Die Arkham Akten – Der Fall Julia-Anne Kendall

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 10. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Julia-Anne Kendall
Betreuender Arzt: Dr. Benjamin Raft
Fallnummer: JAK-158/DF9

Fallbeschreibung:
Ich nutze diesen Raum für einen persönlichen Kommentar zu diesem außergewöhnlichen Fall. Ich kann bezeugen, dass nichts hiervon in irgendeiner Weise erfunden oder übertrieben dargestellt ist, es ist die reine Wahrheit. Ich bin der praktizierende Arzt für die 8 jährige Julia-Anne Kendall, die im Herbst des Jahres 1928 vom St. John Waisenhaus zu uns gebracht wurde. Es ist durchaus ungewöhnlich ein achtjähriges Kind in einem Sanatorium unterzubringen, doch sie müssen verstehen, dass der Fall wirklich sehr ernst war, wie sie aus der beiliegenden Akte ja entnehmen können. Wir richteten für das Mädchen einen eigenen Raum ganz in der Nähe des Schwesterzimmers ein und bemühten uns ein möglichst kindgerechtes Umfeld zu schaffen. Julia-Anne schien in den ersten Wochen nur wenig auffällig zu sein. Sie liebte es, sich kreativ zu äußern und legte dabei ein erstaunliches Talent an den Tag Bilder und neuerdings auch Skulpturen zu gestalten, die im rechten Licht betrachtet nicht nur außergewöhnlich kunstfertig, sondern auch zu einem gewissen Teil Angst einflössend waren. Ich war mir nicht klar, welche Dämonen dieses Kind zu diesem Zeitpunkt quälten, doch ich sollte es bald erfahren. Es war Anfang November als Julia-Anne die Maske vollendete. Es war ein schreckliches Ding und erinnerte an eine Gasmaske mit mehr als einem Schlauch und eine Schwester erschrak fürchterlich, als sie Julia-Anne zum ersten Mal mit dem Ding auf dem Kopf in der Zelle sah. Doch die Schwester war nicht die einzige die sich vor dem Ding fürchtete. Wir hatten Patienten die steif und fest behaupteten nachts von dieser Maske geträumt zu haben und das sich ihre Schläuche an den Köpfen fest sogen und fürchterliche Schmerzen verbreiteten. Pete Fredricks gehörte dazu, ein trunksüchtiger Ire, den ständige Halluzinationen plagten. Er war der festen Meinung, dass sich die Maske durch die Wände Zugang zu seiner Zelle verschaffen würde. Ich erhöhte daraufhin die Medikamentation und schob diese Geschichten beiseite, wie es jeder gute Arzt gemacht hätte. Ich versuchte jedoch Julia-Anne nach dieser Maske auszufragen, doch das Mädchen schien gar nicht zu wissen wovon ich sprach. Sie behauptete die Maske nicht gefertigt zu haben und das sie so etwas auch noch nie gesehen hätte. Ich beschloss daraufhin die Maske an mich zu nehmen und das Mädchen schien einverstanden zu sein, auch wenn ich meinte einen böswilligen Blick in ihren Augen gesehen zu haben, als ich die Tür hinter ihr schloss. Die Maske, aus Pappmaché gefertigt und für Kinderhände wirklich mit ausgefallnen Ziselierungen und Details bedacht, verbreitete, das gebe ich ganz offen zu, auch in mir ein unbehagliches Gefühl. Ich schob diese Gedanken jedoch beiseite und legte das Ding in eine Schublade und kümmerte mich um Julia-Annes Akte. Sie war schon immer kreativ veranlagt gewesen und vielleicht lag darin der Schlüssel für ihre Erkrankung und ich beschloss ihre Bilder und Plastiken genauer zu untersuchen. Ich muss darüber wohl eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen wieder öffnete war es bereits dunkel. Ich beschloss die Arbeit für heute zu beenden und nach Hause zu fahren. Die Akten legte ich zu der Maske und… Die Maske war verschwunden. Ich hörte außerhalb meines Büros Schritte, der Dieb konnte nicht weit sein. Draußen war jedoch niemand, ich sah nur das Licht aus Julia-Annes Zelle scheinen. Sie saß dort im Schneidersitz auf den Boden und nuschelte etwas in sich hinein. Ihr Kopf von der Maske bedeckt. Ein Schrei ging durch den Korridor, es war eine der hinteren Zelle. Als ich ankam war es schon zu spät. Pete Fredricks war tot. Auf seinem Schädel fand ich große runde Löcher. Das Gehirn war verschwunden. Daraufhin verlangte ich die Verlegung von Julia Anne, da ich mich nicht in der Lage sah, sie weiterhin zu behandeln, doch sie wurde abgelehnt. Nun sitze ich hier in meinem Büro und es ist inzwischen der fünfte Tod den wir zu beklagen haben und ich frage mich: Ist das Wohl vieler, bedeutender als das Wohl eines einzelnen? Und was ist, wenn der Einzelne ein Kind ist…

