Rezension: Der schwarze Prinz

Im Laufe des Jahres erschien mit „Cthulhu Gaslicht“ das dritte klassische „Cthulhu“-Setting als aufwändiger Hardcoverband. Seitdem ist es wieder ein wenig still um „Gaslicht“ geworden, doch nun schickt sich Pegasus an, weiteres Material für das Setting als PDF zu veröffentlichen. „Der schwarze Prinz“ ist dabei eines von zwei neu geschriebenen Abenteuern.

Rezension - Der schwarze PrinzZunächst einmal ist es sicher sinnvoll darauf hinzuweisen, dass eine Rezension eines Abenteuers kaum komplett ohne Spoiler auskommen kann. Wer „Der schwarze Prinz“ also noch als Spieler erleben möchte, dem sei angeraten, die nächsten drei Abschnitte zu überspringen.

Während sich der Settingband „Cthulhu Gaslicht“ auf das britische Empire konzentrierte, wendet sich „Der schwarze Prinz“ Frankreich, genauer gesagt Paris, zu. Hier regiert, ganz im Gegensatz zum viktorianischen England, im ausklingenden 19. Jahrhundert ein künstlerischer Freigeist, der Ausschweifungen, Exzesse und Experimentalismus fördert und einen idealen Nährboden für die kommenden, dunklen Ereignisse darstellt. Denn all die grauenhaften, aber auch wunderschönen Dinge, die in dieser Metropole geschahen und geschehen haben ein albtraumhaftes Abbild der Stadt erschaffen. Dieses dunkle Paris wird von dem schwarzen Prinzen regiert, der nun seine gierigen Finger nach der Welt der Lebenden ausstreckt.

Die Charaktere werden – wie so oft – von einem Freund kontaktiert, der das Problem eines weiteren Freundes gelöst wissen will, liegt dieser doch in einem unerklärlichen Koma. Auf der Suche nach den Hintergründen des Gesundheitszustandes des jungen Künstlers müssen die Charaktere nicht nur mit den Ausschweifungen der Pariser Künstlerszene klarkommen, nein, ihre Reise führt sie auch in das albtraumhafte Paris des schwarzen Prinzen. Hier müssen sie sich ihren Ängsten stellen, um viel Schlimmeres zu verhindern.

Das Abenteuer weist einige gute Ideen auf. So müssen die Charaktere – und nicht zuletzt auch ihre Spieler – einige albtraumhafte Szenen durchleben, während sie durch die Straßen des schwarzen Paris streifen. Die Aussicht, seinen Kopf an eine Guillotine zu verlieren, ist dabei nur eines der prägnantesten Vorkommnisse. Allerdings verschenkt es auch Potenzial. Denn auf der einen Seite wird das von vielen Spielern hoch gelobte „Gaslicht“-Setting mit seiner ganz eigenen Atmosphäre völlig ausgehebelt, da weite Teile des Szenarios in dem mittelalterlich angehauchten Albtraum-Paris spielen. Auf der anderen Seite werden die Szenen in dem lasterhaften Paris des Gaslicht-Zeitalters kaum näher beschrieben und dienen nur kurzer Informationsbeschaffung. Zum dritten ist es für mich verwunderlich, dass auf mögliche Konstellationen und Motivationen der Charaktere zwar umfassend eingegangen wird, die von Pegasus eigens für Abenteuereinstiege geschaffene Janus-Gesellschaft aber nicht einmal erwähnt wird.

Der Aufbau des Szenarios ist – wie eigentlich bei allen cthuloiden Publikationen – vorbildlich gelungen. Einer Handlungszusammenfassung schließt sich eine ausreichend umfangreiche Handlungsbeschreibung an. In einem Anhang sind alle wichtigen Spielwerte von NSC zusammengefasst. Die Handouts, dank des Mediums PDF auch teilweise wieder in Farbe, sind erneut sehr gut gelungen und fangen das gewünschte Gefühl hervorragend ein. Das gesamte Layout ist weiter an das bekannte Layout der 3. Edition angepasst. Die Seiten wirken wie ein altertümlicher Foliant, die Bebilderung ist reichhaltig.

Fazit: „Der schwarze Prinz“ ist sicherlich kein schlechtes Abenteuer und man merkt dem Autor die Detailverliebtheit und Ideenvielfalt, mit der er das albtraumhafte Paris füllt, an. Allerdings macht es leider kaum etwas aus den Besonderheiten des „Gaslicht“-Settings, bleibt dadurch aber auf einfache Weise in andere Settings konvertierbar. Wer einmal „Gaslicht“-Luft schnuppern möchte, greift besser zu anderen Abenteuern, alle anderen machen mit dieser albtraumhaften Reise aber sicher nichts falsch.

Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

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