OPC 2016: Ishango

Hallo zusammen!

Der im Dezember 2016 gestartete, „diesjährige“ OPC ist Geschichte. Alle Sieger wurden gekürt, und drüben bei den fleißigen Ausrichtern gibt es bereits die Sammel-PDF des letzten Wettbewerbs zum Download. Wie immer haben Greifenklaue und Würfelheld einen straffen Zeitplan eingehalten, um die OPC-Beiträge pünktlich zum GRT online ins Netz stellen zu können. Damit ist eigentlich alles gesagt und getan, oder?

Nun, tatsächlich könnte ich die Sache damit beschließen. Doch es ist gute und jahre-alte Tradition, dass ich meine cthuloiden OPC-Beiträge auch hier auf diesen Seiten veröffentliche. Mein diesjähriger CoC-Beitrag hat sich in seiner Kategorie sogar tatsächlich erstmals auf einen Treppchenplatz vorschieben können, was mich irrsinnig freut. Ich habe damit zum ersten Mal in meiner OPC-Geschichte einen Treppchenplatz errungen, was entweder für meine Hartnäckigkeit stehen mag oder tatsächlich für eine gewisse Entwicklung in der Qualität der Beiträge. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht :-).

Auf jeden Fall möchte ich Euch meinen Beitrag nicht vorenthalten. Ursprünglich für die Kategorie „Im Dschungel“ geschrieben, musste ich ihn kurzfristig noch einmal umschubsen – was thematisch Gott sei Dank kein Thema war, denn „Urzeiten“ spielen in dem modernen MiGo-Dungeon, den ich hier entworfen habe, durchaus eine prägende Rolle. Doch genug der Vorrede, Vorhang auf für: Ishango!

Wie immer konnte ich mehrere Beiträge einreichen, doch mangels cthuloider Verwendbarkeit werdet Ihr sie – wie gewohnt – bei Interesse aus der Sammel-PDF herausfiltern müssen :-). Wie immer möchte ich mit einem Dank an Ausrichter, Juroren und Sponsoren schließen – der OPC ist eine großartige Sache, die viel Kreativität zu Tage fördert. Danke!

Eine versunkene Stadt

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 08. Januar 2009
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerNachdem er eingeschlafen war, befiel ihn ein noch nie dagewesener Traum von riesigen Zyklopenstädten aus titanischen Blöcken und vom Himmel gestürzten Monolithen, die vor grünem Schlamm troffen und unheilvolle Schrecken bargen. Wände und Säulen waren von Hieroglyphen bedeckt, und von unten, unbestimmbar, von wo, war eine Stimme erklungen, die keine Stimme war…

H. P. Lovecraft
Der Ruf des Cthulhu

Sollte es tatsächlich wahr sein? Ist ein Teil einer Stadt der Tiefen Wesen, vielleicht gar ein Außenposten R’lyehs gefunden worden? Die Presseagentur Reuters hat jedenfalls eine interessante Meldung veröffentlicht, die ganz sicher in die eigene „Prof. Angell Box” gehört:

Basalt rock wall found in ocean near Taiwan
TAIPEI, Jan 5 (Reuters) – A biodiversity researcher has found a huge basalt rock formation in the Taiwan Strait, resembling a city wall and rivaling similar monoliths on land. The 200 metre-long, 10 metre-high undersea wall, which looks like thousands of pillars packed together, is near the Pescadores archipelago, researcher Jeng Ming-hsiou said on Monday.
Jeng, who is a professor at the state-run Academia Sinica in Taipei, was diving in the area when he saw and filmed the wall, about 40 km (25 miles) west of Taiwan’s main island. “It was completely unexpected,” said Jeng. “It’s not easy to see these formations underwater.” Basalt walls such as the famed Giant’s Causeway on the coast of Ireland and the Wairere Boulders of New Zealand are known to have occured on land but seldom, if ever, found at sea.
The Taiwan Strait formation, which local media have compared to a city wall, likely began with a volcanic eruption as far back as 1,800 years ago, Jeng said.

H.P. Lovecrafts Neuengland – Bristol & Portsmouth/Rhode Island

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 25. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Bristol soll viele Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sein eigen nennen und dazu verfügt das Städtchen noch über ein anthropologisches Museum. Der freundliche, ältere Herr in meinem Zugabteil versicherte mir, dass ich dort einige Artefakte zu sehen bekommen würde, die noch von den Indianern stammen, die einst hier lebten. Er gab mir die Adresse des Museums und mit nicht geringer Vorfreude verließ ich den Zug am Bahnsteig in Bristol.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Bristol

bristolDie beeindruckenden Häuser zeugen von dem Reichtum, den Bristol einst mit dem Seehandel (vor allem durch den Transport von Rum und Sklaven) erwirtschaftete. Später vervielfachte sich der Wohlstand durch die Privatisierungen während der Revolution und dem Krieg vom 1812. Die feinsten Häuser im Federal-Stil wurden von Russell Warren entworfen und gebaut (zu finden auf der Hope, High und Thames Street), darunter auch das Heim des geschäftstüchtigen Händlers James DeWolf, der im heißen Kuba einige Zuckerplantangen besaß. Die Brüder von James DeWolf schreckten jedoch auch vor weitaus lukrativeren Unternehmungen nicht zurück und verdienten gutes Geld durch den Schmuggel von Sklaven nach South Carolina.

Ich durchquerte einige Gassen und fand mich endlich vor „Linden Place“ wieder. Das Haus gehörte einst einem Händler hier aus Bristol, dessen Familie (er besaß mehrere Brüder die alle im Seehandel tätig waren, auch wenn einige wohl durchaus zwielichtige Geschäfte machten) gleich mehrere Prachtbauten entwerfen ließ. Ich fand heraus, dass der Besitzer früher George DeWolf hieß und in Kuba einige Zuckerrohrplantagen unterhielt, aber auch dem Handel mit Sklaven nicht abgeneigt war. Allerdings verlor er all sein Hab und Gut als seine Plantage 1825 kläglich scheiterte, wobei das einzige was ihm blieb dieses Haus war, mit seinen feingeschwungenen Säulen und filigranen Torbögen. Es soll zudem das einzige der vier DeWolfs Anwesen sein, das sich noch hier in Bristol finden lässt.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Biegt man auf die Tower Street ein, schlägt einem vielleicht an einem heißen Tag der Geruch des Sumpfes entgegen, der sich hier erstreckt. Auf seinem Gelände wurde das Haffenreffer Museum of Anthropology erbaut, das einige Kunstschätze der Brown Universität ausstellt, die sich vor allem mit der indianischen Kultur weltweit beschäftigt, allerdings den Schwerpunkt auf Nordamerika setzt. Kunstgegenstände und Artefakte werden hier liebevoll ausgestellt, an einem Ort der Geschichtsträchtiger nicht sein könnte, denn hier tobte einst (genauer gesagt im August des Jahres 1676) die Schlacht in der Metacom (uns besser bekannt als König Philip), von Angehörigen der Sakonnet überrascht und getötet wurde. König Philips Tod sorgte für das Ende des blutigen „King Philip´s War“.

