Rezension: Voll Dampf: Fiktionale Steamgeschichten

Hallo zusammen,

eine Warnung vorweg. Das gleich besprochene Buch ist NICHT cthuloid. Dennoch haben fantastische Steampunkgeschichten einen gewissen Platz in meinem Herzen erobern können – nicht zuletzt, weil sogar Chaosium erkannt hat, wie gut Steampunk und Cthulhu zusammen passen. Da liegt es vielleicht nicht fern, Euch ein wenig an meinen Gedanken zu der Anthologie “Voll Dampf” teilhaben zu lassen.

Rezension - Voll DampfDas Genre des Steampunks erfreut sich aktuell einer großen Beliebtheit. Edle, viktorianisch angehauchte Welten, angefüllt von fantastischer, dampfgetriebener Technologie gepaart mit abenteuerlichen, ja pulpigen Geschichten – diese Kombination funktioniert nicht nur im Rollenspiel, sondern auch in der Literatur. Der Amrun Verlag legt mit „Voll Dampf“ eine Kurzgeschichtensammlung in eben diesen steampunkigen Welten vor. Lohnt sich die Anschaffung?

Die in der deutschen Rollenspielbloglandschaft nicht unbekannten Blogger Ingo „Greifenklaue“ Schulze und André „Würfelheld“ Skora fungierten als Herausgeber für diese Anthologie. Ihre Wahl fiel auf insgesamt neun Kurzgeschichten, die dem geneigten Leser auf 165 Seiten präsentiert werden.

Die so entstandene Mischung spielt mit dem Genre „Steampunk“ auf interessante Weise. So werden ganz unterschiedliche Szenarien eines alternativen Geschichtsverlaufs gezeichnet. Mal haben die Dampftriebwerke sogar den Weg in die Unendlichkeit des Weltraums geebnet, mal sind sie nur eine Randnotiz in einer ansonsten realitätsnah erscheinenden Geschichte. Dabei können sich die Segnungen der dampfgetriebenen Wissenschaften als Fluch oder Segen entpuppen. Die Bandbreite vorgestellter Welten und Hintergründe ist also hoch. Vielen Autoren gelingt es darüber hinaus, trotz der wenigen Seitenzahlen, die ihnen zur Verfügung stand, gelungene Charakterzeichnungen anzulegen. Bei einigen Geschichten ist man sogar fast enttäuscht, den Eskapaden und Abenteuern der Protagonisten nicht länger folgen zu können.

Eine Einzelkritik der vielen Geschichten würde wohl den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allerdings möchte ich es nicht versäumen, meine persönlichen Highlights aus dem Band kurz vorzustellen. Da wäre zunächst einmal die Geschichte „Schwarzfall“ zu nennen, die schonungslos – ja, geradezu brutal – aufzeigt, wie der Zusammenbruch einer modernen, aufgeklärten aber eben auch technikabhängigen Gesellschaft ablaufen mag, wenn die so wichtige Technik plötzlich den Dienst versagt. „Mach mal Dampf“ wiederum geht ähnlich schonungslos zu Werke, ist aber deutlich actionorientierter und würde sicher auch als Kinostreifen funktionieren. Die beiden Geschichten „Träum weiter“ und „Ein Gott über den Wolken“ lesen sich ähnlich – aber beide ähnlich interessant, haben sie doch den Krieg und die Wahl der Waffen zum Hintergrund. Hier wird fantastische Technologie dargeboten, aber eben auch gepaart mit all den menschlichen Abgründen, die sich in einem Kriegsszenario auftun können. Mein persönlicher Favorit – und gleichzeitig Schlusspunkt des Bandes – ist aber „Natürliche Auslese“. Interessante Charaktere auf Forschungsreise erwehren sich Meeresmonstern ebenso wie der spanischen Inquisition mit Wortwitz, Eleganz und viel Technik.

Abgerundet wird der Band mit einem nett geschriebenen Vorwort, dass der Raum-Zeit-Kapelle „Drachenflug“ zu verdanken ist und der obligatorischen Übersicht des Amrun-Verlagprogramms.

