Zwischen den Jahren… Version 2016

Das Weihnachtsfest 2016 ist wieder Vergangenheit, das neue Jahr drängt unaufhaltsam näher. Wie in jedem Jahr möchte ich die „namenlose Zeit zwischen den Jahren“ – oder halt eben auch die „Raunächte“ – dazu nutzen, ein wenig innezuhalten, Vergangenes zu analysieren und Pläne für die Zukunft zu fassen. Traditionell nutze ich diese Gelegenheit, um Euch auch hier auf diesem Blog an Erledigtem, Versäumten und Geplantem teilhaben zu lassen. Außerdem möchte ich wieder die Inhalte meines Blogs mit meinen Plänen des letzten Jahres abgleichen, was immer wieder spannend ist. Tatsächlich nutze ich selbst inzwischen diese Vor- und Rückschau ganz gerne, um mir meine Ziele ab und zu vor Augen zu halten. Also, gehen wir doch gleich in medias res:

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Über 17.000 Leser fanden im gerade vergehenden Jahr den Weg auf diesen Blog. Die Leserzahlen entwickelten sich im Vergleich zum letzten Jahr damit ganz leicht positiv. Das freut mich ungemein, allerdings kommen mir diese Zahlen im Vergleich zu vielen anderen Blogs, die in dieser Zeit ihre statistischen Daten veröffentlichen, doch verschwindend gering vor. Vielleicht schlicht, weil ich eine Nische in der Nische vertrete, vielleicht investiere ich aber auch zu wenig in Werbung :-).
  • Insgesamt verfasste ich 102 Einträge im vergangenen Jahr – diesen Beitrag hier gleich mit eingerechnet. Die Taktfrequenz hat sich damit drastisch im Vergleich zu den letzten Jahren erhöht. Fairerweise muss ich aber attestieren, dass diese Masse an Einträgen in erster Linie durch meine Teilnahme an der RPGaDay-Challenge im August zustande gekommen ist. Die meisten dieser Beiträge waren allerdings sehr kurz und wenig informativ – ein Experiment, dessen Wiederholung ich für mich persönlich noch sehr infrage stelle.
  • Im vergangen Jahr verfasste ich für diesen Blog 19 Rezensionen. Dabei standen cthuloide Hörspiele erstmals etwas mehr im Fokus. Dazu kommen dann auch noch einige „spartenfremde“ Rezensionen für den Ringboten. Stand ich dem Thema „Rezensionen“ im vergangen Jahr leicht kritisch gegenüber, so sah ich mich in diesem Jahr genötigt, etwas umfangreicher Stellung dazu zu nehmen. Unterm Strich halte ich Rezensionen mittlerweile nicht mehr unbedingt für eine reine Kaufhilfe interessierter Kunden; stattdessen sind sie auch eine der Möglichkeiten, dem Verlag/Autoren Feedback zu geben und damit sicherlich nicht komplett fehl am Platze.
  • Wie auch schon in den vergangenen Jahren habe ich natürlich auch versucht, ein wenig neues Spielmaterial auf meinem Blog zu präsentieren. Aus meiner Feder stammen dabei mein letztjähriger OPC-Beitrag „Schneller als sein Schatten“ – mein erstes Abenteuer für Cthulhu Wild-West – die Investigatoren-Organisation „Gerberus Wächter“ und „Das Buch des Goldes“. Letztere Beiträge entstanden im Rahmen des „Karnevals der Rollenspielblogs“ und sind zwar keine komplett ausgearbeiteten Abenteuer, bieten aber immerhin die ein oder andere Idee. Natürlich nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle auch die Gastbeiträge von Nick Dysen, der seine OPC-Einseiter aus dem vergangenen Jahr auch bei mir veröffentlicht hat. Beide sind ebenfalls für Cthulhu Wild-West entstanden.
  • A propos Gastbeitrag: ich betreue ja dankenswerterweise nach wie vor auch die Kategorie „Cthulhu.de Bestseller“. Aus den Archiven des leider entschlafenen Blogs Cthulhu.de habe ich im vergangenen Jahr 14 Artikel wieder verfügbar gemacht. Mittlerweile ist ein Backup des Blogs ja wieder komplett online zu finden, allerdings denke ich, dass ich dennoch mit ausgewählten Artikeln fortfahren werde. Nicht nur, dass ich ja völlig verrückt wäre, wenn ich dieses qualitativ hochwertige Material NICHT auf meinem Blog präsentieren würde – nein, ich denke auch, dass viele zeitlose Perlen auf diese Art eher neue Leser finden und so eine „Win-Win-Win“-Situation generiert wird. Lasst es mich wissen, wenn Ihr das anders seht.
  • Nicht unerwähnt lassen, auch wenn es mit meinem Blog eher weniger zu tun hat, möchte ich das Ende der wunderbaren Zeitschrift „Cthulhus Ruf“. Hier machte ich meine ersten Erfahrungen als „publizierter“ Autor, und ich widmete ihrem Ende einen ausführlichen Abschiedsartikel.

