Rezension: Chartae Cthulhiana

Mit der siebten Edition geht „Cthulhu“ neue Wege. Neben einem ganzen Schwung von neuen Regeln hat sich auch an der Publikationsvielfalt für das Rollenspiel rund um gediegenen Horror nach H. P. Lovecraft einiges getan. Neuester Zuwachs der Produktpalette ist die Kartensammlung „Chartae Cthulhiana“. Aber was genau hat es damit auf sich?

Nach dem Öffnen der auffällig designten Schachtel, die in der Größe an die Zwei-Personen-Spiele aus dem Hause Pegasus erinnert, fällt dem geneigten Spielleiter ein ganzer Haufen unterschiedlicher Karten entgegen. Nachdem man die Plastikfolie um die unterschiedlichen Decks entfernt hat, stellt sich auch gleich die erste Ernüchterung ein: denn auf ein funktionales Inlay, um die Karten auch wieder geordnet, oder auch nur ordentlich, wieder verstauen zu können, wurde leider verzichtet. So muss man selbst zu Gummis oder Klarsichtbeuteln greifen, um nicht jedes Mal aufs Neue die unterschiedlichen Kartentypen durchsortieren zu müssen.

Wenden wir uns dem eigentlichen Inhalt zu, denn darum geht es ja eigentlich. „Chartae Cthulhiana“ enthält 240 Spielkarten, die in vier verschiedene Kartensets sortiert sind. Diese Sets sollen das Leben von Spielern wie Spielleitern des Rollenspiels erleichtern. Allen Karten ist gemein, dass sie auf der Vorderseite den Namen der Karte abbilden und mit einer passenden Illustration versehen sind, während auf der Rückseite Spielwerte und beschreibende Texte Verwendung finden.

Das erste Deck ist „Das Deck der ausgefallenen Personen“. Dieses Deck versammelt über 70 verschiedene Nichtspielercharaktere mit ihren Spielwerten. Dank der knappen Hintergrundbeschreibung, die sich aus den „Cthulhu“-typischen Eckpunkten wie „Glaube/Weltsicht“ oder „Wesenszüge“ zusammensetzt, bekommt man neben den Spielwerten auch gleich eine ganz gute Vorstellung von der Persönlichkeit des Charakters. Illustriert werden die – regelseitig für die 20er-Jahre konzipierten – Charaktere mit passenden Fotografien. Der Wertesatz erlaubt es auch, die Karten als Ersatz-Investigatoren oder bei einem One Shot gleich als Gruppe zu verwenden. Die Mischung unterschiedlicher Berufsgruppen ist dabei gut gelungen und erlaubt Investigatorengruppen unterschiedlichster Couleur. Einziger Wermutstropfen: Ich hätte mir den Beruf und/oder die Funktion des NSC gleich mit auf der Vorderseite der Karte gewünscht. Schlussendlich sucht man im Spiel ja doch mal eher „einen Detektiv“ als „einen Frankie Mowlop“. Da wird Vorbereitungsarbeit notwendig sein, um auch immer die richtigen Karten parat zu haben.

Das zweite Deck, „Das Deck der Phobien“, versammelt nicht nur Phobien, sondern auch Zwangsstörungen und die Effekte von kurzfristigem Wahnsinn. Die Karten sind dazu gedacht, an Spieler ausgeteilt zu werden, wenn ihre Investigatoren unter den entsprechenden Auswirkungen beginnenden Wahnsinns leiden. Passend zum Thema der Karten sind die gewählten Illustrationen … furchtbar. Da wäre mehr drin gewesen. Inhaltlich sind die Karten brauchbar, mehr aber auch nicht. Die vorgeschlagene Verwendung als Zufallsgenerator würde ich schlussendlich auch höchstens bei den „Anfällen“ empfehlen; die Konstellation von Auslöser zu gezogener Phobie wird sonst oft zu albern.

Das dritte Deck schließlich ist „Das Deck der unerfreulichen Ereignisse“. Das Deck enthält Szenen, die Abenteuer erweitern können, zufällige Ereignisse, um Investigatoren in zusätzliche Schwierigkeiten zu bringen, und auch mancher Zauber, der gegen die Investigatoren gewirkt wird, findet sich hier nur in seinen Auswirkungen beschrieben. Die Idee gefällt mir zwar recht gut, die Umsetzung ist allerdings steif und hölzern. Dazu kommt, dass es wohl wenige Systeme gibt, die so schwer irgendwelche Zufallsbegegnungen verzeihen, wie „Cthulhu“. Und das gleich auf mehreren Ebenen – erzählerisch wie spielmechanisch. Die weiterhin schwachen Illustrationen sorgen auch nicht für eine bessere Zwischennote.

