Quo vadis, CTHULHU?

Die cthuloide Community ist recht klein. Eigentlich tut sich ausserhalb des Cthulhu-Forums nicht allzuviel rund um das betagte Rollenspiel cthuloiden Horrors. Sicher, es gibt – zumindest noch – eine hervorragende Fanzine, sicher, es gibt da noch einige wenige Spartenblogs und sicher, in allen großen Foren hat „CTHULHU“ seinen eigenen Channel. Doch wer wie ich versucht, das cthuloide, deutschsprachige Web ein wenig im Auge zu behalten der wird nicht umhin kommen zu konstatieren, dass es recht ruhig geworden ist um mein Lieblings-Horrorrollenspiel.

Query-roadInsofern stelle ich mir schon die Frage, ob es für Artikel, die sich kritisch mit Redaktions- und Produktinhalten auseinandersetzen, überhaupt ein Zielpublikum gibt. Wer ein ernsthaftes Interesse an diesen Themen hat, hat bereits im Cthulhu-Forum darüber diskutiert, alle übrigen interessiert es wahrscheinlich nicht genug. Auf der anderen Seite ist dies hier ein Blog, der sich exklusiv dem cthuloiden Rollenspiel widmet – wäre es da nicht sträflich, über Entwicklungen, die in meinen Augen schieflaufen, nicht zu berichten?

Da Ihr diese beiden Einleitungs-Absätze nun bereits gelesen habt, könnt Ihr Euch sicherlich denken, dass ich mich für die zweite Variante entschieden habe – lasst uns ein wenig über CTHULHU reden. Wo kommt es her, wo geht es hin?

Vom cthuloiden Umfragewahnsinn
Es ist gar nicht lange her, da diskutierte ich – und noch einigen andere User – über die neue „Edition 7“. Da ich meine eigene Meinung unglaublich wichtig fand, habe ich über den – in meinen Augen mangelhaften – Informationsoutput rund um die letzte Edition einen eigenen Blogeintrag verfasst. Da es neben meiner noch einige andere kritische Stimmen gab, versuchte sich die Redaktion ein klareres Meinungsbild einzufangen – und stellte diverse Fragen im Cthulhu-Forum:

http://www.foren.pegasus.de/foren/forum/325-allgemeine-fragen-anmerkungen/

Gefragt wurde unter anderem nach der Meinung über die Struktur der Abenteuer, über die Länge, über die konsequente Umsetzung von Regeln wie dem Stabilitätsverlust, über Handouts, über PDF-Gutscheine, über Inhalte und noch vieles, vieles mehr. „Vollkommen überraschend“ – und das ist ironisch gemeint – wurden nach einem Monat die Umfragen mit der konsternierten Mitteilung geschlossen, dass sich zu so gut wie allen Themen keine Mehrheitsmeinung bilden konnte – daher ist alles gut so, wie es ist.

Dieser cthuloide Umfragewahnsinn lässt mich mit einigen unschönen Gedanken zurück:

  • Mein erster Gedanke war, dass es der Redaktion ganz offensichtlich an einer eigenen Vision mangelt, wie das ideale CTHULHU-Produkt aussehen soll. Dieser Gedanke beschlich mich schon, als ausgerechnet für die beiden Grundregelwerke sehr sinnige Änderungen und Anpassungen der Vorgängerversionen – wie die „typisch deutschen“ Atmosphäre-Tipps, die Janus-Gesellschaft oder die indirekte Bebilderung – schlicht ignoriert wurden. Das mit „Gangster“ wieder ein „typisch deutscher“ CTHULHU-Band nachgelegt wurde, passt da ins Bild. Und dass man nun eine Umfrage startet, ob Infokästen mit Zusammenfassungen gut sind, ob man lieber PDF-Gutscheine oder nicht will und ob man wirklich Mythos-Abenteuer schreiben sollte – das zeugt auf den ersten Blick von keinem „großen Plan“.
  • Mein zweiter Gedanke: das führt zu nichts. Und so war es auch. Ich habe mich tatsächlich rege an den Umfragen beteiligt, zu denen ich der Meinung war, etwas sagen zu müssen. Die Zeit hätte ich mir auch sparen können. Tatsächlich sind nun alle Umfragen mit „es bleibt wie es ist“ beendet worden – und das sogar unabhängig davon, ob sich Mehrheitsmeinungen bilden konnten oder nicht. Das hier mit dem Holzhammer eine Umfragemethode rausgehauen wurde, die in keinster Weise zielführend sein KANN (ein „Forum“ OHNE „klare Antwortmöglichkeiten“ im Sinne einer Umfrage – wie sollte das wohl enden?) ist dabei eine Sache. Das bewußt die Meinung der Diskutanten ignoriert wurde, eine andere. Versteht mich nicht falsch – es ist das gute Recht der Redaktion, das EIGENE Produkt zu präferieren. Nur – wozu dann überhaupt der Umfragewahnsinn?

Letzten Endes wurde hier eine Chance vertan, wirklich etwas Feedback aus der kleinen, aktiven, Cthulhu-Community zu sammeln. Sicher, genauso wie beim Fußball gilt: wir wären alle der beste Bundestrainer. Genauso denke ich natürlich auch, ich wäre der total obergeile Chefredakteur. Mir ist klar, dass Heiko wirklich versucht hat, etwas aus der Umfrage zu machen und mir ist auch bewußt, dass er einige Entscheidungen schlicht anders treffen wird, als sie die Mehrheit der Rückmeldenden treffen würde – einfach, weil sie bislang gut funktionieren. ABER: dass von allen Beteiligten so viel Zeit und Energie völlig unnütz verschwendet wurde, dass wäre nicht nötig gewesen. Ich hoffe, beim nächsten Mal wird irgendeine „Poll“-Website dafür gewählt – oder es gibt einen Fragebogen im nächsten Abenteuerband, wenn denn WIRKLICH der Bedarf an Feedback besteht.

PS: Was ich WIRKLICH schade finde ist, dass insbesondere die Meinung der meisten User zum Thema „Struktur der Abenteuer“ unerhört blieb, ist doch gerade der umfangreiche Fliesstext für Spielvorbereitung und -durchführung in meinen Augen eine echte Hürde.

