Rezension: Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff

In der sogenannten Lovecraft-Country-Collection veröffentlicht Pegasus Material zu dem Landstrich, in dem zahlreiche Geschichten des Autors H. P. Lovecraft angesiedelt sind. Dieses fiktive Neuengland an der Ostküste der USA umfasst natürlich das bekannte Arkham, in dem die Miscatonic University ihren Sitz hat, das malerisch-verträumte Kingsport oder das hinterwäldlerische Dunnwich. Aber eben auch Innsmouth, diese verkommene und berüchtigte Hafenstadt, der der vorliegende Band gewidmet ist.

InnsmouthInnsmouth ist den meisten Lovecraftlesern ein Begriff, gehört doch seine Kurzgeschichte „Schatten über Innsmouth“ zu seinen beliebtesten Werken. Innsmouth liegt nördlich von Arkham und Kingsport an der Küste von Essex County (Massachusetts). Einige Meilen vor der Küste soll das von den Fischern der Gegend gefürchtete Teufelsriff liegen, das nur bei Niedrigwasser, insbesondere bei Neu- oder Vollmond, aus dem Wasser ragen soll.
Innsmouth wurde 1643 gegründet und galt bis zur Revolution als wichtige Hafenstadt für den Schiffbau. Nach dem Krieg von 1812 begann der Niedergang der Stadt. Kapitän Obed Marsh versuchte mit dem Aufbau einer massiven Fischfangflotte den Untergang aufzuhalten. Durch höhere Fischfangquoten und die besseren Vertriebsmöglichkeiten konkurrierte die Stadt vorübergehend sogar mit dem Nachbarort Kingsport. Als jedoch 1846 eine Epidemie viele Einwohner hinwegraffte, setzte der rapide Verfall der Stadt ein. Seitdem soll ein Großteil der Bevölkerung an einer bisher ungeklärten, offenbar genetisch bedingten Alterskrankheit, bei der die Gesichter der Erkrankten seltsame „fischartige“ Züge annehmen, erkrankt sein, was auch als „Innsmouth-Look“ bezeichnet wird. Doch das ist nur der offizielle Teil der Geschichte…

Kenner der Kurzgeschichte werden wissen, was sie in diesem verdorbenen Ort erwartet, doch um die Spannung für alle anderen nicht vorweg zu nehmen, will ich an dieser Stelle nicht näher auf den Hintergrund eingehen. Die ersten 88 Seiten des ingesamt 210seitigen Bandes widmen sich ausführlich der Beschreibung der Stadt. Wie lebt es sich hier, wie ist die genaue Geschichte der Stadt? Ein umfangreicher Stadtführer stellt zahlreiche Lokalitäten und Einwohner vor. Der Quellenteil ist gegenüber dem amerikanischen Original deutlich sortiert und umgeschrieben worden. Der Lohn der Mühen ist wirklich gut aufbereitetes Material, dass zum Spielen einlädt.

Es schließen sich sechs Szenarien an, die die Charaktere in die besondere Innsmouth-Thematik einführen sollen. Und hier kommt der große Schwachpunkt des Bandes: es gibt tatsächlich sechs Einführungsabenteuer. Eine lange Kampagne in Innsmouth ist ob der Besonderheit, die später im zweiten Band zu Innsmouth auftaucht, schwer möglich. Drei oder vier Szenarien sind vielleicht möglich, bevor die eingeschworene Gemeinde derart auf die Charaktere aufmerksam wird, dass man sie achtkantig aus der Stadt verjagt. So erhält der Spielleiter zwar die Möglichkeit, den perfekten Einstieg für seine Gruppe in die Thematik zu finden, doch kauft er auch leider eine Menge nicht brauchbares Material mit.

Tatsächlich sind fünf der sechs Szenarien als Ideenfundgrube ganz nett und eines davon will man vielleicht auch wie vorgestellt spielen. Eine Einzelkritik erspare ich mir aber an dieser Stelle. Einzig das letzte Szenario, Fischfutter, ist wirklich stark. Zwar hat es einen stark geführten Einstieg, aber ab dann läßt es das Grauen, das über Innsmouth schwebt, um so eindrucksvoller über die Charakteren hereinbrechen. Eigentlich wollten sie an einer Hochzeitsfeier auf hoher See teilnehmen, werden dann aber auf ein Riff gelockt und der Großteil der Gesellschaft wird verschleppt. Was dann geschieht, liegt in der Hand der Charaktere – ist aber in keinem Fall etwas für schwache Nerven…

Das Layout des Bandes entspricht dem für Pegasus‘ Cthulhu-Bände üblichen Standard und ist damit wiederum sehr hübsch ausgefallen. Reiche und tatsächlich passende Bebilderung und nicht zuletzt die vielen tollen Handouts führen zu einer guten Note. Das stabile Hardcover und ein Lesebändchen runden den positiven Gesamteindruck der „Hardware“ ab.

Fazit: Ein toller Hintergrund der zum Spielen einlädt, umfangreiches und toll aufbereitetes Quellenmaterial und ein wirklich starkes Abenteuer. Schade, dass der Rest der Szenarien eher darauf ausgelegt ist, eine Auswahl möglicher Einstiege zu bieten, anstatt eine fortlaufende Kampagne zu ermöglichen. So ist zu viel unnützes Material mit an Bord. Auch die ständigen Hinweise auf den Nachfolgeband „Sturm auf Innsmouth“ sind zuweilen lästig.

PS: Weitere Rezensionen bei…
Ringbote.de
Reich der Spiele
Janetts Meinung

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Ein Kommentar zu “Rezension: Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff

  1. Pingback: Rezension: Sturm auf Innsmouth | Seanchui goes Rlyeh

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