Rezension: Viktoria-Kreuz

Im Laufe des letzten Jahres erschien mit „Cthulhu Gaslicht“ das dritte klassische „Cthulhu“-Setting als aufwändiger Hardcoverband. Seitdem ist es wieder ein wenig still um „Gaslicht“ geworden, doch nun schickt sich Pegasus an, weiteres Material für das Setting als PDF zu veröffentlichen. „Viktoria-Kreuz“ ist dabei eines von zwei neu geschriebenen Abenteuern.

Rezension - Viktoria-KreuzZunächst einmal ist es sicher sinnvoll darauf hinzuweisen, dass eine Rezension eines Abenteuers kaum komplett ohne Spoiler auskommen kann. Wer „Viktoria-Kreuz“ also noch als Spieler erleben möchte, dem sei angeraten, die nächsten drei Abschnitte zu überspringen.

„Viktoria-Kreuz“ nimmt seinen Anfang in der langen Geschichte der britischen Kolonien, genauer gesagt in dem Sepoy-Aufstand, der Indien in der Mitte des 19. Jahrhunderts erschütterte. Hier kämpften auch sieben tapfere Soldaten, von denen einer wahren Heldenmut bewies, doch beinahe sein Leben lassen musste. Die übrigen sechs erhielten das „Viktoria-Kreuz“, eine der höchsten Auszeichnungen der britischen Armee. Zurück in England machten die sechs allesamt eine beeindruckende Karriere. Heute, dreißig Jahre später, beginnt der siebte Soldat seinen Rachefeldzug …

„Viktoria-Kreuz“ verwendet einen sehr direkten Einstieg für die Charaktere, bringt es doch die Spielgruppe an Bord eines Schiffes zusammen, das auch gleich Ziel eines Attentats wird. Durch diesen direkten Einstieg ist es möglich, auch neue Gruppen sowie Charaktere unterschiedlicher Stände zusammenzubringen – ein Umstand, der im „Gaslicht“-Setting nicht ganz einfach sein kann.

Der weitere Handlungsverlauf ist sehr offen gestaltet und wartet mit zahlreichen interessanten Gegenspielern und potentiellen Verbündeten auf. Neben dem Soldaten auf Rachefeldzug und seinen mythosschwangeren Verbündeten können die Charaktere auf die chinesischen Triaden, britische Schlägerbanden und die Polizei treffen – allesamt verfolgen ähnliche Ziele. Haben die Charaktere einmal die meisten Rätsel gelöst, bahnt sich ein actiongeladenes und unwirkliches Finale an, das es wirklich in sich hat und vom Actiongehalt her wenig cthuloide Entsprechungen hat. Lobend erwähnen möchte ich darüber hinaus, dass das Szenario das besondere Spielgefühl des „Gaslicht“-Settings einzufangen vermag, spielt es doch nicht nur in der Gaslicht-Metropole schlechthin – London – sondern führt die Charaktere auch auf die Spuren des britischen Kolonialreiches.

Der Aufbau des Szenarios ist – wie eigentlich bei allen cthuloiden Publikationen – vorbildlich gelungen. Einer Handlungszusammenfassung schließt sich eine ausreichend umfangreiche Handlungsbeschreibung an. In einem Anhang sind alle wichtigen Spielwerte von NSC zusammengefasst. Das gesamte Layout ist weiter an das bekannte Layout der 3. Edition angepasst. Die Seiten wirken wie ein altertümlicher Foliant, die Bebilderung ist reichhaltig. Damit gibt es für die optische Erscheinung wiederum eine gute Note. Auf technischer Seite wartet das PDF mit einem umfangreichen Inhaltsverzeichnis auf.

Fazit: Ein abwechslungsreiches, detektivisches, aber auch actiongeladenes Abenteuer mit interessanten Charakteren, unheilvollen Mythosgegnern und vielen Verwicklungen und interessanten Entscheidungen. Darüber hinaus ist die besondere „Gaslicht“-Atmosphäre gut getroffen worden. Empfehlenswert.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

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