Rezension: Arkham Noir – Fall 1: Die Hexenkult-Morde

Ein Solospiel, inspiriert von den zusammenhängenden Erzählungen von H. P. Lovecraft und anderen Autoren? Klingt interessant, wenn auch ungewöhnlich. Riskieren wir doch einmal einen Blick.

„Arkham Noir“ ist ein Kartenspiel für einen Spieler, das auf den Motiven von H. P. Lovecraft und seinen Epigonen basiert. Zahlreiche Motive aus seinen bekannteren „Lovecraft Country“-Geschichten werden verarbeitet und adaptiert, um als Crime-Noir-Geschichte neu erzählt zu werden. So liest sich schon die Einleitung in dieses kleine Spiel unheimlich-stimmungsvoll:

„Die Walpurgisnacht, der Vorabend des ersten Mais, ist seit jeher ein Albtraum im von Hexen heimgesuchten Arkham. Es geschehen finstere Dinge und häufig verschwinden ein oder zwei Kinder spurlos. Dieses Jahr tauchten die Leichen einiger Studenten der Miskatonic-Universität auf, die sich mit okkulten Studien beschäftigt hatten. Die Polizei hat dich aufgrund deiner außergewöhnlichen Expertise gebeten, dieser Angelegenheit nachzugehen. Doch die Zeit drängt. Am Ende der Walpurgisnacht wird die Spur erkalten und die Täter werden sich in die Schatten zurückziehen – bis zum nächsten Hexensabbat, wenn ein neuer Todeszyklus beginnt. Als Privatdetektiv Howard Lovecraft untersuchst du mysteriöse Ereignisse, die auf den Geschichten „Träume im Hexenhaus“ (1933), „Das Ding auf der Schwelle“ (1933) und „Das Unnennbare“ (1923) basieren.“

So, wie nun aber funktioniert das Ganze? Zunächst einmal gilt es die mitgelieferten 64 Karten zu sortieren. Diese sind unterteilt in Hinweiskarten, Fallkarten, einige Übersichtskarten sowie eine Kontaktperson-Karte. Diese Karten werden dann in einer bestimmten Reihenfolge ausgelegt, um einen flüssigen und übersichtlichen Spielablauf zu ermöglichen. Die Fallkarten präsentieren jeweils ein Mordopfer, das dem Hexenkult zum Opfer fiel. Im Laufe des Spiels zieht man Hinweiskarten, die verschiedene Symbole aufweisen. Zum einen gibt es verschiedene Hinweisarten – wie Personen, Indizien oder Orte – zum anderen weist jede Hinweiskarte am Kartenrand Symbole auf. Diese Hinweiskarte werden an das jeweilige Mordopfer angelegt, jedoch nur, wenn die Symbole am Kartenrand zueinander passen. Ziel ist es, Reihen aus mindestens fünf verschiedenen Hinweisen auszulegen, um einen Fall abzuschließen. Dabei legt das Spiel dem findigen Privatdetektiv immer wieder Steine in den Weg. Das Ausspielen einiger Karten erfordert sogenannte Stabilitätstests, die – zu oft misslungen – ein Spiel vorzeitig beenden können. Einige Karten bringen darüber hinaus besondere Voraussetzungen mit, um überhaupt gespielt werden zu können. Und über alledem schwebt der Zeitdruck, denn ist ein Fall zu lange geöffnet erkaltet die Spur und führt zu weiteren Stabilitätsverlusten.

Das Spiel weist dabei einen angenehmen Komplexitätsgrad auf. Es erwartet vorausschauendes Spiel, eine gute Kartenwahl und belohnt gutes Timing. Dabei ist es nicht zu einfach, und es hat mir einige Testrunden abgenötigt, bevor ich es zum ersten Mal gewinnen konnte. Über einfache Regelmechanismen lässt sich der Schwierigkeitsgrad für Vielspieler noch erhöhen. Damit spricht es Taktiker mit einem Hang zum Glücksmoment an.

