Rezension: Gruselkabinett 116: Der schwarze Stein

Der Müßiggänger Caleb Thomas aus Boston stößt beim Stöbern in der Bibliothek auf alte Legenden aus den ungarischen Karpaten. Neugierig beschließt er, sich vor Ort ein Bild zu machen, und ahnt nicht, in welche Gefahr er sich begibt …

Robert E. Howard ist nicht nur der berühmte Erfinder von „Conan, der Cimmerier“ oder „Kull von Atlantis“, sondern schrieb auch Western und Horrorgeschichten. Seine Brieffreundschaft zu H. P. Lovecraft übte dabei besonders auf das letztgenannte Genre einen nicht wegzudiskutierenden Einfluss aus. Mit „Der schwarze Stein“ liegt nun die Hörspieladaption einer Geschichte vor, in der Howard cthuloide Motive aufgreift und vertieft.

Caleb Thomas aus Boston stößt in den Tiefen einer Bibliothek auf eine seltene Ausgabe des verruchten „Von unaussprechlichen Kulten“ des deutschen Grafen Friedrich Wilhelm von Junzt. Besonders angetan ist Thomas von den Legenden eines schwarzen Monolithen, der in den ungarischen Karpaten in der Nähe des Dörfchens Stregoicavar liegen soll und seinen Besuchern furchtbare Albträume beschert. Neugierig macht er sich auf den Weg nach Europa, um Licht in die dunklen Legenden zu bringen. Er ahnt nicht, dass in der Vergangenheit des verschlafenen Dörfchens mehr lauert, als er sich ausmalen kann.

Die Idee hinter der Geschichte „Der schwarze Stein“, nämlich das von H. P. Lovecraft in „Der Ruf des Cthulhu“ ersonnene Motiv eines weltweit versteckt agierenden Kultes, der den Großen Alten Cthulhu in seiner versunkenen Stadt R’lyeh verehrt, zu vertiefen und mit einem neuen, exotischen Hintergrund zu versehen, gefällt mir ausgesprochen gut. Leider konnte mich die Umsetzung insbesondere in Hörspielform dann tatsächlich eher wenig überzeugen. Das Drehbuch von Marc Gruppe ersetzt einige innere Dialoge des Protagonisten durch Konversationen mit verschiedenen Hinweisgebern; so aber wirkt die Art und Weise, auf die Caleb Thomas seine Hinweise erhält, oft zu konstruiert. Sei es der wohl überaus belesene Bibliothekar, der mühelos die Lebensgeschichte aller über den schwarzen Stein schreibenden Autoren herunter beten kann oder der Postkutscher, der sich auf dem Weg nach Stregoicavar als wahrer Quell historischen Wissens über die Karpaten entpuppt. Dass dann auch noch der alte Schulmeister des Dorfes die altertümlichen Schriften entziffern kann, die Thomas wie zufällig in die Hände fallen, um das finstere Geheimnis um den schwarzen Monolithen zu lüften, fällt da kaum weiter ins Gewicht.

Wie man es von der Reihe „Gruselkabinett“ kennt, konnte der Titania Medien Verlag wieder einige bekannte Stimmen verpflichten, um „Der schwarze Stein“ zu vertonen. Leider bin ich insbesondere von der Sprechleistung hinter dem Protagonisten Caleb Thomas fast ebenso enttäuscht, wie von der arg konstruierten Geschichte. Zu aufgeregt, zu nervös, durchzogen von viel zu vielen „Ahs“ und „Ohs“ merkt man zu deutlich, wie unaufgeregt man eigentlich selbst der Geschichte mit ihrem vorhersehbaren Ende gegenüber steht.

Fazit: Mit „Der schwarze Stein“ liegt eines der in meinen Ohren schwächsten Hörspiele aus der „Gruselkabinett“-Reihe vor. Weder die technische Umsetzung konnte mich überzeugen, noch die eigentliche Geschichte wirklich fesseln. Es gibt wesentlich bessere Ausgaben der Reihe.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de.

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Rezension: Gruselkabinett 90: Die Farbe aus dem All

Ein weiteres Mal widmet sich die erfolgreiche Reihe des „Gruselkabinett“ den Werken des Altmeisters der modernen Horrorliteratur, Howard Phillips Lovecraft. Mit „Die Farbe aus dem All“ hat sich Marc Gruppe dieses Mal ein oft interpretiertes Werk Lovecrafts vorgenommen. Wie gelungen ist seine Umsetzung des Stoffes?

