Vorstellung: Cthulhus Ruf Ausgabe 6

Fast pünktlich nur wenige Wochen nach der Spielemesser erschien mit der sechsten Ausgabe des cthuloiden Fanmagazins „Cthulhus Ruf“ die Ausgabe nach dem selbst angekündigten „Bergfest“. Jeder Kultist hofft natürlich, dass der zehnten Ausgabe noch viele weitere folgen werden, doch das ist für den Moment Zukunftsmusik. Widmen wir uns lieber dem Hier und Jetzt und damit den 80 A4-Seiten (+ Begleitheft), die die Redaktion diesesmal vorlegt.

Titel_CR_06Wie auch schon bei den Vorgängerausgaben habe ich das Glück, als Autor im Impressum der sechsten Ausgabe aufgeführt zu werden. Wiederum verzichte ich damit auf eine komplett wertende Rezension – wäre ich wohl doch leicht befangen🙂. Ich möchte es aber nicht versäumen, Euch die Ausgabe in ihrer Gesamtheit vorzustellen, meine Meinung zu den anderen Artikeln kundzutun und auch ein wenig aus meinem persönlichen Autorennähkästchen zu plaudern.

Über das professionelle und schicke Layout sage ich wieder einmal eigentlich zu wenig. Wie auch bei den Vorgängerausgaben gibt es nichts zu meckern und das ganze Heft sieht großartig aus! Die sechste Ausgabe mit dem Titel „Kriegszittern“ hat Kriege – insbesondere den Großen Krieg – zum Oberthema, doch wie üblich finden sich auch andere Artikel in dem Heft.

Die Flüstertüte
Ich bin kein wirklich großer Fan der „Flüstertüten“-Rubrik. Auch die sechste Ausgabe, in der Andreas Melhorn über die Regelveränderungen, die uns mit der 7. Edition ins Haus stehen, schreibt, ändert daran nicht allzuviel. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich in meiner „Rezension“ des Schnellstarters zu ganz ähnlichen Schlüssen wie er gekommen bin und ich daher den gewünshchten „Reizeffekt“ der Flüstertüte abermals nicht verspüre. Gut geschrieben und ein interessantes Thema, aber wiederum nicht mein Artikel.

How to do the Gatsby
In diesem Artikel gibt Christoph Maser einige Tipps zum Besten, wie er den Gatsby vorbereitet hat und durchgeführt hat. Wer sich nach der Lektüre des Buches etwas schwer damit tut, sich vorzustellen, wie denn dieses Monster-Abenteuer wohl umgesetzt werden soll, findet hier viele interessante Anregungen. Aber ganz ehrlich? Mich bestärkt dieser Artikel in der Annahme, dass der Gatsby wohl in vielen Fällen ein hübsches Sammlerstück fürs Bücherregal bleiben wird. Denn um einige der der Erfahrungsberichte vorweg zu nehmen: wer kann schon ein halbes Jahr Vorbereitungszeit aufbringen? Für insgesamt maximal sechs Stunden Spielzeit? Wer will Mailinglisten ins Leben rufen, um an 32 Spieler zu kommen? Der Artikel offenbart genau die Schwächen, die ich als Otto-Normal-Spielleiter beim Gatsby sehe. Für jemanden, der diese Herausforderung aber nicht scheut, ist der Artikel aber Gold wert.

Krieg & Spiel
Der gleiche Autor führt uns nun das erste Mal in das Titelthema, präsentiert er doch einen Artikel, der den Weltkrieg als Hintergrund für viele Spielercharaktere der 1920er charakterisiert. Es gibt viele kreative Vorschläge und Regelvorschläge, um die schrecklichen Erfahrungen des Krieges in den SC-Hintergrund einzuarbeiten. Der Artikel versteht sich dabei als Ergänzung zum „Niemandsland“-Band, funktioniert aber natürlich auch losgelöst von diesem und ist für Leute mit Hang zum Charakterspiel eine tolle Vorlage.

