Neuerscheinung: Lovecrafter #1

Hallo zusammen,

bereits im Herbst letzten Jahres erschien die sogenannte Null-Nummer des neuen Vereinsmagazins der Deutschen Lovecraftgesellschaft e. V., dem Lovecrafter (ich berichtete). Wie ich bereits bei der Ankündigung der Nullnummer ausführte, bin ich als Redakteur für den Rollenspielbereich eingetreten, nachdem das von mir hoch geschätzte Cthulhus-Ruf-Team sich dazu entschieden hatte, neue Wege zu beschreiten. Ich bin der Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen nachgekommen und ich hoffe, dass Ihr Euren Spaß mit der „Play“-Rubrik der aktuellen Ausgabe habt. Doch was erwartet Euch in Ausgabe #1?

Zum Inhalt

„Truly, Dunsany has influenced me more than anyone else except Poe – his rich language, his cosmic point of view, his remote dream-world, & his exquisite sense of the fantastic, all appeal to me more than anything else in modern literature.“
So schrieb es H.P. Lovecraft am 30.07.1923 an Clark Ashton Smith. Grund genug sich genauer mit dem 18. Lord Dunsany zu beschäftigen. Niels-Gerrit Horz hat Dunsany Castle besucht und dort exklusive Eindrücke von den Lebensumständen, den Werken und Taten des Lords erhalten. Nils Gamperts gewährt uns in einer Biografie von Dunsany einen tiefen Einblick in die facettenreiche Geschichte des irisch-englischen Originals.
Mirko Stauch beschäftigt sich dann mit der Beziehung zwischen Lovecraft und Dunsany, sowohl in stilistischer als auch in inhaltlicher Hinsicht und zeigt die engen Verflechtungen beider Schriftsteller auf.
Steffen Waschul rezensiert als Dunsany-Neuling zwei der populärsten deutschen Veröffentlichungen des irischen Schriftstellers und wird ebenfalls von dessen fantastischen Welten gefangen genommen. Nils Gampert liefert dann noch eine deutschsprachige Bibliografie um den Einstieg in Dunsanys Werk zu erleichtern.

Neben dem Dunsany Schwerpunkt finden sich aber auch weitere spannende Themen in der Ausgabe 1 des Lovecrafters, wie etwa ein Gespräch mit Filmemacher Huan Vu, geführt von Clemens Williges, bei dem es natürlich um die cineastische Umsetzung der Traumlande geht.

Christian Heißler blickt zurück auf das Live Action Role Playing Event „Das Flüstern aus den Sphären“ und hat auch mit den Organisatoren Nadia Quaranta, Carsten Pohl und Arne Handt ein Interview geführt.

Die Rollenspieler dürfen sich auf das Debüt-Szenario von Jan Kock „Ein paar Tage im Februar“ freuen, ein Cthulhu-Now Abenteuer welches im Jahr 2017 spielt und die Spieler in die Ukraine führt. Wer hier an Tschernobyl denkt liegt nicht falsch …
Marcus Rosenfeld stellt dann das System Achtung! Cthulhu vor, welches den Cthulhu-Mythos in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts ansiedelt, genauer gesagt auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs.

Volker Rattel liefert spielbare Charaktere für das Abenteuer „Inmitten uralter Bäume“ und blickt zudem auf das dLG Jahr 2016 und besonders die Veranstaltung „Das Ritual“ zurück.

Inhaltlich kann sich das sehen lassen – und dank Tina Wessel (Bildredaktion) und Marc Meiburg (Satz, Grafik, Druck) ist der Lovecrafter 1 auch wieder ein absoluter Augenschmaus, wie das Cover der Ausgabe schon zeigt.
76 Seiten, Softcover

Zu erstehen gibt es das ganze für Nichtmitglieder HIER, Vereinsmitglieder sollten ihr Exemplar bereits vorliegen haben.

RPG-Blog-O-Quest April 2017: Begegnungen

Das erste Mal richten weder die Greifenklaue noch der Würfelheld die aktuelle Blog-O-Quest aus. Stattdessen hat Nerdgedanken als erste die Initiative ergriffen und ist dem Aufruf zur Beteiligung gefolgt.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten!

