RPG-Blog-O-Quest Oktober 2018: No-Gos

Mir fehlt die Zeit für lange Einleitungen in diesem Monat. Überhaupt missfällt mir die aktuelle Taktfrequenz, mit der ich mich dem Blog widme. Es kommen wieder „bessere“ Zeiten, dessen bin ich sicher. Aber im Moment ist es, wie es ist :-). Immerhin hat Michael von jaegers.net die neue Blog-O-Quest noch kurzfristig ausgerichtet – meinen Dank dafür! Ein guter Grund, mich noch einmal vor den Bildschirm zu schwingen!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten! Nun aber auf an die aktuellen Fragen, die sich in diesem Monat mit No-Gos beschäftigen!

1. Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)
Ich bin rollenspielgruppentechnisch bisher noch gar nicht so wahnsinnig viel herumgekommen. Im Laufe meiner „Karriere“ kann ich auf vier feste Gruppen und ein paar Sidekicks zurückblicken. Die festen Gruppen hatten dabei meist über Jahre Bestand. In dieser Zeit konnte ich mich mit allen Typen arrangieren, schlicht, weil wir das gleiche Hobby betrieben haben. Ich kann durchaus behaupten, dass ich nicht zu jedem dieser Spieler enge „outgame“-Freundschaften pflegte. Aber am Spieltisch haben wir uns immer zusammengerissen und im Gruppenkonsens „verstanden“. Nein, bislang kann ich mir nicht vorstellen, mit jemandem „nicht“ am Tisch zu sitzen und zu spielen.

2. Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?
Out-Game bin ich tiefenentspannt. Ich lege natürlich wert auf eine gewisse Nettikette – aber die kann durchaus divers in den verschiedenen Gruppen sein. Wenn ich mit „meinen Jungs“ zocke, mit denen ich beispielsweise auch Metal-Festivals heimsuche oder nächtelang durchquatsche, dann ist eine Flasche Bier und ein derber Spaß auf Kosten der Stimmung völlig in Ordnung; spiele ich mit „Fremden“ oder schlicht Leuten, bei denen ich das weniger gut einschätzen kann, dann benehmen wir/ich uns etwas steifer. Eben fast wie im richtigen Leben :-).

3. Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?
Ich bin üblicherweise Spielleiter, d. h., No-Go-Themen müssten an mich kommuniziert werden. Bislang ist das – trotz einer ganzen Reihe cthuloider Ausflüge – noch nicht passiert. Ich selbst tue mich immer etwas schwer mit Gewalt gegen Kinder. Und damit meine ich explizit „Kinder“ und nicht „Monstren die aus Schock-Gründen Kindern ähneln“ oder sowas – „Kleine Völker“ wäre also für mich kein Problem. Seit ich Vater bin reagiere ich auf dieses Thema etwas dünnhäutiger. Darüber hinaus gibt es Themen im menschlichen Miteinander, die schon so No-Gos sind, die muss ich jetzt nicht am Rollenspieltisch ausleben.

4. Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?
Bislang ist das nicht vorgekommen und ich habe auch keine Vorstellung davon, wie ich reagieren würde. Wahrscheinlich würde ich darum bitten, den Detailgrad herunterzufahren, weil ich mir gewisse Vorstellungen nicht geben wollen würde. Aber mehr müsste es dann auch nicht sein.

5. Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?
Ich habe dieses Konzept nie benutzt. Es ist bei uns nicht notwendig. Und wenn wir wirklich einmal soweit die Grenzen unseres guten Geschmackes verlassen würden, dass wir uns gegenseitig in unseren Urängsten triggern, dann reden wir lieber drüber.

Bonusfrage(nkomplex): Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?
Ich kann das nicht beantworten, denn ich spiele nicht auf CONs. Ob es auf CONs regelmäßig – oder auch unregelmäßig – zu sexuellen Belästigungen kommt kann ich nicht abschätzen und daher auch wenig über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen sagen.

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1W100 – Random Blog Encounters: meine September-Antworten

Anfang des Jahres stellte Sorben von den „Gelben Zeichen“ gleich einhundert Fragen – genauer: 1W100 Random Blog- Encounters – auf seinen Blog. Eine nette Idee, die ich gerne aufgreifen möchte. Zu jedem Monatsletzen greife ich zu meinem W100 – als CTHULHU-Spieler ja ohnehin ein Pflichtutensil auf meinem Schreibtisch – und werde 3 Fragen beantworten. Mal schauen, welche Fragen die Würfel mir zuweisen:

36. PDF oder Totholz?
Schwierige Frage, ganz schwierige Frage. Also, wenn ich ein Buch „nur“ mal lesen möchte, dann bevorzuge ich PDF. Schlicht und ergreifend, weil ich es dann jederzeit und überall lesen kann (sogar im Dunkeln :-)). Viele Bücher möchte ich aber gerne „haben“, dann muss es Totholz sein. Und zum Leiten sowieso, ich mag es nicht, beim Leiten das Handy/Tablett vor mir liegen zu haben.