Dunkler Sommer
Kaid Ramdani eröffnet den diesmaligen Abenteuerreigen mit seinem 1920er-Abenteuer „Dunkler Sommer“. Dieses stellt ebenfalls die Geschehnisse des Großen Krieges in den Mittelpunkt. Hier wurde ein ausgewählter SC Zeuge – Achtung Spoiler! – einer finsteren Beschwörung, die er nur dank intensiver psychologischer Betreuung vergessen konnte. Doch es kommt zu unerwarteten Begegnungen und schließlich holt ihn seine Vergangenheit ein… um ehrlich zu sein mag ich Abenteuer nicht besonders, die einzelnen SC eine besondere Bürde aufdrängen. Auch arbeitet „Dunkler Sommer“ mit vielen Rückblenden die just immer dann eingesetzt werden können, wenn die Ermittlungen mal wieder stocken. So bietet es zwar Abwechslung, wirkt aber auch ein wenig konstruiert. Es bietet aber eine gute Möglichkeit, den Großen Krieg in den 1920ern nachzuerleben – mein Abenteuer ist es aber leider nicht.

Time To Go
Das nächste Abenteuer, „Time To Go“, stammt von Stefan Droste und ist für Cthulhu NOW konzipiert. Ich meine mich entsinnen zu können, dass es im Cthulhu-Forum als Experiment angekündigt wurde, um einmal ein Abenteuer mit einem „persönlicheren“ Horror abzuliefern, als es das „normale“ Cthulhu-Abenteuer kann. So werden denn auch die SC gleich zu Beginn in eine Extremsituation geworfen. Aus der können sie sich zwar rasch befreien, doch bricht daraufhin in den nächsten Wochen ihr Leben auseinander. Ein Szenario, dass wirklich anders ist als üblich. Doch: es erfordert enorm viel Vorbereitung und Improvisationstalent vom Spielleiter, wenn er den Horror wirklich „persönlich“ gestalten will, auch wenn einige Vorschläge mit auf den Weg gegeben werden. Und: es ist schlicht nicht mehr wirklich cthuloid, auch wenn die „Gegner“ klassischer Natur sind. Ich könnte mir dieses Szenario gut für Unkown Armies vorstellen.

Kampf um das Empire
Der nächste Artikel von Stefan Droste ist eine Art „Gaslicht“-Äquivalent zu „Krieg & Spiel“ und stellt einige Kriegskonflikte vor, die in der Vergangenheit von Gaslicht-SC liegen könnten. Auch hier werden Regelvorschläge gemacht, wie sich die Kriegserfahrungen auf die SC niedergeschlagen haben könnten. Wiederum eine hübsche Ergänzung.

Die Kolonialausstellung
Autor Dominik Schwan stellt in diesem cthuloiden Szenario-Schauplatz eine Kolonialausstellung vor, wie sie in den 1920ern zu finden war. Wie eine Art Wanderzirkus wurden nicht nur die Waren der Kolonien sondern auch deren Bewohner ausgestellt. Umfangreiche Beschreibungen – komplett mit Warenhaus, Gastronomiebetrieben und NSC – und eine dezente Mythos-Verknüpfung lassen das Kopfkino anspringen. Absolut gelungen.

Ultima Ratio
Von Carsten Pohl stammt das dritte Szenario aus der aktuellen Ausgabe, „Ultima Ratio“. Drei vorgefertigte SC werden in eine Extremsituation geworfen, aus der sie rasch einen Ausweg finden müssen – es bleibt ihnen nur eine Stunde Zeit… wie ich vom Autoren erfahren durfte, entstand „Ultima Ratio“ als eine Antwort auf meinen zwei Jahre zurückliegenden Kurzabenteuer-Wettbewerb. Die Fragestellung, wie man wohl ein funktionierendes Szenario in kurzer Zeit aufsetzen könne, führte – unter anderem – zu Ultima Ratio. Und auch abseits dieses Hintergrundes ist das Szenario mein Liebling aus der aktuellen Ausgabe. Tolle SC und NSC, ein toller Schauplatz und eine interessante Grundidee machen das Abenteuer zu einem echten Erlebnis.

