RPG Blog-o-Quest Januar 2018 (41): Blut und Stahl

Die 41. Folge der Blog-O-Quest. Das sind ja schon über drei Jahre Frage-und-Antwort-Spiele. Hm. Die Fragen stammen diesen Monat dankenswerterweise von Nerd-Gedanken! Ehrlicherweise fallen die Antworten diesen Monat wohl recht knapp aus, doch ich möchte meine weiße Weste bzgl. der Queste dann doch nicht aufgeben :-).

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Nun aber auf an die aktuellen Fragen!

1. Lieber strahlende Kriegerheldin oder zwielichtiger Söldner?
Hm. Das kommt sehr aufs System und das Setting an. Gestartet habe ich meine Rollenspielkarriere mit dem Typ „strahlende Kriegerin“, mag es mittlerweile aber lieber vielschichtiger. Da ich aber als Dauer-SL ohnehin kaum zum Spielen komme… wenn es mal soweit ist, dann liegt mein Fokus ohnehin dann eher auf abseitigeren Charakterkonzepten.

2. Spielst Du selbst einen Kriegercharakter? Wenn ja, stelle ihn oder sie hier doch einfach mal vor – wenn nein, verrate Deinen Lesern, warum Du keinen Kriegercharakter spielst.
Aktuell habe ich keinen eigenen Charakter, da ich so gut wie ausschließlich leite. Mein letzter Langzeit-Charakter war ein bornischer Schiffer, der allerdings im Krieg gegen Borbarad gekämpft hat. Also schon eine Art Krieger. Aber eben dann doch eher bornischer Schiffer :-).

3. Pleiten, Pech und Pannen gibt es immer dann, wenn Spieler kritisch auf Würfel treffen. Teilt eure Erinnerung an den witzigsten, seltsamsten, unpraktischsten oder gefährlichsten Patzer in einer Kampfsituation!
Tja, auch hier passieren eher Patzer auf SL-Seiten. Z. B., wenn ich bei einem epischen Endkampf mal wieder vergesse, welche magischen Kleinodien ich meiner Gruppe im Laufe ihrer Kampagne zugeschustert habe und sich das tödliche Duell rasch in eine recht einseitige Angelegenheit verwandelt :-). Würfelpatzer oder ähnliches sind mir kaum im Gedächtnis geblieben.

4. Größere Schlachten verkommen im Pen’n’Paper gerne zu einer üblen Würfelorgie. Wie handhabt Ihr das Kampfgeschehen mit vielen beteiligten NPC in eurer Spielrunde und welche Elemente braucht es, damit eine Massenschlacht für Dich spannend bleibt?
Ich versuche mit Schlaglichtern zu arbeiten und den Charakteren ihren eigenen, „kleinen“ Kampf im großen Kampf zu liefern. Ruhepausen dienen dann dazu, sich einen Überblick über den generellen Verlauf der Schlacht zu verschaffen. Klappt meist eher so la la, daher spielen Massenkämpfe bei mir eher selten eine Rolle :-).

5. Kein Kriegerleben ohne Blut und Tod – was war die schlimmste Wunde oder der epischste Tod, den Du im Kampfgeschehen bisher miterlebt hast?
Auf diese Frage will mir keine rechte Antwort einfallen. Im Zuge des „Jahr-des-Feuers“-Kampagne haben wir manche Umwälzung in Aventurien erleben dürfen, aber mir ist hier nichts mehr so präsent, als dass ich es besonders hervorheben könnte. Und bei CTHULHU neigen zwar Investigatoren zu vorzeitig-gewaltsamem Ableben, aber selten im „Kampfgeschehen“ :-).

Bonusfrage: Nennt eure kriegerische Lieblingsklasse (gern auch Kombiklasse) und das dazugehörige Rollenspielsystem!
Hm, keine Ahnung. Ist nicht so meine Baustelle. Die Waldelfen-Klingentänzer für das alte „Warhammer“ fand ich immer sehr stylisch, oder die Phönixkrieger. Ob es dafür allerdings eine rollenspielerische Entsprechung gibt, weiß ich gar nicht, da sie mir nur im Table-Top begegnet sind.

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Zwischen den Jahren… Version 2018

Advent? Check. Weihnachten? Check. Rauhnächte? Check.

Ein weiteres Jahr des cthuloiden Bloggens nähert sich dem Ende und wie üblich werde ich an dieser Stelle ein wenig sentimental. Daher möchte ich – wie es diese Zeiten nun einmal mit sich bringen – alte Traditionen aufrecht erhalten und Euch an vergangenem und geplantem teilhaben lassen. Schauen wir uns doch einmal an, was das letzte Jahr für meinen Blog so bereithielt:

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch wieder ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Ich durfte über 18.000 Leser im gerade vergehenden Jahr auf meinem Blog begrüßen. Damit sind die Leserzahlen hier zwar leicht rückläufig, doch das lässt sich mit dem fehlenden Adventskalender erklären, der im letzten Jahr doch für deutlich mehr Traffic auf meinen Seiten sorgte. In diesem Jahr war ich schlicht nicht organisiert genug, um rechtzeitig mit der Planung eines Adventskalenders zu beginnen. Vielleicht im nächsten Jahr wieder 🙂
  • Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr 66 Blogeinträge verfasst. Auch die Zahl der Einträge ist damit leicht rückläufig und ja, natürlich haben sich auch einige „Cthulhus-Ruf-Bestseller“-Artikel dazwischengemogelt. Doch ich bin meiner persönlichen Zielsetzung, ca. einen Beitrag in der Woche hier zu liefern, nach wie vor treu geblieben.
  • Gerade einmal sechs Rezensionen haben es auf diese Seiten geschafft, und davon sind auch gerade einmal zwei tatsächlich Rollenspielpublikationen gewidmet. Nun, das ist dem simplen Umstand geschuldet, dass ich nunmehr Teil des CTHULHU-Autorenteams bin. Zwar nimmt mir das weder meine eigene, kritische Meinung noch schützt es Verlag und Redaktion davor, sich mit meiner oftmals engstirnigen und kritischen Sichtweise auseinandersetzen zu müssen (…nachzulesen im cthulhu-forum…). Doch ich möchte natürlich meinen Kollegen im Team nicht ständig „in die Parade“ fahren und ihre Texte hier schlecht machen oder hochjubeln. Das widerspricht meiner Vorstellungen eines „Team“-Gedankens. Daher habe ich hier den Rezensions-Output deutlich reduziert.
  • Wie immer war ich bemüht, ein wenig Spielmaterial zu präsentieren. Da kam mir die Wiederbelebung der „Beststeller“-Rubrik natürlich sehr gelegen. Ich selbst habe zwar auch ein paar PDFs hier online stellen können, allerdings ist das für den OPC entstandene Material dann doch eher wenig cthuloid angehaucht.

