Rezension: Fabula Obscura – Das McCready Erbe

Es ist nun fast ein Jahr her, dass ich auf diesen Seiten ein Hörspiel aus der Reihe „Fabula Obscura“ rezensiert habe. Damals habe ich mir „Haus Moreau“ angehört, und war eigentlich recht angetan. Zeit also, einen Blick auf die andere Ausgabe der kurzen Reihe zu werfen und sie auf Herz und Nieren zu prüfen.

Beginnen wir – wie so oft – mit dem Klappentext, der uns den Inhalt kurz und prägnant verrät:

1924 – Der Engländer William Campbell erbt die Plantage eines ihm völlig unbekannten Verwandten in New Orleans. Traumatisiert von den Wirren des großen Krieges, der in Europa tobte, nimmt er diese Erbschaft mit Freuden an, um ein neues Leben zu beginnen.
Seine Euphorie über das unerwartete Erbe und den damit verbundenen Reichtum wird jedoch schnell getrübt, als es auf der Plantage zu merkwürdigen Todesfällen kommt und William beinahe selbst Opfer eines Anschlages wird.
Wer zieht im Hintergrund die Fäden? Wurde auch sein Erbonkel Opfer eines Anschlages? Und was hat es mit den seltsamen nächtlichen Ritualen der Plantagenarbeiter auf sich?
Als William den Geschehnissen auf die Spur kommt, muss er feststellen, dass sein Gegner bereits ein tödliches Schicksal für ihn bereit hält…

Tatsächlich entfaltet sich auch diese Geschichte nicht so cthuloid, wie es der Untertitel „Inspiriert von H.P. Lovecraft“ vermuten lassen könnte. Tatsächlich geschehen unheimliche Dinge auf dem Landgut des verstorbenen Erbonkels, jedoch wird eine gänzlich andere Erklärung als ausserweltlicher Horror und Schrecken herangezogen. Stattdessen wird – und das passt tatsächlich auch sehr gut zum Setting – viel Bezug auf die Religion des Voodoo genommen. Schön, dass die unterschiedlichen Rollen auch alle ihr Wissensscherflein beizutragen haben und so ein schlüssiges Bild dieser Religion zeichnen, bevor der Horror hereinbricht und wir die Grenzen der Wirklichkeit hinter uns lassen.

Ein wenig cthuloider wird es dann, wenn wir zum Finale der CD hin von den Hintergründen der merkwürdigen Todesfälle erfahren. Denn der Antagonist ist auf der Jagd nach einem seltenen Folianten, der ihm ewiges Leben schenken soll. Dieses Buch im Speziellen ist zwar nicht aus Lovecrafts Werk entlehnt, man merkt hier jedoch, wessen Gedanken Pate für diese Idee standen. Das ist aber auch bereits alles, was einen Bezug auf Lovecraft erahnen lässt. Daneben gibt es einen recht plumpen und ungelenken Versuch, die Geschehnisse in den Sümpfen um New Orleans aus „Der Ruf des Cthulhu“ einzubinden, der aber recht oberflächlich bleibt und der Fantasie des Hörers den Zusammenhang überlässt. Schlussendlich lassen weder die handelnden Protagonisten – die sehr aktiv und mutig in das Geschehen eingreifen – noch die unwirklichen Hintergründe an eine Mythosgeschichte erinnern.

Technisch bin ich dieses Mal ebenfalls nicht hundertprozentig zufrieden. Denn auch wenn die Sprecher abermals überzeugend wirken, so passt die Musikauswahl ein ums andere Mal nicht wirklich zur transportierten Stimmung der Geschichte. Was lakonische Klaviermusik mit dem actionreichen Mystery-Thriller im Südstaaten-Feeling zu tun hat, konnte ich nämlich nicht erhorchen. Da wäre etwas stimmungsvolleres schön gewesen.

Fazit: Ja, auch „Das McCready Erbe“ ist eigentlich eine absolut gelungene Geschichte, in zumeist überzeugender Weise umgesetzt. Punktabzug gibt es allerdings für den nur zu erahnenden cthuloiden Bezug (…da hätte ich mir vom Untertitel mehr erwartet…) und die Musikauswahl.

Rezension: Auf den Spuren H. P. Lovecrafts – Band 3

Der Einfluss des in den 1930ern verstorbenen Howard Philipps Lovecraft auf die moderne Horrorliteratur ist nicht zu leugnen. Auch heute noch werden immer wieder Geschichten veröffentlicht, die auf Lovecrafts Schaffen und Werk Bezug nehmen. So nun auch der vorliegende Comic-Band „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts – Band 3“.

Dieser dritte Band steht dabei bereits in guter, wenn auch recht kurzer Tradition: Bislang veröffentlichte der Verlag Torsten Low vier Sammelbände mit Kurzgeschichten, die allesamt der Untertitel – „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ – eint. Den ersten drei dieser Bände folgte nach der Veröffentlichung eine Adaption als Graphic Novel; der vorliegende dritte Band enthält nun Geschichten aus dem Sammelband „Verbotene Bücher“.