Zugegeben: Das Spielprinzip, passende Symbole aneinander zu legen, klingt erst einmal wenig lovecraftesk. Das hätte mit verschiedenen Obstsorten und glitzernden Einhörnern als Motivwahl (um ein besonders konträres Beispiel zu wählen) genauso funktioniert. Doch durch die beklemmenden Motive, den ständigen Druck durch die sinkende Stabilität und die düstere Aufmachung der Karten entsteht tatsächlich ein Druck beim Spieler, der durchaus an Lovecrafts Werk anknüpfen kann. Leider lassen sich aus den oft wahllos aneinandergereihten Hinweiskarten allerdings kaum lovecrafteske Geschichten ableiten.

Die verwendeten Grafiken sind zwar mit einfachen Strichen gezeichnet, doch sehr gut gelungen. Die Qualität der Karten ist hochwertig und sie wirken sehr stabil. Und auch der Karton ist durchaus auf Langlebigkeit ausgelegt. Die Verarbeitung des Spiels ist damit absolut gut gelungen.

Fazit: „Arkham Noir“ weiß zu gefallen. Das Spielprinzip spricht den Taktiker an – auch, wenn Glücksmomente durchaus zum Spielprinzip gehören – während die Motive dem Lovecraft-Fan zu gefallen wissen. Wer sich zu einer der beiden Gruppen zählt, darf hier durchaus einen Blick riskieren.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de

RPG-Blog-O-Quest #52: Rückblick auf 2019

Ein frohes neues Jahr, liebe Leser! Traditionell beschäftigt sich die Blog-O-Queste im Januar mit einem Rückblick auf das vergangene Rollenspieljahr. Und das ist wie immer eine sehr gute Gelegenheit, einen Startpunkt in das diesjährige Blogjahr zu finden. Die Fragen findet Ihr im Start-Post des diesmonatigen Quest-Betreuers Greifenklaufe!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. Welches Rollenspielereignis war für dich am prägnantesten/lustigsten/einprägsamsten in 2019?
Oha, das ist tatsächlich etwas schwierig. Ich habe tatsächlich gar nicht so wahnsinnig viel gespielt, und dennoch haben sich einige großartige Dinge ergeben.
– Wir haben mit meiner „Einsteiger“-Runde – die ich mittlerweile wohl zu „alten Hasen“ zählen muss – unsere erste, größere Kampagne abgeschlossen. Diese hat uns über ein Jahr hinweg begleitet und ich habe die Gelegenheit genutzt, ein Kampagnen-Log als gedrucktes Buch (komplett mit schickem Layout) an meine Spieler zu übergeben. Alles in allem war das ein einprägsames Erlebnis.
– Bei einem OneShot „Private Eye“ hatte ich die Gelegenheit, meine Frau als Gastspielerin begrüßen zu dürfen! Sie hält eigentlich nicht viel von dem „Rollenspielkram“, doch das Thema von „Private Eye“ reizte sie als alten „Holmes“-Fan dann doch einfach zu sehr. Sie hat sich sehr gut geschlagen :-).
– Ich habe zum ersten Mal einen „Cthulhu“-OneShot wirklich in den Sand gesetzt. Also nicht nur ich, meine Spieler waren da auch beteiligt. „Asche zu Asche“ ist ein Abenteuer, in dem man seltsamen Leichenrauben nachspürt – und trotz aller möglichen ausgelegten Spuren wollten meine Spieler einfach nicht in die richtige Richtung laufen. Da sich dann irgendwann ein Nadelöhr ergab, durch das ich die Gruppe unmöglich pressen konnte, mussten wir abbrechen. Das ist mir in dieser Form noch nicht passiert.
– Ein eigenes, selbstgeschriebenes System zum Spieltest zu führen ist auch etwas besonderes. Bei mir war es soweit, als ich „Schwarze Tiefen“, das Rollenspiel zum Computerspiel „The Sinking City“ an unseren Spieltisch brachte. Es spielte sich wirklich flüssig und ich hoffe, dass das Heftchen den einen oder anderen schönen Moment beschert.

