Rezension: Cthulhus Ruf Ausgabe 8

Ja, ein paar Tage ist sie schon zu haben, die neueste Ausgabe von Cthulhus Ruf. Leider stapelten sich noch ein paar andere Materialien auf meinem Tisch, so dass es bis zum jetzigen Zeitpunkt gedauert hat, bis ich die Ausgabe eingehend analysiert hatte. Zeit, ein wenig über die neueste Ausgabe zu plaudern!

CR08_CoverWie auch bei den Vorgängerausgaben will ich dabei die einzelnen Artikel kurz vorstellen und kommentieren. Dabei spare ich bewusst einen Artikel aus, den eben jener stammt dann doch noch einmal aus meiner Feder. Nachdem ich es in Ausgabe 7 aus zeitlichen Gründen nicht geschafft habe, standen die Sterne bei dieser Ausgabe für mich günstiger. Da ich jedoch nur wenige Seiten des Magazins in Anspruch nehme, erlaube ich mir dennoch eine Rezension.

Beginnen möchte ich meine Rezension aber mit dem obligatorischen Lob an’s Layout. Und da ich in der letzten Rezension bereits das passende dazu schrieb, zitiere ich mich rasch selbst:

Vorab aber – und dafür möchte ich mich beim Layouter entschuldigen – will ich nur kurz darauf hinweisen, wie großartig auch diese Ausgabe aussieht. Weiterhin steht das Magazin einer professionellen Publikation in Punkto Bebilderungen, Aufmachung, Schriftarten, Lesbarkeit und Gliederung in nichts nach. Insbesondere die Handouts sind mit viel Liebe und Sorgfalt erstellt. Eine wahre Augenfreude, die eigentlich mehr Lob verdient hätte. Auch das Cover, weiterhin ungewohnt rund um den Einband gelegt, ist wieder einmal hervorragend illustriert und gut gelungen.

Ehre, wem Ehre gebührt. Widmen wir uns dem Inhalt.

Die Vereinsseite
Nach Vorwort und Todesanzeigen eröffnet die „Vereinsseite“ auch diese Ausgabe von Cthulhus Ruf. Erste Aktivitäten der neugegründeten Deutschen Lovecraftgesellschaft werden zaghaft angekündigt, ein Aufruf zur gemeinsamen Arbeit findet sich auch – allerdings ist das alles noch leicht nebulös. Ich empfand die Seite als wenig informativ.

Die Flüstertüte
Während in den vorangegangen Ausgaben der „Flüstertüte“ kontroverse Themen zur Debatte gestellt wurden, führt uns Autor Christoph Maser hier in Serientechniken ein – und was wir für das Rollenspiel bzw. die Kampagnenbildung davon lernen können. Ein Artikel, der eher an der Oberfläche der Möglichkeiten kratzt, keine kontroverse Diskussion auslösen wird, und mir schlicht zu kurz ist. Aber: das Thema ist durchaus interessant und in der Kürze der Seiten schmackhaft gemacht. Bislang eine der besten „Flüstertüten“, auch, wenn es an der ursprünglichen Intention dieser Rubrik wohl vorbei geht.

Summ, Bienchen, Summ!
Das erste vollwertige Abenteuer dieser Ausgabe ist das für Cthulhu NOW konzipierte „Summ, Bienchen, Summ!“. Um es vorweg zu nehmen: Autor Mirko Bader beweist in meinen Augen wieder einmal, dass er einer der besten deutschen „Cthulhu“-Autoren ist! Das Abenteuer spielt vor einer unverbrauchten Kulisse – nämlich inmitten eines amerikanischen Großraumbüros. Es bringt interessante „Live“-Aspekte an den Spieltisch, bringt den Horror sehr persönlich zu den Spielern, ist gut ausgearbeitet und dennoch kurz genug, um an einem Abend vorbereitet zu werden und wirft mit kreativen Ideen nur so um sich. Da verzeiht man dem Abenteuer auch das recht generische Finale. Mehr will ich nicht verraten, vor allem nicht spoilern. Seht es Euch an, es lohnt sich.

Der Maschinenkönig
Via Cthulhu-Forum wurde der Wunsch nach einem „großen, umfassenden“ Abenteuer an die Redaktion herangetragen – und „Der Maschinenkönig“ trägt diesem Wunsch Rechnung. Mit 38 Seiten (plus zusätzlichen 16 Seiten im Archivheft, dazu später mehr) ist es das bislang umfangreichste in der CR veröffentlichte Abenteuer. Es ist für die „Gaslicht“-Ära gedacht und eine Übersetzung aus dem Amerikanischen. Soviel zum technischen, nun zum Inhalt – und !!!ACHTUNG, SPOILER!!!:

In London träumen die Menschen von düsteren Maschinenwelten. Zeitgleich eröffnet eine Ausstellung über Maschinen der industriellen Revolution. Gibt es hier einen Zusammenhang? Während die Investigatoren die Ausstellung untersuchen, werden sie unversehens in eine finstere Parallelwelt, das Reich des Maschinenkönigs gesogen. Diese, den Traumlanden nicht unähnliche Welt, leidet unter der Knute seines Königs, der seine finsteren Hände nun auch auf die Wache Welt legen will. Beim Versuch, den König aufzuhalten, müssen sich die Investigatoren einigen Herausforderungen stellen…