Fazit: Es ist eine runde Mischung unterschiedlicher Schreibstile und Herangehensweisen, welche die beiden Herausgeber für den Amrun Verlag zusammengetragen haben. Nicht jede der neun Geschichten hat dabei voll meinen Geschmack getroffen, doch überwiegt durchaus der positive Eindruck. Wer steampunkigen Fantasie-Gebilden etwas abgewinnen kann, der kann auch „Voll Dampf“ getrost eine Chance geben.

PS: gekauft werden kann der Band dann gleich HIER.

Rezension: Cthuloide Schauplätze

Zehn Jahre und damit stolze 21 Ausgaben lang versorgte das offizielle Magazin „Cthuloide Welten“ die „Cthulhu“-Spielerschaft mit zahlreichem Spielmaterial. Neben ausgearbeiteten Szenarien, spannenden historischen Nichtspielercharakteren und den beliebten Regionalia-Artikeln fanden sich auch generische oder spezielle Ortsbeschreibungen in diesem Magazin wieder. Ein Gutteil des Materials wird nun als PDF-Version wieder verfügbar gemacht.

Rezension - Cthuloide SchauplätzeWieder wurde über zahlreiche „Cthuloide Welten“ verstreutes Material thematisch passend zusammengefasst. Dieses Mal werden verschiedene Schauplätze oder Orte vorgestellt, an denen der Mythos aktiv ist – oder aktiv sein könnte.

Eröffnet wird der Band mit zwei umfangreichen Artikeln mit dem Titel „Spuk im Gemäuer Teil 1 & 2“. Der Autor Tim Scharnweber stellt in einer Art Auflistung zunächst zahlreiche Spukhäuser oder -ruinen aus der ganzen Welt vor. Der zweite Teil ist dann allein Spukhäusern aus deutschen Landen gewidmet. Die einzelnen Beschreibungen sind dabei ausreichend informativ, aber knapp genug, um nicht zu langweilen. Oft werden cthuloide Anknüpfpunkte gegeben, sodass der geneigte Spielleiter in diesen Artikel eine wahre Ideenfundgrube findet. Besonders gut gefallen haben mir die Hinweise auf weiterführende Internetseiten.

Die nächsten drei Artikel stellen generische Schauplätze vor. Dabei werden eine Bibliothek, ein typischer Tante-Emma-Laden und ein Stadtmuseum näher vorgestellt. Dies sind allesamt Orte, an denen sich Investigatoren auf den Spuren des Mythos recht häufig wiederfinden und so ist es sicher hilfreich, weiterführende Informationen an der Hand zu haben. Dabei haben die Autoren Sebastian Weitkamp und Stefan Moriße an allerlei praktische Informationen – wie die typischen Eintrittspreise oder Ausstellungsstücke für das Museum oder einen normalen Warenbestand für den Tante-Emma-Laden gedacht. Ergänzt wird das Material vorbildlich um Karten und zahlreiche Nichtspielercharaktere, die den Ortschaften Leben einhauchen. Dass darüber hinaus auch umfangreiche Abenteuerideen integriert wurden, welche die Schauplätze zum Zentrum eines eigenen Abenteuers machen können, ist besonders erfreulich.

Abgeschlossen wird „Cthuloide Schauplätze“ durch zwei umfangreiche Artikeln zu realen Schauplätzen, den Lungenheilstätten Beelitz – die sehr umfangreich mit ihrer Geschichte und zahlreichen NSC vorgestellt werden – und dem Meer der Bäume, einem Ort in Japan, an dem besonders viele Selbstmorde stattfinden. Die beiden Autoren Caillean Kompe und Daniel Neugebauer finden in der Ausarbeitung dieser Schauplätze auch wiederum genügend cthuloide Ansatzpunkte, um dem Spielleiter einen oder zwei Besuche an diesen besonderen Orten schmackhaft zu machen.

Optisch ist das Material ganz ähnlich zu den anderen PDF-Veröffentlichungen aus dem Hause Pegasus gehalten und entspricht in weiten Teilen der bekannten Aufmachung der dritten Edition. Die Seiten sind wie ein altertümlicher Foliant gestaltet, die Artikel mit zeitgenössischen Fotos reichhaltig bebildert. Ausnahmen bilden hier der Artikel über das Stadtmuseum, der im ursprünglichen „Cthuloide Welten“-Layout belassen wurde (was den Artikel dank des weißen Hintergrundes sogar leichter lesbar macht) und der für „Cthulhu NOW“ geschriebene – und entsprechend designte – Schauplatz Meer der Bäume. Dank einem gut strukturierten digitalen Inhaltsverzeichnis verbleibt für die technische Ausstattung eine gute Note.