Um die Frage zu beantworten: Es tut mir leid, ich kann mich nicht entscheiden. Meine Rollenspielmomente in diesem Jahr waren von besonderer Qualität :-).

2. Wie oft bist Du 2019 zum Spielen gekommen? Was wurde am meisten gespielt, welche Systeme hast Du neu kennengelernt?
Insgesamt haben wir nur elf mal gespielt. Unsere „Aborea“-Kampagne ist im Januar geendet, eine „Fantasy-Age“-Kampagne ist seit dem Herbst am Start. Zwischendurch haben wir uns die Zeit mit OneShots vertrieben – „Fantasy AGE“ (zum ersten Beschnuppern), „Private Eye“, „Schwarze Tiefen“ und „Cthulhu“. Außerdem haben wir den „HeXXen 1733“-Schnellstarter getestet. Neu kennengelernt ist dabei am ehesten „Fantasy AGE“ – und insbesondere die Thematik „Dirty Dungeon“, die wir hier gespielt haben. Das hat Spaß gemacht.

Meine komplette Statistik findet sich im Tanelorn.

3. Welches RPG-Produkt 2019 (aber nicht unbedingt aus 2019) ist Dein Produkt des Jahres?
Oh, jetzt wird es langsam wirklich schwierig. Klar, „Schwarze Tiefen“ war schon ein ganz besonderes Highlight, einfach, weil ich maßgeblich an dem Heft beteiligt war. Am meisten beschäftigt hat mich „Fantasy AGE“, da ich ja unsere neue Kampagne vorbereitet habe. Und als Neuerscheinung ohne Beteiligung hat mich wohl „Die Schwarze Katze“ als Gesamtpaket am ehesten überzeugt. Ein wirklich schönes Spiel, dem ich unbedingt einmal einen Few-Shot angedeihen lassen möchte.

4. Welcher Blogartikel, welches Video, welcher Karneval Deiner RPG-Kollegen (also quasi der Blogosphäre) hat Dich 2019 am meisten geflasht?
Keine Nominierung hier. Ich habe viele Artikel im vergangenen Jahr gerne gelesen, mich über manchen geärgert und noch viel mehr überflogen. Vielleicht ist es der jährlich wiederkehrende Blogeintrag der Kollegen Würfelheld und Greifenklaue, welcher den Beginn des diesjährigen OPC ankündigt, der am ehesten eine Nominierung wert wäre :-).

5. Welches sind die Medien 2019 für Dich? Bester Film, beste Serie, beste Buch, beste Comic etc.?
Ich bin schlussendlich zeitlich nicht in der Lage, viele weitere Dinge neben meinem schönen Rollenspielhobby intensiv zu verfolgen. Ich gucke mittlerweile sogar so gut wie gar kein fern mehr (inkl. Streaming und DVD), so dass ich viele Medien schlicht verpasse. Auch bei Büchern hinke ich oft dem Zeitgeist hinterher, schlicht, weil das regelmäßige Lesen von 250-Seiten-Rollenspielbüchern meine Freizeit schon zur Genüge ausfüllt. Aber von den paar Dingen, die ich abseits konsumiert habe, waren die besten:
Film: Once upon a time in Hollywood
Hörspiel: Gruselkabinett 153 – Bulemanns Haus
Serie: Pastewka

Bonus: Warst Du 2019 auf RPG-Cons? Wenn ja, wie war es?
Neben der SPIEL habe ich in diesem Jahr die Niederrhein-Con besucht. Mein Bericht findet sich beim Ringboten.