Rätselhafte Produktpolitik
Ein weiterer Punkt, der mir Fragezeichen über den Kopf schweben läßt, ist die aktuelle Produktpolitik. Ein paar Fragen:

  • Warum wird im Anschluss an die Grundregelwerke „Gangster – Cthuloide Unterwelt“ veröffentlicht? Meine Rezension auf diesen Seiten folgt bald und es ist sicherlich kein schlechter Band. ABER: Es erschließt ein neues Setting – nämlich die große Depression der 1930er – und eine völlig neue Herangehensweise an den Mythos, nämlich auf Seiten der Gangster. Das ist alles prima, und der Band erfüllt seine Aufgabe. Aber wäre als erste Folgepublikation für ein Grundregelwerk nicht etwas „klassischeres“ richtiger gewesen? Stellt Euch vor, DSA 5 kommt nach endlosen Beta-Verzögerungen endlich auf den Markt, und das erste Produkt für den neuen Fantasy-Platzhirsch ist… eine Regionalia-Beschreibung zu irgendeinem Teil von Myranor. „Weil es grade fertig war“. Das passt nicht zusammen.
  • Warum erscheint ein „CTHULHU im Wandel der Zeiten“ zusammen mit dem Charakterbogenset? Sicher, beide Dinge alleine wären wohl wirtschaftlich schwer vertretbar an den Mann – oder an den Spieler – zu bringen. Aber: gerade hat uns die Redaktion glaubhaft versichert, dass Spieler an den Grundregeln von CTHULHU ohnehin kein Interesse haben sollten, weswegen man der amerikanischen Regelaufteilung gefolgt ist. Heißt: im Investigatoren-Kompendium finden sich KEINE Grundregeln wieder. Nun aber liegen den Charakterbögen – die sich ja offensichtlich an SPIELER richten, denn warum sollte sich der SL die Mühe machen, alle NSC auf Charakterbögen zu übertragen – REGELERGÄNZUNGEN für das Spiel in unterschiedlichen Epochen oder Settings bei. Diese Konstellation empfinde ich als… seltsam.

Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber urteilen, ob die Publikationen gut oder schlecht sind – dafür gibt es Rezensionen. Ich finde aber, dass sowohl Output als auch Zusammenstellung ein wenig „willkürlich“ und schlecht geplant daherkommen. Warum gibt es immer noch keinen Spielleiterschirm – sehr wohl aber den nächsten Abenteuerband? Ich kann nicht erkennen, dass CTHULHU hier den klassischen Publikationsplänen neuer Rollenspiele folgt. Das mag auch mal eine „erfrischende Abwechslung“ sein; allerdings erschließt sich mir kein „großes Bild“ in dem Veröffentlichungs-Wirrwarr.

Realitäts-Check und ein versöhnlicher Abschluß
Bevor das hier zu einem einfachen Rant wird, hole ich mich einmal mehr auf den Boden der Tatsachen zurück. CTHULHU kommt aus einer verhältnismäßig schwierigen Phase, hatte es doch in den vergangenen Jahren einen deutlich reduzierten Produktions-Output erlebt. Nun überstürzen sich die Neuankündigungen, es gibt wieder neue, deutsche Abenteuer, die nächste Kampagne steht an. Die neue Sparte der „Spieler“-Publikationen ist interessant, um weitere wirtschaftliche Kräfte zu wecken, die wiederum in neues Material umgesetzt werden könnten. Dazu kommt die hervorragende Qualität der meisten Publikationen. Und, was ich neidlos anerkennen muss: das CTHULHU-Team strotzt nur so vor Kreativität – ihre Abenteuer gefallen mir inhaltlich immer und immer wieder. Nein, es ist sicher nicht „alles schlecht“ im Staate CTHULHU. Wirklich nicht. Und daran sollte ich denken, wenn ich wieder einmal kopfschüttelnd eine Entscheidung nicht nachvollziehen kann.

Wie seht Ihr die Lage von CTHULHU? Bin ich zu kritisch? Mache ich mir zu viele, negative Gedanken? Sehe ich Dinge vielleicht schlicht falsch? Oder gibt es in Euren Augen ebenfalls Dinge, die anders oder besser laufen könnten? Lasst uns reden :-).

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23 Kommentare zu “Quo vadis, CTHULHU?

  1. Cthulhu ist sicher kein schlechtes Spiel und gerade die 7. Ed. hat ja gute Änderungen, auch mit einer seltsamen Veröffentlichungspolitik und schlechteren Bänden und Abenteuern kann ich leben, gibt es auch bei anderen Rollenspielen. Was mich aber wirklich stört, ist, dass man im Forum so tut, als sei die Redaktion direkt bei den Spielern. Bringt man dann aus persönlicher Sicht Dinge zur Sprache, die einem nicht gefallen, wird dann darauf verwiesen, dass die Redaktion entweder keine Einflussmöglichkeit hat oder dass man das völlig anders sieht oder es wird eine Umfrage gemacht, an der entweder keiner teilnimmt, weil man sich denkt, es wird sich eh nichts ändern oder Mehrheiten werden mit vorgenannter Begründung abgeschmettert. Wozu das Ganze? Es hat nur die Wirkung, dass man Redaktion und Verlag nicht mehr ernst nimmt und eine Planlosigkeit unterstellt anstatt über das Spiel an sich zu reden. Das ist schlechte Außenwirkung, da ein guter Teil der cthuloiden Spieler im Forum vertreten sind. Für mich ist die Konsequenz daraus, dass ich das Forum weniger besuche, ich mache mir dann eigene Gedanken, was schade ist, denn ein Austausch wäre schön, auch wenn ich nie viel geschrieben habe, hat mir das Lesen doch auch was gebracht.

    • Folgende Annahme Sorbens ist ziemlich sicher inkorrekt: „… Außenwirkung. da ein guter Teil der cthuloiden Spieler im Forum vertreten sind.“ – tatsächlich ist der Anteil mE ziemlich gering. Man kann noch nicht einmal unterscheiden zwischen „Fokusspielern“ (also jenen, deren Haupt-„system“ „Cthulhu“ ist) und „Gelegenheitsspielern“ (also der wirklich hohen Zahl an Rollos, die bei Gegelenheit oder zur Abwechslung auch mal „Cthulhu“ spielen) in dem Sinne, dass sich hauptsächlich Fokusspieler im Forum tummeln würden.
      Als Edelgelegenheitsspieler :), der auch das Pegasus-Forum kennt, seine rolloesken Cthulhu-Infos jedoch von wer weiß wo bezieht, bin ich im Laufe der vielen Jahre auf kaum einen Mitspieler gestoßen, der auch nur auf die Idee käme, ein echtes Interesse an der Entwicklung des deutschen Call-of-Cthulhu-Systems zu haben.