Abseits des Blogs hat sich wieder einiges getan. Wie auch im vergangenen Jahr konnte ich einige Artikel – eine Menge davon abseits cthuloider Gefilde – für den Ringboten beisteuern. Dazu gehört insbesondere „Die Schatzkarte der Trollpiraten“, ein für den GRT 2016 produziertes Universal-Abenteuer, welches sich auch wieder in Printform in den Schatzkisten wiederfand. Außerdem konnte ich wieder einen Text im zweiten NIPAJIN-Shots-Heft platzieren – und auch gleich wieder den Wilden Westen besuchen, was mich sehr gefreut hat. Außerdem konnte ich mich beim letzten Abenteuerwettbewerb von Pegasus auf dem Treppchen platzieren und erzielte einen ehrbaren zweiten Rang. Darüber hinaus habe ich mich auch der Aufgabe gestellt, den Lovecrafter – das neue Vereinsmagazin der dLG – mit zu betreuen und mich für den RPG-Bereich verantwortlich zu zeichnen. Eine Menge spannender Aktivitäten und Aufgaben – wobei ich insbesondere bei meiner neuen Redakteurstätigkeit noch gar nicht abschätzen kann, wieviel Arbeit dort wohl auf mich zukommt.

Gerade vor dem Hintergrund der blog-abseitig stattfindenden Arbeiten (zu den Hobbies gesellte sich ja auch noch der mit Wasser vollgelaufene Keller, dessen Renovierung erst im November abgeschlossen war…) und der Tatsache, dass ich dadurch auch einen kleinen, realistischen Abstand zu meiner Bloggerei gefunden habe, bin ich eigentlich sehr zufrieden mit meinem Blog im vergangenen Jahr. Ja, es hätte mehr Spielmaterial sein dürfen, ja, ich bin nicht immer up-to-date mit meinen News-Meldungen. Aber dank dem „Cthulhus Ruf-Archiv“, einigen Karnevalsteilnahmen und dem OPC findet sich hier dann doch immer auch mal Spielmaterial – auch aus meiner Feder – wieder. Mehr kann und darf ich im Moment einfach nicht verlangen :-).

Was hätte sein sollen?

Als nächstes möchte ich mich ein wenig mit meinen Planungen vergleichen. Für dieses Jahr hatte ich mir bewusst vorgenommen, etwas „kleinere Brötchen“ zu backen:

Weiter gehen wird es natürlich mit den „Cthulhu.de-Bestsellern“. Da gibt es noch einiges Material, welches der Wiederveröffentlichung harrt. Da neben der Datensichtung und gelegentlichem Format-Eingriff hier keine echte Arbeit meinerseits notwendig ist, wird es damit definitiv weitergehen.

Ja, das ist mir wohl gelungen.

Rezensiert wird natürlich weiterhin fleißig. Ich habe da noch ein paar „Cthulhus Ruf“-Artikel, die auf Besprechung harren :-). Wobei ich mich schon frage, ob jemand mit diesen Rezensionen wirklich etwas „anstellt“, heißt, sie in eine evtl. Kaufentscheidung mit einfließen lässt… vielleicht stelle ich hierzu in naher Zukunft mal ein paar Fragen, denn ich will Euch ja nicht mit Rezensionen langweilen.

Auch hier bin ich weiter gekommen. Und ich habe für mich entschlossen, Rezensionen – da es eben auch Feedback-Mittel an Verlag und Redaktion ist – kurzfristig nicht weiter infrage zu stellen. Allerdings mittelfristig – dazu gleich mehr.

Über die neue Cthulhu-Edition, die ich vor kurzem fertig rezensiert habe, möchte ich noch etwas mehr schreiben – jetzt, wo sich ein Gesamtbild ergibt. Das wird dann auch mal ein etwas längeres Thema…

Ja, auch das habe ich erledigt. Neben einigen Foren-Diskussionen habe ich auch auf diesen Seiten einen der wohl am meisten diskutierten Artikel meiner Blog-Historie verfasst.

Wenn es mit den OPC-Beiträgen noch klappt (dieses Jahr bin ich am Weihnachtspreis gescheitert. Die Zeit, die Zeit…), findet Ihr sie nächstes Jahr natürlich auch auf diesen Seiten wieder.

Erledigt :-).

Das Thema Gaslicht hat mich gedanklich noch nicht verlassen. Vielleicht komme ich ja im nächsten Jahr dazu… *hust, hust*

An dieser Front leider nichts Neues. Meine freie Zeit ist einfach zu knapp bemessen… aber ich halte es auf der Agenda, irgendwann wird es mir doch sicherlich gelingen, den inneren Schweinehund an dieser Stelle zu überwinden…

Geplantes für 2017

Wie immer möchte ich meinen Jahresrückblick mit einem kleinen Ausblick auf das schließen, was Euch – geplant – im nächsten Jahr hier erwarten soll. Allerdings werde ich weiterhin davon absehen, meine Ziele all zu hoch zu stecken.