Abseits des Blogs war ich deutlich fleißiger. Wie ich erwähnte habe ich die PLAY-Redaktion des Lovecrafters, dem Vereinsmagazin der dLG übernommen und konnte mit meinen genialen Autoren in beiden Ausgaben des ablaufenden Jahres einen bunten Strauß von Spielmaterialien präsentieren. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der dLG entstand mein Abenteuer für den „FHTAGN“-Schnellstarter, den ihr HIER herunterladen könnt. Ein weiteres besonderes Augenmerk lag auf dem Ringboten, dem ich im vergangenen Jahr viel Zeit gewidmet habe. Für den Ringboten entstanden eine Unmenge an Rezensionen und Artikel, über siebzig an der Zahl. Hier konnte ich ganze „DSA“-Pakete besprechen, Erzählspiele, Hörspiele und Rollenspielmusik… die Bandbreite des von mir konsumierten und bewerteten (und tatsächlich oftmals auch verwendeten) Materials übersteigt die cthuloiden Möglichkeiten dieses Blogs um ein vielfaches und ich bin froh, mich dort austoben zu können.
Zu guter Letzt habe ich auch im CTHULHU-Team mitgearbeitet. Mein Name wird wohl in der einen oder anderen Publikation im Jahr 2019 auftauchen, und auch, wenn ich nicht vollumfänglich zufrieden bin, bin ich doch stolz darauf, hier mein Scherflein beitragen zu dürfen.

Was hätte sein sollen?

Als nächstes möchte ich mich ein wenig mit meinen Planungen vergleichen. Gucken wir doch noch einmal, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte:

Weitergehen wird es mit meinem „normalen“, redaktionellen Artikelprogramm: Hin und wieder eine News-Meldung, Rezensionen von interessanten Produkten und Spielberichte, so es denn etwas Berichtenswertes gibt. Dazu kommen – wenn alles klappt – auch wieder ein oder zwei Szenarien aus meiner Feder.

Da habe ich nicht viel hinzuzufügen.

Gerade arbeite ich außerdem an einer Artikelreihe, die sich mit Geistern, der Gaslichtära und Investigatoren dazwischen beschäftigen soll. Ich habe schon einen groben Rahmen fertig, doch wann ich damit online gehen werde, kann ich noch nicht genau abschätzen.

Tja, das ist dem Zeitmangel zum Opfer gefallen. Das Thema ist allerdings „nur“ aufgeschoben und nicht aufgehoben. Ich möchte hier unbedingt noch etwas machen.

Die Beschäftigung mit dem OPC – vorher wie hinterher – hat hier auch eine schöne Tradition, die ich fortzusetzen gedenke. Außerdem habe ich die besondere Ehre, im Juni die RPG-Blog-O-Queste ausrichten zu dürfen! Ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie man sich aus Ausrichter fühlt und wie die Resonanz auf die Queste sein wird.

Ich denke, den OPC habe ich auf diesen Seiten mehr als gewürdigt. Eine großartige Veranstaltung und in diesem Jahr sogar Doppelsieger zu sein, freut mich immer noch ungemein. Und auch die Juni-Queste hat extrem viel Spaß gemacht. Die Ausrichtung war ja etwas… spezieller… und so hat es gedauert, bis die ersten Beiträge eintrudelten. Doch es sind großartige Beiträge geworden und ich bin sehr froh, dass so viele Bloggerkollegen mitgemacht haben!

Geplantes für 2019

Wie immer möchte ich meinen Jahresrückblick mit einem kleinen Ausblick auf das schließen, was Euch – geplant – im nächsten Jahr hier erwarten soll.

?

Tatsächlich bin ich noch recht unschlüssig, wie es hier weitergehen kann und soll. Das wird in erster Linie davon abhängen, welche meiner rollenspielerischen Hobby-Tätigkeiten ich im nächsten Jahr noch in vollem Umfang nachverfolgen möchte. Die Mehrfach-Belastung aus Autor, Rezensent und Redakteur schlägt sich immer mehr hier in diesem Blog nieder. Und natürlich macht die regelmäßige Teilnahme an der Blog-o-Quest zwar Spaß, doch tragen die gelegentlichen Nähkästchen-Plaudereien auch nicht wirklich durch ein Blogjahr. Die Früchte aller übrigen Tätigkeiten, die aber mit deutlich mehr Arbeit zusammenhängen – wie die Niederschrift längerer Artikel, das Verfassen von Rezensionen oder die Zusammenarbeit mit anderen Autoren, egal ob aus Wettbewerben oder anderen Hintergründen heraus – fließen erst einmal in andere Projekte, bevor sie den Blog betreffen können. Von daher ist es schwierig, genaue Prognosen über den Fortgang hier auf diesen Seiten zu stellen.

Wenn ich wider Erwarten größere Zeitfenster in meiner persönlichen Planung sehe, dann möchte ich…
…die „Geisterjäger im Gaslicht“-Artikel auf den Weg bringen
…endlich wieder ein eigenes Blog-Abenteuer schreiben
…Artikel über deutsche Sagen und Legenden einführen
…etwas für den GRT basteln
…wieder aktueller mit News-Artikeln dabei sein
…unbedingt etwas zu Cthulhu Wild West machen
…unbedingt etwas zu Katzulhu machen
…einen Wettbewerb ausrichten

Doch das ist – wie gesagt – überhaupt nicht abzuschätzen. Doch all diese Themen bewegen mich nach wie vor. Seufz.