      Das bringt mich zum nächsten Punkt, der Publikationsstrategie. „Hier“ in der freien Wildbahn und abseits irgendeiner Hochzivilisation von Cthulhu-Spielern (–> der harte Kern) juckt irgendeine Strategie schlicht niemanden, weil man in einer Art belanglosen Spielkontinuität lebt. Man bemerkt früher oder später, dass ein neues Regelwerk erschienen ist. Das übernimmt man oder eben nicht. Und dann wird irgendwann, irgendwie kolportiert, dass es ja diesen oder jenen Band gebe, zB den Gangsterband. Da juckt es vielleicht zwei oder drei Spieler (aus der mittleren Spielumgebung) in den Fingern, da sie ihren nächsten zwielichtigen Charakter ein wenig aufpeppen möchten. Dabei interessiert es überhaupt nicht, dass der Schwerpunkt auf Amerika liegt (und nicht etwa auf Deutschland). Kaum jemand vermisst dafür eine andere Publikation, die doch logisch viel näher liege. Denn man macht das, was man teils schon seit 20 oder 30 Jahren macht: Man spielt irgendwie.

      Charakterbögen mit Regelergänzung: (So gut wie) kein Spieler kauft sich ein Charakterbogen-Set. Viele würden sich noch nicht einmal einen aus dem Netz runterladen. Adressat dieses Produkts ist glasklar der Spielleiter. Der hat die Bögen – gekauft oder gedruckt – und teilt sie vor Spielbeginn aus. Dann erfolgt die gemeinsame Generierung. … Was mich persönlich ggf interessieren würde: Muss ich unbedingt dieses Set kaufen, um an die Regelergänzungen zu gelangen? Aber mit diesem unerhörten Interesse an „Regelkleinklein“ 🙂 bin ich doch schon Teil einer speziellen Gruppierung, die sich um die Regeln so richtig schert.

      Allerdings stimme ich in Sachen Mängel in der Abenteuerstruktur vollauf zu! Ich kann Chefredakteur Gills Entgegnung, andernfalls sei die Gefahr, den Text zu „zerhacken“ zu groß, nicht teilen, solange ich hierbei an den in meinen Augen eigtlen Zweck eines Abenteuertexts denke: dem SL eine Hilfe zu sein. Jedoch sehe ich freilich den – nicht explizit genannten – Zweck, Abenteuertexte zu schön und „atmosphärisch“ zu lesenden Texten zu machen, weil – und wir kennen das auch von DSA – Abenteuer nur bedingt zum Spielen gekauft werden. Ich finde das freilich schrecklich.

      • Wahrscheinlich hast Du recht – ich nehme manche Dinge wahrscheinlich einfach zu „ernst“ – wie einen Produktionsplan oder die Produktzusammenstellung. Und – rückwirkend betrachtet – ja, auch als SL bist zu Zielgruppe für die Charakterbögen, stimmt. Gute Punkte!

  2. Ich kann dir weitestgehend zustimmen. Phase 1 des Umfragewahnsinns hab ich ja, naiv wie ich war, noch mitgemacht, Und viele Vorschläge waren wirklich gut. Aber mit Phase 2 wurde es nur noch lächerlich.
    Zusammen mit dem auch sonst eher dickköpfigen Verhalten und Kritikunfähigkeit (jede Kritik wird mit Rechtfertigungen und „Find ich aber besser“ abgewatscht) der Redax, sowie der sich ständig wiederholenden Diskussion über Feedback und Diskussion innerhalb der Community waren dann auch der Grund für meine weitestgehende Abkehr vom Forum und Pegasus Produkten. Wobei letztere auch schon lange nicht mehr meinen inhaltlichen Qualitätsansprüchen genügen. Darum finde ich in den Produkten auch nicht die Versöhnung die du dort findest.
    Das ist Schade, aber glücklicherweise gibt es für mich Alternativen.

  3. Cthulhu als Setting spiele ich immer noch sehr gerne. Aber gerade in der Ausprägung des deutschen BRP-basierten Cthulhu nicht mehr. Dazu wenden sich die Produkte viel zu sehr an (oft wohl ehemalige) Rollenspieler, die heutzutage mehr mit dem Sammeln und – bestenfalls – Lesen (wie einen Roman) solcher Produkte befaßt sind, als mit der eigentlichen Spielpraxis. Und wie ungeeignet die aktuelle gestalterische Sackgasse deutscher Cthulhu-Produkte für genau diese Spielpraxis ist, hat ja u.a. der gute purpletentacle (s.o.) ausführlich dargelegt.

    Für mich bieten Produkte für Trail of Cthulhu (Gumshoe System) oder Realms of Cthulhu bzw. Achtung! Cthulhu (beide für Savage Worlds) deutlich mehr konkret für das Spiel aufbereitete Inhalte. Aber ich bin auch weniger Sammler noch (Nur-)Leser, sondern für mich ist ein Rollenspielprodukt erst dann interessant, wenn es auch GESPIELT wird.

    Und da ist nach meiner Wahrnehmung beim deutschen Cthulhu (aber auch trotz Auffrischung beim BRP-basierten neuen Cthulhu 7) der Orientexpress abgefahren – und führt vornehmlich ins „Endlager der Büchersammler“ und macht nicht mal mehr einen Zwischenhalt am Spieltisch. Schade, aber für den Verlag offenbar kein Beinbruch, denn ein verkauftes Produkt ist halt Umsatz, egal ob jemand es nur ins Regal stellt oder tatsächlich damit spielt.

    • Das ist eines meiner „großen Probleme“ mit der aktuellen Struktur. Viele Abenteuer in den Büchern sind es wirklich wert, von Spielern erlebt zu werden. Wirklich. Aber ich ertappe mich ja selbst dabei, wie ich immer wieder Perlen ins Regal zurückstelle, weil ich einfach keine Zeit habe, vor dem nächsten Spieleabend nochmal 25 Seiten Fließtext durchzuarbeiten. So schön das auch als Bettlektüre funktioniert, es ist einfach unhandlich, wenn man damit spielen will.

      Und das ist wirklich, wirklich schade.

    • Ich denke gerade, dass sich Cthulhu durch die 7. Regeledition wieder zum Rollen- denn Sammlerspiel hin entwickelt. Ob sich diese Tendenz aufrechterhalten lässt ist natürlich eine ganz andere Frage.