„Verbotene Bücher“ wiederum sind ein starkes, lovecrafteskes Motiv. Kaum jemand, der das von dem verrückten Araber Abdul Al-Hazred verfasste Necronomicon nicht kennt. Doch Lovecraft’s Protagonisten stießen auf manch unheimlichen Folianten, dessen blasphemisches Wissen nicht für den menschlichen Geist gemacht war. Klangvolle Namen wie „Von unaussrpechlichen Kulten“ oder das „De vermis mysteriis“ gehören ebenso zu Lovecrafts kosmischem Horror wie die Großen Alten selbst. Was also lag näher, als den dritten Sammelband mit Kurzgeschichten eben diesem Thema zu widmen?

Eine Lektüre des ingesamt 17 Kurzgeschichten umfassenden Sammelbandes brachte mir abwechslungsreiche und angenehm gruselige Lesestunden. Allerdings emanzipieren sich viele der enthaltenen Geschichten sehr stark von Lovecrafts Herangehensweise an Horror und brachten nicht nur viele eigene, frisch erfundene Mythoswerke mit sondern auch einige sehr moderne Herangehensweisen an den Mythos. Streckenweise hatte ich den Eindruck, dass viele der Geschichten ebenso gut ohne Lovecrafts Stempel funktioniert hätten und mach ein Mythosbezug wirkte recht konstruiert.

Nun also liegt die grafische Adaption von zwei Geschichten aus diesem Sammelband vor. Mit „Köderwurm“ und „Mr. Ashshires Vermächtnis“ wurden zwei Kurzgeschichten ausgewählt, die eine gelungene Einbindung cthuloiden Wirkens mitbringen. Eröffnet wird Band 3 von „Köderwurm“ aus der Feder von Detlef Klewer. Die Handlung ist rasch erzählt: Ein reicher Industrieller und passionierter Angler jagt nach dem größten Fang seines Lebens. Als er bei einem Konkurrenten das Buch „Geheimnisse des Wurms“ entdeckt lässt er nichts unversucht, ebenfalls ein Exemplar dieses Bandes zu ergattern. Als ihm in einer Bibliothek ausgerechnet sein Konkurrent begegnet, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Köderwurm ist eine der Geschichten, deren Protagonist wenig mit Lovecrafts verschrobenen Einsiedlern, die zu neugierig in wurmstichigen Folianten nach Wissen gesucht haben, gemein hat. Eher zufällig stolpert er in die Fallstricken des Mythos und findet sein jähes, unvorhergesehenes Ende. Doch die Einbindung des Mythos ist dennoch sehr gut gelungen und mit einem interessanten Twist gelingt es Klewer, die Brücke hin zu Lovecrafts literarischem Schaffen zu schlagen.

Die zweite ausgewählte Geschichte wiederum, verfasst von Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, mutet deutlich klassischer an. „Mr. Ashshires Vermächtnis“ ist im viktorianischen England angesiedelt und handelt von dem Wunsch eben jenes Mr. Ashshire endlich Vater zu werden. Auf der Suche nach einem Heilmittel für die Empfängnisschwierigkeiten seiner Gattin wendet er sich alsbald obskuren Aufzeichnungen zu, die ihm ein Unbekannter überlässt. Unwissend, auf welch unheilvolle Kräfte er sich einlässt, vollzieht er ein Ritual, dass zunächst den Anschein hat, Erfolg zu bringen. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse – und es sind keine freudigen Ereignisse, die der Familie Ashshire ins Haus stehen. „Mr. Ashshire Vermächtnis“ bietet im Vergleich zu „Köderwurm“ eine wesentlich gewöhnlichere Herangehensweise an cthuloide Bücher und den Einfluß des Mythos. Einzig die Wandlung des Protagonisten im Verlauf der Handlung und insbesondere im Finale ist ungewöhnlich und gibt der Geschichte eine ganz eigene Note.

Während die Geschichten der Vorgängerbände zumindest teilweise von Stefanie Hammes kunstvoll in Bildern umgesetzt wurden, zeichnet für die grafische Gestaltung von Band 3 Detlef Klewer verantwortlich. Mit konstrastreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen setzt er die Geschichten gekonnt in Szene und schreckt dabei auch vor der einen oder anderen drastischen Darstellung nicht zurück. Insbesondere in den ausdrucksstarken und variantenreichen Portraits der Charaktere liegt die Stärke in Klewers Zeichenstil. Damit wird insbesondere der Einfluss des Mythos auf die Protagonisten der Geschichten eindrucksvoll dargestellt. Umschlag- und Papierqualität des dritten Bandes entsprechen der ordentlichen Qualität der Vorgängerbände. Technisch gibt es damit an dieser Ausgabe von „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ nichts zu meckern.

Fazit: Wie nun bereits erwähnt erscheinen einige Motive der hier versammelten Geschichten wenig „cthuloid“. Puristen auf der Suche nach lovecraftschem Horror könnten daher etwas enttäuscht sein. Das ändert allerdings nichts an der Qualität der gewählten Kurzgeschichten und auch nicht an der gekonnten, grafischen Umsetzung. Insbesondere für Kenner und Liebhaber des Kurzgeschichtenbandes ist „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ absolut empfehlenswert.

