Rezension: Auf den Spuren H. P. Lovecrafts Band 2

Howard Phillips Lovecrafts schaffen war einflussreich: Nicht nur inspirierte er zahlreiche befreundete Autoren und verfasste auch selbst viele Kurzgeschichten, die heute als Klassiker gelten. Nein, auch heute noch finden sich viele Künstler, die sich in den von ihm erschaffenen Welten bewegen – so auch die Autoren des Comics „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“, von dem nun der zweite Band vorliegt. Wie gelungen ist diese Hommage?

Rezension - Auf den Spuren H. P. Lovecrafts Band 2Wie sein Vorgänger präsentiert der Band auf insgesamt 56 Seiten zwei Kurzgeschichten, Diese entstammen der – ebenfalls beim Verlag Torsten Low erschienenen – Kurzgeschichtensammlung „Die Klabauterkatze“. Die Illustratorin Stefanie Hammes nahm sich einer der Geschichten an, die andere illustrierte Angelika Barth.

Die erste Geschichte trägt den Titel „Die perfekte Musik“. Auf der Suche nach einem neuen Internetstar, dessen Musik zu dem Besten zählt, was in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht wurde, machen sich zwei junge Mädchen auf den Weg nach Norddeutschland. Am Strand der Ostsee, in dem verlassenen Weiler Winding finden sie denn auch das Ziel ihrer Suche – doch das Geheimnis, dass den jungen Musiker umgibt ist weitaus tragischer und tödlicher, als es sich ein Mensch je hätte ausmalen können… Direkt daran schließt sich „Im Knusperhäuschen“ an. Diese Geschichte war mein persönlicher Favorit in der Kurzgeschichtensammlung „Die Klabauterkatze“, und auch die Comic-Adaption ist gut gelungen: Als eine junge Familie in ein einsames Haus in einem finsteren Forst zieht, ahnt sie nicht, welche Konsequenzen das für sie haben wird. Die drei Kinder der Familie müssen als Protagonisten der Geschichte erleben, wie ihre Eltern sich verändern – bis sich die Ereignisse in einer einzigen, furchtbaren Nacht überschlagen.

Waren im ersten Band der „Auf den Spuren H. P. Lovecrafts“-Reihe in beiden Geschichten die Pate stehenden Erzählungen Lovecrafts zumindest zu erahnen, so emanzipiert sich der zweite Band deutlich. So finden zwar eine Menge deutlich cthuloider Begriffe in den Geschichten wieder, „cthuloid“ im Sinne Lovecrafts sind sie jedoch beide nicht. Zu weit haben sich die Autoren von den verschrobenen, einsiedlerischen Gelehrten entfernt, die in Lovecrafts Werken und dem seiner vielen Anhänger ein ums andere Mal verbotenes Wissen enthüllten und so ihren Verstand oder gar ihr Leben verloren. Eher zufällig stolpern die hier anzutreffenden Protagonisten in die Fallstricke des Mythos und finden ein jähes, für sie unerklärliches Ende. Das macht die Geschichten aber keinesfalls schlecht – und gruselig sind sie sicherlich allemal.

Die Adaption beider Kurzgeschichten auf das Comic-Format ist dabei gut gelungen. Tatsächlich geht nichts von der ursprünglichen Geschichte verloren und gerade Stefanie Hammes versteht es, mit ihren starken Schwarz-Weiß-Kontrasten ein düsteres Bild vom titelgebenden Knusperhäuschen und den schrecklichen Ereignissen zu zeigen. Deutlich weniger gefallen hat mir da der grobe und streckenweise fast albern wirkende Pinselstrich, der für „Die perfekte Musik“ gewählt wurde.

Fazit: Angenehm schaurig-cthuloide Kurzgeschichten in einer großteils ansprechenden grafischen Aufmachung. Wer auf der Suche nach einem guten Grusel-Comic zu einem fairen Preis ist, wird hier sicherlich fündig. Die Hommage an Lovecraft tritt aber deutlich weniger zutage, als noch beim Vorgänger.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von Verlag Torsten Low.

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