      Zumindest sind die Grundlagen dafür da und das ganze wird ja nicht nur auf der Preiskampfspolitikschiene ausgetragen sondern auch durch die Veröffentlichung alter Abenteuer in Softcovern (also nicht nur als PDF) und z. B. die geplante Ubersetzung von „A Time to Harvest“ gefördert.
      Ob es dann der geneigte Käufer auch spielt, ist eine ganz andere Sache (und liegt letztlich an jedem selbst?!)..,

  4. Da hier alle so auf Spiegelstrichlisten stehen, ist hier also eine solche Liste mit meiner Meinung:

    — Rillenmanni ist weit mehr an der Wahrheit dran, als die Befürchtung von kopfloser Veröffentlichungspolitik. Das Forum dürfte eher die „laute“ Minderheit sein, als die Mehrheit.
    — Was wäre denn ein „gutes zweites Produkt“? Deutschland? Hm, wäre die dritte Auflage davon. USA? Ist genug im Regelwerk. Lovecraft Country? Wäre auch die x-te Auflage. Abenteuer? Ja, genau, Abenteuer! Und die wurden und werden kräftig veröffentlicht. Also warum nicht Gangster als erstes Hardcover, das extrem lange in Arbeit und endlich fertig war. Ist auch noch ein tolles Buch geworden. Zumindest meiner Meinung nach.
    — Heiko hat im verlinkten Thread Recht mit seiner Entscheidung. Stichwortlisten lesen sich grauenhaft. Ich habe mal versucht, mich durch ein paar One-Page-Dungeons zu arbeiten, die reine Stichwortlisten waren. Das war so extrem mühsam, dass ich schnell wieder aufgehört habe. Keine Ahnung, ob das Abenteuer gut am Spieltisch gewesen wäre. Ein kurzer (!) Fließtext mit hervorgehobenen Stichworten eignet sich für die Übersicht gut.
    — „Zerhacktes Layout ist egal, wir brauchen gut benutzbare Texte“ zeugt leider von einer grundlegenden Unkenntnis, nämlich, dass ein ordentliches Layout extrem zur Benutzbarkeit des Textes beiträgt. Und ein schlechtes diese eben auch verhindert.
    — Die Qualität von Abenteuern hängt ab von a) dem Können des Autoren (es sind nun mal nicht alle so gut wie Laws); b) Zeit und c) von der Aufgabenstellung. Thematisch ist Cthulhu extrem abgegrast, da muss man schon ein wenig ausholen, um sich was Neues auszudenken. Und dafür braucht man Worte. Ich weiß, es gibt Gegenbeispiele, bei denen das funktioniert. Aber es ist sauschwer.
    — Guck mal auf deine eigenen Abenteuer von diesem Blog. Alles Fließtexte (oder fast alles?). Wieso eigentlich?
    — Die Veröffentlichungspolitik scheint aus theoretischen Gesichtspunkten vielleicht etwas kopflos, ist es aber ganz und gar nicht. Es ist viel Hirnschmalz hineingeflossen. Günstige Abenteuerbände, ein lesbares Layout, Spielerbände, Preispolitik, … das sind alles wichtige Entscheidungen, die genau überdacht werden müssen. Mit einem begrenzten Mitarbeiterstamm muss man manchmal einfach nehmen, was gerade fertig ist. Cth7 hat richtig viel Sand ins Getriebe geworfen, weil es einfach nicht fertig wurde. Diese Übergangszeit dürfte bald vorbei sein.
    — Was die Umfragen bringen sollten, war mir auch nicht klar. Wie du schon sagst, schien ein Scheitern vorprogrammiert. Es war ein Versuch, der wahrscheinlich mehr kaputtgemacht als geholfen hat. Schade. Aber schlimmer ist es nicht. Nach allem, was ich weiß, ist es eher ein Kommunikationsproblem als ein Problem mit der Produktlinie.

    Insgesamt finde ich, Cthulhu ist auf dem richtigen Weg. Die Spielbarkeit wird immer besser (man gucke sich nur Gaslicht an). Ich warte jedenfalls erstmal ab, was kommt. Frustriert sein kann ich immer noch, wenn die nächste Produkte schlecht werden.

    Sorry für die „Wall of Text“. Du hast ein für mich emotionales Thema angesprochen 😉

    • Hallo amel,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar! Ich bin froh zu lesen, dass es auch wirklich konträre Meinungen gibt :-).

      – Klar, das Forum ist eine Minderheit. Aber es ist auch die einzige Stelle im deutschsprachigen Web, in dem WIRKLICH über Cthulhu diskutiert wird. Wenn ich mir die Channel bei den Blutschwertern, Helden.de oder im Tanelorn angucke – dai st einfach monatelang Funktstille. Insofern wäre es ein guter Ort, um sich Feedback und/oder Austausch anzuhören. Allerdings nur mit „Fokusspielern“ (ein schöner Begriff, Rillenmanni :-)), und vielleicht ist das letztendlich schon das Problem…
      – Ein gutes „zweites“ Produkt wäre Upton Abbey oder Feiertage der Furcht gewesen. Ein wenig früher angeplant hätte es auch der SL-Schirm (inkl. einer Spielhilfe) sein können. Vielleicht auch ein Necronomicon 3rd, auch wenn es eine Neuauflage wäre. Alles „kerniger“ als „Gangster“ – und nein, das ist nach wie vor keine Qualitätsaussage über den Band :-).
      – Zum Thema Fließtext: ja, ich habe hier auch viele Fließtexte. Alles richtig. Allerdings sind die meisten meiner Abenteuer entweder für Wettbewerbe entstanden (nach „offiziellen“ Vorgaben) oder für andere, semioffizielle Zwecke. Und ja, natürlich war ich der Meinung, ein „Cthulhu-Abenteuer muss halt so und so aussehen“.
      Ich finde Fließtext per se auch überhaupt nichts verwerfliches. Handlungen, Hintergrundgeschichte, die Beschreibungen WICHTIGER NSC… alles prima. Ich finde nur, dass spielrelevante Informationen besser strukturiert werden könnten als per Fließtext. Und das hat nichts mit zerhacktem Layout und Lesbarkeit zu tun.
      – Schön, dass wir uns beim Thema Umfragen einig sind :-). Ich fand es wirklich klasse von Heiko, dass er versucht hat, Stimmungen und Meinungen einzufangen. Im Nachhinein betrachtet war es einfach ein schlechtes Medium. Aber vielleicht zieht er auch diesen Schluß für ein evtl. nächstes Mal.