Fazit: „Cthuloide Schauplätze“ ist sehr umfang- und abwechslungsreich und sprüht nur so über vor Abenteuerideen. Als Ergänzung zum cthuloiden Band „Düstere Orte“ ist es unbedingt empfehlenswert. Als Kritik bleibt höchstens, dass für „recyceltes“ Material der Preis recht üppig ausgefallen ist.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Das Buch

Aus der Reihe “cthulhu.de-Bestseller”
Erstveröffentlichung: 23. April 2008
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerDer Typ saß Jeff schräg gegenüber. Das Abteil war sonst menschenleer. Jeff wusste nicht wie er den Mann einschätzen sollte. Er hatte einen ungepflegten Bart, dreckige Fingernägel, einen abgewetzten Mantel, den er trotz der Hitze trug und der ganz sicher bestialisch nach Schweiß riechen musste, aber trotzdem hatte der Kerl keine Schnapsflasche in der Hand sondern ein Buch! Er las. Und er las ziemlich schnell. Oder sah sich nur die Bilder an, das wusste Jeff nicht. So sehr sich Jeff auch anstrengte, den Titel des Buches konnte er nicht lesen. Es war auch keines dieser billigen Hunderttausend-Auflagen-Paperbacks von Stephen King oder Ken Follett. Nein, das war ein richtiges Buch oder vielleicht sogar ein Foliant? Ledereinband. Schwere Buchseiten die beim Umblättern raschelten. Der Typ musste das Buch gefunden oder geklaut haben. Ganz sicher. So jemand wusste das Kunstwerk doch gar nicht zu schätzen! Jeff war drauf und dran dem Kerl das zu sagen, wenn er bloß nicht so feige wäre. Die Haltestellenansage quakte. Die U-Bahn stoppte. Der Typ stand auf, sah Jeff in die Augen. Jeff schaute schnell weg und tat beschäftigt. Die Türen öffneten sich und der Kerl war verschwunden. Aber das Buch war noch da und Jeff war neugierig…

Eines der gefährlichsten Eigenschaften der Mythoswerke ist die Tatsache, dass viele dieser Bücher einen Drang haben gelesen werden zu wollen. Sie wollen gefunden werden und den Geist ihres Opfers zerstören. Sie wollen ihr Wissen weiter verbreiten und ja, man kann sagen sie haben auf gewisse Art und Weise ein Eigenleben.
So auch dieses namenlose Werk. Wobei sich „Das Buch“ noch einmal deutlich von anderen Büchern unterscheidet. Jeder kann das Buch lesen, insofern er des Lesens mächtig ist. Es ist in allen Sprachen der Welt geschrieben, verändert sich von Wortwahl und Satzbau, in Alphabet und Zeichensetzung genauso wie es für den jeweiligen Leser nötig ist. Es ist das vollkommene Buch und es ist einzigartig. Woher es kommt weiß niemand und wo es zu finden ist noch eine weitaus größere Frage. Fakt ist dagegen nur eines: Das Buch wird seit Jahrtausenden von Hand zu Hand, von Leser zu Leser gereicht.
Über den Inhalt gibt es pseudowissenschaftliche Aufsätze von Scharlatanen die es als die satanische Bibel bezeichnen, das „diabolische Buch der Bücher“ sozusagen und andere Artikel die stark bezweifeln das es so etwas überhaupt je gab und gibt. In Internetforen kursiert „Das Buch“ als Urbane Legende und Fake. Links zu rapidshare auf denen sich das Buch befinden soll, lassen nur billige Sex-Videos erscheinen, in denen sich dann obendrein noch ein Virus befindet. Okkulte Clubs aus den 1890er Jahren beschäftigten sich leidenschaftlich mit dem Thema und auf Seancen wurden Opfer des Buches herbeizitiert und nach dem Verbleib ausgefragt. Diese übersinnliche Schnitzeljagd war damals sehr beliebt.
In den 20ern behauptete ein englischer Lord das Buch zu haben, von ihm hat nie wieder jemand etwas gehört. Das könnte das echte Buch gewesen sein. Lord Edward G. Jeffries verschwand einfach spurlos. Sein Hab und Gut wurde dann seinem Sohn Gerald Jeffries vermacht. Doch der junge Jeffries entfloh der englischen Aristokratie im sündigen New Orleans der neuen Welt. Man munkelt, dass er das gesamte Erbe versetzt hat und dann später nach New York ging, wo er dann bis 1990 lebte. Wer das Erbe kaufte ist unbekannt. Wer aber das Buch finden will (und wer nur lange genug dran bleibt, wird merken, dass das Buch schon dafür sorgen wird, dass es gefunden wird), der sollte sich kuriose Fälle von Verschwundenen Personen anschauen. Eine Recherche in diesem Bereich ist schwer und kann sich zu einer wahren Schnitzeljagd über die ganze Welt entwickeln, aber… wer weiß ob man es dann nicht findet.