Szenarioidee

Bristols Reichtum gründet sich auf den Handel mit Menschen. Aus ihrer Heimat herausgerissen, wurden sie in dickbäuchige Schiffe gepfercht und in die Neue Welt gebracht. Manchmal denke ich, dass vielleicht etwas mit diesen Menschen mitkam, als blinder Passagier vielleicht. Als ich im Anthropologischen Museum meine Runde drehte, konnte ich so einige Artefakte und Gegenstände sehen, die einst mit den Sklaven hierher nach Rhode Island gekommen sind. Die Kapitäne waren damals durchaus nicht zimperlich, so erklärte es mir ein junger wissenschaftlicher Mitarbeiter, wenn es darum ging möglichst viel Gewinn mit einer Fahrt zu erwirtschaften. Seinen eigenen Reichtum durch dubiöse Handels- und Schmuggelgeschäfte zu mehren, war damals nicht unüblich und offenbar haben so, viele dieser befremdlichen Kunstgegenstände ihren Weg hierher nach Bristol gefunden.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Jeder weiß über die DeWolfs Bescheid. Nach außen waren sie eine erfolgreiche und wohlhabende Familie von Händlern und Schiffseignern, aber hinter vorgehaltener Hand wusste jeder, dass die Familie Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Sklaven nach South Carolina schmuggelte. Auf dem Rücken dieses Menschenhandels gründete sich der Reichtum der Familie, doch heute ist dieser Reichtum dahin. Nur noch ein Familienhaus der DeWolfs steht in Bristol und der letzte Nachfahre, Gerald DeWolf scheint kein besonderes Interesse daran zu besitzen. Er lebt allein und zurückgezogen in der Nähe der Küste in seinem eigenen kleinen Fischerhaus. Seine Einkünfte schöpft er aus dem Fischfang und dem Erbe.

Sollte die junge Frau Recht behalten? Habe ich mehr bekommen als ich wollte? Ich brachte das Ding von einer dieser kleinen karibischen Inseln mit. Die junge Frau, kaum mehr als 18 Jahre, mit schwarzen Haaren so dick wie Baumwolle, wollte es mir zuerst nicht geben, aber ich hatte schon Mittel und Wege sie zu überzeugen. Ich spürte das dieses Ding wertvoll sein musste und je mehr die Kleine zeterte und kreischte, um so mehr wollte ich es haben. Als sie halb bewusstlos in der Ecke ihrer Hütte lag und ich nach dem Ding griff, murmelte sie etwas vor sich her: „Du hast mehr bekommen als du haben wolltest…“ Ich lachte nur und verließ triumphierend die Hütte. Auf meiner Plantage angekommen begutachtete ich das Ding und war froh es mitgenommen zu haben. Auch als ich in der Nacht von einem schrecklichen Traum heimgesucht wurde, bereute ich meine Tat nicht. Erst als nach einer Woche meine Felder vertrockneten und sich Worte in meinen Geist stahlen, die ich nie zuvor hörte und die für mich keinerlei Sinn ergaben, war meine Euphorie getrübt. Ich kehrte nach Bristol zurück, in der Hoffnung bei meiner Familie Trost zu finden. Meine Brüder standen mir bei, wie eh und je und als ich ihnen das Ding zeigte, schienen sie sehr neugierig zu sein. Ich erklärte woher ich es hatte und sie wollten es sich genauer ansehen, doch ich bestand darauf, dass es bei mir blieb, schließlich hatte ich es gefunden und noch während ich es sagte, hörte ich bereits die Worte in meinem Kopf, die mir versicherten, dass meine Brüder mir meinen Besitz neideten. In der Nacht schlief ich schlecht, doch ich traue mich nicht die Worte des Traumes aufs Papier zu bringen, wer weiß was das auslösen wird. Ich muss das Ding loswerden, aber zugleich wollen es meine Brüder. Ich muss vorsichtig sein, ich werde es vergraben, dort wo der Sumpf liegt. Hier wird es niemand finden und ich bete zu Gott (falls es ihn gibt), dass es so tief auf den schlammigen Grund sinken wird, dass kein Mensch es jemals mehr erblicken wird.

– Aus dem Tagebuch von George DeWolf

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Portsmouth

Aus meinen Studien in Chicago war ich natürlich mit der geschichtsträchtigen Stadt Portsmouth vertraut, doch sie selbst sehen zu können ist etwas ganz anderes, als sein Wissen aus Büchern zu erlangen. Die gleiche Luft zu atmen, die einst Anne Hutchinson atmete, als sie diese Siedlung in Rhode Island erreichte und zu wissen das hier die Schlacht von Rhode Island gegen die Briten tobte, lässt mich vor Freude erschaudern. Ich hoffe ich werde die Schauplätze der Kämpfe finden, die ich mir eigens zuvor notiert habe.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Nach Providence war Portsmouth die zweite Siedlung die in Rhode Island gegründet wurde. Die religiösen Andersdenkenden aus Massachusetts landeten am Founders Brook im April des Jahres 1638. Während des Unabhängigkeitskrieges, war hier die einzige wirklich große Schlacht (von kleineren Gefechten abgesehen), die als „Battle of Rhode Island“ in die Geschichtsbücher einging.

Die Schlacht von Rhode-Insel, auch bekannt als „Battle of Quaker Hill“, fand am 29. August 1778 statt, als Einheiten der Continental Army (Die Armee der 13 amerikanischen Kolonien) unter dem Befehl von John Sullivan versuchten, Aquidneck Island (auch bekannt als Rhode Island, nicht zu verwechseln mit dem Staat) von den britischen Kräften zurückzuerobern. Die Schlacht endete allerdings zu Ungunsten der Continental Army und sie schaffte es nicht die britischen Truppen von der Insel zu vertreiben. Ihr Ziel, den amerikanischen und französischen Schiffsverkehr innerhalb der Narragansett Bay zu sichern, blieb also ergebnislos.

