Talk-like-a-Pirate-Day: Die Barone des Todes

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Piraten können ihre Beute ja verschleudern,
Freunde kaufen, Kurtisanen beschenken
Und wie die Herren schwelgen, bis nichts mehr übrig ist…

– Heinrich VI, Akt I, Szene 1

Arrrr! Heute ist wieder „Talk-like-a-Pirate-Day„! Während die eine oder andere Landratte noch hinter dem Link studieren muß, wovon ich hier eigentlich spreche nutze ich diese absolut großartige Gelegenheit, um Euch noch einmal einen cthulhu.de-Bestseller zu präsentieren!

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 23. November 2011
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestseller(…) wir wollen euch heute fünf besonders blutrünstige Piraten der Karibik vorstellen, die ihr euch für den Rest des Jahres zum Vorbild nehmen könnt – und natürlich haben sie auch cthuloide Szenarioideen im Schlepptau! Macht euch bereit geentert zu werden.

Piraten haftet etwas magisches an. Es ist ihre Freiheit und Wildheit welche sie faszinierend, und über ihren Tod hinaus zu Ikonen, Helden, Dämonen macht. Doch warum bleiben manche von ihnen zeitlebens nichts mehr als seefahrende Strauchdiebe und andere brennen sich mit ihren Taten unauslöschlich als überlebensgroße Kapitäne in das Gedächtnis der Nachwelt ein? In einer Welt des CTHULHU-Rollenspiels ist die Antwort klar: Diesen Piraten haftet in der Tat etwas magisches an.

Die Karbik, auf vielerlei Weise Schmelztigel der Alten mit der Neuen Welt und spätestens durch die massenweise eingeführten und angesiedelten Sklaven ein düsteres, blutiges und exotisches Bindeglied Afrikas mit Amerika. Und die Piraten, welche die Karibik so scheinbar ungebändigt durchkreuzen, sind der ultimative Ausdruck dieser ganz besonderen Verbindung. Denn in ihnen manifestieren sich die Loa, die Geister und gottgleichen Wesen des Voodoo, welcher sich dort etwa zur selben Zeit formt.

Es sind die verschiedenen Aspekte Ghedes, des Herrn über Leben und Tod, welche ihnen innewohnen; auch bekannt als “Die Barone”. Sie sind teils impulsiv, grausam, leidenschaftlich, exzentrisch, bösartig. Im Leben jeder dieser Piraten gibt es ein Ereignis, in dem sich diese Verbindung manifestiert – und sie vervollständigt sich erst mit dem Sterben des Leibs. Die Spielercharaktere haben sicher Legenden über die folgenden Piraten gehört – Legenden die mit gutem Grund über das Grab hinaus reichen…

Francois L’Olonnais (1635-1667)

In Frankreich als Jean David Nau geboren erging sich dieser Seeräuber mit einer geradezu teuflischen Lust an Foltern und der Furcht seiner Feinde. Von der Verwüstung und den Schrecken, den er und seine Spießgesellen in die blühende Stadt Maracaibo brachten, erholte sich diese nie wieder. Sein Hass richtete sich besonders gegen Spanier, gegenüber denen, so schwor er, niemals Gnade zeigte. In diesen blutrünstigen Taten offenbarte sich in ihm der gefürchtete Geist des sadistischen Baron Kriminel.

Es war im Dschungel bei Puerto Cabello als sich dieser Loa in L’Olonnais zeigte. Um Informationen aus zwei gefangenen Soldaten zu pressen, brach der Bukanier dem ersten von beiden die Brust auf, riss das Herz hinaus und begann es, zum Entsetzen des Kameraden, zu verspeisen. L’Olonnois Ende als Mensch ließ nicht lange auf sich warten: Vor der Küste Panamas gestrandet geriet er in die Hände von Eingeborenen. Diese rissen ihn in Stücke, verbrannten die Teile und streuten die Asche in den Wind.

Plot Hook: Ob es den Eingeborenen bewusst war oder nicht: Auf diese Weise verseuchten sie ihre gesamte Insel mit dem hasserfüllten Einfluss des Loa. Das Wasser, der Boden, die Pflanzen die darauf wuchsen, alles trug nun den Geist des Piratenbarons in sich. Und mit der Zeit nahmen die Menschen ihn auf – und es veränderte sie. Die Charaktere stranden unglücklicherwise auf eben dieser Insel und sehen sich plötzlich mit heimtückischen Fallen und einem Kollektiv von willenlosen Eingeborenen konfrontiert, über denen der grausamste Häuptling ihres Volkes thront – doch warum spricht dieser perfekt Französisch?