Werbeanzeigen

Die Arkham Akten – Der Fall John Doe

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: John Doe/Wuen Li-Ging
Betreuender Arzt: Dr. Clifford Samson
Fallnummer: JD-012/Q

Äußere Beschreibung:
Männlich, Alter in etwa 35 Jahre, asiatische Herkunft, Brillenträger, körperlich gesund, Name unbekannt in den Akten zu führen als John Doe, wie sich herausstellte mit richtigem Namen Wuen Li-Ging.

Besondere Merkmale:
Tätowierungen am ganzen Körper, vor allem im Bereich des Rückens, des Bauches und der Oberschenkel, Zeichen gehören zu einem mir unbekannten Alphabet.

Fallbeschreibung:
John Doe wurde von der örtlichen Polizei in Kingsport am Hafen aufgegriffen. Er machte einen verwirrten Eindruck und stammelte etwas in einer den Polizisten unbekannten Sprache. Aufgrund seiner asiatischen Herkunft, dachten die Beamten das es sich um Chinesisch oder dergleichen handelte, da der Mann jedoch einen völlig desorientierten Eindruck machte und zudem kein Wort Englisch sprach, wurde er auf die örtliche Wache mitgenommen. Zeitgleich kümmerte sich eine Streife darum am Hafen nachzufragen, ob der Mann irgendwo auf einem Schiff seinen Dienst getan hat, doch keiner der Kapitäne und Dockarbeiter kannte den Mann. Da sich sein Zustand auch nach einigen Stunden nicht besserte, verständigte man das Arkham Sanatorium und ich nahm mich des Unbekannten an. Er wurde um 16:40 schlafend eingeliefert. Da er sich in einem desolaten Zustand befand, ordnete ich ein Bad und eine Entlausung an, die von Pfleger Jackson durchgeführt wurde. Er berichtete später, dass der Patient erst bei der Entlausung die Augen aufschlug und wild zu schreien begann. Kurz nachdem John Doe ruhig gestellt wurde, verständigte mich Jackson. Als ich den Badbereich erreichte, zeigte Jackson nervös auf die zusammengesackte Gestalt am Boden. John Doe war über und über mit Tätowierungen bedeckt, doch Jackson schwor, dass sie vorher nicht da gewesen seien. Hier sei gesagt, dass Jacksons Akte (bis auf einige Kranketage) ausgezeichnet ist und ich seinem Wort Glauben schenkte. Da John Doe nicht bei Bewusstsein war, konnte ich einen genaueren Blick auf die Tätowierungen werfen, die einem Alphabet zugehörig waren, das mir noch nie untergekommen ist. Jackson brachte John Doe in seine Zelle und ich informierte die Universität Miskatonic. Drei Herren kamen, darunter auch Dr. Armitage, der Bibliothekar der Universität und wir untersuchten gemeinsam den Mann. Die Herren baten mich nach einer Weile sie und den Patienten allein zu lassen, ich folgte ihrem Wunsch und konnte die Zeit nutzen, meinen ausstehenden Bericht zu schreiben. Als die Wissenschaftler sich wieder bei mir meldeten, sagten sie, dass sie gerne mit John Doe sprechen würden, wenn er wieder zu sich kommen würde und ich bestätigte, dass ich sie sofort telefonisch informieren würde. Die Männer der Universität schienen beunruhigt und ich erinnere mich nun auch, dass einige unserer ärmsten Insassen eine doppelte Dosis an Beruhigungsmitteln benötigten um überhaupt etwas Schlaf zu finden. Am folgenden Tag, war John Doe ansprechbar, doch wie durch ein Wunder waren die Zeichen verschwunden!