92. Dein Lieblingssystem wird eingestampft. Bleibst du trotzdem dabei oder suchst du Ersatz, immerhin wird es keine neuen Sachen mehr geben?
Ich spiele es weiterhin, werde meiner Sammelleidenschaft aber ein neues „Objekt der Begierde“ gönnen. Bestimmt. So ganz ohne „Sammeln und Jagen“ kommt Rollenspiel bei mir nicht aus, fürchte ich…

88. Du bekommst 2 Millionen Euro, wie würdest du sie ausgeben? Spenden und verschenken ausgenommen.
Hu, wieso denn genau 2 Millionen? Ich bezahle das Haus ab, kaufe mir einen vernünftigen Neuwagen, spare einen Haufen Geld weg für das mögliche Studium meiner Kinder, gönne mir und meiner Frau einige aufgeschobene Wünsche und lebe ansonsten eigentlich so weiter wie bisher. Um von den Zinsen leben zu können reichen die 2 Millionen heutzutage nämlich leider nicht :-).

Meinen Dank an Sorben für’s fleißige Fragenstellen!

RPG-Blog-O-Quest September 2018: Schauplätze

Das mit dem Bloggen hier ist im Moment nicht so einfach. Ihr werdet es an der recht niedrigen Taktfrequenz eigener Artikel vielleicht bemerkt haben. Noch viel seltener in dieser verschwindend geringen Artikelzahl sind dann auch noch die Artikel, wegen denen ich diesen Blog eigentlich gegründet habe: Spielmaterial! Aber immerhin gibt es die Blog-O-Quest, die mich jeden Monat aufs Neue motiviert, wenigstens für etwas eigenen Content hier auf dem Blog zu sorgen. In diesem Monat übernimmt Timberwere die Organisation, wofür ich mich herzlich bedanke!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten! Nun aber auf an die aktuellen Fragen, die sich in diesem Monat mit Schauplätzen beschäftigen!

1. Welche Eigenschaften muss ein guter Schauplatz für dich haben?
Ach je, die Beantwortung dieser Frage könnte länger dauern. Oder ich mache es mir leicht :-). Nein, ganz ehrlich: die Eigenschaften, die ein guter Schauplatz benötigt, hängen doch sehr von seiner Funktion ab. An den Schauplatz des grandiosen Finales einer langjährigen Kampagne stelle ich andere Ansprüche als an den Schauplatz einer zünftigen Kneipenschlägerei. An einen Dungeon andere als an ein Banditenlager. Generell würde ich mich dazu hinreißen lassen, dass ein Schauplatz ein wenig Atmosphäre braucht und genügend Möglichkeiten zur Interaktion für die SC bereit hält. Das dürfte vage genug sein :-).

2. Gibt es eine Kategorie von Schauplätzen, die du im Spiel bevorzugst, also besonders gerne bespielst?
Nein, da bin ich flexibel. Gerade im cthuloiden ist mir die Bibliothek ebenso recht wie das Zeltlager der Dschungelexpedition. Ich mag theoretisch Schiffe: überschaubarer Platz, unterschiedlichste Plots, festgelegte Anzahl NSC, kurz: „Closed Room“ mit Frischluft :-). Aber in der Praxis habe ich das bislang eher sehr wenig genutzt, vielleicht mal bei einem One Shot.

3. Was muss/müsste passieren, damit dir eine (Kategorie von) Location(s) völlig verleidet wird/würde, bzw. ist das schon mal passiert, und wie/warum?
Ich muss gestehen, dass ich das Intermezzo in der Kampagne „Die Bestie“, das in der „Bibliothek von Celeano“ spielt, extrem schwach finde. Der Ort ist eine in der Theorie reichlich coole Location, aber es mangelt hier einfach an einer praktischen Umsetzbarkeit, was das Intermezzo in meinen Augen hervorragend belegt :-).

4. Welche Location wolltest du schon immer mal bespielen, kamst aber bisher nie dazu?
Innsmouth. Eines Tages krieg‘ ich Dich.