Zuletzt folgt das „Deck der Waffen und Artefakte“. Hier sind nun eben „Waffen“ und „Artefakte“ abgebildet und mit Spielwerten versehen. Häufige Waffen wurden dabei jeweils doppelt mit Karten bedacht, da so die gleiche Waffe an mehrere Investigatoren ausgegeben werden kann. Hier verliert „Chartae Cthulhiana“ dann vollends jede Sinnhaftigkeit, werden die Spielwerte doch exakt wie jene auf dem Investigatorenbogen angegeben. Spieler erhalten also, neben einer weiterhin gruseligen Illustration, die oft ohnehin mehr Szene denn Waffe zeigt, die gleichen Spielwerte wie auf ihrem Investigatorenbogen als Karte. Der Mehrwert erschließt sich mir hier nicht, es sei denn, extrem schreibfaule Spieler wollen die fünf Werte nicht auf ihrem Investigatorenbogen eintragen.

Die Verarbeitung der Karten ist angemessen stabil, die Illustrationen, wie mehrfach angemerkt, weit unterhalb der für „Cthulhu“-Publikationen üblichen Standards. Das fehlende Inlay sorgt für einen weiteren Abstrich in der B-Note.

Fazit: Ich kann „Chartae Cthulhiana“ nur sehr bedingt empfehlen. Die wirklich praktische NSC-Sammlung wird um viele Karten ergänzt, die es schlicht und ergreifend nicht gebraucht hätte. Wer gerne mehr Haptik an den Spieltisch bringt oder seine Abenteuer gerne zufallsbasierter ausstaffieren möchte, wird hier sicherlich das eine oder andere nette Gimmick finden. Für alle anderen gibt es lohnenswertere Anschaffungen im cthuloiden Bereich.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf www.ringbote.de

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Die Arkham Akten – Der Fall Julia-Anne Kendall

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 10. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Julia-Anne Kendall
Betreuender Arzt: Dr. Benjamin Raft
Fallnummer: JAK-158/DF9