Zwischen den Jahren… Version 2019

Das Weihnachtsfest liegt schon wieder hinter uns! Zwar habe ich es diesmal reichlich gemütlich angehen lassen; dennoch ist die Zeit mal wieder viel zu rasch verflogen. Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren möchte ich abermals nutzen, um hier ein wenig das vergangene Blogjahr Revue passieren zu lassen und Euch an Plänen für die Zukunft teilhaben zu lassen. Sicher, einiges davon erledigen auch die traditionellen Rück- und Ausblick-Blog-O-Quests… dennoch hat das hier einfach seine eigene Tradition, an der ich festhalten möchte.

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch wieder ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Ich durfte knapp 13.000 Leser im gerade vergehenden Jahr auf meinem Blog begrüßen. Das sind deutlich weniger als noch im vergangenen Jahr und auch ein deutlicher Rückschritt gegenüber den vorangegangenen Jahren. Man merkt dem Blog den Zeitmangel an, den meine anderen Aktivitäten mit sich bringen und das schlägt sich in der Taktfrequenz der Artikel, der Wertigkeit des Inhalts und damit schlussendlich in den Leserzahlen nieder.
  • Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr 40 Blogeinträge verfasst. Auch die Zahl der Einträge ist damit deutlich rückläufig. Meine persönliche Zielsetzung, einmal wöchentlich zu bloggen, habe ich damit ebenfalls deutlich verfehlt.
  • Heimlich, still und leise kamen die „Cthulhu.de-Bestseller“ zu ihrem Ende. Tatsächlich habe ich nach sorgfältiger Sichtung alle Beiträge, die nicht „nur“ Newsmeldungen oder Einzeiler waren, hier wieder veröffentlicht. Ausgenommen davon ist eine Reihe „Gaslicht“-Artikel, die ich irgendwann gesondert wiederveröffentlichen möchte. Bis dahin ist „Die Macht der Walpurgisnacht“ der letzte „Bestseller“-Artikel.
  • Abseits der „Bestseller“-Artikel ist es mir auch nicht gelungen, neues Spielmaterial für den Blog zu produzieren. Sogar mein WTSC-Beitrag war nicht cthuloid genug, um hier auf dem Blog zu landen…

Wie immer gibt es abseits des Blogs mittlerweile deutlich mehr Aktivität von mir zu verzeichnen. Für den Ringboten verfasste ich rund 50 Artikel. Neben Rezensionen waren Messeberichte und Spielberichte mit dabei. Als Mitglied der Lovecrafter-Redaktion arbeitete ich mit meinen Autoren an den zwei jährlichen Ausgaben des dLG-Magazins (wobei die nächste Ausgabe leider erst knapp im Januar erscheinen wird). Um meinen schreiberischen Output abseits von CTHULHU noch ein wenig zu erhöhen, legte ich einen Rezensions– und einen Spielberichts-Thread im Tanelorn an. Außerdem habe ich ein paar wenige Gastbeiträge für PnPnews.de verfasst. Für das Computerspiel „The Sinking City“ schuf ich in Zusammenarbeit mit vielen fleißigen Händen und Mitautor Martin das Regelwerk für ein Pen&Paper-Rollenspiel, welches begleitend zum Computerspiel erschien. „Schwarze Tiefen“ macht mich immer noch stolz. Gleich in drei CTHULHU-Publikationen des vergehenden Jahres tauchte mein Name in der Mitarbeiterliste auf – namentlich „Die Davenport-Chronik“, „Im Elfenbeinturm“ und „Von unaussprechlichen Kulten“. Und zu guter Letzt betreue ich seit einiger Zeit das Artikelprogramm auf cthulhu.de mit, was ebenfalls noch ein wenig Zeit erfordert.

Was hätte sein sollen?

Bereits im vergangenen Jahr formulierte ich nur ein vages Fragezeichen, als es um den Inhalt dieses Blogs ging. Nun, immerhin diese Zielsetzung habe ich dann doch erreicht :-). Nein, wirklich zufrieden bin ich nun wirklich nicht. Immerhin konnte ich mit den „Nähkästchen“-Artikeln eine neue Rubrik einführen, die es mir erlaubt, meine abseitige Arbeit doch noch ein wenig für den Blog auszuschlachten.