      • Dann sind wir uns ja fast überall einig 🙂

        Feiertage der Furcht enthält mein eigenes „Verlobung auf Girnwood Manor“, auf das ich sehr stolz bin. Aber es ist eher untauglich für Anfänger. Ich meine gehört zu haben, dass es das mit Abstand längste Abenteuer im Band ist. Da hätte sofort wieder Kritik gehagelt. Upton Abbey ist sicherlich gut geeignet, finde ich aber persönlich wenig spektakulär. Den Sichtschutz als übliches zweites Produkt empfinde ich sogar als schlechtes Klisché, das ich noch nie verstanden habe, einfach weil er dem üblichen Einsteiger viel zu wenig bringt und dabei auch noch recht teuer ist. Aber das ist nur meine Meinung. Außerdem gibt es ja bereits einen Sichtschutz in dem Gruppenpaket mit Regelbänden.

        Du nennst zwei Abenteuer, da sind wir uns wieder einig 🙂 Cth7-Abenteuerbände wurden doch aber vorher schon einige veröffentlicht. Cthulhu-Einsteiger konnten direkt mit dem Regelwerk zusammen Abenteuerbände kaufen. Komplett ohne Wartezeit. Sogar mehr als eins. Da musste erstmal wieder ein großer Hardcoverband her, bevor es mit den dünnen Bänden weitergeht.

        Worauf ich hinaus will ist: *So* eindeutig ist das alles nicht. Es kommt ja auch darauf an, dass schnell etwas herauskommt. Je nach Teamgröße kann das eine echte Herausforderung sein. Ich stimme dir absolut zu (schon wieder 🙂 ), dass es kernigere Bände gegeben hätte. Ich sehe nur einfach den Schaden nicht, den Gangster verursacht haben soll.

        Struktur in Fließtexten: Ist absolut richtig. Ich habe gerade einen Freund fluchen hören, weil er ein altes Abenteuer vorbereiten musste, was geradezu berühmt für seine unübersichtlichen Fließtexte ist. Wie du, denken aber viele, dass Abenteuer „halt so aussehen müssen“. Worauf ich eigentlich hinaus will: So einfach, wie es immer dargestellt wird, ist nun mal nicht. Informationsdesign ist schwerer als man denkt.

        Ich persönlich nehme die Trail-Abenteuer als Vorbilder. Spiegelstrichlisten mit ganzen Sätzen und wenigen hervorgehobenen Wörtern an der richtigen Stelle bringen sehr viel Übersicht. Laws berichtet, dass es extrem aufwändig war, den Aufbau der Abenteuer zu entwickeln. Das glaube ich gern 🙂

  5. Ein schöner Artikel, der viele wichtige Themen andressiert.

    Betrachtet man nicht nur die deutsche Ausgabe, sondern schaut einmal über die Grenze und über den Teich, so muss man ja folgendes feststellen: Chaosium hat noch nicht einmal die physische Ausgabe seiner Grundregeln an den geneigten Interessenten gebracht, bzw. ist gerade erst dabei dies zu tun. Flankierend zur 7E wurde nach meinem Kenntnisstand eine (1) Kampagne für den eigenen Supporterkreis veröffentlicht. Neue Abenteuer? Nope. Überarbeitete Kompendien? Derzeit nicht – soll wohl noch kommen. Und ich sehe gerade im Chaosium-Shop gibt es noch (bzw. jetzt erst neu) Zusatzmaterial (PDF) wie Charaktere und SL-Karten für die 7E usw.

    Alles in allem – aus Sicht eines Kunden auf den Systemhersteller – unbefriedigend.

    Die Franzosen bei Sans-Detour haben ein großes Paket geschnürt und einmal den kompletten Satz an Material für 7E aufgearbeitet. Ich glaube auch, dass man das größtenteils schon kaufen kann … es macht auf jeden Fall einen guten Eindruck, da das gesamte Portfolio schlüssig auf der Webseite zu sehen ist.

    Nun hat Pegasus bekanntlich die 7E vor allen anderen auf den Markt gebracht, was ja zunächst einmal eine gute Sache ist. Mein Bild der Prioritätenliste von einem Verlag, der ein Cthulhu-RPG-System publiziert, ist ungefähr so:

    1. Regelwerke und Zusammenfassungen, 1920-/Gaslicht-/Now-Settingunterstützung (weil es schon immer so war), Kreaturen-/Magiebände (sofern nicht im GRW abgedeckt), Charakterbögen, Webseite als Anlaufstelle
    2. Weitere Ergänzungsbände, weitere Settings (Traumlande anyone?), Quellenbücher
    3. Abenteuer, Leuchtturm-Kampagnen (HotOE, MoM, MoN), andere Lizenzen

    Punkt 1 möchte ich als Kunde unbedingt umfassend und aktuell haben. Was die Settingunterstützung angeht, so wurde auf der RUF 2015 bekanntlich Gaslicht und Now keine rosige Perspektive beschieden. Sehr, sehr schade. Was ist mit dem Regelwerk begleitenden Materialien? Wann kommt ein Monsterkompendium für 7E? Werden die vorhandenen 3. Edition Quellenbücher adaptiert? Was ist mit den Charakterbögen als editierbare PDF-Dateien? Wieso gibt es so viele verschiedene Bögen für Settings, die doch eigentlich keinen Fokus haben? Warum gibt es eine Facebook-Seite mit anscheinend einem Team von Leuten, die dort posten und warum schlägt sich das nicht im Forum nieder? Von dem Thema cthulhu.de ganz zu schweigen, bei dem ich aber aus Befangenheit nicht mehr dazu schreiben möchte. Was ist mit fertig spielbaren Charakteren für die unterstützten Settings – ausdruckbar auf Charakterbögen?

    Ein Systemlieferant sollte diese Punkte sauber im Portfolio haben, da sie die Grundlage für eine breite Kundenbasis sind. Ich möchte hier die Einstiegshürde für interessierte Kunden so niedrig wie möglich machen.

    Punkt 2 setzt dann darauf auf. Traumlande, Invictus, Mittelalter … was ist damit? Das ermöglicht doch tolle Spin Offs. Alleine wenn ich an die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath denke … so viele Möglichkeiten. Was ist mit den Quellenbüchern? Werden die adaptiert oder Konvertierungsteile dazu veröffentlicht? Bspw. hat Trail of Cthulhu einen wahnsinnig großen Fundus von kostenlosen Konvertierungsregen für CoC Abenteuer auf ihrer Seite – super Kundenservice.