Rezensionen: Gruselkabinett 150: Herbert West, der Wieder-Erwecker

150 Ausgaben „Gruselkabinett“. Wie bereits zur letzten „runden“ Nummer widmet Titania Medien diese Jubiläumsausgabe dem Autor, der die moderne Horrorliteratur maßgeblich beeinflusst hat: H. P. Lovecraft. Sein Werk „Herbert West, Reanimator“ lieferte die Vorlage für diese Episode.

Über Howard Phillips Lovecraft ist bereits viel geschrieben worden. Der 1937 verstorbene Schriftsteller gilt als einer der einflussreichsten Autoren im Bereich der Horrorliteratur. Neben seinen Geschichten hinterließ er unzählige Briefe – sowie zahllose Ideen in den Köpfen befreundeter und bekannter Autoren, die bis heute seinen von unaussprechlichen Schrecken bewohnten Kosmos weiter ausschmücken. Dass Lovecraft neben seinem unbestritten wertvollen literarischen Können auch einige schwierige, kontroverse Charakterzüge besaß – sein Rassismus und sein Antisemitismus sind hier nur die bekanntesten – verschweigt auch keiner seiner Biographen. Umso schwerer wiegt sein literarisches Erbe, hat es sich doch abseits all dieser menschenfeindlichen Ansichten einen hohen Stellenwert in der Literatur erarbeiten können.

Jenem Lovecraft widmet das „Gruselkabinett“ also ein weiteres Mal eine Jubiläums-Nummer, in diesem Fall die 150. Die Geschichte „Herbert West, der Wieder-Erwecker“ nimmt ihren Anfang im Jahre 1904. Der junge, hochbegabte aber egozentrische Medizinstudent Herbert West experimentiert während seines Studiums an der Miskatonic University in Arkham an einer Mixtur, mit deren Hilfe Tote zurück ins Leben geholt werden können. Doch nachdem die ersten Forschungen wenig vielversprechend verlaufen, verweigert Dekan Halsey dem jungen Genie die weiteren Mittel. Auf sich alleine gestellt, forschen West und sein bester Freund, Clyde Simcox, weiter.

Jener Clyde Simcox ist es denn auch, der als Erzähler den weiteren Verlauf der Geschichte vor dem gebannten Zuhörer ausbreiten darf. West forscht natürlich mit eigenen Mitteln weiter und schon bald gelingt es ihm, einen Toten wieder zum Leben zu erwecken. Leider ist das Ergebnis jedoch nicht wie erhofft, denn der Wiedererweckte verfällt sofort in Raserei, schlägt wild um sich und kann den jungen Wissenschaftlern entkommen. Doch dieser Rückschlag macht West nur verbissener. Schon bald wagt er sich an weitere Experimente.

Neben dem Horror, der den widerwärtigen Forschungen Wests ohnehin innewohnt, gelingt die Charakterzeichnung des jungen Wissenschaftlers ganz vorzüglich. So begleiten wir West, gemeinsam mit seinem Freund Simcox, auf seinem unaufhaltbaren Weg in den Untergang. Immer widersinniger und irrwitziger werden seine Versuche und immer mehr wandelt sein Geist auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. So dauert es nicht lange, bis selbst sein bester Freund Simcox mehr Furcht als Freundschaft für diesen Mann empfindet. Und doch findet er nicht die Kraft, sich von dessen Tun abzuwenden und bleibt sein willfähriger Helfershelfer – bis zum großen Finale.

Neben dem hervorragenden Drehbuch von Marc Gruppe sind es vor allem die als West und Simcox auftretenden Sprecher Martin May und Patrick Bach, deren markante Stimmen durch die Handlung tragen. Beide erledigen ihren Auftrag sehr souverän und es ist eine Freude, den jungen Wissenschaftlern auf ihrem Pfad ins Verderben zu lauschen. Bei den Nebenrollen sticht vor allem Horst Naumann hervor. Dessen von zahlreichen Hörspielen bekannter Stimme entlockt die Rolle von Dekan Halsey einige neue, ungewohnte Facetten, die mich zu fesseln wussten. Die verwendeten Klangeffekte sind abermals stimmungsvoll und passend. Einzig musikalisch hätte ich mir hier und da eine andere Komposition gewünscht, was aber auf den Wiedererkennungseffekt mit anderen Lovecraft-Episoden zurückzuführen ist – nicht auf die Qualität der einzelnen Stücke.

Fazit: „Herbert West, der Wieder-Erwecker“ ist nicht nur eine großartige Geschichte, sondern auch in der „Gruselkabinett“-Variante hervorragend umgesetzt. Eine würdige Jubiläums-Nummer und für Genre-Fans absolut empfehlenswert!

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf www.ringbote.de

Rezension: Gruselkabinett 138: Die Ratten in den Wänden

Lovecrafts Werk gilt eigentlich als schwer adaptierbar. Marc Gruppe, Mastermind hinter der erfolgreichen Reihe „Gruselkabinett“ des Titania Medien Verlags bewies allerdings schon oft das Gegenteil. Die meisten seiner Vertonungen sind gut gelungen und bewahren den Hauch kosmischen Grauens, den Lovecraft auf seine Leser herabbeschwor. Wie steht es nun mit der Hörspielvariante von „Die Ratten in den Wänden“?