  • Weiter gehen wird es natürlich mit den „Cthulhu.de-Bestsellern“. Da gibt es noch einiges Material, das der Wiederveröffentlichung harrt. Da neben der Datensichtung und gelegentlichem Format-Eingriff hier keine echte Arbeit meinerseits notwendig ist, wird es damit definitiv weitergehen.
  • Vorläufig werde ich auch an dieser Stelle weiter Rezensionen verfassen. Allerdings werde ich mich bald deutlich hinterfragen müssen, ob das noch lange funktioniert. Denn immerhin wird demnächst ein erstes Abenteuer aus meiner Feder (das Wettbewerbsabenteuer) unter pegasus’scher Flagge veröffentlicht. Stehe ich damit dem Verlag nicht bereits zu nahe, um objektive Rezensionen zu verfassen? Mein persönliches Empfinden muss ich bei dieser Betrachtung außen vor lassen (denn natürlich ändert sich mein Verhältnis dadurch nicht – ich bin ja immer noch kein Verlagsmitarbeiter oder so was), denn über Integrität in solchen Fällen entscheidet in meinen Augen der Leser. Ich bin mir da noch nicht sicher, wie es weiter geht.
  • Natürlich möchte ich auch wieder meine OPC-Beiträge veröffentlichen – und auch ein wenig über den OPC schreiben, wie im letzten Jahr.
  • Wirklich, wirklich gerne würde ich auf diesem Blog etwas abseitigere Settings – WildWest, Katzulhu, Gaslicht – wieder mehr behandeln. Ich hoffe, dass ich dafür die Zeit finde.

Das soll es schon sein? Eigentlich nicht, denn wenn ich das Thema „Rezensionen“ hier wirklich einmal ausklammere, nimmt die Taktfrequenz und die inhaltliche Breite des Blogs weiter ab. Insofern werde ich mir etwas überlegen müssen, wie ich diese Lücke zu stopfen gedenke. Dabei muss ich selbstkritisch und realistisch genug sein um mir sagen zu müssen: mit Spielmaterial werde ich das nicht hinkriegen. Insofern braucht es noch eine zündende Idee, welche spannenden cthuloiden Inhalte ich hier dann fürderhin präsentieren kann…

Doch für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2017 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui

PS: Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle den beiden Bloggern Wuerfelheld und Greifenklaue, die mich sowohl mit ihren RPG-Blog-O-Quests als auch ihren regelmäßigen OPC zum Schreiben animieren. Danke Euch!

Rezension: Dreißig

Bereits seit dreißig Jahren erscheint bei dem einen oder anderen Verlag cthuloides Rollenspielmaterial in Deutschland. Grund genug für die „Cthulhu“-Redaktion, diesem Anlass einen eigenen Abenteuerband zu widmen. In jedem der vier enthaltenen Abenteuer spielt die Zahl „30“ eine entscheidende Rolle. Wie gelungen ist der Jubiläumsband?

rezension-dreissigEs ist ein stolzes Jubiläum, welches Pegasus im Jahr 2016 feiern darf: dreißig Jahre „Cthulhu“ in Deutschland. Neben der ersten, offiziellen Support-Kampagne „Zeit der Ernte“, die das gesamte Jahr begleitete und einigen Gewinnspielen auf cthulhu.de wird diesem Umstand nun auch mit einem eigenen Abenteuerband Rechnung getragen. Die große Jubiläumszahl „30“ spielt dabei in jedem Abenteuer eine tragende Rolle. „Dreißig“ erscheint in (fast schon gewohnter Form) als Softcoverband. Die Seiten bestehen aus einem rauen, angenehm dicken Papier. Wieder wurden dem cthuloiden Horror hier gleich 120 Seiten spendiert, was auf eine umfangreiche Materialfülle rückschließen lässt. Was aber findet sich zwischen den Buchdeckeln? Ein wichtiger Hinweis: Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Mir sei daher die obligatorische Spoilerwarnung erlaubt: Leser, welche die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten sei angeraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Das erste Szenario, „30 Liter Jungfrauenblut“, bietet sich insbesondere für Investigatoren an, die dem Gangstermilieu entsprungen sind. Die Spieler übernehmen die Rolle von Kleinganoven, die für einen Big Boss in Detroit arbeiten. Dieser beauftragt die Gruppe damit, eine bestimmte Lieferung an der kanadischen Grenze in Empfang zu nehmen. Alkohol, wie man vermuten könnte – doch dieses Mal ist alles anders. Die Ware wird in schweren Holzkisten geliefert und auf dem Rückweg werden die Investigatoren von einer mit Maschinengewehren ausgestatteten Gruppe überfallen. Es muss einen Verräter in den eigenen Reihen geben … Dieses Abenteuer ist ein Musterbeispiel für cthuloiden „Gangster“-Horror und hätte dem „Gangster“-Band hervorragend zu Gesicht gestanden. Es ist spannend, abwechslungsreich, stellt die Investigatoren vor schwerwiegende Entscheidungen und spielt gekonnt mit einigen Klischees. Empfehlenswert.

Es folgt „Ein Foto von 30 Sternen“, in dem die Gruppe unversehens von außerdimensionalen Wesenheiten attackiert wird. Die Investigatoren müssen eine Menge Beinarbeit leisten, um die Hintergrundgeschichte zu entwirren. Die Suche nach einem Jahrtausende alten Kult, dessen Umtriebe sie verhindern müssen, führt sie schließlich über Tripolis bis nach Ägypten. Das Abenteuer ist fast schon eine kleine Kampagne, wartet mit einem starken Einstieg auf und bietet interessante Gegenspieler.

