Reiseführer Prag

Hallo zusammen,

astronomische Uhrbereits seit einiger Zeit (so zum Ende des Jahres 2013 und 2014…) schreibe ich davon, mal wieder einen cthuloiden Regionalia-Artikel veröffentlichen zu wollen. Nun, heute möchte ich zumindestens etwas ganz ähnliches auf diesen Seiten präsentieren :-).

Es war im Sommer des vergangenen Jahres, als im Cthulhu-Forum (mal wieder) über die Wünsche der Leserschaft diskutiert wurde. Ich äußerte in einem Meinungsthread den Wunsch (den ich im übrigen nach wie vor hege), mehr “Städte”-Bände zur Verfügung zu haben. Neben “Wien” gäbe es da noch einige andere alte, europäische Metropolen, die leicht einen cthuloiden Anstrich vertragen könnten – wie Amsterdam, Paris oder Prag. Diese unbedachten Worte erregten das Interesse von Forenuser Grannus, seines Zeichens bekennender Prag-Fan. Er hatte bereits einiges Material über Prag für eine eigene Kampagne zusammengestellt und wir einigten uns rasch darauf, dass wir darauf aufbauend etwas für meinen Blog zusammenbasteln wollten.

Noch während ich Grannus’ umfangreiches Material sichtete, machte uns Heiko Gill allerdings einen erfreulichen “Strich durch die Rechnung”: er kündigte in seinem Ausblick auf 2015 einen verlagseigenen Prag-Band an. Grannus und ich mussten also umdenken. Prag war nach wie vor die Stadt unserer Wahl, doch nun schien es wenig verlockend, eine cthuloide Regionalia zu schreiben. Nie im Leben hätten wir den liebevollen Detailgrad einer offiziellen Publikation erreichen können. Außerdem hätten wir sicherlich die eine oder andere Mythos-Interpretation gefunden, die sich später mit dem “offiziellen” Spielmaterial gebissen hätte. Und nicht zuletzt wollten wir natürlich auch darauf verzichten, einen Haufen redundanten Materials zu publizieren.

Unser Nachdenken brachte uns rasch auf eine weitere Idee: ein völlig uncthuloider Reiseführer für die tchechische Metropole, mit einem Haufen nützlicher Spielerinformationen über Hotels, Restaurants, Reisemöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten: eben ein richtiger Stadtführer, mit Informationen aus den 1920ern, der den Spielern als Handout zur Verfügung gestellt werden kann, wenn die Kampagne einmal Prag erreicht. Das Ergebnis präsentieren wir heute stolz auf diesem Blog:

Den Löwenanteil der Arbeit – nämlich die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten – hat Grannus übernommen, den eher technischen Teil rund um Adressen und Hinweise sowie das Layout habe ich dann beigesteuert. Zwei Anmerkungen seien noch zu unserem kleinen Reiseführer erlaubt:

1. Ich habe beim Benennen der Adressen auf die meisten im tschechischen sehr geläufigen Accents verzichtet, schlicht, da es sehr ungewohnt zu lesen ist und den meisten Spielern die exakte Aussprache ohnehin wohl nicht geläufig wäre. Darüber hinaus hat es mir auch die Arbeit sehr vereinfacht, nicht ständig mit Sonderzeichen hantieren zu müssen :-)
2. Da der Veröffentlichungsweg digital erfolgt, habe ich keine großformatige Karte beigefügt – ein Ausdruck derselbigen wäre eher unrealistisch. Demzufolge gibt es aber auch bei den einzelnen Adressen keine echten Orientierungspunkte auf der kleinen Karte – das wäre nicht mehr sehr übersichtlich geworden.

So, auf geht’s nach Prag. Ich freue mich schon sehr darauf, dass der offizielle Band erscheint :-).

Das Pflegeheim

Aus der Reihe “cthulhu.de-Bestseller”
Erstveröffentlichung: 24. Mai 2011
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestsellerUm das Erscheinen der 2. Edition des NOW-Buchs zu feiern soll hier in aller Kürze ein Spielsetting für eine CTHULHU-Runde skizziert werden, welches sich an dem realen (vielleicht zu realen?) Grauen unserer Gegenwart orientiert: Einem Pflegeheim.

Im Vergleich zu sonst genutzten Locations wie Geheimlaboren oder militärischen Bunkeranlagen wirkt dieser Ansatz eventuell wenig exotisch. Doch gerade darin liegt auch seine Stärke – sowohl Spieler als auch Spielleiter können diesen Hintergrund in ihren eigenen Alltag einflechten, was bei allen für einen noch stärkeren Bezug zum Geschehen sorgen kann. Und jeder der bereits mit Pflegeheimen oder ähnlichen Einrichtungen zu tun hatte, wird wohl Details aus seiner eigenen Erfahrung einbauen können, die gruseliger sind als alles was hier aufgeführt werden könnte.