Nach dem Tod seines Sohnes kehrt der alternde Kaufmann Delapore aus Amerika auf den Stammsitz seiner Familie in Südengland zurück. Nach aufwendigen und zeitfressenden Renovierungsarbeiten bezieht er schließlich 1918 in dem ehemaligen Kloster, dass zuvor seiner Familie gehörte, Quartier. Den abergläubischen Reden der einfachen Landbevölkerung schenkt er zwar keine Beachtung, doch liegt in der Familiengeschichte ein Geheimnis begraben, das den letzten Delapore bald zu interessieren beginnt. Gemeinsam mit Captain Edward Norton, einem Kriegskameraden seines verstorbenen Sohnes, beginnt er tiefer in der Familiengeschichte zu forschen – und stößt auf einen Vorfahren, der scheinbar weite Teile seiner damaligen Verwandtschaft umgebracht und daraufhin das Land verlassen hat.

In der Folge verlieren sich Delapore und Norton immer tiefer in den Tragödien der Delapores, während in den Nächten die Katzen und Bediensteten des Hauses kaum mehr ein Auge zutun können. Das Trippeln und Quieken tausender Ratten, die hinter den Wänden der alten Priorei hin und her huschen bringen die Bewohner des Hauses um den Schlaf. Schließlich entscheiden Delapore und Norton sich dazu, im Gewölbekeller des alten Klosters dem Spuk auf den Grund zu gehen. Doch hier entdecken sie unglaubliches…

Zugegeben, Marc Gruppes Adaption des Stoffes fehlt es mediumbedingt ein wenig an dem gemächlichen Spannungsaufbau, in dem sich Lovecraft in seiner Geschichte ergeht. Auch die vulgären Traumbilder, die der alte Delapore Nacht für Nacht durchlebt und die von Lovecraft in dekadenter Breite präsentiert werden, vermag das Hörspiel nur am Rande zu streifen. So mutet denn vielleicht auch die Wandlung des Protagonisten im Finale dieser Episode ein wenig zu plötzlich an, während man der Entwicklung Delapores in der literarischen Variante etwas besser folgen kann. Das ändert allerdings nichts daran, dass Titania Medien eine absolut stimmungsvolle und gut gemachte Variante von Lovecrafts Geschichte vorlegt, die dem Medium „Hörspiel“, dem nun einmal andere Rahmenbedingungen geschuldet sind, absolut gerecht wird. Natürlich werden den beiden Protagonisten ein paar langatmig-beschreibende Sätze in den Mund gelegt, die manchen Dialog etwas hölzern wirken lassen. Doch hilft diese Entscheidung dabei, die fremdartige Atmosphäre von einem von Lovecrafts beeindruckendsten Schauplätzen zu transportieren.

Und eines noch: während sich viele Ausgaben der „Gruselkabinett“-Reihe eher in einem sanften Schauer ergehen, so ist die 138. Ausgabe streckenweise deutlich kompromissloser. Gerade das Finale ist nichts für schwache Gemüter und die Vertonung ist schonungslos. Überhaupt weiß die technische Umsetzung des Hörspiels ein weiteres Mal zu gefallen. Die Sprechleistung der beiden Hauptakteure Hans Bayer und Jonas Baeck ist absolut überzeugend und auch mit stimmungsvollen Klangeffekten wurde nicht gegeizt. Das Cover wurde in gewohnter Qualität von Ertugrul Edirne angefertigt.

Fazit: Punktum: die 138. Ausgabe des „Gruselkabinett“ ist absolut gelungen. Gelegenheitshörer der Reihe oder auch Lovecraftfans kommen hier voll auf ihre Kosten; Sammler machen hier ohnehin nichts falsch.

Rezension: Gruselkabinett 126 – Kalte Luft

In der Reihe des Gruselkabinetts sind mittlerweile einige Lovecraft-Titel vertont worden. Gar nicht schlecht für einen Autoren, dessen Werk eigentlich als schwer adaptierbar gilt. Seit einiger Zeit liegt mit „Kalte Luft“ die nächste Lovecraftgeschichte als Hörspiel vor. Lohnt sich auch dieser Ausflug in lovecrafteske Gefilde?

Werfen wir der guten Ordnung halber zunächst einen kurzen Blick auf die Handlung. Der junge Zeitungsangestellte James Russell ist – mal wieder – auf Wohnungssuche. Durch den Tipp eines Freundes findet er ein möbliertes Zimmer in einem New Yorker Appartementhaus. Dieses hat zwar schon bessere Zeiten gesehen, doch die Vermieterin will nur wenig Geld, so dass Russell das Angebot annimmt. Schon bald lernt er seinen exzentrischen Nachbarn Dr. Munoz kennen, der das Appartement über ihm bewohnt. Dr. Munoz ist ein seltsamer Zeitgenosse. In seiner Wohnung ist es unangenehm kühl und er verlässt seine vier Wände nie. Botengänge und Einkäufe erledigt der Sohn der Vermieterin. Doch er zeigt sich sofort hilfsbereit, als Russell unter einem leichten Herzanfall leidet und rettet den jungen Journalisten. In den folgenden Tagen und Wochen entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Männern und Russell lauscht immer faszinierter den Ausführungen des alten Mannes. Dieser hat sein Leben der Forschung verschrieben und nennt sich selbst den erbittertsten Feind des Todes. Die kühle Luft in seinem Appartement wird von Maschinen geschaffen und Munoz erklärt sie mit einer seltenen Krankheit. Die Ereignisse überschlagen sich, als eine der Maschinen, welche in Dr. Munoz Wohnung für kalte Luft sorgen. Der Doktor gerät in Panik und als alle Reparaturversuche fehlschlagen, lässt er sich von Russell in eine Badewanne voller Eis legen. Doch auch diese Maßnahme verspricht nur kurze Linderung…

