Seanchui in Zeiten der Krise

Hallo zusammen,

Rollenspielen in Zeiten der Corona-Krise bedeutet für fast alle von uns viel Improvisation. Während immer mehr Rollenspieler den Weg ins Internet finden muss ich gestehen, dass ich über Online-Spiel noch immer nicht recht nachgedacht habe. Natürlich ist das eine echte Alternative und ich gönne jedem den Spaß, den er damit hat. Mir mangelt es jedoch sowohl an der Technik als auch an dem Willen, mich mit der Thematik mehr auseinanderzusetzen. Die ConSpiracy von Pegasus habe ich ein wenig per Stream verfolgt, aber der Discord-Channel hat mich in seiner wilden Kommentarflut ganz schnell abgehängt :-). Was tue ich also, um die Krisenzeit rollenspielerisch zu überbrücken?

Nun, zum Einen habe ich das Briefeschreiben neu für mich entdeckt. Auf der einen Seite habe ich mit einem langjährigen Freund und Rollenspielmitstreiter eine eigene „de Profundis“-Runde gestartet. Unsere Charaktere hat es an den Rhein in den 1920er verschlagen und die ersten Briefe haben bereits hin- und hergewechselt. Ich spielte schon lange mit dem Gedanken, „de Profundis“ einmal die Chance auf einen Praxistest zu geben, bin bislang aber immer an der Vorstellung über den Zeitaufwand gescheitert. Nun, dank Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen habe ich im Moment deutlich mehr freie Zeit zur Verfügung. Ich bin gespannt, wie sich unser Spiel weiter entwickeln wird.

Ebenfalls briefschriftlich habe ich den Kontakt zu meiner aktuellen Rollenspielgruppe gesucht. Als Spielleiter bin ich ja doch ein bißchen für meine Mädels und Jungs verantwortlich. Um nicht einfach nur ein bißchen Smalltalk zu betreiben, habe ich mir noch ein paar Gimmicks überlegt. Im ersten Brief fand jeder meiner Spieler ein eigenes, kleines Solo-Abenteuer, in das nächste Kuvert steckte ich einen selbst geschriebenen Dungeon-Generator. Ihre Aufgabe ist es nun, mir selbst erstellte Dungeons zurückzuschicken. Ich bin schon sehr auf ihre kreativen Ergebnisse gespannt. Und der Inhalt des nächsten Briefes steht auch bereits fest. Ich hoffe, so das Interesse an der Gruppe hochhalten zu können, bis wir uns wieder im heimischen Rollenspielkeller zum Spiel treffen können.

Doch damit nicht genug. Da ich nun deutlich mehr Zeit „alleine“ mit Rollenspiel verbringe, nutze ich diese Phase, um endlich einmal die zahllosen Zufallstabellen, die diverse Quellenbänder und Regelbücher mit sich bringen, auszuprobieren. Sei es der „Abenteuergenerator“ im „Dungeon Master’s Guide“ für „Dungeons and Dragons“, der „Schatzgenerator“ für „Symbaroum“ oder die „Ein Kult für alle Fälle“-Tabellen aus dem „Von unaussprechlichen Kulten“-Band für „Cthulhu“: Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, diese Generatoren einfach mal einzusetzen um ihre tatsächliche Nutzbarkeit zu prüfen – und natürlich, um mich ein wenig kreativ mit dem Material auseinandersetzen zu können. An welcher Stelle sich die Ergebnisse dieser Spielerei einmal finden werden, wird sich zeigen. Zumindest die „Cthulhu“-Kulte würden sich doch ganz gut auf diesen Seiten machen, oder?

Wie geht ihr mit der Krise um? Seid ihr auf’s Online-Rollenspiel umgestiegen? Oder habt ihr vielleicht sogar noch weitere Tipps für Offline-Alternativen?

4 Kommentare zu “Seanchui in Zeiten der Krise

  1. Cthulhu Solo Szenarien spielen z.B Alone Against the Flames oder Alone Against the Frost und Alone Against the Dark.

    Dazu ist auch die App Cthulhu Chronicles welche Solo Szenarien bietet, angeraten.

    PS:
    Ansonsten jetzt ist die Zeit mehr RPG Material zu lesen und vorzubereiten für die Zeit danach. Quasi Vorarbeit leisten.

  2. Hallo seanchui,

    bei dem doch sehr relevanten Thema dachte ich, mich doch auch einmal mit einem Kommentar beteiligen zu können. 🙂

    Meine langjährige Gruppe hat die Kontaktsperre auch eiskalt erwischt. Da die wöchentlichen Treffen für uns alle jedoch einen der großen Höhepunkte am Wochenende sind, wollten wir definitiv nicht einfach auf unbestimmte Zeit pausieren.

    Hinzu kommt, dass wir nach vielen vielen Jahren gerade erst einen Systemwechsel von Shadowrun 5 auf Dungeons & Dragons 5 hinter uns hatten. Eine längere Pause hätte das Risiko mit sich gebracht, dass die neue Kampagne einschläft und sich niemand so richtig an das Setting, Charaktere und auch Regeln gewöhnen kann.

    Wir sind daher auf’s Online-Gaming ausgewichen und haben mittlerweile drei Runden mit Roll20 hinter uns. Das Ganze hat bis auf kleinere technische Schwierigkeiten zu Beginn auch einwandfrei funktioniert. Allerdings habe ich eine interessante Entwicklung bei meinen Spielern und mir festgestellt:

    Unsere Spielweise ging zu Beginn der Online-Runden unbewusst stark in Richtung Tabletop über. Der Rollenspiel-Aspekt geriet eher in den Hintergrund und selbst das Erkunden lief plötzlich rundenbasiert, Spieler für Spieler in wechselnden Zügen ab.
    Bis zur dritten Spielsitzung hatten sich dann meine Spieler und ich als Spielleitung an die digitale Umgebung gewöhnt. Es wurde wieder verstärkt RP betrieben und Nebenschauplätzen kam wieder deutlich mehr Bedeutung zu. Auch die Unterhaltungen innerhalb der Gruppe waren deutlich lebendiger, wenn auch nicht ganz so dynamisch wie offline am Tisch.

    Mein Fazit ist, dass die digitale Variante für uns eine wirklich schöne Ausweichmöglichkeit ist, wenn aus zeitlichen oder anderen Gründen ein offline Treffen nicht stattfinden kann. Dennoch freuen wir uns alle darauf, irgendwann wieder in gewohnter Umgebung am Wohnzimmertisch zusammenzusitzen, da die Atmosphäre doch eine andere ist und uns Immersion und Kommunikation untereinander am realen Tisch leichter fallen.

    Im Übrigen fände ich es sehr interessant, von deinen Erfahrungen mit „de Profundis“ zu lesen. Das Konzept reizt mich ebenfalls seit Längerem und hat Erinnerungen an eine Zeit hervorgerufen, in denen ich begeisterter Briefeschreiber war. Allerdings sehe ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis aktuell niemanden, der oder die den zeitlichen und kreativen Aufwand, der mit „de Profundis“ verbunden ist, stämmen könnte.

    Viele Grüße eines langjährigen Lesers
    Rothemd

  3. Pingback: Ein Kult für alle Fälle (1?) – Seanchui goes Rlyeh

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