Rezension: Sturm auf Innsmouth

Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff behandelte ausführlich die titelgebende Stadt im Osten von Lovecraft Country. Im begleitend erschienenen Abenteuerband „Sturm auf Innsmouth“ dreht sich nun alles um den finalen Sturm auf die verkommene Hafenstadt. Achtung: der weitere Text enthält Spoiler und ist damit für Spieleraugen ungeeignet!

Sturm auf InnsmouthDer Hardcoverband enthält auf insgesamt 190 Seiten fünf Szenarien rund um Innsmouth, wobei das titelgebende „Sturm auf Innsmouth“ stolze 75 Seiten in Anspruch nimmt.

Die ersten drei Szenarien kranken dabei an den gleichen Symptomen wie viele Szenarien in „Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff“. Man kann sie einfach nicht alle einsetzen, spielt man eine laufende Innsmouth-Kampagne. Sogar in den einleitenden Worten wird darauf hingewiesen: „dieses Szenario könnte anstelle von jenem Szenario stehen“. Leider wird der geneigte Spielleiter auch im zweiten Band zum Thema Innsmouth nicht aufgeklärt, wie er aus den vielen Einstiegsabenteuern eine gelungene Kampagne um Innsmouth schrauben soll. Die ist nämlich letztendlich nur auf zwei Szenarien ausgelegt, die sich glücklicherweise dann auch hier im Band finden.

In Flucht aus Innsmouth müssen die Charaktere einem hilflosen jungen Mann aus dem Gefängnis von Innsmouth heraushelfen. Da die Polizei in Innsmouth nicht nur einfach korrupt, sondern abgrundtief verdorben und mit den Bösen im Bunde sind, ist das kein einfaches Unterfangen und setzt Kreativität voraus. Es schließt sich die namensgebende Flucht an, die wirklich spannend inszeniert werden kann. Eine Menge wichtiger Informationen, die man im Zweifelsfall bereits in einem früheren Szenario verwenden werden muß.

Daran schließt sich nun endlich der Sturm auf Innsmouth an. Regierungsagenten sind auf die Charaktere aufmerksam geworden, die für so viel Unruhe im verkommenen Innsmouth sorgen konnten. Sie werden aufgefordert, die Regierung beim finalen Sturm, der auch in Lovecraft’s Kurzgeschichte angedeutet wurde, zu unterstützen. Das Szenario ist wirklich umfangreich. Es enthält 6 Teilmissionen unterschiedlichster Couleur. Ob man durch alte Tunnel schleicht und mit Schogotten ringen muß, ob man den Tempel des Dagon-Ordens erstürmt oder ob man an Bord von Schiffen und U-Booten die Schrecken aus dem Meer besiegen muß – hier wird für viel Abwechslung und vor allem Action gesorgt. Ein interessantes Charakter-Verteilungs-System erlaubt es allen Spielern gleichermaßen, an allen Missionen teilzunehmen. Das gesamte Szenario unterscheidet sich deutlich von den üblichen Cthulhu-Abenteuern, nicht zuletzt wegen seiner Actionlastigkeit, und ist gerade deswegen ein wirklich denkwürdiges Ereignis.

Layout und umfangreiche Bebilderung entsprechen dem Vorgängerband und sind damit weiterhin auf einem hervorragenden Niveau. Leider ist die Aufbereitung des wirklich komplexen Sturm auf Innsmouth nicht 100%ig gelungen und erfordert noch viel Vorbereitung vom Spielleiter. Ich hätte mir mehr vorgefertigte Charakterbögen und insbesondere eine bessere Verteilung der Reihenfolge der Missionen gewünscht. Wer die logistische Aufgabe nicht scheut, erhält aber wirklich tolles Abenteuermaterial.

Fazit: ein würdiger und lohnenswerter Abschluß einer jeden Innsmouth-Kampagne. Wer eine solche plant, sollte sich auch dieses Buch zulegen. Punktum.

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Rezension: Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff

In der sogenannten Lovecraft-Country-Collection veröffentlicht Pegasus Material zu dem Landstrich, in dem zahlreiche Geschichten des Autors H. P. Lovecraft angesiedelt sind. Dieses fiktive Neuengland an der Ostküste der USA umfasst natürlich das bekannte Arkham, in dem die Miscatonic University ihren Sitz hat, das malerisch-verträumte Kingsport oder das hinterwäldlerische Dunnwich. Aber eben auch Innsmouth, diese verkommene und berüchtigte Hafenstadt, der der vorliegende Band gewidmet ist.