Viel geschieht schlussendlich nicht in Lovecrafts Geschichte und auch die Handlung der Hörspielvariante ist entsprechend überschaubar. Doch das tut der Qualität von Marc Gruppes Drehbuchumsetzung des Stoffes kaum einen Abbruch. Das intensive Kammerspiel stellt das wachsend freundschaftliche Verhältnis zwischen dem jungen Russell und dem alternden Dr. Munoz in den Mittelpunkt. Ihre Dialoge tragen mühelos über die knapp einstündige Hörspieldauer und wissen den Hörer bestens zu unterhalten. Die Adaption der Geschichte ist damit ausnehmend gut gelungen. Als versierter Horrorkenner erahnt man zwar bereits recht bald die sich anbahnende Pointe, doch ist dies wohl kaum der Geschichte als solcher anzulasten.

Auch, wenn nur wenige Sprecher in diesem Hörspiel zum Tragen kommen, komme ich nicht umhin, die technische Umsetzung und die Sprechleistung der einzelnen Protagonisten zu loben. Insbesondere Monica Bielenstein gibt als spanische Vermieterin Senora Herrero eine hervorragende Figur ab, ebenso Tom Raczko als ihr unhöflicher Sohn Esteban. Doch auch und gerade Timmo Niesner und Peter Weis in den Rollen von Russell und Dr. Munoz erledigen ihre Arbeit sehr souverän.

Fazit: Wie so oft in der Reihe des „Gruselkabinett“ kann ich für „Kalte Luft“ eine glatte Empfehlung aussprechen. Eine sehr gelungene Umsetzung von Lovecrafts Geschichte, die Genrefreunden einen „kalten Schauer“ über den Rücken jagen wird.

Rezension: Gruselkabinett 116: Der schwarze Stein

Der Müßiggänger Caleb Thomas aus Boston stößt beim Stöbern in der Bibliothek auf alte Legenden aus den ungarischen Karpaten. Neugierig beschließt er, sich vor Ort ein Bild zu machen, und ahnt nicht, in welche Gefahr er sich begibt …

Robert E. Howard ist nicht nur der berühmte Erfinder von „Conan, der Cimmerier“ oder „Kull von Atlantis“, sondern schrieb auch Western und Horrorgeschichten. Seine Brieffreundschaft zu H. P. Lovecraft übte dabei besonders auf das letztgenannte Genre einen nicht wegzudiskutierenden Einfluss aus. Mit „Der schwarze Stein“ liegt nun die Hörspieladaption einer Geschichte vor, in der Howard cthuloide Motive aufgreift und vertieft.

Caleb Thomas aus Boston stößt in den Tiefen einer Bibliothek auf eine seltene Ausgabe des verruchten „Von unaussprechlichen Kulten“ des deutschen Grafen Friedrich Wilhelm von Junzt. Besonders angetan ist Thomas von den Legenden eines schwarzen Monolithen, der in den ungarischen Karpaten in der Nähe des Dörfchens Stregoicavar liegen soll und seinen Besuchern furchtbare Albträume beschert. Neugierig macht er sich auf den Weg nach Europa, um Licht in die dunklen Legenden zu bringen. Er ahnt nicht, dass in der Vergangenheit des verschlafenen Dörfchens mehr lauert, als er sich ausmalen kann.

Die Idee hinter der Geschichte „Der schwarze Stein“, nämlich das von H. P. Lovecraft in „Der Ruf des Cthulhu“ ersonnene Motiv eines weltweit versteckt agierenden Kultes, der den Großen Alten Cthulhu in seiner versunkenen Stadt R’lyeh verehrt, zu vertiefen und mit einem neuen, exotischen Hintergrund zu versehen, gefällt mir ausgesprochen gut. Leider konnte mich die Umsetzung insbesondere in Hörspielform dann tatsächlich eher wenig überzeugen. Das Drehbuch von Marc Gruppe ersetzt einige innere Dialoge des Protagonisten durch Konversationen mit verschiedenen Hinweisgebern; so aber wirkt die Art und Weise, auf die Caleb Thomas seine Hinweise erhält, oft zu konstruiert. Sei es der wohl überaus belesene Bibliothekar, der mühelos die Lebensgeschichte aller über den schwarzen Stein schreibenden Autoren herunter beten kann oder der Postkutscher, der sich auf dem Weg nach Stregoicavar als wahrer Quell historischen Wissens über die Karpaten entpuppt. Dass dann auch noch der alte Schulmeister des Dorfes die altertümlichen Schriften entziffern kann, die Thomas wie zufällig in die Hände fallen, um das finstere Geheimnis um den schwarzen Monolithen zu lüften, fällt da kaum weiter ins Gewicht.