    Punkt 3 unterteilt sich dann in Einstiegsabenteuer, Kampagnen usw. Was ist mit der Konvertierung der großen Kampagnen auf die 7E? Was ist mit Dingen wie Delta Green oder The Laundry? Was ist mit der tollen Cthulhu Britannica Reihe? Will ich das selber machen? Öffne ich mein Lizenzspektrum in Deutschland und ermögliche anderen entsprechende Settings zu publizieren oder neu zu erschaffen, die als Basis mein Regelsystem nutzen und mir damit den Markt erweitern?

    Das beschäftigt mich so wenn ich an Quo vadis, CTHULHU denke …

  6. @amel: Na, da sind wir uns ja tatsächlich fast überall einig :-). Um es vielleicht nochmal zu sagen: ich möchten icht „ranten“ -> das ist irgendwie immer leicht. Ich habe nur das Bedürfnis über die Dinge zu schreiben, die in meinen Augen schief laufen. Und das ist nicht die Qualität der Bände, auch nicht die Publikations“geschwindigkeit“. Das mögen andere anders sehen (hallo, Purple :-)), aber für mich sind die Bände qualitativ in Ordnung!

    @case: eine schöne Fortführung meiner Punkte. Insbesondere in der Fortführung einer Produktlinie („Punkt 1 möchte ich als Kunde unbedingt umfassend und aktuell haben“) sind wir einer Meinung.
    Wo ich nicht ganz mitgehe, ist, die „Schuld“ bei Chaosium zu suchen. Sicher, die sind noch langsamer und sicher, da liegt noch einiges mehr im Argen. Im Vergleich zu USA ist Deutschland cthulhu-technisch ja fast das gelobte Land. Aber: das war in den vergangenen Jahren doch ebenso der Fall. Das Malleum wurde sogar irgendwann aus Deutschland übernommen, bis dahin gab es nur komisch zusammengestellte „Monsterbüchlein“ drüben. Ja, der Lizenzgeber ist sicherlich einiges schuldig geblieben. Aber das hat in der Vergangenheit nicht gestört, wieso ist es jetzt ein großes Hemmnis? Haben sich die Lizenzvereinbarungen so geändert?

    @all: ich freue mich WIRKLICH über die angenehme Diskussion!

    • Das sollte auch nicht in diese Richtung gehen. Ich hatte noch einen Satz gestrichen, den ich doch besser noch schreibe: Wenn man sich unter den o. g. Umständen auf Impulse aus Amerika verlassen wollte, dann wäre man denke ich schlecht beraten. Eigene Impulse müssen gesetzt werden, um ein Ökosystem zu schaffen, dass die „Klassik-Linie“ mit vielen tollen neuen Facetten (z. B. The Laundry, Delta Green, Achtung!Cthulhu, usw.) bereichern kann. In CR08 habe ich einen Artikel zu Endtimes geschrieben, in der Hoffnung, das dies nicht nur das Strohfeuer eines Gedankens vom Chaosium Line Producer wird. Ein neues Setting, ein Spiel mit den Möglichkeiten, aber in letzter Konsequenz bislang Null nachgelegt von offizieller Seite.

      Derzeit befinden sich ja Systeme wie Delta Green und das Raiders of R’lyeh in der Mache, die mit neuer Lizenzpolitik (OGL) veröffentlicht werden. Habe ich also ein Ökosystem geschaffen, in welchem ich solche neuen Mitspieler nicht angenehm bewirten kann, dann ist genau das die Konsequenz daraus. Bislang findet das natürlich nur auf dem US-Markt statt, aber die Frage ist doch, wie wird die Entwicklung hierzulande weitergehen?

      Bin ich dann Herrscher eines Ökosystems und profitiere von den Anstrenungen anderer oder verwalte ich meine Lizenz und grenze sie ab?

      • Diese Überlegungen gehen mir letztendlich schon zwei Schritte zu weit. Ich persönlich finde weder die Entwicklung von DG noch von Raiders wirklich interessant, denn: sowohl Setting als auch Regelgerüst von CTHULHU sind exakt das, was ich für mich gesucht habe. Ein anderes Regelsystem oder „abgedrehtere“ Setting-Herangehensweisen bräuchte es für mich nicht. Mir liegt die Entwicklung von BRP-CoC am Herzen.

        Andersherum muss man sich heutzutage diese Fragen sicherlich stellen: wenn andere Lizenzen mit ganz ähnlicher Thematik auf den Markt drängen, wird der Kuchen ja nicht größer…

      • Tja, das Delta Green RPG ist sicher ein Verlust für Chaosium und die 7E. Zum einen bieten sie mit ihrem OGL System eine oldschoolige Alternative, die die älteren Regelversionen elegant mit dem ebenfalls beliebten Unknown Armies-System mischt und zum anderen darf Pelgrane Delta Green auch noch mit Trail umsetzen. Ob die Gründe dafür jetzt zwingend bei Chaosium liegen, würde ich aber bezweifeln.

        Um Deutschland braucht man sich im Hinblick darauf aber, denke ich, keine Sorgen machen. Wer dem deutschen Cthulhu bis jetzt nicht den Rücken gekehrt hat, wird das sicher auch mit der DG OGL nicht tun. Ich meine, es gibt ja noch nichtmal eine deutsche Übersetzung von ToC. Und besonders interessant ist DG als Setting für die deutsche Szene wahrscheinlich auch nicht – selbst ohne die Karotechia.

  7. „wenn andere Lizenzen mit ganz ähnlicher Thematik auf den Markt drängen, wird der Kuchen ja nicht größer…“
    Er wird schon größer. Und zwar dann, wenn diejenigen, die die neuen Lizenzen, die neuen Settings – wie ToC, DG, etc. – spielen, eben sonst NICHT zum alten BRP-Cthulhu gegriffen hätten.
    Mir gibt das Festhalten an den öden 1920ern nichts. Und BRP hatte ich seit der 2nd Edition von Call of Cthulhu schon rauf- und runtergespielt, daß es für mich viel zu altbacken ist, um meinen aktuellen Ansprüchen an ein modernes, zeitgemäßes Regelsystem zu genügen.
    Ohne Trail of Cthulhu, Realms of Cthulhu und Achtung! Cthulhu hätte ich KEINE Cthulhu-Produkte mehr gekauft! Da wäre der alte, dröge Cthulhu-Kuchen halt in der Auslage verschimmelt.
    Für mich ist es somit von Vorteil, daß es Verlage gibt, die aus dem ausgelutschten Cthulhu-Hintergrund doch noch was Neues herausholen und die gerade auch regeltechnisch einfach mal ansprechenderes Gameplay bieten.