5. Was war die denkwürdigste Location, die du je bespielt hast?
…da muss ich passen. Ich habe schon ein paar coole Dinge gesehen bzw. geleitet, aber… hm, vielleicht der rätselhafte Djinn-Tempel unter Kraj, den meine ABOREA-Kampagne besucht hat, der war ziemlich cool. Natürlich war auch die „fliegende Festung“ im „Jahr des Feuers (DSA)“ eine denkwürdige Location. Hm, ich weiß nicht recht. Ich achte mal drauf :-).

Bonusfrage: Wie sieht der ideale RL-Spielort für dich aus?
Oh, ich bin mit meinem Rollenspielkeller schon sehr, sehr zufrieden. Mittlerweile habe ich ihn in Details noch verfeinert :-).

1W100 – Random Blog Encounters: meine August-Antworten

Anfang des Jahres stellte Sorben von den „Gelben Zeichen“ gleich einhundert Fragen – genauer: 1W100 Random Blog- Encounters – auf seinen Blog. Eine nette Idee, die ich gerne aufgreifen möchte. Zu jedem Monatsletzen greife ich zu meinem W100 – als CTHULHU-Spieler ja ohnehin ein Pflichtutensil auf meinem Schreibtisch – und werde 3 Fragen beantworten. Mal schauen, welche Fragen die Würfel mir zuweisen:

61. Rollenspiel oder gespielte Rollen (im Englischen kommts besser rüber 😉 )? Sind Emotionen und zu sehr „im Charakter sein“ peinlich oder großartig?
Mir selbst liegt es ehrlich gesagt nicht, groß „aus mir heraus“zukommen. Das hat nicht was mit Rollenspielen zu tun, sondern ist eher so ein allgemeiner Charakterzug. Insofern sind auch meine Charaktere als Spieler aber auch meine Leistung als SL eher unemotional, auch wenn ich versuche, Stimmungen über Klangfärbung und/oder Handlungen zu transportieren. Das hat aber nichts mit „peinlich“ zu tun – es liegt mir schlicht nicht mehr. Ich finde es aber ganz großartig – und habe es leider auch eher selten erlebt – wenn einer meiner Spieler große Emotionen in seinen Charakter legt oder sie wenigstens beschreibt. Also: Großartig.

91. 3 Kupfer für ein Bier in der Taverne, einen Dollar für einen Whisky in der Flüsterkneipe. Wie handhabst du ingame die Finanzen? Gruppenkasse für größere Ausgaben oder jeder für sich? Wie wichtig ist Geld im Spiel oder ist es eher ein nebensächlicher Aspekt?
Mit meinen alten Hasen spiele ich aktuell hauptsächlich OneShots mit abgestimmten Charakteren. Da erübrigt sich die Gruppenkasse. In meiner Kampagne spielen wir zwar mit Geld (die Übernachtung soll ja etwas kosten), aber üblicherweise nicht auf einem Level, der existenziell wird, heißt: für die Grundbedürfnisse und ab und an ein neues Ausrüstungsstück wird durch die Verteilung von Belohnungen gesorgt :-).

51. Wie stehst du zu EP für gutes Rollenspiel etc.?
Das finde ich Quatsch. Jeder meiner Mitspieler spielt – im Rahmen seiner Möglichkeiten – so gut er kann. Da wird niemand für eine flammende Rede besonders belohnt, nur weil er hauptberuflich Präsentationen hält und ihm so etwas daher als Spieler eher liegt. Ich kann mir vorstellen, dass es Gruppen und SL gibt, für die ein solches Belohnungssystem förderlich ist, denn vielleicht hilft es dabei, den eher stillen Spieler mehr zu motivieren. Ich selbst würde mich allerdings aus meiner Komfortzone herausgeführt fühlen – und das würde mir einen Teil des Spaßes, den das Spiel ja bringen soll, nehmen.

Meinen Dank an Sorben für’s fleißige Fragenstellen!

Lovecraft spukt in New York

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 20. August 2008
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

“I feel like H.P. Lovecraft is associated with creepiness. Everything I know about him is fairly creepy, so every indication he’s around is creepy.“
– Nellie Kurtzman
Wohnt in New Yorker Spukapartment

Lovecraft wohnte einige Zeit seines Lebens in New York, einem kleinen Apartment, das ihn zu der Geschichte Das Grauen von Red Hook inspirierte. Dieses Apartment existiert bis heute, wird von einer gewissen Nellie Kurtzman bewohnt und heimgesucht von Howard Philips Lovecrafts Geist. Lest die ganze Geschichte in der New York Post.