Fallbeschreibung:
Ich nutze diesen Raum für einen persönlichen Kommentar zu diesem außergewöhnlichen Fall. Ich kann bezeugen, dass nichts hiervon in irgendeiner Weise erfunden oder übertrieben dargestellt ist, es ist die reine Wahrheit. Ich bin der praktizierende Arzt für die 8 jährige Julia-Anne Kendall, die im Herbst des Jahres 1928 vom St. John Waisenhaus zu uns gebracht wurde. Es ist durchaus ungewöhnlich ein achtjähriges Kind in einem Sanatorium unterzubringen, doch sie müssen verstehen, dass der Fall wirklich sehr ernst war, wie sie aus der beiliegenden Akte ja entnehmen können. Wir richteten für das Mädchen einen eigenen Raum ganz in der Nähe des Schwesterzimmers ein und bemühten uns ein möglichst kindgerechtes Umfeld zu schaffen. Julia-Anne schien in den ersten Wochen nur wenig auffällig zu sein. Sie liebte es, sich kreativ zu äußern und legte dabei ein erstaunliches Talent an den Tag Bilder und neuerdings auch Skulpturen zu gestalten, die im rechten Licht betrachtet nicht nur außergewöhnlich kunstfertig, sondern auch zu einem gewissen Teil Angst einflössend waren. Ich war mir nicht klar, welche Dämonen dieses Kind zu diesem Zeitpunkt quälten, doch ich sollte es bald erfahren. Es war Anfang November als Julia-Anne die Maske vollendete. Es war ein schreckliches Ding und erinnerte an eine Gasmaske mit mehr als einem Schlauch und eine Schwester erschrak fürchterlich, als sie Julia-Anne zum ersten Mal mit dem Ding auf dem Kopf in der Zelle sah. Doch die Schwester war nicht die einzige die sich vor dem Ding fürchtete. Wir hatten Patienten die steif und fest behaupteten nachts von dieser Maske geträumt zu haben und das sich ihre Schläuche an den Köpfen fest sogen und fürchterliche Schmerzen verbreiteten. Pete Fredricks gehörte dazu, ein trunksüchtiger Ire, den ständige Halluzinationen plagten. Er war der festen Meinung, dass sich die Maske durch die Wände Zugang zu seiner Zelle verschaffen würde. Ich erhöhte daraufhin die Medikamentation und schob diese Geschichten beiseite, wie es jeder gute Arzt gemacht hätte. Ich versuchte jedoch Julia-Anne nach dieser Maske auszufragen, doch das Mädchen schien gar nicht zu wissen wovon ich sprach. Sie behauptete die Maske nicht gefertigt zu haben und das sie so etwas auch noch nie gesehen hätte. Ich beschloss daraufhin die Maske an mich zu nehmen und das Mädchen schien einverstanden zu sein, auch wenn ich meinte einen böswilligen Blick in ihren Augen gesehen zu haben, als ich die Tür hinter ihr schloss. Die Maske, aus Pappmaché gefertigt und für Kinderhände wirklich mit ausgefallnen Ziselierungen und Details bedacht, verbreitete, das gebe ich ganz offen zu, auch in mir ein unbehagliches Gefühl. Ich schob diese Gedanken jedoch beiseite und legte das Ding in eine Schublade und kümmerte mich um Julia-Annes Akte. Sie war schon immer kreativ veranlagt gewesen und vielleicht lag darin der Schlüssel für ihre Erkrankung und ich beschloss ihre Bilder und Plastiken genauer zu untersuchen. Ich muss darüber wohl eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen wieder öffnete war es bereits dunkel. Ich beschloss die Arbeit für heute zu beenden und nach Hause zu fahren. Die Akten legte ich zu der Maske und… Die Maske war verschwunden. Ich hörte außerhalb meines Büros Schritte, der Dieb konnte nicht weit sein. Draußen war jedoch niemand, ich sah nur das Licht aus Julia-Annes Zelle scheinen. Sie saß dort im Schneidersitz auf den Boden und nuschelte etwas in sich hinein. Ihr Kopf von der Maske bedeckt. Ein Schrei ging durch den Korridor, es war eine der hinteren Zelle. Als ich ankam war es schon zu spät. Pete Fredricks war tot. Auf seinem Schädel fand ich große runde Löcher. Das Gehirn war verschwunden. Daraufhin verlangte ich die Verlegung von Julia Anne, da ich mich nicht in der Lage sah, sie weiterhin zu behandeln, doch sie wurde abgelehnt. Nun sitze ich hier in meinem Büro und es ist inzwischen der fünfte Tod den wir zu beklagen haben und ich frage mich: Ist das Wohl vieler, bedeutender als das Wohl eines einzelnen? Und was ist, wenn der Einzelne ein Kind ist…

Die Arkham Akten – Der Fall John Doe

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: John Doe/Wuen Li-Ging
Betreuender Arzt: Dr. Clifford Samson
Fallnummer: JD-012/Q

Äußere Beschreibung:
Männlich, Alter in etwa 35 Jahre, asiatische Herkunft, Brillenträger, körperlich gesund, Name unbekannt in den Akten zu führen als John Doe, wie sich herausstellte mit richtigem Namen Wuen Li-Ging.

Besondere Merkmale:
Tätowierungen am ganzen Körper, vor allem im Bereich des Rückens, des Bauches und der Oberschenkel, Zeichen gehören zu einem mir unbekannten Alphabet.