Das dritte Abenteuer, „30 ° / 30 °“ ist vielmehr ein kurzes Intermezzo denn ein abendfüllendes Szenario. Die Investigatoren finden sich an Bord eines Flugzeugs wieder, dass über dem 30. Längen- und Breitengrad, inmitten der ägyptischen Wüste, abstürzt. Einer glücklichen Fügung haben sie es dann zu verdanken, dass eine Gruppe Beduinen auf sie aufmerksam wird und ihnen hilft. Doch schon nach der ersten Nacht im Lager der Beduinen müssen die Investigatoren erkennen, dass sie mehr Gefangene als Gäste sind – und sich ihre Situation weiter verschlimmert, je länger sie bleiben … Als eigenständiges Abenteuer ist „30 ° / 30 °“ sehr kurz geraten, aber für einen Einschub in einer Kampagne kann es eine dankbare Abwechslung sein. Es bietet auf jeden Fall wenig verbrauchte Antagonisten und einen zielstrebigen Plot.

Als viertes liegt mit „Filmriss“ ein One-Shot mit fünf vorgefertigten Charakteren für „Cthulhu Now“ vor. Die Investigatoren sind allesamt Filmfans, die in einer Spätvorstellung eines Kultfilms sitzen. Plötzlich reißt das Band, die Gruppe findet eine Leiche im Vorführraum und schon bald werden sie in einen Strudel ungewöhnlicher und äußerst bedrohlicher Ereignisse gesogen … „Filmriss“ besticht vor allem durch die vielen Hinweise, um das Abenteuer mit ein wenig Aufwand plastischer zu gestalten (wie den Vorschlag, die Gruppe tatsächlich einen Film ansehen zu lassen, bis das Band reißt). Leider ist die eigentliche Handlung und Optionsvielfalt für die Investigatoren relativ dünn, was aber durch den Zeitdruck, der im Abenteuer aufgebaut wird, gut kaschiert wird. Insgesamt sicher eine lohnenswerte Erfahrung.

Abgerundet wird der Band mit einem Aufsatz vom ehemaligen „Cthulhu“-Chefredakteur Frank Heller, der die vergangenen dreißig Jahre „Cthulhu“ in Deutschland Revue passieren lässt sowie einer umfangreichen Publikationsübersicht. Für die optische Aufarbeitung gibt es eine gute Zwischennote. Die Bebilderung erfolgt abermals mit alten Photographien, was sowohl stimmungsvoll als auch oft passend geschieht; das „Now“-Szenario ist wie gewohnt mit Zeichnungen illustriert. Beiliegende Handouts und Karten sind optisch hochwertig und gut gelungen.

Fazit: Vier gute Abenteuer, die streckenweise langen Spielspaß versprechen oder aber flexibel einflechtbar sind. Das Ganze zu einem niedrigen Preis von gerade einmal 9,95 Euro. Eigentlich gibt es keinen Grund für cthuloide Spielleiter, „Dreißig“ nicht zu kaufen. Empfehlenswert.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de

Rezension: Königsdämmerung – Kampagnen-Tagebuch

„Was bitte ist ein Kampagnen-Tagebuch?“ Die Worte, mit denen Chefredakteur Heiko Gill eben dieses Kampagnen-Tagebuch im Vorwort eröffnet, schossen auch mir durch den Kopf als ich das Produkt betrachtete. Schauen wir doch einmal nach!

rezension-koenigsdaemmerung-kampagnen-tagebuch„Königsdämmerung“, die Übersetzung der amerikanischen Kampagne „Tatters of the King“ aus dem Jahr 2008, ist die neueste Kampagnen-Veröffentlichung aus dem Hause Pegasus für „Cthulhu“. Neben der eigentlichen Kampagne, die ja vorrangig von Spielleitern gekauft werden wird, haben Verlag und Redaktion eine Möglichkeit gesucht, um auch Spielern Material an die Hand zu geben. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist das „Kampagnen-Tagebuch“. Doch worum handelt es sich genau?

Im Laufe der Kampagne „Königsdämmerung“ können die Investigatoren – und damit natürlich auch ihre Spieler – auf eine Vielzahl verschiedener Handouts stoßen. Während Handouts ohnehin für „Cthulhu“ – und insbesondere für die deutsche Pegasus-Ausgabe des Horror-Klassikers – ein Markenzeichen sind, ist die Vielzahl und der Abwechslungsreichtum bei „Königsdämmerung“ recht hoch. Neben den obligatorischen Buchauszügen hinterlassen Photographien, Tagebucheinträge, Briefe, Einladungskarten und noch einiges mehr wichtige Hinweise für die Investigatoren.