Nun aber auf zu den April-Fragen und ich muss gestehen, dass mir deren Beantwortung teilweise echt schwer fällt!

1. Der absolut ________ NPC, der mir jemals im RP begegnet ist, war ________ , weil ________ .
Der absolut ins Gedächtnis gebrannte NPC, der mir jemals im Rollenspiel begegnet ist, war „Der Bernd“, weil sein Name eine unglaublich spontane Improvisation unseres damaligen Spielleiters war. Wir spielten „Das Schwarze Auge“, es war ein reichlich zusammen-improvisiertes Horror-Abenteuer (wenig Vorbereitung, viel Spaß) und irgendwann tauchte dann diese schwarze Kutsche auf (Dracula läßt grüßen :-)). Nur die Frage nach dem Namen des Kutschers, damit hatten wir unseren SL auf dem falschen Fuße erwischt… „Der Bernd“ war dann eine reichlich unaventurische Antwort und ich muß beim Niederschreiben schon wieder Schmunzeln. „Bernd“ ist seitdem in unserer Gruppe ein absolut geläufiger NSC-Name in allen möglichen Settings…

2. Welche Begegnung möchtest Du auf Spielerseite wirklich niemals erleben und warum?
Es geht jetzt tatsächlich um MICH als Spieler, richtig? Da gibt es durchaus Begegnungen, die ich vermeiden wollen würde – z. B. mit gelangweilten oder überforderten SL, mit aggressiven Mitspielern, mit Mitspielern, deren Vorstellungen von „Vergnügen“ sich nicht mit meinen überein bringen lassen… All diese Dinge stehen einem entspannten Hobby nämlich im Wege. Ist mir allerdings bislang auch kaum untergekommen.

3. Als mir ________ bei/in ________ begegnet ist, brauchte mein Charakter verdammt viel ________, um die Sache zu überleben.
Als mir „Dieser-Untote-Drachen-Heptarch“ in der Nähe von Gareth begegnet ist, brauchte mein Charakter verdammt viel Glück, Durchhaltevermögen und Demut, um die Sache zu überleben. (Das Schwarze Auge, Jahr des Feuers)

4. Was hältst Du von Zufallstabellen, um Begegnungen als Spielleiter auszuwürfeln und benutzt Du selbst welche? (wenn Du selbst kein Spielleiter bist: benutzt der SL Deiner Rollenspielrunde Zufallstabellen?)
Ich betrachte Zufallstabellen als Inspirationsgeber und mag sie mittlerweile recht gerne. Zu Beginn meiner Rollenspielkarriere habe ich diesen Dingern extrem „feindlich“ gegenüber gestanden (warum hätte ich denn nicht auch passende Begegnungen planen können…?), mittlerweile hat sich mein Verhältnis sehr entspannt. Ich habe mal ein Abenteuer ausschließlich mithilfe von Zufallstabellen designt, das hat sogar erstaunlich gut funktioniert. Also ja, ich benutze die Dinger.

5. Leider ist mir in all den Abenteuern noch nie ________ begegnet, was wirklich schade ist, da ich ihn/sie/es ________ finde.
Auf diese Frage kann ich leider keine Antwort geben. Als Spieler sind mir sowohl in Aventurien, als auch bei Star Wars schon derart viele illustre und bekannte Gestalten von meinen Spielleitern durch die Abenteuer gejagt worden, dass ich mich wirklich nicht beschweren kann. Bei allen anderen Ausflügen in die weiten Welten des Rollenspiels übernehme ich spielleiterische Tätigkeiten.