Ich telefonierte Dr. Armitage an und trotz der morgendlichen Vorlesungen und universitären Verpflichtungen, eilten alle Drei sofort zum Sanatorium. Derweil führte ich mit John Doe ein Gespräch auf Englisch und der Mann, dessen Name sich als Wuen Li-Ging entpuppte, berichtete das er keinerlei Erinnerungen habe, wie oder warum er hierher nach Arkham gekommen ist. Das Letzte an was er sich erinnerte war, dass sein Schiff, die Maria-Julia in einen Sturm geriet. Kurz darauf kamen auch schon die Herren Professoren und sie baten mich Mr. Wuen zu entlassen, doch ich konnte dieser Bitte nicht nachkommen. Offensichtlich litt der Mann an einem schweren Fall von Amnesie und Persönlichkeitsstörung und so sehr ich Dr. Armitages Meinung auch schätze, ich musste ihm eine Absage erteilen, denn das Wohl des Patienten steht über allem. Mr. Wuen willigte ein noch einige Tage zur Beobachtung zu bleiben, doch zu einer Untersuchung kam es nicht mehr. In der Nacht auf den nächsten Tag verschwand Mr. Wuen spurlos. Kein Zeichen eines Ausbruches war vorhanden und auch der Nachtwächter, der alte Giles Fernham hatte nichts Besonderes gesehen. Ich verständigte Dr. Armitage über diese Tatsache und dieser zeigte sich sehr besorgt, doch zugleich beruhigte er mich in freundschaftlicher Weise und versicherte mir seine Hilfe, sollte ich sie brauchen. Trotz einer groß angelegten Suche und eines Phantomzeichners, ist Mr. Wuen nicht gefunden worden und einer der seltsamsten Fälle unseres Sanatoriums wird niemals zum Abschluss gebracht werden. Ich frage mich noch immer was diesem Mann nur passiert sein mag und wo er jetzt ist.

Gez.
Dr. Clifford Samson

Die Arkham Akten – Der Fall Dr. Douglas Harding

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Douglas Harding
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: DH-829/S

Fallbeschreibung
Dr. Douglas Harding wurde im September diesen Jahres eingewiesen. Harding war Dozent an der Universität Miskatonic im Bereich Anthropologie und Geschichte. In seiner gesamten Familie gibt es keinen ähnlichen Fall von paranoider Schizophrenie. Der Fall Harding unterliegt auch weiterhin der strikten Schweigepflicht und wurde selbst dem regionalem, wie überregionalem ärztlichen Fachpersonal nicht zugänglich gemacht.

Harding, der von seinen Studenten und Mitarbeitern immer als äußerst pflichtbewusst und eifrig wahrgenommen wurde, erlebte am 13. September diesen Jahres einen so schweren Schock, dass er in das Arkham Hospital gebracht werden musste. Nachdem keine körperlichen Gebrechen festzustellen waren, der Patient allerdings schwere psychische Störungen aufwies, wurde er hierher ins Arkham Sanatorium gebracht. Der Grund für diese Störung, die sich letztendlich als paranoide Schizophrenie herausstellte, ist weiterhin unklar. Interviews mit Harding sind äußerst schwierig, da er in beinahe jedem Menschen eine Gefahr für sich selbst sieht. Einzig einem Mann namens „Johnny Maxwell“ schenkt er das nötige Vertrauen. Er schreibt Briefe an ihn und das ist die einzige Art für uns etwas mehr über Harding herauszufinden. Im Folgenden nun eine Abschrift eines dieser Briefe:

Lieber Johnny,
Weißt du noch Johnny? Damals? Der Himmel war blau. Der Regen kam erst später. Wir waren da. Dann kamen sie. Den Tag werde ich nie vergessen.
Alles in allem Jahre vergingen. Ich rette den Tag ohne die Nacht. Ohne dich ist der Himmel gelb in grün, selbst beim Sonnenuntergang. Ach wären wir doch sie! Schön wären die Tage ohne zu wissen. Ich schließe mit den Worten die es sagen.
Lebwohl
Douglas

Dieser Brief mag als Beispiel für eine Vielzahl von anderen, ganz ähnlichen Schrieben dienen. Was mag diesen Mann, diesen gelehrten Mann nur derart zugrunde gerichtet haben? In meiner persönlichen Laufbahn habe ich derlei Fälle selten gesehen. Oft waren sie die Ausgeburt von jahrelanger Degenration und Inzucht, in abgeschotteten Dörfern, doch dieser Fall weißt keines dieser Merkmale auf. Wie eingangs erwähnt, gibt es in Hardings Stammbaum keinen Fall der auch nur irgendwelche Auffälligkeiten zeigt.

Recherchen über Johnny Maxwell führen trotz redlicher Bemühungen ins nichts. Die Bostoner Adresse auf dem Briefkopf ist nicht existent, oder vielmehr ist sie noch nicht existent. Nachforschungen zufolge, soll in 10 bis 15 Jahren am angegeben Ort ein Neubau errichtet werden, der den wachsenden Hunger der Wirtschaft vorerst stillen mag.

Empfohlene Behandlung
Bis auf weiteres verordne ich die bisherige Medikation und Elektrokrampfbehandlungen.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Die Arkham Akten – Der Fall Edward James

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Edward James
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: EJ-901/G

Edward James ist bereits seit drei Jahren unser Patient. Sein zwanghaftes Verhalten hat sich in dieser Zeit verringert, aber seit neustem gibt es eine völlig andere Auffälligkeit in seinem Verhalten. Im Folgenden nun eine auf das wesentliche gekürzte Transkription des letzten Interviews:

Dr. Phillip Lammon: Was bedrückt sie Edward?
Edward James: Jemand ist hier!
DPL: Meinen sie mich?
EJ: Nein, Nein… ich meine JEMAND ist hier, hier in der Klinik.
DPL: Wen meinen sie?
EJ: Verstehen sie nicht, JEMAND, es könnte jeder sein!
DPL: Denken sie das sich hier jemand eingeschlichen hat?
EJ: Ja, ja! Genau, eingeschlichen hat sich jemand.
DPL: Haben sie ihn gesehen?
EJ: Ich bin nicht sicher. Ich vermute die neue Schwester!

Anm. Dr. Philip Lammon: Gemeint ist Schwester Catherine Jenkins, die erst vor 2 Wochen eine Vertretungsstelle für Schwester Ethel Holden angenommen hat.

DPL: Aber Edward, wir haben doch darüber gesprochen das sie Ethel vertritt. Ethel bekommt doch ein Kind, wissen sie nicht mehr?
EJ: Nein, nein. Ich meine Ja. Ich weiß das sie ausfällt und ihre Schichten montags, dienstags donnerstags und freitags von 6:00 in der Früh bis 16:00 am Mittag nicht einhalten kann und das die Vertretung sie von 6:00 in der Früh bis 16:00 Mittag an jedem Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag vertreten wird. Das weiß ich doch, aber die neue, sie isst nicht.
DPL: Was?
EJ: Sie macht keine Pause von 9 Uhr bis 9:30. Sie macht keine Pause von 12:30 bis 13:00. Ich habs gesehen. Sie isst nie!
DPL: Vielleicht hat sie keinen Hunger Edward?
EJ: Nein hat sie nicht. Aber sie lockt die anderen.
DPL: Sie lockt sie?
EJ: Oh ja, sie lockt sie, ich habs gesehen. Sie ging zu Fred rein Zelle 154 DG, rechter Flügel, vierte Tür auf der linken Seite. Sie wollte ihm das Essen bringen, aber sie war 27 Minuten drin, ich habs gezählt.
DPL: Edward, was denken sie über Schwester Catherine?
EJ: Sie ist jemand aber sie ist keiner von uns?
DPL: Von uns?
EJ: Kein Mensch!
DPL: Das denken sie nur, weil sie bei Fred 27 Minuten in der Zelle war?
EJ: Nein, das denke ich, weil sie es mir gesagt hat und weil ich der nächste bin. Fred macht es nicht mehr lange hat sie gesagt dann holt sie mich! Ich will nicht, sie hat schlimme Dinge gesagt, ich, ich… DA!