Geplantes für 2020

Ach, seufz. Ich weiß es nicht. Ich muss zugeben, dass die Beschäftigung mit dem Lovecrafter und der Umstand, dass ich Teil des CTHULHU-Autorenteams bin, „Cthulhu“ bzw. cthuloides Rollenspiel mehr und mehr zu einer Art „Job“ werden lassen. Es ist ein tolles Hobby, bzw. ein toller Job und es macht nach wie vor wahnsinnig viel Spaß, Teil dieser Gemeinschaften zu sein. Das allerdings nahezu jeder kreative Output, den ich in meiner Freizeit stemmen kann, schlussendlich in anderen Projekten landen „muss“, als diesem Blog ist nicht mehr wegzudiskutieren. Daher wird dieser Blog – zumindest vorläufig – wohl eher ein wenig vor sich hin vegetieren, so wie im vergangenen Jahr auch. Einige wenige Rezensionen, die Blog-O-Questen, ein oder zwei Nähkästchenplaudereien und wenn wieder einmal ein interessanter Artikel veröffentlicht wird, dann werde ich hier natürlich auch darauf hinweisen. Dass sich an diesem Artikelprogramm im nächsten Jahr noch einmal maßgeblich etwas ändern wird, kann ich im Moment wahrlich nicht absehen. Damit ist die „große Zeit“ dieses Blogs, so er je eine hatte, wohl auch langsam zu Ende. Ich hoffe einfach, dass Euch mein Geschreibsel nicht weiter stört, wenn es durch die verschiedenen RSS-Kanäle rieselt :-). Und wer weiß, vielleicht kommt hier zu einem späteren Zeitpunkt ja auch noch einmal die große Rückbesinnung.

Für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2020 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui

Frohe Weihnachten!

Ach herrje. Ich weiß gar nicht, der wieviele „Frohe Weihnachten!“-Eintrag das auf diesen Seiten ist. Da der Blog seit 2011 online ist – und ich seit jeher zu dieser Jahreszeit zu sentimentalen Anwandlungen neige – wird es wohl der 9. seiner Art sein. Aber warum mit guten Traditionen brechen?

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs ein paar besinnliche, frohe, geschenkreiche, friedliche und einfach schöne Weihnachtstage!

RPG-Blog-O-Quest #51: Vorschau

Es ist mal wieder Dezember und damit ein weiteres Mal ein Grund für die diesmalige RPG-Blog-O-Queste, einen Blick in die rollenspielerische Zukunft einzufordern. Allerdings fasst Ausrichter Würfelheld die Fragen dieses Mal ein wenig enger, als es in den vergangenen Jahren der Fall war.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. In knapp einen Monat beginnt das Cyberpunk -Jahr schlechthin. Wirst Du in 2020 eine Cyberpunk-Rollenspiel-Runde leiten oder in einer mitspielen?
Voraussichtlich nicht. Abgesehen von einigen Runden „Shadowrun“ (das man ja auch eher als Fantasy-Setting mit Knarren bezeichnen könnte) sind Cyberpunk und ich bislang nie wirklich aufeinander getroffen. Das Setting reizt mich einfach nicht genug, weder als Film, Buch, Rollenspiel oder Comic… Sofern mich jemand einladen sollte, würde ich darüber nachdenken. Da das aber äußerst unwahrscheinlich ist (…der (fast) ewige SL eben…), beantworte ich die erste Frage einmal mit „nein“.