(Mehr über die Schlacht von Rhode Island findet der geneigte Leser hier)

Der Rost und die salzige Luft, taten der Karosserie des Autobusses nicht gut, das war gleich zu sehen. Der Fahrer entpuppte sich auch als recht mürrisch und ich roch eine leichte Fahne von Rum, die um ihn herumwehte. Die Sitze waren durchgesessen, aber fest. Die Fahrt nach Newport würde einige Zeit dauern und so beschloss ich ein wenig zu dösen, während draußen der kalte Wind der Narragansett Bay das herabfallende Laub fortwehte.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

H.P. Lovecrafts Neuengland – Providence/Rhode Island

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 18. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Wo Bucht und stiller Fluss sich einen
Und laubbedeckte Hügel stehen,
Die Türme von Providence scheinen
Zum alten Himmel aufzusehen

Und auf den engen, verschlungenen Wegen,
Die über Hang und Berg sich winden,
Mag man der alten Tage magischen Segen
Vielleicht noch immer ruhend finden.

– H.P. Lovecraft
Fungi from Yuggoth
(Nachgedichtet von Andreas Diesel)

Rhode Island

Neuengland. Mein Geburtsort, meine Heimat und doch die große Unbekannte. Ich verließ Neuengland mit acht Jahren, als meine Eltern sich dazu entschlossen in Chicago ein neues Leben anzufangen. Dort, an der Universität von Chicago, studierte ich Geschichte mit einem gewissen Erfolg, auf den ich recht Stolz bin, doch je mehr ich von den ersten Siedlern hörte, umso größer wurde mein Verlangen an die schroffe Ostküste meines Geburtsortes zurückzukehren. Um mein gerade erfolgreich abgeschlossenes Studium zu feiern, fasste ich daher den Entschluss, Neuengland alsbald zu besuchen. Ich wollte mir dabei Zeit lassen und die Eisenbahn, Autobusse und meine eignen Füße nutzen, umso viel wie möglich zu sehen. Das ich kein Automobil besaß, kam daher meinem Plan nur gelegen. Ich hatte mir einen kleinen Geldbetrag angespart und meine Eltern ließen es sich nicht nehmen, mir noch ein großzügiges Taschengeld zukommen zu lassen, so dass ich mich im frühen Herbst, denn zu dieser Jahreszeit soll es an der Ostküste am schönsten sein, aufmachte zu einer ausgedehnten Reise, die in dem kleinsten Staat unseres großen Landes beginnen sollte: Rhode Island.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Rhode Island wurde von religiösen Andersdenkenden besiedelt, nachdem sie von den Puritanern aus Massachusetts vertrieben wurden. Roger Williams war es, der 1630 den Grundstein der Stadt Providence (zurückgehend auf „Gottes gnädiger Vorsehung“ – „God´s merciful Providence“) am nördlichen Arm der Narragansett Bay legte. Mit dem Hafen in Providence und den weiteren Häfen in Newport, Bristol, Warren und den anderen Siedlungen, wurde das kleine Rhode Island zu einem wichtigen Mittelpunkt für den florierenden Seehandel. Und während die Schiffe in Providence mit Butter, feinem Mobiliar, Rindfleisch, Mehl und Wolle beladen wurden, kamen die weitgereisten Schiffe aus der Karibik, beladen mit Zucker, edlen Gewürzen und Sklaven zurück. Die Seeleute brachten Gerüchte und Geschichten aus aller Herren Länder mit und nicht selten fanden kostbare Schmuckstücke, die den Amerikanern so gänzlich fremd erschienen, einen Weg hierher nach Providence.

Providence

Die Anreise nach ProvidenceDer Zug schnaufte schwer als sich die Strecke in Richtung Providence dem Ende zuneigte. Auf der Fahrt hierher, schweifte mein Blick über die herbstlichen Wälder Neuenglands, die ihr rötliches Gold bereits trugen. Mein Herz klopfte als der Zug die hügelige Landschaft passierte und endlich in den Bahnhof der Union Station einfuhr. Meine Reise, von der ich bereits so lange träumte, sollte endlich beginnen.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Wer durch die kleinen Gassen von Providence schlendert und dabei den murmelnden Fluss überschreitet, der kann sich mit ein wenig Phantasie zurückversetzen lassen in das 18. Jahrhundert. Brown UniversityDer Fluss trennt auf beinahe märchenhafte Art das westliche Geschäftsviertel von den schiefwinkligen Gebäuden des historischen Viertels im Osten der Stadt. Hier auf dieser Seite befindet sich die geschichtsträchtige Brown Universität, die 7. älteste Universität der USA. Gegründet von einem Baptistenpastor und dann später zu Ehren von Nicholas Brown, Jr., einem 1768er Absolventen der Institution, der im Anschluss an seinen Dienst als Schatzmeister dem College die finanziellen Mittel zur Einrichtung weiterer Professuren vermacht hatte, in Brown University umbenannt. Das älteste Gebäude auf dem Campus, ist die University Hall, die bereits 1770 errichtet wurde. Während der Revolution, diente dieses Gebäude übrigens als Kaserne für die französischen und amerikanischen Truppen. Die pittoreske Bibliothek der Universität im Beaux-Art Stil gehalten, besitzt zudem eine sehr große Sammlung an Amerikana, also an amerikanischer Folklore und Kulturgeschichte und man munkelt sogar, dass sich hier Bücher befinden sollen, die in menschliche Haut gebunden wurden, doch wahrscheinlich sind das nur dumme Gerüchte.

Sich in die alten Bücher der Brown Universität zu vertiefen war mir ein herrlicher Zeitvertreib. Das Rascheln des Papiers, der Geruch von alten Folianten und die gemütlichen Leseecken die allerorten zum Verweilen einluden, begeisterten mich nachdrücklich. Ich machte es mir gleich mehrere Stunden bequem und da mein Interesse an lokalen Gerüchten geweckt war, vertiefte ich mich in die örtliche Geschichte und förderte wirklich faszinierendes zutage. Ich wünschte ich hätte mehr Zeit, doch es gilt auch den Rest der Stadt zu erforschen!