Anm. Dr. Phillip Lammon: Schwester Catherine stand an der Tür mit etwas Kaffee, ich hatte danach verlangt und vergessen ihr Bescheid zu geben. Ich musste Edward James starke Beruhigungsmittel geben damit er ruhig blieb. Schwester Catherine hat angeboten den Zustand des Patienten zu überwachen. Ich lehnte ab, Edward war äußerst angespannt und diese Feindlichkeit gegenüber Schwester Catherine, die wirklich nur die besten Referenzen besaß, ist mir fragwürdig. Möglicherweise ein Rückfall in sein zwanghaftes Verhalten, aufgrund des Personalwechsels.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Warum die Großen Alten nicht böse sind

Hallo zusammen,

der Karneval der Rollenspielblogs steht in diesem Monat unter dem Motto „Das Böse“. Die Organisation übernimmt dankenswerterweise Niniane von Storiesandcharacters. Und diskutiert werden darf über das Ganze dann auch noch HIER.

Das Böse

…ist eigentlich ein äußerst undankbares Thema, um es auf einem cthuloiden Blog zu besprechen. Denn entgegen der Erscheinung im cthuloiden Rollenspiel sind die Großen Alten, Äußeren Götter und Mythosrassen nun einmal nicht böse. Sie folgen Prinzipien, Regeln und Gesetzen die weit außerhalb der Vorstellungskraft der Menschheit liegen. Damit kommen sie womöglich ein ums andere Mal mit den Interessen einzelner Menschen in Konflikt. Doch sie tun das keineswegs, weil sie Macht, Gewinn oder Sieg über ihre menschlichen Gegenspieler anstreben, sondern eher aus reinem Zufall.

Dazu kommt, dass die Menschheit als Rasse der Unwissenden, als Nichtsehende in einem schwarzen Ozean voll grausamen Wissens, schlicht völlig unwichtig für die meisten Mythosentitäten ist. Wir sind kein Übel, dass es zu beseitigen gilt, um die eigenen undurchsichtigen Pläne voranzutreiben. Wir stehen den MiGo nicht im Weg dabei, die Bodenschätze unseres Planeten auszubeuten. Wir sind es nicht, die verhindern, dass Azathoth das Universum verschlingt und neu gebiert. Wir spielen in den endlosen Plänen der Großen Rasse keine Rolle. Nein, die Menschheit ist unwichtig.

Wenn ein Mensch einen Ameisenhaufen, der sich direkt vor dem Küchenfenster eingenistet hat, mit heißem Wasser übergießt um seine Vorräte und Hygiene zu schützen, wird er wohl von den wenigsten seiner Mitmenschen als „Böse“ betrachtet werden. Für die Ameisen jedoch muss er einer göttlichen Vernichtungswelle gleich in all seinem Hass und zerstörerischer Gewalt handeln, tausende von ihnen in den Tod reißen und Heim und Hof vernichtet zurücklassen. Ebenso lässt sich das Verhältnis der meisten Mythos-Wesenheiten zur Menschheit kategorisieren – sie handeln nicht aus Boshaftigkeit, geschweige denn weil die Menschheit als Ganzes ein Problem darstellt. Sie handeln, um ihre eigenen, uns nicht erklärbaren Interessen zu wahren.

