Der wilde Jäger

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 18. Februar 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerGefährlich ist’s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn.
– Friedrich Schiller

Aufbauend auf einer Sage aus dem Ruhgebiet eine kleine Idee zu einem Cthulhu-Szenario:

Der wilde Jäger hilft und verlangt Lohn
Es war einmal im Ruhrlande Mühlheim ein Jäger, der hatte sich schwer vergangen; und er wusste nicht aus noch ein, da ging er in den großen, dunklen Wald, um den wilden Jäger um Hilfe anzurufen. Der ließ auch nicht lange auf sich warten. Ein fernes Grollen, das zu mächtigen Donnerschlägen anwuchs, kündete sein Erscheinen an. Der Himmel bedeckte sich mit schwarzen Wolken, und ein Sturm tat sich auf, dass die Bäume wie Schilfrohre schwankte und sich fast bis zur Erde neigten. Dazwischen hörte man das wilde Kläffen der Meute, die den wilden Jäger auf all seinen Wegen begleitet. Und in all dem Tosen stand der junge Jäger stumm, mit schreckerfüllten Augen. Da erschien der wilde Jäger! Er stand an einer hohen dunklen Tannen und blickte mitflammenden Augen auf den jungen Jäger, der bei seinem Anblick auf die Knie gesunken war. Seine kalte, klare Stimme übertönte das Tosen um ihn her. „Was rufst du mich?“ „Hilf mir! Hilf! Um Gottes Willen!“ Ein schneidendes Hohnlachen antwortete ihm, dass die Meute wild aufbellte und umhersprang, der Sturm heulte und die Wipfeln der Bäume aneinander schlugen. Doch dann hob der wilde Jäger seine Hand; sogleich ebbte der Sturm ab, und seine zottigen, schwarzen Begleiter legten sich dumpf knurrend ins Moos. Noch einmal schrie der Jäger flehentlich: „Hilf, Hilf, um jeden Preis hilf!“ Diesmal blieb alles still um ihn her. Die schwarzen Hunde regten sich nicht; nur ihre großen Glutaugen gingen hin und her. Langsam, lauernd kam es von den schmalen eingekniffenen Lippen des wilden Jägers: „Um jeden Preis?“ „Um jeden!“ war die rasche und feste Antwort.“ „Dir soll geholfen werden!“ „Dank, Dank!“ Aufatmend wollte sich der junge Jäger erheben, doch ein donnerndes “Halt!” hielt ihn zurück. Als der Jäger fragend aufblickte, fuhr jener fort: „Du hast ein hübsches, schwarz-braunes Lieb, bring es mir am Dreikönigstag in den dunklen Hohlweg: Das sei mein Lohn!” Dem jungen Jäger war, als schnürte ihm etwas die Kehle zusammen. Er nickte stumm, schwang seine Büchse über die Schulter und ging mit schweren, schleppenden Schritten heim. Hinter ihm erklang noch das höhnische Gelächter des wilden Jägers, das Kläffen der Meute und der Hufschlag seines davoneilenden schwarzen Rappen.
Es ging gut. Dem Jäger war geholfen; doch wenn er sein liebes Mädel ansah, dann krampfte sich sein Herz zusammen. Der Dreikönigstag kam immer näher, und dem Jäger wurde immer banger. Am Vorabend aber fasste er einen Entschluss. Er nahm sein schwarz-braunes Mädel an die Hand, schwang die Büchse über die Schulter und ging in den dunklen Wald. Dort erschoss er sein Lieb und sich.

Der wilde Jäger aber saust heute noch durch das Land, die kläffende Meute hinter sich, und sucht seinen versprochenen Lohn. Am Dreikönigstag tobt er am schlimmsten; doch dann verschwindet er auch wieder, um im nächsten Jahre seine Suche wieder aufzunehmen. Und so wird er wohl noch alle Jahre durch die Lüfte jagen.

jagd_zeitung

Abenteuerideen
Der wilde Jäger sucht seinen versprochnen Lohn nun schon seit Hunderten von Jahren in den winterlichen Wäldern Mülheims, immer um den Dreikönigstag (06. Januar) herum. Nie hat er sich an jemandem vergangen, er blieb von den meisten ungesehen und ungehört. Doch im Jahre 1925 ist die Geschichte des Jägers wieder zu neuem Leben erwacht. Weißhaarige Frauen erzählen ihren Enkelkindern hinter vorgehaltener Hand von dem betrogenen Jäger der Finsternis und immer wieder werden Leichen von Frauen gefunden deren Haar schwarzbraun ist. Was geht vor in Mülheim, ist der Jäger es leid geworden auf seinen Lohn zu warten? Oder ist es nicht die Sagengestalt die die Morde verübt sondern nur ein allzumenschliches Schreckgespenst? Ist die Sorge der Polizei um braunhaarigen Mädchen und Frauen begründet, wenn ihnen des Nachts nicht gestattet wird das Haus zu verlassen oder ist die Haarfarbe gar nicht ausschlaggebend für den Mörder oder die Kreatur die sich in den Wäldern herumtreibt? Manchmal, so sagen einige Bewohner der Stadt, hört man das Jaulen und Bellen von Hunden in der Nacht, so laut das sie keinen Schlaf finden würden. Aber warum hören dann nicht alle Mülheimer dieses Bellen, ist es vielleicht ein Vorbote des Todes, wird die Meute des Jägers vielleicht sie in der Nacht holen?

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