In Würde altern

Es sollte wie immer bedacht werden, dass sich das Spiel von der Realität unterscheidet; an sich ist eine solche Institution natürlich etwas sehr lobenswertes: Pflegebedürftige Menschen (nicht immer sind dies auch Senioren) werden dort rund um die Uhr von Fachkräften betreut und versorgt. Dabei wird für gesunde Ernährung, individuell abgestimmte Behandlungen wie Massagen und die Erleichterung anderer Grundbedürfnisse Sorge getragen. Durch das Zusammenleben mit anderen Bewohnern sollen diese zudem geistig fit und sozial aktiv bleiben. Monatlich kostet eine solche Unterbringung etwa 3000 €.

Allerdings lässt sich auch eine düstere Kehrseite zeichnen: Es fehlt an Geld und Sparmaßnahmen beschränken allerorts die Leistungen – es gibt zu wenig Personal und das vorhandene ist chronisch überarbeitet und unter Zeitnot. Für die Betreuung der Heimbewohner bleiben jeweils nur wenige Minuten, Massenabfertigung statt individueller Betreung ist an der Tagesordnung; gerade zu Stoßzeiten wie bei den Mahlzeiten oder dem Zubett-Bringen. Stundenlange Monotonie beherrscht demnach das Leben der Pflegebedürftigen und besonders Demenzerkrankte bleiben mit ihren inneren Ängsten nicht selten allein.

St. Cyprian

Was bisher genannt wurde mag nicht schön sein, doch ist es zumindest in vielen Fällen gang und gäbe. Die nun folgende Beschreibung einer spezifischen Einrichtung hingegen ist fiktiv und man darf hoffen dass eine solche Anhäufung von Missständen im wahren Leben nicht existiert, wo es sich meist “nur” (schlimm genug) um skandalöse Einzelfälle handelt. Das “Senioren- und Pflegeheim St. Cyprian” aber ist ein solcher beispielloser Hort der Bösartigkeit, da hier der Mythos seine Fangarme mit im Spiel hat. Die Größe dieser Einrichtung soll offen bleiben und der Spielleiter kann sie in jeder Stadt seiner Wahl platzieren.

Dieses Haus hat sich auf die Betreuung von Patienten mit Demenz und/oder hoher Pflegestufe spezialisiert – aus dem simplen Grund dass bei diesen Bewohnern die Abhängigkeit vom Personal am größten und die Einmischung der Angehörigen am geringsten ist. Denn die Heimleitung hat ihre ganz eigenen, grausamen Pläne mit den ihr Überlassenen. Ob alle Angestellten eingeweiht sind oder nicht muss dahin gestellt bleiben und hängt von den genauen Hintergründen und Vorhaben ab – einige Anregungen dazu sowie zur Einbringung der Investigatoren finden sich unter der Überschrift Szenarioideen.

In jedem Falle würde eine ordentliche Untersuchung der Zustände im St. Cyprian-Pflegeheim schreckliche Dinge offenbaren: Die Patienten wurden teilweise seit Wochen oder gar Monaten nicht mehr gewaschen und haben schwerste Wundliegegeschwüre, die unversorgt bleiben. Viele sind unterernährt und dehydriert und um die Schreie aus den abgedunkelten Einzelzimmern kümmert sich schon lange niemand mehr. Stattdessen werden “störende” Patienten einfach an ihren Betten fixiert und der Willkür des Personals überlassen. Diebstahl, Körperverletzung, unter Umständen sogar (unfreiwillige) “Sterbehilfe” sind die Folge.

Die wenigen Angehörigen, die überhaupt die Besuchszeit wahrnehmen, verschließen vor diesen Missständen die Augen, sind sie doch froh ihren störenden Pflegefall nicht mehr am Hals zu haben. Und selbst wenn die Patienten davon erzählen sollten, dass sie in nicht existente Stockwerke gebracht, von fremden Leuten gefoltert wurden oder von sonstigen grausigen Dingen berichten, die sie erlebt, gesehen oder empfunden haben – man wird es zweiffellos auf die Demenz oder die Medikamente schieben. Wer würde ihnen glauben, wenn sie tatsächlich die Wahrheit sagen würden? Nur wenige Informationen dringen aus dem Heim nach Außen.

Szenarioideen

Es bieten sich eine ganze Reihe von Szenarien an, welche vor dem Hintergrund eines Pflegeheims des Bösen (man vermeide nach Möglichkeit den Kalauer des Großen Altenheims) stattfinden könnten. Grundlegend dafür ist die Frage, wer der Drahtzieher ist und welche Ziele dieser mit den hilfsbedürftigen Patienten verfolgt. Hier einige Anregungen:

  • Man hat den Eindruck, dass jede Lebenskraft aus dem Körper schwindet, sobald man ein Pflegeheim betritt – im Fall des St. Cyprian stimmt dies sogar. Hier ist es ein hungriger Lloigor im Fundament des Hauses, welcher mit seiner unseligen Aura von Trauer, Verzweifelung und Apathie verhindert, dass hier ein Patient jemals wieder nach Hause zurück kehren kann.
  • Dass die Mi-Go Gehirne sammeln ist hinlänglich bekannt. Aber unauffälliger als berühmte Wissenschaftler aufzuknacken wäre es, deren Geist mittels einer neuartigen Maschine in sogenannte “Blanko-Gehirne” zu übertragen. Und diese gewinnen sie im Pflegeheim, wo sie die ohnehin geschwächten Gehirne von Demenzkranken nach und nach vollständig ausradieren.
  • In vielen Lovecraft-Stories sind es uralte Personen, welche als bösartige Zauberer mit den Mächten des Mythos im Bunde stehen. Eine Variante dieses Settings wäre daher, dass sich ein solcher todloser Hexer inmitten harmloser Patienten im Pflegeheim versteckt hält – denn welcher Investigator würde schon mit Schrotflinten durch ein kleines Altersheim ziehen?
  • Das unvermeidliche Altern ist es auch, was einen Arzt und Hybriden der Tiefen Wesen dazu veranlasst, neuartige Medikamente an den Heimbewohnern zu erproben. In einem bizarren Akt fischiger Nächstenliebe will er im Genpool der Insassen verborgene Anlagen Tiefer Wesen reaktivieren um den Menschen ein ewiges Leben im Meer zu ermöglichen.
  • Ein alternativer, durchaus etwas pulpiger Ansatz zur Einbringung der Charaktere wäre es, gewissermaßen ein “All-Star-Team” altgedienter Investigatoren der Spielrunde auftreten zu lassen, welche sich weigern einfach das Handtuch zu werfen und sich noch einmal mit ihren Rollatoren gegen die Tentakel des Mythos inmitten ihres Pflegheimes stemmen.

Wie bereits anklingt hat die Spielrunde die Möglichkeiten ein solches Setting entweder humoristisch oder aber ernst aufzuziehen – letzteres ist deutlich schwieriger, da viele Spieler sehr persönliche und emotionale Erfahrungen mit diesen Institutionen gemacht haben. Vielleicht ist dies der Grund, warum unzählige Szenarien in Irrenhäusern existieren, aber keines in einem Pflegeheim?

Cthuloides Osterei: Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos

Hallo zusammen,

Vorderseiteim Oktober vergangenen Jahres konnte ich auf diesen Seiten die Veröffentlichung eines – zumindest für mich – ganz besonderen Buches kundtun. Mit “Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos” konnte ich das Ergebnis meines im März letzten Jahres ausgerufenen NSC-Wettbewerbes in Printform präsentieren.

Seit Dezember 2014 ist der Band nicht mehr zu haben, da ich schlicht ausverkauft bin. Was liegt also näher, als ihn im Nachgang allen cthuloiden Spielleitern und Spielern zugänglich zu machen? Und da gerade Ostern ist, präsentiere ich – sozusagen als cthuloides Osterei – die komplette Version von “Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos” als PDF-Datei:

“Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos” setzt sich aus zwei Teilen zusammen – einem Quellenteil und einer wahren Fundgrube an cthuloiden NSC. Im 24seitigen Quellenteil wird auf das Erstellen und die Darstellung von NSC im Cthulhu-Rollenspiel eingegangen. Welche Funktion erfüllt mein NSC? Wie kann ich ihn darstellen? Wie sieht seine Motivation aus? Und welche Spielwerte sollte ich im Vorfeld festlegen?

Ergänzt wird dieser Abschnitt durch einige Namenstabellen, mit denen sich die gängigsten Vor- und Nachnamen der typischen Cthulhu-Ären 1890er, 1920er und NOW abdecken lassen, einigen Namenstabellen für exotische Länder und auch eine umfangreiche W100-Tabellen mit besonderen Merkmalen, die jedem NSC mehr Farbe verleihen können.

Der zweite Teil bietet dann insgesamt 35 verschiedene NSC, die jeweils auf zwei Seiten vorgestellt werden. Jeder NSC erhält eine umfangreiche Hintergrundbeschreibung. Ausserdem werden seine Verwendungsmöglichkeiten im Spiel dargestellt. Zu guter Letzt werden sein Verhalten und sein Aussehen beschrieben und einige Zitate ergänzt. Jeder NSC ist bebildert und mit seinen kompletten Spielwerten ausgestattet. Der besondere Clou: durch die zweiseitige Aufteilung ist es durchaus möglich, einige der NSC als Spielercharaktere für OneShots zu verwenden, da Spielwerte, Verhalten und Aussehen normalerweise auf einer Seite zusammengefasst sind. Das gilt natürlich nicht für jeden NSC, einige sind doch sehr speziell.

Insgesamt finden sich sechs NSC für die “1890er”, fünfzehn NSC für die “1920er” und sechs NSC für “NOW” in dem Band wieder. Doch auch die anderen, cthuloiden Settings erhalten spielbaren Nachschub: ein NSC deckt das “Invictus”-Setting ab, zwei sind für “Mittelalter” dabei, ein NSC für “Piraten”, ein NSC für “Wild West”, zwei “Katzulhu”-NSC und auch ein NSC für “Noir” ist im Buch enthalten. Die meisten NSC sind dabei aber universell genug, um sie recht problemlos zwischen verschiedenen Settings konvertieren zu können.