Zusatzfrage/-aufgabe: Verlinke eine Zufallstabelle mit Begegnungen, die Du gerne benutzt und anderen Spielleitern empfehlen kannst!
Oh – da muß ich leider passen. Die, die ich so nutze, habe ich als Printexemplare hier rumfliegen. Sorry!

kurze Sendepause

Hallo zusammen,

leider hat sich am Freitag abend mein guter, treuer, alter Weggefährte von mir verabschiedet: mein Rechner hat sich dazu entschieden, den Weg alles irdischen zu gehen und seinen Dienst einzustellen. Wenn ich ehrlich bin, zeichnete sich das nahende Ende meines Computers in den letzten Monaten durchaus ab, doch ich wollte die Zeichen nicht sehen…

Wie auch immer: Das gute Gerät muß nun erst einmal ersetzt werden, daher wird es hier in den nächsten Tagen ein wenig stiller.

Bis dahin, bleibt mir und den Großen Alten gewogen!
Seanchui

Neuerscheinung: Ars Mathematica

Hallo zusammen,

ganz frisch in den pegasus’schen Druckerpressen vom Stapel gelaufen ist der neueste Abenteuerband für die 7. Edition des Traditions-Horrorrollenspiels CTHULHU! So sieht das gute Stück aus:

Zum Inhalt verrät Chefredakteur drüben im Cthulhu-Forum folgendes:

Inhalt: Die drei Siegerabenteuer der Wettbewerbs „Eidition 7“ von 2016 (Preishverleihung war auf der RPC 2016).

In Kürze:

Platz 1:
Ars Mathematica
von Andreas Osterroth
1920er
Ort der Handlung: ein Zug (d.h. das Abeteuer spielt sich während der Zugfahrt ab

Platz 2:
Jäger und Gejagte
von André Frenzer („Seanchui“, ja, der bekannte cthulhoide Blogger)
1920er
Ort der Handlung: Alaska
One-Shot

Platz 3:
Orakelknochen
von Hilmar Poganatz
NOW
Ort der Handlung: chinesische Grabkammer
One-Shot

Es ist also eine bunte Mischung von Themen, Zeiten und Möglichkeiten.

Nanu? Was ist denn nun los? Billige, dafür umfangreiche Werbetexte hier auf Seanchui’s Blog? Seid Ihr denn nicht eher Rezensionen oder kritischen Umgang mit neu erschienenem CTHULHU-Material auf diesen Seiten gewohnt?

Nun, damit kann ich bei dieser Publikation im Speziellen leider nicht dienen, denn wie unschwer an der Autorenauflistung zu erkennen ist: ich bin dabei. Damit wird sich natürlich zu „Ars Mathematica“ auf diesen Seiten nie eine Rezension einfinden – denn selbst, wenn ich meinen Text ausklammerte: wer würde mir ernsthaft abnehmen, dass ich den Rest eines Bandes, von dem ich ein ganzes Drittel füllte, neutral beurteilen würde? Ich habe tatsächlich bereits einige Projekte mit Pegasus hinter mir und auch schon einiges Material für CTHULHU publizieren dürfen – auch in gedruckter Form. Doch mit „Ars Mathematica“ erscheint nun erstmals ein Band im „normalen“ Produktportfolio, in dem ich meinen Namen platzieren konnte.

Was ich aber unumwunden zugeben muss: Den eigenen Namen in einer „offiziellen“ Printpublikation für das eigene Lieblingsrollenspiel wiederzufinden ist schon ein irres Gefühl. Heute ist ganz unversehens mein Belegexemplar bei mir eingetrudelt und es war sehr spannend, den eigenen Text im offiziellen Layout, professionell lektoriert und bebildert wiederzufinden.

Worüber ich mich natürlich noch mehr freuen würde, ist Feedback. Wie hat Euch der Band gefallen? Und mein Abenteuer? Werdet Ihr es spielen? Falls ja, wie ist es angekommen? Eine gute Anlaufstelle für Feedback dieser Art ist natürlich der entsprechende Thread im Cthulhu-Forum. Doch auch auf diesen Seiten stehen Euch meine Kommentarfelder immer offen!