Für den Spielleiter
Das Buch ist ein gefährliches Artefakt der Großen Rasse. Es war ein frühes Experiment der Yithianer um Informationen zu sammeln ohne einen Körperaustausch zu vollziehen. Doch wie das bei Prototypen so der Fall ist, verlief die Konstruktion nicht so wie gedacht. Zwar sandte das Buch die benötigten Informationen an die Große Rasse, aber zeitgleich zerfraß es die Realität und nahm den Leser völlig in sich auf. Tausende von Individuen befinden sich nun in diesem Buch und sie gieren nach neuem Wissen. Sie sind zu einer eigenständigen Entität geworden, senden keine Informationen mehr an die Große Rasse von Yith, sondern existieren nur für sich selbst. In dem Wirbel aus Individuen gibt es nur ein kollektives Bewusstsein, was alle dazu antreibt jede Information zu sammeln und in sich aufzunehmen. Die Große Rasse ist sehr daran interessiert dieses Objekt wieder in ihren Besitz zu bringen, nicht unbedingt um die Gefahr für die Menschen zu minimieren, sondern eher um all die Informationen auszuwerten die bislang gesammelt wurden. Zugleich haben die Yithianer aber auch Angst selbst von dem Buch aufgenommen zu werden, sie suchen eher jemanden der für sie die Arbeit erledigt…

Jeff las drei Tage. Dann verschwand er spurlos. Er fand sich in einem schwarzen Meer aus Stimmen wieder. Sie redeten in allen Sprachen der Welt und Jeff redete mit ihnen. Er hatte alles hinter sich gelassen. Seine letzten Gedanken waren aber noch, dass er das Buch unbedingt seinem Freund zeigen wollte. Er arbeitete in der Bibliothek. Er setzte sich in den Bus, las weiter. Stieg dann aus, blätterte noch etwas, ging in die Bibliothek und fuhr dann mit dem Fahrstuhl in die dritte Etage, wollte gerade aussteigen als… er hier aufwachte. Das Buch lag auf dem Boden des Fahrstuhls und würde sicherlich bald gefunden werden, denn es brauchte neue Leser…

Winter OPC 2014: Meine Beiträge

Hallo zusammen,

da ist er schon wieder vorbei, der diesjährige (bzw. letztjährige?) Winter-OPC der Blogs Greifenklaufe und Würfelheld. Wie in jedem Jahr habe ich mit großer Freude teilgenommen, und fast ebenso traditionell bin ich an einer ordentlichen Platzierung vorbeigerauscht. Ich möchte an dieser öffentlichen Stelle allerdings keine Selbstreflexion starten – stattdessen freue ich mich darüber, immerhin einen Beitrag in den TOP24 platzieren zu können – gerade bei der qualitativ UND quantitativ hochwertigen Konkurrenz – bedanke mich ein weiteres Mal bei den Ausrichtern und spreche allen Gewinnern meinen aufrichtigen Glückwunsch aus.