Für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2019 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui

Warum die Großen Alten nicht böse sind

Hallo zusammen,

der Karneval der Rollenspielblogs steht in diesem Monat unter dem Motto „Das Böse“. Die Organisation übernimmt dankenswerterweise Niniane von Storiesandcharacters. Und diskutiert werden darf über das Ganze dann auch noch HIER.

Das Böse

…ist eigentlich ein äußerst undankbares Thema, um es auf einem cthuloiden Blog zu besprechen. Denn entgegen der Erscheinung im cthuloiden Rollenspiel sind die Großen Alten, Äußeren Götter und Mythosrassen nun einmal nicht böse. Sie folgen Prinzipien, Regeln und Gesetzen die weit außerhalb der Vorstellungskraft der Menschheit liegen. Damit kommen sie womöglich ein ums andere Mal mit den Interessen einzelner Menschen in Konflikt. Doch sie tun das keineswegs, weil sie Macht, Gewinn oder Sieg über ihre menschlichen Gegenspieler anstreben, sondern eher aus reinem Zufall.

Dazu kommt, dass die Menschheit als Rasse der Unwissenden, als Nichtsehende in einem schwarzen Ozean voll grausamen Wissens, schlicht völlig unwichtig für die meisten Mythosentitäten ist. Wir sind kein Übel, dass es zu beseitigen gilt, um die eigenen undurchsichtigen Pläne voranzutreiben. Wir stehen den MiGo nicht im Weg dabei, die Bodenschätze unseres Planeten auszubeuten. Wir sind es nicht, die verhindern, dass Azathoth das Universum verschlingt und neu gebiert. Wir spielen in den endlosen Plänen der Großen Rasse keine Rolle. Nein, die Menschheit ist unwichtig.

Wenn ein Mensch einen Ameisenhaufen, der sich direkt vor dem Küchenfenster eingenistet hat, mit heißem Wasser übergießt um seine Vorräte und Hygiene zu schützen, wird er wohl von den wenigsten seiner Mitmenschen als „Böse“ betrachtet werden. Für die Ameisen jedoch muss er einer göttlichen Vernichtungswelle gleich in all seinem Hass und zerstörerischer Gewalt handeln, tausende von ihnen in den Tod reißen und Heim und Hof vernichtet zurücklassen. Ebenso lässt sich das Verhältnis der meisten Mythos-Wesenheiten zur Menschheit kategorisieren – sie handeln nicht aus Boshaftigkeit, geschweige denn weil die Menschheit als Ganzes ein Problem darstellt. Sie handeln, um ihre eigenen, uns nicht erklärbaren Interessen zu wahren.

Das interessante an der Regelmechanik „Stabilitätspunkte“ ist in meinen Augen sogar, dass das Absinken der Stabilität einen Investigator mitnichten „böse“ werden lässt. Klar, manch einer endet als „böser“ Kultist, doch auch hier geht es nicht darum, den aus dem Spiel ausscheidenden Charakter „böse“ zu machen. Er verliert schlicht den menschlichen Verstand. Sein Geist konnte mit dem Wissen, dass er im Laufe seiner Abenteurerkarriere sammelte nicht länger fertig werden. Er wird damit einer Mythoswesenheit ähnlicher, als es für einen Menschen gesund sein kann und seine Ideen, Ziele und Interessen lassen sich nicht länger mit einem von Moral und Ethik geprägten menschlichen Miteinander vereinbaren. „Wahnsinn“ ist der Name, den das Regelwerk diesem Zustand gibt, „Mythosifizierung“ oder besser noch „Erleuchtung“ wären allerdings auch gangbare Nomenklaturen gewesen.

Das Böse

…hat aber – natürlich – auch im cthuloiden Rollenspiel ein Gesicht bekommen. Zumeist sind es tatsächlich die Menschen, die im cthuloiden Rollenspiel in die Rolle der Bösewichter schlüpfen dürfen. Dabei kommt es oft zu einer interessanten Konstellation:

Die Menschen – Kultisten, Zauberer, Machthungrige – sind dabei oft tatsächlich nach menschlichen Maßstäben als „böse“ einzustufen. Für ihre eigenen Interessen, die eigene Macht verlassen sie die Pfade der Moral und sind bereit, anderen Menschen Schreckliches anzutun. Damit unterscheiden sie sich kaum von den Bösewichtern anderer Systeme. Interessant wird es, wenn sie sich den Kräften des Mythos bedienen um ihre eigenen Ziele zu verwirklichen. Mythosmagie ist nicht für den Menschen geschaffen und zermürbt seinen Geist ebenso wie der Kontakt zu den ausserweltlichen Schrecken, die manche Kultisten zu rufen imstande sind. Sie selbst haben also unmittelbar unter den Auswirkungen ihrer eigenen Taten zu leiden, verlieren selbst den Verstand und die Bindung an die menschliche Realität.

Dazu kommt der oben beschriebene Umstand, dass Großen Alten wie kleinen Dienerrassen die Interessen und Ziele der Menschen zumeist völlig gleichgültig sind. Ein durch Mythosmagie herbeigerufener „Hetzender Schrecken“ mag sich tatsächlich aus einem Impuls heraus an Feinden des Magiers gütlich tun. Doch gibt es keinen Grund, warum er sich nicht ebenso gegen den Beschwörer richten solle. Der äonenalte Cthulhu-Kult, der rund um den Erdball an der Auferstehung des Großen Alten arbeitet, wird wohl selbst sein erstes Opfer werden. Mitnichten wird ein generöser Gott seinen Anhängern Macht und Beistand gewähren, die ihn aus Jahrmillionen währendem Schlaf erweckten. Tatsächlich wird er sie ebensowenig wahrnehmen und schützen wie den Rest der Menschheit, wenn er – seinen eigenen, unergründlichen Gesetzmäßigkeiten folgend – seinen Zerstörungszug über die Erde unternehmen wird, dann, wenn die Sterne richtig stehen.