InnsmouthInnsmouth ist den meisten Lovecraftlesern ein Begriff, gehört doch seine Kurzgeschichte „Schatten über Innsmouth“ zu seinen beliebtesten Werken. Innsmouth liegt nördlich von Arkham und Kingsport an der Küste von Essex County (Massachusetts). Einige Meilen vor der Küste soll das von den Fischern der Gegend gefürchtete Teufelsriff liegen, das nur bei Niedrigwasser, insbesondere bei Neu- oder Vollmond, aus dem Wasser ragen soll.
Innsmouth wurde 1643 gegründet und galt bis zur Revolution als wichtige Hafenstadt für den Schiffbau. Nach dem Krieg von 1812 begann der Niedergang der Stadt. Kapitän Obed Marsh versuchte mit dem Aufbau einer massiven Fischfangflotte den Untergang aufzuhalten. Durch höhere Fischfangquoten und die besseren Vertriebsmöglichkeiten konkurrierte die Stadt vorübergehend sogar mit dem Nachbarort Kingsport. Als jedoch 1846 eine Epidemie viele Einwohner hinwegraffte, setzte der rapide Verfall der Stadt ein. Seitdem soll ein Großteil der Bevölkerung an einer bisher ungeklärten, offenbar genetisch bedingten Alterskrankheit, bei der die Gesichter der Erkrankten seltsame „fischartige“ Züge annehmen, erkrankt sein, was auch als „Innsmouth-Look“ bezeichnet wird. Doch das ist nur der offizielle Teil der Geschichte…

Kenner der Kurzgeschichte werden wissen, was sie in diesem verdorbenen Ort erwartet, doch um die Spannung für alle anderen nicht vorweg zu nehmen, will ich an dieser Stelle nicht näher auf den Hintergrund eingehen. Die ersten 88 Seiten des ingesamt 210seitigen Bandes widmen sich ausführlich der Beschreibung der Stadt. Wie lebt es sich hier, wie ist die genaue Geschichte der Stadt? Ein umfangreicher Stadtführer stellt zahlreiche Lokalitäten und Einwohner vor. Der Quellenteil ist gegenüber dem amerikanischen Original deutlich sortiert und umgeschrieben worden. Der Lohn der Mühen ist wirklich gut aufbereitetes Material, dass zum Spielen einlädt.

Es schließen sich sechs Szenarien an, die die Charaktere in die besondere Innsmouth-Thematik einführen sollen. Und hier kommt der große Schwachpunkt des Bandes: es gibt tatsächlich sechs Einführungsabenteuer. Eine lange Kampagne in Innsmouth ist ob der Besonderheit, die später im zweiten Band zu Innsmouth auftaucht, schwer möglich. Drei oder vier Szenarien sind vielleicht möglich, bevor die eingeschworene Gemeinde derart auf die Charaktere aufmerksam wird, dass man sie achtkantig aus der Stadt verjagt. So erhält der Spielleiter zwar die Möglichkeit, den perfekten Einstieg für seine Gruppe in die Thematik zu finden, doch kauft er auch leider eine Menge nicht brauchbares Material mit.

Tatsächlich sind fünf der sechs Szenarien als Ideenfundgrube ganz nett und eines davon will man vielleicht auch wie vorgestellt spielen. Eine Einzelkritik erspare ich mir aber an dieser Stelle. Einzig das letzte Szenario, Fischfutter, ist wirklich stark. Zwar hat es einen stark geführten Einstieg, aber ab dann läßt es das Grauen, das über Innsmouth schwebt, um so eindrucksvoller über die Charakteren hereinbrechen. Eigentlich wollten sie an einer Hochzeitsfeier auf hoher See teilnehmen, werden dann aber auf ein Riff gelockt und der Großteil der Gesellschaft wird verschleppt. Was dann geschieht, liegt in der Hand der Charaktere – ist aber in keinem Fall etwas für schwache Nerven…

Das Layout des Bandes entspricht dem für Pegasus‘ Cthulhu-Bände üblichen Standard und ist damit wiederum sehr hübsch ausgefallen. Reiche und tatsächlich passende Bebilderung und nicht zuletzt die vielen tollen Handouts führen zu einer guten Note. Das stabile Hardcover und ein Lesebändchen runden den positiven Gesamteindruck der „Hardware“ ab.

Fazit: Ein toller Hintergrund der zum Spielen einlädt, umfangreiches und toll aufbereitetes Quellenmaterial und ein wirklich starkes Abenteuer. Schade, dass der Rest der Szenarien eher darauf ausgelegt ist, eine Auswahl möglicher Einstiege zu bieten, anstatt eine fortlaufende Kampagne zu ermöglichen. So ist zu viel unnützes Material mit an Bord. Auch die ständigen Hinweise auf den Nachfolgeband „Sturm auf Innsmouth“ sind zuweilen lästig.

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