Rezension: Regionalia Cthuliana – Mexiko

Spieler auf den Spuren Cthulhus muss es nicht immer nach Lovecraft Country oder in die deutschen Lande verschlagen. An vielen exotischen Schauplätzen auf der Welt lauern finstere Schrecken auf unerschrockene Charaktere. Daher erschließt Pegasus mit dieser PDF-Veröffentlichung nun Mexiko, das ehemalige Reich der Maya und Azteken, als cthuloiden Schauplatz.

Rezension - Regionalia Cthuliana - MexikoDas vorliegende Material hat eine recht wechselhafte Geschichte hinter sich. Ursprünglich war es für einen Quellenband mit dem Thema Mexiko erstellt worden, der jedoch nicht weiter verfolgt wurde. Veröffentlicht wurde es dann letztendlich erstmals in dem – leider eingestellten – Pegasus-Hausmagazin „Cthuloide Welten“, das 21 Ausgaben lang die Spielerschaft mit zahlreichem Spielmaterial versorgte. Da das Magazin längst vergriffen ist, werden nun ausgewählte Inhalte als „Cthuloide-Welten-Archiv“ in Form von PDF-Veröffentlichungen zugänglich gemacht. So erhält das Material über Mexiko schlussendlich doch eine eigene Veröffentlichung.

„Mexiko“ beginnt mit einem ausführlichen Regionalia-Teil. Beschrieben werden Land und Leute, wichtige Städte, die alten Kulturen der Mayas, Azteken und anderer präkolumbianischer Hochkulturen und einige Ruinen alter Tempelstädte. Das Material ist dabei sehr detailverliebt und umfassend recherchiert; über den Stand des Schul- und Medizinwesens wird ebenso informiert, wie über die bewegte Geschichte des Landes bis in die 1920er hinein. Der Quellenteil ist gut geschrieben und gegliedert.

Zwei kritische Anmerkungen seien aber erlaubt: Auf der einen Seite vermisse ich zeitgenössische Karten von Mexiko und Mexiko-Stadt aus den 1920ern. Zwar wird ein Weblink angegeben, unter dem Karten zu finden sind, allerdings hätte ich mir das Material kompakt zusammen gewünscht. Zum Zweiten mangelt es dem gesamten Quellenteil an spielbereiten Szenarien-Vorschlägen. Hin und wieder finden sich vage Hinweise auf Mythos-Aktivitäten in Mexiko, in Summe ist es aber zu wenig, um es einem Spielleiter zu erlauben, eine cthuloide Kampagne in Mexiko zu starten.

Abhilfe soll hier das mitgelieferte Szenario „Bittere Wasser“ schaffen. Hier treffen die Charaktere auf einen Unbekannten, der ihnen einen Koffer in die Hand drückt, bevor er von Soldaten festgenommen wird. Auf der Suche nach dem Adressaten des Koffers müssen die Charaktere sich nicht nur um einen Haufen Maya-Arbeiter kümmern, sie werden auch schreckliche Nächte durchleben und stoßen auf ein uraltes Übel aus vergangenen Jahrhunderten … Dem Szenario ist eine Handlungsübersicht vorangestellt, alle Spielwerte finden sich spielbereit im Anhang: Diese Gliederung ist bekannt und bewährt. Es ist gut geschrieben, und hat einige starke Szenen, geizt aber ein wenig mit Grusel- und Horror-Elementen.

Für die Wiederveröffentlichung wurde das Layout von „Mexiko“ überarbeitet und lehnt sich optisch nun an die übrigen PDF-Veröffentlichungen an. Das Dokument ist wirklich reich bebildert, die Seiten wie die eines altertümlichen Folianten aufgemacht. Leider wird durch die zahlreichen Schnörkel und den grauen Hintergrund die Schrift manchmal etwas unleserlich. Insgesamt möchte ich das Layout aber als ansprechend und hübsch bewerten.

Fazit: „Regionalia Cthuliana – Mexiko“ lässt mich ein wenig unbefriedigt zurück. Das enthaltene Szenario weiß durchaus zu gefallen, der Quellenteil ist umfangreich. Es fehlt aber in Summe an Spielmaterial. Hier kommt noch eine Menge Eigenarbeit auf den Spielleiter zu, will er Spannendes präsentieren. Wer ohnehin plant, seine Gruppe demnächst durch das mexikanische Hochland zu scheuchen, kann aber bedenkenlos zugreifen, um den Aufenthalt realistischer gestalten zu können.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

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