Das Böse

…hat in „Cthulhu“ noch ein zweites Gesicht verliehen bekommen. Nyarlathotep, der Götterbote, wird oft als Chaosbringer charakterisiert. Er weidet sich an dem Chaos, dem Tod und der Zerstörung, die seine kurz-, mittel- oder langfristigen Pläne über Einzelne oder ganze Länder und Kontinente bringen können. Doch auch hier steht außer Frage, dass es Nyarlathotep wohl kaum um die Menschheit geht und das noch manch andere unbedarfte oder mythosbewanderte Rasse unter seinen Ränkespielen zu leiden haben dürfte.

Das Böse

…ist ein hervorragender Mittelpunkt für ein Abenteuerrollenspiel, wie es auch „Cthulhu“ sein will. Durch das Gesicht der menschlichen Gegenspieler und die offensichtlich mögliche Instrumentalisierung des Mythos für die Zwecke der finsteren Kultisten ist ein Gegenpol zu den Investigatoren geschaffen, den es als klares Ziel zu bekämpfen gilt. In den meisten Szenarien wird selbst dann, wenn Mythosrassen als direkte Gegenspieler auftreten, eine Position aufgebaut, in der diese Wesen aus irgendeinem Grund den Investigatoren oder ihren Begleitern negativ gegenüberstehen und im klassischen Sinne böse erscheinen müssen. Dem Spiel ist es somit möglich, wie viele andere Rollenspiele Erfolge zu ermöglichen, einen oder mehrere Siege über das Böse durch die Hand der Investigatoren.

Doch ehrlicherweise werden so viele Szenarien dem Gedanken hinter dem Mythos nicht gerecht. Und es mag interessant sein, sich dieses Konzept noch einmal vor Augen zu rufen, auch, wenn manches Abenteuer ein deutlich bitterer Beigeschmack begleiten könnte, wenn die Unmenschlichkeit der Gegenspieler und die Unwichtigkeit des eigenen Seins, zentrale Konzepte von Lovecrafts literarischem Schaffen, Bestandteil des Szenarios sind.

OPC 2017: Mein Abschluß

Hallo zusammen,

der OPC, der von Greifenklaue und Würfelheld seit Jahren grandios durchgeführte und organisierte OnePageContest ist Geschichte. „Nanu?“ darf der eine oder andere, aufmerksame Leser jetzt fragen. „Hatten wir das nicht schon?“ Ja, irgendwie schon. Immerhin hat der gute Greifenklaue die Beiträge bereits pünktlich zum GRT veröffentlicht und sogar ich habe bereits meine „Cthuloide Nachlese“ geschrieben. Warum also jetzt noch mehr Worte über einen Wettbewerb verlieren, dessen Ursprünge immerhin bereits im Dezember vergangenen Jahres liegen?

Nun, ich habe bislang meine Beiträge hier noch nicht veröffentlicht, wie es gute Tradition ist. Außerdem würde ich gerne noch die eine oder andere Ergänzung dazu niederschreiben, weshalb sich dieser Beitrag anbietet. Und zum Dritten: ich habe in diesem Jahr wahrlich grandios abgeschnitten (für meine Verhältnisse geradezu unglaublich gut) und möchte daher auch noch einmal artig „Danke“ sagen und Euch an den grandiosen Preisen, die die Orga zusammengetragen hat, teilhaben lassen. Aber der Reihe nach.

Meine Beiträge

1. Das Himmelskloster (Kategorie: In der Luft)
Die Geschichte meines ersten Beitrages beginnt drüben beim Blog von Amel auf Einigen Seiten des Buches Eibon. Er hatte bereits vor einiger Zeit auf die hervorragenden Dungeons von Trilemma Adventures aufmerksam gemacht. Ich liebe die Arbeiten von Michael Prescott und konnte sein Material auch schon sehr gewinnbringend in meiner laufenden Kampagne einsetzen. Als der nächste OPC nahte, reifte in mir der Gedanke, einmal ein ähnliches Experiment zu wagen.

Die zweite Quelle der Inspiration lieferte mir James Gurney, Autor von Dinotopia. Bereits in jungen Jahren schenkte man mir und meinem Bruder den Bildband dazu und ich habe mich in die Zeichnung von Thermala, einem Kloster, verliebt. Ich wollte dieses faszinierende Bild schon immer rollenspielerisch umsetzen, und nun bot sich die Gelegenheit.

Ich zückte also ganz altbacken Papier und Bleistift und machte mich an die Arbeit. Zunächst galt es, eine eigene Interpretation von Thermala aufs Papier zu bringen. Ich bin kein sonderlich guter Zeichner, aber dank der Vorlage und einigen kleinen Korrekturen war ich recht bald mit dem Ergebnis zufrieden:

Dann begab ich mich an die Dungeonkarte, die natürlich Herzstück des Einseiters werden sollte. Da ich mich bereits für den äußeren Aufbau des Klosters reichlich hatte inspirieren lassen, war die innere Aufteilung keine große Sache mehr. Schwieriger war es, perspektivisch „richtig“ zu zeichnen. Ich bin mit dem Ergebnis nicht 100%ig zufrieden (insbesondere die kreisrunde Bibliothek ist reichlich schräg geworden), aber ich denke, auch viele weitere Versuche hätten kein sonderlich besseres Ergebnis zu Papier gebracht:

Nachdem die Karte fertig gescannt war, war die eigentliche Niederschrift des Dungeons ein Kinderspiel. Bei „Das Himmelskloster“ handelt es sich um meine ersten Gehversuche, etwas „OSR“-artiges auf die Beine zu stellen (sieht man von meinen „Beyond the Wall“-Monstern ab), daher wollte und konnte ich ohnehin nicht allzuviel schreiben. Dennoch war es zeitweise schwierig, auf einer Seite zu bleiben. Insbesondere zu den Gravitationsfallen hätte ich gerne mehr geschrieben, doch es mangelte am Platz. Meinem Mangel an Erfahrung ist es dann auch zu verdanken, dass sogar „Harry Potter“ für einen Raum Pate stehen musste. In Summe bin ich dennoch recht zufrieden: sogar eine kleine Zufallsbegegnungstabelle ist mit an Bord. Hier findet Ihr den fertigen Beitrag:

2. Die Uhrmacherwerkstatt (Kategorie: Roboter)
Mein zweiter Beitrag sollte sich „Beyond the Wall“ widmen, immerhin bin ich ein großer Fan des Systems. Ich habe ja auch weite Teile meines Adventskalenders mit Material für diesen großartigen OSR-Klon gefüllt. Also war ich zu Zeiten des OPC gerade „in Übung“. Und da ich die Kombination von ungewohnten Tropen mag, entschied ich mich, etwas für „Roboter“ zu schreiben, obwohl das Thema scheinbar weitab von „Beyond the Wall“ angesiedelt ist.

Da es ein Einseiter sein sollte, und ich kein typisches BtW-Abenteuer mit seinen zahlreichen Zufallstabellen auf einer Seite unterbringen konnte, entschied ich mich zu einem Schauplatz nebst Abenteueraufhänger. Gott sei Dank bin ich „BtW“-Backer der ersten Stunde, weshalb ich die großartige „Schauplatzsammlung“ des System Matters Verlag mein eigen nenne. Ich holte mir hier also reichlich Anregungen über einen möglichen Aufbau der Seite.

Der Einseiter behandelt eine sehr klassische Geschichte. Ein Uhrmacher, dessen filigrane Kunst im Automatenbau für Kriegszwecke mißbraucht wurde, wendet sich angewidert von der Welt ab und lässt sich nahe des Dorfes der Charaktere nieder. Doch er plant, seine Erfindungen aus der Welt zu schaffen… Vielleicht gerade, weil die Geschichte so klassisch ist, fand ich sie sehr passend für „Beyond the Wall“. Eine Zufallstabelle mit Erfindungen des Uhrmachers rundet das Ganze BtW-typisch ab. Aber schaut vielleicht einfach selbst einmal rein:

3. Olde Routemaster (Kategorie: On the Road)
Der dritte Beitrag sollte etwas sein, dass ich auch für CTHULHU verwenden konnte. Immerhin ist das ja hier ein cthuloider Blog und ich nutze die OPC-Beiträge gerne, um mein Artikelprogramm hier zu unterfüttern. Als Inspirationsquelle möchte ich die hervorragende „Cthulhus Ruf“-Fanzeitschrift anführen: In der regelmäßigen Rubrik „Charakter der Ausgabe“ gelang es den Autoren ein ums andere Mal, ein ganzes Kampagnenkonzept an einem Charakter aufzuhängen. So etwas wollte ich auch einmal schaffen, und wenn schon nicht an einem Charakter, dann doch wenigstens auf einer Seite.

Da mich „Harry Potter“ bereits im „Himmelskloster“ begleitet hatte, schielte ich unverhohlen noch einmal in Richtung des Zauberlehrlings und fand den „Fahrenden Ritter“. So entstand also die Vorstellung von einem Bus, der irgendwie ein Kampagnenkonzept in sich vereinen sollte, was wohl am Besten gelänge, wenn er außerhalb von Raum und Zeit fahren würde. Was jetzt vielleicht ein bißchen schräg klingt wird hoffentlich verständlicher, wenn Ihr meinen Beitrag kennt:

Da waren sie meine Beiträge. Und nun?

SIEG!!!

Tatsächlich konnte ich mit meinen drei Beiträgen gleich zwei Kategorien für mich entscheiden. „Das Himmelskloster“ errang den ersten Platz ebenso wie „Die Uhrmacherwerkstatt“. Das Ergebnis ist absolut phänomenal, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich wirklich seit Jahren treuer Teilnehmer am OPC bin und noch nie über den dritten Rang hinausgekommen bin. Ihr könnt Euch kaum vorstellen, wie sehr ich mich über dieses Ergebnis gefreut habe.

Ein wenig verwundert hat es mich aber schon. Vielleicht lag es daran, dass die beiden Siegerbeiträge jeweils auf der ersten Seite der veröffentlichten Dokumentsammlungen standen und alle „Unentschlossenen und Lesefaulen“ einfach diese Beiträge als „Beste“ angegeben haben? Vielleicht habe ich auch dank regelmäßiger „Werbung“ hier auf dem Blog einfach die meisten „Stützstimmen“ von meinen Lesern erhalten? Ein Publikumspreis kann sowohl „mehr“ bedeuten denn ein Jury-Preis – oder eben auch weniger. Ich weiß es nicht. Ich hoffe einfach, möglichst viele von Euch tatsächlich überzeugt zu haben und ebenso hoffe ich, dass einige meiner Beiträge wirklich einmal den Spieltisch sehen. Ich würde mich freuen, von Euch darüber zu lesen!

Preise

Als Doppelsieger hatte ich in diesem Jahr Gelegenheit, aus den großartigen Preisen die Greifenklaue und Würfelheld mal wieder zusammengetragen hatten, aus dem Vollen zu schöpfen.

Zunächst entschied ich mich für das „DeGenesis“-Überraschungspaket. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was sich dahinter verbergen konnte. Doch „DeGenesis“ ist in seiner Rebirth-Edition so ein Hingucker, das ich mich über jedes Material gefreut hätte. Poster, Postkarten, Gimmicks: alles hätte zum Schmuck meines RPG-Kellers beitragen können. Was Tage später dann tatsächlich eintrudelte, verschlag mir völlig die Sprache:

Das sogenannte „Überraschungspaket“ war nichts weniger als ein „Komplett“-Paket des aktuellen Materials. Das ist absolut irre und ich möchte mich aufrichtig bei Sixmorevodka für diese Großzügigkeit gegenüber dem OPC bedanken!