Wie man es von der Reihe „Gruselkabinett“ kennt, konnte der Titania Medien Verlag wieder einige bekannte Stimmen verpflichten, um „Der schwarze Stein“ zu vertonen. Leider bin ich insbesondere von der Sprechleistung hinter dem Protagonisten Caleb Thomas fast ebenso enttäuscht, wie von der arg konstruierten Geschichte. Zu aufgeregt, zu nervös, durchzogen von viel zu vielen „Ahs“ und „Ohs“ merkt man zu deutlich, wie unaufgeregt man eigentlich selbst der Geschichte mit ihrem vorhersehbaren Ende gegenüber steht.

Fazit: Mit „Der schwarze Stein“ liegt eines der in meinen Ohren schwächsten Hörspiele aus der „Gruselkabinett“-Reihe vor. Weder die technische Umsetzung konnte mich überzeugen, noch die eigentliche Geschichte wirklich fesseln. Es gibt wesentlich bessere Ausgaben der Reihe.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de.

Rezension: Gruselkabinett 90: Die Farbe aus dem All

Ein weiteres Mal widmet sich die erfolgreiche Reihe des „Gruselkabinett“ den Werken des Altmeisters der modernen Horrorliteratur, Howard Phillips Lovecraft. Mit „Die Farbe aus dem All“ hat sich Marc Gruppe dieses Mal ein oft interpretiertes Werk Lovecrafts vorgenommen. Wie gelungen ist seine Umsetzung des Stoffes?

Zwei Landvermesser reisen durch die Wildnis nahe Arkhams. Ihr Auftrag lautet, ein Tal zu vermessen, dass durch den Bau eines geplanten Staudammes geflutet werden soll. Bald stoßen sie auf einen Landstrich, dessen unheimliche, verödetet Atmosphäre ihnen Furcht einflößt. Der alte Ammi Pierce, einer der wenigen Bewohner der Gegend, erzählt ihnen daraufhin die Geschichte der „Verfluchten Heide“, wie die Einheimischen den Landstrich nennen.

Mehr zu erzählen würde der morbiden Faszination, die Lovecrafts Geschichte heraufzubeschwören vermag, schaden. Daher beschränke ich mich auf diese reichlich kurze Zusammenfassung und schwärme stattdessen lieber über die Geschichte selbst, denn die Vorlage, die Marc Gruppe für die neunzigste Ausgabe des „Gruselkabinett“ gewählt hat, gehört zu Lovecrafts besten Geschichten. Der Spannungsbogen, die geheimnisvollen Andeutungen, das sich im Wahn überschlagende Finale: hier stimmt einfach alles.

Es mag nicht verwundern, dass „Die Farbe aus dem All“ damit zu den schon oft interpretierten und adaptierten Werken Lovecrafts zählt. Es gibt sie als Hörbuch, als Hörspiel, Huan Vu widmete ihr mit „Die Farbe“ eine sehr gelungene, lovecrafteske Verfilmung und auch als moderne Bild- und Klanginstallation durften Lovecraftfans „Die Farbe aus dem All“ bereits bewundern. Marc Gruppe stellt sich also zahlreichen Vergleichsmöglichkeiten und – um es vorweg zu nehmen – schneidet dabei gar nicht schlecht ab.

Ein wenig nervös wurde ich gleich in der Einleitung, hat Gruppe dem einsam reisenden Landvermesser aus Lovecrafts Originalgeschichte doch eine junge Frau an die Seite gestellt, mit der er gemeinsam die „Verfluchte Heide“ besucht. Während sich in ihrem koketten Miteinander ein weiterer Versuch Gruppes anzubahnen schien, Lovecrafts Geschichten mithilfe von romantischen Anleihen in die moderne Adaption zu verhelfen, beließ er es – glücklicherweise – bei diesen zarten Andeutungen. Wie im Original trägt Ammi Pierce als Erzähler die Geschichte, die sich fortan sehr eng am Original hält und gut weitererzählt wird.

Die wiederum illustre Riege bekannter Sprecher – allen voran Jochen Schröder als Ammi Pierce – führen sehr gekonnt durch die traurige Geschichte der Familie Gardner. Insbesondere die Sprechleistung der drei Söhne Zenas, Thaddeus und Merwin Gardner weiß zu gefallen. Musik und Soundeffekte sind ein weiteres Mal stimmig in die Geschichte eingebunden und unterstützen die Erzählung, wo es geht. Technisch ist damit wieder einmal alles in Ordnung.

Fazit: Mit „Die Farbe aus dem All“ liegt eine sehr gute Hörspieladaption einer fantastischen Geschichte vor. Fans von Lovecraft oder der „Gruselkabinett“-Reihe machen auch mit der neunzigsten Ausgabe sicher nichts falsch.

Rezension: Gruselkabinett 100: Träume im Hexenhaus

Howard Phillips Lovecraft schuf für seine Geschichten einen ganzen Landstrich in Neuengland, ganz in der Nähe von Salem und Boston. Hier liegt Arkham, eine auf den ersten Blick alte und ehrwürdige Universitätsstadt. Doch in ihren verwinkelten Gassen lauert das Grauen…

Arkham ist einer der zentralen Orte aus H. P. Lovecrafts Werk. Gemeinsam mit dem verkommenen Innsmouth, dem heruntergekommenen Dunwich und dem verträumten Kingsport bildet Arkham das sogenannte „Lovecraft Country“, jenen fiktiven Landstrich in Neuengland, in dem der amerikanische Autor zahlreiche seiner Geschichten angesiedelt hat. Arkham ist dabei Sitz der Miskatonic University und eine der ältesten und größten Städte des Countrys. Während viele Geschichten Lovecrafts einen Bezug auf Arkham nehmen und die Stadt zumindest am Rande erwähnen, spielt „Träume im Hexenhaus“ komplett in dieser alten Stadt.