Zwei Landvermesser reisen durch die Wildnis nahe Arkhams. Ihr Auftrag lautet, ein Tal zu vermessen, dass durch den Bau eines geplanten Staudammes geflutet werden soll. Bald stoßen sie auf einen Landstrich, dessen unheimliche, verödetet Atmosphäre ihnen Furcht einflößt. Der alte Ammi Pierce, einer der wenigen Bewohner der Gegend, erzählt ihnen daraufhin die Geschichte der „Verfluchten Heide“, wie die Einheimischen den Landstrich nennen.

Mehr zu erzählen würde der morbiden Faszination, die Lovecrafts Geschichte heraufzubeschwören vermag, schaden. Daher beschränke ich mich auf diese reichlich kurze Zusammenfassung und schwärme stattdessen lieber über die Geschichte selbst, denn die Vorlage, die Marc Gruppe für die neunzigste Ausgabe des „Gruselkabinett“ gewählt hat, gehört zu Lovecrafts besten Geschichten. Der Spannungsbogen, die geheimnisvollen Andeutungen, das sich im Wahn überschlagende Finale: hier stimmt einfach alles.

Es mag nicht verwundern, dass „Die Farbe aus dem All“ damit zu den schon oft interpretierten und adaptierten Werken Lovecrafts zählt. Es gibt sie als Hörbuch, als Hörspiel, Huan Vu widmete ihr mit „Die Farbe“ eine sehr gelungene, lovecrafteske Verfilmung und auch als moderne Bild- und Klanginstallation durften Lovecraftfans „Die Farbe aus dem All“ bereits bewundern. Marc Gruppe stellt sich also zahlreichen Vergleichsmöglichkeiten und – um es vorweg zu nehmen – schneidet dabei gar nicht schlecht ab.

Ein wenig nervös wurde ich gleich in der Einleitung, hat Gruppe dem einsam reisenden Landvermesser aus Lovecrafts Originalgeschichte doch eine junge Frau an die Seite gestellt, mit der er gemeinsam die „Verfluchte Heide“ besucht. Während sich in ihrem koketten Miteinander ein weiterer Versuch Gruppes anzubahnen schien, Lovecrafts Geschichten mithilfe von romantischen Anleihen in die moderne Adaption zu verhelfen, beließ er es – glücklicherweise – bei diesen zarten Andeutungen. Wie im Original trägt Ammi Pierce als Erzähler die Geschichte, die sich fortan sehr eng am Original hält und gut weitererzählt wird.

Die wiederum illustre Riege bekannter Sprecher – allen voran Jochen Schröder als Ammi Pierce – führen sehr gekonnt durch die traurige Geschichte der Familie Gardner. Insbesondere die Sprechleistung der drei Söhne Zenas, Thaddeus und Merwin Gardner weiß zu gefallen. Musik und Soundeffekte sind ein weiteres Mal stimmig in die Geschichte eingebunden und unterstützen die Erzählung, wo es geht. Technisch ist damit wieder einmal alles in Ordnung.

Fazit: Mit „Die Farbe aus dem All“ liegt eine sehr gute Hörspieladaption einer fantastischen Geschichte vor. Fans von Lovecraft oder der „Gruselkabinett“-Reihe machen auch mit der neunzigsten Ausgabe sicher nichts falsch.

Rezension: Gruselkabinett 100: Träume im Hexenhaus

Howard Phillips Lovecraft schuf für seine Geschichten einen ganzen Landstrich in Neuengland, ganz in der Nähe von Salem und Boston. Hier liegt Arkham, eine auf den ersten Blick alte und ehrwürdige Universitätsstadt. Doch in ihren verwinkelten Gassen lauert das Grauen…

Arkham ist einer der zentralen Orte aus H. P. Lovecrafts Werk. Gemeinsam mit dem verkommenen Innsmouth, dem heruntergekommenen Dunwich und dem verträumten Kingsport bildet Arkham das sogenannte „Lovecraft Country“, jenen fiktiven Landstrich in Neuengland, in dem der amerikanische Autor zahlreiche seiner Geschichten angesiedelt hat. Arkham ist dabei Sitz der Miskatonic University und eine der ältesten und größten Städte des Countrys. Während viele Geschichten Lovecrafts einen Bezug auf Arkham nehmen und die Stadt zumindest am Rande erwähnen, spielt „Träume im Hexenhaus“ komplett in dieser alten Stadt.