Das interessante an der Regelmechanik „Stabilitätspunkte“ ist in meinen Augen sogar, dass das Absinken der Stabilität einen Investigator mitnichten „böse“ werden lässt. Klar, manch einer endet als „böser“ Kultist, doch auch hier geht es nicht darum, den aus dem Spiel ausscheidenden Charakter „böse“ zu machen. Er verliert schlicht den menschlichen Verstand. Sein Geist konnte mit dem Wissen, dass er im Laufe seiner Abenteurerkarriere sammelte nicht länger fertig werden. Er wird damit einer Mythoswesenheit ähnlicher, als es für einen Menschen gesund sein kann und seine Ideen, Ziele und Interessen lassen sich nicht länger mit einem von Moral und Ethik geprägten menschlichen Miteinander vereinbaren. „Wahnsinn“ ist der Name, den das Regelwerk diesem Zustand gibt, „Mythosifizierung“ oder besser noch „Erleuchtung“ wären allerdings auch gangbare Nomenklaturen gewesen.

Das Böse

…hat aber – natürlich – auch im cthuloiden Rollenspiel ein Gesicht bekommen. Zumeist sind es tatsächlich die Menschen, die im cthuloiden Rollenspiel in die Rolle der Bösewichter schlüpfen dürfen. Dabei kommt es oft zu einer interessanten Konstellation:

Die Menschen – Kultisten, Zauberer, Machthungrige – sind dabei oft tatsächlich nach menschlichen Maßstäben als „böse“ einzustufen. Für ihre eigenen Interessen, die eigene Macht verlassen sie die Pfade der Moral und sind bereit, anderen Menschen Schreckliches anzutun. Damit unterscheiden sie sich kaum von den Bösewichtern anderer Systeme. Interessant wird es, wenn sie sich den Kräften des Mythos bedienen um ihre eigenen Ziele zu verwirklichen. Mythosmagie ist nicht für den Menschen geschaffen und zermürbt seinen Geist ebenso wie der Kontakt zu den ausserweltlichen Schrecken, die manche Kultisten zu rufen imstande sind. Sie selbst haben also unmittelbar unter den Auswirkungen ihrer eigenen Taten zu leiden, verlieren selbst den Verstand und die Bindung an die menschliche Realität.

Dazu kommt der oben beschriebene Umstand, dass Großen Alten wie kleinen Dienerrassen die Interessen und Ziele der Menschen zumeist völlig gleichgültig sind. Ein durch Mythosmagie herbeigerufener „Hetzender Schrecken“ mag sich tatsächlich aus einem Impuls heraus an Feinden des Magiers gütlich tun. Doch gibt es keinen Grund, warum er sich nicht ebenso gegen den Beschwörer richten solle. Der äonenalte Cthulhu-Kult, der rund um den Erdball an der Auferstehung des Großen Alten arbeitet, wird wohl selbst sein erstes Opfer werden. Mitnichten wird ein generöser Gott seinen Anhängern Macht und Beistand gewähren, die ihn aus Jahrmillionen währendem Schlaf erweckten. Tatsächlich wird er sie ebensowenig wahrnehmen und schützen wie den Rest der Menschheit, wenn er – seinen eigenen, unergründlichen Gesetzmäßigkeiten folgend – seinen Zerstörungszug über die Erde unternehmen wird, dann, wenn die Sterne richtig stehen.

Das Böse

…hat in „Cthulhu“ noch ein zweites Gesicht verliehen bekommen. Nyarlathotep, der Götterbote, wird oft als Chaosbringer charakterisiert. Er weidet sich an dem Chaos, dem Tod und der Zerstörung, die seine kurz-, mittel- oder langfristigen Pläne über Einzelne oder ganze Länder und Kontinente bringen können. Doch auch hier steht außer Frage, dass es Nyarlathotep wohl kaum um die Menschheit geht und das noch manch andere unbedarfte oder mythosbewanderte Rasse unter seinen Ränkespielen zu leiden haben dürfte.