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Auf der östliche Seite bleibend, findet der geneigte Reisende weitere Orte von Interesse. So zum Beispiel den Providence Art Club, der 1880 gegründet wurde und die Werke örtlicher Künstler ausstellt. Unter anderem soll sich hier ein gewisser Wilcox einen nicht unbedeutenden Ruf erworben haben (dessen Haus, das so genannte Fleur-de-Lys Gebäude, findet sich nur wenige Schritte weit entfernt). In den Jahren 1789 und 1791 wurde das Gebäude sogar erweitert um all den Gemälden und Plastiken einen Raum Providence Art Clubbieten zu können. Biegt man auf die Benefit Street ein, findet man sich in Mitten der ältesten Gebäude wieder, deren labyrinthische Giebel sich überkreuzen und so eine eigenartige Atmosphäre einer längst vergangenen Zeit erzeugen. Hier kann man die historische Entwicklung von Providence anhand der unterschiedlichen Baustile leicht nachvollziehen, die sich vom 18. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert erstrecken. Auf eben jener Straße, findet sich auch das alte John Brown Haus, dass wohl im ganzen Land das schönste Gebäude des 18. Jahrhunderts ist. Dieses Haus wurde 1786 von Joseph Brown für seinen Bruder John gebaut. Heute trifft sich hier, in den exquisiten Räumlichkeiten deren Wohnlichkeit seines gleichen sucht, die Rhode Island Historical Society. Dieser Club ausgesuchter Bürger der Stadt, die mehr als einen Faible für Geschichte und Heimatkunde haben, unterhalten zudem ein Museum (Museum of Rhode Island History) im alten Aldrich Haus (Aldrich war ein einflussreicher US-Senator), auf der Benevolent Street. Dort werden in regelmäßigen Abständen Ausstellungen präsentiert, welche die Geschichte des Staates, seiner Architekturen und Künste zeigen.

Ich wandelte tief bewegt durch die Benefit Street, für mich mehr einem Museum gleich, als einer einfachen Straße, die achtlos von Passanten durchquert und von Automobilen durchfuhren wurde. Die Menschen hier mussten sich glücklich schätzen in einem solch historischen Herz wohnen zu können, Tür an Tür mit Künstlern und Historikern. Was hätte ich dafür gegeben länger hier bleiben zu können und als ich einen Mann fragte, der achtlos an den Bauwerken vorbeiging, wo sich solch Schönheit wohl noch finden ließ, sagte er nur knapp (er bemerkte wohl das ich ein Tourist auf Entdeckungsreise war), dass kein Besuch von Providence vollkommen wäre, hätte man nicht seine Kirchen gesehen.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Auf dem Federal Hill liegt wohl die verrufenste Kirche, die heute jedoch nur noch eine schimmlige Ruine ist. Niemand der bei Verstand ist, würde sich dorthin wagen, vor allem nicht wenn die Sonne bereits untergegangen ist. Dagegen ist die First Baptist Church, allein von ihrer Größe her schon sehenswert. Die wunderschöne georgianische Kirche wurde 1775 von Joseph Brown entworfen und die bereits 1639 gegründete Baptistengemeinde, war die erste in ganz Amerika. Ebenfalls architektonisch ansprechend entworfen, ist die First Unitarian Church, die sich auf der Benefit Street finden lässt und gotische wie klassische Motive in sich vereint. Sie wurde von John Holden Greene gebaut und 1816 vollendet. Viele weitere Kirchen laden den Interessierten dazu ein, besichtigt zu werden (Grace Church – Eine Kirche im Stil des Gothic Revival; Die Beneficent Congregational Church – Der älteste Teil dieses Bauwerkes lässt sich auf das Jahr 1809 datieren und sie wurde 1836 erweitert & die Cathedral of Saint John, ebenfalls von John Holden Greene entworfen), doch man sollte auch nicht das State Capitol vergessen, welches die Stadt auf einem Hügel überragt.

Die Sonne ging bereits unter und verzauberte das Rhode Island Capitol in einen märchenhaften Tempel aus längst vergessenen Tagen, gekrönt vom aufrechten „Independent Man“. Ich hörte von einer Serviererin unten in einem kleinen Diner (vorzügliche Bohnen!), dass sich eine bezaubernde Ausstellung dort befinden sollte, die einige Schätze Rhode Islands präsentiert. Leider sagte mir der glatzköpfige Pförtner, dass ich zu spät sei. Das Haus hätte bereits geschlossen, doch ich könne gerne morgen zurückkommen. Der pflichtbewusste Mann konnte ja nicht ahnen, dass mein Zug bereits am Morgen in aller Frühe ging und so suchte ich mir ein Hotel für die Nacht und ließ am nächsten Morgen Providence hinter mir. Der Zug brachte mich nach Südosten, in das Städtchen Bristol.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

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Ich entdeckte das Buch erst nach einer recht mühsamen Suche, denn auch das ansonsten freundliche Personal in der Bibliothek legte eher ein Interesse daran, mich von der Suche abzubringen als mir tatsächlich zu helfen. Doch da ich so viele Verweise auf dieses seltsame Buch entdeckte, musste ich einfach weitermachen und als sich dann das Gerücht bewahrheitete und ich das Buch tatsächlich fand, frohlockte ich und zitterte doch gleichzeitig vor Abscheu: Das Buch war wahrhaftig in menschliche Haut eingebunden! Ein süßlicher Duft umfing mich als ich flüchtig die Seiten umblätterte bis zum Titel: Cultes des Goules. Mein Französisch ist nicht sehr gut, doch ich konnte zumindest soviel verstehen, dass ich das Buch angewidert fort schob, nachdem ich nur eine Seite las, die wohl nachträglich in das Buch eingebunden wurde und über die Zustände während der Revolution berichtete…

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Nur wenige wissen, dass zwischen den staubigen Lehrbüchern der Brown Universität auch einige Bücher lagern, die nicht für jedermanns Augen bestimmt sind. Einige der Bücher sind schlicht Kunstobjekte die sehr sorgsam behandelt werden müssen und daher dem üblichen Leser vorenthalten werden, andere dagegen sind einfach von solch schockierendem Inhalt, das man den unbedarften Leser davor schützen muss. Unter diese Bücher fallen weiterhin noch einige besondere Werke. Was nur wenige wissen ist die Tatsache, dass sich unter diesen Bänden auch solche befinden, die in menschlicher Haut eingebunden wurden und es gibt neben dem harmlosen „Totentanz“ (auch bekannt als Danse Macabre), weitaus andere Folianten, die wesentlich verstörender und beängstigender sind. Das Cultes des Goules ist eines dieser Werke und Nathaniel Evelith konnte einen Blick hinein werfen.