So weit, so gut.

Aber…

…das der Printpublikation beiliegende Postkartenszenario kann ich auf diesem Weg nicht veröffentlichen – ohne das es irgendwie albern wirkt. Genauso wird dann mit dem heutigen Tage das EasterEgg nicht mehr verfügbar sein. Ich hoffe, Ihr hattet Euren Spaß mit unserem kleinen Rätsel.

Und nun viel Spaß mit den “Statisten” und frohe Ostern!

Seanchui

PS: Wer Feedback zu dem Band loswerden möchte, kann dies hier in den Kommentaren, per E-Mail oder gerne auch im entsprechenden Diskussionsthread im Cthulhu-Forum tun.

Rezension: Schwanengesang und andere Abenteuer

Bereits seit einiger Zeit veröffentlich Pegasus Material aus dem – leider eingestellten – „Cthulhu“-Hausmagazin „Cthuloide Welten“ unter dem Titel „Cthuloide Welten Archiv“ als PDF. Mit „Schwanengesang und andere Abenteuer“ liegt nun ein weiteres Mal eine Sammlung beliebter Abenteuer aus dem Magazin vor. Doch ist die Zusammenstellung gelungen?

Rezension - Schwanengesang und andere AbenteuerVorab folgt die obligatorische Spoilerwarnung. Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Ich möchte also Lesern, welche die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten anraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Eröffnet wird die vorliegende Abenteuersammlung gleich vom titelgebenden Szenario „Schwanengesang“. Eine Wandergruppe trifft im nahe Düsseldorf gelegenen Neandertal auf die grausam entstellte Leiche einer jungen Frau. Den von der Polizei zu Rate gezogenen Charakteren steht eine umfangreiche Recherche in der Welt der Operetten bevor, handelt es sich bei der Toten doch um eine erfolgreiche Sopranistin. Auf der Spur nach den Hintergründen der Tat stoßen sie recht bald auf zwei junge Männer, die mehr als verdächtig erscheinen. Doch es wird nicht leicht sein, sie des Verbrechens zu überführen … „Schwanengesang“ ist ein für das deutsche Cthulhu typisches Rechercheabenteuer. Allerdings ist es mit einer Menge Lokalkolorit angereichert und geht sogar das ernste Thema des in der Weimarer Republik aufkeimenden Nationalsozialismus an. Die Antagonisten und ihre schützenden Hintermänner sind spannend gewählt und ein großartiger Roter Hering ist ebenfalls ausgelegt. Für Fans von Detektivabenteuern absolut empfehlenswert.

Etwas klassischer wird es dann mit dem zweiten Szenario, „Die versunkene Stadt“. Dieses übersetzte Chaosium-Abenteuer führt die Charaktere nach Marokko, genauer gesagt in die Wüste, wo sie sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Stadt Katuris begeben. Haben sie die Widrigkeiten einer Reise durch die Wüste erfolgreich überstanden erwarten sie außerweltliche Schrecken … „Die versunkene Stadt“ ist letztendlich ein cthuloider Dungeoncrawl – und damit eine echte Abwechslung zu vielen Szenarien aus deutscher Feder. Gut gefallen haben mir die Ausarbeitungen und Regelvorschläge für die Reise durch die Wüste. Einmal in der Stadt angekommen zeigt sich jedoch, dass das „Cthulhu“-Regelwerk nicht auf dungeoncrawling ausgelegt ist und den Charakteren die typischen Handlungsoptionen eines Fantasy-Rollenspiels fehlen. Stimmungsvoll geht es aber unbestritten zu.

Das dritte Abenteuer heißt „Suite 608“ und führt die Charaktere in ein Spukhotel der besonderen Art. Einer außerirdischen Wesenheit, die sich in dem Hotel eingenistet hat, ist sehr daran gelegen, bestimmter Personen habhaft zu werden, die einen Teil ihrer Essenz in sich tragen. Dummerweise trifft das auch auf einige oder alle Charaktere zu, die sich nach anfänglichen angenehm gruseligen Spukereignissen später wirklich massiv bedroht sehen. Viele gut ausgearbeitete Nichtspielercharaktere, die Freund wie Feind gleichermaßen für die Gruppe werden können, bereichern das Szenario, dass mit einem wirklich denkwürdigen Finale ausgestattet ist, an dessen Ende wahrscheinlich kein Stein mehr auf dem anderen steht. Ergänzt wird dieses Abenteuer noch um einen Artikel zum „Hotel Arcadia“, der ein typisches Grand Hotel in den 1920ern vorstellt und gerade im Zusammenhang mit „Suite 608“ viele interessante Informationen bietet.