Kommen wir zunächst zum Positiven: Das Abenteuer ist leidlich kreativ. Wenn es gilt, einen mechanischen Albtraum darzustellen, dann findet sich hier sicherlich das Passende. Es ist umfangreich, es steckt voller boshafter, gemeiner Ideen, um den Spielern das Leben schwer zu machen und die Fremdartigkeit des Maschinenreiches zu unterstreichen. Aber…

…es gibt einige Aspekte, die mir das Abenteuer verleiden. Wie so manches Gaslicht-Abenteuer macht es mir zu wenig aus dem „Gaslicht“-Aspekt, da es einfach die Lokalität wechselt. Das hätte man auch in Cthulhu NOW haben können. Dann sind weite Teile der Handlungen streng auf Schienen ausgelegt. Das Archivheft schafft hier ein wenig Abhilfe, indem es weitere Hintergrundinformationen liefert, doch das ändert nichts an gewissen Handlungsabläufen. Und zum Dritten: ich mag es nicht, wenn CR Übersetzungen anfertigt. In meinen Augen passt das nicht zu einem Magazin, dass mit dem Konzept „Von Fans für Fans“ aus der Taufe gehoben wurde (wie ich auch schon einmal anmerkte). Wer sich darauf einlassen mag, erhält eine wahre Maschinenhölle für seine Spielgruppe, die einige Stunden Spielzeit verspricht. Mein Abenteuer ist es nicht.

End Times – The Reaping
Volker Rattel stellt auf den nächsten Seiten ein cthuloides Endzeit-Setting vor, dessen erster Rohentwurf in Chaosiums „Through the Ages“ zu finden ist. Dabei kommt der Autor Mike Mason zu Wort, aber auch ein Blick auf andere cthuloide Apokalypsen, wie den alten Testballon aus den Cthuloiden Welten, wird gewagt. Ein netter Artikel, dessen Intention sich mir jedoch nicht ganz erschließt.

Geheimnis der Elemente
Dieser Artikel von Carsten Pohl stellt die Naturheilkunde in den Mittelpunkt. Die war in den 1920ern besonders verbreitet; ein Einsatz der Naturheilkunde stellt somit einen zeithistorischen Lokalkolorit am Spieltisch her. Dem Artikel merkt man auch eine gewisse Spieltischnähe an – Abenteuervorschläge, Fertigkeits- und Berufsoptionen, neue Sanatorien und das ganze gepaart mit historischen Fakten. Ein vorbildlich aufbereiteter Artikel, leider ist das Thema halt ein wenig abseitig🙂.

Hashima
Mein Artikel stellt in der Rubrik „Tale of Terror“ drei Abenteuervorschläge um die japanische Insel Hashima vor. In diesem Fall habe ich auch recht wenig aus dem „Autoren-Nähkästchen“ zu plaudern, ist doch schon gleich die zweite Version meines Artikels verwendet worden. Ich komme aber nicht umhin, mich bei Stefan Droste für den kreativen Input zu bedanken!

Stillgelegt
Der „Tatort“ der Ausgabe, diesmal für Cthulhu NOW konzipiert, stammt aus der Feder von Simon Reitenbach. Dabei wurde dem „Tatort“ ein wenig mehr Platz spendiert, denn er wird auf fünf Seiten und in drei Teilen präsentiert. Die Prämisse gefällt mir außerordentlich gut – außerdem sind einige fiese Horror-Slasher-Effekte versteckt, die man bei Cthulhu recht selten sieht. Daumen hoch!

NSC der Ausgabe
Mit dem „Flaschensammler“ schließt die achte Ausgabe von Cthulhus Ruf und ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster, dass ich behaupten würde, es ist der beste „NSC der Ausgabe“, den CR bislang auf ihren Seiten hatte. Eine ganze Kampagne intelligent verwoben auf einem NSC – was will man mehr?

Das Reich des Maschinenkönigs
Das Archivheft der Ausgabe vertieft auf 16 Seiten das Abenteuer „Der Maschinenkönig“, stellt weitere optionale Regeln vor, beschreibt das Maschinenreich und seine Geschichte. Wer das Abenteuer spielen möchte, findet hier viel spannendes Material. Alle anderen Leser hätten sich wohl ein anderes Archivheft gewünscht.

Fazit: Kommen wir zum Fazit. Ja, natürlich lohnt sich auch die achte Ausgabe von Cthulhus Ruf. Wieder finden sich viele spannende Artikel auf den Seiten des Magazins wieder. Mir persönlich liegen allerdings „Der Maschinenkönig“ und das dazugehörige Archivheft nicht wirklich. Das ändert aber nichts daran, dass die übrigen Artikel – und gerade die wiederkehrenden Rubriken – zu den stärksten ihrer Art gehören.

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