Der junge Walter Gilman ist Mathematikstudent an der Miskatonic University. Im Rahmen seines Studiums stößt er auf die Aufzeichnungen der alten Hexe Keziah Mason, die vor über 200 Jahren in Arkham ihr Unwesen trieb. Mithilfe einer bestimmten mathematischen Formel soll es ihr und ihrem verdorbenen Rattenwesen Brown Jenkins gelungen sein, die „vierte Dimension“ zu betreten und so ihren Häschern der Inquisition zu entkommen. Gilmans Interesse an dieser Formel ist geweckt und er entschließt sich kurzerhand als Untermieter in dem alten Hexenhaus, dass einst von Mason selbst erbaut wurde, einzuziehen. Ob das wiederum eine so schlaue Entscheidung war, muss sich noch zeigen…

Ich muss zugeben, dass ich trotz einer großen Affinität zu Lovecrafts Werk kein Freund der Originalgeschichte „Träume im Hexenhaus“ geworden bin. Ich stand also der Hörspieladaption für die Reihe des „Gruselkabinett“ – wie gewohnt aus der Feder von Marc Gruppe – eher skeptisch gegenüber. Ich muss allerdings zugestehen, dass die Umsetzung als Hörspiel durchaus gelungen ist. Etwas ungewohnt für die Reihe des „Gruselkabinett“ ist der regelmäßige Auftritt eines Erzählers – hier souverän vertont von Hasso Zorn – um die Geschichte voranzutreiben; üblicherweise setzt Gruppe eher auf Dialoge, um Handlungssprünge zu erläutern. Dieser Kniff unterstreicht die Einsamkeit und Hilflosigkeit, mit der der Protagonist alsbald den Umtrieben der jahrhundertealten Hexenwesen ausgesetzt ist, allerdings sehr gekonnt.

Das soll die Leistung der übrigen Sprecher im Übrigen nicht schmälern. Gerade Hannes Maurer gibt einen hervorragenden Walter Gilman, dem man seinen jugendlichen Leichtsinn wirklich abkauft. In den Nebenrollen konnten mich gerade Wilfrid Herbst in der Rolle des hysterischen Nachbarn Mazurewicz sowie Hans Bayer als unfreundlicher Vermieter Dombrowski voll überzeugen. Auch an der musikalischen Untermalung und den wie immer mit Sorgfalt und Bedacht eingesetzten Toneffekten gibt es nichts zu meckern. Auch technisch weiß mich die 100. Jubiläumsausgabe des „Gruselkabinett“ voll zu überzeugen.

Als besonderer Bonus liegt der 100. Folge auch noch eine DVD bei, auf der ein filmisches Portrait des Titania Medien Verlags enthalten ist. Gerade zum Jubiläum ist das eine schöne Sache und rundet das Paket gut ab.

Fazit: Kann mir die Vorlage „Träume im Hexenhaus“ auch nicht voll zusagen, so ist die Umsetzung als Hörspiel hervorragend gelungen. Nicht zuletzt dank des Bonusmaterials empfehlenswert.

Rezension: Gruselkabinett 24+25: Der Fall Charles Dexter Ward

„Die berühmte Erzählung aus der Feder des Kult-Horror-Autoren H. P. Lovecraft (1890-1937) als aufwendige, atmosphärische Hörspiel-Vertonung im Rahmen der preisgekrönten Reihe Gruselkabinett.“ So führt uns der Klappentext der CD in diese Vertonung von Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“ ein. Ist die Umsetzung gut gelungen?

gruselkabinett_24Die Geschichte des jungen Charles Dexter Ward beginnt mit seinem Verschwinden aus der Nervenheilanstalt. In einem ausführlichen Rückblick führt uns nun der Erzähler der Geschichte, der Hausarzt der Familie Ward Dr. Marinus Willet durch die Geschehnisse. Als der junge, sehr exzentrische Ward beginnt, in seiner Familiengeschichte zu recherchieren stößt er auf die Spuren von Joseph Curwen – einem berüchtigten Hexer, der vor Jahrhunderten gelebt haben soll. Die Neugier des jungen Ward ist geweckt. Und schon bald berichten seine verzweifelten Eltern von den seltsamen Experimenten des Jungen – und von einer unheilvollen Wandlung seines Gemütszustandes…

„Der Fall Charles Dexter Ward“ ist unter Lovecrafts Erzählungen ein echter Klassiker. Viele Motive, die sich insbesondere in der Rollenspiellandschaft wiederfinden, finden sich hier wieder. Sei es der Zirkel schwarzer Magier, der Wahnsinn und Niedergang des jungen Protagonisten, die finsteren Umtriebe Curwens oder seine gotteslästerlichen Laboratorien, denen Ward senior und Dr. Willet einen Besuch abstatten werden – „Der Fall Charles Dexter Ward“ gleicht einem CTHULHU-Szenario. Leider macht gerade das die Geschichte auch für einen versierten Kenner des Grauens auch sehr vorhersehbar – und spätestens zur Mitte der ersten CD ist auch dem letzten Hörer klar, was hier tatsächlich gespielt wird. Damit verbringt man noch weit über eine Stunde damit, Vater und Hausarzt dabei zuzuhören, wie sie offensichtliche Hinweise ignorieren und einfach nicht wahrhaben wollen, was wirklich mit Charles Dexter Ward geschehen ist.