Die Idee hinter dem „Kampagnen-Tagebuch“ ist es nun, diese Handouts in gebündelter Buchform zu präsentieren. Damit sollen zwei Ziele erreicht werden: Zum einen wird der Spielleiter von der lästigen Pflicht entbunden, alle Handouts gesondert vorzubereiten. Zum anderen soll es so für die Spieler einfacher werden, eine Art Tagebuch über den Verlauf der Kampagne zu führen, wie es in manchen Spielgruppen ohnehin üblich ist. Dabei wird bei den Spielern natürlich ein gewisses Maß an Selbstdisziplin vorausgesetzt, denn wer zu weit vorblättert, erhält bereits Informationen, die sein Investigator noch nicht kennt.

Ich muss sagen, dass mir die Idee hinter dem „Kampagnen-Tagebuch“ ausnehmend gut gefällt. Allerdings merkt man der tatsächlichen Ausführung den niedrigen Preis leider auch an. Versteht mich nicht falsch: Das Buch steht in Druck- und Papierqualität den übrigen, für die Edition 7 erschienen Softcoverbände in keiner Weise nach. Auch sind die Handouts liebevoll und aufwändig gestartet; das großzügige Layout mit ausreichend Platz für eigene Notizen wirkt durchdacht und sieht gut aus. Tatsächlich hätte ich mir für ein „Kampagnen-Tagebuch“ aber eine stimmungsvollere Aufbereitung gewünscht. Die Handouts nicht in Buchform, sondern als einzelne Ausdrucke zum Austeilen beizulegen und das Tagebuch als schick aufgemachtes, dem Thema angepasstes Notizbuch zu präsentieren hätte zu wesentlich mehr Individualität der eigenen Tagebücher beigetragen und würde deutlich stimmungsvoller wirken. So bleibt das „Kampagnen-Tagebuch“ in meinen Augen eine gute Idee, deren Möglichkeiten jedoch längst nicht ausgereizt sind.

Fazit: Ein Fazit zu ziehen fällt mir schwer. Das „Königsdämmerung – Kampagnen-Tagebuch“ ist eine nette Idee und für Gruppen, die gerne Tagebuch führen oder deren Spielleiter die Vorbereitungszeit reduzieren möchte, eine empfehlenswerte Anschaffung. Leider bleibt die Idee jedoch in der Ausführung hinter ihren Möglichkeiten zurück.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Rezension: Königsdämmerung

Neben Cthulhu ist Hastur – oder eher sein Avatar „Der König in Gelb“ – eine der ikonischsten Figuren des vielseitigen Cthulhu-Mythos. Nun widmet Pegasus diesem Großen Alten mit „Königsdämmerung“ eine eigene Kampagne. Wie gelungen ist die Auseinandersetzung mit dem Unaussprechlichen?

rezension-koenigsdaemmerung„Königsdämmerung“ ist die Übersetzung der amerikanischen, von Chaosium verlegten Kampagne „Tatters of the King“ aus dem Jahr 2008. Entgegen dem amerikanischen Original erscheint die deutsche Version als gewichtiges Hardcoverbuch, dem dankenswerterweise auch gleich ein Lesebändchen spendiert wurde. Bei über 200 Seiten Kampagnenmaterial ist das mehr als hilfreich. Doch worum geht es eigentlich? Bevor ich diese Frage beantworte, will ich Leser, welche die Kampagne noch als Spieler erleben wollen, warnen. Denn völlig spoilerfrei wird die Inhaltswiedergabe nicht werden. Es sei ihnen also angeraten, gleich zum Fazit vorzuspringen.

In „Königsdämmerung“ ruht der Blick Hasturs auf der Erde. Die Sterne stehen günstig und in Zeitraum von Oktober bis März sind die Hyaden am Nachthimmel zu sehen, Heimstatt des Unaussprechlichen. Während sensible Menschen, allen voran Künstler, seinen Einfluss spüren und wirre Kunstwerke erschaffen, erreicht die Investigatoren ein Brief des Leiters eines Sanatoriums. Er bittet sie, ihm bei einem besonderen Fall von geistiger Verwirrung zur Seite zu stehen…

In den folgenden Episoden überschlagen sich die Ereignisse. Dabei stoßen die Investigatoren nicht nur auf einen finsteren Kult, der beabsichtigt, den Großen Alten Hastur zu beschwören. Nein, sie müssen gleich zwei ehemals verbrüderte und nun gegeneinander arbeitende Kulte verfolgen und daran hindern, großes Unheil über die Welt zu bringen. Dabei bietet „Königsdämmerung“ umfangreiche Recherchen, actionreiche Zwischensequenzen, finstere Widersacher, einprägsame Charaktere und absolut grandiose Schauplätze. Ja, ein Teil der Handlung spielt sogar im legendären Carcosa am See Hali.

Die Kampagne gehört zu den sehr lovecraftesken Abenteuern, die für „CTHULHU“ erhältlich sind. Nur wenigen der Antagonisten wird eine übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung gerecht, vielmehr vermischen sich unterschiedliche Grauschattierungen zu interessanten Charakteren. Auch den Investigatoren werden moralisch schwerwiegende Entscheidungen abverlangt und nicht zuletzt das beinharte Finale führt ihnen die Sinnlosigkeit ihrer Taten und ihre eigene Wertlosigkeit gnadenlos vor Augen. Damit sprüht die Kampagne vor puristischem Charme, ist damit aber auch vielleicht nicht mehr jedermanns Geschmack.