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Providence ist eine alte Stadt. Gegründet von religiösen Abweichlern, schufen sich die Siedler aus Massachusetts eine neue Heimat am nördlichen Ausläufer der kalten Narragansett Bay. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Siedlung und mehr Menschen ließen sich in Providence nieder. Niemand von ihnen ahnte, das auch eine Kolonie der leichenfressenden Ghoule unter der Stadt wuchs und erst als ein französischer Siedler, fortgejagt aus Massachusetts wegen seines abstoßenden Gehabes und seiner fremdartigen Gelüste, das verschriene Cultes des Goules mit sich brachte, machten sich die monströsen Geschöpfe bemerkbar. Angelockt von dem Geruch des Buches nahmen sie Kontakt mit dem Franzosen auf, den sie in eine Knechtschaft zwangen: Fortan sollte er ihnen frische Leichen beschaffen und dies war der Beginn eines unmenschlichen Ritus, der bis heute Jahr um Jahr fortgeführt wird. An einem Tag im Jahr, meist um das Julfest herum, wird den Ghoulen geopfert und die Stadtväter nehmen dies freiwillig in Kauf, denn was die Ghoule als Austausch anbieten, hat die Stadt heute zu dem gemacht was sie ist.

Halloween Special – 10 kleine Schritte…

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 31. Oktober 2008
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller10 kleine Schritte hinein ins Grauen präsentieren wir euch heute an Halloween. 10 kleine Szenarioideen oder unheimliche Situationen in denen sich eure Charaktere wieder finden könnten. 10 kleine Wege in den Wahnsinn…

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1.
Herrmann Gottfried Keller ist die neuste Entdeckung auf dem Kunstmarkt. Gemeinsam mit deinen Freunden bist du bei der Ausstellungseröffnung und auch wenn die Bilder deinen Geschmack nicht unbedingt treffen, Keller hat Talent. Nur einem scheint das Ganze so gar nicht zu gefallen. Jonas Hellman glotzt die Bilder aus allen verschiedenen Winkeln an. Oft müssen die Wachmänner den jungen Mann zur Seite nehmen, damit er die Kunstwerke nicht berührt. Das hält ihn nicht davon ab, sich auf den Boden zu legen und die Bilder von unten anzustarren. Die anderen Gäste amüsiert es zunächst, aber als Hellman dann irgendwas von einem gelben Zeichen murmelt und völlig wahnsinnig durch die Gänge springt, hat der Spaß ein Ende. Noch bevor ihn die Wachmänner zu fassen bekommen, wirft sich Hellman gegen ein Fenster und reißt sich am Glas die Pulsadern auf, bis das Blut heftig aus seinen Armen sprudelt. Er ist tot. Ein schrecklicher Anblick und du und deine Freunde müssen psychiatrisch versorgt werden. In einer Therapiesitzung beginnt man über den armen Hellman zu reden und auch über das Gelbe Zeichen, das sich wirklich irgendwie in die Bilder geschlichen zu haben scheint oder ist Keller klar was er da tut?

2.
Was für eine Nacht! Dein Kopf brummt unheimlich. Stockdunkel hier im Zimmer. Du willst aufstehen und stößt dir den Schädel. Du liegst nicht im Bett, du liegst in einem engen, kleinen Raum… Du bist in der Leichenhalle, in einem der Schubfächer. Und du bist nicht der einzige, da sind noch andere die hier aufgewacht sind…

3.
JUHU! Endlich kannst du deinem Studium den beliebten Auslandsaufenthalt hinzufügen. Die Miskatonic University in Arkham erwartet dich bereits. Die Uni zahlt auch noch die Unterkunft! Sie sind ganz begierig darauf dich kennen zu lernen.

4.
Dein Großvater war ein besessener Ahnenforscher. Er starb vergangenes Wochenende und nun liegt es an dir seine Besitztümer zu sichten. Darunter findet sich auch der vollständigste Stammbaum deiner Familie. Peinlich genau sind die Geburtsdaten eingetragen und auch die Sterbe… Nein, da stimmt irgendwie etwas nicht. Die Sterbedaten stehen nicht bei allen Familienmitgliedern. Nur selten hat Großvater diese Daten eingetragen. Wusste er sie nicht oder gab es vielleicht keinen Grund die Daten einzutragen? Ihr seid eine schrecklich alte Familie, viele Generationen lang reichen eure Wurzeln zurück bis nach Europa. Als du auf deinen Familienzweig blickst, fällt dir etwas sehr Seltsames auf: Übermorgen ist dein Todestag.

5.
Feierabend! Die beste Zeit des Tages. Mit deinem Wagen fährst du nach Hause, eine kleine Siedlung außerhalb der Großstadt. Als du auf die Parkstreet einbiegst stellst du mit Freude fest, das Jimmy endlich sein Fahrrad weggeräumt hat. Die Jeffersons haben es geschafft ihren Laubhaufen zu entsorgen und sogar den Zaun gestrichen. Die Häuser hier sehen alle so sauber aus und so ähnlich. Da hinten ist auch schon dein Häuschen, deine Nachbarn erwarten dich. Sie lächeln. Doch einige wirken seltsam abwesend und bewegen sie sich nicht wie Marionetten…

6.
Du wartest am Postschalter um ein Telegram aufzugeben. Überraschend begrüßt dich ein guter Bekannter, der gerade durch die Tür kommt. Er fragt dich wie es dir geht, was die Familie macht, die Arbeit usw. Er wirft nur kurz einen Brief ab und dann wünscht man sich einen schönen Tag. Du wartetest weiter. Überraschend begrüßt dich ein guter Bekannter, der gerade durch die Tür kommt. Er fragt dich wie es dir geht, was die Familie macht, die Arbeit usw. Irgendetwas stimmt hier nicht… Darauf angesprochen lacht der Bekannte nur: Eine tolle Geschichte! Aber das Ganze geht dir nicht aus dem Kopf und es sollte nicht zum letzten Mal passieren.

7.
Du sitzt gemeinsam mit einigen Freunden im Restaurant. Es ist laut, die Gäste unterhalten sich, der Kellner kommt und nimmt die Bestellung auf und gibt Hinweise für die Weinkarte. Immer wieder dringen Gesprächsfetzen an dein Ohr und sie ergeben zusammengesetzt einen Sinn: Sie scheinen dich vor etwas oder jemanden zu warnen. Dann plötzlich um Punkt 21:37 halten alle Personen im Restaurant inne und starren zu dir hinüber. Es dauert vielleicht drei Sekunden. Dann nimmt jeder wieder sein Gespräch auf und die Unterhaltungen sind völlig normal. Vielleicht hättest du das alte Buch doch nicht lesen sollen.