  8. Die Ansicht das „andere, ähnlich gelagerte Spiele, Cthulhu Schaden würden“ kann ich auch überhaupt nicht teilen. Eher im Gegenteil! Konkurrenz belebt das Geschäft, erhöht den Qualitätsanspruch der Kunden, bietet mehr Auswahl und würde frischen Wind in die staubige Szene bringen.
    Das ist zumindest meine Meinung.
    Und durch den Wegfall der Cthulhus Ruf wird die Situation nicht wirklich besser.

    Zum Punkt „Cthulhu ist auf dem richtigen Weg.“: Gaslicht war ein Lichtblick in einer Reihe ziemlich mittelmäßig bis unterdurchschnittliche Bücher, die die Fahne der „guten alten Cthulhuschule“ hochgehalten haben (Janus, Reisen, Düstere Orte, Berge des Wahnsinns). Keine Ahnung wo man da einen richtigen Weg mit mehr „Spielbarkeit“ sehen kann.

    Vielleicht wird es mit der 7E besser und vielleicht ist Gangster auch ganz großartig. Ich bin da aber, gerade im Zusammenhang mit den schrägen Forenaktionen der Redax, eher skeptisch.

    • „Konkurrenz belebt das Geschäft“ aber nur in dem Falle, wenn Du an dem Geschäft WIRKLICH interessiert bist. Wenn Du ohne große Marktbeobachtung schlicht feststellen musst, dass Dein Umsatz mit Deiner Produktlinie schrumpft und schrumpft, obwohl Du „alles machst wie bisher“, dann kannst Du

      a) versuchen, dich in der Nische BESSER zu positionieren, was einiges an Arbeit erfordert oder
      b) den Kram halt ganz sein lassen.

      Ich könnte mir vorstellen, in welche Richtung das Pendel ausschlägt…

      Und das ist jetzt wertfrei zu verstehen: ich bin kein Fan von Pegasus, ich bin kein Gegner von Pegasus. Ich kaufe ihre Produkte, weil sie mir gefallen. Ich mag es halt in den drögen 1920ern und ich mag die Ideen, die das Cthulhu-Team aus dem Lovecraftschen Mythos formt. Ich bin mir nicht sicher, was ein anderer Verlag und/oder ein anderes Produkt „besser“ machen würde? Sicher, Cthulhu hat nach wie vor Potential sich zu entwickeln. Aber wie riesig sind die Schritte, die DIESES Spiel machen kann?

  9. Ich finde den Artikel und die Kommentare als Nicht-Cthulhu-Spielerin ziemlich interessant.

    Was ich allerdings deutlich merke: Es ist ein Artikel aus „Fokusspielersicht“ und auch die Kommentare sind entsprechend.

    Ich selbst stelle fest, dass z.B. die Anzahl der Cthulhu-Runden online erheblich zugenommen hat seit Erscheinen der 7. Edition. Ich bin mir da nicht mal sicher, ob da auch mit den Regeln der neuen Edition überhaupt gespielt wird, auf jeden Fall ist das Interesse am BRP an sich deutlich angestiegen.

    Inwieweit Cthulhu überhaupt Thema in Foren und Co. ist, weiß ich nicht und verfolge ich nicht. Tatsächlich haben sich jedoch recht viele User des Nerdpolforums die aktuellen Regelwerke zumindest gekauft und es finden seither doch relativ oft entsprechende Runden statt. Einerseits sind das Youtube-Runden, die zahlenmäßig deutlich angestiegen sind (von gen Null hin zu konstant mindestens einer Runde alle 3-5 Wochen), deutlich mehr scheint es noch mal bei den OffAir-Runden zu sein (dazu gibt es aber keinen „Eventkalender“ oder so etwas, worüber man das zahlenmäßig festmachen kann; das sind Runden, die sich via Chat/Skype zusammenfinden und wozu man eben Kommentare zwischendrin findet („Neulich bei Cthulhu …“) oder auch mal ein Gesuch explizit für OffAir-Runden.

    Dort tummelt sich zum Großteil eine ganz andere Spielerschaft, wovon viele sich nur mit 1-3 Rollenspielen überhaupt mal befassen, auch mehr kaufen als zu lesen (oder regelorientiert zu spielen), sich teils vermutlich nicht mal Dingen wie den großen RSP-Foren, Blogring, G+-Community etc. bewusst sind. Alternative Systeme zum Thema Cthulhu/Mythos sind zu großen Teilen nicht einmal als solche bekannt, geschweige denn in ihren Unterschieden zur 7. (oder einer beliebig anderen) Edition.
    Bei denen scheint Cthulhu aber ein simples und gut zugängliches Spiel zu sein, wenn man mal „Horror“ will. Da spielt das Regeldesign an sich eher keine oder eine sehr untergeordnete Rolle, wichtiger ist das schnelle(re) Angebot, der günstige Preis (meist jüngere Leute/Schüler/Studenten) und die deutschsprachige Verfügbarkeit.
    Wohlgemerkt alles keine belastbaren Fakten, sondern Beobachtungen und Schlussfolgerungen meinerseits.

    Und diese Spielerschaft, die ich da durchaus im Wachstum erlebe, ist von den Punkten des Artikels und der Kommentare im Grunde ausgenommen (und auch nicht wirklich erreichbar aus vorgenannten Gründen).

    Damit werte ich jetzt bewusst keine der beiden Seiten, sondern schreibe einfach nur mal meine Beobachtungen von außen auf.

    • Danke für Deine Antwort! Das sind in der Tat sehr interessante Beobachtungen, die ich (als ewig-Gestriger…) nicht machen kann. Das würde tatsächlich Rückschlüsse darauf zulassen, das zumindest das Thema „Preis“ und evtl. sogar das Thema „Spielerbände“ Schritte in die richtige Richtung sind. Zumindest wirtschaftlich :-).

  10. Viele Dinge, die von Pegasus zu Cthulhu gemacht wurden und werden, sind gut. Da gibt es selten etwas, das ich komplett abgelehnt hätte.

    Es gibt aber auch viele Dinge, über die man streiten kann, die mir nicht gefallen oder die ich gerne anders gehabt hätte. Ich nenne hierfür i.B.a. das neue Regelwerk mal die LARP-Fotos. Die hätte man besser weg gelassen. Das farbige Foto mit den Würfeln war noch grausamer. Aber das sind Kleinigkeiten am Rande.