2. Auf welche Rollenspiel-Neuheiten freust Du Dich 2020 am meisten und warum?
Puh, ich weiß jetzt gar nicht so genau, was für 2020 alles in der Pipeline ist. Da wäre zum Beispiel die deutsche Ausgabe von Pathfinder 2 – doch das äußerst schleppende Crowdfunding von Ulisses lässt mich hier wenig Herzblut erkennen. Überhaupt fand ich die Abenteuerpfade eigentlich immer eine der spannendsten PF-Publikationen – außer halt, sie erscheinen NUR über Crowdfunding als 600-Seiten-Wälzer für 100 EUR (oder so). Dann verliert die Publikationsform für mich ihren Reiz. Also, PF2 ist wohl nicht meine große Vorfreude für 2020.
Ein weiterer „Brecher“ wird „Dungeon Crawl Classics“ von System Matters… allerdings verhindert die optische Aufbereitung, dass ich mich mehr mit dem System beschäftige. Ich weiß, das ist furchtbar oberflächlich gedacht, aber ich finde, ein Rollenspielbuch heutzutage muss nicht mehr so aussehen. Ergo – auch, wenn ich mir das eine oder andere Abenteuer ansehen werde (…um einmal den so oft gelobten „Sense of Wonder“ unter die Lupe zu nehmen), DCC wird auch nicht meine große Vorfreude.
Ich denke, ich muss hier ein wenig tiefer graben. Bestimmt gibt es wieder einen neuen „Private Eye“-Abenteuerband zur SPIEL – das ist immer eine schöne Sache. Ausserdem arbeiten die Damen der Redaktion Phantastik immer noch an der deutschen Ausgabe von „Wolsung“, dessen Mischung aus Fantasy und Steampunk und Pulp mich immer wieder ansprechen kann. Wenn das 2020 fertig wird, wird es eines meiner Highlights.
Ach ja: Bei Pegasus erscheinen im nächsten Jahr wieder einige cthuloide Bände – und nach aktuellem Stand ist in mindestens einem mein Name im Impressum vertreten. Doch, darauf freue ich mich schon sehr. Es macht mich immer stolz, Teil eines so starken Autorenteams zu sein.

3. Welche guten Rollenspielvorsätze hast Du für 2020?
Da gibt es eigentlich gleich zwei Dinge, die ich mir vornehmen wollte:

Das eine hat eigentlich eher mit einer „Nebendisziplin“ zu tun. Seit Ende letzten Jahres schiebe ich einen unschönen „Stapel der Schande“ vor mir her, also den Haufen von RPG-Büchern, den ich noch nicht gelesen habe. Ich habe unglaublich viele Bücher gelesen in diesem Jahr, aber in fast ebenso gleichem Maße für Nachschub gesorgt. Hier muss ich unbedingt mal etwas tun und versuchen, das Material das ich mir kaufe, wenigstens auch zu lesen (…dass mal ALLES den Spieltisch sehen wird, ist nahezu unmöglich :-)).

Das zweite hat dann direkt mit dem Spiel zu tun: Ich möchte ein vorbereiteter Spielleiter werden. Dabei geht es mir nicht um die Spielrundenvorbereitung – da reicht mir ein grobes Konzept, eine Karte und meine Mitspieler. Es gibt auch Dinge, die ich als Spielleiter (in meinen Augen) schon ganz gut mache: Pacing und Timing liegen mir ganz gut; ich denke, mein Stimmenspiel ist gar nicht so schlecht und auch meine Beschreibung sind mittlerweile ein bißchen farbiger geworden. Woran es bei mir aber mangelt, sind spieltheoretische Dinge, die ich eigentlich weiß, auch einmal wirklich aktiv einzubringen. Spotlight-Verteilung beispielsweise. Oder Spieltypen-Analysen. Da ist sicher auch nicht alles Gold, was glänzt, aber ich werde versuchen, die Vorlieben und Spotlight-Zeit meiner unterschiedlichen Spieler ein wenig besser anzuspielen. Zumindest in meiner laufenden Kampagnenrunde, bei den gelegentlichen OneShots mit unterschiedlicher Besetzung geht es dann doch eher plotzentriert zu.