RPG-Blog-O-Quest März 2017: Magie und Technik

rpg-blog-o-quest_logo3Ah ja, der Februar ist dann doch schon wieder vorbei. Der Jahreszeitenwechsel macht sich auch vor dem Fenster langsam bemerkbar… wird also Zeit, mal wieder eine RPG-Blog-O-Quest zu beantworten! Den März wirft wieder einmal Greifenklaue in den Ring.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt, in abwechselnder Reihenfolgen, Würfelheld oder Greifenklaue dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten – ich bin gespannt und werfe parallel mal den Denkapparat an :-).

Nun aber auf zu den März-Fragen!

1. Magie und Technik im selben Setting _______________ _______________ ________________.
Magie und Technik im selben Setting funktionieren für mich ganz hervorragend. Es kommt allerdings auf den Grad von Technik an, wie ich finde. „Echte“ Magie – also der klassische Feuerball-Magier – passt für mich bis zu einem gewissen Stand der Technik – Schwarzpulverwaffen oder Luftschiffe bspw. Warhammer Fantasy hat mit seinen verrückten Technicus-Errungenschaften in meinen Augen genau den richtigen Grad. Technisiertere Zeiten sollten in meinen Augen spezialisiertere Magie-Inkarnationen mitbringen.

2. Ein abgestürztes UFO als Dungeon ______________ ________________ ______________.
Ein abgestürztes UFO als Dungeon habe ich bislang nur bei CTHULHU erlebt. In einem Fantasy-Setting wäre das nicht meins, auch, wenn man hier viele irre Ideen unterkriegen könnte.

3. Hast Du schonmal einen Roboter/Droiden/Cyborg gespielt und war das wie bei jedem anderen {N}SC oder hatte das eine besondere Note?
Ja, einen Droiden bei Star Wars D6. Nein, keine besondere Note – es tut mir leid :-).

4. Was hältst Du von einem Ansatz wie bei Numenera, wo Technik zur Magie wird?
Bei Numenera finde ich den Ansatz total genial und auch in der Umsetzung sehr gelungen. Ich muß aber gestehen, dass mir das gleiche Konzept bei Warhammer 40k immer leicht auf die Nerven fiel (auch, wenn es einen gewissen Humorfaktor in das Setting bringt…). Wie so oft kommt es auf die Umsetzung an.

5. Was hältst Du von Magie {PSI/ die Macht} in SciFi-Settings?
Alles prima, solange es sich von „normaler Fantasy“-Magie unterscheidet. Die Macht z. B. wirkt einfach nicht wie ein Feuerball-Zauber. Auch bei Fading Suns fand ich die Einbindung von Magiewirkern gut gelöst. Also, eigentlich kein Problem :-).

Außerdem gibt es eine Bonusfrage – diesmal wieder passend zum Karneval Rollenspiel und Bücher:

Welches war das letzte Buch, welches Dich rollenspielerisch beeinflußt hat, ohne ein Rollenspielbuch zu sein? Inwiefern hat es Dich beeinflußt?
Ich nutze gerade für CTHULHU sehr gerne real-historische Bücher für Hintergrundrecherchen… ich weiß aber grade nicht, welches das letzte war, ehrlich gesagt… aber ich schreibe vielleicht noch etwas im Karneval dazu :-).

…lang lebe die Vielfalt!

Hallo zusammen.

Ich schreibe eigentlich selten über „Community“-Themen. Ich habe die „Community“ ins Herz geschlossen und betrachte mich – abseits aller persönlichen Con-Treffen – als Teil ebenjener. Heute möchte ich aber eine Beobachtung mit Euch teilen und Eure Meinung erfahren, daher breche ich einmal mein Schweigen über „Community“-Themen.

Die cthuloide Internet-Community in Deutschland ist verhältnismäßig klein, zumindest, wenn man ihre Internet-Aktivitäten mit denen anderer namhafter Rollenspiele vergleicht. Über „CTHULHU“ wurde im deutschsprachigen Rollenspiel-Web verhältnismäßig wenig gesprochen, so hatte ich immer den Eindruck. Das hat sich allerdings in den letzten Monaten geändert – nicht gravierend geändert, aber doch so erheblich, dass es auffällt. Was ist passiert?