Die zweite Wahl fiel auf Silicium von Erdenstern:

Bislang bin ich nicht über einen ersten Höreindruck hinweg gekommen – doch der war grandios. Wenn ich mich intensiv mit dem Album beschäftigt habe, werde ich Euch auf dem Ringboten davon zu berichten wissen 🙂

Als drittes gab ich einer alten Leidenschaft von mir nach: Piraten! Damit konnte ich dem von Pegasus ausgelobten Grundregelwerk von „7te See“ nicht widerstehen:

Und dann gab es da noch ein ganz besonderes Schmankerl, das mir zugestellt wurde: ein Gamerboard:

Die Verarbeitung ist wirklich sehr stabil, die mitgelieferte Materialfülle beeindruckend. Wir haben vor kurzem erst damit begonnen, Minis im Spiel einzusetzen und über Hexfelder zu bewegen und ich bin schon sehr gespannt darauf, erstmals das Gamerboard in Aktion zu erleben. Mein Dank gilt hier insbesondere dem freundlichen und wirklich raschen Team von Gamerboard!

Doch auch „Olde Routemaster“ steuerte noch einen Preis bei – die PDF von „Protektor: Das Rollenspiel“. Ich habe den Kickstarter nur mit einem Auge verfolgt, weiß aber von den dramatischen Umständen, unter dem das Projekt zu einem kurzfristigen Halt gekommen ist und auch von den ehrenhaften Bemühungen vieler, Protektor doch noch auf die Beine zu stellen. Ich lehne mich hier also sehr entspannt zurück und harre einfach mal der Dinge, die da kommen mögen. Und so absolut großartig sieht mein persönlicher OPC-Abschluß gesamt aus:

Danke!

Es bleibt mir nur noch, diesen Beitrag mit einem großen Dank zu schließen. Mein Dank gilt Greifenklaue und Würfelheld, dafür, dass sie all die Jahre immer und immer wieder die Mühe auf sich nehmen, den OPC zu organisieren. Mein Dank gilt den vielen Sponsoren, die absolut großartige Preise stiften und so den OPC immer wieder zu einem Erlebnis machen. Mein Dank gilt den vielen Autorinnen und Autoren, die absolut grandiose Beiträge auf einer Seite unterbringen und immer wieder unter Beweis stellen, wie kreativ und vielseitig die deutsche Rollenspiellandschaft ist. Und natürlich gilt mein Dank allen Lesern und Usern, die für meine Beiträge gestimmt haben.

„Nachts im Schwarzwald“ im Karneval der Rollenspielblogs

Hallo zusammen,

der Karneval der Rollenspielblogs steht in diesem Monat unter dem Motto „First Contact oder vom Einsteige(r)abenteuer“. Die Organisation übernimmt dankenswerterweise Dnalor von Dnalorsblog. Und diskutiert werden darf über das Ganze dann auch noch HIER.

Nachts im Schwarzwald

Das Abenteuer „Nachts im Schwarzwald“, das lange in den Schnellstartregeln enthalten war, war das erste CTHULHU-Abenteuer, dem wir uns jemals gewidmet haben und gab den Startschuss für meine cthuloide Spielleiter“karriere“. Gut, wir sind zumeist bei OneShots geblieben, aber haben seither bereits einige Ausflüge in cthuloide Gefilde hinter uns gebracht. Der Karneval gibt mir allerdings die Gelegenheit, mich noch einmal intensiv mit „Nachts im Schwarzwald“ auseinander zu setzen und potentiellen Spielleitern den einen oder anderen Hinweis mit an die Hand zu geben. Das bedeutet natürlich: Spoiler!

Handlungszusammenfassung

Es geht um eine zufällige Gruppe (die Charaktere) die mit einem schrottreifen Bus den Schwarzwald durchqueren wollen, liegenbleiben und daraufhin ein Gasthaus aufsuchen. Dort sollen sie des Nachts Cthuga geopfert werden, die sich aber ob der mangelhaften Beschwörung der Kultisten lieber selbige und das Gasthaus vornimmt. Im nächsten Dorf erfahren die Investigatoren dann, das das entsprechende Gasthaus bereits vor vierzig Jahren niederbrannte und man in den Trümmern ein paar seltsame Gegenstände fand – Persönliches von ein oder zwei der Charaktere…

Spielbericht

Bereits seit langem ist hier auf diesen Seiten ein Spielbericht verfügbar, den ich allerdings der Einfachheit halber hier noch einmal wiedergebe:

Da es sich um eine komplett neue Gruppe handelte, entschlossen wir uns, dass kein Charakter mit den Anderen bekannt sein sollte. So erhielt jeder Charakter gesondert ein dringendes Telegramm, dass ihn an das Sterbebett eines alten Bekannten / Freundes / Professors / Klienten dirigierte, der in Freiburg im Krankenhaus lag. Da alle Charaktere aus West- oder Norddeutschland anreisen mussten, traf es sich, dass sie schlussendlich in Oberkirch auf einander trafen, von wo aus nur eine alte Buslinie sie alle nach Wolfach bringen sollte, dem nächstgelegenen Bahnhof.

Kein Charakter der Gruppe wollte auf das Angebot der alten Vettel eingehen, woraufhin diese dann die gesamte Gruppe standesgemäß verfluchte. Es folgte eine amüsante Busreise mit Heinz Kraft, dessen nerviger Charakter eine Paraderolle für angehende Spielleiter bietet. Planmäßig folgten Unfall, aufkommendes Gewitter, ein in der Ferne heulendes Wolfsrudel und die dringende Empfehlung, das alte Gasthaus aufzusuchen.