„Königsdämmerung“ ist dabei ein wenig sperrig aufbereitet. Die Handlung ist in drei Bücher (große Kampagnenabschnitte) mit insgesamt zwölf Kapiteln unterteilt. Der Großteil des Textes ist als Fließtext aufbereitet, wobei wichtige Regelerklärungen oder Spielwerte von Gegnern und anderen NSC in gut sichtbaren Extrakästen untergebracht sind. Nichts desto Trotz wird es durch die schiere Menge Fließtextes natürlich schwieriger, einzelne Passagen während des Spielabends herauszusuchen. Eine intensive Vorbereitung durch den Spielleiter wird damit Pflicht. Außerdem leidet „Königsdämmerung“ an mancher Stelle – nicht zuletzt in den beiden großen Finalen, die der Band bietet – unter akutem Railroading, um auch all die fantastischen Szenen, die Autor Tim Wiseman erdacht hat, sicher unterzubringen.

Die optische Aufbereitung des Bandes hat mir wieder sehr gut gefallen. Die verwendeten Schriften sind gut lesbar, das Schriftbild klar. Zahlreiche zeitgeschichtliche Fotografien zieren die Seiten. Ergänzend wurden wie auch schon im Grundregelwerk einige Zeichnungen aus dem amerikanischen Original übernommen, welche die Stimmung des Bandes hervorragend einfangen. Lektorat und Korrektorat haben einen guten Job gemacht. Lobend erwähnen möchte ich auch einmal mehr die absolut grandios aufgemachten Handouts, die in großer Zahl für mehr Haptik sorgen. Für die technische Seite gibt es damit wiederum eine gute Note.

Fazit: „Königsdämmerung“ ist eine sehr lovecrafteske Kampagne mit großartigen Szenen, abwechslungsreichen Herausforderungen, interessanten Gegenspielern und zwei beinharten Finalen. Schwächen zeigt es in der komplexen Aufbereitung und den stark gescripteten Szenen. Wer eine spannende, abwechslungsreiche aber auch trostlose und fordernde Kampagne sucht, wird hier garantiert fündig. Nicht zuletzt dank des niedrigen Verkaufspreises eine glatte Kaufempfehlung für alle Puristen, denen Pulp und Action bei „CTHULHU“ nicht so wichtig sind.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Rezension: Spielleiterschirm

Auf der Spielemesse vergangenen Jahres erblickte die neueste Regelinkarnation des Horror-Rollenspiel-Klassikers „Cthulhu“ das Licht der Welt. Kein Wunder, dass mittlerweile auch der passende Spielleiterschirm vorliegt. Wie sinnvoll ist die cthuloide Version des wohl streitbarsten Rollenspielprodukts?

rezension-cthulhu-spielleiterschirmÜber den Sinn und Unsinn von Spielleiterschirmen lässt sich trefflichst streiten. Eine ungewollte Barriere zwischen Spielern und Spielleitern wollen die einen erkennen, andere schwören darauf, ihre Würfe verdeckt vor den Spielern durchführen zu können. Wieder andere loben die stimmungsfördernden Motive und die praktischen, tabellarischen Übersichten für die wichtigsten Spielregeln, während andere überhaupt nicht verstehen, welchen praktischen Nutzen ein Spielleiterschirm haben könnte.

Eines sei vorweg genommen: Die Frage nach dem Sinn oder Unsinn eines Spielleiterschirms beantwortet auch der „Cthulhu Spielleiterschirm“ nicht. Wenden wir uns aber zunächst den harten Fakten zu. Nach dem Öffnen der Folie hält der geneigte Spielleiter einen aus äußerst stabilem Karton angefertigten Spielleiterschirm in Händen. Als Format wurde ein A4-Querformat gewählt, der Schirm besteht aus drei Panels. Das Ganze wirkt äußerst stabil und auch sehr robust.

Während die den Spielern zugewandte Seite eine in düsteren Farben gemalte Szenerie bereithält, die verschiedene cthuloide Motive miteinander verknüpft (und damit exakt der amerikanischen Vorlage entspricht), enthalten die Innenseiten Spielleiterinformationen. Dabei wurde recht verschwenderisch mit dem Platz umgegangen – die Schrift ist groß, die verschiedenen Themenblöcke werden in Notizzettel-Optik voneinander getrennt. Die wichtigsten „Cthulhu“-spezifischen Regeln (wie Wahnsinn und geistige Störungen) sind hier kurz zusammengefasst, aber auch allgemeine Spielleitertipps (wie „Sprich alle fünf Sinne an“) finden sich hier wieder.

Während viele Systeme ihre Spielleiterschirme im Rahmen eines wahren „Spielleiterpakets“ an den Mann bringen, liegen dem „Cthulhu Spielleiterschirm“ nur noch acht doppelseitig bedruckte Regelreferenzbögen bei, welche die wichtigsten Regeln aus dem Grundregelwerk zusammenfassen. Dabei werden Grundregelmechanismen, Kampf, Magie oder Geistiger Verfall abgedeckt, womit ein rasches Nachschlagen der gängigsten Regelfragen tatsächlich möglich ist. Die acht Bögen sind optisch ansprechend im Stil des Grundregelwerks aufbereitet und gut lektoriert.