Lovecraft: Mythos & Wahrheit

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 15. März 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Um Lovecraft ranken sich zahlreiche Mythen und Gerüchte. Er soll über 100.000 Briefe geschrieben haben, ein kauziger Einsiedler gewesen sein und dergleichen mehr. Um etwas Licht in die Gerüchteküche zu bringen, haben wir drei Mythen herausgegriffen und stellen euch die Wahrheit vor:

Mythos: Lovecraft war ein zurückgezogener Eigenbrödler der niemals Neuengland verlassen hat
Lovecraft wird oft als Einsiedler bezeichnet, was wahrscheinlich daran liegt, dass er mehr mit seinen Freunden über Briefe korrespondierte als sie von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Allerdings wird aus Lovecrafts Briefen klar ersichtlich, dass er sehr viel Zeit damit verbrachte seine Freunde zu treffen, sei es nun daheim oder auch im ganzen Osten der Vereinigten Staaten. Seine stets schlechte finanzielle Lage, könnte ihn jedoch wirklich daran gehindert haben, seine zahlreichen Bekanntschaften zu treffen und das ausführliche Schreiben war ein Weg wenigstens diesen Mangel zu kompensieren.

Dennoch reiste Lovecraft innerhalb seiner beschränkten Mittel oft und schrieb dann ausführlich über diese Ausflüge. Seine Reiseberichte beinhalten dabei unter anderem: Vermont—A First Impression (1927), Observations on Several Parts of America (1928), Travels in the Provinces of America (1929), An Account of a Visit to Charleston (1930), und A Description of the Town of Quebeck, in New France, das später seinen Weg in Lovecrafts His Britannick Majesty’s Dominions fand. Mit 75,000 Worten, war dieser 136 Seiten Bericht Lovecrafts längste Arbeit (annährend 50% länger als Der Fall Charles Dexter Ward). Seine Reisen führten ihn aber auch in den Süden der USA nach De Land, Florida und New Orleans, Louisiana. Im Norden besuchte Lovecraft das kanadische Quebec und eine Woche lang die Insel Nantucket. Ein wahrhaftiger „Einsiedler“.

Mythos: Lovecraft war homosexuell
Die Tatsache, dass Lovecraft wenig Erfolg bei den Frauen hatte und viele Männerfreundschaften pflegte, lässt viele Menschen glauben, dass er homosexuell war. Man muss jedoch sehen, dass er nicht nur mit Sonia Haft Greene verheiratet war, sondern das sie selbst über ihren Ehemann sagte, dass er ein adequately excellent lover sei (Sonia H. Davis, “Memories of Lovecraft: I” The Arkham Collector, No. 4, Winter 1969). Einige von Lovecrafts Freunden und Bekannten (zu erwähnen seien hier Robert H. Barlow, Samuel Loveman und Hart Crane) waren dagegen homosexuell, aber dies wusste oder erkannte Lovecraft gar nicht. Dennoch machte er seine Haltung zur Homosexualität klar, als er J. Vernon Shea am 14. August 1933 schrieb:

As a matter of fact—although of course I always knew that paederasty was a disgusting custom of many ancient nations—I never heard of homosexuality as an actual instinct till I was over thirty… which beats your record! It is possible, I think that this perversion occurs more frequently in some periods than in others—owing to obscure biological & psychological causes. Decadent ages—when psychology is unsettled—seem to favour it. Of course—in ancient times the extent of the practice of paederasty (as a custom which most simply accepted blindly, without any special inclination) cannot be taken as any measure of the extent of actual psychological perversion.

In einem anderen Brief vom 16. Februar 1933, gerichtet an August Derleth schrieb Lovecraft:

So far as the case of homosexuality goes, the primary and vital objection against it is that it is naturally (physically and involuntarily—not merely ‘morally’ or aesthetically) repugnant to the overwhelming bulk of mankind…

Man kann natürlich argumentieren, dass diese Worte nur seine eigentliche Haltung verschleiern sollte, letztlich gibt es aber keinen Beweis dafür, dass er einen Hang zur Homosexualität hatte. Wohl aber wird deutlich, dass auch sein heterosexuelles Bedürfnis nicht sonderlich ausgeprägt war. Wie viele Intellektuelle, waren Lovecrafts Interessen eher im Bereich des Mentalen angesiedelt und nicht im Physischen, er hatte wohl insgesamt kein besonders großes Interesse an der Sexualität insgesamt.