Was habe ich in diesem Jahr zusammengebastelt? Nun, auf diesen Seiten ist es Tradition, diese Frage rasch nach dem Bekanntwerden des OPC-Rankings zu beantworten. So will ich es auch in diesem Jahr halten:

Dagonji

“Dagonji” ist schlußendlich eine Idee, die mir schon seit ein paar Monaten im Kopf umherspukt. Es ist ein cthuloides Szenario basierend auf dem Film “Jumanji“. Die Charaktere werden in ein völlig verrücktes Würfelspiel hineingezogen und müssen sich alsbald aller möglichen maritimen Gefahren erwehren. Neben dem Spielbrett und einer groben Ablaufbeschreibung enthält der Einseiter noch eine Zufallstabelle mit verrückten bis verrücktmachenden Begegnungen – inspiriert auch durch Meilensteine der Filmgeschichte wie “Sharknado“.

Ihr merkt, bierernst gemeint ist dieses Szenario natürlich nicht. Und auch Hintergrundpuristen werden ein paar Mal kräftig schlucken müssen, habe ich doch gerade Dagons Hintergrund stark gedehnt, um den diesjährigen OPC-Themen gerecht zu werden. Vielleicht mag es der eine oder andere brauchen.

Weisheit und Wahnsinn

Der zweite (eigentlich erste, aber schlechter platzierte und daher zweite :-)) Beitrag ist deutlich klassischer. Er spielt in einem Sanatorium, in dem eines Morgens nichts mehr so ist wie es eigentlich sein sollte und einen einzelnen (vorgefertigt mitgelieferten) Charakter auf eine wahnsinnige Reise schickt. Als One-on-One konzipiert funktioniert er m. E. aber auch gut mit einer Gruppe. Letzten Endes war eine Seite allerdings vielleicht doch zu wenig Platz um das Szenario so auszuformulieren, wie ich es mir eigentlich gedacht hätte.

So, dass waren sie, meine zwei Beiträge. “Nanu, hat er in den letzten Jahren nicht immer drei Beiträge eingereicht?”, könnten treue Leser dieses Blogs nun fragen. Tatsächlich gibt es noch einen dritten Beitrag von mir, allerdings habe ich einmal cthuloide Gewässer verlassen und eine Kreatur für “Dungeons & Dragens 5E” entworfen. Die ist zwar weder wahnsinnig innovativ noch irgendwie erfolgreich gewesen (:-)), aber als erste Fingerübung kam sie mir recht – auch, wenn ich beim dritten Lesen (natürlich NACH dem Versand) noch einige inhaltliche Fehler feststellen musste.

Wir lesen uns zu diesem Thema auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder. Der OPC war und ist eine großartige Institution!

Seanchui

PS: Die – ungleich erfolgreicheren – cthuloiden Autorenkollegen haben ihre Beiträge bereits veröffentlicht: Chaotisch Neutral hat die Fiasko-Kulisse “Wenn die Sterne richtig stehen” online gestellt, Stefan Droste von Cthulhus Ruf sein “New Albion“. Seht’s Euch unbedingt an!

Rezension: Der schwarze Prinz

Im Laufe des Jahres erschien mit „Cthulhu Gaslicht“ das dritte klassische „Cthulhu“-Setting als aufwändiger Hardcoverband. Seitdem ist es wieder ein wenig still um „Gaslicht“ geworden, doch nun schickt sich Pegasus an, weiteres Material für das Setting als PDF zu veröffentlichen. „Der schwarze Prinz“ ist dabei eines von zwei neu geschriebenen Abenteuern.

Rezension - Der schwarze PrinzZunächst einmal ist es sicher sinnvoll darauf hinzuweisen, dass eine Rezension eines Abenteuers kaum komplett ohne Spoiler auskommen kann. Wer „Der schwarze Prinz“ also noch als Spieler erleben möchte, dem sei angeraten, die nächsten drei Abschnitte zu überspringen.

Während sich der Settingband „Cthulhu Gaslicht“ auf das britische Empire konzentrierte, wendet sich „Der schwarze Prinz“ Frankreich, genauer gesagt Paris, zu. Hier regiert, ganz im Gegensatz zum viktorianischen England, im ausklingenden 19. Jahrhundert ein künstlerischer Freigeist, der Ausschweifungen, Exzesse und Experimentalismus fördert und einen idealen Nährboden für die kommenden, dunklen Ereignisse darstellt. Denn all die grauenhaften, aber auch wunderschönen Dinge, die in dieser Metropole geschahen und geschehen haben ein albtraumhaftes Abbild der Stadt erschaffen. Dieses dunkle Paris wird von dem schwarzen Prinzen regiert, der nun seine gierigen Finger nach der Welt der Lebenden ausstreckt.

