Zwischen den Jahren… Version 2016

Das Weihnachtsfest 2016 ist wieder Vergangenheit, das neue Jahr drängt unaufhaltsam näher. Wie in jedem Jahr möchte ich die „namenlose Zeit zwischen den Jahren“ – oder halt eben auch die „Raunächte“ – dazu nutzen, ein wenig innezuhalten, Vergangenes zu analysieren und Pläne für die Zukunft zu fassen. Traditionell nutze ich diese Gelegenheit, um Euch auch hier auf diesem Blog an Erledigtem, Versäumten und Geplantem teilhaben zu lassen. Außerdem möchte ich wieder die Inhalte meines Blogs mit meinen Plänen des letzten Jahres abgleichen, was immer wieder spannend ist. Tatsächlich nutze ich selbst inzwischen diese Vor- und Rückschau ganz gerne, um mir meine Ziele ab und zu vor Augen zu halten. Also, gehen wir doch gleich in medias res:

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Über 17.000 Leser fanden im gerade vergehenden Jahr den Weg auf diesen Blog. Die Leserzahlen entwickelten sich im Vergleich zum letzten Jahr damit ganz leicht positiv. Das freut mich ungemein, allerdings kommen mir diese Zahlen im Vergleich zu vielen anderen Blogs, die in dieser Zeit ihre statistischen Daten veröffentlichen, doch verschwindend gering vor. Vielleicht schlicht, weil ich eine Nische in der Nische vertrete, vielleicht investiere ich aber auch zu wenig in Werbung :-).
  • Insgesamt verfasste ich 102 Einträge im vergangenen Jahr – diesen Beitrag hier gleich mit eingerechnet. Die Taktfrequenz hat sich damit drastisch im Vergleich zu den letzten Jahren erhöht. Fairerweise muss ich aber attestieren, dass diese Masse an Einträgen in erster Linie durch meine Teilnahme an der RPGaDay-Challenge im August zustande gekommen ist. Die meisten dieser Beiträge waren allerdings sehr kurz und wenig informativ – ein Experiment, dessen Wiederholung ich für mich persönlich noch sehr infrage stelle.
  • Im vergangen Jahr verfasste ich für diesen Blog 19 Rezensionen. Dabei standen cthuloide Hörspiele erstmals etwas mehr im Fokus. Dazu kommen dann auch noch einige „spartenfremde“ Rezensionen für den Ringboten. Stand ich dem Thema „Rezensionen“ im vergangen Jahr leicht kritisch gegenüber, so sah ich mich in diesem Jahr genötigt, etwas umfangreicher Stellung dazu zu nehmen. Unterm Strich halte ich Rezensionen mittlerweile nicht mehr unbedingt für eine reine Kaufhilfe interessierter Kunden; stattdessen sind sie auch eine der Möglichkeiten, dem Verlag/Autoren Feedback zu geben und damit sicherlich nicht komplett fehl am Platze.
  • Wie auch schon in den vergangenen Jahren habe ich natürlich auch versucht, ein wenig neues Spielmaterial auf meinem Blog zu präsentieren. Aus meiner Feder stammen dabei mein letztjähriger OPC-Beitrag „Schneller als sein Schatten“ – mein erstes Abenteuer für Cthulhu Wild-West – die Investigatoren-Organisation „Gerberus Wächter“ und „Das Buch des Goldes“. Letztere Beiträge entstanden im Rahmen des „Karnevals der Rollenspielblogs“ und sind zwar keine komplett ausgearbeiteten Abenteuer, bieten aber immerhin die ein oder andere Idee. Natürlich nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle auch die Gastbeiträge von Nick Dysen, der seine OPC-Einseiter aus dem vergangenen Jahr auch bei mir veröffentlicht hat. Beide sind ebenfalls für Cthulhu Wild-West entstanden.
  • A propos Gastbeitrag: ich betreue ja dankenswerterweise nach wie vor auch die Kategorie „Cthulhu.de Bestseller“. Aus den Archiven des leider entschlafenen Blogs Cthulhu.de habe ich im vergangenen Jahr 14 Artikel wieder verfügbar gemacht. Mittlerweile ist ein Backup des Blogs ja wieder komplett online zu finden, allerdings denke ich, dass ich dennoch mit ausgewählten Artikeln fortfahren werde. Nicht nur, dass ich ja völlig verrückt wäre, wenn ich dieses qualitativ hochwertige Material NICHT auf meinem Blog präsentieren würde – nein, ich denke auch, dass viele zeitlose Perlen auf diese Art eher neue Leser finden und so eine „Win-Win-Win“-Situation generiert wird. Lasst es mich wissen, wenn Ihr das anders seht.
  • Nicht unerwähnt lassen, auch wenn es mit meinem Blog eher weniger zu tun hat, möchte ich das Ende der wunderbaren Zeitschrift „Cthulhus Ruf“. Hier machte ich meine ersten Erfahrungen als „publizierter“ Autor, und ich widmete ihrem Ende einen ausführlichen Abschiedsartikel.

Abseits des Blogs hat sich wieder einiges getan. Wie auch im vergangenen Jahr konnte ich einige Artikel – eine Menge davon abseits cthuloider Gefilde – für den Ringboten beisteuern. Dazu gehört insbesondere „Die Schatzkarte der Trollpiraten“, ein für den GRT 2016 produziertes Universal-Abenteuer, welches sich auch wieder in Printform in den Schatzkisten wiederfand. Außerdem konnte ich wieder einen Text im zweiten NIPAJIN-Shots-Heft platzieren – und auch gleich wieder den Wilden Westen besuchen, was mich sehr gefreut hat. Außerdem konnte ich mich beim letzten Abenteuerwettbewerb von Pegasus auf dem Treppchen platzieren und erzielte einen ehrbaren zweiten Rang. Darüber hinaus habe ich mich auch der Aufgabe gestellt, den Lovecrafter – das neue Vereinsmagazin der dLG – mit zu betreuen und mich für den RPG-Bereich verantwortlich zu zeichnen. Eine Menge spannender Aktivitäten und Aufgaben – wobei ich insbesondere bei meiner neuen Redakteurstätigkeit noch gar nicht abschätzen kann, wieviel Arbeit dort wohl auf mich zukommt.