8.
In der Nacht träumst du von einer alten Kultstätte. Zwölf kleine Obelisken umgeben einen steinernen Altar, an dessen Fuß eine Treppe hinab in die Eingeweide der Erde führt. Du tanzt ekstatisch um den Altar gemeinsam mit deinen Freunden und Fremden und ihr betet zu etwas, das der menschliche Geist nicht begreifen kann. Ihr steigt hinab in die Finsternis und dann endlich begreift ihr alles… Als du aufwachst bist du völlig verschwitzt. Als du von deinem Traum erzählst, berichten auch deine Freund davon, dass sie einen ziemlich ähnlichen Traum hatten. Auch andere Menschen die du im Traum gesehen hast, begegnen dir in der Realität und was noch sonderbarer ist, ist die Tatsache dass sie dich ebenfalls erkennen. Als dann in den Nachrichten noch von einem sensationellen Fund in der Innenstadt berichtet wird, nimmt das Grauen Gestalt an. Auf dem alten Marktplatz werden Zwölf kleinen Obelisken gefunden und ein Schacht der wohl nach unten in die Eingeweide der Erde führt.

9.
Du nimmst die letzte U-Bahn nach hause. Während der Waggon schaukelt und rollt döst du ganz langsam ein… du darfst die Haltestelle nicht verpassen! Du schreckst hoch und siehst gerade noch wie die U-Bahn an einer Haltestelle vorbeifährt. Durch die schmierige Scheibe siehst du wie sich zwei dünne Kreaturen auf einen Mann im Anzug stürzen. Sie zerreißen seine Kleider, seine Haut und ziehen ihn hinab in den dunklen Tunnel. Hast du dir das nur eingebildet? Der U-Bahnfahrer denkt ja, aber zur Sicherheit schickt er einen Wachmann über Funk hin. Du steigst mit einem mulmigen Gefühl an deiner Haltestelle aus. Hat sich da gerade etwas im Schatten bewegt?

10.
Ach diese kleine Ortschaft kam genau richtig. Die Autofahrt war lang und anstrengend, warum also nicht in einem Hotel halten und morgen weiterfahren? Der Ort selbst ist urig und friedlich. Die Hotelzimmer gemütlich und das Abendessen wirklich köstlich. Danach schläft man umso fester. Der Morgen hält dagegen eine unangenehme Überraschung parat: Alle Bewohner des Ortes sind tot! Was ist hier geschehen? Was hat die Bewohner getötet und wieso kann man das Dorf nicht verlassen? Es scheint so als wäre eine Art Zauber aktiv… Als sich die Leichen dann noch bewegen erwacht der Überlebenswille!

Halloween Special – Szenarioidee

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Ende des Monats nähert sich wieder einmal die gruseligste Nacht des Jahres, Halloween. Wer noch eine zünftige Rollenspielrunde zu diesem Termin plant, mag vielleicht mit der folgenden Szenario-Idee aus dem cthulhu.de-Bestseller-Archiv etwas anfangen können:

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 31. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Der Alte ist tot. Er konnte es gar nicht glauben, dabei machte der Mann in der Pickman Street doch so einen robusten Eindruck. Tränen rinnen sein Gesicht herab. Sein Mund ist ganz trocken, er kann kaum schlucken. “Ach, wieso musste er nur von uns gehen?” „Meine Damen und Herren, ich eröffne nun das Erbe.“ Er wird nervös als ihn der kleine Notar streng anschaut. „Sie sind der Alleinerbe.“ Gemurmel unter den Anwesenden. „Das Anwesen ist bezugsfertig. Möge Gott sie schützen.“ Das Haus ist groß, alt und voller Erinnerungen. Was hier schon alles passiert ist? Er tritt das Erbe an und ahnt nicht was dies auslösen wird und schon ausgelöst hat.

Arkham. Diese hexenverseuchte Stadt hat so manches Geheimnis zu bieten, man muss es nur zu finden wissen. Doch was ist wenn das Geheimnis dich findet? Einer der Spielercharaktere hatte in der Nacht diesen verrückten Traum von einem Erbe in Arkham. Arkham? Er weiß weder wo diese Stadt liegt, noch kennt er jemanden der dort wohnt. Verrückt was Träume mit einem anstellen können. Als ihn dann jedoch ein Brief des Notars Edward Pellington erreicht, indem von einem reichen Großonkel namens Garland James berichtet wird, wird die Sache langsam komisch. Der betroffene Spielercharakter soll der Alleinerbe von James´s Anwesen in der Pickman Street sein und der Notar bittet ihn zu sich nach Boston. Dieser entpuppt sich als ein kleiner, strenger Mann, der dem Traum-Notar unfassbar ähnlich sieht. In dem Testament von Garland James, steht tatsächlich der Name des Charakters und alles scheint wirklich einwandfrei zu sein. Was spricht also dagegen sich das Anwesen mal anzusehen? Schnell werden die Freunde zusammengetrommelt und dann rauscht der Wagen auch schon in Richtung Arkham.

3450662830_42f51222db_oDiese alten, georgianischen Gebäude strahlen eine unheimliche Atmosphäre aus. Mit ihren hohen Fenstern und ihren schiefen Walmdächern, scheinen sie sich in mehr als drei Dimensionen zu erstrecken. Gerade als der Wagen der Spielercharaktere zum stehen kommt und sie aussteigen, winkt ihnen eine freundliche junge Dame vom Nachbarhaus zu. „Ah hallo, schön das sie wieder da sind!“ Die Frau ist der festen Überzeugung, dass der Spielercharakter hier schon seit über zehn Jahren wohnt. Spätestens jetzt wird klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Im Haus selbst findet man einige Hinweise darauf, dass sich Garland James wohl nicht nur mit dem Mythos sondern auch mit Hexerei beschäftigt hat. Doch irgendwie scheint etwas bei einem Ritual durcheinander geraten zu sein und nun überlappen sich innerhalb des Hauses mehrere Zeitebenen. Immer wieder kommt es zu „Geistererscheinungen“ und Geräuschen, die aus der Vergangenheit und der Zukunft stammen. Was die ganze Situation noch verkompliziert ist die Tatsache, dass diese Zeitanomalie irgendwie die Große Rasse von Yith interessiert, die nun versucht sämtliche Zeitebenen auszutilgen, damit alles wieder völlig normal wird. Nur was passiert, wenn die Charaktere in der falschen Zeitebene sind? Können sie vielleicht mit einem Ritual aus dem Necronomicon wieder in ihre Zeit zurückkehren? Vielleicht war das jedoch auch der Grund, warum es zu dieser Zeitverzerrung kam und am Ende ist der Charakter selbst Garland James gewesen und erbt sein eigenes Haus!