Das Abendessen wurde von meiner Gruppe dann sehr stilvoll inszeniert (inklusive Live-Ausspiel) und es ergaben sich erste Bekanntschaften zwischen den Charakteren. Leider folgte keiner der Spieler den verschiedenen Hinweisen, die auf das wahre Alter des Hauses schließen ließen; auch erwiesen sie sich nicht als sonderlich misstrauisch gegenüber den Angestellten. Auch der familiäre Zusammenhang zwischen den Angestellten blieb so verborgen.

Um so überraschender folgte natürlich die nächtliche Entführungsszene, die mit jedem Charakter einzeln ausgespielt wurde. Die beklommene Hilflosigkeit, die die meisten Spieler hierbei beschlich, erstreckte sich allerdings nicht auf einen 50jährigen Mathematik-Professor der todesmutig einen Angreifer entwaffnete, das halbe Zimmer in Brand steckte und erst mit drei weiteren hinzu gerufenen Kultisten überwältigt werden konnte…

Der Rest des Abenteuers verlief dann wie im Einsteigerheft beschrieben, wobei der Effekt in Wolfach (die Bekanntgabe, dass bereits vor Jahrzehnten das Gasthaus niederbrannte), einen schönen Überraschungseffekt an das Ende des Abenteuers setzte.

Reflektionen: Was war gut, was war schlecht?

Mit der mittlerweile gewonnenen Erfahrung als Spielleiter wie als CTHULHU-Jünger ergibt sich auf „Nachts im Schwarzwald“ natürlich ein etwas anderer Blick, als zu der Zeit, als es eines meiner ersten, gelesenen CTHULHU-Abenteuer war. Also, was war gut, was war schlecht?

Wenden wir uns zunächst den Vorteilen des Abenteuers zu:

  • Es eignet sich hervorragend, um eine Gruppe zusammenzuführen. Jeder Investigator kann zwar mit einer unabhängigen, eigenen Agenda anreisen aber schlussendlich finden sich alle im Bus quer durch den Schwarzwald wieder. Das ist eine schöne Entsprechung zu der „klassischen Kneipenszene“ vieler Fantasy-Einsteiger und vermeidet den bei CTHULHU so beliebten „gemeinsamen entfernten Bekannten“.
  • Es setzt keinerlei Mythoswissen voraus, weder bei den Investigatoren, noch bei den Spielern.
  • Es hat einige sehr schöne, klassische Szenen. Sei es die verschrobene Hausgemeinschaft in dem aufgesuchten Gasthaus, sei es das finstere Ritual zu dunkler Nacht oder die zu erwartende wilde Flucht durch den nächtlichen Schwarzwald.
  • Der Twist am Ende wirft eine Menge Fragezeichen auf, die zu weiterer Recherche einladen. Schreibfreudige Spielleiter können ihre frisch zusammengeführte Gruppe so direkt weiterfüttern.

Doch, Hand aufs Herz – es gibt auch Nachteile zu beklagen:

  • Weite Teile des Abenteuers sind Railroading pur. Besonders negativ aufgefallen sind mir (damals bereits) die Szene, in der der Bus liegenbleibt sowie die Gefangennahme der Investigatoren. Wer das vermeiden möchte, muss noch einige Arbeit in das Abenteuer investieren. Insbesondere für die Gefangennahme sollte sich der Spielleiter einige Ausweichpläne bereitlegen: vielleicht gibt es einen weiteren Mitreisenden, der entführt wird? Die Spieler hätten so deutlich mehr Aktionsfreiraum, um zu dessen Rettung beizutragen. Alternativ könnte vielleicht ein Teil oder nur ein Mitglied der Gruppe gefangengesetzt werden, was den Rest der Gruppe unter Zugzwang bringt? Eine weitere Alternative könnte ein „echter“ Kampf mit den Kultisten sein (ohne festgelegten Ausgang), der dann natürlich ein anderes Finale mit sich bringen kann.
  • Der Busfahrer ist vom Autoren mit einem starken Dialekt (nebst ein paar Beispielsätzen) angelegt. Wer dieser speziellen Mundart nicht fließend mächtig ist, dem möchte ich dringend davon abraten, das wirklich zu verwenden: es klingt einfach albern.
  • Das Abenteuer ist nicht „typisch CTHULHU“. Es besitzt nur einen sehr kleinen Rechercheanteil und der klassische Aufbau eines CTHULHU-Abenteuers fehlt. Das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, aber zum Testen, ob der Gruppe das Spiel gefällt, kann es in die falsche Richtung führen.

Empfehlenswert?

„Nachts im Schwarzwald“ genießt – gerade wegen den massiven Railroading-Anteilen – einen eher zweifelhaften Ruf. Auch die fehlenden „cthuloiden“ Abenteuerbestandteile sind oft kritisiert worden. Mit „Am Rande der Finsternis“ gab und gibt es bereits ein sehr gut gelittenes Einsteigerabenteuer, das ebenfalls schon im Schnellstarterformat erschienen ist.

Nichts desto trotz würde ich „Nachts im Schwarzwald“ als empfehlenswert betrachten, insbesondere, wenn der Spielleiter das Setting und die Ausgangslage nutzt, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Wer sich darauf einlässt erhält ein solides Gerüst mit starken Szenen, verschrobenen Charakteren und einem netten Twist, das sich wirklich lohnt. Unserer Gruppe hat es definitiv nicht geschadet.

Seanchui und die DSGVO

Hallo zusammen,

mit gestrigem Freitag trat ja die neue DSGVO in Kraft. Ich habe kurz überlegt, ob es sich bei meinem aktuellen Blog-Output überhaupt lohnt, hier noch Arbeit zu investieren. Aber ich hänge ein wenig an dem Blog.

