Rezension: Blackout und andere Abenteuer für Cthulhu NOW

Über zehn Jahre lang versorgte das offizielle Magazin „Cthuloide Welten“ in 21 Ausgaben die „Cthulhu“-Spielerschaft mit zahlreichem Spielmaterial. Auch Material für „Cthulhu Now“ fand sich immer wieder in Pegasus’ Hausmagazin. In „Blackout und andere Abenteuer für Cthulhu Now“ finden sich nun einige Szenarien gesammelt als PDF-Veröffentlichung wieder.

Rezension - Blackout und andere Abenteuer für Cthulhu NOWDie „Cthuloiden Welten“ sind längst vergriffen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Pegasus mit der Reihe „Cthuloide Welten Archiv“ immer wieder Material als PDF wiederveröffentlicht. In „Blackout und andere Abenteuer für Cthulhu Now“ finden sich drei Szenarien versammelt wieder. Eine Warnung vorweg: Naturgemäß kommt die Rezension von Abenteuersammlungen kaum komplett ohne Spoiler aus, sodass Lesern, die die Szenarien noch als Spieler erleben möchten angeraten sei, bis zum Fazit vorzuspringen.

Das erste Abenteuer, das titelgebende „Blackout“ von Jens Christian Seele versetzt die Spieler in die Rollen von Astronauten, die im Auftrag ihrer Regierung der internationalen Raumstation ISS einen Besuch abstatten. Intrigen an Bord und nicht zuletzt der zunächst kaum bemerkbare Einfluss fremder Mächte sorgen in der isolierten Umgebung der Raumstation bald für reichlich Konfliktpotenzial. Das Abenteuer hat einige Stärken, schleudert es die Spieler doch in eine klaustrophobische Atmosphäre, ohne dass diese ahnen, wer Feind und wer Freund ist. Auch die zahlreichen ergänzenden Regelvorschläge für das Spiel in der Schwerelosigkeit oder gar im Weltraum wissen zu gefallen. Leider gleiten die eng verzahnten Hintergrundgeschichten sowohl der vorgefertigten Spielercharaktere als auch der Nichtspielercharaktere rasch in eine Seifenoper-Atmosphäre ab – hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

Als zweites Szenario wird „Connected“ von Matthias Fuchs vorgelegt. In der Rolle von FBI-Agenten jagen die Spieler einen Serienmörder, der in einem verschlafenen Vorstadtnest sein Unwesen treibt. Doch rasch müssen sie nicht nur feststellen, dass der Gesuchte womöglich auf ihrer Seite steht, sondern dass sie längst nicht mehr Jäger, sondern Gejagte sind … „Connected“ ist als Einstiegsabenteuer in die Materie von „Cthulhu Now“ konzipiert und erfüllt diesen Zweck hervorragend. Klassische Antagonisten und all der Horror, den modernste Technik zu entfesseln vermag, finden sich hier zu einer spannenden Melange vermischt, die eine gute Zwischennote einfährt. Dazu kommen zahlreiche Twists und Wendungen, wie sie Verschwörungstheoretikern bekannt vorkommen mögen, die die Spieler auf Trab halten werden. Absolut empfehlenswert.

Das dritte Szenario, „Kleine Freunde“ von André Wiesler, führt die Charaktere auf der Spur eines seltsamen Todesfalles in die Welt der vom Mythos infizierten Elektronikspiele. Die Kinder der Umgebung werden von ihren Spielgeräten terrorisiert und müssen furchtbare Dinge tun, um sich und ihre Familien zu schützen. Auf der Suche nach den Drahtziehern treffen die Charaktere dabei nicht nur auf einen völlig wahnsinnigen Bastler, sondern können darüber hinaus auch Bekanntschaft mit der „Cthulhu“-Variante eines virtuellen Cyberspace machen … Eine unkonventionelle Grundidee und ein sehr recherchelastiger Plot sorgen für eine sauber dargebotene Detektivgeschichte, die ohne große Höhepunkte, dafür aber auch ohne große Schwächen für einen gelungenen Spieleabend sorgen kann.

Für die Wiederveröffentlichung im „Cthuloide Welten Archiv“ wurde das Material wie üblich dezent überarbeitet. So wurden beispielsweise einige Handouts neu aufgesetzt. Erfreulicherweise wurde das Layout im „Now“-typischen Schwarz-Weiß mit den bekannten Zeichnungen gehalten, sodass sich die PDF optisch von den übrigen Veröffentlichungen abhebt. Die reiche Bebilderung in guter Qualität und die – wie üblich – optisch hervorragenden Handouts führen auch beim Layout zu einer guten Note.

Fazit: Eine gute Mischung solider, gut spielbarer „Now“-Abenteuer. Alle drei Szenarien haben tolle Ideen und bilden die Bandbreite, die „Cthulhu Now“ zu bieten mag, ab. Für Spieler von in der Gegenwart oder nahen Zukunft angesiedelten Horror-Rollenspielen definitiv empfehlenswert. Auf andere „Cthulhu“-Settings sind die Szenarien allerdings kaum konvertierbar.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s