Spielbericht: Summ, Bienchen, summ

Es hat Tradition, dass wir in der dunklen Zeit „zwischen den Jahren“ einen cthuloiden One-Shot einschieben. In diesem Jahr entschied ich mich (endlich) für das von Mirko Bader vorbildlich niedergeschriebene Szenario „Summ, Bienchen, summ“ aus der Cthulhus Ruf #08. Und wer es sich nicht denken kann: der Spielbericht enthält zahllose Spoiler!

Inhalt des Szenarios

Die Spieler schlüpfen in die Haut von Büroangestellten, die urplötzlich unter Summgeräuschen zu leiden beginnen. Irgendwann müssen die SC entnervt feststellen, dass die Geräusche in ihrem Kopf zu sein scheinen. Tatsächlich sind sie unabsichtlich Opfer eines Experimentes der neuen Firmenleitung geworden – aufgrund eines Versehenes haben sie Kaffee konsumiert, der mit einem experimentellen Wirkstoff versetzt war. Während Führungskräfte und Betriebsarzt versuchen, die SC zu beruhigen, müssen diese so unauffällig wie möglich die Hintergründe aufdecken…

Vorbereitung

– Das Szenario war rasch vorzubereiten. Ich habe es einmal im Vorfeld durchgelesen und mir bei einem zweiten Durchgang wenige Notizen gemacht. Das hat völlig gereicht.

– Zur Unterstreichung der Atmosphäre habe ich ein paar Fotos rausgesucht von Großraumbüros. Das aber auch nur, weil wir online gespielt haben und ich daher nicht einfach das bebilderte Heft herumreichen konnte.

– Ebenfalls dem Online-Spiel geschuldet war das Übertragen der SC-Werte auf den ausfüllbaren Charakter-Bogen. Dazu habe ich folgende Infos an die Spieler ausgegeben:

Ihr werdet am Mittwoch in die Rolle eines Büro-Angestellten der „FlatDeal“-Corporation schlüpfen. Die FlatDeal-Corporation verdient ihr Geld mit Telefonverkäufen und Ihr seid eben genau das: Telefonverkäufer. Ihr arbeitet in einem großen Bürokomplex, dessen 5.-7. Etage von der „FlatDeal“ angemietet worden sind; ansonsten gibt es hier noch Immobilien- und Versicherungsmakler, Consulting, Steuerberatung, Qualitätsmanagement, mehrere Marketing-Agenturen, eine Personaldienstleistung etc., die jedoch allesamt mit „FlatDeal“ nichts zu tun haben.

  • In der fünften Etage arbeiten freiberufliche Mitarbeiter (Studenten, Halbtagskräfte), die niedrigpreisige Waren wie Zeitschriftenabos oder billige Gartengeräte verkaufen.
  • In der sechsten Etage (hier arbeitet Ihr) arbeiten Vollzeit-Mitarbeiter (kleines Grundgehalt, Verkaufsprovision); hier werden Unterhaltungselektronik, Haushaltswaren, Bücher etc. verkauft. (Buchreihe: Der große Hausdoktor, CD-Box: Vergessene Country-Songs aus Montana, Ratgeber: Werden Sie ein Star (in drei Bänden), Reinigungsmittel SIFF…)
  • In der siebten Etage arbeiten Kollegen, die besonderes Verkaufstalent bewiesen haben. Das Grundgehalt ist höher und es werden hochpreisige Waren (=hohe Provisionen) verkauft: Autos, Reisen, aber auch Versicherungen. Jeder kann in die siebte Etage befördert werden, wenn er sich geschickt genug anstellt.
    Ansonsten ist „FlatDeal“ ein ganz normales Büro. Großraumbüro. Ihr arbeitet in recht kleinen „Boxen“. Es gibt einen Aufzug im Gebäude, Kaffee gratis, eine Kantine im Erdgeschoss… euer Boss heißt Winston Clark, einige andere Büroangestellte sind Jimmy Trebbiano (Sunnyboy und Verkaufstalent), Louise May Heiderberger (die schönste Frau im Büro), Sue Parker (pummelige Tratschtante), Deborah Schaefer (Sekretärin von Winston Clark) – um nur einige Beispiele zu nennen. Insgesamt arbeiten auf jeder Etage rund 40 Mitarbeiter.

Mit diesem Vorwissen ausgestattet, machten sich meine drei Spieler dann auf in die Ereignisse, die vor ihnen lagen.

Charaktere

Charles, Michael und Hal – drei bereits seit Jahren in der 6. Etage angestellte Schreibtischtäter. Wenigstens Charles hat die Hoffnung auf die 7. Etage noch nicht aufgegeben.

Verlauf

Die Charaktere erwachen an einem ganz normalen Morgen in ihrem Haus. Die üblichen Handgriffe und Morgenrituale später werfen sie sich aufs Fahrrad oder stürzen sich in die U-Bahn um ihren Arbeitsplatz, die FlatDeal-Corporation zu erreichen. Ein freundliches Nicken im Aufzug, ein kurzer Plausch am Kaffee-Automaten, dann beginnt der nächste, eintönige Arbeitstag.

Zunächst wenden sich alle ihren Telefonverkäufen zu. Michael verkauft einem alten Veteranen einen Zwei-Jahresvorrat SIFF (DAS Reinigungspräparat), Charles schafft es einer genervten Hausfrau eine CD-Box mit den schönsten Country-Songs aus Montana anzudrehen. Noch während Hal versucht, mit allen Tricks, die zwölfbändige Buchreiche „Der Hausdoktor“ an den Mann zu bringen, wird Michael darauf aufmerksam, dass es seiner Kollegin Louise nicht gutzugehen scheint. Sie ist auf der Suche nach einem Insekt, dass sie stört. Ganz Gentleman beteiligt sich Michael an der Suche – auch, wenn er das angebliche Summen nicht hören kann. Schließlich entscheidet sich Louise, den Betriebsarzt aufzusuchen.