Gerade vor dem Hintergrund der blog-abseitig stattfindenden Arbeiten (zu den Hobbies gesellte sich ja auch noch der mit Wasser vollgelaufene Keller, dessen Renovierung erst im November abgeschlossen war…) und der Tatsache, dass ich dadurch auch einen kleinen, realistischen Abstand zu meiner Bloggerei gefunden habe, bin ich eigentlich sehr zufrieden mit meinem Blog im vergangenen Jahr. Ja, es hätte mehr Spielmaterial sein dürfen, ja, ich bin nicht immer up-to-date mit meinen News-Meldungen. Aber dank dem „Cthulhus Ruf-Archiv“, einigen Karnevalsteilnahmen und dem OPC findet sich hier dann doch immer auch mal Spielmaterial – auch aus meiner Feder – wieder. Mehr kann und darf ich im Moment einfach nicht verlangen :-).

Was hätte sein sollen?

Als nächstes möchte ich mich ein wenig mit meinen Planungen vergleichen. Für dieses Jahr hatte ich mir bewusst vorgenommen, etwas „kleinere Brötchen“ zu backen:

Weiter gehen wird es natürlich mit den „Cthulhu.de-Bestsellern“. Da gibt es noch einiges Material, welches der Wiederveröffentlichung harrt. Da neben der Datensichtung und gelegentlichem Format-Eingriff hier keine echte Arbeit meinerseits notwendig ist, wird es damit definitiv weitergehen.

Ja, das ist mir wohl gelungen.

Rezensiert wird natürlich weiterhin fleißig. Ich habe da noch ein paar „Cthulhus Ruf“-Artikel, die auf Besprechung harren :-). Wobei ich mich schon frage, ob jemand mit diesen Rezensionen wirklich etwas „anstellt“, heißt, sie in eine evtl. Kaufentscheidung mit einfließen lässt… vielleicht stelle ich hierzu in naher Zukunft mal ein paar Fragen, denn ich will Euch ja nicht mit Rezensionen langweilen.

Auch hier bin ich weiter gekommen. Und ich habe für mich entschlossen, Rezensionen – da es eben auch Feedback-Mittel an Verlag und Redaktion ist – kurzfristig nicht weiter infrage zu stellen. Allerdings mittelfristig – dazu gleich mehr.

Über die neue Cthulhu-Edition, die ich vor kurzem fertig rezensiert habe, möchte ich noch etwas mehr schreiben – jetzt, wo sich ein Gesamtbild ergibt. Das wird dann auch mal ein etwas längeres Thema…

Ja, auch das habe ich erledigt. Neben einigen Foren-Diskussionen habe ich auch auf diesen Seiten einen der wohl am meisten diskutierten Artikel meiner Blog-Historie verfasst.

Wenn es mit den OPC-Beiträgen noch klappt (dieses Jahr bin ich am Weihnachtspreis gescheitert. Die Zeit, die Zeit…), findet Ihr sie nächstes Jahr natürlich auch auf diesen Seiten wieder.

Erledigt :-).

Das Thema Gaslicht hat mich gedanklich noch nicht verlassen. Vielleicht komme ich ja im nächsten Jahr dazu… *hust, hust*

An dieser Front leider nichts Neues. Meine freie Zeit ist einfach zu knapp bemessen… aber ich halte es auf der Agenda, irgendwann wird es mir doch sicherlich gelingen, den inneren Schweinehund an dieser Stelle zu überwinden…

Geplantes für 2017

Wie immer möchte ich meinen Jahresrückblick mit einem kleinen Ausblick auf das schließen, was Euch – geplant – im nächsten Jahr hier erwarten soll. Allerdings werde ich weiterhin davon absehen, meine Ziele all zu hoch zu stecken.

  • Weiter gehen wird es natürlich mit den „Cthulhu.de-Bestsellern“. Da gibt es noch einiges Material, das der Wiederveröffentlichung harrt. Da neben der Datensichtung und gelegentlichem Format-Eingriff hier keine echte Arbeit meinerseits notwendig ist, wird es damit definitiv weitergehen.
  • Vorläufig werde ich auch an dieser Stelle weiter Rezensionen verfassen. Allerdings werde ich mich bald deutlich hinterfragen müssen, ob das noch lange funktioniert. Denn immerhin wird demnächst ein erstes Abenteuer aus meiner Feder (das Wettbewerbsabenteuer) unter pegasus’scher Flagge veröffentlicht. Stehe ich damit dem Verlag nicht bereits zu nahe, um objektive Rezensionen zu verfassen? Mein persönliches Empfinden muss ich bei dieser Betrachtung außen vor lassen (denn natürlich ändert sich mein Verhältnis dadurch nicht – ich bin ja immer noch kein Verlagsmitarbeiter oder so was), denn über Integrität in solchen Fällen entscheidet in meinen Augen der Leser. Ich bin mir da noch nicht sicher, wie es weiter geht.
  • Natürlich möchte ich auch wieder meine OPC-Beiträge veröffentlichen – und auch ein wenig über den OPC schreiben, wie im letzten Jahr.
  • Wirklich, wirklich gerne würde ich auf diesem Blog etwas abseitigere Settings – WildWest, Katzulhu, Gaslicht – wieder mehr behandeln. Ich hoffe, dass ich dafür die Zeit finde.

Das soll es schon sein? Eigentlich nicht, denn wenn ich das Thema „Rezensionen“ hier wirklich einmal ausklammere, nimmt die Taktfrequenz und die inhaltliche Breite des Blogs weiter ab. Insofern werde ich mir etwas überlegen müssen, wie ich diese Lücke zu stopfen gedenke. Dabei muss ich selbstkritisch und realistisch genug sein um mir sagen zu müssen: mit Spielmaterial werde ich das nicht hinkriegen. Insofern braucht es noch eine zündende Idee, welche spannenden cthuloiden Inhalte ich hier dann fürderhin präsentieren kann…

Doch für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2017 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui

PS: Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle den beiden Bloggern Wuerfelheld und Greifenklaue, die mich sowohl mit ihren RPG-Blog-O-Quests als auch ihren regelmäßigen OPC zum Schreiben animieren. Danke Euch!