4. Planst Du 2020 ein eigenes Rollenspielprojekt? Welches?
Ja. Seitdem ich mit „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“ hier auf diesen Seiten einmal mein eigenes Rollenspielbuch produziert und vertrieben habe, möchte ich unbedingt noch einmal etwas in dieser Richtung machen. Auch die selbstgemachten Abenteuerflyer für den GRT und den Ringboten waren immer tolle Geschichten. Und dann gab es mit „Schwarze Tiefen“ ja auch noch mein „eigenes“ Rollenspiel, dass ich für Pegasus im vergangenen Jahr maßgeblich gestalten durfte. Das waren tolle, prägende Projekte und ich möchte in dieser Richtung unbedingt wieder tätig werden.
Eigentlich plane ich etwas mit Dungeons. Ich schiele immer ein bißchen neidisch auf die Amerikaner, die so viele tolle Dungeon-Bücher mit Zufallstabellen und neuen Monstern kickstartern. Klar, mein Englisch würde hier reichen. Aber ein originäres Produkt in dieser Richtung, das sollte doch machbar sein. Allerdings muss es wohl systemlos werden – es gibt zwar deutsche Übersetzungen von Systemen die direkt auf der OGL basieren, aber dann sind ja oft wiederum die deutschen Begriffe geschützt… mal gucken, vielleicht gehe ich auch mit meiner Idee einmal hausieren :-).

5. Was willst Du im nächsten Jahr tun um neue Rollenspieler fürs Hobby zu gewinnen?
Da bin ich noch ein wenig unschlüssig. Eigentlich steht noch eine Einladung einer Runde mit einer Neueinsteigerin aus… allerdings gibt es hier noch Startschwierigkeiten. Aber vielleicht kann ich hier ja noch einmal positiv einwirken…
Ansonsten habe ich einige Jahre GRT-Materialien beigesteuert – vielleicht gelingt mir das (trotz engem Zeitfenster) ja in diesem Jahr noch einmal.
Davon ab überlege ich ernsthaft, meinen Achtjährigen langsam an die Sache ranzuführen. Ich halte überhaupt nichts von diesen ganzen Kinderrollenspielen, mit denen der Markt heute überschwemmt wird (also wirklich ÜBERHAUPT nichts). Ich meine: ich war elf, als ich DSA für mich entdeckte. Da waren weder die Regeln zu schwer noch die Inhalte zu deftig. Daher erschließt sich mir die Sinnhaftigkeit von „wir benutzen nur einen Würfel“-Regeln und „unsere Bibabutze-Männer retten die Vogeleier der Vogelmama vor dem Vogeleiergeier“-Abenteuern überhaupt nicht. Ich bin mir also sicher, diese Systeme überspringen zu wollen. Dann könnte Acht allerdings auch noch tatsächlich zu jung sein. Mal gucken, er hat in diesem Jahr „Harry Potter“ für sich entdeckt… vielleicht kann man in dieser Richtung was machen… :-).

Bonus: Keine Frage, sondern die Aufforderung beim 8.Winter One Page Contest reinzuschauen und mitzumachen!

Es ist wieder Winter-OPC!

Hell yeah! Was habe ich mich über die heutigen Nachrichten der Blogger-Kollegen Greifenklaue und Würfelheld gefreut. Denn es ist endlich wieder Zeit für den diesjährigen OPC. Nachdem im letzten Jahr ein Alternativwettbewerb ausgerichtet wurde, ist nun endlich wieder „das Original“ am Start :-). Wie immer geht es bei diesem OnePageContest darum, Spielmaterial auf genau einer A4-Seite zu präsentieren. Und wie immer haben die Beiden haufenweise Sponsoren an Land gezogen – es gibt also reichlich Material zu gewinnen.

Den Startbeitrag nebst Vorstellung der Kategorien findet Ihr HIER, die Gewinnübersicht HIER. So, genug geredet. Ich habe Einseiter zu basteln :-).