Wenig später beginnen auch die drei SC unter dem Summgeräusch zu leiden. Weder die genaue Untersuchung des Headsets noch des Computers können hier Abhilfe schaffen. Auch die Kontrolle der Klimaanlage durch den herbeigerufenen Hausmeister Carl bleibt ergebnislos. Die drei wenden sich an ihren Chef, Clark Wilson, der sie zum Betriebsarzt schickt. Vom Chefbüro aus kriegen die Charaktere mit, dass zwei hünenhafte Männer in schwarz die Sekretärin, Miss Schaefer, befragen und mitnehmen. Von Tratschtante Sue erfahren sie, dass es wohl um Kaffee ging… Langsam macht sich ein mulmiges Gefühl breit.

In der siebten Etage bemerkt man verdutzt das seltsame Verhalten der Kollegen. Worte wie „Gehirnwäsche“ machen erstmals die Runde. Beim Betriebsarzt verläuft erst alles normal. Louise scheint es besser zu gehen, die drei SC werden untersucht und dann mit MRT-Aufnahmen konfrontiert die ihnen beweisen sollen, dass mit ihnen alles in Ordnung ist. Hal fällt auf, dass Dr. Bernard ihm eine falsche Aufnahme zeigt, was dieser jedoch rasch abwiegelt. Alle SC leiden wohl unter Überarbeitung und Verspannungen, sie sollen eine Pille nehmen und ein paar Tage ausspannen. Das Mißtrauen der SC überwiegt jedoch. Eine der Pillen wird genau untersucht, das Gelee Royale entdeckt. Ohne weitere Zusammenhänge können die SC jedoch keine weiteren Schlüsse ziehen. Also entschließt man sich, wenn schon nicht die Pille, dann wenigstens den Rat des Doktors anzunehmen und ein paar Tage frei zu machen. Da allerdings ist Chef Wilson überhaupt nicht einverstanden (Zitat aus dem Abenteuer: „Solange sie nicht tot sind, können sie auch arbeiten“) und erwartet gerade für heute noch ein paar Abschlüsse!

Die drei fügen sich in ihr Schicksal, sind nun gegenüber dem Kaffee allerdings mißtrauisch. Zunächst will Michael einen vom Straßenverkäufer gegenüber hohlen, wird jedoch von Sicherheitspersonal aufgehalten – er solle noch einmal dringend zu Mr. Wilson ins Büro kommen. Als nächstes versucht Hal sein Glück, doch ihm blüht das gleiche Schicksal. Michael wird indessen eine Beförderung in den 7. Stock in Aussicht gestellt, was dieser wiederum mit einem Kaffee zu feiern gedenkt. Eine weitere (diesmal fast eskalierte) Begegnung mit der Security später landen Hal und Michael in der Arrestzelle der Security.

Hal schreibt daraufhin von seinem Handy Charles an und lotst ihn in den Security-Bereich. Charles schlägt den einzelnen Wachmann mit einem Paket Kopierpapier nieder und befreit seine Kameraden. Dann entdecken sie die Treppe nach oben – seit wann gibt es hier einen achten Stock? Die Charaktere wanken nach oben, das Summen in ihren Köpfen wird lauter und lauter (und verursacht nun STA-Verluste)… in der achten Etage angekommen entdecken sie den Laborbereich. Michael hat dem niedergeschlagenen Sicherheitsmann seine Pistole abgenommen und stürmt nun den Bereich. Die fünf Wissenschaftler wehren sich nicht und Dr. Drews versucht noch, die Lage zu deeskalieren. Ja, er erklärt auch recht viel von dem Experiment, unter dem die siebte Etage steht, und dass es unbedenklich sei – sofern alle Rahmenbedingungen eingehalten werden… Die SC fesseln die Wissenschaftler und öffnen die letzte Tür. Hier treffen sie zunächst auf den Bildschirm mit Mr. Sakura, der alle Hintergründe erklärt, dann auf das riesenhafte Insekt, das Mr. Sakura ist… nur knapp entkommen sie dem Wesen, hechten aus der achten Etage heraus, nehmen das Treppenhaus, werden bald von zwei Seiten von der Security eingekreist und fliehen über die Feuerleiter des zweiten Stocks.

+Ende+

Nachbetrachtung

Das Szenario ist in seiner Entwicklung sehr frei angelegt und fordert vom SL ein gewisses Maß an Flexibilität und Improvisation. Zwar verhielten sich meine SC fast so, wie es vorbildlich gewesen ist, doch gab es durchaus kritische Stellen, an denen die Handlung auch völlig hätte entgleiten können. Darauf muss man gedanklich vorbereitet sein.

Davon abgesehen hatten wir einen sehr spaßigen Abend. Das Setting ist wirklich cool gewählt, die Verkaufsgespräche waren eine tolle Möglichkeit, um „warm zu werden“, die vielen kleinen und großen Klischees machen einfach einen Heidenspaß. Dazu ist das Szenario aber auch entnervend – der ständige Summton, das Gefühl des „Ausgeliefert-Sein“, das wachsende Misstrauen gegenüber Kollegen und Vorgesetzten und das Gefühl, im Dunkeln zu tappen – CTHULHU wie es sein soll 🙂

Pro

+ Kurze Vorbereitung

+ Gute Aufbereitung

+ Tolles Setting, tolle Ideen

Con

– Das Szenario bietet Möglichkeiten, um komplett zu entgleisen (…nicht im Sinne von „Railroading“ verstehen…) und braucht daher Improvisationsfreude und gewisse Zugeständnisse der Spieler, um einwandfrei zu funktionieren

RPG-Blog-O-Quest #064: Rückblick auf 2020

Und schon wieder ist es Zeit für eine neue Blog-O-Queste! Wie auch schon im Vormonat ist wieder einmal der Questenerfinder höchstpersönlich am Start, um dem Blogger-Volk ein paar Fragen im noch jungen Jahr zu stellen. Meinen Dank dafür! Diesmal blicken wir ein wenig zurück – zugegeben, nicht der erste Rückblick auf diesem Blog :-).