Der junge Walter Gilman ist Mathematikstudent an der Miskatonic University. Im Rahmen seines Studiums stößt er auf die Aufzeichnungen der alten Hexe Keziah Mason, die vor über 200 Jahren in Arkham ihr Unwesen trieb. Mithilfe einer bestimmten mathematischen Formel soll es ihr und ihrem verdorbenen Rattenwesen Brown Jenkins gelungen sein, die „vierte Dimension“ zu betreten und so ihren Häschern der Inquisition zu entkommen. Gilmans Interesse an dieser Formel ist geweckt und er entschließt sich kurzerhand als Untermieter in dem alten Hexenhaus, dass einst von Mason selbst erbaut wurde, einzuziehen. Ob das wiederum eine so schlaue Entscheidung war, muss sich noch zeigen…

Ich muss zugeben, dass ich trotz einer großen Affinität zu Lovecrafts Werk kein Freund der Originalgeschichte „Träume im Hexenhaus“ geworden bin. Ich stand also der Hörspieladaption für die Reihe des „Gruselkabinett“ – wie gewohnt aus der Feder von Marc Gruppe – eher skeptisch gegenüber. Ich muss allerdings zugestehen, dass die Umsetzung als Hörspiel durchaus gelungen ist. Etwas ungewohnt für die Reihe des „Gruselkabinett“ ist der regelmäßige Auftritt eines Erzählers – hier souverän vertont von Hasso Zorn – um die Geschichte voranzutreiben; üblicherweise setzt Gruppe eher auf Dialoge, um Handlungssprünge zu erläutern. Dieser Kniff unterstreicht die Einsamkeit und Hilflosigkeit, mit der der Protagonist alsbald den Umtrieben der jahrhundertealten Hexenwesen ausgesetzt ist, allerdings sehr gekonnt.

Das soll die Leistung der übrigen Sprecher im Übrigen nicht schmälern. Gerade Hannes Maurer gibt einen hervorragenden Walter Gilman, dem man seinen jugendlichen Leichtsinn wirklich abkauft. In den Nebenrollen konnten mich gerade Wilfrid Herbst in der Rolle des hysterischen Nachbarn Mazurewicz sowie Hans Bayer als unfreundlicher Vermieter Dombrowski voll überzeugen. Auch an der musikalischen Untermalung und den wie immer mit Sorgfalt und Bedacht eingesetzten Toneffekten gibt es nichts zu meckern. Auch technisch weiß mich die 100. Jubiläumsausgabe des „Gruselkabinett“ voll zu überzeugen.

Als besonderer Bonus liegt der 100. Folge auch noch eine DVD bei, auf der ein filmisches Portrait des Titania Medien Verlags enthalten ist. Gerade zum Jubiläum ist das eine schöne Sache und rundet das Paket gut ab.

Fazit: Kann mir die Vorlage „Träume im Hexenhaus“ auch nicht voll zusagen, so ist die Umsetzung als Hörspiel hervorragend gelungen. Nicht zuletzt dank des Bonusmaterials empfehlenswert.

Rezension: Gruselkabinett 24+25: Der Fall Charles Dexter Ward

„Die berühmte Erzählung aus der Feder des Kult-Horror-Autoren H. P. Lovecraft (1890-1937) als aufwendige, atmosphärische Hörspiel-Vertonung im Rahmen der preisgekrönten Reihe Gruselkabinett.“ So führt uns der Klappentext der CD in diese Vertonung von Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“ ein. Ist die Umsetzung gut gelungen?

gruselkabinett_24Die Geschichte des jungen Charles Dexter Ward beginnt mit seinem Verschwinden aus der Nervenheilanstalt. In einem ausführlichen Rückblick führt uns nun der Erzähler der Geschichte, der Hausarzt der Familie Ward Dr. Marinus Willet durch die Geschehnisse. Als der junge, sehr exzentrische Ward beginnt, in seiner Familiengeschichte zu recherchieren stößt er auf die Spuren von Joseph Curwen – einem berüchtigten Hexer, der vor Jahrhunderten gelebt haben soll. Die Neugier des jungen Ward ist geweckt. Und schon bald berichten seine verzweifelten Eltern von den seltsamen Experimenten des Jungen – und von einer unheilvollen Wandlung seines Gemütszustandes…