Talk-like-a-Pirate-Day: Die Barone des Todes

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Piraten können ihre Beute ja verschleudern,
Freunde kaufen, Kurtisanen beschenken
Und wie die Herren schwelgen, bis nichts mehr übrig ist…

– Heinrich VI, Akt I, Szene 1

Arrrr! Heute ist wieder „Talk-like-a-Pirate-Day„! Während die eine oder andere Landratte noch hinter dem Link studieren muß, wovon ich hier eigentlich spreche nutze ich diese absolut großartige Gelegenheit, um Euch noch einmal einen cthulhu.de-Bestseller zu präsentieren!

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 23. November 2011
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestseller(…) wir wollen euch heute fünf besonders blutrünstige Piraten der Karibik vorstellen, die ihr euch für den Rest des Jahres zum Vorbild nehmen könnt – und natürlich haben sie auch cthuloide Szenarioideen im Schlepptau! Macht euch bereit geentert zu werden.

Piraten haftet etwas magisches an. Es ist ihre Freiheit und Wildheit welche sie faszinierend, und über ihren Tod hinaus zu Ikonen, Helden, Dämonen macht. Doch warum bleiben manche von ihnen zeitlebens nichts mehr als seefahrende Strauchdiebe und andere brennen sich mit ihren Taten unauslöschlich als überlebensgroße Kapitäne in das Gedächtnis der Nachwelt ein? In einer Welt des CTHULHU-Rollenspiels ist die Antwort klar: Diesen Piraten haftet in der Tat etwas magisches an.

Die Karbik, auf vielerlei Weise Schmelztigel der Alten mit der Neuen Welt und spätestens durch die massenweise eingeführten und angesiedelten Sklaven ein düsteres, blutiges und exotisches Bindeglied Afrikas mit Amerika. Und die Piraten, welche die Karibik so scheinbar ungebändigt durchkreuzen, sind der ultimative Ausdruck dieser ganz besonderen Verbindung. Denn in ihnen manifestieren sich die Loa, die Geister und gottgleichen Wesen des Voodoo, welcher sich dort etwa zur selben Zeit formt.

Es sind die verschiedenen Aspekte Ghedes, des Herrn über Leben und Tod, welche ihnen innewohnen; auch bekannt als “Die Barone”. Sie sind teils impulsiv, grausam, leidenschaftlich, exzentrisch, bösartig. Im Leben jeder dieser Piraten gibt es ein Ereignis, in dem sich diese Verbindung manifestiert – und sie vervollständigt sich erst mit dem Sterben des Leibs. Die Spielercharaktere haben sicher Legenden über die folgenden Piraten gehört – Legenden die mit gutem Grund über das Grab hinaus reichen…

Francois L’Olonnais (1635-1667)

In Frankreich als Jean David Nau geboren erging sich dieser Seeräuber mit einer geradezu teuflischen Lust an Foltern und der Furcht seiner Feinde. Von der Verwüstung und den Schrecken, den er und seine Spießgesellen in die blühende Stadt Maracaibo brachten, erholte sich diese nie wieder. Sein Hass richtete sich besonders gegen Spanier, gegenüber denen, so schwor er, niemals Gnade zeigte. In diesen blutrünstigen Taten offenbarte sich in ihm der gefürchtete Geist des sadistischen Baron Kriminel.

Es war im Dschungel bei Puerto Cabello als sich dieser Loa in L’Olonnais zeigte. Um Informationen aus zwei gefangenen Soldaten zu pressen, brach der Bukanier dem ersten von beiden die Brust auf, riss das Herz hinaus und begann es, zum Entsetzen des Kameraden, zu verspeisen. L’Olonnois Ende als Mensch ließ nicht lange auf sich warten: Vor der Küste Panamas gestrandet geriet er in die Hände von Eingeborenen. Diese rissen ihn in Stücke, verbrannten die Teile und streuten die Asche in den Wind.

Plot Hook: Ob es den Eingeborenen bewusst war oder nicht: Auf diese Weise verseuchten sie ihre gesamte Insel mit dem hasserfüllten Einfluss des Loa. Das Wasser, der Boden, die Pflanzen die darauf wuchsen, alles trug nun den Geist des Piratenbarons in sich. Und mit der Zeit nahmen die Menschen ihn auf – und es veränderte sie. Die Charaktere stranden unglücklicherwise auf eben dieser Insel und sehen sich plötzlich mit heimtückischen Fallen und einem Kollektiv von willenlosen Eingeborenen konfrontiert, über denen der grausamste Häuptling ihres Volkes thront – doch warum spricht dieser perfekt Französisch?

Henry Morgan (1635-1688)

Eine erfolgreichere Karriere war dem Waliser Henry Morgan beschieden, der als starke Führungspersönlichkeit stets wusste, wie er seine Position verbessern und sichern konnte. Der selbsternannte “Chefadmiral aller Bukaniersflotten und Generalissimo der vereinigten Freibeuter von Amerika“ vereinigte 1.800 Piraten und 36 Schiffe unter sich und stellte den legendären Piratenkodex auf (auch wenn dieser eher eine Richtline war). In dem Stolz, mit der er seinen Titel trug zeigt sich der wachende Baron Cimetière.

1672 wurde Morgan festgenommen und vor Gericht gestellt. Nun mischte sich der Baron ein und rettete Morgan vor der Verurteilung. Damit nicht genug, er wurde sogar zum Ritter geschlagen und zum Vizegouverneur von Port Royal ernannt. Er befestigte die Stadt mit den Kanonen gesunkener Schiffe und brachte fortan seine ehemaligen Kumpanen an den Galgen. Im Tod aber fand er durch die Hand der Loa zurück in die See: Sein Grab versank mitsamt Port Royal beim großen Erdbeben 1692.

Plot Hook: Ein erneutes Seebeben mit anschließender Flutwelle erschüttert Jamaika. Unzählige Schiffe wurden an Land geworfen, ganze Ortschaften zerschmettert. Als die Katastrophe vorbei ist trauen die Menschen ihren Augen nicht: Die untergegange Stadt – von Gott selbst als Strafe für ihre Sittenlosigkeit versenkt – ist wieder an die Oberfläche getreten, behangen mit grünem Seetang und Muscheln. Welcher Kapitän getraut es sich hinüberzufahren und die angehäuften Schätze der ertrunkenen Toten zu bergen? Und in seinem Grab in Port Royal wartet träumend der große Baron der Freibeuter.