Fallbeschreibung:
John Doe wurde von der örtlichen Polizei in Kingsport am Hafen aufgegriffen. Er machte einen verwirrten Eindruck und stammelte etwas in einer den Polizisten unbekannten Sprache. Aufgrund seiner asiatischen Herkunft, dachten die Beamten das es sich um Chinesisch oder dergleichen handelte, da der Mann jedoch einen völlig desorientierten Eindruck machte und zudem kein Wort Englisch sprach, wurde er auf die örtliche Wache mitgenommen. Zeitgleich kümmerte sich eine Streife darum am Hafen nachzufragen, ob der Mann irgendwo auf einem Schiff seinen Dienst getan hat, doch keiner der Kapitäne und Dockarbeiter kannte den Mann. Da sich sein Zustand auch nach einigen Stunden nicht besserte, verständigte man das Arkham Sanatorium und ich nahm mich des Unbekannten an. Er wurde um 16:40 schlafend eingeliefert. Da er sich in einem desolaten Zustand befand, ordnete ich ein Bad und eine Entlausung an, die von Pfleger Jackson durchgeführt wurde. Er berichtete später, dass der Patient erst bei der Entlausung die Augen aufschlug und wild zu schreien begann. Kurz nachdem John Doe ruhig gestellt wurde, verständigte mich Jackson. Als ich den Badbereich erreichte, zeigte Jackson nervös auf die zusammengesackte Gestalt am Boden. John Doe war über und über mit Tätowierungen bedeckt, doch Jackson schwor, dass sie vorher nicht da gewesen seien. Hier sei gesagt, dass Jacksons Akte (bis auf einige Kranketage) ausgezeichnet ist und ich seinem Wort Glauben schenkte. Da John Doe nicht bei Bewusstsein war, konnte ich einen genaueren Blick auf die Tätowierungen werfen, die einem Alphabet zugehörig waren, das mir noch nie untergekommen ist. Jackson brachte John Doe in seine Zelle und ich informierte die Universität Miskatonic. Drei Herren kamen, darunter auch Dr. Armitage, der Bibliothekar der Universität und wir untersuchten gemeinsam den Mann. Die Herren baten mich nach einer Weile sie und den Patienten allein zu lassen, ich folgte ihrem Wunsch und konnte die Zeit nutzen, meinen ausstehenden Bericht zu schreiben. Als die Wissenschaftler sich wieder bei mir meldeten, sagten sie, dass sie gerne mit John Doe sprechen würden, wenn er wieder zu sich kommen würde und ich bestätigte, dass ich sie sofort telefonisch informieren würde. Die Männer der Universität schienen beunruhigt und ich erinnere mich nun auch, dass einige unserer ärmsten Insassen eine doppelte Dosis an Beruhigungsmitteln benötigten um überhaupt etwas Schlaf zu finden. Am folgenden Tag, war John Doe ansprechbar, doch wie durch ein Wunder waren die Zeichen verschwunden!

Ich telefonierte Dr. Armitage an und trotz der morgendlichen Vorlesungen und universitären Verpflichtungen, eilten alle Drei sofort zum Sanatorium. Derweil führte ich mit John Doe ein Gespräch auf Englisch und der Mann, dessen Name sich als Wuen Li-Ging entpuppte, berichtete das er keinerlei Erinnerungen habe, wie oder warum er hierher nach Arkham gekommen ist. Das Letzte an was er sich erinnerte war, dass sein Schiff, die Maria-Julia in einen Sturm geriet. Kurz darauf kamen auch schon die Herren Professoren und sie baten mich Mr. Wuen zu entlassen, doch ich konnte dieser Bitte nicht nachkommen. Offensichtlich litt der Mann an einem schweren Fall von Amnesie und Persönlichkeitsstörung und so sehr ich Dr. Armitages Meinung auch schätze, ich musste ihm eine Absage erteilen, denn das Wohl des Patienten steht über allem. Mr. Wuen willigte ein noch einige Tage zur Beobachtung zu bleiben, doch zu einer Untersuchung kam es nicht mehr. In der Nacht auf den nächsten Tag verschwand Mr. Wuen spurlos. Kein Zeichen eines Ausbruches war vorhanden und auch der Nachtwächter, der alte Giles Fernham hatte nichts Besonderes gesehen. Ich verständigte Dr. Armitage über diese Tatsache und dieser zeigte sich sehr besorgt, doch zugleich beruhigte er mich in freundschaftlicher Weise und versicherte mir seine Hilfe, sollte ich sie brauchen. Trotz einer groß angelegten Suche und eines Phantomzeichners, ist Mr. Wuen nicht gefunden worden und einer der seltsamsten Fälle unseres Sanatoriums wird niemals zum Abschluss gebracht werden. Ich frage mich noch immer was diesem Mann nur passiert sein mag und wo er jetzt ist.

Gez.
Dr. Clifford Samson

Die Arkham Akten – Der Fall Dr. Douglas Harding

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Douglas Harding
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: DH-829/S

Fallbeschreibung
Dr. Douglas Harding wurde im September diesen Jahres eingewiesen. Harding war Dozent an der Universität Miskatonic im Bereich Anthropologie und Geschichte. In seiner gesamten Familie gibt es keinen ähnlichen Fall von paranoider Schizophrenie. Der Fall Harding unterliegt auch weiterhin der strikten Schweigepflicht und wurde selbst dem regionalem, wie überregionalem ärztlichen Fachpersonal nicht zugänglich gemacht.