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk!

1. Welches Rollenspielereignis war für dich am prägnantesten/lustigsten/einprägsamsten in 2020?

Oha, wie auch bereits im Vorjahr ist das nicht ganz einfach. Immerhin konnte ich mit DESPERADOS wieder ein eigenes Rollenspiel entwerfen, schreiben, meinen Senf zum Layout dazugeben und hinterher bewerben. Das hat schon wieder sehr viel Spaß gemacht und eine eigene Publikation ist immer etwas Besonderes. Dazu kommen meine ersten Online-Gehversuche und die Tatsache, dass wir wieder ein paar tolle cthuloide One-Shots gespielt haben. Der Lockdown hat zu genügend Freizeit geführt, um endlich einmal eine Runde deProfundis zu spielen. Und zu guter Letzt durfte ich dieses Jahr erstmal den Winter-OPC mit ausrichten. Ihr seht, mein Jahr war wieder von besonderer Qualität, da gibt es kein Einzel-Ereignis.

2. Wie oft bist Du 2020 zum Spielen gekommen? Was wurde am meisten gespielt, welche Systeme hast Du neu kennengelernt? Wie hoch ist die Onlinequote?

Meine im Tanelorn veröffentlichte Statistik sagt:

Acht richtige Spieltermine, davon vier Online. Zwei der Offline-Termine habe ich ENGLISH EERIE gewidmet (welches ich unbedingt bald nochmal spielen möchte), einmal haben wir (im kleinen Kreis) EIN RUHIGES JAHR ausprobiert (hier ist der Funke allerdings nicht übergesprungen). Dazu kommen diverse Briefwechsel im Rahmen unserer deProfundis-Runde. Fast alles, was ich in diesem Jahr gespielt habe, war Neuland – dazu zählt auch die von Timber organisierte Online-Runde mit THROUGH THE BREACH.

3. Welches RPG-Produkt 2020 (aber nicht unbedingt aus 2020) ist Dein Produkt des Jahres?

Das ist fast so schwierig wie die erste Frage. Klar, DESPERADOS möchte ich hier aufführen. Das hat Spaß gemacht. ENGLISH EERIE ist ein ganz, ganz tolles Spiel und vor allem nicht mit so viel Eigenlob verbunden. Viel herumhantiert habe ich dieses Jahr allerdings mit dem „Dungeon Masters Guide“ für DUNGEONS & DRAGONS 5E, da mir die dort enthaltenen Zufallstabellen viel Langeweile vertrieben haben.

4. Welcher Blogartikel, welches Video, welcher Karneval Deiner RPG-Kollegen (also quasi der Blogosphäre) hat Dich 2020 am meisten geflasht?

Wie immer bin ich geflasht davon, wenn Leute ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Da ist im Rahmen des Winter-OPC wieder viel tolles Material zusammengekommen. Ja, ich denke es ist abermals der Winter-OPC, der hier eine Erwähnung verdient.

5. Welches sind die Medien 2020 für Dich? Bester Film, beste Serie, bestes Buch, bestes Comic etc.?

Oh, in diesem Jahr habe ich tatsächlich einiges konsumiert, das nicht nur reiner Rollenspielkram war. Die neue Freizeit lässt grüßen.

Bester Film: Hm, keine Ahnung. Ich habe mal wieder sehr wenig Filme geguckt. DIE UNFASSBAREN, rund um vier trickbetrügende Bühnenmagier, hat beim ersten Schauen Spaß gemacht. Ansonsten habe ich höchstens mit den Jungs ein paar Filme geguckt. Ich glaube, die ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH -Reihe war hier der Höhepunkt. Toller Humor.

Beste Serie: Ich mag THE MANDALORIAN wirklich sehr gerne, aber der Titel geht an die Amazon-Produktion TALES FROM THE LOOP. Die hat mich wirklich völlig umgehauen und ich habe die acht Folgen in vier Wochen zwei Mal gesehen.

Bestes Buch: Oh, hier wird es diesmal etwas eng, denn abseits von Rollenspielmaterial habe ich nicht viele „echte“ Bücher gelesen. Nominieren wir doch ein Rollenspielbuch! Überraschend gut gefallen hat mir DAS HELDENBREVIER DER NOIONITEN, doch CTHULHU: HALLOWEEN ist seinem Titel wirklich total gerecht geworden.

Bestes Comic: HIER kann ich jetzt mal mitreden, denn ich habe im Jahr 2020 an der Greifenklaue-Comic-Reading-Challenge teilgenommen! Ha! Und ich habe einen ganzen Haufen ganz wunderbarer Comics gelesen und kennengelernt! Was hat mir hier besonders gut gefallen? DIE LEBENDE TOTE, END: ELISABETH, CONAN: JENSEITS DES SCHWARZEN FLUSSES, BROCELIANDE, MAGDA IKKLEPOTTS, DAS KONZIL DER BÄUME sowie die Lovecraft-Mangas von Gou Tanabe. Und ALLES von CALVIN AND HOBBES.

Zwischen den Jahren… Version 2020

Ein seltsames, nerviges, besonderes und meistenteils auch unschönes Jahr liegt hinter uns. Also fast. Denn es ist die besinnliche Zeit der Raunächte – jene namenlose Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, die traditionell von allen Autoren dazu genutzt wird, Vergangenes zu resümieren und auf Kommendes vorauszublicken. Von allen Autoren? Keine Ahnung. Aber auf diesem Blog hat es Tradition, also frisch auf ans Werk!

