erstes publiziertes Abenteuer – „Jäger und Gejagte“ aus dem Band „Ars Mathematica“ verwendet hat. Ihr könnt seine Interpretation in zwei Teilen auf seiner Homepage finden:

Ich habe mich wirklich wahnsinnig darüber gefreut, einmal eine andere Gruppe mit einem meiner Abenteuer „live“ zu erleben. Auch finde ich einige von Michael ersonnenen Szenen einfach großartig! Natürlich ist das Fazit, dass Michael am Ende des zweiten Podcasts zieht dann weniger erfreulich:

Eigentlich klang das Abenteuer sehr vielversprechend, beinhaltete es doch alle Elemente, die eine Horror Story beinhalten soll. Doch das Spiel gestaltete sich in der Praxis dann allerdings bedauerlicherweise sehr railroadig und zäh. Über große Strecken hinweg kam leider kein richtiges Rollenspiel zustande und es wirkte mehr wie eine monologe Erzählung des Spielleiters.

Eine Kritik, die ich mir absolut zu Herzen nehmen muss, denn Michael hat das Abenteuer wirklich mit großem Enthusiasmus geleitet! Meinen Dank dafür!

1W100 – Random Blog Encounters: meine Januar-Antworten

Anfang des Jahres stellte Sorben von den „Gelben Zeichen“ gleich einhundert Fragen – genauer: 1W100 Random Blog- Encounters – auf seinen Blog. Eine nette Idee, die ich gerne aufgreifen möchte. Zu jedem Monatsletzten greife ich zu meinem W100 – als CTHULHU-Spieler ja ohnehin ein Pflichtutensil auf meinem Schreibtisch – und werde 3 Fragen beantworten. Mal schauen, welche Fragen die Würfel mir zuweisen:

55. Nach den Regeln des Spiels oder Hausregeln?
Oh. Also, prinzipiell nach den „Regeln des Spiels“. Ich neige allerdings dazu, hier etwas „handwedelig“ zu sein und daher am ehesten Systeme mit geringem Crunch-Faktor zu spielen, die derartiges meiner Erfahrung nach am ehesten „verzeihen“, indem sie einfach auch so „funktionieren“, ohne sich an jedes Detail gehalten zu haben. Also, der Will ist da :-).

26. Was sind deine Vorzüge als Spielleiter/Spieler und was sind deine Defizite?
Zu „Spieler“ kann ich kaum mehr etwas sagen. Es ist Jahre her, dass ich Spieler war. Ich glaube, meine Charaktere waren zumeist ein wenig eindimensional, auch, wenn ich zumindest darum bemüht war, Unterschiede heraus zu arbeiten.

Als Spielleiter denke ich, dass ich recht flott und detailreich umschreiben kann; auch meine (vom Geschichten-Vorlesen für die Kinder) gestählte „zwanzig-verschiedene-Stimmen-Stimme“ gelingt mir mittlerweile ganz gut. Ich betrachte mich tatsächlich als „fair“ im objektiven Sinne und ich bin mittlerweile ganz gut im „Pacing“, also das Tempo des Abenteuers an unsere Spielzeit anzupassen. Improvisationstalent ist allerdings nur eingeschränkt vorhanden (was ich unumwunden zugeben muß), auch, wenn das in den letzten Sessions besser geworden ist. Und ich werde wohl kein großer „Stimmungs“-SL mehr, wie ich fürchte. Unterschiedliche Stimmen und Sprechtempi, dazu ein wenig Hintergrundmusik: zu mehr reicht es bei mir zumeist nicht. Um „mehr“ zu erreichen müsste ich mehr aus mir herauskommen – und das liegt mir nicht wirklich.

50. Aus und vorbei. Der letzte Gegner ist besiegt, die letzten EP verteilt. Hast du schon mal ein gekauftes Abenteuer/Kampagne erweitert, weil sie dir so gefallen hat?
Nein. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich so etwas ablehnen würde. Es hat sich schlicht nie ergeben. Unser letzter „DSA“-Spielleiter hat uns nach der letzten Großen Kampagne weitere Abenteuer mit der gleichen Gruppe erleben lassen wollen, was mir gut gefiel; leider hat die Gruppe aber nicht mehr allzulange Bestand gehabt.