Mythos: Lovecrafts Älteres Zeichen
Nirgendwo in seinen Geschichten gibt Lovecraft eine genaue Beschreibung des Älteren Zeichens. Er erwähnt es insgesamt höchstens vier Mal in seinen Geschichten. In einem Brief an Clark Asthon Smith (vom 7. November 1930) beendet er sein Schreiben allerdings mit folgendem Kommentar:

Again thanking you in Tsathoggua’s name for the recent shipment, & hoping to see more items from your pen ere long, I append the Elder Sign & the Seal of N’gah, given in the Dark Cycle of Y’hu.

Es folgt Lovecrafts spielerische und lautmalerische Unterschrift (Ec’h-Pi-El) und eine Zeichnung des Älteren Zeichens, wie es hier zu sehen ist. Es sieht eher wie ein Geäst aus und nicht wie das inzwischen bekanntere Ältere Zeichen mit dem flammenden Auge, welches in ein Pentagramm eingeschlossen ist. Dieses Symbol stammt mit seiner Beschreibung aus der Geschichte The Lurker at the Threshold (zu deutsch: Das Grauen vor der Tür) von August Derleth.

Lovecrafts literarische Vorbilder

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 15. März 2008
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Literarische Vorbilder, die Lovecraft inspirierten, gab es einige: Edgar Allan Poe, Lord Dunsany, Arthur Machen, Nathaniel Hawthorne, Ambrose Bierce, Robert W. Chambers, Walter de la Mare, M. R. James und Algernon Blackwood sind da zu nennen, doch es sind bei weitem nicht alle. Diese Autoren hatten etwas das Lovecraft ansprach und begeisterte und ihn auch inspirierte. Viele erwähnte er in seinem Aufsatz über die phantastische Literatur (Die Literatur der Angst) und würdigte sie und ihre Werke. In einer kleinen Auswahl wollen wir nun einige der Autoren vorstellen, samt einigen Leseanregungen.

Algernon Blackwood
„Der hohe Rang von Blackwoods Genius steht außer Frage, denn niemand ist bisher dem Geschick, der Ernsthaftigkeit und minuziösen Genauigkeit, mit denen er die Untertöne des Seltsamen in gewöhnlichen Dingen und Erfahrungen festhält, auch nur nahe gekommen, geschweige denn dem Verständnis für das Übernatürliche, mit dem er Schritt für Schritt die Empfindungen und Wahrnehmungen aufbaut, die von der Wirklichkeit in eine übersinnliche Welt oder Vision führen.“

Der 1869 in London geborene Blackwood, emigrierte mit 18 Jahren nach Kanada und ging später in die USA. Er nahm eine Reihe unterschiedlicher Arbeiten an und sammelte so Erfahrungen für seine spätere Schriftstellerische Karriere. Er war äußerst skeptisch was die etablierten Religionen betraf, aber war dem Okkulten und Übersinnlichen nicht abgeneigt. Er trat sogar dem „Hermetic Order of the Golden Dawn” bei und verarbeitete seine Erkenntnisse in seinen Kurzgeschichten. Algernon Blackwood starb 1951. Lesenswert sind vor allem „Die Weiden“ und der „Wendigo“.

Lord Dunsany
„Ein unübertroffener Sprachzauberer, der eine kristalline, melodische Prosa schreibt, und begnadeter Gestalter einer prunkvollen, betörenden Welt schillernd exotischer Bilder ist Edward John Moreton Drax Plunkett, achtzehnter Baron Dunsany, dessen Erzählungen und Kurzdramen ein nahezu einzigartiges Element in unserer Literatur darstellen.“

Lord Dunsany leistete wahre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Phantastik. Er entstammte einer vornehmen irischen Adelsfamilie und machet es sich zum Hobby Kurzgeschichten (aber auch Gedichte, Dramen und Romane) zu schreiben. Zu seinen Geschichte sagte er, dass er „niemals über Dinge [schreibe], die [er] gesehen habe, nur über die, von denen [er] geträumt habe.“ Lovecraft war sehr von Dunsany beeindruckt (entsprach er doch dem Bild eines Gentleman das er sich immer vorstellte) und schrieb über ihn: „Dieser Autor besitzt das gleiche Gespür für dramatische Werte und die Bedeutsamkeit einzelner Worte und Details wie Poe, ist rhetorisch jedoch weit besser ausgerüstet als dieser […].“ Allerdings steht Dunsanys Werk „eher im Zeichen des Schönen als des Schrecklichen.“ Nichtsdestotrotz verknüpft Dunsany geschickt Sagen und Überlieferungen zu „Fantasy“ und inspirierten Lovecraft vor allem in seinen früheren Geschichten. Lovecraft schätzt von Lord Dunsany die Geschichten „The Gods of the Mountain“, „Book of Wonder“ und „A Dreamers Tales“.