Fazit: Der Spielleiterschirm ist handwerklich hervorragend verarbeitet, das gewählte Motiv ist optisch ansprechend, die Infoblöcke auf den Innenseiten sind gut lesbar und die beiliegenden Regelreferenzbögen praktisch. Das macht den Spielleiterschirm natürlich immer noch nicht „unabdingbar“. Er ist aber einer der praktischeren Vertreter seiner Art.

PS: diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Rezension: Upton Abbey

Seit die siebte Edition des traditionsreichen Horrorrollenspiels „Cthulhu“ erschienen ist, zieht der Publikationsoutput bei Pegasus wieder spürbar an. Mit „Upton Abbey“ kommt bereits der fünfte Abenteuerband für die im Oktober letzten Jahres erschienene neue Regelversion heraus. Leidet unter der Quantität die Qualität, oder erfüllt „Upton Abbey“ alle Erwartungen?

Rezension - Upton AbbeyZumindest bei mir waren die Erwartungen recht hoch, denn „Upton Abbey“ verspricht vier ausgearbeitete One-Shots für „Cthulhu“. „One-Shots“, das sind Abenteuerszenarien, die für speziell vorgefertigte Spielercharaktere geschrieben wurden und es somit ermöglichen, auch einmal ausgefallenere oder tödlichere Handlungen zu präsentieren, wie sie für ein normales Kampagnenspiel eher unbrauchbar wären. Und gerade für „Cthulhu“ gibt es legendäre One-Shots, die ich sehr gerne gespielt oder geleitet habe. Das alle hier versammelten One-Shots darüber hinaus aus dem „Cthulhu“-Supportteam stammen und damit geschrieben wurden, um neue Spieler für „Cthulhu“ zu begeistern, könnte ein weiterer Qualitätsgarant sein.

Auch „Upton Abbey“ erscheint als gediegener Softcoverband. Die Seiten bestehen aus einem rauen, angenehm dicken Papier. Entgegen den schmaleren Vorgängerbänden wurden dem cthuloiden Horror hier aber gleich 120 Seiten spendiert, was auf eine umfangreiche Materialfülle rückschließen lässt. Was aber findet sich zwischen den Buchdeckeln? Ein wichtiger Hinweis: Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Mir sei daher die obligatorische Spoilerwarnung erlaubt: Leser, welche die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten sei angeraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Das titelgebende „Upton Abbey“ eröffnet denn auch den cthuloiden Abenteuerreigen. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Angestellten eines britischen Herrenhauses. Während sie ihren normalen Tätigkeiten nachgehen, werden sie Zeuge des dramatischen Niedergangs der Familie: Erst verstirbt die Dame des Hauses bei der Geburt ihres zweiten Kindes, wenige Monate später begeht die erste Tochter der Familie Selbstmord. Was steckt hinter diesen Ereignissen – und werden die Investigatoren die folgende Nacht überleben? Upton Abbey ist umfangreich ausgearbeitet und kommt insbesondere mit einer großen Menge wunderschön gestalteter Handouts daher. Leider ist die Hintergrundgeschichte für viele Gemüter wohl eher schwer verdaulich (und nebenbei meines Erachtens völlig ungeeignet für Support-Zwecke), der eigentliche Schockmoment eher von biederer Natur. Ein durchwachsener Auftakt.

Ungleich kürzer folgt das zweite Szenario „Gehetzt“. Eine Gangsterbande überfällt eine Bank, doch auf der Flucht kommt es zu Komplikationen. Mehr lässt sich über die äußerst dünne Handlung auch kaum sagen. Das Abenteuer ist eher eine Art Übungsstunde für die modernen Verfolgungsjagdregeln als ein wirkliches Szenario. Wenn man bedenkt, dass die Grundidee, die wirklich coolen Investigatoren und auch weiterführende Ideen sehr eng an den One-Shots „Last Men Standing“ angelehnt sind (was auch im Text erwähnt wird), kann man über die sehr dünne Story noch weniger hinwegsehen.

Als drittes folgt dann „Verderbliche Verse“, ein Szenario, das den Gelben König zum Thema hat. Nach einem Leichenfund machen sich die Investigatoren daran, die letzten Stunden des Unglückseligen zu rekonstruieren. Sie stoßen auf eine mehr als unheimliche Geliebte und eine Gefahr, die sie schnellstens ausschalten müssen. „Verderbliche Verse“ ist mein persönlicher Liebling in „Upton Abbey“. Handlungsverlauf und Ortschaft wirken klassisch, und doch sind neue Wege zu beschreiten. Leider ergeben gerade hier die mitgelieferten Investigatoren keine aufeinander abgestimmte Gemeinschaft, sondern eher eine bunt zusammengewürfelte Gruppe.

