Nach-Ruf: Good Bye, Cthulhus Ruf

headerback-halboffen1-1

Mit der zehnten Ausgabe wurde die Publikation Cthulhus Ruf eingestellt. Zeit für einen Nach-Ruf.

Insgesamt 800 reguläre Seiten Magazinmaterials haben die unermüdlichen Redakteure der Fanzeitschrift „Cthulhus Ruf“ in den vergangenen vier Jahren zusammengestellt. Dazu kommen ungefähr 300 Archivseiten, zwei GRT-Sonderausgaben, eine gedruckte DCC-Sonderausgabe („Hirnrissig“), zwei Abenteuerbände (die Hardcover-Ausgabe von „Gatsby und das große Rennen“ und die „Untergrund“-Wettbewerbsgewinner), unzählige Postkartenszenarien, Kartenspiele („Der Wanderer“), Bonusmaterial wie Karten und natürlich die obligatorischen Sammelmappen. Und dann gibt es noch ungedrucktes Material, wie verschiedene Web-Editionen, Bonusabenteuer oder Einseiter. Diese schier unglaubliche Menge Material ist zwar auf diesen Seiten zu Hauf‘ besprochen worden, doch ich möchte es nicht versäumen, die „CR“ – die mir persönlich, da ich mich dort als Autor eingebracht hatte, wesentlich näher stand als die vorher eingestellte „CW“ – mit einem persönlichen Nach-Ruf zu verabschieden.

Die Produkte

Ergänzend zu den oben aufgeführten, recht trockenen Fakten, möchte ich Euch einladen, mit mir noch einmal die gewaltige Produktpalette, die von der CR-Redaktion in ihrer Freizeit gestemmt wurde, Revue passieren zu lassen.

Reguläre Ausgaben

Zusätzliche Publikationen

Download-Material

Ich denke, schon anhand dieser beeindruckenden Auflistung wird deutlich, welch enorme Materialfülle hinter den im ersten Absatz präsentierten, nüchternen Fakten steckt. Eine respektable Leistung, der man unbedingt Respekt zollen muß.

Unerreichbare Höhen, gähnende Tiefen

Was aber wäre ein „Nach-Ruf“, wenn ich nicht noch einmal auf die Sternstunden – positiver wie negativer Natur – in den einzelnen Ausgaben zu sprechen kommen würde? Sicher, ich habe in meinen Rezensionen und Betrachtungen schon einiges über die einzelnen Artikel gesagt. Doch gerade im Gesamtkontext kann es jetzt spannend sein, noch einmal zu betrachten, was mir besonders lobenswert erscheint – und was nun einmal nicht.