Blackbeard (1680 – 1718)

Dieser vielleicht berühmteste Pirate hieß mit “bürgerlichem” Namen Edward Teach und suchte besonders die amerikanische Südostküste heim. Sein Schiff war groß, schlagkräftig bewaffnet und die Mannschaft zahlreich. Trotz des Schreckens den er verbreitete war er nicht so gewalttätig wie andere Kapitäne, stattdessen setzte er ganz auf seinen diabolischen Ruf, den er sich bewusst erarbeitete und geschickt in Szene zu setzen verstand. Diese exzentrische Selbstdarstellung ist typisch für Baron Samedi.

Er war sehr groß, trug einen schwarzen, geflochtenen Bart und unzählige Waffen bei sich sowie brennende Lunten am Hut, was ihn stets mit einer furchterregende Aura aus Feuer und Rauch umgab. Wie sehr er tatsächlich bereits vom Herrn des Todes erfüllt war zeigt sein letztes Gefecht: Es brauchte fünf Schuss- und zwanzig Hiebwunden, ehe er sein Leben aushauchte. Man schlug Blackbeard den Kopf ab und warf den Leichnam über Bord – wo dieser angeblich spöttisch noch mehrere Runden um das Schiff schwamm.

Plot Hook: Angeblich ließ Blackbeards Bezwinger, der junge Lieutenant Robert Maynard, dessen Schädel mit Silber auskleiden und so zu einem morbiden Trinkgefäß umgestalten. Dieses grausige Relikt ging seitdem durch unzählige Hände, brachte aber keinem seiner Besitzer Glück. Man erzählt sich, dass der Geist des Piraten noch immer in seinem Schädel haust, und nach Blut dürstet. Und dass er jene, die davon trinken, als kopfloser Schrecken heimsuchen und mit sich in die Hölle zerren wird, wo er über eine Crew von Verdammten herrscht. Was wird auf dem Schiff der Charaktere geschehen, wenn der Kelch dorthin gelangt?

Anne Bonny (1682 – nach 1720)

Der Ruf der Loa lockte aber nicht nur Männer zur See: Auch die irischstämmige Anne Bonny, eine verwegene und rauflustige junge Frau, heuerte – ihr wahres Geschlecht verschleiernd – auf einem Piratenschiff an. Sie segelte unter der berüchtigten Flagge Calico Jack Rackhams, mit welchem sie sehr bald eine sexuelle Affäre verband und dem sie auf Kuba ein Kind gebar. Im Kampf war sie jedem Mann gewachsen. In Annes feurigem Wesen offenbart sich die rothaarige Maman Brigitte, Gemahlin des Baron Samedi.

Nur so ist auch der folgende unwahrscheinliche Zufall zu erklären: Anne verliebte sich in einen Schiffskameraden, nur um herauszufinden, dass auch dieser eine Frau war: Mary Read. Das Dreiecksgespann Bonny, Read und Rackham machte fortan gemeinsam die Meere unsicher, ehe sie von der Navy gestellt wurden. Read starb im Kerker und Rackham landete am Galgen – nur die schwangere Anne Bonny blieb verschont. Manche sagen sie wurde Nonne, andere, dass sie als der Pirat Roberts zurückkehrte.

Plot Hook: Es ist die Nacht vor der Hinrichtung für die schurkischen Spielercharaktere. Im Kerker bekommen sie ein letztes Mal Besuch, der ihnen die Beichte abnehmen und ihnen so zumindest die Gelegenheit auf Erlösung einräumen will. Der Besucher entpuppt sich als Nonne, welche den Piraten in aller Heimlichkeit anbietet, sie zu befreien und vor dem Galgen zu bewahren. Im Gegenzug fordert sie seltsamerweise, dass diese – anders als Calico Jacks feige Crew – ihre Mannbarkeit unter Beweis stellen und sich auf die Suche nach einem Kind machen, welches sich irgendwo auf Kuba aufhalten soll. Wo sollte da der Haken sein?

Bartholomew Roberts (1682-1722)

Roberts wurde erst recht spät Pirat, machte dies aber durch eine geradezu wahnwitzige Serie an Kaperfahrten wett: Innerhalb von vier Jahren enterte er über 400 Schiffe. Mitgefühl war ihm fremd, er massakrierte Gefangene willkürlich um seinen Ruf zu verbeiten. Sich selbst sah er als einen Gentleman unter den Piraten, kleidete sich in prächtigster Kleidung, verabscheute Rum und hielt ein Orchester sowie Gottesdienste an Bord. Seine elegante Kultiviertheit ist der Ausdruck des dandyhaften Baron LaCroix.

Diese Haltung eines übermenschlichen Kavaliers legte er auch in seiner letzten Schlacht nicht ab. Als klar wurde dass es kein Entkommen mehr gab, beendete Roberts erst sein Frühstück, kleidete sich in einen roten Gehrock aus Damast, legte neben seinen Waffen Gold- und Diamantschmuck an und übernahm wie selsbtverständlich das Kommando. Dieses verstummte erst als ihm, in heroischer Pose auf einer Kanone stehend, ein Schrapnell die Kehle aufschlitzte. Seine Crew versenkte die Leiche sofort im Meer.

Plot Hook: Ein reicher, aber vollständig stummer Gentleman bietet den Charakteren mithilfe eines scheinbar intuitiv dolmetschenden Sklaven eine königliche Belohnung, wenn sie ihn ein Jahr lang transportieren und eskortieren wohin er wünscht. Er sichert zu, dass er das Schiff dabei keiner Gefahr aussetzen, und sich nur innerhalb der Karibik bewegen wolle. Und tatsächlich: Er befiehlt an verschiedenen Inseln anzulegen und geht dort allein an Land. Und stets, am Tage seiner Rückkehr folgt ein weiteres Schiff dem der Charaktere, besetzt mit einer stummen Mannschaft. Für welchen Feldzug benötigt der Edelmann diese Armada?

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Spielleiterhinweise: Der Kniff, die berühmten Seeräuber der Geschichte auf diese Weise, also erst nach ihrem Tod, in die Spielrunde einzubringen, schlägt gleich mehrere Klabautermänner mit einem Paddel: Zunächst ermöglicht es den Spielern, auf diese Legenden der Karibik zu treffen und sich mit ihnen zu messen – ein Element, welches sicher in vielen Runden auf Gegenliebe stoßen wird. Gleichzeitig aber vermeidet der Spielleiter so den gern gemachten Fauxpax, die Spielercharaktere zu reinen Nebenfiguren zu degradieren. Zu guter Letzt verhilft dieser Ansatz zu einer ordentlichen Portion Seemannsgarn und gruselig-karibischer Voodoo-Atmosphäre.

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