Das Böse

…ist ein hervorragender Mittelpunkt für ein Abenteuerrollenspiel, wie es auch „Cthulhu“ sein will. Durch das Gesicht der menschlichen Gegenspieler und die offensichtlich mögliche Instrumentalisierung des Mythos für die Zwecke der finsteren Kultisten ist ein Gegenpol zu den Investigatoren geschaffen, den es als klares Ziel zu bekämpfen gilt. In den meisten Szenarien wird selbst dann, wenn Mythosrassen als direkte Gegenspieler auftreten, eine Position aufgebaut, in der diese Wesen aus irgendeinem Grund den Investigatoren oder ihren Begleitern negativ gegenüberstehen und im klassischen Sinne böse erscheinen müssen. Dem Spiel ist es somit möglich, wie viele andere Rollenspiele Erfolge zu ermöglichen, einen oder mehrere Siege über das Böse durch die Hand der Investigatoren.

Doch ehrlicherweise werden so viele Szenarien dem Gedanken hinter dem Mythos nicht gerecht. Und es mag interessant sein, sich dieses Konzept noch einmal vor Augen zu rufen, auch, wenn manches Abenteuer ein deutlich bitterer Beigeschmack begleiten könnte, wenn die Unmenschlichkeit der Gegenspieler und die Unwichtigkeit des eigenen Seins, zentrale Konzepte von Lovecrafts literarischem Schaffen, Bestandteil des Szenarios sind.

Der Mann mit dem blutigen Bart

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 09. März 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Einer alten Aufzeichnung nach begab sich am 2. August 1590 Hans Ziller, ein Bauer von nahezu achtzig Jahren, in die “Waldner Etz” bei Adnet, um daselbst Holz zu schlagen. Da erblickte er in einer unergründlich tiefen Grube einen weißen Mann, der ihn an Größe weit überragte und der einen langen, blutigen Bart trug. Schrecken und Entsetzen erfaßte den Bauern ob dieser Erscheinung, und seine Angst steigerte sich, als der Geist zu sprechen anhub und dreimal mit Donnerstimme fragte: “Wird sich die Welt bekehren?” Dann fuhr er fort: “Wenn sich die Welt nicht bekehrt, dann werden die Friedhöfe der ganzen Christenheit durchwühlt werden wie die Waldner Etz!” Diese war nämlich von unzähligen Maulwurfshügeln übersät.

Hierauf befahl der Mann mit dem blutigen Bart dem Ziller, was er eben vernommen, dem Geistlichen seines Dorfes mitzuteilen, aber ja nicht früher als nach Ablauf von drei Tagen, wenn er nicht wolle, daß ihm Übles widerfahre. Damit verschwand die Erscheinung. Hans Ziller aber tat, wie ihm geheißen. Er meldete nach drei Tagen seinem Pfarrer alles, was er erlebt hatte, und dieser berichtete das seltsame Erlebnis an den Erzbischof Wolf Dietrich weiter.

Szenarioidee
Was der Erzbischof tat oder was in seiner Macht stand um das Unglück zu verhindern, ist nicht überliefert worden. Wahrscheinlich wusste der Erzbischof, von den Büchern der Kirche aufgeklärt, mit was für einer Gefahr er es zu hatte, als ihm von dem Mann mit dem blutigen Bart berichtet wurde. Es war sicherlich auch nicht die erste Sichtung dieser Art, wohl aber die bedrohlichste. Der Achtzigjährige Bauer, der dem Wesen begegnet ist, konnte nicht ahnen, dass er vor einer Brut des Yog-Sothoth stand und nicht vor einem Geist. Die Brut dieses Äußeren Gottes soll zwar menschliche Züge beibehalten haben, aber das ist auch alles was sie mit einem Menschen gemein haben. Sie nähren sich von blutigem, rohem Fleisch und dürsten nach dem Wissen des Mythos. Der Bart der Kreatur war also noch vom letzten Fraße besudelt und die enorme Größe, kann nur ein Hinweis auf die Abstammung zu Yog-Sothoth sein und die Drohung, dass sich die Toten erheben, könnte mit einem Zauberspruch zusammenhängen, den die Brut verinnerlicht hat.