In der ersten Ausgabe erschien z. B. mit Das Camp direkt eines der am kontroversesten diskutierten Abenteuer der CR-Geschichte. Warum? Gerade das offene Ende unterstrich den „Akte-X“-Charme des Szenarios, ließ viele ambitionierte Spielleiter aber zugleich kopfschüttelnd zurück. Mir gefällt das Abenteuer nach wie vor, ich denke aber – wenn ich es einmal leiten sollte, so würde ich mir vorher ein Ende zurechtlegen. Die zweite Ausgabe wiederum hielt mit Eine Herzensangelegenheit eine der bestplatzierten Einsendungen des Ägypten-Wettbewerbes von Pegasus bereit. Nicht nur, dass es ein starkes Abenteuer ist – es zeigte auch erstmals wirklich den nach außen gelebten „Von-Fans-für-Fans“-Charakter der Zeitung, stammt das Abenteuer doch direkt aus der Community. Mein Favorit ist aber der Artikel Cthulhu im Duett, der beste Artikel den ich jemals über das Thema One-on-One gelesen habe.
In die dritte Ausgabe schlich sich Lübeck – Die Stadt der sieben Türme ein, der erste „neue“ Regionalia-Artikel seit dem Ende der Cthuloiden Welten. Insbesondere der Bezug auf die Janus-Gesellschaft und das grandiose Layout waren lobenswerte Neuerungen. Die vierte Ausgabe sah dann mit Das schottische Schloß und Die Prophezeiung gleich zwei Abenteuer im Gaslicht vor – und in diesem Fall wird sogar wirklich im Gaslicht-Setting verblieben! Im Gegensatz zu vielen, vielen, vielen Szenarien, die 1890 starten und nach wenigen Szenen sonstwohin wechseln, werden hier erstmals die Stärken des Settings wirklich ausgespielt. Hut ab! Gemeinsam mit dem Archivheft Kurioses London eine unbedingte Empfehlung für alle Gaslicht-Fans!
Highlight der fünften Ausgabe ist zweifelsohne das Archivheft Cthulhu Noir, das – ergänzt durch passende Artikel und Abenteuer im Heft – das Noir-Setting für Cthulhu erschließt. Negativ mag mir einzig mein eigenes Abenteuer Der Atem der Tiefe in dieser Noir-Riege aufstoßen. Nicht nur, dass ich mit dem Abenteuer ohnehin nie ganz zufrieden war, nein, es war schlußendlich auch vor einem ganz anderen Hintergrund entstanden und ist alles andere als „noir“-typisch. Insofern wirkt es ein wenig aus dem Kontext gerissen und fällt noch ein wenig mehr ab. Die sechste Ausgabe schließlich sah die einzige Veröffentlichung eines Charakters meines NSC-Wettbewerbs im Rahmen der CR. Dafür ist es auch einer der besten Artikel in der Ausgabe geworden. Natürlich neben dem formidablen Ultima Ratio – und auch hier zeigt sich wieder das Zusammenspiel innerhalb der Community, verriet mir Autor Carsten Pohl doch einst, dass das auf extrem kurze Spielzeit angelegte Abenteuer auf meinen allerersten Wettbewerb hin entstanden ist. Spannend, welche Kreise manche Gedankengänge ziehen und schön, sie hinterher tatsächlich in einem Szene-Magazin wie der CR wiederzufinden.
In der siebten Ausgabe wurde es märchenhaft und Das Feuer des Prometheus präsentierte einen der intelligentesten Frankenstein-Plots, den ich je lesen durfte. Doch auch das lange im Forum diskutierte Katzulhu-Abenteuer von Studer und das auf zahlreichen DCC erprobte Der Club der Witwen von Nyre fanden hier Einzug und spiegelten abermals die lebendige Szene wider. Dann erschien die achte Ausgabe, mit ihr das formidable Summ, Bienchen, Summ, welches mit Setting, Timing, Kreativität und absurden Ideen vollkommen überzeugt. Leider ist die Ausgabe von dem – in meinen Augen – viel zu sperrigen und unattraktiven Der Maschinenkönig überschattet, dem sogar das Archivheft gewidmet wurde.
Die neunte und zehnte Ausgabe sahen dann vor allem eines: neue Szenarien. Dabei wurde glücklicherweise wieder auf die Community zurückgegriffen – Dschungelfieber und Call of Casablanca habe ich des Öfteren in den Rundenlisten der letzten Cons entdecken können. Schön, dass diese Szenarien hier ein Veröffentlichungsfenster gefunden haben. Doch auch „Altlasten“, wie das lang geplante The Lion sleeps tonight wurden hier endlich einmal aufbereitet und präsentiert.
Ausgerechnet der wohl heißbegehrtesten und hochgelobtesten Veröffentlichung des CR-Teams stehe ich sehr kritisch gegenüber – Gatsby und das große Rennen. Das Buch ist toll aufbereitet, die Handoutfülle auf beiliegender CD beeindruckend. Handwerklich ist hier alles, aber auch wirklich alles richtig gemacht worden. Was also stört mich? Zunächst zweifele ich den Nutzen für mindestens 90% aller Spielleiter an. Doch selbst das ist nicht mein echtes Problem. Schade finde ich, dass gerade der Gatsby eine Diskussion über Freeform, Weiterentwicklung und „höher-weiter-schneller“ in Cthulhu-Szenarien angestachelt hat, die in Foren und Flüstertüten fortgeführt wurde und teils seltsame Stilblüten trieb. Hier zeigt sich wohl die größte Differenz zwischen meinem Verständnis von Cthulhu und dem, was in CR teilweise gelebt wurde. Doch das soll weder die Leistung der Redaktion schmälern, noch die vielen, vielen, vielen hervorragenden Artikel vergessen lassen.

Mitwirken

Mit dem Ende der CR steht auch das Ende meiner Autorenschaft in der CR ins Haus. Logischerweise. Die CR war das erste Medium das es wagte, Texte aus meiner Feder als Printausgabe zu publizieren.