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch wieder ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Ich durfte knapp 14.000 Leser im gerade vergehenden Jahr auf meinem Blog begrüßen. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine kleine Steigerung, was mich sehr freut. Ich stelle fest, dass viele zeitlose Beiträge – insbesondere die hier veröffentlichten Abenteuer-Publikationen – immer mehr Verlinkungen erfahren, was mich sehr freut. Von diesen Orten tauchen dann auch immer mal wieder Neugierige auf diesen Seiten auf, auch, wenn ich gerade nicht so sehr aktiv war.
  • Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr 36 Blogeinträge verfasst. Die Zahl der Einträge ist damit leider weiterhin rückläufig. Und: meine persönliche Zielsetzung, einmal wöchentlich zu bloggen, habe ich damit weiterhin deutlich verfehlt.
  • Wieder fand sich kaum Spielmaterial auf dem Blog ein – von einem Kult, der mittels der Kulttabelle aus „Von unaussprechlichen Kulten“ erstellt wurde, einmal abgesehen. Stattdessen wurde das mittlerweile „bewährte“ Portfolio aus Nähkästchenplaudereien, Rezensionen, News-Einträgen und Blog-O-Questen konsequent fortgeführt. Das ist sogar gar nicht mal so schlecht, wenn ich es Revue passieren lasse.

Abseits des Blogs war ich – wie auch schon in den Vorjahren – produktiver. Was da so alles zusammengekommen ist, habe ich im Rahmen des zehnjährigen Blog-Jubiläums schon einmal zusammengetragen. In diesem Jahr war es insbesondere die Arbeit an „Desperados“, dem Wild-West-Rollenspiel, die prägend war. Ein tolles Projekt. Aber auch mein eigenes DriveThru-Publisherkonto möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ich hoffe, hier im nächsten Jahr noch weiteres Material präsentieren zu können. Bereits seit Jahren bin ich als PLAY-Redakteur mitverantwortlich für die Inhalte des „Lovecrafters“, dem Magazin der Deutschen Lovecraft-Gesellschaft. Neu in diesem Jahr hinzugekommen ist die (Mit-)Betreuung des Lovecrafter online. Mein Kollege Thorsten und ich können im ersten Jahr auf eine erkleckliche Anzahl Publikationen in diesem Format zurückblicken und wir hoffen, dass wir das Online-Magazin auch in Zukunft mit Eurer Hilfe so interessant gestalten können. Der System-Matters-Fanzine-Wettbewerb brachte mich dazu, endlich mal wieder ein Fanzine zu gestalten. Weiterhin gab es viel von mir beim Ringboten zu lesen, auf cthulhu.de stammt so mancher Eintrag weiterhin von mir und am Jahresanfang erschien auch noch der sechste Lovecrafter. Und zum Jahresende erhielt ich die grandiose Gelegenheit, als Co-Koordinator des WOPC 2020 einzuspringen! Das freut mich wahnsinnig, denn der WOPC ist eine Institution und soll es bleiben!

Spielerisch war es ein unerwartetes, aber interessantes Jahr. Nachdem uns Corona die regelmäßige Tischrunde zerhagelte – und wir uns tatsächlich im sehr kleinen Kreis nur zu einem einzelnen OneShot „Ein ruhiges Jahr“ trafen – machte ich eine Menge Experimente, um der rollenspielerischen Langeweile zu entgehen. Neben Online-Gehversuchen (danke an alle Blogger-Kollegen, die hier geholfen haben) sind hier insbesondere Solo-Spiele zu nennen: „English Eerie“ macht mächtig Spaß. Aber auch eine lange Runde „De Profundis“ haben wir in diesem Jahr erstmals erfolgreich gespielt. Corona machte also nicht alles schlecht.

Geplantes für 2021

Um es kurz zu machen: Ich habe mit meiner Beschäftigung mit diesem Blog meinen inneren Frieden gemacht. Ich würde ihm gerne wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, aber neben der ganzen Redaktions- und Autorentätigkeit abseits dieses Blogs ist das schlicht unrealistisch.

Geplant für 2021 ist immerhin die Veröffentlichung eines Gastabenteuers (der lang angekündigte und erwartete Nachfolger zu „Block B„, dass sich ebenfalls hier auf dem Blog findet), sowie die Übernahme der Patenschaft von wenigstens einer Blog-O-Queste. Es wird also nicht ganz still auf diesem Blog werden, auch, wenn ich mehr im Moment noch kaum absehen kann. Tatsächlich möchte ich Dinge, die ich in 2020 nicht geschafft habe – z. B. noch einmal ein eigenes Buch zu planen – in 2021 weiter vorantreiben. Mal sehen.

Für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2021 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui

Frohe Weihnachten!

Für manche wird es ein ungewöhnliches Weihnachtsfest. Für manche wird es ein Weihnachtsfest, wie sie es sich nie hätten vorstellen können. Für manche wird es ein einsameres Weihnachtsfest.

Doch das wichtigste ist doch: Es wird Weihnachtsfest. Ich wünsche Euch von Herzen ein paar schöne Tage im Rahmen des Möglichen. Feiert schön, genießt die Zeit und lasst Euch reich bescheren!

Seanchui

RPG-Blog-O-Quest #063: Ausblick auf 2021

Und schon wieder ist es Zeit für eine neue Blog-O-Queste! In diesem Monat nimmt ist wieder einmal der Questenerfinder höchstpersönlich am Start, um dem Blogger-Volk ein paar Fragen für das kommende Jahr zu stellen. Meinen Dank dafür! Gerade wo die Gegenwart doch eher… ungewöhnlich aussieht, ist das doch eine willkommene Abwechslung. Wollen wir doch mal sehen!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk!

1. Welches coronabedingten Spielrunden planst Du? Egal ob virtuell oder z.B. als 1:1 am Spieltisch?

Tatsächlich habe ich – nachdem mir seitens RSP-Bloggern die ersten Gehversuche im Online-Rollenspiel angetragen wurden (meinen Dank noch einmal dafür) – eine rein virtuell stattfindende Runde gefunden. Diese wurde von einem CTHULHU-Veteran aus meiner „Veteranten-Gruppe“ ins Leben gerufen. Wir haben bislang einen Schnupper-Abend hinter uns und hoffen auf baldige Wiederholung.