Es ist noch gar nicht so lange her, da bündelte sich die deutsche Internet-CTHULHU-Szene auf einer einzelnen Plattform: dem Cthulhu-Forum. Hier wurde nicht nur über das Rollenspiel gesprochen und gefachsimpelt, sondern auch über Lovecraft im Allgemeinen, andere Horror-Rollenspiele, Bildbände, Hörspiele und alles, was sich im cthuloiden Kosmos da draußen so ansammelte. Natürlich gab es zu dieser Zeit auch cthulhu.de, den Blog, von dessen Bestsellern ich heute noch profitiere. Zwischen diesen beiden großen Anlaufstellen gab es ein paar alte Websites und ein, zwei Blogs – das war es. In anderen Foren war CTHULHU zwar dem Namen nach vertreten, aber kaum aktiv besprochen.

Den ersten tiefen Einschnitt erfuhr das Forum, als es von seiner vertrauten, freien Server-Adresse in die Pegasus-Forenlandschaft integriert wurde. Plötzlich gab es einige „Alt“-Poster, die nicht mehr mitmachen wollten. Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum dem so war. Ich bin wahrscheinlich noch nicht lange genug „dabei“ um beurteilen zu können, wieso viele Poster nicht unter dem direkten Deckmantel des Verlages posten wollten. Ich habe diese User auch leider nicht über irgendeinen anderen Kanal wiedergefunden.

In der Folgezeit gewöhnten sich die übrigen User an die neue Umgebung, lernten die neue Forensoftware schätzen, integrierten herzlich willkommenen Nachwuchs und diskutierten weiter fröhlich über Cthulhu und die Welt. Doch mit den Jahren schlich sich eine Unzufriedenheit ein. Die Leute wurden dünnhäutiger, man meckerte öfters gegeneinander. Hilfreich gemeinte – aber oft unnötige – Eingriffe der Moderaten wurden – oft zurecht – fehlinterpretiert, es wurde von Übermoderation gesprochen. Wenig hilfreiche Threadkomplexe drehten sich um immer wieder die gleichen Themen. Und dann gingen irgendwann alle fort. Das Cthulhu-Forum in seiner damaligen Form als Plattform für die cthuloide Internet-Community existiert nicht mehr. Sporadische Posts, keine Vielschreiber, viel Schweigen. Wenn ein neues Thema eröffnet wird, drehen sich die Diskussionen erst einmal darum, ob man das Thema überhaupt diskutieren sollte, statt das Thema aufzugreifen. Nein, das Forum existiert nicht mehr.

Doch aus der Asche des untergegangen Forums ist Vielfalt entstanden! Der Tanelorn-Channel für CTHULHU ist so aktiv wie schon lange nicht mehr. Gleiches gilt für den Channel bei den Blutschwertern. Mit dem Forum der deutschen Lovecraft-Gesellschaft hat sich darüber hinaus ein themenübergreifendes, neues Lovecraft-Forum etabliert, in dem nach Herzen über cthuloides gefachsimpelt werden darf. Und ja, auch der CoC-Channel bei rsp-blogs.de wird nicht mehr in erster Linie von diesem Blog gespeist, wie es zwischenzeitlich den Anschein hatte.

Ich freue mich über die neue Vielfalt. Ich freue mich, dass ich an verschiedenster Stelle die unterschiedlichsten Meinungen über mein Lieblingsrollenspiel austauschen kann. Ich freue mich, dass sich die „Community“ breiter aufgestellt hat. Und doch bleibt – ehrlich gesagt – ein wenig Wehmut, wenn ich an das alte Forum denke.

Wie seht IHR das? Täuscht mich meine Wahrnehmung? Wie entstand das große Schweigen im Forum? Und interessiert das überhaupt irgendjemanden außer mir?