Rezension: Dreißig

Bereits seit dreißig Jahren erscheint bei dem einen oder anderen Verlag cthuloides Rollenspielmaterial in Deutschland. Grund genug für die „Cthulhu“-Redaktion, diesem Anlass einen eigenen Abenteuerband zu widmen. In jedem der vier enthaltenen Abenteuer spielt die Zahl „30“ eine entscheidende Rolle. Wie gelungen ist der Jubiläumsband?

rezension-dreissigEs ist ein stolzes Jubiläum, welches Pegasus im Jahr 2016 feiern darf: dreißig Jahre „Cthulhu“ in Deutschland. Neben der ersten, offiziellen Support-Kampagne „Zeit der Ernte“, die das gesamte Jahr begleitete und einigen Gewinnspielen auf cthulhu.de wird diesem Umstand nun auch mit einem eigenen Abenteuerband Rechnung getragen. Die große Jubiläumszahl „30“ spielt dabei in jedem Abenteuer eine tragende Rolle. „Dreißig“ erscheint in (fast schon gewohnter Form) als Softcoverband. Die Seiten bestehen aus einem rauen, angenehm dicken Papier. Wieder wurden dem cthuloiden Horror hier gleich 120 Seiten spendiert, was auf eine umfangreiche Materialfülle rückschließen lässt. Was aber findet sich zwischen den Buchdeckeln? Ein wichtiger Hinweis: Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Mir sei daher die obligatorische Spoilerwarnung erlaubt: Leser, welche die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten sei angeraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Das erste Szenario, „30 Liter Jungfrauenblut“, bietet sich insbesondere für Investigatoren an, die dem Gangstermilieu entsprungen sind. Die Spieler übernehmen die Rolle von Kleinganoven, die für einen Big Boss in Detroit arbeiten. Dieser beauftragt die Gruppe damit, eine bestimmte Lieferung an der kanadischen Grenze in Empfang zu nehmen. Alkohol, wie man vermuten könnte – doch dieses Mal ist alles anders. Die Ware wird in schweren Holzkisten geliefert und auf dem Rückweg werden die Investigatoren von einer mit Maschinengewehren ausgestatteten Gruppe überfallen. Es muss einen Verräter in den eigenen Reihen geben … Dieses Abenteuer ist ein Musterbeispiel für cthuloiden „Gangster“-Horror und hätte dem „Gangster“-Band hervorragend zu Gesicht gestanden. Es ist spannend, abwechslungsreich, stellt die Investigatoren vor schwerwiegende Entscheidungen und spielt gekonnt mit einigen Klischees. Empfehlenswert.

Es folgt „Ein Foto von 30 Sternen“, in dem die Gruppe unversehens von außerdimensionalen Wesenheiten attackiert wird. Die Investigatoren müssen eine Menge Beinarbeit leisten, um die Hintergrundgeschichte zu entwirren. Die Suche nach einem Jahrtausende alten Kult, dessen Umtriebe sie verhindern müssen, führt sie schließlich über Tripolis bis nach Ägypten. Das Abenteuer ist fast schon eine kleine Kampagne, wartet mit einem starken Einstieg auf und bietet interessante Gegenspieler.

Das dritte Abenteuer, „30 ° / 30 °“ ist vielmehr ein kurzes Intermezzo denn ein abendfüllendes Szenario. Die Investigatoren finden sich an Bord eines Flugzeugs wieder, dass über dem 30. Längen- und Breitengrad, inmitten der ägyptischen Wüste, abstürzt. Einer glücklichen Fügung haben sie es dann zu verdanken, dass eine Gruppe Beduinen auf sie aufmerksam wird und ihnen hilft. Doch schon nach der ersten Nacht im Lager der Beduinen müssen die Investigatoren erkennen, dass sie mehr Gefangene als Gäste sind – und sich ihre Situation weiter verschlimmert, je länger sie bleiben … Als eigenständiges Abenteuer ist „30 ° / 30 °“ sehr kurz geraten, aber für einen Einschub in einer Kampagne kann es eine dankbare Abwechslung sein. Es bietet auf jeden Fall wenig verbrauchte Antagonisten und einen zielstrebigen Plot.

Als viertes liegt mit „Filmriss“ ein One-Shot mit fünf vorgefertigten Charakteren für „Cthulhu Now“ vor. Die Investigatoren sind allesamt Filmfans, die in einer Spätvorstellung eines Kultfilms sitzen. Plötzlich reißt das Band, die Gruppe findet eine Leiche im Vorführraum und schon bald werden sie in einen Strudel ungewöhnlicher und äußerst bedrohlicher Ereignisse gesogen … „Filmriss“ besticht vor allem durch die vielen Hinweise, um das Abenteuer mit ein wenig Aufwand plastischer zu gestalten (wie den Vorschlag, die Gruppe tatsächlich einen Film ansehen zu lassen, bis das Band reißt). Leider ist die eigentliche Handlung und Optionsvielfalt für die Investigatoren relativ dünn, was aber durch den Zeitdruck, der im Abenteuer aufgebaut wird, gut kaschiert wird. Insgesamt sicher eine lohnenswerte Erfahrung.

Abgerundet wird der Band mit einem Aufsatz vom ehemaligen „Cthulhu“-Chefredakteur Frank Heller, der die vergangenen dreißig Jahre „Cthulhu“ in Deutschland Revue passieren lässt sowie einer umfangreichen Publikationsübersicht. Für die optische Aufarbeitung gibt es eine gute Zwischennote. Die Bebilderung erfolgt abermals mit alten Photographien, was sowohl stimmungsvoll als auch oft passend geschieht; das „Now“-Szenario ist wie gewohnt mit Zeichnungen illustriert. Beiliegende Handouts und Karten sind optisch hochwertig und gut gelungen.

Fazit: Vier gute Abenteuer, die streckenweise langen Spielspaß versprechen oder aber flexibel einflechtbar sind. Das Ganze zu einem niedrigen Preis von gerade einmal 9,95 Euro. Eigentlich gibt es keinen Grund für cthuloide Spielleiter, „Dreißig“ nicht zu kaufen. Empfehlenswert.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de

Ein paar News (XXXI)…

Pünktlich zur bevorstehenden Spielemesse wage ich einen raschen Blick auf die angekündigten Veröffentlichungen zum Thema „CTHULHU“:

cthulhu_prag_-_die_goldene_stadt_komplettausgabe_9783957890306Prag – Die Goldene Stadt
Leicht kann man sich in den verwinkelten Gassen Prags verlieren und Geheimnisse entdecken, die den Verstand kosten. Prag, die Goldene Stadt, ist ein Ort voller Mysterien und Geschichte. Mit Rudolf II. wurde Prag zur Hochburg der Alchemie. Die Gier nach Gold war grenzenlos und brachte Prag an den Rand des Untergangs. Und auch Jahrhunderte später ruht noch immer der Goldene Gott unter der Stadt …

In den 1920er Jahren ist Prag noch immer ein okkultes Zentrum. Verschiedene Gruppen ringen um Einfluss: Neue alchemistische Zirkel haben sich gebildet, die Rosenkreuzer sind auf einem Kreuzzug, die Freimaurer immer im Spiel. Die Investigatoren geraten zwangsläufig zwischen die Fronten, müssen Bündnisse knüpfen, Verräter enttarnen und die hermetischen Traditionen der Alchemie nutzen, um die Stadt zu retten.

Prag – Die Goldene Stadt ist ein Quellen- und Abenteuerband für Cthulhu in Hardcoverform, der die Stadt beschreibt und dem Spielleiter einen Spielhintergrund und Kampagnenwerkzeuge an die Hand gibt. Ganz verschiedene Ansätze zum Cthulhu-Mythos stehen zur Verfügung, neue Regelmechanismen bringen die Alchemie ins Spiel. Vier Abenteuer und mehrere Kurzszenarien bilden eine Kampagne rund um die Alchemie, ein davon unabhängiges Abenteuer dreht sich um Franz Kafkas Nachlass.

Preis: 19,95 Euro
Umfang: ca. 208 Seiten

Dazu passend erscheint auch wieder eine Spieler-Ausgabe:

Das Reisejournal zu dem Quellen- und Abenteuerband Prag – Die Goldene Stadt ist ein Hilfsmittel für Spieler in Softcoverform. Es bietet zahlreiche Informationen für Investigatoren, die den Aufenthalt in dieser Stadt erleichtern und gleichzeitig den Spielleiter entlasten. Außerdem verfügt es über ausreichend Platz für eigene Aufzeichnungen, wenn die Investigatoren die Geheimnisse der Alchemie zu entschlüsseln versuchen …

9,95 Euro
Umfang: ca. 64 Seiten

Und dann ist da auch noch der nächste Softcoverband mit Abenteuern angekündigt:

cthulhu_dreissig_9783957890474DREISSIG
1986 bis 2016 – 30 Jahre Cthulhu in Deutschland!

Von der ersten Ausgabe von Hobby Products über das Intermezzo bei Laurin bis zur kontinuierlichen Erfolgsgeschichte bei Pegasus Spiele – Cthulhu ist damit zweifellos das erfolgreichste Horror-Rollenspiel aller Zeiten im deutschsprachigen Raum!
Dies gilt es mit vier Abenteuern zu feiern, die sich rund die „30“ drehen:

30 Liter Jungfrauenblut benötigt ein Kult in Boston für sein Ritual. Die Investigatoren werden als Bandenmitglieder eines prominenten Gangsters in die Geschichte hineingezogen und müssen sich entscheiden, auf wessen Seite sie stehen.
Ein Foto von 30 Sternen lässt hinter den Schleier zwischen Diesseits und Jenseits blicken und treibt die Investigatoren über Berlin und Tripolis bis nach Ägypten.
30° / 30° gibt die Position an, an der die Investigatoren in diesem Einsteigerabenteuer bei einer Notlandung stranden – in der ägyptischen Wüste.
Filmriss konfrontiert die Investigatoren als One-Shot für CTHULHU NOW mit einem Mord in einem Kino … und noch mit viel, viel mehr.

Als Bonus sind ein ausführlicher Rückblick auf „30 Jahre Cthulhu“ sowie eine Aufstellung aller Publikationen von Pegasus Spiele für Cthulhu von 1999 bis heute enthalten.

Gesamtumfang: 120 Seiten.
Preis: angekündigt für 9,95 Euro

Alle Infos stammen von pegasus.de/cthulhu.

Hallo. Ich bin Seanchui und ich bin Rezensent. – Hallo, Seanchui!

Tja, nun ist es raus.

Ja, ich schreibe Rezensionen. Nicht nur hier auf diesem Blog, sondern auch für den Ringboten. Während ich diesen schockierenden Offenbarungseid einer imaginären Selbsthilfegruppe gegenüber leiste, fragt sich der eine oder andere Leser, was ich hier eigentlich tue, nicht wahr?

Nun, dafür muss ich Euch wohl eine kleine Geschichte erzählen. Sie beginnt bei den Blognachbarn von „Neue Abenteuer“ mit einem Rant über DSA. In Folge dieses Rants hat der betroffene Verlag Ulisses Spiele beschlossen, diesen Blog nicht mehr mit kostenlosem Rezensionsmaterial zu versorgen. Eine entsprechende Erklärung seitens der Blogbetreiber findet sich HIER.

Nachdem sich – natürlich – zunächst ein Sturm der Entrüstung über den furchtbaren Finanzhai Ulisses anbahnte, die offensichtlich und ganz erheblich Einfluß auf die Rezensionen ihrer Produkte nehmen wollten (an dieser Stelle möchte ich meiner persönliche Meinung über den Vorgang nicht weiter vertiefen, da sie für den weiteren Artikel irrelevant ist), schlich sich alsbald in die verschiedenen Diskussionen – sei es bei den Blogbeiträgen oder später auch im Tanelorn – mehr und mehr ein Vorwurf vieler Beteiligten an die Rezensenten ein.

Wer Rezensionsexemplare nimmt, macht sich abhängig. Wer Rezensionsexemplare nimmt, schreibt viel zu freundlich über die jeweiligen Produkte, denn er kann nicht mehr neutral sein. Niemand beißt die Hand, die einen füttert. Nur, wer unabhängig und selbstkäuferisch tätig bleibt, kann WIRKLICH eine objektive Meinung zu einem Produkt fassen. Dazu kommt, dass sich Hinz und Kunz als Rezensenten bezeichnen, egal ob sie journalistisch geschult sind oder nur gerade mal zwei Sätze gradeaus schreiben können. Es ist ein Trauerspiel mit den deutschen Rollenspielrezensionen, ein Trauerspiel. Und vor allem gibt es einige von Euch da draußen, die Gott sei Dank den Absprung geschafft haben und NICHT mehr rezensieren.

Ich aber bin mittendrin. Was tue ich damit nun? Am Besten, ich teile Euch MEINE Sicht der Dinge mit, damit Ihr wisst, was Euch erwartet, wenn Ihr eine Rezension auf diesem Blog lest.

1. Ja, ich nehme Rezensionsexemplare
Längst nicht allen Rezensionen auf diesem Blog liegt ein Rezensionsexemplar zugrunde. Allerdings gilt das für die meisten für den Ringboten verfassten Rezensionen. Auch hier rezensiere ich gerne gekauftes Material, aber ich könnte es mir nie leisten, für den dort von mir gestemmten Artikeloutput auch tatsächlich eingekauft zu haben.
Wirkt sich das auf meine Rezensionen aus? Nein. Ich gebe zu, dass sicherlich der Aspekt des „Und-dafür-habe-ich-Geld-ausgegeben???“-Aufregens unter den Tisch fällt. Gar keine Frage. Aber ich war mir nie zu schade, Dinge die MICH wirklich störten auch anzusprechen. Ich erinnere mich an rege Diskussionen über Produktpolitik, über Design. Ich erinnere mich an harsche Kritik zu einzelnen Abenteuern, an mahnende Worte zu Produktplanungen und an Kritik zu gewählten Bildmotiven. Ich erinnere mich an Umfragen und meine Kritik an Ihnen und ich erinnere mich an einige Produkte, die in meinen Rezensionen nicht wirklich gut weggekommen sind.
Was hat das zur Folge? Natürlich nichts. Niemand schneidet mich, hasst mich, oder streicht mich von irgendwelchen Rezensionsexemplar-Listen, weil ich ein Produkt verrissen habe. Tatsächlich habe ich gerade im Bereich Cthulhu den regen Austausch mit der Redaktion gesucht und schätzen gelernt. Und viele Autoren oder andere Verantwortliche lechzen geradezu nach Feedback und nehmen auch negative Kritik entgegen. Doch auch abseits von CTHULHU habe ich durchaus negative Rezensionen verfassen müssen. Aber nie hat irgendein Verlag daraufhin die Freundschaft gekündigt. Nie.

2. Meine Rezensionen haben keinen Anspruch auf absolute Objektivität
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Ich versuche, möglichst viele objektive Bewertungskriterien zu finden. War das Lektorat gut? Wie ist die Verarbeitung des Buches? Wie umfangreich ist das Hintergrundmaterial, wie spieltischnah ist es aufbereitet? Wie umfangreich ist das Regelwerk und/oder wie gut sind die Regeln beschrieben? Das sind alles Dinge, die man relativ objektiv betrachten kann. Und ich versuche, all diese Dinge in meinen Rezensionen zu berücksichtigen. Aber natürlich spielt der persönliche Geschmack in der Endnote immer eine Rolle.
Mir gefällt z. B. das düster-schwurbelige-Atmosphäre-Geblubber vieler deutscher CTHULHU-Abenteuer. Nicht unbedingt in der Aufbereitung (auch hier gab es manche Kritik), sehr wohl aber in seiner Herangehensweise an den Mythos. Ja, ich lese von vielen Usern, die gerade deswegen NICHT Cthulhu spielen. Aber mich spricht es an, es war der Grund für mich, diesen Blog anzulegen. Damit stehe ich vielen Publikationen natürlich mit einer gewissen „positiven Grundeinstellung“ gegenüber, die andere womöglich Kopfschütteln lässt. Aber: es ist schlicht das Ergebnis meines persönlichen Geschmacks und hat nichts mit Anbiederei an Verlage zu tun, um ja weiterhin Rezensionsexemplare zu erhalten!

3. Meine Rezensionen sind kurz und umfassen nur wenige Punkte
Ich versuche, meine Rezensionen kurz zu fassen. Ich ertappe mich selbst oft dabei, wie ich bei langen, langen, langen Rezensionen irgendwann den Faden verliere und dann doch zum Fazit scrolle – egal, wie interessant ich das zu besprechende Produkt eigentlich finde. Da ich fürchte, dass es manchem Leser so gehen könnte, möchte ich mich kürzer halten. Was findet Ihr aber in meinen Rezensionen?
Zunächst normalerweise eine kurze Einleitung über das Produkt. Wann und in welcher Konstellation ist es erschienen? War es ein Crowdfunding? Oder das Ergebnis eines Abenteuerwettbewerbs? Als nächstes folgt dann eine Inhaltsangabe. Im Falle eines Regelwerkes spreche ich auch grob darüber, WIE die Regeln überhaupt funktionieren und welche Aspekte „besonders“ sind – bei CTHULHU wären das z. B. die Regeln für Geistige Stabilität, bei SYMBAROUM z. B. der Umstand, dass der Spielleiter NIE würfelt. Nach der Inhaltsangabe formuliere ich normalerweise meine Meinung über das Produkt, welche Stärken und Schwächen in meinen Augen gegeben sind und wer vielleicht lieber die Finger davon lassen sollte. Zuletzt spreche ich meist kurz über Verarbeitung und Layout, lobe oder kritisiere die Bebilderung und lasse einen Satz über das Lektorat fallen. Ein abschließendes Fazit rundet die Rezension ab. All das zusammen kommt normalerweise auf ca. einer A4-Seite unter.

4. Ich rezensiere nichts, an dem ich beteiligt bin
Seit einiger Zeit versuche ich mich hin und wieder als Autor. Da gibt es einige Ausgaben von „Cthulhus Ruf“, in denen ich namentlich geführt werde. Und in irgendeiner Zukunft werden wohl die Siegerabenteuer des letzten Pegasus-Wettbewerbes (bei dem ich den zweiten Platz belegen konnte) veröffentlicht werden.
Ja, ich spreche auf diesem Blog auch über diese Produkte, stelle sie vor, plaudere aus meinem Nähkästchen. Aber ich werte sie nicht. Und die Artikel heißen auch nicht „Rezension“. Und natürlich weise ich in jedem dieser Artikel darauf hin, dass ich an der Publikation irgendwie beteiligt war oder bin. Ich hoffe, so möglichst transparent zu bleiben.

Irgendwann mag – zumindest in Bezug auf CTHULHU – der Punkt erreicht sein, an dem man mir meine Objektivität nicht mehr abkauft. Wenn z. B. mein Name erstmals in einer offiziellen Publikation auftaucht, wird man mir eine direkte Verlagsnähe attestieren, die meine Neutralität unbedingt untergraben muss. Wenn es soweit ist, werde auch ich meine Neutralität und meine Rezensionsfähigkeit für die Produktlinie „CTHULHU“ kritisch hinterfragen müssen. Aber seid versichert, dass ich bis dahin versuche so neutral, offen, ehrlich, kritisch oder lobhudelnd wie es mir MEINE Meinung gestattet, über Cthulhu-Publikationen zu berichten.

Ich hoffe, wir lesen uns
Seanchui

Ein paar News (XXIX)…

Ich habe mir ganz fest vorgenommen, die Taktfrequenz meiner Newsbeiträge ein wenig zu erhöhen. In diesem Jahr ist es immerhin mal nicht der erste (und womöglich einzige :-)) Beitrag seiner Art. In grauer Vorzeit, während der Entstehung dieses Blogs, hatte ich eine Art „Portal“- und „Sammelstelle“-Gedanken im Hinterkopf, der im Laufe der Zeit der biederen Blog-Realität gewichen ist. Aber ein wenig auf dem Laufenden halten kann ich Euch ja dennoch :-).

Geplante Produkte

Nachdem zur RPC ein ganzer Schwung neues Spielmaterial für CTHULHU veröffentlicht wurde, hat Heiko Gill nun – auch abseits seines Workshops auf der RPC – einen kleinen Blick in die Zukunft gewagt und ihn im Forum veröffentlicht. Ich zitiere:

Es sind keine Probleme ersichtlich, die verhindern könnten, dass planmäßig zur SPIEL 2016 erscheinen werden:

Prag – Die Goldene Stadt (Städteband mit mehreren Abenteuern)
ebenfalls mit begleitendem Softcover für die Spieler.

Dreißig – Softcover mit vier Abenteuern, die irgendwie mit der „30“ zu tun haben könnten.
Die Autoren sind
Peer Kröger
Marcel Durer
Carsten Pohl
Thomas Michalski

Insbesondere über die bekannteren Namen in „Dreißig“ freue ich mich, habe ich aus ihrer Feder doch schon wirklich faszinierendes Material gelesen und/oder geleitet. Aber zumindest über „Prag“ sprechen wir ja jetzt schon recht lange. Aber was gibt’s danach?

Für eine Veröffentlichung zu einem späteren Zeitpunkt wird gerade gearbeitet an:

Mystiker & Magier
Ein „Berufeband“, der sich mit dieser Berufsgruppe von Investigatoren dreht.

Grenzland
Eine (nicht übersetzte) Kampagne (einbändig), die in Deutschland spielt.

Field Guide (Arbeitstitel)
Die Übersetzung von S. Petersen’s Field Guide to Lovecraftian Horrors

Während ich bei ersterem überhaupt nicht weiß, was uns hier erwarten könnte und ich zweiteres bislang überhaupt nicht kommentieren kann, freue ich mich diebisch auf das dritte Buch in Planung, den „Field Guide“. Ein Pröbchen gefällig? HIER LANG.

„Das Ritual“ – dLG-Veranstaltung

Nachdem nun mit der zehnten Ausgabe von „Cthulhus Ruf“ das Fanmagazin eingestellt wurde, werkeln viele Mitglieder der dLG gerade fleißig an dem nachfolgenden Vereinsmagazin, dem „Lovecrafter“. Die Nullnummer soll nun bald in würdigem Rahmen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ich zitiere Forenuser Clemens:

Die Deutsche Lovecraft Gesellschaft und der cthuloide Ruhrpott-Stammtisch circinus caprae carbonis laden zum Ritual!
Die Teilnahme an dieser Zusammenkunft anlässlich des 90. Geburtstages von H.P. Lovecrafts berühmtester literarischer Schöpfung ist kostenfrei. Lediglich den eine Getränkeflatrate beinhaltenden Eintritt zum Unperfekthaus entrichtet jeder Jünger Cthulhus persönlich.

Termin: 25. September, 15.00 – 18.00 Uhr
Ort: Unperfekthaus in Essen
https://www.unperfekthaus.de

PROGRAMM
1) Vorstellung des neuen dLG-Vereinsmagazins Lovecrafter
2) Vorstellung des dLG-Förderprojekts Encyclopaedia Necronomica
3) Podiumsdiskussion “Cthulhu in Literatur und Popkultur”

Alle weiteren wichtigen Infos findet Ihr HIER.

Rezension: Feiertage der Furcht

Als die siebte Edition des traditionsreichen Horror-Rollenspiels „Cthulhu“ ihre Schatten vorauswarf, besann man sich bei Pegasus gleich doppelt auf alte Tugenden: Zum einen wurden wieder günstige Softcoverbände wie zu Zeiten der „Cthuloiden Welten“ aufgelegt, zum anderen wurde auch gleich Material aus dem leider eingestellten Hausmagazin wiederverwertet. Auch in „Feiertage der Furcht“, dem neuesten Abenteuerband, wurde teilweise wieder auf klassisches Material zurückgegriffen.

Rezension - Feiertage der FurchtWie auch die letzten Abenteuerbände, liegt „Feiertage der Furcht“ als ein Softcoverband vor, dem allerdings 80 Seiten spendiert wurden. Während für die vorangegangenen Bände allerdings ausschließlich alte Abenteuer aus den „Cthuloiden Welten“ überarbeitet wurden, wartet nun ein ebensolcher Klassiker zwischen den Buchdeckeln, aber auch zwei neue Szenarien aus deutscher Feder. Allen drei Abenteuern ist gemein, dass ihre Rahmenhandlung irgendeinen Feiertag berührt, woraus sich der Titel des Bandes erklärt. Mir sei – wie so oft, wenn ich Abenteuerbände bespreche – an dieser Stelle die nahezu obligatorische Spoilerwarnung erlaubt: Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Leser, die die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten sei angeraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Eröffnet wird der Band mit „Verlobung auf Girnwood Manor“ aus der Feder von Routinier Andreas Melhorn. Dieses Abenteuer erschien erstmals unter dem Titel „Girnwood Manor“ in der „Cthuloiden Welten“ Nummer 15 und war eigentlich für einen Sonderband mit dem Titel „Kleine Räume“ angedacht, der allerdings nie realisiert wurde. Doch worum geht es? Die Investigatoren erhalten eine Einladung zu einer Verlobungsfeier. Einmal auf dem Landsitz der Familie Girnwood angekommen, muss die Gruppe aber bald feststellen, dass der Haussegen reichlich schief hängt: Die Verlobten streiten sich zunehmend, es stehen Morddrohungen im Raum und die Hausangestellten scheinen etwas zu verbergen zu haben. Und dann gibt es da noch seltsame Bewegungen in dem finsteren Wald, der das Haus umgibt … „Verlobung auf Girnwood Manor“ ist ein psychologisch hochinteressantes Abenteuer mit einem beinharten Finale. Trotz dem engen Raum, auf dem der Großteil des Abenteuers stattfindet, bleibt es hochgradig flexibel und hängt maßgeblich von den Entscheidungen der Charaktere ab. Durch die zahlreichen NSC und die oft unvorhersehbare Reihenfolge an Ereignissen ist es sicherlich nicht für einen Einsteiger auf dem Spielleiterposten geeignet, doch wer sich darauf einlassen mag, erhält einige denkwürdige Begegnungen.

Hat „Verlobung auf Girnwood Manor“ knapp die erste Hälfte des Bandes in Anspruch genommen, sind die beiden folgenden Szenarien deutlich kürzer. Beide richten sich denn auch eher an Anfänger unter den Spielern und Spielleitern. In „Sobeks Silvester“ nehmen die Investigatoren an einer Silvesterfeier teil, während der der Gastgeber eine altägyptische Mumie auswickelt. Dumm nur, dass der tote Pharao in den nächsten Tagen zum untoten Leben erwacht und beginnt, sein Unwesen zu treiben … Ganz anders ergeht es den Investigatoren in „Unhappy Thanksgiving“. Hier werden sie von einer verzweifelten Mutter, deren Tochter entführt wurde, zur Hilfe gerufen. Bei ihren Recherchen haben sie die Möglichkeit, auf blasphemische Riten aus vergangenen Zeiten zu stoßen – und können ganz nebenbei ein ganzes Dorf gegen sich aufbringen. Beide Abenteuer verbinden dezenten cthuloiden Grusel mit viel Recherchearbeit und interessanten und klischeebeladenen NSC. Insbesondere die hilfreichen Regelergänzungen in „Unhappy Thanksgiving“ möchte ich lobend erwähnen.

Abgerundet wird der Band schließlich mit Spielwerten für berühmte Persönlichkeiten aus H. P. Lovecrafts Geschichten. So hat jeder Spielleiter die Möglichkeit, Dr. Henry Armitage oder Inspektor Legrasse an der Seite der Investigatoren auftreten zu lassen. Eine hübsche Dreingabe.

Für die optische Aufarbeitung gibt – wie auch bereits für die Vorgängerbände – eine gute Zwischennote. Die Seiten wirken vergilbt und bestehen aus angenehm rauem und schwerem Papier. Die Bebilderung mit alten Photographien – beliebt und bekannt aus den vorangegangenen Pegasus-Publikationen – wurde zwar beibehalten, doch sind die Bilder nun oft größer dargestellt und streckenweise bis an den Bildrand gezogen, was sowohl das Bild eher auflockert als auch weiterhin elegant wirkt. Auch die wie immer zahlreichen Handouts liegen weiterhin in beeindruckender grafischer Qualität vor und auch die Karten können sich sehen lassen.

Fazit: „Feiertage der Furcht“ ist in meinen Augen der bislang beste der für die Edition 7 erschienenen Abenteuerbände. Die Abenteuer sind abwechslungsreich und teilweise einsteigerfreundlich, die zusätzlichen Spielwerte für Lovecrafts Antagonisten und Protagonisten ein hübscher Bonus. Gerade zu einem Preis von 9,95 EUR eine absolute Empfehlung!

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Zeit der Ernte

Im Februar diesen Jahres kündigte Chaosium ein ehrgeiziges Projekt an. Mit „A Time to Harvest” startet im Laufe diesen Jahres die erste organisierte Kampagne für das Traditionsrollenspiel “Cthulhu”. Was für „D&D“-Spieler schon seit langem gang und gäbe ist, ist für „Cthulhu“-Fans absolutes Neuland. Pegasus und sein „Cthulhu“-Supportteam wollen diesen schwierigen Weg mitgehen.

Cthulhu3Christian Schaller, seines Zeichens Leiter des deutschen „Cthulhu“-Supportteams war so freundlich, mir umfangreiche Informationen über die geplante Kampagne zukommen zu lassen. Der folgende Text setzt sich dabei aus den „FAQ“ zu „Zeit der Ernte“, so der deutsche Titel der Kampagne“, sowie einer Inhaltsangabe zur Kampagne aus seiner Feder zusammen.

Was ist die „Zeit der Ernte“-Supportkampagne?
„Zeit der Ernte“ ist die deutsche Version der amerikanischen „A Time to Harvest“-Kampagne für „Cthulhu 7“. Die Kampagne besteht aus sechs Episoden, die von Chaosium seit Mitte April monatlich veröffentlicht werden. Inhaltlich spielt die Kampagne im Jahr 1930. Die Spieler übernehmen die Rollen von Studenten der Miskatonic Universität in Arkham, die in ein dunkles Netz von Intrigen gezogen werden. Die Episoden folgen direkt aufeinander und geben u. a. die Möglichkeit eine Vielzahl von Orten in Lovecraft-Country zu besuchen.

Was erwartet die Spieler in der Kampagne?
Die Investigatoren nehmen an einer Expedition der Miskatonic University teil. Was als Universitätsexkursion nach Vermont beginnt, zieht die unerschrockenen Investigatoren in ein dunkles Netz aus Intrigen und Terror. Es werden außerweltliche Pläne in Gang gesetzt, die das Schicksal der gesamten Menschheit betreffen. Die Investigatoren stehen einem unversöhnlichen Feind gegenüber, der seine Tentakel weit ausstreckt, aber sie sind leider zur falschen Zeit am falschen Ort. Scheinbar zufällige Ereignisse vermengen sich zu etwas Größerem, mit dem sich die Miskatonic University Studenten auseinandersetzen müssen. Es gibt sechs Kapitel, in denen die Investigatoren die Verschwörung entwirren müssen, bevor es zu spät ist. Sie werden seltsame Kreaturen begegnen, stehen falsche Anschuldigungen gegenüber, treffen auf einen rachsüchtigen Millionär, verlassen die Erde und stehen schließlich einem Schrecken gegenüber, der nicht von dieser Welt ist.

Zaubersprüche, düsteres Cthulhu-Mythoswissen und arkane Artefakte sind nicht erforderlich, um diese Kampagne zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Die einzige Voraussetzung für mutige und standhafte Investigatoren ist die Bereitschaft, sich mit Dingen auseinander zu setzen, vor denen andere sich fürchten. „A Time to Harvest“ wurde für „Cthulhu“-Neulinge geschrieben. Die Kampagne hat einen klaren Fokus und schreitet durch die Kapitel in einer linearen Weise voran. Es gibt klare Vorgaben, welche den Verlauf der Kampagne strukturieren, aber es gibt auch genügend Hinweise und Möglichkeiten, die Kampagne der eigenen Gruppe anzupassen.

Aus welchen Teilen besteht die Kampagne?
Aus einigen einführenden Kapiteln für die Spielleiter – in unserem Fall als die Supporter – und insgesamt sechs Episoden. Im ersten Kapitel finden sich die wichtigsten Informationen zur Kampagne, eine grobe Übersicht, Anmerkungen zu den wichtigsten Charakteren und Gegner sowie Leitlinien für die Erstellung von Investigatoren und die Einführung von Ersatzinvestigatoren. Außerdem findet sich dort ein grobes Zeitraster und die Option für das Spielen eines Prequels zur Kampagne, Hilfen zur Erschaffung von Investigatoren und Information zum Hochschulalltag in Arkham. Kapitel 2 befasst sich mit Cobbs Corners in Vermont, dem wichtigsten Ort der Kampagne, und liefert Informationen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Gebäuden und Bewohnern, welchen die Ermittler wahrscheinlich während der Kampagne begegnen werden. Dem Spielleiter wird empfohlen, besonders diese ersten Kapitel sorgfältig zu lesen, da sich hier Informationen finden, die über den gesamten Verlauf der Kampagne von Bedeutung sind.

Es folgen dann die sechs Episoden der Kampagne, wobei jede Episode einzeln für sich spielbar ist, aber es bestehen natürlich Verknüpfungen:

EPISODE 1: Die Studenten der Miskatonic University brechen nach Cobbs Corners, Vermont, auf, um Forschungen zur Folklore und eine geologischen Studie durchzuführen.

EPISODE 2: Bei der Rückkehr nach Arkham decken die Studenten seltsame Dinge an der Miskatonic University auf. Ein Anhang liefert Informationen über den Universitätscampus, wichtige Gebäude in der Kampagne und einen kurzen Überblick über Arkham.

EPISODE 3: Ein Mann sinnt auf Rache und ein Unternehmen macht den Studenten ein Angebot, das sie nicht ablehnen können.

EPISODE 4: Zurück in Cobbs Corners müssen die Studenten ihre Forschung wieder aufnehmen, während sie gleichzeitig Spuren einer versteckten außerirdischen Bedrohung finden.

EPISODE 5: Die Investigatoren werden in einen Alptraum verwickelt und müssen sich beeilen um ihre Kameraden zu retten, die sonst ein Schicksal erleiden, das schlimmer ist als der Tod.

EPISODE 6: Eine außerweltliche Erfahrung bietet eine Chance, die Menschheit und die Welt retten. Episode 6 wird abgerundet mit einem Epilog, der dem Spielleiter eine Reihe von möglichen Ergebnissen und möglichen Aufhänger für weitere Abenteuer bietet.

In einem abschließenden Kapitel werden schließlich noch die Zauber vorgestellt, die in der Kampagne erwähnt werden. Diese wurden natürlich für CTHULHU 7 aktualisiert.

Wann geht es los?
Die deutsche Version der Kampagne startet offiziell am Samstag, 29. Mai 2016 auf der RPC in Köln.

Wenn ich als Spieler teilnehmen will, was muss ich machen?
Jeder, der von Anfang an dabei sein will, sollte am genannten Termin auf der RPC sein!

Wie funktioniert die Kampagne?
Eine Episode folgt auf die nächste. Die Struktur wirkt dabei zwar sehr linear, aber die Investigatoren haben in jeder Episode Entscheidungen zu treffen, welche den Ausgang der Kampagne über das eigene Überleben und den Erhalt der geistigen Stabilität mal mehr und mal weniger beeinflussen.

Wo kann ich die „Zeit der Ernte“-Supportkampagne spielen?
Auf ausgewählten Conventions (siehe Liste) werden die einzelnen Episoden jeweils zum ersten Mal angeboten, bevor diese auch bei anderen „Cthulhu“-Support-Events (auf anderen Cons oder in Läden) angeboten werden.

Con-Liste für “Zeit der Ernte” (Episoden-Starttermine):
Episode 1) 28.05. – 29.05.2016 – Role Play Convention RPC – Köln – Großveranstanstaltung
Episode 2) 10.06. – 12.06.2016 – NordCon – 22111 Hamburg – Veranstaltung
Episode 3) 16.07. – 17.07.2016 – FeenCon – 53177 Bonn Bad Godesberg – Kleinveranstaltung
Episode 4) 18.08. – 21.08.2016 – DCC – DIE CON FÜR CTHULTISTEN
Episode 5) 13.10. – 16.10.2016 – SPIEL (Internationale Spieltage) – Essen – Messe
Episode 6) voraussichtlich 19.11. – 20.11.2016 – Dreieich Con – 63303 Dreieich – Kleinveranstaltung

Diese Conventions stellen dabei den Startschuss für die jeweilige Episode dar. Ab diesem Zeitpunkt wird es auf allen möglichen Folgeveranstaltungen, bei denen das „Cthulhu“-Supportteam anwesend ist möglich sein, die jeweilige Episode als Spieler zu erleben.

Für wie viele Spieler ist die Kampagne ausgelegt?
Die einzelnen Abenteuer sind am besten für eine Gruppe von 4 bis 6 Spielern geeignet.

Wer hat die Kampagne geschrieben?
Die Autoren von „A Time Harvest“ sind Brian M. Sammons, Charles P. Zaglanis, Glynn Owen Barrass und Mike Mason, die alle einen etablierten Ruf als Cthulhu Autoren haben. Mike Mason ist Chaosiums “Call of Cthulhu”-Editor.

Wird es eine gedruckte Version dieser Supportkampagne geben?
Ja, Chaosium wird die gesamte Kampagne später veröffentlichen, in Deutschland wird dies zu einem späteren Zeitpunkt auch der Fall sein (realistisch irgendwann im nächsten Jahr).

Wie sieht es aus, wenn Investigatoren im Laufe der Kampagne wahnsinnig werden oder sterben? Ist das überhaupt möglich?
Die Investigatoren sind Studenten der Miskatonic Universität, und da gibt es ja schon ein paar mehr. Es gibt also eine nachwachsende Ressource an Investigatoren…

Weiterführende Informationen und Updates zu der kommenden Kampagne finden sich im Cthulhu-Forum.