Daneben hoffe ich tatsächlich, auch bald wieder in kleinem Kreis (wahrscheinlich zu dritt) in meinem Keller zu spielen. Unlängst haben wir „Ein ruhiges Jahr“ ausprobiert und ich hätte auch Spaß daran, mehr Spiele der „Kleinen Reihe“ von System Matters zu testen. „Mietlinge auf Abwegen“ sieht schon sehr spaßig aus…

2. Auf welches RPG-Produkt in 2021 freust Du Dich am meisten?

Wie auch schon im vergangenen Jahr tue ich mich schwer damit, das zu beantworten. Denn ich weiß gar nicht so recht, was schon so spannendes angekündigt ist. Ich hoffe, das auch im nächsten Jahr ein CTHULHU-Band erscheint, der meinen Namen im Impressum trägt. Davon ab bin ich immer gespannt auf die Spiele der „Kleinen Reihe“.

3. Hast Du rollenspieltechnische Projekte für 2021 am Start? Egal ob im Blog, etwas für die Spielrunde oder anderweitiges Spielmaterial (Vielleicht ja ein WOPC-Beitrag?).

Ich habe bereits im letzten Jahr gepostet, dass ich unbedingt selbst noch einmal ein Buch veröffentlichen möchte. Dieser Gedanke ist bislang nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. 2020 war einfach zu voll und zu… seltsam, um hier voll durchzustarten. Aber ich habe ein paar gute Ideen.

Feste rechnen kann man mit dem nächsten Lovecrafter, der hoffentlich Anfang 20201 als Doppelausgabe erscheint, und von mir wieder im PLAY-Teil redaktionell betreut wurde. Ein OPC-Beitrag darf es dieses Mal nicht sein – bin ich doch erstmals Mitorganisator – doch ich bin guter Dinge, wieder etwas für CTHULHU beizusteuern und vielleicht noch einmal ein Abenteuer auf DriveThru zu veröffentlichen. Man wird sehen – ohne die Schreiberei würde mir etwas fehlen.

4. Angenommen Corona wurde erfolgreich bekämpft und „weggeimpft“ – Worauf freut ihr Euch in Zusammenhang mit Rollenspiel am meisten (ich denke an Eure Stammrunde, den Besuch im RPGshop, den Conbesuch etc.)?

Auf meine Stammrunde. Das am meisten. Aber auch auf die SPIEL, die hoffentlich wieder ganz normal stattfinden kann.

5. Was wird sich durch Corona dauerhaft am Rollenspiel geändert? Für alle und für Dich im Speziellen?

Ich wüsste nicht, was. Vielleicht treffe ich mich mit der neuen Gruppe tatsächlich auch weiterhin online (wir wohnen nicht gerade alle ums Eck), aber das wäre es dann auch.

Bonus: Ich werde 2021 eine Blog-O-Quest machen und zwar im Monat _______ zum Thema _________ (so möglich).*

Ich werde 2021 eine Blog-O-Quest machen und zwar im Monat Mai zum Thema Geister&Gespenster.

Das Autorennähkästchen IV: Expeditionen

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. Mittlerweile ist es ein ganzes Jahr her, dass ich ein wenig von meiner Arbeit an offiziellen Publikationen aus dem (Autoren-)Nähkästchen plaudern konnte. Ich war sicherlich nicht untätig in dieser Zeit (…und habe zum Beispiel viel Energie in DESPERADOS investiert…), doch es hat eben ein wenig gedauert, bis es mir gelungen ist, meinen Namen auch mal wieder im Impressum eines cthuloiden Bandes unterzubringen. Wie ihr es von mir gewohnt seit, möchte ich auch auf die Arbeit an diesem Band ein wenig zurückblicken und davon erzählen, wie eines zum anderen kam.

Als die Idee aufkam, den höchst beliebten und entsprechend bereits seit Jahren vergriffenen Band „Expeditionen“ einmal neu aufzulegen, war die Freude im Team groß. Es ist schade, dass viele ältere Bände ausverkauft und nie wieder verfügbar sein würden. Doch die Neuauflage der „Expeditionen“ zeigte auch, dass nicht immer alles so einfach ist, wie wir uns das als Fans vorstellen. Leider war es aus rechtlichen Gründen wohl unumgänglich, Teile des Bandes neu zu erstellen. Und auch die im Quellenteil vorgeschlagenen Regeln für Expeditionen waren noch auf die alte Regeledition gemünzt.

Insgesamt wurde so Platz für zwei neue Abenteuer frei. Während sich Kaid mit vollem Elan auf den neuen Quellenteil stürzte, hatte ich eigentlich gar nicht vor, mich an der Neuauflage zu beteiligen. Um ehrlich zu sein, war meine Ehrfurcht vor dem Originalband – den ich als einen der besten Bände zu CTHULHU in Deutschland ansehe – zu groß. Ich halte mich nach wie vor nicht für einen hervorragenden Abenteuerautoren, Quellenteile und Hintergrundmaterial liegt mir einfach mehr. Doch dann fiel eine der beteiligten Autorinnen kurzfristig aus und es drohte, ob der Kürze der zur Verfügung stehenden Restzeit, eine Neuauflage des Bandes mit nur vier Abenteuern. Das war dem Moment, an dem ich mich aufraffte um doch noch einzuspringen und ein Abenteuer beizusteuern und eine kurze Zusage vom Chefredakteur reichte, um mich ans Arbeiten zu bringen.