Der Fleischer
Die Fragmente des Grauens beschäftigen sich in dieser Ausgabe mit der Lebensmittelknappheit, die nach dem Großen Krieg Deutschland heimsuchte und den oft… „kreativen“… Lösungen, die die Industrie als Antwort auf den Hunger der Bevölkerung fand. Ein interesantes, bislang wenig beachtetes Setting und kreative Ideen machen „Der Fleischer“ zu einer gelungenen Ausgabe der „Fragmente des Grauens“.

Geteiltes Leid
Mit „Geteiltes Leid“ von Moritz Hohnert wird erstmals die Rubrik „Tatort“ in das Niemandsland-Setting verlegt. Ich bin ein großer Fan dieser Rubrik und auch „Geteiltes Leid“ macht dieser Begeisterung kein Ende. Tolles Material, wenn auch natürlich noch recht arbeitsintensiv für den SL. Punkt.

Der Menschenjäger
Der erste „Charakter der Ausgabe“ ist der Menschenjäger Wilfried August Bielmeier. Dieser stammt von Dominik Schwan und ergänzt nicht nur gelungen den Artikel über die Kolonialausstellung. Nein, er ist zugleich auch der Siegerbeitrag meines NSC-Wettbewerbes. Er ist damit der einzige NSC des Beitrages der es zum einen in den Ruf geschafft hat (die geplante Sonderausgabe kam ja leider nicht zustande) und zugleich der einzige Beitrag, der sich damit NICHT in „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“ wiederfindet. Nun sind alle Beiträge also veröffentlicht. Ich bin froh, dass insbesondere der Siegerbeitrag – über die Qualität des Artikels muß ich damit nicht mehr Worte verlieren – einen so würdigen Rahmen gefunden hat.

Der Drohnenpilot
Abgeschlossen wird die Ausgabe dann mit dem Charakter der Ausgabe, dieses Mal aus der Feder von Robert Wintermann. Für NOW konzipiert stellt der Charakter eine bislang eher weniger beachtete Mythos-Enthität in den Vordergrund. Insbesondere die Beschreibung ist gelungen und rundet die Ausgabe gelungen ab.

Das Geisterhaus-Projekt
Das diesmalige Archivheft stammt dann aus meiner Feder und trägt den Titel „Das Geisterhaus-Projekt“. Als ich die zweite Ausgabe von Cthulhus Ruf in Händen hielt, war ich von dem beiligenden Archiv-Heft „Die Waisenkinder von Dunwich“ total begeistert. Die Idee, ein komplettes Setting in einem Extraheft zu präsentieren, fand ich zu großartig, um mich nicht selbst daran zu versuchen. So entstand „Das Geisterhaus-Projekt“, eine Art Sandkasten-Kampagne, die Filmstudenten auf eine besondere Reise durch irische Spukhäuser schickt. Das Material ist also schon fast zwei Jahre alt – Geduld zahlt sich eben manchmal doch aus. Mein Dank gilt immer noch Thomas Renner, der viel kreativen Input geliefert hat und natürlich Marc Meiburg, der ein großartiges Design für meinen Text gefunden hat. Ich hoffe, das Heft gefällt Euch ebensogut wie mir.

Fazit: Es ist wieder eine tolle Mischung. Von den Abenteuern bin ich dieses Mal nicht so angetan – aber das ist natürlich auch immer ein Stück weit Geschmacksache. Sie sind durchaus innovativ, aber ich bin dafür einfach zu konservativ eingestellt. Dieses Mal sind es eher die Hintergrundartikel und Regelvorschläge, die bei mir zu punkten wissen und mich wiederum ohne Abstriche die hohe Qualität des Magazins loben lassen. Absolut empfehlenswert – nicht nur für Cthulhu-Spieler.

2 thoughts on “Vorstellung: Cthulhus Ruf Ausgabe 6

  1. Pingback: Nach-Ruf: Good Bye, Cthulhus Ruf – Seanchui goes Rlyeh

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