Henry Morgan (1635-1688)

Eine erfolgreichere Karriere war dem Waliser Henry Morgan beschieden, der als starke Führungspersönlichkeit stets wusste, wie er seine Position verbessern und sichern konnte. Der selbsternannte “Chefadmiral aller Bukaniersflotten und Generalissimo der vereinigten Freibeuter von Amerika“ vereinigte 1.800 Piraten und 36 Schiffe unter sich und stellte den legendären Piratenkodex auf (auch wenn dieser eher eine Richtline war). In dem Stolz, mit der er seinen Titel trug zeigt sich der wachende Baron Cimetière.

1672 wurde Morgan festgenommen und vor Gericht gestellt. Nun mischte sich der Baron ein und rettete Morgan vor der Verurteilung. Damit nicht genug, er wurde sogar zum Ritter geschlagen und zum Vizegouverneur von Port Royal ernannt. Er befestigte die Stadt mit den Kanonen gesunkener Schiffe und brachte fortan seine ehemaligen Kumpanen an den Galgen. Im Tod aber fand er durch die Hand der Loa zurück in die See: Sein Grab versank mitsamt Port Royal beim großen Erdbeben 1692.

Plot Hook: Ein erneutes Seebeben mit anschließender Flutwelle erschüttert Jamaika. Unzählige Schiffe wurden an Land geworfen, ganze Ortschaften zerschmettert. Als die Katastrophe vorbei ist trauen die Menschen ihren Augen nicht: Die untergegange Stadt – von Gott selbst als Strafe für ihre Sittenlosigkeit versenkt – ist wieder an die Oberfläche getreten, behangen mit grünem Seetang und Muscheln. Welcher Kapitän getraut es sich hinüberzufahren und die angehäuften Schätze der ertrunkenen Toten zu bergen? Und in seinem Grab in Port Royal wartet träumend der große Baron der Freibeuter.

Blackbeard (1680 – 1718)

Dieser vielleicht berühmteste Pirate hieß mit “bürgerlichem” Namen Edward Teach und suchte besonders die amerikanische Südostküste heim. Sein Schiff war groß, schlagkräftig bewaffnet und die Mannschaft zahlreich. Trotz des Schreckens den er verbreitete war er nicht so gewalttätig wie andere Kapitäne, stattdessen setzte er ganz auf seinen diabolischen Ruf, den er sich bewusst erarbeitete und geschickt in Szene zu setzen verstand. Diese exzentrische Selbstdarstellung ist typisch für Baron Samedi.

Er war sehr groß, trug einen schwarzen, geflochtenen Bart und unzählige Waffen bei sich sowie brennende Lunten am Hut, was ihn stets mit einer furchterregende Aura aus Feuer und Rauch umgab. Wie sehr er tatsächlich bereits vom Herrn des Todes erfüllt war zeigt sein letztes Gefecht: Es brauchte fünf Schuss- und zwanzig Hiebwunden, ehe er sein Leben aushauchte. Man schlug Blackbeard den Kopf ab und warf den Leichnam über Bord – wo dieser angeblich spöttisch noch mehrere Runden um das Schiff schwamm.

Plot Hook: Angeblich ließ Blackbeards Bezwinger, der junge Lieutenant Robert Maynard, dessen Schädel mit Silber auskleiden und so zu einem morbiden Trinkgefäß umgestalten. Dieses grausige Relikt ging seitdem durch unzählige Hände, brachte aber keinem seiner Besitzer Glück. Man erzählt sich, dass der Geist des Piraten noch immer in seinem Schädel haust, und nach Blut dürstet. Und dass er jene, die davon trinken, als kopfloser Schrecken heimsuchen und mit sich in die Hölle zerren wird, wo er über eine Crew von Verdammten herrscht. Was wird auf dem Schiff der Charaktere geschehen, wenn der Kelch dorthin gelangt?

Anne Bonny (1682 – nach 1720)

Der Ruf der Loa lockte aber nicht nur Männer zur See: Auch die irischstämmige Anne Bonny, eine verwegene und rauflustige junge Frau, heuerte – ihr wahres Geschlecht verschleiernd – auf einem Piratenschiff an. Sie segelte unter der berüchtigten Flagge Calico Jack Rackhams, mit welchem sie sehr bald eine sexuelle Affäre verband und dem sie auf Kuba ein Kind gebar. Im Kampf war sie jedem Mann gewachsen. In Annes feurigem Wesen offenbart sich die rothaarige Maman Brigitte, Gemahlin des Baron Samedi.