Ein Blick auf meine „Cthuloide Weltkarte“ – ja, ich lese hin und wieder tatsächlich alte Blogeinträge von mir 🙂 – machte mir rasch deutlich, in welcher Region ich mich bewegen wollte: die Karibik! (Zugegeben, die Karte ist nicht mehr gaaanz aktuell und könnte eigentlich noch einmal eine Überarbeitung vertragen!) Ich machte mich auf die Suche nach Inspiration und begann, im Forum verschiedene Ideen mit Kaid zu diskutieren. Dieser brachte dann Athu, einen Avatar Nyarlathoteps ins Spiel, auf den ich eigentlich auch hätte selbst kommen können. Denn immerhin war dieser Avatar auch die zentrale Gottheit in meinem ersten CTHULHU-Abenteuer, „Der Gesichtslose Gott“, dass ihr auch immer noch hier auf diesem Blog finden könnt. Das später titelgebende „Goldene Armband“ stammt dann auch direkt aus der Originalgeschichte, die Ahtu als cthuloide Wesenheit einführt. Mein Dank gilt damit einmal mehr einem Mitstreiter, in diesem Fall Kaid, der mich auf den richtigen Weg gebracht hat.

Der Rest ist dann, wie man so schön sagt, Geschichte. Ob der strammen Deadline ist mein „Der Fluch des goldenen Armbands“ ein verhältnismäßig kurzes Abenteuer. Ich hoffe natürlich dennoch, das es nicht nur als reiner Lückenfüller wahrgenommen wird. Gerade das „Lokalkolorit“ inklusive Voodoo-Kult und „Piraten“ mit Holzbeinen und Haken statt Händen hat viel Spaß bei der Niederschrift gemacht. Ich hoffe, ihr habt auch euren Spaß an dem Abenteuer. Und wenn ihr es einmal erlebt habt, dann lasst mir doch einen Kommentar hier!

RPG-Blog-O-Quest #062: Gegensätze

Und schon wieder ist es Zeit für eine neue Blog-O-Queste! In diesem Monat nimmt sich mal wieder die gute Timberwere der Queste an und stellt nach den sehr tagesaktuellen Fragen der Vormonats-Queste wieder eher allgemeingültige Fragen. Meinen Daank dafür! Mal schauen, wie es im Hause Seanchui so mit Gegensätzen aussieht.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk!

1. Was sind die gegensätzlichsten Regelsysteme, die du bisher gespielt oder geleitet hast?

Oha. Ich beziehe das jetzt mal auf das REGELsystem, nicht auf das Setting. Da dürfte auf der einen Seite wohl „DSA 4.1“ als Komlexitäts-Schwergewicht stehen, während in der anderen Ecke des Rings „Geh nicht in den Winterwald“ mit einem W6 auskommt, um alle Handlungen zu simulieren.

2. Als Spieler.in: Spielst du üblicherweise eher gegensätzliche Charaktere oder ähneln sie sich meistens?
Als Spielleiter.in: Welche Methoden wendest du an, um gegensätzliche NSCs darzustellen?

Als Spieler: Sie ähneln sich meist. Ich spiele allerdings auch viel zu selten, um hier großes Charakterspiel an den Tag zu legen 🙂

Als Spielleiter: Nun, eigentlich versuche ich das wie so oft über die Stimme zu regeln. Ich bin nicht so der große Schauspieler, heißt, bei Person A zucke ich mit der linken und bei Person B mit der rechten Augenbraue :-). Aber mit der Stimme, da kriege ich auch Unterschiede hin.

3. Kommt es in deinen Gruppen häufiger zu Gegensätzen zwischen den SCs (Stichwort: gegensätzliche Interessen der Charaktere, Streit und Konflikte zwischen den Charakteren etc.) und wie geht ihr damit um?

Nein. Es kommt zu neckischen Rivalitäten, aber das war es dann auch.

4. Wie bringt ihr in deinen Gruppen Gegensätze am Spieltisch (Stichwort: Gegensätzliche Spielvorlieben, auffällige vs. unauffällige Spieler.innen etc.) unter einen Hut?

Ich versuche eigentlich, meinen Spielern gemäß ihrer Rollenwahl immer mal wieder ein Spotlight zu bieten. Unauffällige Spieler spiele ich direkt an, das ist meist auch kein Problem. Gegensätzliche Spielvorlieben werden Off-Topic diskutiert – wenn es nach mir geht, dann NACH dem Spieleabend. Da ich als Spielleiter recht flexibel bin, versuche ich mich dann nach Ende der Diskussion anzupassen.

5. Hast du schon einmal dasselbe Abenteuer zum zweiten Mal gespielt bzw. geleitet bzw. in unterschiedlichen Abenteuern ähnliche Situationen erlebt, die an den beiden Malen komplett gegensätzlich abgelaufen sind? Und wenn ja, wie ist es gelaufen?

Nein, ich habe tatsächlich noch nie ein Abenteuer zweitverwertet. Das stelle ich mir als SL langweilig vor.

Happy Birthday, Seanchuigoesrlyeh!

Auf den Tag genau 10 Jahre ist es nun her, dass ich den ersten Beitrag auf diesem Blog veröffentlicht habe. Und meine Güte, was waren diese zehn Jahre für mich eine aufregende Zeit!

Bereits vor diesem Blog betrieb ich mehrere Blogs, die sich dem Sammelkartenspiel „Magic: The Gathering“ widmeten. Ich war nie ein guter „Magic“-Spieler, und entsprechend schlecht waren die Blogs. Es war kein großer Verlust, als ich vor einiger Zeit entschied, auch den letzten Blog davon offline zu stellen. Doch ich hatte immer das Bedürfnis, ein Hobby von mir über den heimischen Spieltisch hinaus kreativ zu gestalten. Diese kreative Energie entlud sich nun einmal – eher zufällig, wie ich meine – in schlechten „Magic“-Decklisten. Doch der Schritt „zurück“ zum Rollenspiel war naheliegend. Und so brauchte es nur erste, zarte Gehversuche mit „Cthulhu“ – ein Spiel, dass ich bereits Jahre vorher gekauft, aber nie gespielt hatte – sowie einen sanften Schubs eines Kommentatoren, um mich darauf zu bringen, doch einen eigenen Rollenspielblog zu gründen.

