Rezension: Feiertage der Furcht

Als die siebte Edition des traditionsreichen Horror-Rollenspiels „Cthulhu“ ihre Schatten vorauswarf, besann man sich bei Pegasus gleich doppelt auf alte Tugenden: Zum einen wurden wieder günstige Softcoverbände wie zu Zeiten der „Cthuloiden Welten“ aufgelegt, zum anderen wurde auch gleich Material aus dem leider eingestellten Hausmagazin wiederverwertet. Auch in „Feiertage der Furcht“, dem neuesten Abenteuerband, wurde teilweise wieder auf klassisches Material zurückgegriffen.

Rezension - Feiertage der FurchtWie auch die letzten Abenteuerbände, liegt „Feiertage der Furcht“ als ein Softcoverband vor, dem allerdings 80 Seiten spendiert wurden. Während für die vorangegangenen Bände allerdings ausschließlich alte Abenteuer aus den „Cthuloiden Welten“ überarbeitet wurden, wartet nun ein ebensolcher Klassiker zwischen den Buchdeckeln, aber auch zwei neue Szenarien aus deutscher Feder. Allen drei Abenteuern ist gemein, dass ihre Rahmenhandlung irgendeinen Feiertag berührt, woraus sich der Titel des Bandes erklärt. Mir sei – wie so oft, wenn ich Abenteuerbände bespreche – an dieser Stelle die nahezu obligatorische Spoilerwarnung erlaubt: Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Leser, die die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten sei angeraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Eröffnet wird der Band mit „Verlobung auf Girnwood Manor“ aus der Feder von Routinier Andreas Melhorn. Dieses Abenteuer erschien erstmals unter dem Titel „Girnwood Manor“ in der „Cthuloiden Welten“ Nummer 15 und war eigentlich für einen Sonderband mit dem Titel „Kleine Räume“ angedacht, der allerdings nie realisiert wurde. Doch worum geht es? Die Investigatoren erhalten eine Einladung zu einer Verlobungsfeier. Einmal auf dem Landsitz der Familie Girnwood angekommen, muss die Gruppe aber bald feststellen, dass der Haussegen reichlich schief hängt: Die Verlobten streiten sich zunehmend, es stehen Morddrohungen im Raum und die Hausangestellten scheinen etwas zu verbergen zu haben. Und dann gibt es da noch seltsame Bewegungen in dem finsteren Wald, der das Haus umgibt … „Verlobung auf Girnwood Manor“ ist ein psychologisch hochinteressantes Abenteuer mit einem beinharten Finale. Trotz dem engen Raum, auf dem der Großteil des Abenteuers stattfindet, bleibt es hochgradig flexibel und hängt maßgeblich von den Entscheidungen der Charaktere ab. Durch die zahlreichen NSC und die oft unvorhersehbare Reihenfolge an Ereignissen ist es sicherlich nicht für einen Einsteiger auf dem Spielleiterposten geeignet, doch wer sich darauf einlassen mag, erhält einige denkwürdige Begegnungen.

Hat „Verlobung auf Girnwood Manor“ knapp die erste Hälfte des Bandes in Anspruch genommen, sind die beiden folgenden Szenarien deutlich kürzer. Beide richten sich denn auch eher an Anfänger unter den Spielern und Spielleitern. In „Sobeks Silvester“ nehmen die Investigatoren an einer Silvesterfeier teil, während der der Gastgeber eine altägyptische Mumie auswickelt. Dumm nur, dass der tote Pharao in den nächsten Tagen zum untoten Leben erwacht und beginnt, sein Unwesen zu treiben … Ganz anders ergeht es den Investigatoren in „Unhappy Thanksgiving“. Hier werden sie von einer verzweifelten Mutter, deren Tochter entführt wurde, zur Hilfe gerufen. Bei ihren Recherchen haben sie die Möglichkeit, auf blasphemische Riten aus vergangenen Zeiten zu stoßen – und können ganz nebenbei ein ganzes Dorf gegen sich aufbringen. Beide Abenteuer verbinden dezenten cthuloiden Grusel mit viel Recherchearbeit und interessanten und klischeebeladenen NSC. Insbesondere die hilfreichen Regelergänzungen in „Unhappy Thanksgiving“ möchte ich lobend erwähnen.

Abgerundet wird der Band schließlich mit Spielwerten für berühmte Persönlichkeiten aus H. P. Lovecrafts Geschichten. So hat jeder Spielleiter die Möglichkeit, Dr. Henry Armitage oder Inspektor Legrasse an der Seite der Investigatoren auftreten zu lassen. Eine hübsche Dreingabe.

Für die optische Aufarbeitung gibt – wie auch bereits für die Vorgängerbände – eine gute Zwischennote. Die Seiten wirken vergilbt und bestehen aus angenehm rauem und schwerem Papier. Die Bebilderung mit alten Photographien – beliebt und bekannt aus den vorangegangenen Pegasus-Publikationen – wurde zwar beibehalten, doch sind die Bilder nun oft größer dargestellt und streckenweise bis an den Bildrand gezogen, was sowohl das Bild eher auflockert als auch weiterhin elegant wirkt. Auch die wie immer zahlreichen Handouts liegen weiterhin in beeindruckender grafischer Qualität vor und auch die Karten können sich sehen lassen.

Fazit: „Feiertage der Furcht“ ist in meinen Augen der bislang beste der für die Edition 7 erschienenen Abenteuerbände. Die Abenteuer sind abwechslungsreich und teilweise einsteigerfreundlich, die zusätzlichen Spielwerte für Lovecrafts Antagonisten und Protagonisten ein hübscher Bonus. Gerade zu einem Preis von 9,95 EUR eine absolute Empfehlung!

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

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