„Der Fall Charles Dexter Ward“ ist unter Lovecrafts Erzählungen ein echter Klassiker. Viele Motive, die sich insbesondere in der Rollenspiellandschaft wiederfinden, finden sich hier wieder. Sei es der Zirkel schwarzer Magier, der Wahnsinn und Niedergang des jungen Protagonisten, die finsteren Umtriebe Curwens oder seine gotteslästerlichen Laboratorien, denen Ward senior und Dr. Willet einen Besuch abstatten werden – „Der Fall Charles Dexter Ward“ gleicht einem CTHULHU-Szenario. Leider macht gerade das die Geschichte auch für einen versierten Kenner des Grauens auch sehr vorhersehbar – und spätestens zur Mitte der ersten CD ist auch dem letzten Hörer klar, was hier tatsächlich gespielt wird. Damit verbringt man noch weit über eine Stunde damit, Vater und Hausarzt dabei zuzuhören, wie sie offensichtliche Hinweise ignorieren und einfach nicht wahrhaben wollen, was wirklich mit Charles Dexter Ward geschehen ist.

Das ist allerdings nicht die Schuld der wirklich hervorragend gelungenen Hörspielumsetzung. Wie so oft hat der Titania Medien Verlag einige bekannte Stimmen – z. B. Ernst Meincke, die deutsche Synchronstimme von Patrick Stewart oder Thorsten Michaelis (der u. a. Wesley Snipes synchronisiert) – zusammengetrommelt. Diese Profis verleihen der Geschichte viel Tiefe und Farbe, schaffen es, den Hörer an den Gefühlen der Charaktere teilhaben zu lassen. Einige gute Sound- und Musikeffekte runden die technische Seite des Hörspiels angenehm ab.

Fazit: Der Fall Charles Dexter Ward wurde vom Titania Medien Verlag hervorragend umgesetzt und setzt die Reihe des „Gruselkabinetts“ auf dem gewohnt hohen Niveau fort. Die Geschichte ist ein wahrer Lovecraft-Klassiker und auch, wenn sie dem versierten Hörer kaum mehr einen Überraschungseffekt bieten mag, lohnt sich das Zuhören allemal!

Rezension: Gruselkabinett 44+45: Berge des Wahnsinns

Die Berge des Wahnsinns gehören wohl zu Lovecraft’s bekanntesten Erzählungen. Zumindest in der Rollenspielszene, ist doch die gleichnamige Kampagne gleich mehrfach aufgelegt und/oder überarbeitet worden und gilt als ein Meilenstein in der cthuloiden Abenteuergeschichte. Die 44. und 45. Folgen der erfolgreichen Hörspielreihe „Gruselkabinett“ aber widmen sich natürlich dem Original aus lovecraftscher Feder. Wie gelungen ist die Umsetzung?

61Kt2oYkW-LDas Hörspiel nimmt uns mit auf eine Reise in die Antarktis. Hier begleiten wir die von Professor Dyer geleitete Expedition der Miscatonic University, deren erklärtes Ziel es ist, mehr über das ewige Eis und die Erdgeschichte zu erfahren. Begleitet von Geologen, Assistenten und nicht zuletzt der Biologin Dr. Leni Lake macht die Expedition vielversprechende Entdeckungen. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse – und dann verschwinden Dr. Lake und ihre Begleiter…

„Berge des Wahnsinns“ ist eine der umfangreicheren Lovecraft-Geschichten. Für das Verständnis des Mythos, wie ihn Derleth später ordnete, würde ich sie sogar als essentiell bezeichnen, enthüllt sie doch der Menschheit bislang unbekannte Epochen der Erdgeschichte und stellt klar, dass wir keinesfalls die Krone der Schöpfung sind – sondern nur ein Zufallsprodukt wirklich intelligenten Lebens. Den Schleier aus Unwissenheit, den die hochmütige Wissenschaft hier niederreißt und den Lovecraft oft bemüht, um seinen Protagonisten die eigene Nichtigkeit vor Augen zu führen, wird kaum jemals besser von ihm umschrieben, als in diesem Werk. Dass es Lovecraft darüber hinaus gelingt, eine spannende und auch schlicht unterhaltsame Gruselgeschichte zu erzählen, macht das Buch nur noch einmal lesenswerter.