„Cthulhu“ in den letzten 10 Jahren

Was ist alles passiert in diesen zehn Jahren? Nun, als ich diesen Blog eröffnete, gab es mit cthulhu.de einen extrem umtriebigen und von einer Gruppe hoch“professioneller“ Spieler und Autoren geführten Cthulhu-Blog. Frank Heller war Chefredakteur der deutschen Ausgabe, das Magazin „Cthuloide Welten“ erschien halbjährlich und Manfred Escher designte surrealistische „Cthulhu“-Cover. Das „Cthulhu-Forum“ war eine eigenständige Website mit einer rückblickend eingeschworenen Gemeinschaft, die sich so manchem Rollenspieltrend verweigerte.

Wer heute auf das aktuelle Produktportfolio von „Cthulhu“ blickt ahnt, dass sich fast alles verändert hat. Heiko Gill führt mittlerweile das redaktionelle Zepter, von der „CW“ ging es über zu „Cthulhus Ruf“ (ein tolles Fanzine, dessen Beginn leider aber auch das Ende von cthulhu.de als Blog markierte) und schließlich zum „Lovecrafter“. Das Forum ist mittlerweile in die Forenlandschaft von Pegasus integriert und merklich spärlicher besucht. Und auch das Design des Spiels hat sich geändert und mehr dem amerikanischen Original angelehnt. Nahezu unverändert geblieben ist aber der Erfolg des Spiels.

„Seanchui“ in den letzten 10 Jahren

Die Eröffnung von „Seanchuigoesrlyeh“ markiert meinen Wiedereinstieg in das Rollenspiel als Kreativer. In jungen Jahren hatte ich bereits einige Fanzine-Ausgaben verfasst (ich berichtete), eigene Abenteuer geschrieben (allerdings nie veröffentlicht) und auch eigene Übersetzungen für meine Spielrunde angefertigt (die knapp sechsseitige Regelzusammenfassung für „Fading Suns“ existiert immer noch als Hardcopy). Darüber hinaus habe ich nie aufgehört, mich als „Rollenspieler“ zu betrachten, auch, wenn unsere damalige Gruppe bereits auseinander gebrochen war. Doch erst mit diesem Blog wuchs in mir der Entschluss heran, „mehr“ aus diesem Hobby zu machen, als bisher. Ich wollte zu den „Kreativen“, den „Schaffenden“ gehören. Und ein Blog ist dazu ja erst einmal ein guter Einstieg. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Mittlerweile schreibe und schrieb ich für verschiedene Webseiten, Magazine und sogar Rollenspiele. In den letzten zehn Jahren…

  • …verfasste ich fast 600 Blogeinträge auf diesem Blog. Darunter finden sich auch Wiederveröffentlichungen des eingestellten Blogs cthulhu.de, die hier eine neue Heimat gefunden haben
  • …veröffentlichte ich sechs vollwertige Szenarien und diverse Kurzschocker – sogar einen katzhuloiden – auf diesem Blog
  • …veröffentlichte und betreute auch teilweise diverse Abenteuer anderer Autoren hier auf diesem Blog
  • …schuf ich meine eigene OSR-Interpretation verschiedener cthuloider Wesenheiten und veröffentlichte sie hier auf diesem Blog
  • …verfasste ich mehrere Gastbeiträge für andere Blogs wie FateRPG oder PnPNews
  • …verfasste ich über 300 Rezensionen für den Ringboten
  • …führte ich diverse Interviews und verfasste mehrere Messeberichte für den Ringboten
  • …verfasste ich rund zwanzig Einseiter für den Winter-OPC sowie Beiträge für den WTSC, Drachenzwinge-Wettbewerbe oder Tanelorn-Challenges
  • …verfasste ich einen Private-Eye-Kurzschocker, der heute nur noch sehr schwer zu finden ist
  • …veröffentlichte ich meine ersten Fantasy-Abenteuer auf drivethrurpg.com
  • …designte und druckte ich drei Flyerabenteuer für den GratisRollenspielTag
  • …verfasste ich drei „Shots“ für NIPAJIN, die in den gleichnamigen Sammlungen enthalten sind
  • …veröffentlichte ich mit „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“ ein eigenes Rollenspiel-Quellenbuch für „Cthulhu“
  • …veröffentlichte ich dank des „System Matters Fanzine-Wettbewerbes“ eine vierte Ausgabe meines eigenen Fanzines „Vision“
  • …schrieb ich verschiedene Artikel für „Cthulhus Ruf“, die sich in mehreren Ausgaben wiederfinden. Außerdem konnte ich hier erste Erfahrungen im Aufarbeiten von Texten sammeln, da ich maßgeblich an „Die Hügel des Schreckens“ beteiligt war
  • …übernahm ich hälftig die redaktionelle Leitung des „Lovecrafter online“. Seither veröffentlichten mein Redaktionspartner und ich über zwanzig Artikel verschiedener Autoren
  • …übernahm ich die redaktionelle Leitung des „PLAY“-Teils des „Lovecrafters“. In den bislang von mir mitbetreuten sechs Ausgaben konnte ich nicht nur zahlreiche Artikel von verschiedenen Autoren betreuen, sondern durfte auch einige eigene Artikel unterbringen
  • …arbeitete ich intensiv am Schnellstarter für „FHTAGN“ mit und steuerte auch das dort enthaltene Abenteuer „Die Außenseiter“ bei
  • …stieß ich dank eines hervorragenden zweiten Platzes in einem Autorenwettbewerb zum „Cthulhu“-Autorenteam. Seither konnte ich an fünf offiziellen Publikationen (zuletzt: „Expeditionen“) mitwirken, die Arbeit an zwei weiteren Publikationen hält noch an
  • …schrieb ich das von Pegasus publizierte Rollenspiel „Schwarze Tiefen“, passend zum Computerspiel „The Sinking City“
  • …schrieb ich das ebenfalls von Pegasus publizierte Rollenspiel „Desperados“, passend zum Computerspiel „Desperados 3“

Ich gebe zu, nachdem ich diese Liste herunter geschrieben habe: Es klingt ein wenig nach Selbstbeweihräucherung, all diese Tätigkeiten so aufzulisten. Doch es hilft mir auch selber dabei, einmal zu reflektieren was sich in den Jahren seit dem ersten Blogeintrag in meinem Rollenspielerleben so alles ergeben hat.

