Rezension: Die Klabauterkatze

„Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ prangt auf dem Untertitel der Kurzgeschichten-Anthologie „Die Klabauterkatze“. Wie schon viele Sammlungen vor diesem Band will auch „Die Klabauterkatze“ den von H. P. Lovecraft erschaffenen Cthulhu-Mythos erweitern und vertiefen und geht dabei streckenweise ungewohnte Wege.

Rezension - Die KlabauterkatzeInsgesamt 17 verschiedene Kurzgeschichten finden sich auf 410 Seiten zwischen den Buchdeckeln wieder. Vereinte der vom Verlag Torsten Low vorgelegte Vorgängerband „Metamorphosen“ seinen Inhalt noch mit einem einheitlichen Titelthema, so sind die Themen und Motive in „Die Klabauterkatze“ ebenso bunt gemischt und vielgestaltig wie das kosmische Grauen, das über die verschiedenen Protagonisten hereinbricht.

Die verschiedenen Geschichten fügen dabei die Versatzstücke des Cthulhu-Mythos immer wieder neu zusammen: sei es das blasphemische Wissen, dass finstere Gottheiten wahnsinnigen Autoren in die tauben Ohren flüsterten, die daraufhin bedeutende Mythoswerke schufen; seien es die Kreaturen in den tiefen des Meeres, die dem Kundigen wohl als Cthulhu, Tiefe Wesen oder Dagon geläufig sind oder auch unbekanntere Wesenheiten des Mythos wie die Annunaki; all diese bekannten Motive werden aufgegriffen, neu gemischt und anders präsentiert.

Wie auch schon in „Metamorphosen“ finden sich keine Geschichten, die eine bloße Nacherzählung von Lovecrafts Werken darstellen. Insgesamt erkennt man auch weniger Reminiszenzen. Tatsächlich wählen einige der Autoren Protagonisten, an die Lovecraft wohl nicht einmal in seinen wüstesten Träumen gedacht hätte. Eine der Geschichten geht sogar so weit, die Gedanken des Monsters wiederzugeben. Dabei bleibt jedoch eines festzuhalten: die enthaltenen Geschichten spielen zwar mit den bekannten Motiven des Mythos; „cthuloid“ sind sie aber leider kaum. Zu weit haben sich viele Autoren von den verschrobenen, einsiedlerischen Gelehrten entfernt, die in Lovecrafts Werken und dem seiner vielen Anhänger ein ums andere Mal verbotenes Wissen enthüllten und so ihren Verstand oder gar ihr Leben verloren. Eher zufällig stolpern viele der hier anzutreffenden Protagonisten in die Fallstricke des Mythos und finden ein jähes, für sie unerklärliches Ende.

Eine Einzelkritik der vielen Geschichten wäre wohl zu umfangreich, um sie hier wiederzugeben. Es gibt aber einige Werke, die meiner persönlichen Auffassung eine gesonderte Erwähnung verdienen: Da wäre als erstes „Spuren im Watt“ zu nennen, dass mit den geheimnisvollen Geschichten der in der Nordsee versunkenen Stadt Rungholdt ein wunderbares Hintergrundmotiv wählt, vor dem sich die Handlung langsam entfalten darf. Oder auch „Treibgut“, eine auf hoher See angesiedelte Geschichte, die zwar vorrangig wenig Tiefgang aber ein überraschendes und ungewöhnliches Ende bietet und so als Ganzes zu verblüffen vermag. Unheimlicher Höhepunkt aber ist wohl „Das Knusperhäuschen“, in dem die unheilvolle Beziehung dreier Kinder zu ihrem neuen Heim, einem Häuschen im Wald beschrieben wird. Hier wird es zeitweise richtig derbe, und die Schockeffekte verfehlen ihre Wirkung nicht.

Fazit: Wie bereits erwähnt erscheinen viele der hier versammelten Geschichten wenig „cthuloid“. Allerdings sind sie abwechslungsreich, ausnahmslos angenehm geschrieben und laden so zu einem raschen Lesevergnügen zwischendurch ein. Und gruselig sind viele der hier enthaltenen Werke, so dass Lesern, die auf der Suche nach neuem Lesestoff in den Welten H. P. Lovecrafts sind, durchaus ein Blick empfohlen werden kann.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von Verlag Torsten Low.

3 thoughts on “Rezension: Die Klabauterkatze

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