Alles begann mit einem kleinen Wettbewerb über Kurzabenteuer, dem bald darauf hier auf diesem Blog eine Sammel-PDF folgte. Eben jene Sammlung wurde dann – nach kurzer Anfrage – zum ersten GratisRollenSpiel-Tag-Beitrag der CR. Mein erster Schritt auf dem Weg zur Weltherrschaft war gemacht, denn endlich hatte ich mir einen langgehegten Wunschtraum erfüllt: Texte aus meiner Feder in einem Printmedium wiederzufinden. Dass ich über all die Aufregung vergaß, einige wichtige Danksagungen und Inspirations-Hinweise unterzubringen ärgerte mich im Nachgang maßlos. Ich holte es so gut es ging nach. Später wurde ich dann auch schlauer und seither gebe ich Inspirationsquellen gerne an und bedanke mich bei jedem, der mir bei meinen Texten zur Seite steht.
Von diesem ersten Erfolg angestachelt schrieb ich munter los. So entstanden das Abenteuer Der Geist und die Dunkelheit (HIER zu finden) und Das Buddelschiffmuseum, ein cthuloider Schauplatz. Wurde das Szenario noch dankend abgelehnt (damals bereits mit dem Hinweis auf das baldige Erscheinen von The Lion sleeps tonight, das eine ähnliche Thematik abdeckt), so schaffte es mein Buddelschiffmuseum in die dritte Ausgabe. Fabelhaft illustriert war es ein erster „Fuß in der Tür“. Ich blieb am Ball und schrieb weiter. So sah die vierte Ausgabe gleich zwei Artikel aus meiner Feder und ehrlich gesagt: ich halte sie für meine Besten. Das ist ein wenig schade, denn der ein oder andere Artikel folgt dann später doch noch, aber der Regionalia-Artikel Die Transsibirische Eisenbahn, flankierend zum pegasus’schen „Reisen“-Band gedacht, war einfach ein absolutes Mammutprojekt und dank Stefans und Daniels zahlreichem und kreativem Feedback kann sich das Ergebnis m. E. tatsächlich sehen lassen. Doch auch die Fragmente des Grauens um Gare Montparnasse gefallen mir auch beim heutigen Lesen noch immer.
In Ausgabe Fünf stand dann mein Wettbewerbsbeitrag zum CR-Ägypten-Wettbewerb plötzlich im „Noir“-Kontext im Heft. Wie oben aufgeführt mag mir weder das Abenteuer in Gänze, noch der gewählte Kontext wirklich gefallen. Stolz bin ich aber immer noch auf meinen „Tatort“ Die drei Kerzen: nicht, weil er so wahnsinnig kreativ oder gut geschrieben wäre, sondern weil er einfach die erste Auftragsarbeit der Redaktion war.
Dieser sollte sogar noch eine zweite folgen, denn ich durfte maßgeblich am zweiten GRT-Sonderheft Die Hügel des Schreckens mitwirken. Die Redaktion obließ es mir, den grob übersetzten Text zu strukturieren und zu überarbeiten. Eine herrliche Aufgabe, der ich mit Feuereifer widmete. In der sechsten Ausgabe erschien dann „mein“ Archivheft: Das Geisterhausprojekt. Der Text entstand bereits sehr kurz nach den ersten beiden Einreichungen und blieb dann jahrelang „auf Halde“. Ich freue mich diebisch, eines von nur zehn Archivheften geschrieben haben zu dürfen, auch, wenn das Feedback bislang sehr gemischt war.
Unveröffentlicht blieb (logischerweise) mein für den „Untergrundwettbewerb“ eingereichtes Szenario Congo, welches das Siegertreppchen verfehlte. Zurecht, wenn ich an die im Sonderband enthaltenen Abenteuer denke.
Ausgabe Sieben erschien rund um die Geburt meines zweiten Filius – da war an eine Teilnahme nicht zu denken, doch in der achten Ausgabe konnte ich mit Hashima noch einmal ein paar Fragmente des Grauens platzieren. Mit diesem Artikel bin ich eigentlich ganz zufrieden und das rar gesäte Feedback war auch positiv. Wird schon nicht so schlecht gewesen sein🙂. Tja, und dann war das Programm für die letzten beiden Ausgaben bereits gefüllt, noch bevor ich mich überhaupt an einen Artikel gesetzt hätte. So fand die CR ohne mein weiteres Zutun ihr Ende.

Mein Fazit

Was bleibt nach vier Jahren, unzähligen Seiten, vielen, vielen Nachtschichten, Glücksgefühlen, Kopfschütteln, Spiel- und Lesespaß? Letztendlich nur „Danke“ zu sagen. „Zehn Ausgaben werden wir wohl schaffen“, sagten die Macher zu Beginn und mit der zehnten Ausgabe haben sie einen großartigen Abschluß hingelegt. Die CR war und ist ein Kunstwerk. Ein Kunstwerk einer munter-kreativen Redaktion, die die Grenzen des CTHULHU-Rollenspiels ausloten wollte und zeigen, was mit abgeschriebenen Settings wie NOW, Piraten oder Janus alles möglich ist. Ein Kunstwerk, das zugleich Spiegelbild einer gesunden und kreativen, deutschen Cthulhu-Szene war und doch nicht den Blick über den Tellerrand vergaß. Ein Kunstwerk, zu dem ich dankenswerterweise ein kleines Mosaiksteinchen Text beisteuern durfte, um ein Ganzes zu schaffen. Ich blicke mit Dankbarkeit auf eine gute Zeit zurück, finde es schade, dass es vorbei ist und freue mich aber doch auf alles, was da noch kommen mag.

Danke, CR. Ich war dabei.

One thought on “Nach-Ruf: Good Bye, Cthulhus Ruf

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s