Doch nachdem ich nun wohl klargemacht habe, wie sehr mir die Vorlage gefällt: bei der Bewertung der Hörspielumsetzung tue ich mich deutlich schwerer. Natürlich wird eine gute Geschichte erzählt. Die Sprecher – wie immer in der Reihe „Gruselkabinett“ haben sich auch bekanntere Stimmen in die Riege der Synchronisten geschlichen – erledigen ihre Aufgabe routiniert und professionell. Die gewählten Soundeffekte untermalen die Stimmung hervorragend und nicht zuletzt die letzten Funksprüche aus dem Lake-Lager gehören zu den grausigsten Szenen, die mir in der Reihe bislang untergekommen sind. Was mir allerdings ein wenig sauer aufstößt ist die freie Interpretation der Geschlechter in der Expeditionsmannschaft, nur, um auch eine angedeutete Liebesgeschichte in der Handlung unterbringen zu können. Das ist schlicht unnötig und lenkt von der eigentlichen Botschaft der Geschichte ab.

Fazit: Eine hervorragende Geschichte, technisch hervorragend umgesetzt und mit tollen Sprechern besetzt. Erstmals aber kommen mir die künstlerischen Freiheiten, die Marc Gruppe seinen Hörspielen oft angedeihen lässt (und die bereits manch trockene Vorlage in ein tolles Hörspiel verwandelten), unnötig und übertrieben vor.

Rezension: Verbotene Bücher

Wie auch auf den beiden Vorgängerbänden „Metamorphosen“ und „Die Klabauterkatze“ verspricht auch der Untertitel des Bandes „Verbotene Bücher“ „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ unterwegs zu sein. Wie gelungen ist diese Interpretation von Lovecrafts umfangreichen Mythos?

Rezension - Verbotene BücherWiederum sind insgesamt 17 verschiedene Kurzgeschichten unterschiedlichster Couleur und Länge auf knapp 360 Seiten vereint. Ähnlich dem ersten Band der Reihe eint alle Geschichten das Titelthema, dreht sich doch jede Geschichte auf ihre eigene Art und Weise um „Verbotene Bücher“. Verbotene Bücher sind ein sehr klassisches Motiv von Lovecrafts Cthulhu-Mythos – sei es das verrufene „Necronomicon“, das finstere „Von unaussprechlichen Kulten“ oder das geheimnisvolle „De vermis mysteriis“, sie alle hatten eine gewichtige Rolle in Lovecrafts Universum.

Die Geschichte in dem vom Verlag Torsten Low vorgelegten Band bedienen sich dabei teilweise den bekannten Vorbildern, um ihnen ihre eigene Interpretation aufzudrücken. Doch auch eine ganze Reihe eigener, neuer Mythoswerke findet der interessierte Leser in den von gleich vier Herausgebern zusammengestellten Geschichten. Dass sich dabei auch streckenweise sehr freie und moderne Herangehensweisen an den Cthulhu-Mythos ergeben, ist da fast schon eine Selbstverständlichkeit.

Damit entfernt sich „Verbotene Bücher“ noch weiter von der lovecraftschen Art des Horrors, als es der bereits sehr emanzipierte Vorgängerband „Die Klabauterkatze“ praktizierte. Tatsächlich wirken die meisten Geschichten so, als würden sie auch ohne den Pate stehenden Mythos hervorragend funktionieren, ja, manches Mal wirkt sogar die Verwendung einiger Buchtitel oder auch Wesenheiten aus dem Pantheon der „Großen Alten“ recht willkürlich oder deplaziert. Damit erreichen nur wenige Geschichten ein „cthuloides“ Flair, was bei einem Band, der verspricht „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“ zu wandeln, schade ist.

Technisch gibt es allerdings – ebenso wie bei den Vorgängerbänden – wenig Grund zur Beanstandung. Die Autoren verstehen durchaus ihr Handwerk – das geschriebene Wort wirkt zumeist elegant und gut gewählt, die Spannungsbögen fast aller Geschichten funktionieren gut. Auch das Lektorat hat gute Arbeit geleistet und kaum einen Rechtschreibfehler übersehen. Der Schriftsatz ist gut lesbar, das Layout sehr aufgeräumt.

Eine Einzelkritik der vielen Geschichten wäre wohl zu umfangreich, um sie hier wiederzugeben. Es gibt aber einige Werke, die meiner persönlichen Auffassung eine gesonderte Erwähnung verdienen: „Das Erbe des Walther Stuck“ aus der Feder von Johannes Harstick beispielsweise ist eine der klassischer anmutenden Geschichten aus dem Band. Geschickt spielt der Autor mit klassischen Motiven – ein altes, verlassenes Haus; eine tragische Geschichte, die daran denken lässt, dass ein Flucht über dem Haus lasten könnte; der neue Mieter, der sich auf fatale Weise verändert… all diese Versatzstücke werden zu einem interessanten Geflecht verwoben und geschickt in den Cthulhu-Mythos eingebettet. „Tod dem König in Gelb“ von Felix Woitkowski wiederum sprüht vor verrückten Einfällen, Kreativität und überraschenden Momenten, wechselt gleich einer Achterbahn stetig zwischen zwei Handlungsebenen hin und her und bietet eine spannende Neuinterpretation des Gelben Königs – die Puristen jedoch eher verschrecken dürfte.