Wie auch bei den vorhergegangenen „Cthuloide Welten Archiv“-PDFs wurde für die Wiederveröffentlichung das gesamte Layout wurde an das bekannte Layout der 3. Edition angepasst. Die grandios gemachten Handouts sind ein weiteres Mal eine Augenweide. Die PDF ist wiederum mit einem umfangreichen elektronischen Inhaltsverzeichnis ausgestattet. Für Layout und Ausstattung gibt es damit ein weiteres Mal eine gute Note, auch wenn die Sortierung des Inhaltsverzeichnisses im ersten Abenteuer durcheinander geraten ist.

Fazit: „Schwanengesang und andere Abenteuer“ ist eine abwechslungsreiche und letztendlich rundum gelungene Sammlung cthuloider Abenteuer. Jedes der enthaltenen Szenarien hat seinen eigenen Reiz und letztendlich dürfte auch für jeden Geschmack etwas dabei sein. Absolut empfehlenswert.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Gratisrollenspieltag: und jährlich…

…grüßt der Dunkeldürre. Oder so ähnlich.

Interview MM Gratisrollenspieltag 2015Wie auch schon in den vergangenen Jahren findet auch 2015 wieder der GratisRollenspielTag – kurz GRT – statt. Genauer gesagt am 28. März, und falls Ihr wissen wollt, wann und wo etwas stattfindet, dann seht Euch unbedingt www.gratisrollenspieltag.de an.

Wie auch schon 2013 und 2014 habe ich nach Möglichkeiten gesucht, mich irgendwie am GRT zu beteiligen. Leider ist in diesem Jahr kein cthuloides Sonderheft zustandegekommen – was schlicht Zeitmangel und anderen persönlichen Gründen geschuldet ist – doch ich konnte mich dennoch ein wenig aktiv zeigen.

Zunächst einmal wird den Paketen ein sechsseitiger A5-Flyer des Ringboten beiligen, den ich maßgeblich mitgestaltet habe. Idee, Text und Layout stammen von mir, und ich bin auf das Ergebnis recht stolz. Es handelt sich um ein universelles Pulp-Abenteuer mit leicht horrorlastigem Einschlag. Leider – leider, leider – habe ich jedoch beim Thema “Layout” ordentlich Lehrgeld zahlen müssen, denn ich war gedanklich schlicht nicht in der Lage, die 6 Einzelseiten in die korrekte Reihenfolge für eine Druckvorlage zu bringen. Der Flyer ist also – bis auf die erste und letzte Seite – reichlich durcheinander geworden. Das ärgert mich natürlich, aber da ich den Flyer selbst finanziert habe gab es an dieser Stelle einfach kein Zurück mehr. Bei gerade einmal sechs Seiten sollten die meisten Nutzer aber in der Lage sein, den Text richtig zu sortieren. Hoffe ich.

Außerdem habe ich mich fleißig bemüht, dem von Ludus Leonis produzierten “NIPAJIN SHOTS”-Sonderheft zur Seite zu stehen. Neben fleißigem Lektorat und der obligatorischen Unterstützung des StartNext-Projektes habe ich auch gleich zwei Texte beigesteuert, die sich in der Exklusiv-Edition wiederfinden – im GRT-Paket wird eines meiner Abenteuer enthalten sein. Ich freue mich sehr darüber, auch oder gerade weil es mal so ganz uncthuloid zugeht. Mein Exklusivheft ist inzwischen bei mir eingetroffen und ich muß sagen – Markus von Ludus Leonis hat ganze Arbeit geleistet. Das Heft sieht toll aus und liegt dank angenehm dickem Papier gut in der Hand.

Last – but surely not least – habe ich versucht, den GRT noch ein klein wenig bekannter zu machen und habe für den Ringboten den Macher Moritz Mehlem vor’s virtuelle Mikrofon gezerrt und zu einem Interview “gezwungen”. Seine Ausführungen könnt Ihr HIER nachlesen.

Also, nur noch eine Woche, dann geht es los. Schaut in den Läden vorbei, spielt, habt Spaß. Und wenn Ihr mir irgendwann berichten mögt, wie das eine oder andere Projekt mit meiner Beteiligung bei Euch angekommen ist, würde ich mich – wie immer – sehr freuen.

Der Kampf um Irland

Weil es so schön zur aktuellen Ausgabe von Cthulhus Ruf passt, hier noch einmal ein cthulhu.de-Bestseller:

Aus der Reihe “cthulhu.de-Bestseller”
Erstveröffentlichung: 25. August 2010
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestseller

Blickt man im spätestens seit dem 19. Jahrhundert in Richtung der britischen Inseln, wird man Zeuge einer besonderen politschen Bewegung: Dem Streben der Iren nach Unabhängigkeit von britischer Herrschaft und den daraus resultierenden blutigen Auseinandersetzungen und Kriegen. An kaum einem britischen Spielercharakter dürfte dieser Konflikt unbemerkt vorbeigegangen sein, und für Spielleiter bietet er zahlreiche Möglichkeiten, eine Runde mit historischem Rahmen auszustatten. Grund genug an dieser Stelle der irischen Unabhängigkeitsbewegung zu den Zeiten der entsprechenden Settings einige Zeilen zu widmen.