Harding, der von seinen Studenten und Mitarbeitern immer als äußerst pflichtbewusst und eifrig wahrgenommen wurde, erlebte am 13. September diesen Jahres einen so schweren Schock, dass er in das Arkham Hospital gebracht werden musste. Nachdem keine körperlichen Gebrechen festzustellen waren, der Patient allerdings schwere psychische Störungen aufwies, wurde er hierher ins Arkham Sanatorium gebracht. Der Grund für diese Störung, die sich letztendlich als paranoide Schizophrenie herausstellte, ist weiterhin unklar. Interviews mit Harding sind äußerst schwierig, da er in beinahe jedem Menschen eine Gefahr für sich selbst sieht. Einzig einem Mann namens „Johnny Maxwell“ schenkt er das nötige Vertrauen. Er schreibt Briefe an ihn und das ist die einzige Art für uns etwas mehr über Harding herauszufinden. Im Folgenden nun eine Abschrift eines dieser Briefe:

Lieber Johnny,
Weißt du noch Johnny? Damals? Der Himmel war blau. Der Regen kam erst später. Wir waren da. Dann kamen sie. Den Tag werde ich nie vergessen.
Alles in allem Jahre vergingen. Ich rette den Tag ohne die Nacht. Ohne dich ist der Himmel gelb in grün, selbst beim Sonnenuntergang. Ach wären wir doch sie! Schön wären die Tage ohne zu wissen. Ich schließe mit den Worten die es sagen.
Lebwohl
Douglas

Dieser Brief mag als Beispiel für eine Vielzahl von anderen, ganz ähnlichen Schrieben dienen. Was mag diesen Mann, diesen gelehrten Mann nur derart zugrunde gerichtet haben? In meiner persönlichen Laufbahn habe ich derlei Fälle selten gesehen. Oft waren sie die Ausgeburt von jahrelanger Degenration und Inzucht, in abgeschotteten Dörfern, doch dieser Fall weißt keines dieser Merkmale auf. Wie eingangs erwähnt, gibt es in Hardings Stammbaum keinen Fall der auch nur irgendwelche Auffälligkeiten zeigt.

Recherchen über Johnny Maxwell führen trotz redlicher Bemühungen ins nichts. Die Bostoner Adresse auf dem Briefkopf ist nicht existent, oder vielmehr ist sie noch nicht existent. Nachforschungen zufolge, soll in 10 bis 15 Jahren am angegeben Ort ein Neubau errichtet werden, der den wachsenden Hunger der Wirtschaft vorerst stillen mag.

Empfohlene Behandlung
Bis auf weiteres verordne ich die bisherige Medikation und Elektrokrampfbehandlungen.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Die Arkham Akten – Der Fall Edward James

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Edward James
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: EJ-901/G

Edward James ist bereits seit drei Jahren unser Patient. Sein zwanghaftes Verhalten hat sich in dieser Zeit verringert, aber seit neustem gibt es eine völlig andere Auffälligkeit in seinem Verhalten. Im Folgenden nun eine auf das wesentliche gekürzte Transkription des letzten Interviews:

Dr. Phillip Lammon: Was bedrückt sie Edward?
Edward James: Jemand ist hier!
DPL: Meinen sie mich?
EJ: Nein, Nein… ich meine JEMAND ist hier, hier in der Klinik.
DPL: Wen meinen sie?
EJ: Verstehen sie nicht, JEMAND, es könnte jeder sein!
DPL: Denken sie das sich hier jemand eingeschlichen hat?
EJ: Ja, ja! Genau, eingeschlichen hat sich jemand.
DPL: Haben sie ihn gesehen?
EJ: Ich bin nicht sicher. Ich vermute die neue Schwester!

Anm. Dr. Philip Lammon: Gemeint ist Schwester Catherine Jenkins, die erst vor 2 Wochen eine Vertretungsstelle für Schwester Ethel Holden angenommen hat.