Katzhulhu – Das Hemingway-Haus

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 18. Juli 2010
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestseller

Unter der Adresse 907 Whitehead Street in Key West, Florida, steht ein ganz besonderes Bauwerk: Das Hemingway-Haus. Der große Schriftsteller lebte hier von 1931 bis 1939 und schuf in dem hellen Anwesen einige seiner bedeutensten Werke, zum Beispiel In einem anderen Land oder Schnee auf dem Kilimandscharo. Das 1851 gebaute Haus war ein Hochzeitsgeschenk für Ernest und Pauline Hemmingway von deren Onkel gewesen und es blieb bis zum tragischen Selbstmords Hemingways 1961 in seinem Besitz. Doch das Haus wird bis zum heutigen Tage von recht ungewöhnlichen Bewohnern bevölkert: Hemingways Katzen.

Es heißt, das erste Tier sei ihm von einem alten Kapitän aus Neuengland übergeben worden, der ihm das alte Seemannsgarn erzählte, dass die Katze Glück brächte. Denn es war keine gewöhnliche Vertreterin ihrer Art: Sie hatte an jeder Pfote sechs Finger, als ob sie einen zusätzlichen Daumen gehabt hätte. Hemingway war von dieser Laune der Natur – Polydaktylismus genannt – begeistert, und seitdem hat sich sein Haus zu einem Hauptquartier jener vielfingrigen Katzen gemausert, die über die ganze Insel stromern. Fünfzig bis Sechzig Katzen leben Heute im Hemingway-Haus, etwa die Hälfte davon sind Polydaktyle.

Und ihnen gehört das Haus – zumindest sagen dies viele. Denn Ernest Hemingway hat verfügt, dass auch nach seinem Tod die Katzen ein unbefristetes Wohnrecht in dem Haus haben sollen. Inzwischen ist aus dem Haus ein Museum geworden – und die Katzen leben selbstverständlich noch immer dort. Sie schlafen auf Betten und Sofas, klettern über Schreibtische und durchstreifen den Garten, wo sie aus Hemingways Springbrunnen trinken. Angestellte des Museums kümmern sich um Hemingways Katzen, die bis auf gelegentliche Besucherführungen tatsächlich die eigentlichen Herren des Anwesens geblieben sind.

Doch was nur die wenigsten der Touristen wissen: Das Hemingway-Haus ist ein Ort, dessen Bewohner sich dem Kampf gegen den Mythos verschrieben haben. Der Schriftsteller selbst war ein Träumer, der in Ulthar auf die Katzen der Traumlande traf. Entschlossen ihnen einen Stützpunkt in der Wachen Welt zu bieten, vermachte er einer Kaste von weisen und gelehrten Katzen sein Anwesen. Inzwischen ist das Hemingway-Haus ein unter Katzen bekanntes Hauptquartier für die Geheimnisse der Traumlande, von wo aus diese vielfingrigen Katzen ihre gefährlichen Missionen auf den verschiedensten Welten organisieren und ausführen.

Das Museum bietet dabei die perfekte Fassade. Tagsüber tragen Besucher das Eintrittsgeld herein, welches die ebenfalls aus den Traumlanden stammenden “Museumsangestellten” zur Versorgung ihrer Schützlinge nutzen. In geheimen Fächer hat Hemingway selbst kleinere Artefakte und Hilfsmittel hinterlegt, und das hohe, freistehende Haus ist eine ausgezeichnete Ausgangsposition für die Raumsprünge der Tiere. Die Diener des Mythos tun gut daran das Anwesen zu meiden, denn die hier lebenden Katzen haben mit ihren außergewöhnlichen Pfoten manche Zaubersprüche meistern können, die man einem Stubentiger kaum zutrauen würde.