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Gaslicht – Fenians & Home Rule

Das seit jeher schwierige Verhältnis zwischen Iren und Briten erreichte im späten 19. Jahrhunderts eine neue Qualität. Die Forderungen nach mehr oder gar vollständiger Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien wurde in dieser Zeit immer lauter. Ein zentraler Auslöser für diese Entfremdung war die Große Hungersnot durch die Kartoffelfäule zur Mitte des Jahrhunderts, in der gut ein Viertel der irischen Bevölkerung starb oder auswanderte, während die britische Regierung weitgehend tatenlos zusah. Bereits zuvor sahen sich viele Iren wirtschaftlich ausgebeutet, doch nun flammte offene Feindseeligkeit zwischen katholischen Iren und protestantischen Engländern auf.

Diese und ihre Nachkommen nämlichen besaßen einen Großteil des Landes – aus irischer Sicht unrechtmäßig. Aus dieser Unzufriedenheit formierten sich nationalistische Bewegungen wie die Irish Republican Brotherhood, nach dem Gefolge eines irischen Sagenhelden auch Fenians genannt. Dieser Geheimbund unterwanderte in der Heimat und im amerikanischen Exil wichtige Organisationen, verübte Überfälle und beschaffte Waffen für einen totalen irischen Freiheitskampf . In der parlamentarischen Politik erstarkte, etwas gemäßigter, gegen Ende des 19. Jahrhunderts die sogenannte Home Rule-Bewegung, die eine eigenständige irische Regierung innerhalb des Empires forderte. Zu diesem Zeitpunkt jedoch noch erfolglos.

Szenarioidee: Der legendäre Krieger Fionn mac Cumhaill wurde der Sage nach Anführer der Fianna nachdem er die schreckliche Fee Áillen besiegt hatte, die alljährlich zu Samhain den Sitz des Hochkönigs in Tara mit ihrem Feueratem niederbrannte, nachdem sie die Bewohner mit ihrer Musik in Schlaf fallen ließ. Was nun wenn einer der radikalen und abergläubischen Fenier sich entschließt Feuer wortwörtlich mit Feuer zu bekämpfen und diese schreckliche Wesenheit zu erwecken um sie an diesem Halloween mit Musik und Flammen auf den englischen Königshof loszulassen?

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Some died on the glenside, some died near a stranger
And wise men have told us their cause was a failure
But they fought for old Ireland and never feared danger
Glory O, Glory O, to the bold Fenian men.

– Peadar Kearney, “Down by the Glenside”

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Niemandsland – The Easter Rising

Im Jahre 1916, zu Ostern, griffen die gewaltbereiten irischen Republikaner schließlich zu den Waffen. Die Aufständischen besetzten eine Reihe von zentralen Gebäuden in Dublin und verlasen eine Proklamation zur Unabhängigkeit Irlands. Die britischen Truppen in der Stadt hielten jedoch das Schloss und die Waffendepots und ließen zur Überraschung der Iren sogar Kanonenboote das Feuer auf die besetzten Bauwerke eröffnen. Aus dem Umland wurden weitere Soldaten herangezogen und das Kriegsrecht über Dublin verhängt. An ein Einlenken von Seiten der Briten war nicht mehr zu denken – der Aufstand sollte schnell und blutig niedergeschlagen werden.

Am 29. April, fünf Tage nach Beginn des Aufstands, waren die Kämpfe in Dublin vorbei. Es waren an vielen Stellen Feuer ausgebrochen, es wurde geplündert, hunderte Soldaten und Zivilisten hatten den Tod gefunden. Die Männer der Irish Republican Army waren sich der Aussichtslosigkeit ihrer Aktion bewusst, hatten jedoch gehofft, der Rest des Landes würde sich ebenfalls erheben oder der Weltkrieg hätte die britische Armee zu sehr geschwächt. Die öffentliche Meinung kippte allerdings erst in den Nachwehen der Revolte: Die heimliche und brutale Hinrichtung der 15 republikanischen Anführer auf Befehl des britischen Befehlshabers sorgte für große Empörung in ganz Irland und brachte dem Aufstand nachträglich große Verehrung ein.

Szenarioidee: Die Artillerie der Briten die sie im Trinity College stationiert haben ist laut genug um Tote aufzuwecken. Wortwörtlich. Denn ohne dass jemand es ahnen würde lagert im Bibliothekskeller darunter ein besonders bösartiges Mythosbuch – mit dem Effekt, dass jeder Donnerschlag der Kanonen zu einem Fanal für die so grausam verhungerten Toten der Großen Hungersnot wird! Die britischen Truppen dürften not amused sein sich schon bald den rachedurstigen und vor allem sehr hungrigen Verstorbenen Irlands gegenübezusehen.