Abgeschlossen wird der Band schließlich mit dem Szenario „Golem“, das als Kampagnenauftakt für den kommenden „Prag“-Band dienen kann. Nach einer durchzechten Nacht erwacht die Gruppe in einer Prager Kneipe. Schon bald müssen sie feststellen, dass eine fremde Macht von ihnen Besitz ergriffen hat – und wer ist der hartnäckige Verfolger, der sich an ihre Fersen geheftet hat? „Golem“ wartet mit einer interessanten Prämisse auf, verwandelt es doch die Investigatoren in ein Gruppenkollektiv. Außerdem wird den Investigatoren geschickt eine schwerwiegende, moralische Entscheidung abverlangt, was dem ganzen Szenario eine düstere Aura verleiht. Sicher nicht einfach zu leiten, wer sich aber darauf einlassen mag, erhält einige interessante Ideen.

Für die optische Aufarbeitung gibt es wiederum eine gute Zwischennote. Die Bebilderung erfolgt abermals mit alten Photographien, was sowohl stimmungsvoll als auch oft passend geschieht. Auch die wie immer zahlreichen Handouts liegen weiterhin in beeindruckender grafischer Qualität vor und auch die Karten können sich sehen lassen.

Fazit: Es gibt One-Shots für „Cthulhu“, die ich als legendär betrachten würde. „Upton Abbey“ liefert leider eher Standardkost oder aber Szenarien, die noch viel Arbeit vom Spielleiter erfordern, will er ihnen etwas mehr Fleisch verleihen. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist aber mit 9,95 EUR völlig akzeptabel. Ich hätte mir aber mehr von den Szenarien erwartet.

Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de.

Rezension: Charakterbogenset

Der stete Fluss neuer Veröffentlichung für die 7. Edition von „Cthulhu“ reißt nicht ab. Eine der unscheinbareren Veröffentlichungen ist da scheinbar das „Charakterbogenset“. Wie sinnvoll ist die Anschaffung wirklich?

CharakterbogensetNach dem Öffnen der dünnen, in Klarsichtfolie eingeschweißten Mappe, fällt dem geneigten Spieler erst einmal ein Haufen Material entgegen. Da wären zunächst einmal verschiedene Charakterbögen für „Cthulhu“, jeder designt für eine andere Epoche, in der die Jagd nach cthuloidem Grauen möglich ist. Und dann noch ein dünnes, 24 Seiten starkes Heftchen mit dem schönen Titel „Im Wandel der Zeiten“.

Widmen wir uns zunächst dem Herzstück des Sets, den Charakterbögen. Insgesamt sind es sechzehn an der Zahl; dabei sind acht Bögen dem „klassischen“ Setting der 1920er vorbehalten, während den übrigen, in Deutschland bereits mit Publikationen bedachten Epochen Gegenwart, Traumlande, Gaslicht und Mittelalter jeweils zwei Bögen erhalten. Die Bögen sind optisch klar voneinander zu unterscheiden und versuchen durch unterschiedliche Schriftarten und cthuloide Symbole ein wenig von der Atmosphäre des jeweiligen Settings zu übertragen. Die Bögen bestehen aus dünner Pappe, die wesentlich stabiler wirkt als normales Kopierpapier.

Technisch ist damit an den Bögen wenig auszusetzen. Allerdings versäumen sie in meinen Augen gleich zwei Chancen: Zum ersten entsprechen die Bögen von Größe und Aufteilung exakt den im „Grundregelwerk“ veröffentlichten Bögen. Für die Vorgängerversion von „Cthulhu“ gab es jedoch ein Charakterbogenset, dass vierseitige Bögen enthielt und so wesentlich mehr Platz für Notizen, Erfahrungen und Entwicklungen der Charaktere bot. Gerade in der neuen Edition, in der die Charakterhintergründe eine deutlich größere Rolle spielen sollen finde ich es schade, dass hier auf die platzsparende Variante zurückgegriffen wurde. Auch ist das Design der einzelnen Bögen sicher nicht als „opulent“ zu bezeichnen; so beschränken sich die Unterschiede großteils auf Hintergrundfarbe und Schriftart. Da wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Das Begleitheft, „Im Wandel der Zeiten“, ist eine teilweise Übersetzung des von Chaosium herausgegebenen „Through the Ages“ und stellt Regelergänzungen für „Cthulhu“ in verschiedenen Epochen vor. Dabei wurden nur die drei bereits auf Deutsch erhältlichen Settings Mittelalter, Gaslicht und Traumlande mit einer Übersetzung bedacht. Die Regeländerungen wirken durchdacht und sinnvoll, ja, es wurde sogar daran gedacht, in sehr kleinen Textkästen Settinginformationen mitzugeben. Den Löwenanteil der Regeländerungen erfährt das Spiel im Mittelalter, während für die Gaslicht-Ära wenigstens noch ein paar alternative Investigatoren-Organisationen beigefügt wurden. Insgesamt wirkt das Heft – trotz seiner Kürze – durchdacht und sinnvoll.

Fazit: Wer plant, einmal die klassischen „Cthulhu“-Epochen hinter sich zu lassen und vor Hausregeln zurückschreckt findet hier alle wichtigen Regelinformationen, die er braucht. Für die Charakterbögen alleine lohnt sich der Kauf allerdings kaum; zu marginal sind die Designunterschiede zu den gratis verfügbaren PDF-Versionen.