Die Charaktere werden – wie so oft – von einem Freund kontaktiert, der das Problem eines weiteren Freundes gelöst wissen will, liegt dieser doch in einem unerklärlichen Koma. Auf der Suche nach den Hintergründen des Gesundheitszustandes des jungen Künstlers müssen die Charaktere nicht nur mit den Ausschweifungen der Pariser Künstlerszene klarkommen, nein, ihre Reise führt sie auch in das albtraumhafte Paris des schwarzen Prinzen. Hier müssen sie sich ihren Ängsten stellen, um viel Schlimmeres zu verhindern.

Das Abenteuer weist einige gute Ideen auf. So müssen die Charaktere – und nicht zuletzt auch ihre Spieler – einige albtraumhafte Szenen durchleben, während sie durch die Straßen des schwarzen Paris streifen. Die Aussicht, seinen Kopf an eine Guillotine zu verlieren, ist dabei nur eines der prägnantesten Vorkommnisse. Allerdings verschenkt es auch Potenzial. Denn auf der einen Seite wird das von vielen Spielern hoch gelobte „Gaslicht“-Setting mit seiner ganz eigenen Atmosphäre völlig ausgehebelt, da weite Teile des Szenarios in dem mittelalterlich angehauchten Albtraum-Paris spielen. Auf der anderen Seite werden die Szenen in dem lasterhaften Paris des Gaslicht-Zeitalters kaum näher beschrieben und dienen nur kurzer Informationsbeschaffung. Zum dritten ist es für mich verwunderlich, dass auf mögliche Konstellationen und Motivationen der Charaktere zwar umfassend eingegangen wird, die von Pegasus eigens für Abenteuereinstiege geschaffene Janus-Gesellschaft aber nicht einmal erwähnt wird.

Der Aufbau des Szenarios ist – wie eigentlich bei allen cthuloiden Publikationen – vorbildlich gelungen. Einer Handlungszusammenfassung schließt sich eine ausreichend umfangreiche Handlungsbeschreibung an. In einem Anhang sind alle wichtigen Spielwerte von NSC zusammengefasst. Die Handouts, dank des Mediums PDF auch teilweise wieder in Farbe, sind erneut sehr gut gelungen und fangen das gewünschte Gefühl hervorragend ein. Das gesamte Layout ist weiter an das bekannte Layout der 3. Edition angepasst. Die Seiten wirken wie ein altertümlicher Foliant, die Bebilderung ist reichhaltig.

Fazit: „Der schwarze Prinz“ ist sicherlich kein schlechtes Abenteuer und man merkt dem Autor die Detailverliebtheit und Ideenvielfalt, mit der er das albtraumhafte Paris füllt, an. Allerdings macht es leider kaum etwas aus den Besonderheiten des „Gaslicht“-Settings, bleibt dadurch aber auf einfache Weise in andere Settings konvertierbar. Wer einmal „Gaslicht“-Luft schnuppern möchte, greift besser zu anderen Abenteuern, alle anderen machen mit dieser albtraumhaften Reise aber sicher nichts falsch.

Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Der wilde Jäger

Aus der Reihe “cthulhu.de-Bestseller”
Erstveröffentlichung: 18. Februar 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerGefährlich ist’s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn.
- Friedrich Schiller

Aufbauend auf einer Sage aus dem Ruhgebiet eine kleine Idee zu einem Cthulhu-Szenario:

Der wilde Jäger hilft und verlangt Lohn
Es war einmal im Ruhrlande Mühlheim ein Jäger, der hatte sich schwer vergangen; und er wusste nicht aus noch ein, da ging er in den großen, dunklen Wald, um den wilden Jäger um Hilfe anzurufen. Der ließ auch nicht lange auf sich warten. Ein fernes Grollen, das zu mächtigen Donnerschlägen anwuchs, kündete sein Erscheinen an. Der Himmel bedeckte sich mit schwarzen Wolken, und ein Sturm tat sich auf, dass die Bäume wie Schilfrohre schwankte und sich fast bis zur Erde neigten. Dazwischen hörte man das wilde Kläffen der Meute, die den wilden Jäger auf all seinen Wegen begleitet. Und in all dem Tosen stand der junge Jäger stumm, mit schreckerfüllten Augen. Da erschien der wilde Jäger! Er stand an einer hohen dunklen Tannen und blickte mitflammenden Augen auf den jungen Jäger, der bei seinem Anblick auf die Knie gesunken war. Seine kalte, klare Stimme übertönte das Tosen um ihn her. „Was rufst du mich?“ „Hilf mir! Hilf! Um Gottes Willen!“ Ein schneidendes Hohnlachen antwortete ihm, dass die Meute wild aufbellte und umhersprang, der Sturm heulte und die Wipfeln der Bäume aneinander schlugen. Doch dann hob der wilde Jäger seine Hand; sogleich ebbte der Sturm ab, und seine zottigen, schwarzen Begleiter legten sich dumpf knurrend ins Moos. Noch einmal schrie der Jäger flehentlich: „Hilf, Hilf, um jeden Preis hilf!“ Diesmal blieb alles still um ihn her. Die schwarzen Hunde regten sich nicht; nur ihre großen Glutaugen gingen hin und her. Langsam, lauernd kam es von den schmalen eingekniffenen Lippen des wilden Jägers: „Um jeden Preis?“ „Um jeden!“ war die rasche und feste Antwort.“ „Dir soll geholfen werden!“ „Dank, Dank!“ Aufatmend wollte sich der junge Jäger erheben, doch ein donnerndes “Halt!” hielt ihn zurück. Als der Jäger fragend aufblickte, fuhr jener fort: „Du hast ein hübsches, schwarz-braunes Lieb, bring es mir am Dreikönigstag in den dunklen Hohlweg: Das sei mein Lohn!” Dem jungen Jäger war, als schnürte ihm etwas die Kehle zusammen. Er nickte stumm, schwang seine Büchse über die Schulter und ging mit schweren, schleppenden Schritten heim. Hinter ihm erklang noch das höhnische Gelächter des wilden Jägers, das Kläffen der Meute und der Hufschlag seines davoneilenden schwarzen Rappen.
Es ging gut. Dem Jäger war geholfen; doch wenn er sein liebes Mädel ansah, dann krampfte sich sein Herz zusammen. Der Dreikönigstag kam immer näher, und dem Jäger wurde immer banger. Am Vorabend aber fasste er einen Entschluss. Er nahm sein schwarz-braunes Mädel an die Hand, schwang die Büchse über die Schulter und ging in den dunklen Wald. Dort erschoss er sein Lieb und sich.

Der wilde Jäger aber saust heute noch durch das Land, die kläffende Meute hinter sich, und sucht seinen versprochenen Lohn. Am Dreikönigstag tobt er am schlimmsten; doch dann verschwindet er auch wieder, um im nächsten Jahre seine Suche wieder aufzunehmen. Und so wird er wohl noch alle Jahre durch die Lüfte jagen.

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Abenteuerideen
Der wilde Jäger sucht seinen versprochnen Lohn nun schon seit Hunderten von Jahren in den winterlichen Wäldern Mülheims, immer um den Dreikönigstag (06. Januar) herum. Nie hat er sich an jemandem vergangen, er blieb von den meisten ungesehen und ungehört. Doch im Jahre 1925 ist die Geschichte des Jägers wieder zu neuem Leben erwacht. Weißhaarige Frauen erzählen ihren Enkelkindern hinter vorgehaltener Hand von dem betrogenen Jäger der Finsternis und immer wieder werden Leichen von Frauen gefunden deren Haar schwarzbraun ist. Was geht vor in Mülheim, ist der Jäger es leid geworden auf seinen Lohn zu warten? Oder ist es nicht die Sagengestalt die die Morde verübt sondern nur ein allzumenschliches Schreckgespenst? Ist die Sorge der Polizei um braunhaarigen Mädchen und Frauen begründet, wenn ihnen des Nachts nicht gestattet wird das Haus zu verlassen oder ist die Haarfarbe gar nicht ausschlaggebend für den Mörder oder die Kreatur die sich in den Wäldern herumtreibt? Manchmal, so sagen einige Bewohner der Stadt, hört man das Jaulen und Bellen von Hunden in der Nacht, so laut das sie keinen Schlaf finden würden. Aber warum hören dann nicht alle Mülheimer dieses Bellen, ist es vielleicht ein Vorbote des Todes, wird die Meute des Jägers vielleicht sie in der Nacht holen?