Abgerundet wird der Band von einem Download-Gutschein für einen Titel der Metal-Band „Sea of Disorder“. Ein hübscher Bonus, den der Verlag seinen Käufern hier mit auf den Weg gibt.

Fazit: Wie bereits erwähnt erscheinen viele der hier versammelten Geschichten wenig „cthuloid“. Allerdings sind sie abwechslungsreich, ausnahmslos angenehm geschrieben und laden so zu einem raschen Lesevergnügen zwischendurch ein. Und gruselig sind viele der hier enthaltenen Werke, so dass Lesern, so dass ich die Anthologie ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann. Einzig Puristen auf der Suche nach lovecraftschem Horror könnten etwas enttäuscht sein.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von Verlag Torsten Low.

Rezension: Duke Manór

Mein Äquivalent zum „Dachbodenfund“ anderer Menschen ist der Besuch bei meinem Bruder. Eben jener hat seit einiger Zeit durch den Besuch zahlreicher Antiquariate und Flohmärkte eine illustre Sammlung abstruser und/oder klassischer Literatur, aufbereitet in jeder erdenklichen Form, angesammelt. So verwunderte es mich nicht, als er mir bei meinem letzten Besuch mal wieder eine CD in die Hand drückte – zum Reinhören.

513LkCo84QLDer Autor der Geschichte, Andreas Gruber, ist (wie Wikipedia verrät) Jahrgang 1968, und stammt aus Österreich. Seit 1996 vefolgt er eine schriftstellerische Karriere. Seine Geschichte „Duke Manór“ ist eine seiner älteren, hat sie doch bereits 1998 den dritten Platz beim „Marburg Award“ errungen. Worum geht es? Wir folgen dem jungen Journalisten Karl bei der Erkundung eines uralten Spukhauses. Auf der Jagd nach einer guten Story für das Magazin, für dass er tätig ist, beschließt er den baufälligen Kasten „Duke Manór“ an der österreichisch-ungarischen Grenze näher unter die Lupe zu nehmen. Schon während der ersten Begehung treten seltsame Phänomene auf, die der Rationalist aber rasch beiseite schiebt. Als er allerdings im Obergeschoss einen Brief findet, den der letzte Besitzer des Hauses als Warnung hinterlassen hat, überschlagen sich rasch die Ereignisse. Etwas lockt Karl in die Tiefen des Kellers – doch was geschieht, wenn er diesem Lockruf wirklich folgt…?

Um eines direkt zu sagen: die Geschichte ist wirklich großartig und ich würde ihr jeden Preis verleihen wollen. Sie ist durchdacht, wirklich, wirklich gruselig, modern und erschreckend realistisch. Dem Autoren gebührt alles Lob! Leider kann ich dieses Lob nicht an die Verantwortlichen für die Hörspielumsetzung weitergeben. Tatsächlich liefert der Verlag „Hörspiele Welt“ auch in einer Hinsicht eine Mogelpackung ab. Zunächst einmal ist „Duke Manór“ kaum ein klassisches Hörspiel sondern vielmehr eine Lesung, unterlegt mit Soundeffekten. Einzig die Einleitungszene läßt eine zweite Sprecherin kurz zu Worte kommen – aber das sei nur am Rande erwähnt. Was wirklich schade ist, ist dass der Sprecher Christian Hanreich kaum jemals Grusel aufkommen lasst. Zu gelangweilt und zu monoton lässt er seinen Protagonisten Karl auch das furchtbarste Grauen nacherzählen, das ihm widerfährt. Dazu kommt, dass sich die meisten der gewählten Soundeffekte ungefähr auf dem Niveau einer TKKG-Kassette befinden. Und versteht mich nicht falsch, dort ist das völlig in Ordnung, für ein Gruselhörspiel ist es ein No-Go.

Fazit: „Duke Manór“ ist eine absolut grandiose Geschichte, die ich jedem Horrorfan sofort ans Herz legen möchte. Allerdings nicht in dieser Version.