DPL: Aber Edward, wir haben doch darüber gesprochen das sie Ethel vertritt. Ethel bekommt doch ein Kind, wissen sie nicht mehr?
EJ: Nein, nein. Ich meine Ja. Ich weiß das sie ausfällt und ihre Schichten montags, dienstags donnerstags und freitags von 6:00 in der Früh bis 16:00 am Mittag nicht einhalten kann und das die Vertretung sie von 6:00 in der Früh bis 16:00 Mittag an jedem Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag vertreten wird. Das weiß ich doch, aber die neue, sie isst nicht.
DPL: Was?
EJ: Sie macht keine Pause von 9 Uhr bis 9:30. Sie macht keine Pause von 12:30 bis 13:00. Ich habs gesehen. Sie isst nie!
DPL: Vielleicht hat sie keinen Hunger Edward?
EJ: Nein hat sie nicht. Aber sie lockt die anderen.
DPL: Sie lockt sie?
EJ: Oh ja, sie lockt sie, ich habs gesehen. Sie ging zu Fred rein Zelle 154 DG, rechter Flügel, vierte Tür auf der linken Seite. Sie wollte ihm das Essen bringen, aber sie war 27 Minuten drin, ich habs gezählt.
DPL: Edward, was denken sie über Schwester Catherine?
EJ: Sie ist jemand aber sie ist keiner von uns?
DPL: Von uns?
EJ: Kein Mensch!
DPL: Das denken sie nur, weil sie bei Fred 27 Minuten in der Zelle war?
EJ: Nein, das denke ich, weil sie es mir gesagt hat und weil ich der nächste bin. Fred macht es nicht mehr lange hat sie gesagt dann holt sie mich! Ich will nicht, sie hat schlimme Dinge gesagt, ich, ich… DA!

Anm. Dr. Phillip Lammon: Schwester Catherine stand an der Tür mit etwas Kaffee, ich hatte danach verlangt und vergessen ihr Bescheid zu geben. Ich musste Edward James starke Beruhigungsmittel geben damit er ruhig blieb. Schwester Catherine hat angeboten den Zustand des Patienten zu überwachen. Ich lehnte ab, Edward war äußerst angespannt und diese Feindlichkeit gegenüber Schwester Catherine, die wirklich nur die besten Referenzen besaß, ist mir fragwürdig. Möglicherweise ein Rückfall in sein zwanghaftes Verhalten, aufgrund des Personalwechsels.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Neuerscheinung: Lovecrafter #4

Hallo zusammen,

ganz still und heimlich hat sich in die Postkästen vieler dLG-Mitglieder bereits kurz vor Weihnachten die neueste Ausgabe des Lovecrafters geschlichen. Bevor ich Euch endgültig in das neue Jahr entlasse möchte ich nicht versäumen darauf aufmerksam zu machen, dass das gute Stück nun auch im Cthulhu-Webshop bereitsteht, um von allen interessierten Nichtmitgliedern käuflich erworben zu werden :-). In der vierten Ausgabe konnte ich (als Redakteur der PLAY-Rubrik) gleich zweifach die Früchte des mittlerweile über ein Jahr zurückliegenden FHTAGN-Abenteuerwettbewerbes ernten, so dass ihr einiges Spielmaterial in dieser Ausgabe vorfinden könnt. Doch werft am besten selbst einen Blick in das Inhaltsverzeichnis:

Im Anschluss an die Nr. 3 („Lovecraft in Deutschland“) hat die Redaktion diesmal den Blick über den eigenen Tellerrand gewagt und einen europäischen Schwerpunkt gelegt.
Wir freuen uns, umfangreiche Interviews mit Lovecraft-Aktivisten aus Polen und Ungarn präsentieren zu können. Wenn von Europa die Rede ist, darf ein Text nicht fehlen: „European Glimpses“, eine Reisebeschreibung aus Lovecrafts Feder, die er im Auftrag seiner Ex-Frau Sonia H. Greene verfasst hat. Obwohl der Schriftsteller selbst nie europäischen Boden betrat, hatte er doch erstaunliche klare Vorstellungen von europäischer Kultur, Charakteristik und Historie. Auch dazu gibt es einen passenden Artikel.

Neben den harten Fakten erfahren die Leserinnen und Leser etwas über den „Bund des Dreizehnten Sterns“, eine Kultbeschreibung für cthuloides Rollenspiel mit unübersehbarer EU-Schlagseite. Und auch FHTAGN, dieses vielversprechende Gewächs der deutschen Lovecraft Gesellschaft, treibt immer weiter aus. Mit dem exklusiven Szenario „Für den König“ kehren wir einmal mehr in das Hannover der 1920er Jahre zurück. Wir erinnern uns: Die Stadt an der Leine war bereits im Lovecrafter Nr. 2 auf ihre cthuloiden Hinter- und Abgründe abgeklopft worden.