Happy Birthday, Seanchuigoesrlyeh!

Zugegeben, bei all diesen Tätigkeiten bleiben natürlich immer wieder Projekte auf der Strecke. Dazu gehört schlussendlich leider auch dieser Blog. Denn auch, wenn er gerade seinen zehnten Geburtstag feiert, so wird Euch Lesern sicher aufgefallen sein, dass sich hier in den letzten Jahren eher zweitverwertete Rezensionen und die monatliche Blog-O-Queste einfinden, gepaart mit ein paar wenigen News-Beiträgen. So wirklich viel ist das nicht mehr. Das mag vielleicht angesichts der zahlreichen anderen Aktivitäten nicht verwundern. Doch ein bißchen schade ist es natürlich auch – markiert der Blog doch einen kleinen Wendepunkt in meinem Rollenspielerdasein.

Danke, Seanchuigoesrlyeh. Ohne dich hätte ich vieles nie in Angriff genommen. Happy Birthday.

RPG-Blog-O-Quest #061: Zwischenbilanz Coronakrise

Und schon wieder ist es Zeit für eine neue Blog-O-Queste! In diesem Monat nimmt sich der Ackerknecht der Queste an und stellt Fragen rund um DAS dominierende Thema des Jahres: CORONA und unser Umgang damit. Ich bin des Themas zwar eigentlich reichlich müde, doch hey: keine Blog-O-Queste ohne mich! Mal schauen, wo uns das Ganze hinführt!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1) In der Summe bisher, war der Einfluss von Corona in Bezug auf Euer Hobby Rollenspiel negativ, irrelevant oder sogar positiv?

In Summe: irrelevant. Ja, es hat meine regelmäßige Spielgruppe arg ins Stolpern gebracht. Oder eher gesagt: bisher haben wir uns immer nur Grüppchenweise getroffen. Aber in Summe – ich habe in diesem Jahr reichlich Zeit gehabt, um Material zu schreiben, habe eine deProfundis-Runde gestartet und English Eerie gespielt, habe sogar meine ersten Online-Gehversuche hinter mir UND ich habe wieder reichlich Rezensionen bei den Ringboten platziert. Nein, Corona hält mich nicht auf, auch, wenn mein Rollenspielkeller ein wenig eingestaubt ist.

2) Was war denn die gravierendste Auswirkung der Situation aufs Hobby?

Ja, in erster Linie die Tatsache, dass wir uns eine ganze Zeit lang nicht mit allen treffen DURFTEN (zu viele Haushalte…). Daher pausiert auch gerade meine Kampagne.

3) Glaubt Ihr, dass das Hobby wird irgendwann wieder „normal“ werden wird? Mit dichtem Gedränge an der Con-Rundenliste und nächtelangem Zocken mit Personen aus fünf verschiedenen Haushalten in einem schlecht belüfteten Keller? 

Selbstverständlich, ja.

4) Habt Ihr ein geiles Hobby-Projekt für „die Zeit danach“ in Arbeit? Ein nie dagewesenes Roll20-Skript? Eine neu bemalte WH40K-Armee? Ein episches LARP Kostüm?

Nun, natürlich habe ich ein wenig Vorarbeit in Bezug auf meine Kampagne geleistet. Aber das ist ja ohnehin unabhängig vom Spielrhythmus immer mal wieder fällig. Das ich aber etwas episches neues gebastelt hätte, das jetzt in meiner Schublade liegt und darauf wartet, auf die Menschenmassen losgelassen zu werden: nein, das habe ich nicht.

5) Habt Ihr die Situation schon einmal im Spiel aufgenommen? Habt Ihr den lang geplanten Seuchenplot endlich ausgespielt? Oder habt Ihr den lang geplanten Seuchenplot endgültig zu den Akten gelegt? Versteht Ihr jetzt besser, was VITAS für die Welt von Shadowrun bedeutet?

Nein, nichts dergleichen. Aber meine Rollenspielrunden haben ohnehin selten irgendwas mit Tagesgeschehen zu tun.

RPG-Blog-O-Quest #060: 5 Jahre – Geburtstage und Jubiläen

Die Blog-O-Queste feiert ihren fünften Geburtstag! Und damit gebührt es wieder einem der ursprünglichen Ausrichter, dem guten Würfelhelden, die Fragen zu stellen! Mal schauen, welche feierlichen Fragen uns erwarten!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. Wie feiern Deine Charaktere Geburtstag?
Überhaupt nicht. Selbst die wenigen Charaktere, die ich über einen längeren Zeitraum führen konnte, haben auch nur einmal ihren Geburtstag gefeiert. Ich weiß nicht mal recht warum, wahrscheinlich waren wir immer zu beschäftigt.

2. Wie werden Jahrestage/Jubiläen in Deiner Runde gewürdigt/begangen?
Ach, eigentlich kaum. Ich habe ja mittlerweile schon ein paar Runden durch und große Jahrestage haben wir uns nie gemerkt. Und InGame gibt es natürlich mal Feierlichkeiten, aber keine Jahrestage/Jubiläen…

3. Findest Du das dieses Thema genügend Platz beim spielen findet?
Ach, eigentlich schon, denn ich vermisse nichts :-).

4. Was ist das einprägsamstes Ereignis welches während einer Feier passiert ist?
Die – oft gescholtene, aber von uns als epische Queste empfundene – Kampagne „Jahr des Feuers“ für DSA beginnt mit dem Turnier von Gareth nebst großem Stadtfest… gleichzeitig beginnen auch die Ereignisse der Kampagne ihre Schatten vorauszuwerfen. Das war wahrscheinlich InGame das einprägsamste Fest, das wir erlebt haben.

5. Was wünscht Du der Queste?
Viele fleißige Ausrichter, viele interessante Fragen und ein langes, langes Leben :-).