Nur so ist auch der folgende unwahrscheinliche Zufall zu erklären: Anne verliebte sich in einen Schiffskameraden, nur um herauszufinden, dass auch dieser eine Frau war: Mary Read. Das Dreiecksgespann Bonny, Read und Rackham machte fortan gemeinsam die Meere unsicher, ehe sie von der Navy gestellt wurden. Read starb im Kerker und Rackham landete am Galgen – nur die schwangere Anne Bonny blieb verschont. Manche sagen sie wurde Nonne, andere, dass sie als der Pirat Roberts zurückkehrte.

Plot Hook: Es ist die Nacht vor der Hinrichtung für die schurkischen Spielercharaktere. Im Kerker bekommen sie ein letztes Mal Besuch, der ihnen die Beichte abnehmen und ihnen so zumindest die Gelegenheit auf Erlösung einräumen will. Der Besucher entpuppt sich als Nonne, welche den Piraten in aller Heimlichkeit anbietet, sie zu befreien und vor dem Galgen zu bewahren. Im Gegenzug fordert sie seltsamerweise, dass diese – anders als Calico Jacks feige Crew – ihre Mannbarkeit unter Beweis stellen und sich auf die Suche nach einem Kind machen, welches sich irgendwo auf Kuba aufhalten soll. Wo sollte da der Haken sein?

Bartholomew Roberts (1682-1722)

Roberts wurde erst recht spät Pirat, machte dies aber durch eine geradezu wahnwitzige Serie an Kaperfahrten wett: Innerhalb von vier Jahren enterte er über 400 Schiffe. Mitgefühl war ihm fremd, er massakrierte Gefangene willkürlich um seinen Ruf zu verbeiten. Sich selbst sah er als einen Gentleman unter den Piraten, kleidete sich in prächtigster Kleidung, verabscheute Rum und hielt ein Orchester sowie Gottesdienste an Bord. Seine elegante Kultiviertheit ist der Ausdruck des dandyhaften Baron LaCroix.

Diese Haltung eines übermenschlichen Kavaliers legte er auch in seiner letzten Schlacht nicht ab. Als klar wurde dass es kein Entkommen mehr gab, beendete Roberts erst sein Frühstück, kleidete sich in einen roten Gehrock aus Damast, legte neben seinen Waffen Gold- und Diamantschmuck an und übernahm wie selsbtverständlich das Kommando. Dieses verstummte erst als ihm, in heroischer Pose auf einer Kanone stehend, ein Schrapnell die Kehle aufschlitzte. Seine Crew versenkte die Leiche sofort im Meer.

Plot Hook: Ein reicher, aber vollständig stummer Gentleman bietet den Charakteren mithilfe eines scheinbar intuitiv dolmetschenden Sklaven eine königliche Belohnung, wenn sie ihn ein Jahr lang transportieren und eskortieren wohin er wünscht. Er sichert zu, dass er das Schiff dabei keiner Gefahr aussetzen, und sich nur innerhalb der Karibik bewegen wolle. Und tatsächlich: Er befiehlt an verschiedenen Inseln anzulegen und geht dort allein an Land. Und stets, am Tage seiner Rückkehr folgt ein weiteres Schiff dem der Charaktere, besetzt mit einer stummen Mannschaft. Für welchen Feldzug benötigt der Edelmann diese Armada?

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Spielleiterhinweise: Der Kniff, die berühmten Seeräuber der Geschichte auf diese Weise, also erst nach ihrem Tod, in die Spielrunde einzubringen, schlägt gleich mehrere Klabautermänner mit einem Paddel: Zunächst ermöglicht es den Spielern, auf diese Legenden der Karibik zu treffen und sich mit ihnen zu messen – ein Element, welches sicher in vielen Runden auf Gegenliebe stoßen wird. Gleichzeitig aber vermeidet der Spielleiter so den gern gemachten Fauxpax, die Spielercharaktere zu reinen Nebenfiguren zu degradieren. Zu guter Letzt verhilft dieser Ansatz zu einer ordentlichen Portion Seemannsgarn und gruselig-karibischer Voodoo-Atmosphäre.

(…)

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