Rezension: Verbotene Bücher

Wie auch auf den beiden Vorgängerbänden „Metamorphosen“ und „Die Klabauterkatze“ verspricht auch der Untertitel des Bandes „Verbotene Bücher“ „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ unterwegs zu sein. Wie gelungen ist diese Interpretation von Lovecrafts umfangreichen Mythos?

Rezension - Verbotene BücherWiederum sind insgesamt 17 verschiedene Kurzgeschichten unterschiedlichster Couleur und Länge auf knapp 360 Seiten vereint. Ähnlich dem ersten Band der Reihe eint alle Geschichten das Titelthema, dreht sich doch jede Geschichte auf ihre eigene Art und Weise um „Verbotene Bücher“. Verbotene Bücher sind ein sehr klassisches Motiv von Lovecrafts Cthulhu-Mythos – sei es das verrufene „Necronomicon“, das finstere „Von unaussprechlichen Kulten“ oder das geheimnisvolle „De vermis mysteriis“, sie alle hatten eine gewichtige Rolle in Lovecrafts Universum.

Die Geschichte in dem vom Verlag Torsten Low vorgelegten Band bedienen sich dabei teilweise den bekannten Vorbildern, um ihnen ihre eigene Interpretation aufzudrücken. Doch auch eine ganze Reihe eigener, neuer Mythoswerke findet der interessierte Leser in den von gleich vier Herausgebern zusammengestellten Geschichten. Dass sich dabei auch streckenweise sehr freie und moderne Herangehensweisen an den Cthulhu-Mythos ergeben, ist da fast schon eine Selbstverständlichkeit.

Damit entfernt sich „Verbotene Bücher“ noch weiter von der lovecraftschen Art des Horrors, als es der bereits sehr emanzipierte Vorgängerband „Die Klabauterkatze“ praktizierte. Tatsächlich wirken die meisten Geschichten so, als würden sie auch ohne den Pate stehenden Mythos hervorragend funktionieren, ja, manches Mal wirkt sogar die Verwendung einiger Buchtitel oder auch Wesenheiten aus dem Pantheon der „Großen Alten“ recht willkürlich oder deplaziert. Damit erreichen nur wenige Geschichten ein „cthuloides“ Flair, was bei einem Band, der verspricht „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ zu wandeln, schade ist.

Technisch gibt es allerdings – ebenso wie bei den Vorgängerbänden – wenig Grund zur Beanstandung. Die Autoren verstehen durchaus ihr Handwerk – das geschriebene Wort wirkt zumeist elegant und gut gewählt, die Spannungsbögen fast aller Geschichten funktionieren gut. Auch das Lektorat hat gute Arbeit geleistet und kaum einen Rechtschreibfehler übersehen. Der Schriftsatz ist gut lesbar, das Layout sehr aufgeräumt.

Eine Einzelkritik der vielen Geschichten wäre wohl zu umfangreich, um sie hier wiederzugeben. Es gibt aber einige Werke, die meiner persönlichen Auffassung eine gesonderte Erwähnung verdienen: „Das Erbe des Walther Stuck“ aus der Feder von Johannes Harstick beispielsweise ist eine der klassischer anmutenden Geschichten aus dem Band. Geschickt spielt der Autor mit klassischen Motiven – ein altes, verlassenes Haus; eine tragische Geschichte, die daran denken lässt, dass ein Flucht über dem Haus lasten könnte; der neue Mieter, der sich auf fatale Weise verändert… all diese Versatzstücke werden zu einem interessanten Geflecht verwoben und geschickt in den Cthulhu-Mythos eingebettet. „Tod dem König in Gelb“ von Felix Woitkowski wiederum sprüht vor verrückten Einfällen, Kreativität und überraschenden Momenten, wechselt gleich einer Achterbahn stetig zwischen zwei Handlungsebenen hin und her und bietet eine spannende Neuinterpretation des Gelben Königs – die Puristen jedoch eher verschrecken dürfte.

Abgerundet wird der Band von einem Download-Gutschein für einen Titel der Metal-Band „Sea of Disorder“. Ein hübscher Bonus, den der Verlag seinen Käufern hier mit auf den Weg gibt.

Fazit: Wie bereits erwähnt erscheinen viele der hier versammelten Geschichten wenig „cthuloid“. Allerdings sind sie abwechslungsreich, ausnahmslos angenehm geschrieben und laden so zu einem raschen Lesevergnügen zwischendurch ein. Und gruselig sind viele der hier enthaltenen Werke, so dass Lesern, so dass ich die Anthologie ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann. Einzig Puristen auf der Suche nach lovecraftschem Horror könnten etwas enttäuscht sein.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von Verlag Torsten Low.

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