M. R. James
„Eine Lord Dunsanys Genius diametral entgegengesetzte Position nimmt der gelehrte Montague Rhodes James ein, Rektor des Eton College, Altertumsforscher von hohen Graden und anerkannte Autorität auf dem Gebiet mittelalterlicher Handschriften und der Geschichte der Kathedralen, der die fast diabolische Gabe besitzt, das Grauen Schritt für Schritt mitten im prosaischen Alltagsleben entstehen zu lassen.“

Wenn sich jemand um die klassische Geistergeschichte verdient gemacht hat, dann wird es wohl der englische Autor und Vorsteher des King´s Colleges, M.R. James gewesen sein. Der bis zu seinem Tod unverheiratete Gelehrte hat insgesamt vier Sammelbände unheimlicher Erzählungen veröffentlicht, die in England (einer Tradition zufolge, die bereits Charles Dickens für seinen „Weihnachtsabend“ nutzte) traditionsgemäß am Weihnachtsabend in illustrer Runde gelesen werden. Leider gibt es auf Deutsch keine gesammelten Erzählungen von M.R. James und so muss der Leser entweder gleich zum Original greifen oder sich die Geschichten mühsam zusammenklauben. Lesenswert ist vor allem „Count Magnus“, zu dem Lovecraft schrieb, dass es „sicherlich eine von James´ besten Geschichte [ist], stellt sie doch eine veritable Goldgrube an Spannung und Suggestivität dar.“

Arthur Machen
„Besser als alle anderen Autoren begreift er, wie sehr manche sensiblen Gemüter ständig im Grenzland des Traumes weilen und wie verhältnismäßig klein der Unterschied ist zwischen denjenigen Bildern, die von realen Gegenständen ausgelöst werden, und jenen, die durch das Spiel der Einbildungskraft entstehen.“

1863 wurde Arthur Machen unter dem Namen Arthur Llewellyn Jones geboren. Als Kind galt sein Interesse bereits der Geschichte und so war er fasziniert von den alten Römerruinen und den Überresten der Kelten. Seine Schriftstellerische Karriere begann ganz im Sinne Robert Louis Stevensons mit Abenteuergeschichten, bis ihm mit „Der große Pan“ im Jahre 1891 der große Durchbruch gelang. Machen war übrigens Mitglied des „Hermetic Order of the Golden Dawn“, zudem auch Algernon Blackwood und Aleister Crowley gehörte. Neben dem „Großen Pan“ schrieb Machen noch zahlreiche weitere Geschichten, unter anderem auch „Die weißen Gestalten“ die Lovecraft „auf unbestimmte Weise beunruhigend“ vorkam.

Edgar Allan Poe
„In den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts brach eine literarische Morgenröte an, die nicht nur auf die Geschichte der übernatürlich-unheimlichen Erzählung, sondern auch auf die der erzählerischen Kurzprosa insgesamt eine direkte Wirkung ausübte und die indirekt die Tendenzen und Geschicke einer bedeutenden ästhetischen Schule in Europa formte. Wir sind als Amerikaner in der glücklichen Lage, diese Morgenröte als unser Eigen beanspruchen zu können, denn sie manifestierte sich in der Person unseres illustren und unglücklichen Landsmannes Edgar Allan Poe.“

Über den unglücklichen Autoren Poe wurde schon viel geschrieben und analysiert. Er gilt als der Erfinder der Detektivgeschichte und nahm großen Einfluss auf die phantastische Literatur. Poe war Lovecraft so wichtig, dass er ihm in seinem Essay über die phantastische Literatur sogar ein eigenes Kapitel widmete. Unzweifelhaft reiche die Wuzrlen von Poes unheimlichen Erzählungen bis heute in die moderne Literatur. „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Die Abenteuer Gordon Pyms“ (aus dem Lovecraft das fremdartige „Tekeli li“ entlieh) dürften wohl jedem interessierten Leser zu empfehlen sein. Einen Blick sollte man auch auf Poes Gedichte werfen, gerade „Der Rabe“ verbreitet noch immer eine ungeheuere Anziehungskraft.