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Now and in time to be,
Wherever green is worn,
Are changed, changed utterly:
A terrible beauty is born.

– William Butler Yeats, “Easter, 1916″

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1920er – War of Independence & Civil War

Doch mit diesem Vorfall hatte die Gewalt in Irland gerade erst begonnen. Die noch immer nach nationaler Selbstbestimmung strebende Sinn Féin-Partei errichtete im Jahre 1919 mit großer Mehrheit ein eigenständiges Irisches Parlament, das First Dáil und rief erneut die Unabhängigkeit Irlands aus. Die IRA setzte diesmal auf Guerilliakrieg und Terror: Plünderungen, Attentate und Morde sollten die Briten in die Knie zwingen. Die britischen Truppen – teilweise brutale Söldnertrupps – antworteten in gleicher Weise mit Zerstörungen, Festnahmen und Erschießungen. Erst 1921 folgte schließlich der Anglo-Irische Vertrag, der Irland in einen Freistaat und Nordirland teilte und die Gewalt beenden sollte.

In den darauffolgenden Jahren jedoch floß nur noch mehr Blut auf der grünen Insel. Die Republikaner weigerten sich, Irland nur als Freistaat innerhalb des Empires zu sehen und wollten erneut die vollständige Souveränität mit Waffengewalt erzwingen. Ihnen gegenüber standen die Loyalisten, die den Anglo-Irischen Vertrag aufrecht erhalten wollten – ein Bürgerkrieg mit tausenden Toten brach aus. Gräueltaten und Morde auf beiden Seiten sorgte für eine tiefe Spaltung des Landes, zumal nun endgültig auch konfessionelle Unterschiede auf die Schilde geschrieben wurden. Die Befürworter des Vertrags konnten 1923 die Oberhand gewinnen und die IRA ergab sich. Mit dem Ende des Bürgerkriegs wurde damit auch die Trennung Irlands gefestigt.

Szenarioidee: Die Blacks and Tans sind wohl die berüchtigste britische Freiwilligentruppe in diesem Krieg. Untaten und Massaker gehen auf das Konto dieses Paramilitärs, welches sich hauptsächlich aus Veteranen des Weltkriegs zusammensetzt, die des Kämpfens noch immer nicht müde sind. Tatsächlich fällt auf dass der Kern dieser Mörderbande geschlossen aus einer ganz bestimmten Kompanie, um die sich so manche düstere Gerüchte ranken. Wer sind diese ewig blutdurstigen Menschen die von einem Krieg zum nächsten ziehen – und sind überhaupt Menschen?

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Take it down from the mast, Irish traitors,
The flag we Republicans claim.
It can never belong to Free Staters,
You brought on it nothing but shame.

– Dominic Behan, “Take it Down from the Mast”

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NOW – The Troubles

Der daraus resultierende Nordirlandkonflikt hält noch immer an, allen Friedensbemühungen und langsamen Teilerfolgen der letzten Jahre zum Trotz. Der blutige Konflikt hatte in den frühen 1970er Jahren seinen Höhepunkt und ist inzwischen offiziell für beendet erklärt worden, aber Splittergruppen von katholischen und auch protestantischen Paramilitärs weigern sich weiterhin die Waffen niederzulegen. Zu tief verwurzelt sind die Spannungen zwischen den getrennten Ethnien – und noch immer erschüttern unregelmäßige Anschläge und ständige Gewalt Nordirland. Sogar Kinder stehen unter konstantem Polizeischutz, wenn ihr Schulweg sie durch ein “falsches” Viertel führt.

Die Politik ist zerstritten, die Stimmung zum Zerreißen gespannt und die Waffen noch immer da. Ein Funke könnte genügen um eine erneute Gewaltspirale auszulösen und den offenen Krieg wieder in die Straßen von Belfast oder anderen Städten zu tragen. Mögliche Charaktere könnten sich auf beinahe allen Seiten des Konflikts wiederfinden: Bei den Nationalisten von Sinn Féin und IRA, den Unionisten und ihrem protestantischen Paramilitär oder der Nordirischen Polizei und Sicherheitskräften, die nicht selten für die Loyalisten Partei ergriffen hatten. Oder aber – und dass ist nicht das unwahrscheinlichste – die Charaktere finden sich wie so viele Zivilisten irgendwo zwischen den Fronten wieder. Und wer weiß ob sich diesmal nicht eine weitere Partei einmischt?

