Die Arkham Akten – Der Fall Julia-Anne Kendall

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 10. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Julia-Anne Kendall
Betreuender Arzt: Dr. Benjamin Raft
Fallnummer: JAK-158/DF9

Fallbeschreibung:
Ich nutze diesen Raum für einen persönlichen Kommentar zu diesem außergewöhnlichen Fall. Ich kann bezeugen, dass nichts hiervon in irgendeiner Weise erfunden oder übertrieben dargestellt ist, es ist die reine Wahrheit. Ich bin der praktizierende Arzt für die 8 jährige Julia-Anne Kendall, die im Herbst des Jahres 1928 vom St. John Waisenhaus zu uns gebracht wurde. Es ist durchaus ungewöhnlich ein achtjähriges Kind in einem Sanatorium unterzubringen, doch sie müssen verstehen, dass der Fall wirklich sehr ernst war, wie sie aus der beiliegenden Akte ja entnehmen können. Wir richteten für das Mädchen einen eigenen Raum ganz in der Nähe des Schwesterzimmers ein und bemühten uns ein möglichst kindgerechtes Umfeld zu schaffen. Julia-Anne schien in den ersten Wochen nur wenig auffällig zu sein. Sie liebte es, sich kreativ zu äußern und legte dabei ein erstaunliches Talent an den Tag Bilder und neuerdings auch Skulpturen zu gestalten, die im rechten Licht betrachtet nicht nur außergewöhnlich kunstfertig, sondern auch zu einem gewissen Teil Angst einflössend waren. Ich war mir nicht klar, welche Dämonen dieses Kind zu diesem Zeitpunkt quälten, doch ich sollte es bald erfahren. Es war Anfang November als Julia-Anne die Maske vollendete. Es war ein schreckliches Ding und erinnerte an eine Gasmaske mit mehr als einem Schlauch und eine Schwester erschrak fürchterlich, als sie Julia-Anne zum ersten Mal mit dem Ding auf dem Kopf in der Zelle sah. Doch die Schwester war nicht die einzige die sich vor dem Ding fürchtete. Wir hatten Patienten die steif und fest behaupteten nachts von dieser Maske geträumt zu haben und das sich ihre Schläuche an den Köpfen fest sogen und fürchterliche Schmerzen verbreiteten. Pete Fredricks gehörte dazu, ein trunksüchtiger Ire, den ständige Halluzinationen plagten. Er war der festen Meinung, dass sich die Maske durch die Wände Zugang zu seiner Zelle verschaffen würde. Ich erhöhte daraufhin die Medikamentation und schob diese Geschichten beiseite, wie es jeder gute Arzt gemacht hätte. Ich versuchte jedoch Julia-Anne nach dieser Maske auszufragen, doch das Mädchen schien gar nicht zu wissen wovon ich sprach. Sie behauptete die Maske nicht gefertigt zu haben und das sie so etwas auch noch nie gesehen hätte. Ich beschloss daraufhin die Maske an mich zu nehmen und das Mädchen schien einverstanden zu sein, auch wenn ich meinte einen böswilligen Blick in ihren Augen gesehen zu haben, als ich die Tür hinter ihr schloss. Die Maske, aus Pappmaché gefertigt und für Kinderhände wirklich mit ausgefallnen Ziselierungen und Details bedacht, verbreitete, das gebe ich ganz offen zu, auch in mir ein unbehagliches Gefühl. Ich schob diese Gedanken jedoch beiseite und legte das Ding in eine Schublade und kümmerte mich um Julia-Annes Akte. Sie war schon immer kreativ veranlagt gewesen und vielleicht lag darin der Schlüssel für ihre Erkrankung und ich beschloss ihre Bilder und Plastiken genauer zu untersuchen. Ich muss darüber wohl eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen wieder öffnete war es bereits dunkel. Ich beschloss die Arbeit für heute zu beenden und nach Hause zu fahren. Die Akten legte ich zu der Maske und… Die Maske war verschwunden. Ich hörte außerhalb meines Büros Schritte, der Dieb konnte nicht weit sein. Draußen war jedoch niemand, ich sah nur das Licht aus Julia-Annes Zelle scheinen. Sie saß dort im Schneidersitz auf den Boden und nuschelte etwas in sich hinein. Ihr Kopf von der Maske bedeckt. Ein Schrei ging durch den Korridor, es war eine der hinteren Zelle. Als ich ankam war es schon zu spät. Pete Fredricks war tot. Auf seinem Schädel fand ich große runde Löcher. Das Gehirn war verschwunden. Daraufhin verlangte ich die Verlegung von Julia Anne, da ich mich nicht in der Lage sah, sie weiterhin zu behandeln, doch sie wurde abgelehnt. Nun sitze ich hier in meinem Büro und es ist inzwischen der fünfte Tod den wir zu beklagen haben und ich frage mich: Ist das Wohl vieler, bedeutender als das Wohl eines einzelnen? Und was ist, wenn der Einzelne ein Kind ist…

Die Arkham Akten – Der Fall John Doe

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: John Doe/Wuen Li-Ging
Betreuender Arzt: Dr. Clifford Samson
Fallnummer: JD-012/Q

Äußere Beschreibung:
Männlich, Alter in etwa 35 Jahre, asiatische Herkunft, Brillenträger, körperlich gesund, Name unbekannt in den Akten zu führen als John Doe, wie sich herausstellte mit richtigem Namen Wuen Li-Ging.

Besondere Merkmale:
Tätowierungen am ganzen Körper, vor allem im Bereich des Rückens, des Bauches und der Oberschenkel, Zeichen gehören zu einem mir unbekannten Alphabet.

Fallbeschreibung:
John Doe wurde von der örtlichen Polizei in Kingsport am Hafen aufgegriffen. Er machte einen verwirrten Eindruck und stammelte etwas in einer den Polizisten unbekannten Sprache. Aufgrund seiner asiatischen Herkunft, dachten die Beamten das es sich um Chinesisch oder dergleichen handelte, da der Mann jedoch einen völlig desorientierten Eindruck machte und zudem kein Wort Englisch sprach, wurde er auf die örtliche Wache mitgenommen. Zeitgleich kümmerte sich eine Streife darum am Hafen nachzufragen, ob der Mann irgendwo auf einem Schiff seinen Dienst getan hat, doch keiner der Kapitäne und Dockarbeiter kannte den Mann. Da sich sein Zustand auch nach einigen Stunden nicht besserte, verständigte man das Arkham Sanatorium und ich nahm mich des Unbekannten an. Er wurde um 16:40 schlafend eingeliefert. Da er sich in einem desolaten Zustand befand, ordnete ich ein Bad und eine Entlausung an, die von Pfleger Jackson durchgeführt wurde. Er berichtete später, dass der Patient erst bei der Entlausung die Augen aufschlug und wild zu schreien begann. Kurz nachdem John Doe ruhig gestellt wurde, verständigte mich Jackson. Als ich den Badbereich erreichte, zeigte Jackson nervös auf die zusammengesackte Gestalt am Boden. John Doe war über und über mit Tätowierungen bedeckt, doch Jackson schwor, dass sie vorher nicht da gewesen seien. Hier sei gesagt, dass Jacksons Akte (bis auf einige Kranketage) ausgezeichnet ist und ich seinem Wort Glauben schenkte. Da John Doe nicht bei Bewusstsein war, konnte ich einen genaueren Blick auf die Tätowierungen werfen, die einem Alphabet zugehörig waren, das mir noch nie untergekommen ist. Jackson brachte John Doe in seine Zelle und ich informierte die Universität Miskatonic. Drei Herren kamen, darunter auch Dr. Armitage, der Bibliothekar der Universität und wir untersuchten gemeinsam den Mann. Die Herren baten mich nach einer Weile sie und den Patienten allein zu lassen, ich folgte ihrem Wunsch und konnte die Zeit nutzen, meinen ausstehenden Bericht zu schreiben. Als die Wissenschaftler sich wieder bei mir meldeten, sagten sie, dass sie gerne mit John Doe sprechen würden, wenn er wieder zu sich kommen würde und ich bestätigte, dass ich sie sofort telefonisch informieren würde. Die Männer der Universität schienen beunruhigt und ich erinnere mich nun auch, dass einige unserer ärmsten Insassen eine doppelte Dosis an Beruhigungsmitteln benötigten um überhaupt etwas Schlaf zu finden. Am folgenden Tag, war John Doe ansprechbar, doch wie durch ein Wunder waren die Zeichen verschwunden!

Ich telefonierte Dr. Armitage an und trotz der morgendlichen Vorlesungen und universitären Verpflichtungen, eilten alle Drei sofort zum Sanatorium. Derweil führte ich mit John Doe ein Gespräch auf Englisch und der Mann, dessen Name sich als Wuen Li-Ging entpuppte, berichtete das er keinerlei Erinnerungen habe, wie oder warum er hierher nach Arkham gekommen ist. Das Letzte an was er sich erinnerte war, dass sein Schiff, die Maria-Julia in einen Sturm geriet. Kurz darauf kamen auch schon die Herren Professoren und sie baten mich Mr. Wuen zu entlassen, doch ich konnte dieser Bitte nicht nachkommen. Offensichtlich litt der Mann an einem schweren Fall von Amnesie und Persönlichkeitsstörung und so sehr ich Dr. Armitages Meinung auch schätze, ich musste ihm eine Absage erteilen, denn das Wohl des Patienten steht über allem. Mr. Wuen willigte ein noch einige Tage zur Beobachtung zu bleiben, doch zu einer Untersuchung kam es nicht mehr. In der Nacht auf den nächsten Tag verschwand Mr. Wuen spurlos. Kein Zeichen eines Ausbruches war vorhanden und auch der Nachtwächter, der alte Giles Fernham hatte nichts Besonderes gesehen. Ich verständigte Dr. Armitage über diese Tatsache und dieser zeigte sich sehr besorgt, doch zugleich beruhigte er mich in freundschaftlicher Weise und versicherte mir seine Hilfe, sollte ich sie brauchen. Trotz einer groß angelegten Suche und eines Phantomzeichners, ist Mr. Wuen nicht gefunden worden und einer der seltsamsten Fälle unseres Sanatoriums wird niemals zum Abschluss gebracht werden. Ich frage mich noch immer was diesem Mann nur passiert sein mag und wo er jetzt ist.

Gez.
Dr. Clifford Samson

Die Arkham Akten – Der Fall Dr. Douglas Harding

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Douglas Harding
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: DH-829/S

Fallbeschreibung
Dr. Douglas Harding wurde im September diesen Jahres eingewiesen. Harding war Dozent an der Universität Miskatonic im Bereich Anthropologie und Geschichte. In seiner gesamten Familie gibt es keinen ähnlichen Fall von paranoider Schizophrenie. Der Fall Harding unterliegt auch weiterhin der strikten Schweigepflicht und wurde selbst dem regionalem, wie überregionalem ärztlichen Fachpersonal nicht zugänglich gemacht.

Harding, der von seinen Studenten und Mitarbeitern immer als äußerst pflichtbewusst und eifrig wahrgenommen wurde, erlebte am 13. September diesen Jahres einen so schweren Schock, dass er in das Arkham Hospital gebracht werden musste. Nachdem keine körperlichen Gebrechen festzustellen waren, der Patient allerdings schwere psychische Störungen aufwies, wurde er hierher ins Arkham Sanatorium gebracht. Der Grund für diese Störung, die sich letztendlich als paranoide Schizophrenie herausstellte, ist weiterhin unklar. Interviews mit Harding sind äußerst schwierig, da er in beinahe jedem Menschen eine Gefahr für sich selbst sieht. Einzig einem Mann namens „Johnny Maxwell“ schenkt er das nötige Vertrauen. Er schreibt Briefe an ihn und das ist die einzige Art für uns etwas mehr über Harding herauszufinden. Im Folgenden nun eine Abschrift eines dieser Briefe:

Lieber Johnny,
Weißt du noch Johnny? Damals? Der Himmel war blau. Der Regen kam erst später. Wir waren da. Dann kamen sie. Den Tag werde ich nie vergessen.
Alles in allem Jahre vergingen. Ich rette den Tag ohne die Nacht. Ohne dich ist der Himmel gelb in grün, selbst beim Sonnenuntergang. Ach wären wir doch sie! Schön wären die Tage ohne zu wissen. Ich schließe mit den Worten die es sagen.
Lebwohl
Douglas

Dieser Brief mag als Beispiel für eine Vielzahl von anderen, ganz ähnlichen Schrieben dienen. Was mag diesen Mann, diesen gelehrten Mann nur derart zugrunde gerichtet haben? In meiner persönlichen Laufbahn habe ich derlei Fälle selten gesehen. Oft waren sie die Ausgeburt von jahrelanger Degenration und Inzucht, in abgeschotteten Dörfern, doch dieser Fall weißt keines dieser Merkmale auf. Wie eingangs erwähnt, gibt es in Hardings Stammbaum keinen Fall der auch nur irgendwelche Auffälligkeiten zeigt.

Recherchen über Johnny Maxwell führen trotz redlicher Bemühungen ins nichts. Die Bostoner Adresse auf dem Briefkopf ist nicht existent, oder vielmehr ist sie noch nicht existent. Nachforschungen zufolge, soll in 10 bis 15 Jahren am angegeben Ort ein Neubau errichtet werden, der den wachsenden Hunger der Wirtschaft vorerst stillen mag.

Empfohlene Behandlung
Bis auf weiteres verordne ich die bisherige Medikation und Elektrokrampfbehandlungen.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Die Arkham Akten – Der Fall Edward James

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Edward James
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: EJ-901/G

Edward James ist bereits seit drei Jahren unser Patient. Sein zwanghaftes Verhalten hat sich in dieser Zeit verringert, aber seit neustem gibt es eine völlig andere Auffälligkeit in seinem Verhalten. Im Folgenden nun eine auf das wesentliche gekürzte Transkription des letzten Interviews:

Dr. Phillip Lammon: Was bedrückt sie Edward?
Edward James: Jemand ist hier!
DPL: Meinen sie mich?
EJ: Nein, Nein… ich meine JEMAND ist hier, hier in der Klinik.
DPL: Wen meinen sie?
EJ: Verstehen sie nicht, JEMAND, es könnte jeder sein!
DPL: Denken sie das sich hier jemand eingeschlichen hat?
EJ: Ja, ja! Genau, eingeschlichen hat sich jemand.
DPL: Haben sie ihn gesehen?
EJ: Ich bin nicht sicher. Ich vermute die neue Schwester!

Anm. Dr. Philip Lammon: Gemeint ist Schwester Catherine Jenkins, die erst vor 2 Wochen eine Vertretungsstelle für Schwester Ethel Holden angenommen hat.

DPL: Aber Edward, wir haben doch darüber gesprochen das sie Ethel vertritt. Ethel bekommt doch ein Kind, wissen sie nicht mehr?
EJ: Nein, nein. Ich meine Ja. Ich weiß das sie ausfällt und ihre Schichten montags, dienstags donnerstags und freitags von 6:00 in der Früh bis 16:00 am Mittag nicht einhalten kann und das die Vertretung sie von 6:00 in der Früh bis 16:00 Mittag an jedem Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag vertreten wird. Das weiß ich doch, aber die neue, sie isst nicht.
DPL: Was?
EJ: Sie macht keine Pause von 9 Uhr bis 9:30. Sie macht keine Pause von 12:30 bis 13:00. Ich habs gesehen. Sie isst nie!
DPL: Vielleicht hat sie keinen Hunger Edward?
EJ: Nein hat sie nicht. Aber sie lockt die anderen.
DPL: Sie lockt sie?
EJ: Oh ja, sie lockt sie, ich habs gesehen. Sie ging zu Fred rein Zelle 154 DG, rechter Flügel, vierte Tür auf der linken Seite. Sie wollte ihm das Essen bringen, aber sie war 27 Minuten drin, ich habs gezählt.
DPL: Edward, was denken sie über Schwester Catherine?
EJ: Sie ist jemand aber sie ist keiner von uns?
DPL: Von uns?
EJ: Kein Mensch!
DPL: Das denken sie nur, weil sie bei Fred 27 Minuten in der Zelle war?
EJ: Nein, das denke ich, weil sie es mir gesagt hat und weil ich der nächste bin. Fred macht es nicht mehr lange hat sie gesagt dann holt sie mich! Ich will nicht, sie hat schlimme Dinge gesagt, ich, ich… DA!

Anm. Dr. Phillip Lammon: Schwester Catherine stand an der Tür mit etwas Kaffee, ich hatte danach verlangt und vergessen ihr Bescheid zu geben. Ich musste Edward James starke Beruhigungsmittel geben damit er ruhig blieb. Schwester Catherine hat angeboten den Zustand des Patienten zu überwachen. Ich lehnte ab, Edward war äußerst angespannt und diese Feindlichkeit gegenüber Schwester Catherine, die wirklich nur die besten Referenzen besaß, ist mir fragwürdig. Möglicherweise ein Rückfall in sein zwanghaftes Verhalten, aufgrund des Personalwechsels.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Warum die Großen Alten nicht böse sind

Hallo zusammen,

der Karneval der Rollenspielblogs steht in diesem Monat unter dem Motto „Das Böse“. Die Organisation übernimmt dankenswerterweise Niniane von Storiesandcharacters. Und diskutiert werden darf über das Ganze dann auch noch HIER.

Das Böse

…ist eigentlich ein äußerst undankbares Thema, um es auf einem cthuloiden Blog zu besprechen. Denn entgegen der Erscheinung im cthuloiden Rollenspiel sind die Großen Alten, Äußeren Götter und Mythosrassen nun einmal nicht böse. Sie folgen Prinzipien, Regeln und Gesetzen die weit außerhalb der Vorstellungskraft der Menschheit liegen. Damit kommen sie womöglich ein ums andere Mal mit den Interessen einzelner Menschen in Konflikt. Doch sie tun das keineswegs, weil sie Macht, Gewinn oder Sieg über ihre menschlichen Gegenspieler anstreben, sondern eher aus reinem Zufall.

Dazu kommt, dass die Menschheit als Rasse der Unwissenden, als Nichtsehende in einem schwarzen Ozean voll grausamen Wissens, schlicht völlig unwichtig für die meisten Mythosentitäten ist. Wir sind kein Übel, dass es zu beseitigen gilt, um die eigenen undurchsichtigen Pläne voranzutreiben. Wir stehen den MiGo nicht im Weg dabei, die Bodenschätze unseres Planeten auszubeuten. Wir sind es nicht, die verhindern, dass Azathoth das Universum verschlingt und neu gebiert. Wir spielen in den endlosen Plänen der Großen Rasse keine Rolle. Nein, die Menschheit ist unwichtig.

Wenn ein Mensch einen Ameisenhaufen, der sich direkt vor dem Küchenfenster eingenistet hat, mit heißem Wasser übergießt um seine Vorräte und Hygiene zu schützen, wird er wohl von den wenigsten seiner Mitmenschen als „Böse“ betrachtet werden. Für die Ameisen jedoch muss er einer göttlichen Vernichtungswelle gleich in all seinem Hass und zerstörerischer Gewalt handeln, tausende von ihnen in den Tod reißen und Heim und Hof vernichtet zurücklassen. Ebenso lässt sich das Verhältnis der meisten Mythos-Wesenheiten zur Menschheit kategorisieren – sie handeln nicht aus Boshaftigkeit, geschweige denn weil die Menschheit als Ganzes ein Problem darstellt. Sie handeln, um ihre eigenen, uns nicht erklärbaren Interessen zu wahren.

Das interessante an der Regelmechanik „Stabilitätspunkte“ ist in meinen Augen sogar, dass das Absinken der Stabilität einen Investigator mitnichten „böse“ werden lässt. Klar, manch einer endet als „böser“ Kultist, doch auch hier geht es nicht darum, den aus dem Spiel ausscheidenden Charakter „böse“ zu machen. Er verliert schlicht den menschlichen Verstand. Sein Geist konnte mit dem Wissen, dass er im Laufe seiner Abenteurerkarriere sammelte nicht länger fertig werden. Er wird damit einer Mythoswesenheit ähnlicher, als es für einen Menschen gesund sein kann und seine Ideen, Ziele und Interessen lassen sich nicht länger mit einem von Moral und Ethik geprägten menschlichen Miteinander vereinbaren. „Wahnsinn“ ist der Name, den das Regelwerk diesem Zustand gibt, „Mythosifizierung“ oder besser noch „Erleuchtung“ wären allerdings auch gangbare Nomenklaturen gewesen.

Das Böse

…hat aber – natürlich – auch im cthuloiden Rollenspiel ein Gesicht bekommen. Zumeist sind es tatsächlich die Menschen, die im cthuloiden Rollenspiel in die Rolle der Bösewichter schlüpfen dürfen. Dabei kommt es oft zu einer interessanten Konstellation:

Die Menschen – Kultisten, Zauberer, Machthungrige – sind dabei oft tatsächlich nach menschlichen Maßstäben als „böse“ einzustufen. Für ihre eigenen Interessen, die eigene Macht verlassen sie die Pfade der Moral und sind bereit, anderen Menschen Schreckliches anzutun. Damit unterscheiden sie sich kaum von den Bösewichtern anderer Systeme. Interessant wird es, wenn sie sich den Kräften des Mythos bedienen um ihre eigenen Ziele zu verwirklichen. Mythosmagie ist nicht für den Menschen geschaffen und zermürbt seinen Geist ebenso wie der Kontakt zu den ausserweltlichen Schrecken, die manche Kultisten zu rufen imstande sind. Sie selbst haben also unmittelbar unter den Auswirkungen ihrer eigenen Taten zu leiden, verlieren selbst den Verstand und die Bindung an die menschliche Realität.

Dazu kommt der oben beschriebene Umstand, dass Großen Alten wie kleinen Dienerrassen die Interessen und Ziele der Menschen zumeist völlig gleichgültig sind. Ein durch Mythosmagie herbeigerufener „Hetzender Schrecken“ mag sich tatsächlich aus einem Impuls heraus an Feinden des Magiers gütlich tun. Doch gibt es keinen Grund, warum er sich nicht ebenso gegen den Beschwörer richten solle. Der äonenalte Cthulhu-Kult, der rund um den Erdball an der Auferstehung des Großen Alten arbeitet, wird wohl selbst sein erstes Opfer werden. Mitnichten wird ein generöser Gott seinen Anhängern Macht und Beistand gewähren, die ihn aus Jahrmillionen währendem Schlaf erweckten. Tatsächlich wird er sie ebensowenig wahrnehmen und schützen wie den Rest der Menschheit, wenn er – seinen eigenen, unergründlichen Gesetzmäßigkeiten folgend – seinen Zerstörungszug über die Erde unternehmen wird, dann, wenn die Sterne richtig stehen.

Das Böse

…hat in „Cthulhu“ noch ein zweites Gesicht verliehen bekommen. Nyarlathotep, der Götterbote, wird oft als Chaosbringer charakterisiert. Er weidet sich an dem Chaos, dem Tod und der Zerstörung, die seine kurz-, mittel- oder langfristigen Pläne über Einzelne oder ganze Länder und Kontinente bringen können. Doch auch hier steht außer Frage, dass es Nyarlathotep wohl kaum um die Menschheit geht und das noch manch andere unbedarfte oder mythosbewanderte Rasse unter seinen Ränkespielen zu leiden haben dürfte.

Das Böse

…ist ein hervorragender Mittelpunkt für ein Abenteuerrollenspiel, wie es auch „Cthulhu“ sein will. Durch das Gesicht der menschlichen Gegenspieler und die offensichtlich mögliche Instrumentalisierung des Mythos für die Zwecke der finsteren Kultisten ist ein Gegenpol zu den Investigatoren geschaffen, den es als klares Ziel zu bekämpfen gilt. In den meisten Szenarien wird selbst dann, wenn Mythosrassen als direkte Gegenspieler auftreten, eine Position aufgebaut, in der diese Wesen aus irgendeinem Grund den Investigatoren oder ihren Begleitern negativ gegenüberstehen und im klassischen Sinne böse erscheinen müssen. Dem Spiel ist es somit möglich, wie viele andere Rollenspiele Erfolge zu ermöglichen, einen oder mehrere Siege über das Böse durch die Hand der Investigatoren.

Doch ehrlicherweise werden so viele Szenarien dem Gedanken hinter dem Mythos nicht gerecht. Und es mag interessant sein, sich dieses Konzept noch einmal vor Augen zu rufen, auch, wenn manches Abenteuer ein deutlich bitterer Beigeschmack begleiten könnte, wenn die Unmenschlichkeit der Gegenspieler und die Unwichtigkeit des eigenen Seins, zentrale Konzepte von Lovecrafts literarischem Schaffen, Bestandteil des Szenarios sind.

Der Mann mit dem blutigen Bart

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 09. März 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Einer alten Aufzeichnung nach begab sich am 2. August 1590 Hans Ziller, ein Bauer von nahezu achtzig Jahren, in die “Waldner Etz” bei Adnet, um daselbst Holz zu schlagen. Da erblickte er in einer unergründlich tiefen Grube einen weißen Mann, der ihn an Größe weit überragte und der einen langen, blutigen Bart trug. Schrecken und Entsetzen erfaßte den Bauern ob dieser Erscheinung, und seine Angst steigerte sich, als der Geist zu sprechen anhub und dreimal mit Donnerstimme fragte: “Wird sich die Welt bekehren?” Dann fuhr er fort: “Wenn sich die Welt nicht bekehrt, dann werden die Friedhöfe der ganzen Christenheit durchwühlt werden wie die Waldner Etz!” Diese war nämlich von unzähligen Maulwurfshügeln übersät.

Hierauf befahl der Mann mit dem blutigen Bart dem Ziller, was er eben vernommen, dem Geistlichen seines Dorfes mitzuteilen, aber ja nicht früher als nach Ablauf von drei Tagen, wenn er nicht wolle, daß ihm Übles widerfahre. Damit verschwand die Erscheinung. Hans Ziller aber tat, wie ihm geheißen. Er meldete nach drei Tagen seinem Pfarrer alles, was er erlebt hatte, und dieser berichtete das seltsame Erlebnis an den Erzbischof Wolf Dietrich weiter.

Szenarioidee
Was der Erzbischof tat oder was in seiner Macht stand um das Unglück zu verhindern, ist nicht überliefert worden. Wahrscheinlich wusste der Erzbischof, von den Büchern der Kirche aufgeklärt, mit was für einer Gefahr er es zu hatte, als ihm von dem Mann mit dem blutigen Bart berichtet wurde. Es war sicherlich auch nicht die erste Sichtung dieser Art, wohl aber die bedrohlichste. Der Achtzigjährige Bauer, der dem Wesen begegnet ist, konnte nicht ahnen, dass er vor einer Brut des Yog-Sothoth stand und nicht vor einem Geist. Die Brut dieses Äußeren Gottes soll zwar menschliche Züge beibehalten haben, aber das ist auch alles was sie mit einem Menschen gemein haben. Sie nähren sich von blutigem, rohem Fleisch und dürsten nach dem Wissen des Mythos. Der Bart der Kreatur war also noch vom letzten Fraße besudelt und die enorme Größe, kann nur ein Hinweis auf die Abstammung zu Yog-Sothoth sein und die Drohung, dass sich die Toten erheben, könnte mit einem Zauberspruch zusammenhängen, den die Brut verinnerlicht hat.

Katzhulhu – Das Hemingway-Haus

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 18. Juli 2010
Autor: Stefan Droste

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Unter der Adresse 907 Whitehead Street in Key West, Florida, steht ein ganz besonderes Bauwerk: Das Hemingway-Haus. Der große Schriftsteller lebte hier von 1931 bis 1939 und schuf in dem hellen Anwesen einige seiner bedeutensten Werke, zum Beispiel In einem anderen Land oder Schnee auf dem Kilimandscharo. Das 1851 gebaute Haus war ein Hochzeitsgeschenk für Ernest und Pauline Hemmingway von deren Onkel gewesen und es blieb bis zum tragischen Selbstmords Hemingways 1961 in seinem Besitz. Doch das Haus wird bis zum heutigen Tage von recht ungewöhnlichen Bewohnern bevölkert: Hemingways Katzen.

Es heißt, das erste Tier sei ihm von einem alten Kapitän aus Neuengland übergeben worden, der ihm das alte Seemannsgarn erzählte, dass die Katze Glück brächte. Denn es war keine gewöhnliche Vertreterin ihrer Art: Sie hatte an jeder Pfote sechs Finger, als ob sie einen zusätzlichen Daumen gehabt hätte. Hemingway war von dieser Laune der Natur – Polydaktylismus genannt – begeistert, und seitdem hat sich sein Haus zu einem Hauptquartier jener vielfingrigen Katzen gemausert, die über die ganze Insel stromern. Fünfzig bis Sechzig Katzen leben Heute im Hemingway-Haus, etwa die Hälfte davon sind Polydaktyle.

Und ihnen gehört das Haus – zumindest sagen dies viele. Denn Ernest Hemingway hat verfügt, dass auch nach seinem Tod die Katzen ein unbefristetes Wohnrecht in dem Haus haben sollen. Inzwischen ist aus dem Haus ein Museum geworden – und die Katzen leben selbstverständlich noch immer dort. Sie schlafen auf Betten und Sofas, klettern über Schreibtische und durchstreifen den Garten, wo sie aus Hemingways Springbrunnen trinken. Angestellte des Museums kümmern sich um Hemingways Katzen, die bis auf gelegentliche Besucherführungen tatsächlich die eigentlichen Herren des Anwesens geblieben sind.

Doch was nur die wenigsten der Touristen wissen: Das Hemingway-Haus ist ein Ort, dessen Bewohner sich dem Kampf gegen den Mythos verschrieben haben. Der Schriftsteller selbst war ein Träumer, der in Ulthar auf die Katzen der Traumlande traf. Entschlossen ihnen einen Stützpunkt in der Wachen Welt zu bieten, vermachte er einer Kaste von weisen und gelehrten Katzen sein Anwesen. Inzwischen ist das Hemingway-Haus ein unter Katzen bekanntes Hauptquartier für die Geheimnisse der Traumlande, von wo aus diese vielfingrigen Katzen ihre gefährlichen Missionen auf den verschiedensten Welten organisieren und ausführen.

Das Museum bietet dabei die perfekte Fassade. Tagsüber tragen Besucher das Eintrittsgeld herein, welches die ebenfalls aus den Traumlanden stammenden “Museumsangestellten” zur Versorgung ihrer Schützlinge nutzen. In geheimen Fächer hat Hemingway selbst kleinere Artefakte und Hilfsmittel hinterlegt, und das hohe, freistehende Haus ist eine ausgezeichnete Ausgangsposition für die Raumsprünge der Tiere. Die Diener des Mythos tun gut daran das Anwesen zu meiden, denn die hier lebenden Katzen haben mit ihren außergewöhnlichen Pfoten manche Zaubersprüche meistern können, die man einem Stubentiger kaum zutrauen würde.

Rezension: Pulp CTHULHU

„Knallharte Action und Abenteuer gegen den Mythos“, so lautet der Untertitel des neuesten Quellen- und Abenteuerbandes aus dem Hause Pegasus. Schauen wir doch mal, ob „Pulp Cthulhu“ hält, was es verspricht.

„Pulp Cthulhu“ ist dabei eine Übersetzungsarbeit des gleichnamigen Produktes aus dem Hause Chaosium. Eigene deutsche Ergänzungen finden sich in diesem Band nicht wieder. Allerdings stattete das Pegasus-Team den Band mit einem wattierten Cover mit Glanzeffekten aus – ganz ähnlich der deutschen Ausgabe vom „Grand Grimoire“ – und bietet den Band so als Vorzugsedition an. Viel wichtiger als die Äußerlichkeiten aber ist der …

Inhalt

Wie es sich gehört, wird der Band eröffnet mit einer kurzen Erklärung davon, was dieses „Pulp“ denn nun eigentlich ist. Denn tatsächlich war Pulp in seiner ursprünglichen Definition kein bestimmtes Genre, sondern schlicht die Bezeichnung der billigen Groschenromanheftchen, die – auf billigem Papier („wood pulp“) gedruckt – in den 1930ern den amerikanischen Markt überschwemmten. Erst später kristallisierte sich die Bezeichnung „Pulp“ für die actiongeladeneren jener Geschichten heraus, in denen überlebensgroße Helden gegen verrückte Wissenschaftler, Riesenroboter, Monster und überhaupt das Böse und den Weltuntergang antraten, um ein ums andere Mal nicht nur die Welt zu retten, sondern auch das eine oder andere Herz zu brechen.

Die nächsten Kapitel widmen sich dann zahlreichen Regeloptionen, um das eigene „Cthulhu“-Rollenspiel pulpiger, will sagen actionreicher, zu gestalten. Die Investigatoren in Pulp-Geschichten erhalten einige Verbesserungen gegenüber ihren „normalen“ Äquivalenten: Die doppelte Anzahl Lebenspunkte geht mit zusätzlichen Fertigkeitspunkten einher. Außerdem erhalten die Helden Vorzüge durch einen sogenannten Archetyp – wie den „Abenteurer“ oder die „Femme Fatale“ – und können darüber hinaus besondere Talente erhalten, um ihre Fähigkeiten weiter zu unterstützen. Dazu kommen einige neue Kampfregeln, um die Kämpfe etwas dynamischer zu gestalten, ein anderer Umgang mit Stabilität und Magie sowie einige neue Ausrüstungsgegenstände, die verrückte Wissenschaftler allerorten im Kampf für oder gegen den Mythos erdacht haben.

Die nächsten Kapitel widmen sich dem Spielleiter. Ein eigenes Kapitel stellt das Leiten von Pulp-Spielen in den Mittelpunkt, gibt Tipps und Tricks für actiongeladene Szenen mit auf den Weg und einige Abenteueraufhänger. In einem gesonderten Kapitel werden die 1930er in Amerika vorgestellt, die Zeit der großen Wirtschaftskrise und Heimstatt der meisten, klassischen Pulp-Geschichten. Zu guter Letzt werden einige pulpige Antagonisten und Verbündete vorgestellt sowie einige wenige typische Pulp-Monster (wie Dinosaurier) mit Werten versehen.

Gleich vier Abenteuer, in denen die Investigatoren ihre neuen Fähigkeiten reichlich unter Beweis stellen können, runden den Band ab. So können die Helden bei „Der Desintegrator“ der Versteigerung einer unheimlich fähigen Strahlenwaffe beiwohnen und müssen sich schlussendlich verschiedener Parteien erwehren, die die Maschine auf ehrliche oder unehrliche Weise in ihren Besitz bringen wollen. „Warten auf den Orkan“ wiederum führt die Helden in den Kampf gegen einen finsteren Dagonkult, während „Die Büchse der Pandora“ schön Mythos und Sagen vermischt. Das titelgebende Artefakt wird gestohlen und entpuppt sich schon recht bald als ein wahres Mythosproblem. Schlussendlich können die Helden noch ein „Dampfschiff nach China“ chartern, nur um bald feststellen zu müssen, dass es an Bord nicht mit rechten Dingen zugeht. Das ist wirklich reichlich Abenteuermaterial.

Kritik

Ich habe mich wirklich auf diesen Band gefreut. Es gibt einige großartige, pulpige Rollenspiele dort draußen und auch einige großartige Pulp-Abenteuer („Hollow Earth Expedition“ gehört hier wohl zu meinen Lieblingen). Schon die Geschichten Lovecrafts bieten – aller Entrücktheit und Furcht vor dem Unbekannten zum Trotz – reichlich Gelegenheit, ebenso zu Werke zu gehen. Ein Regelsystem, dass diesen Spielstil unterstützt, scheint mir hier mehr als überfällig.

„Pulp Cthulhu“ wiederum hat mich schwer enttäuscht. Ja, die grundsätzlichen Regeländerungen sind zu gebrauchen. Die Archetypen, die zusätzlich zum Beruf des Charakters gewählt werden, geben stimmige, weiterführende Optionen. Die Verdoppelung der Lebenspunkte war überfällig und die zusätzlichen Kampfregeln ändern nichts Weltbewegendes, sind aber dennoch ganz nett. Wo mich „Pulp Cthulhu“ verloren hat, ist die Aufbereitung des Ganzen für den Spieltisch.

Einziger Lichtblick im Spielleiterbereich sind die beispielhaften Antagonisten. Hier wurde wirklich alles aufgefahren, was ich von einem guten Pulp-Abenteuer erwarten würde. Aber schon das Monsterkapitel ist viel, viel zu dünn geraten. Schlimmer noch ist das uninspirierte Kapitel über die 1930er, welches zwar historisch korrekt ist, aber kaum Stoff für Abenteuer bietet. Besonders enttäuscht haben mich aber die mitgelieferten Abenteuer. Drei der Abenteuer sind schlicht nicht pulpig. „Pulp“ bedeutet eben mehr, als die Menge an Mythosmonstern zu erhöhen und darauf zu warten, dass die Investigatoren sie mit Blei durchsieben. Gute Pulp-Geschichten enthalten bestimmte Elemente, die über reine Action hinausgehen – einen rasanten Einstieg, tödliche Fallen, überlebensgroße Antagonisten, Szenenwechsel, interessante Orte und Persönlichkeiten. Die mitgelieferten Abenteuer aber sind „normale“ „Cthulhu“-Szenarien mit mehr Blei – gediegene Rechercheabenteuer mit Verdächtigen, Spuren, viel Zeit und dann der doppelten Anzahl Monster. Einzig „Warten auf den Orkan“ ist pulpig genug geworden, besteht schlussendlich aber auch nur aus zweieinhalb Szenen und kann so bequem in zwei Stunden durchgespielt werden. Als Intermezzo ist es damit ganz nett, einen Quellen- und Abenteuerband trägt das freilich nicht über die Ziellinie.

Verarbeitung

Wie bereits erwähnt, erscheint „Pulp Cthulhu“ als Vorzugsausgabe mit wattiertem Cover nebst Glanzeffekt. Lektorat und Korrektorat haben einen ordentlichen, aber nicht komplett fehlerfreien Job abgeliefert. „Pulp Cthulhu“ ist vollfarbig und reichhaltig illustriert. Leider konnte man sich nicht auf eine stringente Bebilderung einigen – Fotografien werden mit altbekannten Zeichnungen gemischt, während neue Zeichnungen in einem comichaften Grafikstil die Pulp-Atmosphäre unterstreichen sollen. So wirkt das Endprodukt unruhig und unrund. Auch die farbenfrohen Karten sind alles andere als stimmungsvoll, auch wenn sie klar lesbar sind. Gleiches gilt für die Handouts: Konnte man sich zwar früher ein ums andere Mal über die schlechte Lesbarkeit der „Cthulhu“-Handouts reichlich ärgern, so waren sie dennoch immer ein Hingucker und ein Markenzeichen des Spiels. Die hier enthaltenen Handouts sind optisch langweilig und wenig ansprechend umgesetzt. Schade.

Fazit: „Pulp Cthulhu“ ist eine rechte Mogelpackung. „Action Cthulhu“ wäre der richtigere Name gewesen. Wer Mittel und Wege sucht, um mehr Action in seinen Spielrunden unterbringen zu können, wird hier fündig. Wer „Pulp“-Geschichten erleben möchte, dem empfehle ich einen Blick auf andere Produktlinien, die an dieser Stelle einiges besser machen.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

„Nachts im Schwarzwald“ im Karneval der Rollenspielblogs

Hallo zusammen,

der Karneval der Rollenspielblogs steht in diesem Monat unter dem Motto „First Contact oder vom Einsteige(r)abenteuer“. Die Organisation übernimmt dankenswerterweise Dnalor von Dnalorsblog. Und diskutiert werden darf über das Ganze dann auch noch HIER.

Nachts im Schwarzwald

Das Abenteuer „Nachts im Schwarzwald“, das lange in den Schnellstartregeln enthalten war, war das erste CTHULHU-Abenteuer, dem wir uns jemals gewidmet haben und gab den Startschuss für meine cthuloide Spielleiter“karriere“. Gut, wir sind zumeist bei OneShots geblieben, aber haben seither bereits einige Ausflüge in cthuloide Gefilde hinter uns gebracht. Der Karneval gibt mir allerdings die Gelegenheit, mich noch einmal intensiv mit „Nachts im Schwarzwald“ auseinander zu setzen und potentiellen Spielleitern den einen oder anderen Hinweis mit an die Hand zu geben. Das bedeutet natürlich: Spoiler!

Handlungszusammenfassung

Es geht um eine zufällige Gruppe (die Charaktere) die mit einem schrottreifen Bus den Schwarzwald durchqueren wollen, liegenbleiben und daraufhin ein Gasthaus aufsuchen. Dort sollen sie des Nachts Cthuga geopfert werden, die sich aber ob der mangelhaften Beschwörung der Kultisten lieber selbige und das Gasthaus vornimmt. Im nächsten Dorf erfahren die Investigatoren dann, das das entsprechende Gasthaus bereits vor vierzig Jahren niederbrannte und man in den Trümmern ein paar seltsame Gegenstände fand – Persönliches von ein oder zwei der Charaktere…

Spielbericht

Bereits seit langem ist hier auf diesen Seiten ein Spielbericht verfügbar, den ich allerdings der Einfachheit halber hier noch einmal wiedergebe:

Da es sich um eine komplett neue Gruppe handelte, entschlossen wir uns, dass kein Charakter mit den Anderen bekannt sein sollte. So erhielt jeder Charakter gesondert ein dringendes Telegramm, dass ihn an das Sterbebett eines alten Bekannten / Freundes / Professors / Klienten dirigierte, der in Freiburg im Krankenhaus lag. Da alle Charaktere aus West- oder Norddeutschland anreisen mussten, traf es sich, dass sie schlussendlich in Oberkirch auf einander trafen, von wo aus nur eine alte Buslinie sie alle nach Wolfach bringen sollte, dem nächstgelegenen Bahnhof.

Kein Charakter der Gruppe wollte auf das Angebot der alten Vettel eingehen, woraufhin diese dann die gesamte Gruppe standesgemäß verfluchte. Es folgte eine amüsante Busreise mit Heinz Kraft, dessen nerviger Charakter eine Paraderolle für angehende Spielleiter bietet. Planmäßig folgten Unfall, aufkommendes Gewitter, ein in der Ferne heulendes Wolfsrudel und die dringende Empfehlung, das alte Gasthaus aufzusuchen.

Das Abendessen wurde von meiner Gruppe dann sehr stilvoll inszeniert (inklusive Live-Ausspiel) und es ergaben sich erste Bekanntschaften zwischen den Charakteren. Leider folgte keiner der Spieler den verschiedenen Hinweisen, die auf das wahre Alter des Hauses schließen ließen; auch erwiesen sie sich nicht als sonderlich misstrauisch gegenüber den Angestellten. Auch der familiäre Zusammenhang zwischen den Angestellten blieb so verborgen.

Um so überraschender folgte natürlich die nächtliche Entführungsszene, die mit jedem Charakter einzeln ausgespielt wurde. Die beklommene Hilflosigkeit, die die meisten Spieler hierbei beschlich, erstreckte sich allerdings nicht auf einen 50jährigen Mathematik-Professor der todesmutig einen Angreifer entwaffnete, das halbe Zimmer in Brand steckte und erst mit drei weiteren hinzu gerufenen Kultisten überwältigt werden konnte…

Der Rest des Abenteuers verlief dann wie im Einsteigerheft beschrieben, wobei der Effekt in Wolfach (die Bekanntgabe, dass bereits vor Jahrzehnten das Gasthaus niederbrannte), einen schönen Überraschungseffekt an das Ende des Abenteuers setzte.

Reflektionen: Was war gut, was war schlecht?

Mit der mittlerweile gewonnenen Erfahrung als Spielleiter wie als CTHULHU-Jünger ergibt sich auf „Nachts im Schwarzwald“ natürlich ein etwas anderer Blick, als zu der Zeit, als es eines meiner ersten, gelesenen CTHULHU-Abenteuer war. Also, was war gut, was war schlecht?

Wenden wir uns zunächst den Vorteilen des Abenteuers zu:

  • Es eignet sich hervorragend, um eine Gruppe zusammenzuführen. Jeder Investigator kann zwar mit einer unabhängigen, eigenen Agenda anreisen aber schlussendlich finden sich alle im Bus quer durch den Schwarzwald wieder. Das ist eine schöne Entsprechung zu der „klassischen Kneipenszene“ vieler Fantasy-Einsteiger und vermeidet den bei CTHULHU so beliebten „gemeinsamen entfernten Bekannten“.
  • Es setzt keinerlei Mythoswissen voraus, weder bei den Investigatoren, noch bei den Spielern.
  • Es hat einige sehr schöne, klassische Szenen. Sei es die verschrobene Hausgemeinschaft in dem aufgesuchten Gasthaus, sei es das finstere Ritual zu dunkler Nacht oder die zu erwartende wilde Flucht durch den nächtlichen Schwarzwald.
  • Der Twist am Ende wirft eine Menge Fragezeichen auf, die zu weiterer Recherche einladen. Schreibfreudige Spielleiter können ihre frisch zusammengeführte Gruppe so direkt weiterfüttern.

Doch, Hand aufs Herz – es gibt auch Nachteile zu beklagen:

  • Weite Teile des Abenteuers sind Railroading pur. Besonders negativ aufgefallen sind mir (damals bereits) die Szene, in der der Bus liegenbleibt sowie die Gefangennahme der Investigatoren. Wer das vermeiden möchte, muss noch einige Arbeit in das Abenteuer investieren. Insbesondere für die Gefangennahme sollte sich der Spielleiter einige Ausweichpläne bereitlegen: vielleicht gibt es einen weiteren Mitreisenden, der entführt wird? Die Spieler hätten so deutlich mehr Aktionsfreiraum, um zu dessen Rettung beizutragen. Alternativ könnte vielleicht ein Teil oder nur ein Mitglied der Gruppe gefangengesetzt werden, was den Rest der Gruppe unter Zugzwang bringt? Eine weitere Alternative könnte ein „echter“ Kampf mit den Kultisten sein (ohne festgelegten Ausgang), der dann natürlich ein anderes Finale mit sich bringen kann.
  • Der Busfahrer ist vom Autoren mit einem starken Dialekt (nebst ein paar Beispielsätzen) angelegt. Wer dieser speziellen Mundart nicht fließend mächtig ist, dem möchte ich dringend davon abraten, das wirklich zu verwenden: es klingt einfach albern.
  • Das Abenteuer ist nicht „typisch CTHULHU“. Es besitzt nur einen sehr kleinen Rechercheanteil und der klassische Aufbau eines CTHULHU-Abenteuers fehlt. Das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, aber zum Testen, ob der Gruppe das Spiel gefällt, kann es in die falsche Richtung führen.

Empfehlenswert?

„Nachts im Schwarzwald“ genießt – gerade wegen den massiven Railroading-Anteilen – einen eher zweifelhaften Ruf. Auch die fehlenden „cthuloiden“ Abenteuerbestandteile sind oft kritisiert worden. Mit „Am Rande der Finsternis“ gab und gibt es bereits ein sehr gut gelittenes Einsteigerabenteuer, das ebenfalls schon im Schnellstarterformat erschienen ist.

Nichts desto trotz würde ich „Nachts im Schwarzwald“ als empfehlenswert betrachten, insbesondere, wenn der Spielleiter das Setting und die Ausgangslage nutzt, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Wer sich darauf einlässt erhält ein solides Gerüst mit starken Szenen, verschrobenen Charakteren und einem netten Twist, das sich wirklich lohnt. Unserer Gruppe hat es definitiv nicht geschadet.

Besprechung: Nocturnum (II von II)

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 2009
Autor: Gerrit Ansmann

cthulhu de stempel bestseller

Wie ich bereits in meiner Rezension geschrieben habe, enthält die Nocturnum-Kampagne einige Mängel, die überwiegend erschreckend leicht behebbar sind. Bei vielen ist dies offensichtlich, aber oft genug ist nicht abzusehen, ob eine Änderung die Kampagne zerstört, wenn man sie nicht vorher komplett gelesen hat.
Unter anderem deswegen möchte ich in diesem Beitrag versuchen, meine Änderungen zu beschreiben und ein wenig auf meine Spiel-Erfahrungen einzugehen. Der folgende Text enthält selbstverständlich Spoiler, aber meine Rezension ist spoilerfrei.

Weitere Anregungen und Änderungsvorschläge zu Nocturnum finden sich im Cthulhu-Forum und bei der Greifenklaue.

Allgemeines

Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich kurz darstellen, wie ich mich bezüglich der bereits in meiner Rezension geschilderten Aspekte von Nocturnum entschieden habe, die leicht änderbare Geschmacksfragen darstellen. Außerdem schildere ich ein paar Abenteuer-übergreifende Änderungen:

  • Die ersten beiden Abenteuer habe ich klar als Prolog geleitet. Winternacht spielte 15 Jahre vor StilleKönigin des Zwielichts 7 Jahre. Auf diese Weise habe ich das Zufallsmoment reduziert (drei Begegnungen mit Shk’ryth in kürzester Zeit) und gleichzeitig Eingriffe in Winternacht vermieden, die durch ein ausgebautes Mobilfunknetz und Internet nötig geworden wären.
  • Da mich die Eigenkreationen von Mythos-Gegnern (Shk’ryth, Ktchoma) nicht stören, habe ich diese im Kern beibehalten. Allerdings habe ich die Utoruks und die meisten Dienerkreaturen der Shk’ryth ausgelassen, da ich sie schlichtweg für unnötig erachtet habe (mehr hierzu später).
  • Den kompletten Handlungsstrang um die Ktchoma Gerard Moore und Michael Graham habe ich entfernt, da er unnötig ist, von den Charakteren nur sehr begrenzt verstanden werden kann und nur in m. E. unschönen Aktionen zum Einsatz kommt – vor allem das Deus-ex-Machina-Zurückbringen zur Handlung in Kopenhagen und der Kampf am Ende, der die Charaktere zu Zuschauern degradiert. Beibehalten habe ich die Ktchoma-Leiche in Sortsö und die Tatsache, dass die Ktchoma den Tyrr Nemaii erbaut haben.
    Die Informationen, die Michael Graham den Charakteren am Anfang der Kopenhagen-Connection gibt, sollten sie stattdessen am Ende von Offenbarungen bekommen (mehr hierzu weiter unten).
  • Die zufälligen Mythos-Begegnungen habe ich ersatzlos gestrichen, bis auf die Königin des Zwielichts und die drei Weberinnen. Die Anwesenheit des Shub-Niggurath-Gezüchts in Bowersville und der Tiefen Wesen auf der Torshammer halte ich für wohlbegründet, weswegen sie ebenfalls geblieben sind.
  • Die Verschwörung um SH‑01 habe ich gestrichen, da ihr einziger Zweck ist zu erklären, warum im zweiten Band noch keine Panik herrscht (Organisationen, die die Charaktere jagen, gibt es auch so schon genug). Allerdings lagen zumindest in meiner Runde höchstens vier Wochen zwischen Stille und der Bekanntgabe der Entdeckung in Thors Amboss. Dies ist meines Erachtens eine durchaus plausible Zeitspanne für die erste Entdeckung des Phänomens durch Wix, dessen Verbreitung und sorgfältige Überprüfung durch andere Astronomen und schließlich dessen Bekanntgabe – alles unter Berücksichtigung der Erschwernis der Beobachtung und Extrapolation des Kurses durch die Tatsache, dass der SH‑01 sich wegen der Beeinflussung durch den Tyrr Nemaii unerwartet verhält. Außerdem …
    Einen Schritt weiter gehen folgende Überlegungen: Die meiste Zeit über wird SH‑01 nur als ein Punkt wahrgenommen werden, der Sonnenlicht reflektiert und einen Abfangkurs auf die Erde hält, sich also insbesondere nicht nur durch die Schwerkraft bewegt. Es liegt also viel näher, darin ein außerirdisches Raumschiff zu vermuten – selbst wenn sich irgendwann herausstellen mag, dass dieses wie ein Felsbrocken aussieht.
  • Die zeitlichen Bezüge des Ekloff-Plots (Karens Tod, Alans Inhaftierung, Karens Beerdigung, Timothys Handlungen, usw.) waren für mich nicht wirklich plausibel, weshalb ich sie nach Gutdünken geändert habe. Abgesehen von veränderten Daten war die einzige Auswirkung im Spiel, dass die Beerdigung am Anfang von Familienangelegenheiten ausblieb.

Band 1: Lange Schatten

Winternacht

Dieses Abenteuer habe ich Mitte der 1990er spielen lassen und 15 Jahre vor Stille, als die meisten Charaktere noch Teenager waren. Wie bereits erwähnt, kann dieses Abenteuer problemlos ausgelassen werden.
Eine große Logiklücke dieses Abenteuers ist, dass es keinen Grund gibt, warum die Indianer die Charaktere benötigen, um die Scheibe aus der Mine zu holen, obwohl es massig Indianer vor Ort gibt, die es schon längst hätten tun können. Deshalb gab es bei mir gar keine Indianer in Miner’s Folly und der Zirkel war außerhalb von Miner’s Folly angesiedelt (und zu schwach für die Aktion). Lucas Leeping Deer (der Angefahrene) war zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem Weg von Miner’s Folly weg um seine Kollegen zu warnen.
Außerdem habe ich alle Morde von MacGuire begehen lassen und den zweiten Werwolf ausgelassen, um das Abenteuer nicht unnötig zu verkomplizieren. Und ich habe den Weg der Charaktere direkt durch Miner’s Folly laufen lassen, anstatt ihn (argh!) erst dorthin zu lenken.

Königin des Zwielichts

An diesem Abenteuer hatte ich wenig auszusetzen außer vielleicht der Tatsache, dass hier zufälligerweise zwei Mythos-Wesenheiten an einem Ort aufwarten (und dies im Gegensatz zu den meisten anderen derartigen Auftritten in der Kampagne nicht einfach änderbar ist). Wer sich daran stört, kann auch dieses Abenteuer problemlos auslassen, allerdings wäre es schade darum.
Ich habe dieses Abenteuer 7 Jahre vor Stille spielen lassen. Im Gegensatz zu Winternacht schuf dies allerdings keinen weiteren Vorteil außer einer Verringerung des Zufallsmoments. Falls jemand die Vorverlegung des Abenteuers scheut, weil die Charaktere nach Stille wegen eines vermeintlichen Mordes in diesem Abenteuer vom FBI gesucht werden sollen: Keine Sorge, Stille liefert dem FBI aller Voraussicht nach zahlreichere und bessere Gründe, die Charaktere zu suchen, nämlich den Tod Ken Hitos und was auch immer mit Soto oder Kage passiert.
Noch erwähnt werden sollte, dass das auf der Karte eingezeichnete Dorf viel zu wenige Häuser hat.

Stille

Den Utoruk am Ende habe ich mir gespart, da es sich um eine verwirrende Deus-ex-Machina-Lösung handelt. Stattdessen habe ich Kage durch das Einstürzen des Ganges zum Tal aufgehalten. Was genau der Auslöser hierfür war, habe ich leider vergessen, aber denkbar sind z. B. ein wütender Kage oder eine Tay, die nach ihrer Befreiung psychokinetisch Amok läuft.
Haus Nr. 4 habe ich ersatzlos gestrichen.
Eine Warnung noch: In beiden Karten für die Spieler ist der Geheimgang zwischen Observatorium und Tal eingezeichnet. Für eine hiervon wurde eine korrigierte Fassung nachgereicht.
Und noch ein Hinweis: Es ist zwar dramaturgisch vorteilhaft, aber nicht zwingend nötig, dass die Charaktere in diesem Abenteuer von SH‑01 erfahren.

Band 2: Kalter Wind

Flug 714

Diese Episode ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen zeigt sie den Charakteren eindrucksvoll, dass die Kacke wirklich am Dampfen ist und sie in Zukunft besser verdeckt agieren, und bietet eine gute Möglichkeit, den Tempel des neuen Mondes einzuführen. Andererseits ist sie krass und hat Realismusprobleme (Notlandung eines beschädigten Flugzeugs durch Unerfahrene, Sicherheit nach 9/11), nicht zu vergessen die zwei zufälligen Mythosbegebenheiten vor Ort.
Da diese Episode ihre Existenzberechtigung verliert, wenn der Tempel des neuen Mondes bereits eingeführt ist, was wiederum eine Voraussetzung für die folgenden Episoden ist, muss sie zu allem Überfluss eigentlich direkt nach Stillegeschehen, was wiederum voraussetzt, dass die Charaktere nach Stille ein Flugzeug betreten und dabei hinreichend auffällig vorgehen, um ihre Entdeckung durch TemCo und den Tempel zu rechtfertigen. Glücklicherweise hat meine Gruppe genau dies getan. Ansonsten hätte ich den Wohltäter anderweitig, vielleicht nach einer kleineren Bedrohungssituation durch TemCo oder das FBI auftreten lassen.
Sternenvampir und Geister habe ich ersatzlos gestrichen.
Die Notlandung habe ich den Jeremiah Tvilde vom Tempel durchführen lassen.

Besuchszeiten

Diese Episode enthält ein paar sehr nette Szenen (der irre Mörder, der vortäuscht Alan Ekloff zu sein, und Samuels Bild, das Alans Tod vorhersieht), bemüht aber Railroading (Einsperren der Charaktere) und einen absurden Zufall (Blitzeinschlag) um dorthin zu gelangen. Ich habe den Ansatz gefahren, viel spontan zu improvisieren und zu versuchen, die guten Szenen zu erreichen, sie aber nicht zu erzwingen. Dabei habe ich das Risiko in Kauf genommen, dass die Charaktere bei geschicktem Vorgehen das Abenteuer ohne großen Widerstand abschließen.

Die Architektur der Klinik habe ich dabei aus den Plänen übernommen (bis auf die fehlenden Sanitäranlagen im Obergeschoss). Ja, damit sind Sicherheitskonzept und Architektur der Klinik hochgradig fragwürdig und den Charakteren auch zu Recht aufgestoßen, aber in Anbetracht dessen, wer die Klinik betreibt, fand ich dies nicht wirklich unpassend. (Dr. Nash ist sowieso völlig meschugge und Carmen Hall ist kurz davor, das Land in Richtung Mongolei zu verlassen.)

In der Praxis hat Dr. Nash zwei Charaktere im Keller warten lassen, während er mit den anderen nach oben geht, von oben die Türen im Keller öffnet (und den Fahrstuhl deaktiviert), um sich dann auf dem Klo zu verwandeln und die anderen Charaktere anzugreifen. In dem folgenden Chaos töteten die Charaktere Dr. Nash und befreiten Alan Ekloff sowie ein paar Serienmörder, wurden aber teilweise schwer verletzt.
Während die Charaktere sich, von einem Arzt des Tempels notdürftig zusammengeflickt, in einem Motel mitten im Nirgendwo zusammen mit Alan Ekloff etwas erholten, durften sie dann erleben, wie letzterer es dank Samuels in Bildern festgehaltener Visionen schaffte, drei TemCo-Agenten auf offener Straße mit ihren eigenen Waffen zu töten, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde. Hierbei kam dann auch eine gezeichnete Vision zum Einsatz, die einen Charakter zeigt, der diese Szene aus dem Motel beobachtet.

Eine Familienangelegenheit

Von der Beerdigung am Anfang abgesehen, habe ich an Bowersville praktisch nichts geändert.
Das Finale im Sumpf hat einen Charakter völlig außer Gefecht gesetzt, worauf ich dessen Spielerin mit etwas Einweihung Pater Cartier (den Verräter) übernehmen ließ.
Auf die Spur der Tuckers ist die Gruppe zunächst nicht gekommen, bei einer späteren Rückkehr nach Bowersville aber schon (s. u.).

Offenbarungen

Mein Ansatz war hier der vorgesehene, nur dass ich von den Charakteren etwas Verhandlungsgeschick mit Tommy Zane erwartet habe, damit dieser ihnen Kontakt zu Timothy Ekloff verschafft. Bei einem Treffen mit Ekloff hätten sie dann kurz vor TemCos eingreifen die wichtigsten Informationen bekommen, die sie in Kopenhagen brauchen würden und ursprünglich auch erst dort von Michael Graham erhalten sollen (Curtis Franklins Adresse sowie Verweise auf Morten Nyhuus und Julian Levitz, wobei mir letzteres nicht ganz so wichtig war).
Allerdings erlaubte sich meine Gruppe mehrere grobe Patzer bei der Kommunikation mit Tommy Zane und ahnte nur, dass sie irgendwelche Hinweise auf ihre Glaubwürdigkeit hätte liefern müssen um weiterzukommen. Statt einfach ihre bisherigen Leistungen ins Spiel zu bringen (Rettung von Alan Ekloff und Bowersville), kehrte sie nach Bowersville zurück, wo sie die Tuckers unschädlich machte und dann dank des Paters von TemCo geschnappt wurde.

Thors Amboss

Hier habe ich Sune Hofflund (den Schlangenmenschen) ausgelassen, da er eine weitere unnötige Zufallsbegegnung darstellt, und sein einziger Zweck ist, die Bombe unerreichbar für die Charaktere auf der Torshammer zu halten, was im Extremfall in ziemliches Railroading ausarten kann. Stattdessen habe ich mich darauf eingestellt, dass es den Charakteren gelingt, die Bombe unschädlich zu machen und irgendwie zu entkommen. So oder so habe ich mich auf spontanes Improvisieren eingestellt.

Was meine Gruppe in Offenbarungen versaut hatte, machte sie hier wieder wett: Mit einem kritischen Erfolg improvisierten sie ein Funkgerät, holten die Rainbow Warrior nah genug an die Insel um ihnen eine Leiche aufs Deck zu schmeißen und sie damit zu ihrem eigenen Wohl von der Torshammer fernzuhalten. Später überzeugten sie Kapitän Hattock davon, Fracht von der Torshammer an Bord zu nehmen (Drogen), lieferten ihm aber ein trojanisches Pferd, übernahmen die Revelation und entkamen so mit einem Haufen übersinnlich Begabter von der Torshammer nach Oslo.
Über das entsprechende Medienecho wurde dann Tommy Zane (aus Offenbarungen) positiv auf sie aufmerksam und ließ ihnen Curtis Franklins Adresse in Kopenhagen zukommen. Hätte ich es auf diese Weise nicht geschafft, die Handlung wieder ins Lot zu bringen, hätte ich die Charaktere vermutlich etwas zappeln lassen und dann doch noch auf Michael Graham zurückgegriffen.

Diese Episode bietet eine gute Gelegenheit, einen neuen Charakter einzuführen, der als Mitgefangener der anderen Charaktere erwacht. Natürlich sollte TemCos Interesse an dem Charakter begründet werden.

Die folgenden Ausführungen enthalten Spoiler zum Abenteuer Groß Werden aus Unfassbare Mächte:
Bei mir stieg ein Charakter ein, der große Teile von Groß Werden als Solo-Abenteuer gespielt hatte, genauer gesagt hatte er alles Recherchierbare recherchiert und Billy Marsh samt leuchtendem Trapezoeder an einer Küste ausgesetzt, wo ihn niemand sucht. Lediglich Davids Verwandlung fehlte noch. NWI hatte ich natürlich durch den Tempel des neuen Mondes ersetzt, der mittlerweile das Interesse TemCos geweckt hatte, wodurch diese auf den Charakter samt übernatürlicher Ader aufmerksam geworden waren. Da dieser noch ausgefragt werden sollte, war er noch nicht in eine Stasis gesperrt worden.
Später in Moskau erspähten dieser Charakter dann plötzlich David mit verändertem Teint und in Begleitung des Tempels beim Betreten eines Hotels …

Band 3: Letzte Tage

Die Kopenhagen-Connection

Den Deus-ex-Machina-Johnson Michael Graham habe ich wie gesagt ersatzlos gestrichen, ebenso – wegen der obigen Abweichungen – die Belagerung durch TemCo, welches wirklich keinen Grund hatte, die Charaktere hier zu vermuten. Ansonsten habe ich nichts geändert.
Eine kleine Frage, die man sich als Spielleiter an dieser Stelle und spätestens vor dem nächsten Abenteuer stellen sollte, ist, wie die Charaktere Nyhuus’ Buch verstehen können: Spricht ein Charakter oder ein Bekannter der Gruppe Dänisch oder hat Nyhuus aus unerfindlichen Gründen auf Englisch geschrieben?

Die drei Weberinnen

Die Weberinnen sind die zweite zufällige Mythos-Begegnung, die ich beibelassen habe – wobei man sogar spekulieren könnte, dass seine Mitgliedschaft im Kult des Wurms Nyhuus irgendwie bei der Entdeckung des Tyrr Nemaii half. Nyhuus’ Buch über die vier Reiter habe ich den Charakteren von den Weberinnen direkt geben lassen – im Austausch gegen einen Vertrag, der zwar Blödsinn war, aber in das Netz eingewoben werden konnte. Das Buch in den Händen des Ktchoma zu lassen und, sobald dieses genommen wird, das Höhlensystem über einen albernen Mechanismus zu fluten zu lassen, war mir zu riskant: So hätte es passieren können, dass die Charaktere selbst das Höhlensystem fluten ohne zu wissen, das sie ihr Ziel damit vernichten. Hier fand ich es viel überraschender, den Charakteren direkt zu geben, was sie wollen, und sie vermeintlicherweise dadurch in eine Falle laufen zu lassen.
Die Geschichte von Klaus, dem Schäfer habe ich ignoriert.

Jenseits der See

Riga habe ich durch St. Petersburg ersetzt, da es einen Grenzübergang spart und mir deshalb sowohl aus Sicht TemCos als auch der Charaktere passender erschien.
Die Episode auf dem Schiff habe ich ausgelassen, da sie m. E. nur als subtiler Hintergrund funktioniert, es aber keine vordergründige Geschichte gibt, in die ich sie hätte einbetten können. Außerdem brauchten die Charaktere etwas Ruhe.
Die Bukayev-Episode habe ich zur Reduzierung des Zufallsmoments ebenfalls ausgelassen.

Lediglich die Episode im Zug habe ich beibehalten, was nicht unbedingt die beste Entscheidung war. Statt den Utoruk als Deus ex Machina einzusetzen, hoffte ich auf die Kreativität der Spieler. Das ganze artete in-game in eine wilde Schießerei, Entführung des Zuges, Abkopplung der TemCo-Wagen und Opferung eines Charakters (der für Großteile des Desasters verantwortlich war) aus, der den Zug weiter kontrollierte, während sich der Rest der Gruppe abgesetzt hatte. Out-game kam es zu heftigen Diskussionen über die Sicherheitsvorkehrungen in Zügen u. Ä.

Showdown in Moskau

Aufgrund des Hintergrunds eines in Thors Amboss eingeführten Charakters (s.&&thinbsp;o.) habe ich diese Episode grob umgekrempelt und verzichte daher darauf, Empfehlungen zum eigentlichen Material auszusprechen.

Nach Osten

Die Zug-Episode habe ich ausgelassen, da sie ein offensichtlicher Lückenfüller mit hohem Zufallsmoment ist, der auch nicht wirklich gepasst hätte, da meine Gruppe sich in ihrem Abteil eingeigelt und Chinesisch gelernt hat.

Das Rad dreht sich und der Tyrr Nemaii

Es dürfte mittlerweile nicht mehr überraschen, dass ich den Yeti bzw. Gnoph-Keh ersatzlos gestrichen habe. Alles weitere verlief wie vorgesehen.

Die Armageddon-Ebene

Wie bereits erwähnt, habe ich die beiden Ktchoma gestrichen.
Damit es etwas kniffliger wird, mussten die Charaktere an jeder Ecke des Dreiecks ein paar Schalter umlegen und sich zuvor natürlich von Levitz erklären lassen, um welche es sich handelt. Das Bewachungspersonal habe ich etwas reduziert, mit der Begründung (die die Charaktere natürlich niemals erfahren haben), dass die Shk’ryth sich nur in Nähe ihrer Domäne bedingungslos ergebene Sklaven halten können und zusätzliches Personal eher ein Risiko dafür darstellt, dass etwas nach draußen dringt. Nichtsdestotrotz habe ich an jeder Nebenstelle rund 20 gelangweilte Söldner stationiert, während die Shk’ryth am Hauptgebäude auf den Weltuntergang warteten, wo sich natürlich noch mehr ahnungslose Söldner befanden.
Einmal mehr habe ich mich überraschen lassen, was sich meine Gruppe einfallen lassen würde.

Und nun zur Praxis: Die Charaktere haben vorgetäuscht, Söldner von TemCos Posten am Makalu zu sein, die von ihrem Vorgesetzten, kurz bevor dieser von aufgebrachten Bewohnern Khun Lis über den Haufen geschossen wurde, den Befehl erhalten zu haben, einen Haufen Dokumente in die Wüste Gobi zu fahren. Auf diese Weise gelangten sie in Nebenstelle B, während andere die Dokumente zur Hauptstelle fuhren. Dort drangen sie zu Levitz vor und taten, was an der Nebenstelle zu tun war. An Nebenstelle A gelang einem Charakter mit etwas Trickserei das gleiche, während die zwei Charaktere, die (in einem absichtlichen Gambit) in die Hauptstelle marschierten, von einem sadistischen Kage gefangen genommen und gefesselt unter das Dreieck gelegt wurden. Da Kage nichts von dem verbleibenden Charakter wusste, konnte dieser sich schließlich in die Hauptstelle einschleichen …