Meinen Dank an Sorben für’s fleißige Fragenstellen!

Rezension: Gruselkabinett 100: Träume im Hexenhaus

Howard Phillips Lovecraft schuf für seine Geschichten einen ganzen Landstrich in Neuengland, ganz in der Nähe von Salem und Boston. Hier liegt Arkham, eine auf den ersten Blick alte und ehrwürdige Universitätsstadt. Doch in ihren verwinkelten Gassen lauert das Grauen…

Arkham ist einer der zentralen Orte aus H. P. Lovecrafts Werk. Gemeinsam mit dem verkommenen Innsmouth, dem heruntergekommenen Dunwich und dem verträumten Kingsport bildet Arkham das sogenannte „Lovecraft Country“, jenen fiktiven Landstrich in Neuengland, in dem der amerikanische Autor zahlreiche seiner Geschichten angesiedelt hat. Arkham ist dabei Sitz der Miskatonic University und eine der ältesten und größten Städte des Countrys. Während viele Geschichten Lovecrafts einen Bezug auf Arkham nehmen und die Stadt zumindest am Rande erwähnen, spielt „Träume im Hexenhaus“ komplett in dieser alten Stadt.

Der junge Walter Gilman ist Mathematikstudent an der Miskatonic University. Im Rahmen seines Studiums stößt er auf die Aufzeichnungen der alten Hexe Keziah Mason, die vor über 200 Jahren in Arkham ihr Unwesen trieb. Mithilfe einer bestimmten mathematischen Formel soll es ihr und ihrem verdorbenen Rattenwesen Brown Jenkins gelungen sein, die „vierte Dimension“ zu betreten und so ihren Häschern der Inquisition zu entkommen. Gilmans Interesse an dieser Formel ist geweckt und er entschließt sich kurzerhand als Untermieter in dem alten Hexenhaus, dass einst von Mason selbst erbaut wurde, einzuziehen. Ob das wiederum eine so schlaue Entscheidung war, muss sich noch zeigen…

Ich muss zugeben, dass ich trotz einer großen Affinität zu Lovecrafts Werk kein Freund der Originalgeschichte „Träume im Hexenhaus“ geworden bin. Ich stand also der Hörspieladaption für die Reihe des „Gruselkabinett“ – wie gewohnt aus der Feder von Marc Gruppe – eher skeptisch gegenüber. Ich muss allerdings zugestehen, dass die Umsetzung als Hörspiel durchaus gelungen ist. Etwas ungewohnt für die Reihe des „Gruselkabinett“ ist der regelmäßige Auftritt eines Erzählers – hier souverän vertont von Hasso Zorn – um die Geschichte voranzutreiben; üblicherweise setzt Gruppe eher auf Dialoge, um Handlungssprünge zu erläutern. Dieser Kniff unterstreicht die Einsamkeit und Hilflosigkeit, mit der der Protagonist alsbald den Umtrieben der jahrhundertealten Hexenwesen ausgesetzt ist, allerdings sehr gekonnt.

Das soll die Leistung der übrigen Sprecher im Übrigen nicht schmälern. Gerade Hannes Maurer gibt einen hervorragenden Walter Gilman, dem man seinen jugendlichen Leichtsinn wirklich abkauft. In den Nebenrollen konnten mich gerade Wilfrid Herbst in der Rolle des hysterischen Nachbarn Mazurewicz sowie Hans Bayer als unfreundlicher Vermieter Dombrowski voll überzeugen. Auch an der musikalischen Untermalung und den wie immer mit Sorgfalt und Bedacht eingesetzten Toneffekten gibt es nichts zu meckern. Auch technisch weiß mich die 100. Jubiläumsausgabe des „Gruselkabinett“ voll zu überzeugen.

Als besonderer Bonus liegt der 100. Folge auch noch eine DVD bei, auf der ein filmisches Portrait des Titania Medien Verlags enthalten ist. Gerade zum Jubiläum ist das eine schöne Sache und rundet das Paket gut ab.

Fazit: Kann mir die Vorlage „Träume im Hexenhaus“ auch nicht voll zusagen, so ist die Umsetzung als Hörspiel hervorragend gelungen. Nicht zuletzt dank des Bonusmaterials empfehlenswert.