Warum ich Railroading bei CTHULHU weniger schlimm finde

Hallo zusammen,

heute möchte ich mal wieder ein wenig mehr Rollenspieltheorie auf meinem Blog unterbringen. Ich weiß, eigentlich seid ihr hier eher seichte Unterhaltung und hin und wieder eine PDF mit Spielmaterial gewohnt. Heute aber muß ich selbst einmal meine Gedanken ein wenig sortieren und möchte versuchen, Euch daran teilhaben zu lassen. Außerdem muß ich gestehen, dass ich das Thema recht spannend finde und bin schon sehr gespannt auf Eure Meinung dazu!

rail-1640435_1920Also, die Überschrift verrät es ja schon: heute soll es um „Railroading“ gehen. Railroading ist in vielen rollenspieltheoretischen Diskussionen einer der meistgehassten Begriffe. Die Spieler werden in ihren Entscheidungen beschnitten, sie beobachten die Abenteuerhandlung „wie auf Schienen“, während sie an ihnen vorbeifährt. Ausbrüche nach links und rechts bringen den Plot derart ins Wanken, dass die Spielleitung zu abstrusen Mitteln und letztendlich Spielergängelung greifen muß, um das Abenteuer noch durchzuziehen. Nein, Railroading KANN doch überhaupt nichts gutes sein.

Auch ich habe immer von mir selbst gedacht, Railroading wäre nichts für mich. Aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Doch bevor ich das weiter ausführe, muß ich kurz eine kleine Definition einschieben:

meine Definition Railroading vs. „Böses Railroading“

Für mich existieren zwei Arten von Railroading. Das eine Railroading wird durch Formulierungen „egal was die Spieler nun tun, es passiert…“ oder „egal, wohin die Spieler gehen, es wird…“. Das sind Formulierungen, die ein bestimmmtes Ergebnis in einer Szene erzwingen wollen – und das geht in meinen Augen gar nicht. Ich nenne diese Art „Böses Railroading“, da hier einfach mit der Brechstange ein Plotteil durchgezogen wird, ohne Einflußnahme der Spieler.

Anders sieht es in meinen Augen mit ausweichenden Formulierungen aus. Oft sieht man sie in kleinen „Troubleshooting“-Kapiteln in Einsteigerabenteuern. Die Charaktere haben also den Bösewicht in der ersten Szene versehentlich erschossen – deswegen kann es eigentlich kein „Finale“ mehr geben? Gut, sein „zweiter Mann“ findet seine Unterlagen und es geht wie geplant weiter. Oder so. Das ist für mich „weiches“ oder „nicht-böses“ Railroading. Denn: es hält den anvisierten und vom Spielleiter für gut befundenen Plot am Leben, OHNE direkt Einfluß auf die Spielerhandlungen zu nehmen. Natürlich kann man hier wieder ansetzen, dass die „Freiheit der Spieler“ eingegrenzt wird – aber ehrlich gesagt: wir wollen doch alle Abenteuer erleben, oder? 🙂

Weiter im Text

Nachdem ich diese kurze Definition zwischengeschoben habe, möchte ich kurz klarstellen, dass die weiteren Überlegungen das „weiche“ Railroading betreffen. „Böses Railroading“ bleibt in meinen Augen schlechter Stil. Nun aber weiter im Text.

Ich habe vor kurzem den neuen „Prag“-Band durchgearbeitet. Die komplette Rezension folgt hier in den nächsten Tagen, keine Sorge. Die Aufarbeitung der Abenteuer – und insbesondere der hier enthaltenen Kampagne „Die Goldene Stadt“ unterscheidet sich eklatant von vielen, vielen CoC-Abenteuern, die ich in der Vergangenheit gelesen und/oder geleitet habe. Die Autoren setzen auf eine wesentlich freiere Aufbereitung der Geschichte. Es gibt Zufallstabellen, Zwischeneinschübe, Ideen für Leerlaufstrecken. Die SL ist angehalten, selbstständig NSC einzuführen, die später in der Kampagne wichtig werden können. Eine der verfeindeten Parteien entwickelt sogar ein von den Autoren unplanbares Eigenleben, dass sich von Kampagne zu Kampagne unterscheiden wird.
Ich habe das alles interessiert durchgearbeitet und eigentlich vieles von dem wiedergefunden, was ich für modernes und gutes Rollenspieldesign halte. Und doch stand ich etwas ratlos vor dem Text. Er konnte einfach keinen Funken in mir entzünden und je mehr ich las, desto mehr wurde er mir zur Mühe und Last.

Ich habe nun ziemlich lange darüber nachgedacht, warum das so ist. „Die Goldene Stadt“ enthält alles, was ich von einem modernen Abenteuer erwarte. Viel Freiheit für SL und Spieler. Eine Menge Hints und Hinweise. Beweglich einsetzbare Antagonisten. Intelligent zusammengestellte Zufallstabellen. Und dennoch ist es einfach nicht meins. Warum?

Ich glaube, ich habe für mich eine Erklärung gefunden.

Ich liebe „CTHULHU“. So sehr, dass ich diesem Spiel einen eigenen Blog und damit einen nicht unerheblichen Teil meiner freien Zeit gewidmet habe. Ich habe in der CR publiziert, ich habe für Pegasus geschrieben. Ich habe über Produktphilosophien gewettert und die Community schätzen gelernt. Warum aber liebe ich dieses Spiel? Es ist nicht das simple und angestaubte Regelwerk, dass in meinen Augen teilweise eher stört als förderlich ist. Es ist nicht die „Sanity“-Mechanik. Es ist nicht einmal unbedingt der cthuloide Hintergrund, denn Tentakelmonster gibt es viele. Nein, „CTHUlHU“ erzählt – gerade in seiner deutschen Inkarnation – einfach gute Horrorgeschichten.

Ja, es stimmt. Viele der alten Abenteuer sind unhandlich. Ja, es stimmt – viele leiden unter einem gewissen Maß an Railroading. Aber nun ist mir erstmals aufgefallen, wie gerne ich das in Kauf nehme. Denn: ICH bin kein Autor für Horror-Geschichten. Ich bin nicht einmal ein großer Horror-Film-Fan. Ich mag es, wenn mir ein Autor einen gruseligen Plot präsentiert, der auch meine Spieler gruseln wird. Für mich ist CTHULHU ein One-Shot-System, in dem die Charaktere an den Rand ihrer Möglichkeiten getrieben werden und in dem ihnen schreckliche Dinge widerfahren. Es ist für mich kein System der Charakterentwicklung, der epischen Geschichten, der Langzeitentwicklung, der Verwirrungen und Irrungen, der Antagonistenwechsel und der totalen Freiheit.

Eines meiner liebsten Szenarien ist und bleibt beispielsweise „Tod an Bord“ aus dem „Geisterschiffe“-Band. Eigentlich ist das ganze Szenario Railroading pur, denn die Handlungen der Charaktere haben kaum Einfluß auf den Verlauf der Rahmenhandlung. Dennoch hat es allen meinen Spielern Spaß gemacht, denn dem Abenteuer gelingt der Kniff – und damit ist es letztlich wirklich nicht alleine – eine gute, gruselige Horror-Story zu erzählen und DENNOCH den Spielern totale Bewegungsfreiheit „vorzugaukeln“. Sie können während des Tages an Bord des Luxusliners tun und lassen, was sie wollen. Sie können sich streiten, mit wem sie wollen, sie können in ihrer Kabine hocken, sie können essen, tanzen oder schwimmen gehen. Sie können sich natürlich auch entscheiden, aktiv am Plot mitzuwirken – so entfaltet das Szenario sicher die größte Wirkung. Aber egal, wie sich der Abend gestaltet – alle werden eine gruselige Geschichte erleben. Sie stimmt vom Pacing, die eingestreuten Effekte sind stimmig. Und das ist es doch, weshalb wir CTHULHU spielen, oder?

Wie seht ihr das? Wieviel Freiheit sollte eine gute Horror-Story den Spielern gewähren, um noch als solche durchzugehen? Wieviel „modernes Design“ verträgt „CTHULHU“, bevor es „Fantasy-Tentakel-Spektakel“ wird? Sehe ich das Alles zu engstirnig und „ewig-gestrig“? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt!

Seanchui