Das Autorennähkästchen III: Von unaussprechlichen Kulten

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. In bislang zwei Episoden im Laufe dieses Jahres konnte ich ein wenig von meiner Arbeit an offiziellen Publikationen aus dem (Autoren-)Nähkästchen plaudern. Und da es mir gelungen ist, meinen Namen auch im Impressum des neuesten Quellenbandes „Von unaussprechlichen Kulten“ zu platzieren, so möchte ich auch auf die Arbeit an diesem Band ein wenig zurückblicken und davon erzählen, wie eines zum anderen kam.

Als in einem Autorenrundbrief die Idee vorgestellt wurde, einen Band zum Thema „Kulte“ zu machen, war ich direkt Feuer und Flamme. Denn Kulte und ihre Kultisten sind der menschlichste und damit verständlichste Gegner, dem man bei CTHULHU gemeinhin begegnen kann. Diese Gruppierungen also mehr in den Fokus zu rücken, erschloss sich mir sofort. Nachdem wir ein wenig im Forum hin- und herüberlegt hatten, was alles in den Band reinkönnte, entschloss ich mich der Arbeitsgruppe beizutreten. Wir trafen uns per Skype, verteilten die Aufgaben untereinander und legten los.

Mir war bereits früh klar, dass ich kein Abenteuer für den Band beisteuern wollte. Tief in meinem Herzen hätte ich den Band sogar am Liebsten komplett als Quellenband angelegt und ihn komplett ohne Abenteuer gehalten. Die Mischung der Publikationsarten „Quellen-“ und „Abenteuer-„Band ist allerdings bei CTHULHU natürlich ein bewährtes Muster. Nichts desto trotz reizte mich der Quellenteil deutlich mehr. Der Quellenteil setzte sich nach unseren Planungen – und so ist es schlussendlich auch geblieben – aus drei Teilen zusammen: einem real-historischen Abriss über Kulte und Geheimbünde; einer enzyklopädischen Auflistung bekannter cthuloider Kulte sowie einem Kult-Generator, um Spielleitern die selber aktiv werden wollen, auch etwas an die Hand zu geben. Ich stürzte mich auf den real-historischen Quellenteil, während Julia Knobloch mit bewundernswerter Akribie begann, alle CTHULHU-Publikationen nach Kulten und Kultisten zu durchforschen. Nachdem ich mit meinem (schlussendlich ja auch recht kurzen) Teil fertig war, begann ich, Julia in ihrer enzyklopädischen Arbeit zu unterstützen. So konnte auch ich mein kleines Scherflein dazu beitragen, dass die Kulteliste so komplett ist, wie sie jetzt ist.

Eine besondere Freude war dann die Arbeit an dem Kult-Generator. Auch hier erledigte Julia den Löwenanteil der Arbeit. Mir blieb allerdings – gemeinsam mit unserem Redakteur Stefan – das besondere Privileg vorbehalten, den Generator in verschiedenen Stadien zu testen und zu kommentieren. Und natürlich auch lange bevor andere Spielleiter den Generator in die Finger bekommen konnten, spannende und gelungene Kulte zu erwürfeln. Ich denke, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Wie so oft, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere so ist auch hier wieder deutlich, dass die Zusammenarbeit mit anderen Autoren und dem Redakteur mehr erschafft, als die Summe der einzelnen Teile. Durch die Feedbackschleifen und das gegenseitige Unterstützen entstehen runde Texte, auf die ich – und ich denke, die anderen Autoren ebenfalls – stolz sein darf. Ich hoffe, dass Ihr viel Freude an „Von unaussprechlichen Kulten“ haben werdet, die Abenteuer genießt und vielleicht sogar den einen oder anderen Kult selbst erschafft. Wie immer freue ich mich über Feedback jedweder Art, gerne auch hier auf dem Blog!