Inhaltsübersicht
Vorwort – Blasphemisches vom Chefredakteur
Vereinsseite – Wortgeflüster aus dem Vorstand
Im Gespräch – Mit der Künstlerin Svenja Ritter
Im Gespräch – Die ungarische Lovecraft Gesellschaft
Background – Cthuloide Umtriebe in Polen
Background – European Glimpses
Background – Ein Blick auf Lovecrafts Europabild
Rezension – Gegen die Welt, gegen das Leben
Rezension – Sherlock Holmes and the Shadwell Shadows
Play – Der Bund des Dreizehnten Sterns
Play – „Die Mauer“ (FHTAGN-Szenario)
Play – „Für den König“ (FHTAGN-Szenario)
Play – Cthuloide Brett- und Kartenspiele
Play – Systemvorstellung „Lovecraftesque“

Zu erstehen gibt es das ganze für Nichtmitglieder HIER, Mitglieder sollten ihr Exemplar längst in der Post gehabt haben :-).

Zwischen den Jahren… Version 2018

Advent? Check. Weihnachten? Check. Rauhnächte? Check.

Ein weiteres Jahr des cthuloiden Bloggens nähert sich dem Ende und wie üblich werde ich an dieser Stelle ein wenig sentimental. Daher möchte ich – wie es diese Zeiten nun einmal mit sich bringen – alte Traditionen aufrecht erhalten und Euch an vergangenem und geplantem teilhaben lassen. Schauen wir uns doch einmal an, was das letzte Jahr für meinen Blog so bereithielt:

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch wieder ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Ich durfte über 18.000 Leser im gerade vergehenden Jahr auf meinem Blog begrüßen. Damit sind die Leserzahlen hier zwar leicht rückläufig, doch das lässt sich mit dem fehlenden Adventskalender erklären, der im letzten Jahr doch für deutlich mehr Traffic auf meinen Seiten sorgte. In diesem Jahr war ich schlicht nicht organisiert genug, um rechtzeitig mit der Planung eines Adventskalenders zu beginnen. Vielleicht im nächsten Jahr wieder 🙂
  • Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr 66 Blogeinträge verfasst. Auch die Zahl der Einträge ist damit leicht rückläufig und ja, natürlich haben sich auch einige „Cthulhus-Ruf-Bestseller“-Artikel dazwischengemogelt. Doch ich bin meiner persönlichen Zielsetzung, ca. einen Beitrag in der Woche hier zu liefern, nach wie vor treu geblieben.
  • Gerade einmal sechs Rezensionen haben es auf diese Seiten geschafft, und davon sind auch gerade einmal zwei tatsächlich Rollenspielpublikationen gewidmet. Nun, das ist dem simplen Umstand geschuldet, dass ich nunmehr Teil des CTHULHU-Autorenteams bin. Zwar nimmt mir das weder meine eigene, kritische Meinung noch schützt es Verlag und Redaktion davor, sich mit meiner oftmals engstirnigen und kritischen Sichtweise auseinandersetzen zu müssen (…nachzulesen im cthulhu-forum…). Doch ich möchte natürlich meinen Kollegen im Team nicht ständig „in die Parade“ fahren und ihre Texte hier schlecht machen oder hochjubeln. Das widerspricht meiner Vorstellungen eines „Team“-Gedankens. Daher habe ich hier den Rezensions-Output deutlich reduziert.
  • Wie immer war ich bemüht, ein wenig Spielmaterial zu präsentieren. Da kam mir die Wiederbelebung der „Beststeller“-Rubrik natürlich sehr gelegen. Ich selbst habe zwar auch ein paar PDFs hier online stellen können, allerdings ist das für den OPC entstandene Material dann doch eher wenig cthuloid angehaucht.

Abseits des Blogs war ich deutlich fleißiger. Wie ich erwähnte habe ich die PLAY-Redaktion des Lovecrafters, dem Vereinsmagazin der dLG übernommen und konnte mit meinen genialen Autoren in beiden Ausgaben des ablaufenden Jahres einen bunten Strauß von Spielmaterialien präsentieren. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der dLG entstand mein Abenteuer für den „FHTAGN“-Schnellstarter, den ihr HIER herunterladen könnt. Ein weiteres besonderes Augenmerk lag auf dem Ringboten, dem ich im vergangenen Jahr viel Zeit gewidmet habe. Für den Ringboten entstanden eine Unmenge an Rezensionen und Artikel, über siebzig an der Zahl. Hier konnte ich ganze „DSA“-Pakete besprechen, Erzählspiele, Hörspiele und Rollenspielmusik… die Bandbreite des von mir konsumierten und bewerteten (und tatsächlich oftmals auch verwendeten) Materials übersteigt die cthuloiden Möglichkeiten dieses Blogs um ein vielfaches und ich bin froh, mich dort austoben zu können.
Zu guter Letzt habe ich auch im CTHULHU-Team mitgearbeitet. Mein Name wird wohl in der einen oder anderen Publikation im Jahr 2019 auftauchen, und auch, wenn ich nicht vollumfänglich zufrieden bin, bin ich doch stolz darauf, hier mein Scherflein beitragen zu dürfen.