Der Buch-Fluch

Aus der Reihe “cthulhu.de-Bestseller”
Erstveröffentlichung: 5. August 2011
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestsellerKostbare Bücher und Schriften mussten seit jeher gegen ruchlose Diebe und Vandalen – oder in unserem Falle verzweifelte Investigatoren – geschützt werden. In früheren Zeiten bediente man sich dazu sogenannter Bücherflüche, welche meist vorn ins Buch geschrieben wurden. Durchaus denkbar also dass alte Mythos-Werke von ihren paranoiden Autoren ebenfalls auf diese Weise präpariert wurden – und ebenso denkbar dass es in diesem Falle sogar funktionieren würde!

Also überrascht eure Spieler doch mal mit ein wenig bibliophilem Grusel; hier einige historische Beispiele:

  • “Wer diese Tafel bricht oder sie ins Wasser legt oder auf ihr herumschabt, bis man sie nicht mehr entziffern kann, den mögen die Götter des Himmels und der Erde mit einem Fluch strafen, der nicht mehr getilgt werden kann, schrecklich und gnadenlos, solange er lebt, und seine Nachkommen sollen vom Land hinweggefegt, und sein Fleisch soll den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden” – Assyrische Tontafel Assurbanibals.
  • “Allen, die unrecht verfahren und sündigen mit diesem Buch, denen sende ich diesen Fluch und denen, die Falsches hinzu erdichten: Der Aussatz soll sie dann vernichten. Wer dem Teufel ohne Ende will zugehören, der sende ihm diese Urkunde und fahre zu der Hölle Grunde …” – Der Sachsenspiegel (um 1220).
    “Wer Bücher stiehlt oder ausgeliehen Bücher zurückbehält, in dessen Hand soll sich ein Buch in eine reißende Schlange verwandeln. Der Schlagfluss soll ihn treffen und all seine Glieder lähmen. Laut schreiend soll er um Gnade winseln, und seine Qualen sollen nicht gelindert werden, bis er in Verwesung übergeht. Bücherwürmer sollen in seinen Eingeweiden nagen wie der Totenwurm, der niemals stirbt. Und wenn er die letzte Strafe antritt, soll ihn das Höllenfeuer verzehren auf immer.” – Inschrift in der Bibliothek des Klosters San Pedro in Barcelona.
  • “Steal not this book, my worthy friend, For fear the gallows will be your end; Up the ladder, and down the rope, There you’ll hang until you choke; Then I’ll come along and say – ‘Where’s that book you stole away?’” – Unbekannt.
  • “Ihm, der da stiehlet eyn Buch aus dieser Bibliothek, möge es werden eyn Feuerzeychen in seyner Hannd, auf dasz sie bedecket sey mit Blattern und Blasen. Geschlagen sey er mit schwitzender Schwaere unnd verdorren moege seyn Gemaecht. Lasz ihn darben in unbeschreiblichem Schmerz, vergeblich rufe er umb Gnaden und von Elend fliesze über seyn Kelch. Kein Ende sey seyner Qual bis zur letzten Stunde der Verwesung. Diweylen aber moegen Buecherwuermer seyn zuckend Gedärm benagen mit scharfen Zähnden ohn Unterlasz, eyn Zeychen des Gewürmbes, des uns verdarb Eden und das unsterblich herrschet über die Suendiger. Und gehet der Dieb endtlich zu seyner letzten Statt, zu empfangen die Straffe im Thale Scheol, so moegen ihn heymsuchen ohn Gnad die Flammen von Gehenna und ihn verzehren auf immer und ewiglich.” – Solomon Falsch (1760)
  • “This book is one, my fist is another. If you steal the one, you’ll feel the other.” – Amerikanische Universitätsbibliothek.