    Zur [b]Produktpolitik[/b] kann ich mich nicht äussern. Darüber weiss ich zu wenig. Wann, was, wie und warum veröffentlicht wird, kann ich nicht beeinflussen. Fakt ist aber, dass in Frankreich bei Sans-Detour sicher einiges runder läuft als hier, dass es aber auch sehr viel besser bei Pegasus läuft, als es z.Zt. bei Chaosium in den Staten der Fall ist.

    Ich selbst bin [b]Spieler/Sammlern[/b]. Die Zeiten der wöchentlichen Runden während des Studiums sind lange ums Eck. Ich werde im Leben nicht dazu kommen, alles das zu lesen, was bei mir an Cthulhumaterial im Schrank steht. Nicht in hundert Jahren.

    Ein Verlag lebt aber gerade von solchen Gelegenheitsspielern und Sammlern wie mir, wenn er ein Nischenprodukt wie Cthulhu bedient. Ein gutes Bsp. hierfür wäre der Ledergoldschnittmetallschliessefoliant (tolles Wort) zu Berge des Wahnsinns. Völlig überschätzte Kampagne i.m.A., die ich nie, nie, nie leiten werde. Und dennoch; ich Geek habe das Teil gekauft und habe es jetzt auf deutsch, englisch und in der Nerdvariante im Schrank. Aber was soll’s. Meine Freundin sammelt Taschen.

    Die [b]Schnellstartregeln[/b] für die neue Edition sind unglaublich gut gelungen. Kurz und bündig. Als Heftchen oder als pdf zu haben. Alles drin, was man braucht. Jeder Neuling kann das System testen, ohne Geld ausgeben zu müssen. Das empfinde ich als überaus einsteigerfreundlich.

    Kurze Abenteuer für umme als [b]pdf auf der Homepage[/b]. Dazu viele Handouts für viele andere Abenteuer zum runterladen. Auch das nenne ich sehr, sehr kundenfreundlich.

    Die [b]neuen Publikationen[/b] sind gut zu lesen. Die Schriftgrösse passt. Und es gibt keinen grauen Hintergrund. Das ist so wie es sein sollte. Das kommt mir, altem Mann, sehr entgegen. Ich denke i.d.H. mit Grausen an die Froschkönigfragmenten (Laurin Verlag). Dem Werk musste man den Rücken brechen, um den Text in der Mitte überhaupt lesen zu können.

    Über die [b]Abenteuerauswahl[/b] kann man streiten. Was dem einen gefällt, mag ein anderer nicht und umgekehrt. Das fängt schon damit an, wenn es um die Frage nach dem Hintergrund geht. Gaslicht? Klassisch 20er? Oder doch lieber Now? (Die vielen anderen Settings mal ganz aussen vor gelassen.) Soll das Szenario pulpig oder puristisch aufgemacht sein? Sandbox oder Railroad? Wo findet es statt? Lovecraft Country? Europa? Oder Deutschland? Vielleicht doch lieber eine Jagd um die Welt? Mit Dreamlands? Viel Mythos oder wenig? Kreaturen? Nein? Ja? Und wieviele? Darf es auch etwas Magie geben, oder lassen wir das besser weg? Das sind alles Dinge, bei denen sich die Geister schlicht und ergreifend immer scheiden werden.

    Wichtig ist, und das kam bei der Umfrage ja auch mehrfach zum Ausdruck, dass die Abenteuer vom Spielleiter leicht zu erarbeiten und dadurch schnell und gut spielbar sein sollen. Das funst bei Pegasus nicht. Noch nicht. Das macht ToC wirklich besser.
    Da ich eher Role- statt Roll-Player bin, bevorzuge ich immer einfache Regeln und keine zwanzig seitige Erklärung zu Verfolgungsjagden.
    Die Einfachheit des Regelwerks ist es, was m.M.n. ein Spiel zusätzlich zum Background anziehend macht. Und das betrifft nicht nur das Spiel am Tisch, sondern auch ganz besonders die Vorbereitung.
    Bei einem Szenario polstere ich lieber ein stabiles Gerippe an einigen Stellen etwas auf, als an einer fetten Sau überall die Schwarte abhobeln zu müssen. Allein aus purem Zeitmangel.
    Das Problem liegt i.d.H. m.M.n. darin, dass Seiten gefüllt werden müssen, damit ein gewisser Preis verlangt und auch erzielt werden kann. Das ist nur logisch. Würde ein Käufer für die aktuellen (preiswerten) Bände ausgeben, wenn da nur 4 Seiten geraffte Zusammenfassung drin wären? Sicher nicht.
    Aber diese 4 Seiten geraffte Zusammenfassung zusätzlich wären toll. Am Anfang des Abenteuers. Das wäre das, was wünschenswert wäre. Dann hätte jeder was er braucht.

    Die [b]Cthulhugemeinde[/b] ist recht klein. Cthulhu ist kein RPG des Mainstream wie D&D, DSA oder SR. Einige treffen sich im Pegasus-Forum. Das ist allerdings eine Werbeplattform… für die paar Cthuluistas die dort mitlesen und für noch weniger die dort auch schreiben.
    Und die Verhältnisse sind dort so, wie die Offiziellen es haben möchten. Das kann man mögen oder auch nicht, aber man muss es schlicht und einfach so hinnehmen wie es ist. Wem die Moderation nicht gefällt, sollte sich aus ernsthaften Diskussionen heraushalten. Es ist dort mittlerweile merklich still geworden [i]und ich vermisse Studer[/i].
    Es wäre schön, wenn die Offiziellen (als Produktwerber) dem Nutzer des Forums (als Käufer) nicht ständig widersprechen und schulmeistern würden. Wie würde es einem wohl gefallen, wenn im Restaurant das Essen nicht schmeckt, der Kellner aber immer wieder „Aber MIR schmeckt das.“ sagt?

    Wenn ich das alles so noch einmal durchlese, dann kann eigentlich jeder der gerne Cthulhu spielt, froh sein, dass wir Cthulhu noch auf deutsch haben.
    Es geht immer besser und das Gras ist anderswo immer grüner, aber es geht auch weitaus schlechter.
    Wem das Produkt nicht gefällt, dem bleiben zahlreiche andere Regelwerke und Systeme als Alternative; dann aber auf englisch.
    Ich teste mit meiner Gruppe gerade Tremors am Spieltisch…

    Fhtagn

  11. Pingback: Zwischen den Jahren… Version 2016 – Seanchui goes Rlyeh

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