Da mein Blog eigentlich keine finanziellen Absichten verfolgt, gilt die DSGVO eigentlich gar nicht für mich, sofern ich die verschiedenen Berater-Plattformen in dieser Hinsicht richtig verstanden habe. Nichts desto trotz habe ich einige Vorkehrungen getroffen, von denen ich Euch kurz berichten möchte:

– es gibt jetzt eine Datenschutzerklärung. Diese wurde mit dem Datenschutz-Generator.de von RA Dr. Thomas Schwenke erstellt und deckt all‘ die Dinge ab, die ich auf diesem Blog hin und wieder nutze: Verlinkungen auf eingebettete Youtube-Videos, das Statistiktool von WordPress und AKISMET als AntiSpam-Filter.
– darüber hinaus habe ich die Menge zu speichernder Informationen von Euch so niedrig wie möglich angesetzt, wenn Ihr kommentieren wollt. Es funktioniert ab sofort ohne Name, Gravatar und/oder E-Mail-Adresse. Ich wollte nicht ganz auf den Austausch mit Euch verzichten, daher ist die Kommentarfunktion prinzipiell noch aktiv.
– es gibt nun auch auf dieser Seite einen hübschen Cookie-Warner.
– alle Daten die darüber hinaus erfasst werden, verwalte und erfasse nicht ich, sondern WordPress, auf deren Daten ich allerdings keinerlei Zugriff habe. Ich gehe davon aus, dass hier IP-Adressen und ähnliche Informationen aus rechtlichen Gründen sowie zum Betrieb einiger Analysetools gespeichert werden, muss dafür aber auf die Datenschutzerklärung von WordPress verweisen.
– weiterführende Link-Buttons auf andere Plattformen wie Twitter oder Facebook sollten eigentlich allesamt verschwunden sein.

So, damit habe ich – denke ich – alles getan, was notwendig war. Wem noch etwas dazu einfällt, mehr wissen möchte oder einfach nur loswerden will, wie sehr ihn dieser Kram nervt – immer her damit, gerne per Mail oder in die Kommentare!

-Seanchui

RPC 2018: Eine Zigarette mit Luke Skywalker

Wie immer im Mai wurden die Kölner Messehallen zum Mekka aller Fantasy-Verrückten. Die RPC, Europas größte Rollenspielconvention, öffnete wieder ihre Pforten. Natürlich habe ich mir für den Ringboten ins Messegetümmel gestürzt um News und Neuigkeiten zu sammeln und möchte euch meine persönlichen Eindrücke beim Streifzug durch die Messehallen nicht vorenthalten.

Ich komme wohl nicht daran vorbei, einen Messebericht über die RPC zu eröffnen, ohne die horrenden Parkplatzgebühren anzusprechen. Regelmäßige Leser meiner Berichte mögen es ermüdend finden, doch ich finde es nach wie vor erschreckend, wieviel Geld die Veranstalter für einen – einen ordentlichen Fußmarsch von der eigentlichen Site entfernten – Parkplatz unter einer Autobahnbrücke verlangen. Wie auch immer, ich habe mich ja mittlerweile an diesen Umstand gewöhnt.

Entschädigt wurde ich aber wie in den letzten Jahren auch, nachdem ich – nach einer erfreulich kurzen Einlassschlange – die Messehallen betreten konnte. Die Vielfalt an Ausstellern und Besuchern, welche die RPC zu vereinen imstande ist, sucht auf dem Markt wohl ihresgleichen. LARPer und Cosplayer in aufwendigen Kostümen, ein Mittelaltermarkt mit Livemusik-Bühne, Aussteller aus allen Sparten des fantastischen Genres: Hier findet sich für jeden Fan das Richtige. Egal ob Tabletop, Rollenspiel, LARP, Computerspiel oder Trading-Cards. Alle Besucher sind vereint in ihrer Liebe zur Fantasie und immer wieder findet man Gleichgesinnte zu einem gemütlichen Plausch. Richtig bewusst wurde ich mir der Vielfalt, als ich nach einer gemeinsamen Zigarette mit Luke Skywalker – ein sehr schönes Kostüm – beim Betreten der Messehallen über den Schwanz eines Tyrannosauriers stolperte. Das bestimmt drei Meter große Kostüm war wirklich beeindruckend.

Die Aufteilung der Messehallen war – wie auch schon im Vorjahr – recht gelungen. Die größeren Bühnen und der Bereich für die Computerspieler waren so gedreht, dass der Rest der Hallen nicht vom ständigen Spiellärm beeinträchtigt wurde. Und auch wenn der Geräuschpegel dennoch recht hoch war, konnte man sich an den einzelnen Ständen gut unterhalten. Alle großen und kleinen Rollenspielverlage der deutschen Szene und auch einige internationale Aussteller waren vor Ort, um Neuheiten zu präsentieren, Ankündigen zu machen oder in den Austausch mit ihren Kunden zu treten. Wem all dies noch nicht genug war, der hatte die Möglichkeit, an Lesungen teilzunehmen oder Workshops zu besuchen, die in eigens abgetrennten Räumlichkeiten abgehalten wurden.

Gefühlt jedes Jahr größer wird der Bereich für die Künstler, die ihre Werke präsentieren oder ihre Kunst gleich am Stand anbieten. Es gab einige wirklich schöne Exponate zu bewundern und wer wollte und Zeit hatte, konnte auch gleich kleinere Auftragsarbeiten vergeben. Eine schöne Sache, die das Konzept der Messe wunderbar abrundet.

Was gab es noch zu sehen? Vieles. Seien es herrlich „nerdige“ Aquarien – die beispielsweise Szenen aus „World of Warcraft“ enthielten –, die Laser-Tag-Area, „Takeshis Castle“ zum Mitmachen, eine Ausstellung höchst aufwendiger „Star Wars“-Modelle: Jeder, der sich für Fantasy im weitesten Sinne begeistern kann, wird auf der RPC etwas für sich entdecken können. Und so lautet mein Fazit exakt wie im letzten Jahr: Auch wenn man den Eindruck erhalten könnte, gerade diese Themenvielfalt würde das Konzept der Messe verwässern: Dem ist nicht so. Gerade die Vielfalt und der so mögliche Blick über den Tellerrand machen die Messe jedes Jahr aufs Neue interessant. Ein Besuch lohnt sich, glaubt es mir.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.Ringbote.de