Das ist allerdings nicht die Schuld der wirklich hervorragend gelungenen Hörspielumsetzung. Wie so oft hat der Titania Medien Verlag einige bekannte Stimmen – z. B. Ernst Meincke, die deutsche Synchronstimme von Patrick Stewart oder Thorsten Michaelis (der u. a. Wesley Snipes synchronisiert) – zusammengetrommelt. Diese Profis verleihen der Geschichte viel Tiefe und Farbe, schaffen es, den Hörer an den Gefühlen der Charaktere teilhaben zu lassen. Einige gute Sound- und Musikeffekte runden die technische Seite des Hörspiels angenehm ab.

Fazit: Der Fall Charles Dexter Ward wurde vom Titania Medien Verlag hervorragend umgesetzt und setzt die Reihe des „Gruselkabinetts“ auf dem gewohnt hohen Niveau fort. Die Geschichte ist ein wahrer Lovecraft-Klassiker und auch, wenn sie dem versierten Hörer kaum mehr einen Überraschungseffekt bieten mag, lohnt sich das Zuhören allemal!

Rezension: Gruselkabinett 44+45: Berge des Wahnsinns

Die Berge des Wahnsinns gehören wohl zu Lovecraft’s bekanntesten Erzählungen. Zumindest in der Rollenspielszene, ist doch die gleichnamige Kampagne gleich mehrfach aufgelegt und/oder überarbeitet worden und gilt als ein Meilenstein in der cthuloiden Abenteuergeschichte. Die 44. und 45. Folgen der erfolgreichen Hörspielreihe „Gruselkabinett“ aber widmen sich natürlich dem Original aus lovecraftscher Feder. Wie gelungen ist die Umsetzung?

61Kt2oYkW-LDas Hörspiel nimmt uns mit auf eine Reise in die Antarktis. Hier begleiten wir die von Professor Dyer geleitete Expedition der Miscatonic University, deren erklärtes Ziel es ist, mehr über das ewige Eis und die Erdgeschichte zu erfahren. Begleitet von Geologen, Assistenten und nicht zuletzt der Biologin Dr. Leni Lake macht die Expedition vielversprechende Entdeckungen. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse – und dann verschwinden Dr. Lake und ihre Begleiter…

„Berge des Wahnsinns“ ist eine der umfangreicheren Lovecraft-Geschichten. Für das Verständnis des Mythos, wie ihn Derleth später ordnete, würde ich sie sogar als essentiell bezeichnen, enthüllt sie doch der Menschheit bislang unbekannte Epochen der Erdgeschichte und stellt klar, dass wir keinesfalls die Krone der Schöpfung sind – sondern nur ein Zufallsprodukt wirklich intelligenten Lebens. Den Schleier aus Unwissenheit, den die hochmütige Wissenschaft hier niederreißt und den Lovecraft oft bemüht, um seinen Protagonisten die eigene Nichtigkeit vor Augen zu führen, wird kaum jemals besser von ihm umschrieben, als in diesem Werk. Dass es Lovecraft darüber hinaus gelingt, eine spannende und auch schlicht unterhaltsame Gruselgeschichte zu erzählen, macht das Buch nur noch einmal lesenswerter.

Doch nachdem ich nun wohl klargemacht habe, wie sehr mir die Vorlage gefällt: bei der Bewertung der Hörspielumsetzung tue ich mich deutlich schwerer. Natürlich wird eine gute Geschichte erzählt. Die Sprecher – wie immer in der Reihe „Gruselkabinett“ haben sich auch bekanntere Stimmen in die Riege der Synchronisten geschlichen – erledigen ihre Aufgabe routiniert und professionell. Die gewählten Soundeffekte untermalen die Stimmung hervorragend und nicht zuletzt die letzten Funksprüche aus dem Lake-Lager gehören zu den grausigsten Szenen, die mir in der Reihe bislang untergekommen sind. Was mir allerdings ein wenig sauer aufstößt ist die freie Interpretation der Geschlechter in der Expeditionsmannschaft, nur, um auch eine angedeutete Liebesgeschichte in der Handlung unterbringen zu können. Das ist schlicht unnötig und lenkt von der eigentlichen Botschaft der Geschichte ab.

Fazit: Eine hervorragende Geschichte, technisch hervorragend umgesetzt und mit tollen Sprechern besetzt. Erstmals aber kommen mir die künstlerischen Freiheiten, die Marc Gruppe seinen Hörspielen oft angedeihen lässt (und die bereits manch trockene Vorlage in ein tolles Hörspiel verwandelten), unnötig und übertrieben vor.