Szenarioidee: Endlich ist der Frieden erreicht! Hochrangige Gäste und einstige Feinde finden sich als Freunde zusammen um mit großem Zeremoniell endgültig das Ende der Gewalt in Nordirland einzuläuten. Nach alter irischer Sitte werden dazu die Waffen beider Seiten – unzählige Pistolen, Sturmgewehre und Sprengsätze – zusammengetragen und an einem zuvor bestimmten Ort vergraben. Natürlich braucht es hierzu eine besonders tiefe Grube – so tief sogar dass man etwas uraltes aus seinem Schlaf weckt! Schon bald dürfte man sich wünschen, nicht alle Waffen verbuddelt zu haben…

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It’s the same old theme since nineteen-sixteen.
In your head, in your head they’re still fighting,
With their tanks and their bombs,
And their bombs and their guns.
In your head, in your head, they are dying…

– Cranberries, “Zombie”

Rezension: Voll Dampf: Fiktionale Steamgeschichten

Hallo zusammen,

eine Warnung vorweg. Das gleich besprochene Buch ist NICHT cthuloid. Dennoch haben fantastische Steampunkgeschichten einen gewissen Platz in meinem Herzen erobern können – nicht zuletzt, weil sogar Chaosium erkannt hat, wie gut Steampunk und Cthulhu zusammen passen. Da liegt es vielleicht nicht fern, Euch ein wenig an meinen Gedanken zu der Anthologie “Voll Dampf” teilhaben zu lassen.

Rezension - Voll DampfDas Genre des Steampunks erfreut sich aktuell einer großen Beliebtheit. Edle, viktorianisch angehauchte Welten, angefüllt von fantastischer, dampfgetriebener Technologie gepaart mit abenteuerlichen, ja pulpigen Geschichten – diese Kombination funktioniert nicht nur im Rollenspiel, sondern auch in der Literatur. Der Amrun Verlag legt mit „Voll Dampf“ eine Kurzgeschichtensammlung in eben diesen steampunkigen Welten vor. Lohnt sich die Anschaffung?

Die in der deutschen Rollenspielbloglandschaft nicht unbekannten Blogger Ingo „Greifenklaue“ Schulze und André „Würfelheld“ Skora fungierten als Herausgeber für diese Anthologie. Ihre Wahl fiel auf insgesamt neun Kurzgeschichten, die dem geneigten Leser auf 165 Seiten präsentiert werden.

Die so entstandene Mischung spielt mit dem Genre „Steampunk“ auf interessante Weise. So werden ganz unterschiedliche Szenarien eines alternativen Geschichtsverlaufs gezeichnet. Mal haben die Dampftriebwerke sogar den Weg in die Unendlichkeit des Weltraums geebnet, mal sind sie nur eine Randnotiz in einer ansonsten realitätsnah erscheinenden Geschichte. Dabei können sich die Segnungen der dampfgetriebenen Wissenschaften als Fluch oder Segen entpuppen. Die Bandbreite vorgestellter Welten und Hintergründe ist also hoch. Vielen Autoren gelingt es darüber hinaus, trotz der wenigen Seitenzahlen, die ihnen zur Verfügung stand, gelungene Charakterzeichnungen anzulegen. Bei einigen Geschichten ist man sogar fast enttäuscht, den Eskapaden und Abenteuern der Protagonisten nicht länger folgen zu können.

Eine Einzelkritik der vielen Geschichten würde wohl den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allerdings möchte ich es nicht versäumen, meine persönlichen Highlights aus dem Band kurz vorzustellen. Da wäre zunächst einmal die Geschichte „Schwarzfall“ zu nennen, die schonungslos – ja, geradezu brutal – aufzeigt, wie der Zusammenbruch einer modernen, aufgeklärten aber eben auch technikabhängigen Gesellschaft ablaufen mag, wenn die so wichtige Technik plötzlich den Dienst versagt. „Mach mal Dampf“ wiederum geht ähnlich schonungslos zu Werke, ist aber deutlich actionorientierter und würde sicher auch als Kinostreifen funktionieren. Die beiden Geschichten „Träum weiter“ und „Ein Gott über den Wolken“ lesen sich ähnlich – aber beide ähnlich interessant, haben sie doch den Krieg und die Wahl der Waffen zum Hintergrund. Hier wird fantastische Technologie dargeboten, aber eben auch gepaart mit all den menschlichen Abgründen, die sich in einem Kriegsszenario auftun können. Mein persönlicher Favorit – und gleichzeitig Schlusspunkt des Bandes – ist aber „Natürliche Auslese“. Interessante Charaktere auf Forschungsreise erwehren sich Meeresmonstern ebenso wie der spanischen Inquisition mit Wortwitz, Eleganz und viel Technik.

Abgerundet wird der Band mit einem nett geschriebenen Vorwort, dass der Raum-Zeit-Kapelle „Drachenflug“ zu verdanken ist und der obligatorischen Übersicht des Amrun-Verlagprogramms.

Fazit: Es ist eine runde Mischung unterschiedlicher Schreibstile und Herangehensweisen, welche die beiden Herausgeber für den Amrun Verlag zusammengetragen haben. Nicht jede der neun Geschichten hat dabei voll meinen Geschmack getroffen, doch überwiegt durchaus der positive Eindruck. Wer steampunkigen Fantasie-Gebilden etwas abgewinnen kann, der kann auch „Voll Dampf“ getrost eine Chance geben.

PS: gekauft werden kann der Band dann gleich HIER.