Was hätte sein sollen?

Als nächstes möchte ich mich ein wenig mit meinen Planungen vergleichen. Gucken wir doch noch einmal, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte:

Weitergehen wird es mit meinem „normalen“, redaktionellen Artikelprogramm: Hin und wieder eine News-Meldung, Rezensionen von interessanten Produkten und Spielberichte, so es denn etwas Berichtenswertes gibt. Dazu kommen – wenn alles klappt – auch wieder ein oder zwei Szenarien aus meiner Feder.

Da habe ich nicht viel hinzuzufügen.

Gerade arbeite ich außerdem an einer Artikelreihe, die sich mit Geistern, der Gaslichtära und Investigatoren dazwischen beschäftigen soll. Ich habe schon einen groben Rahmen fertig, doch wann ich damit online gehen werde, kann ich noch nicht genau abschätzen.

Tja, das ist dem Zeitmangel zum Opfer gefallen. Das Thema ist allerdings „nur“ aufgeschoben und nicht aufgehoben. Ich möchte hier unbedingt noch etwas machen.

Die Beschäftigung mit dem OPC – vorher wie hinterher – hat hier auch eine schöne Tradition, die ich fortzusetzen gedenke. Außerdem habe ich die besondere Ehre, im Juni die RPG-Blog-O-Queste ausrichten zu dürfen! Ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie man sich aus Ausrichter fühlt und wie die Resonanz auf die Queste sein wird.

Ich denke, den OPC habe ich auf diesen Seiten mehr als gewürdigt. Eine großartige Veranstaltung und in diesem Jahr sogar Doppelsieger zu sein, freut mich immer noch ungemein. Und auch die Juni-Queste hat extrem viel Spaß gemacht. Die Ausrichtung war ja etwas… spezieller… und so hat es gedauert, bis die ersten Beiträge eintrudelten. Doch es sind großartige Beiträge geworden und ich bin sehr froh, dass so viele Bloggerkollegen mitgemacht haben!

Geplantes für 2019

Wie immer möchte ich meinen Jahresrückblick mit einem kleinen Ausblick auf das schließen, was Euch – geplant – im nächsten Jahr hier erwarten soll.

?

Tatsächlich bin ich noch recht unschlüssig, wie es hier weitergehen kann und soll. Das wird in erster Linie davon abhängen, welche meiner rollenspielerischen Hobby-Tätigkeiten ich im nächsten Jahr noch in vollem Umfang nachverfolgen möchte. Die Mehrfach-Belastung aus Autor, Rezensent und Redakteur schlägt sich immer mehr hier in diesem Blog nieder. Und natürlich macht die regelmäßige Teilnahme an der Blog-o-Quest zwar Spaß, doch tragen die gelegentlichen Nähkästchen-Plaudereien auch nicht wirklich durch ein Blogjahr. Die Früchte aller übrigen Tätigkeiten, die aber mit deutlich mehr Arbeit zusammenhängen – wie die Niederschrift längerer Artikel, das Verfassen von Rezensionen oder die Zusammenarbeit mit anderen Autoren, egal ob aus Wettbewerben oder anderen Hintergründen heraus – fließen erst einmal in andere Projekte, bevor sie den Blog betreffen können. Von daher ist es schwierig, genaue Prognosen über den Fortgang hier auf diesen Seiten zu stellen.

Wenn ich wider Erwarten größere Zeitfenster in meiner persönlichen Planung sehe, dann möchte ich…
…die „Geisterjäger im Gaslicht“-Artikel auf den Weg bringen
…endlich wieder ein eigenes Blog-Abenteuer schreiben
…Artikel über deutsche Sagen und Legenden einführen
…etwas für den GRT basteln
…wieder aktueller mit News-Artikeln dabei sein
…unbedingt etwas zu Cthulhu Wild West machen
…unbedingt etwas zu Katzulhu machen
…einen Wettbewerb ausrichten

Doch das ist – wie gesagt – überhaupt nicht abzuschätzen. Doch all diese Themen bewegen mich nach wie vor. Seufz.

Für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2019 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui