Rezension: Cthulhu Dice Set (Q-Workshop)

Manchmal erreichen mich reichlich unverhoffte E-Mails. So geschah es vor wenigen Wochen, dass mich Michal von Q Workshop aus Polen anschrieb. Er schrieb mir, dass er regelmäßig meinen Blog frequentieren würde, wenn es um cthuloides Material ginge und nun wäre ihm aufgefallen, dass ich bislang noch nie etwas über das hauseigene Cthulhu-Würfelset von Q Workshop geschrieben hätte. Ob ich daran nicht vielleicht schon einmal gedacht hätte? Nun, tatsächlich war mir die Q Workshop-Produktpalette bis zu diesem Zeitpunkt kaum bekannt, doch nachdem wir ein paar nette E-Mails ausgetauscht hatten (ich finde es z. B. unglaublich aufregend, dass mein Blog mittlerweile sogar ausländische Leser versorgt), machten sich ein paar Würfel von Polen auf den Weg zu mir, um mit viel Elan begutachtet zu werden.

Disclaimer: Dieser Rezension liegt ein eigens für diesen Zweck bereitgestelltes Rezensionsexemplar des „Cthulhu Dice Set“ zugrunde. Dennoch hoffe ich, meine Meinung so objektiv wie möglich zu verfassen!

Würfel. Zugegeben, ein unverzichtbares Werkzeug für die meisten Rollenspieler und ebenso oft Bestandteil rituellen oder gar kultischen Verhaltens derselben. Es gibt Lieblingswürfel, Würfel für bestimmte Spiele, Würfel in allen möglichen Formen und Farben… und ich muß gestehen, dass sie bislang bei mir kaum im Fokus standen. Klar, ich habe eine illustre Sammlung unterschiedlichster Würfel im Repertoire, allerdings gibt es kaum Würfel oder gar -sets, die sich bei mir als Favoriten herauskristallisiert hätten. Ich würfele mit denen, die mir beim Kramen gerade in die Hände fallen und verleihe auch großzügig jeden Würfel an Mitspieler, die ihre Utensilien vergessen haben sollten. Kein großer Würfelkult also im Hause Seanchui. Nachdem ich Michal zugesagt hatte, über seine Würfel zu berichten, musste ich mir also Gedanken darum machen, worüber ich überhaupt schreiben wollte.

Q Workshop

Zunächst einmal machte ich mich ein wenig mit dem Anbieter vertraut. Q Workshop ist ein polnisches Unternehmen, dass sich der Fabrikation von Würfeln verschrieben hat. Ihr Slogan lautet:

ALL DICE TELL A STORY

What story will yours tell? Q WORKSHOP makes thousands of finely crafted dice every day.
We are a workshop, with people dedicated to helping you tell your story.
From Poland to all over the world!

Das direkt auf ihrer Homepage zu erstehende Würfel-Portfolio ist dabei tatsächlich recht umfangreich. Zumeist werden die Würfel als Set angeboten, die sich aus der klassischen „D&D“-Aufteilung ableiten: 1W4, 1W6, 1W8, 2W10, 1W12 und 1W20. Es gibt allerdings für bestimmte Spiele auch Sets, die andere Aufteilungen beinhalten. Die meisten der generischen Sets stehen dabei unter einem bestimmten Thema, seien es Elfenwürfel, Zwergenwürfel oder auch futuristisch anmutende Exemplare. Die Verarbeitung konzentriert sich dabei zumeist auf eine einfarbige Grundierung, während Verzierungen eher auf dem Würfel angebracht sind und hebt sich damit von den oft marmorierten „Standard“-Würfeln, die man sonst so kennt, ab. Daneben gibt es auch noch einige schick designte Metallwürfel-Sets, zu denen ich allerdings nichts weiter sagen kann. Am Besten seht Ihr Euch das Portfolio in ihrem Shop selbst einmal an.

Cthulhu Dice Set

Nun also das Cthulhu Dice Set. Das Würfelset wird in einer schön gemachten Pappschachtel mit großformatigem CTHULHU-Logo geliefert. Enthalten ist ein kleines Schälchen aus Kunststoff mit passenden Einkerbungen für die Würfel sowie natürlich die Würfel selbst. Das Set besteht aus den sieben oben aufgeführten Würfeln – 1W4, 1W6, 1W8, 2W10, 1W12 und 1W20. Hier einmal ein Bild des Sets:

Verarbeitung
Die Würfel sind aus einem leichten Kunststoff gefertigt und reichlich verziert. Jeder Seite ist eine Melange aus Tentakeln oder angedeutetem Schattenmuster spendiert worden, die hervorragend zu „Cthulhu“ passt. Darüber hinaus ist auf jedem Würfel anstelle der höchsten Zahl ein „Älteres Zeichen“ nach August Derleth spendiert worden, so dass jeder Spieler direkt erkennen kann, ob ihm die Großen Alten hold waren oder nicht. Auf nebenstehendem Bild ist das Ältere Zeichen noch einmal besser zu erkennen.
Ich war zunächst ein bißchen irritiert davon, dass die Würfel richtig modelliert und lackiert sind. Denn die Verarbeitung erschien mir zwar hochwertig und gerade die feine Modellierung fühlt sich interessant beim Schütteln der Würfel an, allerdings hatte ich Sorge um die Langlebigkeit des Lacks. Doch hier konnten mich die Würfel überzeugen: tatsächlich widersetzten sich die kleinen Objekte allen meinen Versuchen, etwas von dem schleimig-grünen Lack zu entfernen äußerst hartnäckig. Alle Knibbelei half nichts: hier liegt wirklich eine gut verarbeitete Qualität vor.
Unabhängig von der Verarbeitung erschien mir das Gewicht der Würfel allerdings verhältnismäßig gering. Um diesen Eindruck zu belegen, holte ich die gute alte Küchenwaage hervor. Während die Gewichtsunterschiede zu „normalen“ Würfeln bei Einzelstücken kaum ins Gewicht fallen, bringt das komplette Set tatsächlich einige Gramm weniger auf den Spieltisch:

Zum Vergleich hier ein anderes Würfelset aus meinem Fundus:

Das sagt jetzt nicht unbedingt etwas über die Qualität der Würfel aus, sehr wohl aber über das Würfelgefühl. Mit einem Würfelbecher verwendet, emfpinde ich es sogar als angenehmer, wenn die Würfel etwas leichter sind; aus der hohlen Hand geworfen habe ich lieber etwas mehr Gewicht in der Hand. Das ist natürlich letztendlich Geschmackssache, doch ich wollte Euch diesen Umstand nicht verschweigen.

Kritik: Pro
+ Die Würfel sind qualitativ einwandfrei verarbeitet
+ Die Würfel sehen wirklich sehr cthuloid aus und transportieren gut die Stimmung des Spiels
+ Die Verpackung lädt zum Aufbewahren und Mitführen ein, auch wenn es natürlich keine Metalldose oder so etwas ist

Kritik: Contra
Letzten Endes bleiben in meinen Augen zwei Kritikpunkte übrig, die den positiven Gesamteindruck schmälern:
Die Zusammenstellung des Würfelsets ist in meinen Augen nicht „spieltischnah“ genug. Der W12 kommt zumeist nur in sehr konstruierten Situationen zum Einsatz. Ein dritter W10, um Bonus- und Maluswürfel darzustellen, wäre hier zielführender gewesen.
In der mir vorliegenden schwarz-grünen Variante sind einige Zahlen dank der detailverliebten Verzierung tatsächlich recht schlecht zu lesen. Auch ist die Farbgebung sicher nicht für allzu schummrige Beleuchtung geeignet.

Fazit: Das „Cthulhu Dice Set“ von Q Workshop besteht aus hervorragend verarbeitenden Würfeln in einem ansprechenden, stimmungsvollen Design. Damit sind sie ein echter Hingucker und machen sich in jedem Rollenspielregal gut. Den Einsatz am Spieltisch müsst ihr jedoch von den Lichtverhältnissen abhängig machen, da die Lesbarkeit doch unter dem detailverliebten Design leidet.

CTHULHU Dice Set
Q Workshop
Preis: 15,99 EUR – 25,83 EUR
Link zum Shop: https://q-workshop.com/en/48-call-of-cthulhu

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1W100 – Random Blog Encounters: meine Oktober-Antworten

Anfang des Jahres stellte Sorben von den „Gelben Zeichen“ gleich einhundert Fragen – genauer: 1W100 Random Blog- Encounters – auf seinen Blog. Eine nette Idee, die ich gerne aufgreifen möchte. Zu jedem Monatsletzen greife ich zu meinem W100 – als CTHULHU-Spieler ja ohnehin ein Pflichtutensil auf meinem Schreibtisch – und werde 3 Fragen beantworten. Mal schauen, welche Fragen die Würfel mir zuweisen:

19. Wurdest du schon einmal wegen deines Hobbies schief angesehen?
Ja, das schon. Geheiratet hat mich meine Frau trotzdem 🙂

93. 3 Dinge, die du mit einem gelungenen Spieleabend verbindest und warum?
Ich denke, ein Spieleabend ist gelungen, wenn alle Beteiligten ihren Spaß hatten. Da wird es fast schon schwer, noch zwei weitere Dinge aufzuzählen… aber gut: ich denke, wenn ein Kampagnenabenteuer mit einem guten Cliffhanger, der Lust auf die Weiterführung am nächsten Spieleabend macht endet, dann ist das schon ganz gut gelungen. Tja, und Cthulhu-OneShots sind mir eigentlich immer gelungen, wenn sich Mitspieler A. mit Dynamit selbst in die Luft gesprengt hat 🙂

100. Die letzte Frage! Was willst du unbedingt noch mal tun, wofür Du bisher keine Zeit, Geld etc. hattest?
Ui. Jetzt ganz global, abseits aller Rollenspielthemen so im „richtigen Leben“? Da gäbe es einige Orte auf der Welt, die ich gerne einmal besuchen würde (Venedig, die Toscana, Schweden, die Pyramiden…aber auch Landschaften und Städte im heimischen Deutschland wie Heidelberg), aber das habe ich irgendwie stets verpasst…
In Bezug auf Rollenspiel: mit genügend Zeit würde ich meinen „Pile of Shame“ endlich komplett herunterlesen und zwei weitere Rollenspielkampagnen starten, mit genügend Geld wiederum würde ich (a) meine deutsche CTHULHU-Sammlung vervollständigen und (b) mir jeden Monat die drei neuen Bücher, die ich interessant finde, einfach kaufen statt sie auf imaginäre Want-Listen zu schreiben 🙂

Meinen Dank an Sorben für’s fleißige Fragenstellen!

De Profundis – die etwas andere Art Cthulhu zu spielen

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 04. Juli 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Briefe soll man, wie jedes andere Vergnügen, nach getaner Arbeit sich gestatten.
– Gottfried Keller

In den Tiefen eines einsamen Waldes in Polen wartete ein Buch seit vielen Jahren auf seine Entdeckung … und als es gefunden wurde, war nichts mehr so wie vorher … Aus den dunklen Tiefen sind diese Seiten aufgestiegen um dich in ihren Bann zu ziehen. Versinke in den Abgründen von De Profundis und sieh die Welt mit ganz anderen Augen. Wagst Du es, Deine Realität in Frage zu stellen?

Zu einer normalen Cthulhu-Runde finden sich die Spieler und der Spielleiter üblicherweise an einem Abend ein, um dann gemeinsam ein vorbereitetes Abenteuer zu erleben. So weit, so gut – doch De Profundis geht da einen ganz anderen Weg. Viele kennen wahrscheinlich Lovecrafts Geschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“, in der der Erzähler über Briefkontakt mit einem gewissen Akeley in Verbindung kommt. Aus dem Kontakt erwächst sich eine mysteriöse Verschwörungsgeschichte: Ein Paket mit geheimnisvollen Inhalt kommt nie an und Akeleys Briefe werden immer beunruhigender, bis sie sich plötzlich völlig ins Gegenteil verkehren und den Erzähler sogar einladen, zu Akleyes Anwesen zu kommen. Wer die Geschichte noch nicht kennt sollte sie sich einmal anschauen oder anhören (LPL Records hat sie grandios vertont), es lohnt sich!

Nun, was hat das Ganze nun mit De Profundis zu tun? De Profundis ist ein Briefrollenspiel. Nach einer Charaktererschaffung, die eigentlich eher aus Hintergrundinformationen besteht, also der Werdegang des Charakters, die Freunde und Verwandte usw. und weniger aus handfesten Werten. Auch der Epoche sind keine Grenzen gesetzt, von den 20ern bis hin zu NOW lässt sich eigentlich alles spielen, solange man sich in den Charakter hineinversetzen kann. Einen Spielleiter gibt es normalerweise auch nicht, die Geschichte entwickelt sich sozusagen durch den wechselnden Briefverkehr, in der die Handlung weitergesponnen wird. Ausgangspunkt für die Geschichte können ganz alltägliche Begebenheiten sein, denen man einen unheimlichen oder grotesken Anstrich verpasst. So könnte die gewöhnliche Bahnfahrt Ausgangspunkt für ein schreckliches Erlebnis werden, bei der man bei einem Blick aus dem Fenster etwas Schauerliches beobachtet und das einen dann den Rest des Tages verfolgt. So ein Aufhänger reicht schon für einige Briefwechsel, bis sich dann immer mehr Inhalt um die Geschichte aufbaut und Wirklichkeit mit Fiktion verschwimmt. Aufgrund dieses Themas sei das Spiel auch Jugendlichen unter 16 Jahren eher weniger zu empfehlen.

Das 84seitige Regelwerk im DIN A5-Format, stammt aus dem Verlag Krimsus Krimskramskiste und wurde von dem polnischen Autoren Michael Oracz geschrieben. Dabei geht er Autor etwas ungewöhnlicher vor als sonst und beschreibt in Briefen sein Briefrollenspiel De Profundis. Das Ganze ist sehr nett geschrieben und erklärt auch recht anschaulich wie ein De Profundis Brief aussehen könnte.

Fakten zum Spiel De Profundis:

  • Autor: Michael Oracz, deutsch von Ralf Sandfuchs
  • Verlag: Krimsus Krimskramskiste
  • Seiten: 84 in s/w
  • Preis: 7,50 €

RPG-Blog-O-Quest Oktober 2018: No-Gos

Mir fehlt die Zeit für lange Einleitungen in diesem Monat. Überhaupt missfällt mir die aktuelle Taktfrequenz, mit der ich mich dem Blog widme. Es kommen wieder „bessere“ Zeiten, dessen bin ich sicher. Aber im Moment ist es, wie es ist :-). Immerhin hat Michael von jaegers.net die neue Blog-O-Quest noch kurzfristig ausgerichtet – meinen Dank dafür! Ein guter Grund, mich noch einmal vor den Bildschirm zu schwingen!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. In Zukunft sollen wir sogar alle fleißig mitgestalten! Nun aber auf an die aktuellen Fragen, die sich in diesem Monat mit No-Gos beschäftigen!

1. Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)
Ich bin rollenspielgruppentechnisch bisher noch gar nicht so wahnsinnig viel herumgekommen. Im Laufe meiner „Karriere“ kann ich auf vier feste Gruppen und ein paar Sidekicks zurückblicken. Die festen Gruppen hatten dabei meist über Jahre Bestand. In dieser Zeit konnte ich mich mit allen Typen arrangieren, schlicht, weil wir das gleiche Hobby betrieben haben. Ich kann durchaus behaupten, dass ich nicht zu jedem dieser Spieler enge „outgame“-Freundschaften pflegte. Aber am Spieltisch haben wir uns immer zusammengerissen und im Gruppenkonsens „verstanden“. Nein, bislang kann ich mir nicht vorstellen, mit jemandem „nicht“ am Tisch zu sitzen und zu spielen.

2. Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?
Out-Game bin ich tiefenentspannt. Ich lege natürlich wert auf eine gewisse Nettikette – aber die kann durchaus divers in den verschiedenen Gruppen sein. Wenn ich mit „meinen Jungs“ zocke, mit denen ich beispielsweise auch Metal-Festivals heimsuche oder nächtelang durchquatsche, dann ist eine Flasche Bier und ein derber Spaß auf Kosten der Stimmung völlig in Ordnung; spiele ich mit „Fremden“ oder schlicht Leuten, bei denen ich das weniger gut einschätzen kann, dann benehmen wir/ich uns etwas steifer. Eben fast wie im richtigen Leben :-).

3. Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?
Ich bin üblicherweise Spielleiter, d. h., No-Go-Themen müssten an mich kommuniziert werden. Bislang ist das – trotz einer ganzen Reihe cthuloider Ausflüge – noch nicht passiert. Ich selbst tue mich immer etwas schwer mit Gewalt gegen Kinder. Und damit meine ich explizit „Kinder“ und nicht „Monstren die aus Schock-Gründen Kindern ähneln“ oder sowas – „Kleine Völker“ wäre also für mich kein Problem. Seit ich Vater bin reagiere ich auf dieses Thema etwas dünnhäutiger. Darüber hinaus gibt es Themen im menschlichen Miteinander, die schon so No-Gos sind, die muss ich jetzt nicht am Rollenspieltisch ausleben.

4. Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?
Bislang ist das nicht vorgekommen und ich habe auch keine Vorstellung davon, wie ich reagieren würde. Wahrscheinlich würde ich darum bitten, den Detailgrad herunterzufahren, weil ich mir gewisse Vorstellungen nicht geben wollen würde. Aber mehr müsste es dann auch nicht sein.

5. Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?
Ich habe dieses Konzept nie benutzt. Es ist bei uns nicht notwendig. Und wenn wir wirklich einmal soweit die Grenzen unseres guten Geschmackes verlassen würden, dass wir uns gegenseitig in unseren Urängsten triggern, dann reden wir lieber drüber.

Bonusfrage(nkomplex): Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?
Ich kann das nicht beantworten, denn ich spiele nicht auf CONs. Ob es auf CONs regelmäßig – oder auch unregelmäßig – zu sexuellen Belästigungen kommt kann ich nicht abschätzen und daher auch wenig über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen sagen.

Der Mann mit dem blutigen Bart

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 09. März 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Einer alten Aufzeichnung nach begab sich am 2. August 1590 Hans Ziller, ein Bauer von nahezu achtzig Jahren, in die “Waldner Etz” bei Adnet, um daselbst Holz zu schlagen. Da erblickte er in einer unergründlich tiefen Grube einen weißen Mann, der ihn an Größe weit überragte und der einen langen, blutigen Bart trug. Schrecken und Entsetzen erfaßte den Bauern ob dieser Erscheinung, und seine Angst steigerte sich, als der Geist zu sprechen anhub und dreimal mit Donnerstimme fragte: “Wird sich die Welt bekehren?” Dann fuhr er fort: “Wenn sich die Welt nicht bekehrt, dann werden die Friedhöfe der ganzen Christenheit durchwühlt werden wie die Waldner Etz!” Diese war nämlich von unzähligen Maulwurfshügeln übersät.

Hierauf befahl der Mann mit dem blutigen Bart dem Ziller, was er eben vernommen, dem Geistlichen seines Dorfes mitzuteilen, aber ja nicht früher als nach Ablauf von drei Tagen, wenn er nicht wolle, daß ihm Übles widerfahre. Damit verschwand die Erscheinung. Hans Ziller aber tat, wie ihm geheißen. Er meldete nach drei Tagen seinem Pfarrer alles, was er erlebt hatte, und dieser berichtete das seltsame Erlebnis an den Erzbischof Wolf Dietrich weiter.

Szenarioidee
Was der Erzbischof tat oder was in seiner Macht stand um das Unglück zu verhindern, ist nicht überliefert worden. Wahrscheinlich wusste der Erzbischof, von den Büchern der Kirche aufgeklärt, mit was für einer Gefahr er es zu hatte, als ihm von dem Mann mit dem blutigen Bart berichtet wurde. Es war sicherlich auch nicht die erste Sichtung dieser Art, wohl aber die bedrohlichste. Der Achtzigjährige Bauer, der dem Wesen begegnet ist, konnte nicht ahnen, dass er vor einer Brut des Yog-Sothoth stand und nicht vor einem Geist. Die Brut dieses Äußeren Gottes soll zwar menschliche Züge beibehalten haben, aber das ist auch alles was sie mit einem Menschen gemein haben. Sie nähren sich von blutigem, rohem Fleisch und dürsten nach dem Wissen des Mythos. Der Bart der Kreatur war also noch vom letzten Fraße besudelt und die enorme Größe, kann nur ein Hinweis auf die Abstammung zu Yog-Sothoth sein und die Drohung, dass sich die Toten erheben, könnte mit einem Zauberspruch zusammenhängen, den die Brut verinnerlicht hat.

1W100 – Random Blog Encounters: meine September-Antworten

Anfang des Jahres stellte Sorben von den „Gelben Zeichen“ gleich einhundert Fragen – genauer: 1W100 Random Blog- Encounters – auf seinen Blog. Eine nette Idee, die ich gerne aufgreifen möchte. Zu jedem Monatsletzen greife ich zu meinem W100 – als CTHULHU-Spieler ja ohnehin ein Pflichtutensil auf meinem Schreibtisch – und werde 3 Fragen beantworten. Mal schauen, welche Fragen die Würfel mir zuweisen:

36. PDF oder Totholz?
Schwierige Frage, ganz schwierige Frage. Also, wenn ich ein Buch „nur“ mal lesen möchte, dann bevorzuge ich PDF. Schlicht und ergreifend, weil ich es dann jederzeit und überall lesen kann (sogar im Dunkeln :-)). Viele Bücher möchte ich aber gerne „haben“, dann muss es Totholz sein. Und zum Leiten sowieso, ich mag es nicht, beim Leiten das Handy/Tablett vor mir liegen zu haben.

92. Dein Lieblingssystem wird eingestampft. Bleibst du trotzdem dabei oder suchst du Ersatz, immerhin wird es keine neuen Sachen mehr geben?
Ich spiele es weiterhin, werde meiner Sammelleidenschaft aber ein neues „Objekt der Begierde“ gönnen. Bestimmt. So ganz ohne „Sammeln und Jagen“ kommt Rollenspiel bei mir nicht aus, fürchte ich…

88. Du bekommst 2 Millionen Euro, wie würdest du sie ausgeben? Spenden und verschenken ausgenommen.
Hu, wieso denn genau 2 Millionen? Ich bezahle das Haus ab, kaufe mir einen vernünftigen Neuwagen, spare einen Haufen Geld weg für das mögliche Studium meiner Kinder, gönne mir und meiner Frau einige aufgeschobene Wünsche und lebe ansonsten eigentlich so weiter wie bisher. Um von den Zinsen leben zu können reichen die 2 Millionen heutzutage nämlich leider nicht :-).

Meinen Dank an Sorben für’s fleißige Fragenstellen!

Das Findelkind aus Ungarn

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 09. März 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Es dürfte euch nicht schwer fallen das Mythoswesen schnell zuzuordnen:

Das Findelkind aus Ungarn
Den 15. März 1746 haben die zwei Fischer Franz Nagy und Michael Molnár (der erste lebte noch 1797) einen Knaben in die Kapuvárer Kastelle gebracht, der zwar mehr Ähnlichkeit mit einem wilden Tier hatte, aber in seinem übrigen Bau einen Knaben von beiläufig zehn Jahren andeutete; da er nicht sprechen konnte, so wurde er mit dem Namen Hany Istóc getauft. Dieses Kind war entblößt, der Kopf war sehr rund, hatte kleine Augen, eine platte Nase, breiten Mund, der ganze Leib und der Kopf war mit fischartigen Schuppen bewachsen. Die Finger sowohl als auch die Zehen waren zweimal länger als gewöhnlich; außer Gras, Heu und Stroh aß er nichts, und wenn er niemanden gewahrte, sprang er in die Runde des Grabens und schwamm wie ein Fisch. Fast ein Jahr blieb er ruhig in dem Kastell und fing an, gekochte Speisen zu genießen, auch zeigte er Anlagen, ein ganzer Mensch zu werden, weswegen die Hayducken ihn nicht mehr mit so wachsamem Auge bewachten. Auf einmal verschwand das Kind! Vermutlich sprang es in die nahe am Schloß vorüberfließende Rábcza.

Aus dem von Holz ausgehauenen Ebenbild des Hany Istók, welches heute noch in dem fürstlich Esterházyschen Schloß Esterház aufbewahrt ist, kann man schließen, daß die Zeichen, nämlich der nicht ganz kahle Kopf, die runzlige Stirn, der allzu schüttere Backen- und Knebelbart, der zu den Armen, Schenkeln und Waden verhältnismäßig zu große Bauch keinem jungen, vielmehr einem bejahrten Geschöpf angehörten.

Nach dem Verschwinden sah man das Wunderding in dem Hanság nur noch einige Male, seither nimmer.

Szenarioideen
Oftmals fragt man sich wirklich, wie viel überhaupt vom Cthulhu-Mythos erfunden wurde. Die Sage von Hany Istóc muss eigentlich kaum mehr überarbeitet werden für ein Szenario, es dürfte wohl klar sein, dass die beiden Fischer da ein Wesen aus der Tiefe gefunden haben. Doch was wollte das Wesen? Vielleicht war es auf der Suche nach Informationen über die Menschen oder suchte nach einer Braut um widerliche Mischwesen zu erschaffen. Es könnte auch sein das sich die Kreatur verirrt hatte oder aus Neugier bei den Menschen wohnte. Vielleicht brachte es gar einigen die Kunst der Zauberei bei und die Fischer konnten sich nie mehr über einen schlechten Fang beklagen. Wenn Hany Istóc aber ein Vorbote für eine Invasion war, was hinderte die Wesen daran bisher zuzuschlagen?