Karnevals-Rezension: Terra Cthulhiana – Alte und Neue Welt

Dies ist ein Beitrag zum diesmonatigen Karneval der Rollenspielblogs. Der Karneval der Rollenspielblogs beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema “Ruinen“. Danke an „Spiele im Kopf“ für die Organisation.

Bereits vor fast zehn Jahren erschien die Erstauflage von „Terra Cthulhiana“. Ganz entgegen der gängigen Praxis hat Pegasus sich im Falle dieses Bandes dafür entschieden, eine zweite Auflage herauszugeben. Ein sicheres Zeichen für die hohe Qualität des Bandes – oder etwa nicht?

Dabei verrät der Untertitel „Alte und Neue Welt“, dass sich im Vergleich zur Vorgängerausgabe doch etwas geändert hat. Für den eiligen Leser – und für die Besitzer der Erstausgabe – möchte ich zunächst kurz die Unterschiede zwischen der 2008er-Version und der neuen Auflage skizzieren: Tatsächlich enthält „Terra Cthulhiana – Alte und Neue Welt“ ungefähr die Hälfte der Texte der ursprünglichen Ausgabe. Enthalten sind die geheimnisvollen Stätten Europas, Afrikas, Amerikas und Asiens. Die Texte zu Australien, Nord- und Südpol sowie den Ozeanen wurden in einen zweiten Band, der in der zweiten Jahreshälfte erscheint, ausgelagert. Neu hinzugekommen ist eine Beschreibung der mythosschwangeren Stadt G’harne in Afrika, die wiederum aus der Kampagne „Die Bestie“ entnommen wurde. Wer also die Erstausgabe bereits besitzt und/oder im Besitz von „Die Bestie“ ist, sollte sich gut überlegen, ob er diesen Band wirklich noch braucht.

Nach dieser langen Vorrede geht es jetzt endlich ans Eingemachte! Was ist „Terra Cthulhiana“ und was erwartet den Leser? Die langen Tentakel des Cthulhu-Mythos sind überall. Aufmerksame Beobachter können hinter der brüchigen Fassade unserer menschlichen Realität in das schwarze Meer des Chaos blicken, dass uns alle umgibt und zu verschlingen droht. Eben diese grundsätzliche Prämisse, die H. P. Lovecraft in seinen Geschichten erschuf und den seine Nachwelt als „kosmischer Horror“ titulierte, bedient „Terra Cthulhiana“.

Vorgestellt werden fiktive und auch reale mythische Stätten rund um den Globus. Dabei werden wichtige Mythos-Orte – wie „Die Stadt ohne Namen“ oder „Das Plateau von Leng“ ebenso behandelt wie bekannte oder weniger bekannte Grabungsstätten oder Mythen wie „El Dorado“, „Angkor Wat“ oder das Labyrinth des Minotaurus auf Kreta. Jede dieser Stätten wird ausführlich vorgestellt, mit historischen Fakten versehen und mit zahlreichen Zitaten aus wissenschaftlichen Aufsätzen umrahmt, bevor die jeweiligen Autoren die Spuren des Mythos aufdecken. Dabei wurde jedem Ort eine andere Verbindung zum Cthulhu-Mythos angedichtet. Der Aufbau der Artikel ist damit sehr ähnlich.

„Terra Cthulhiana“ könnte damit eine großartige Lesefibel für Mythosinteressierte im Allgemeinen oder Spielleiter auf der Suche nach einer Abenteueridee im Speziellen sein. Leider aber wirken viele Texte recht trocken und laden nicht gerade zu vergnügten Lesestunden ein. Das ist schade, denn die transportierten Informationen sind durchaus vielseitig und vielschichtig. Sicher, manch ein Mythosbezug erscheint wenig inspirierend, andere auch einmal an den Haaren herbeigezogen. Nichts desto trotz ist die Welt, die „Terra Cthulhiana“ hier zeichnet, großartig. Unserer so ähnlich, und doch ist der dünne Schleier der menschlichen Wahrnehmung für den Leser heruntergerissen worden – insofern er sich durch die Textwüste gearbeitet hat.

Der knapp 200 Seiten starke, wuchtige Hardcoverband erscheint komplett in schwarz-weiß. Er ist reichhaltig bebildert, gut gegliedert und orientiert sich im gelungenen Layout – natürlich – an der aktuellen Produktlinie seit Erscheinen der siebten Edition. Lektorat und Korrektorat sind gelungen und dankenswerterweise wurde dem Band ein Lesebändchen spendiert. Technisch gibt es damit nichts zu meckern.

Fazit: „Terra Cthulhiana – Alte und Neue Welt“ ist eine reichhaltige Mythosfibel mit zahlreichen Inspirationen. Leider wirkt die Präsentation eher trocken. Für Spielleiter, die Ideen suchen oder einmal eine gelungene Verwebung aus Geschichte und Mythos erkunden möchten ist „Terra Cthulhiana“ aber trotz dieses Mankos eine absolute Empfehlung.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de

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Ein Kommentar zu “Karnevals-Rezension: Terra Cthulhiana – Alte und Neue Welt

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