Ein Kult für alle Fälle (1?)

Hallo zusammen,

wie ich vor Kurzem berichtet habe, nutze ich die coronaverordnete Zwangspause im „regulären“ Rollenspielbetrieb dazu, mich einmal näher mit den verschiedenen Zufallstabellen auseinanderzusetzen, die Regelwerke und Quellenbüchern uns geneigten Rollenspielern oft an die Hand geben. Das betrifft auch den „Ein Kult für alle Fälle“-Kultgenerator aus dem CTHULHU-Quellenband „Von unaussprechlichen Kulten“. Ich war an der Entstehung dieses Bandes ja nicht ganz unbeteiligt und habe auch frühe Versionen dieses Generators zu Gesicht bekommen. Klar, auch damals haben wir ihn getestet. Ich bin dennoch schon ganz gespannt darauf, welchen Kult mir der Generator dieses Mal generieren wird.

Wie funktioniert das Ganze?
Es gibt einen ganzen Haufen unterschiedlicher Kriterien, von Motivation über Mitglieder bis zur Organisation und Kultgröße, die man über den Generator abfragen kann. Entweder lässt man sich von den Tabellen inspirieren ODER man würfelt sich durch. Als Randomizer alter Schule habe ich mich natürlich für die Würfelorgie entschieden. Die nackten Würfelergebnisse präsentiere ich hier in Liste:

Würfelorgie: die Ergebnisse…

  • Das Kultobjekt ist: eine außerirdische Rasse (6)
  • Ziel des Kultes: Schutz der Nachkommen eines Mythoswesens (7)
  • Der Kultgründer ist: ein Mensch (3)
  • Der Kultgründer: hinterließ eine Prophezeiung, ein Testament oder ein Rätsel (3)
  • Das Alter des Kultes ist: jung (20. Jahrhundert) (10)
  • Besonderes Ereignis in der Geschichte des Kultes: Bau eines bedeutenden Kultplatzes (6)
  • Organisationsform: hierarchisch (1)
  • wie: ein religiöser Orden oder Ritterorden (4)
  • Größe: sehr groß, bis 1.000 Personen (9+1)
  • Wirkungskreis: national (3+4)
  • Treffpunkt und Kultstätte: Steinkreis oder alte Ruine (9)
  • Am Treffpunkt findet man: ein Mythosartefakt (10)
  • An der Kultstätte findet man: Mythos-Kreaturen (11)
  • Erkennungszeichen: eine Verstümmelung oder Brandmal (10)
  • Geheimhaltung und Auftreten: sehr geheim (3)
  • Der (aktuelle) Kultführer ist: untot (10)
  • Der Kultführer…: …hat eigene Pläne (4), die er unter Zwang (12) unter der Beeinflußung eines Mythos-Gegenstandes (6) verfolgt.
  • Die Kultmitglieder sind: Menschen und Mythoswesen (6)
  • Die menschlichen Kultisten sind: aus der sozialen Unterschicht (6)
  • Die Nichtmenschen sind: Angehörige einer Mythosrasse (5)
  • Motivation der Kultisten: die Suche nach Erlösung (4)
  • Geldquelle: keine (1)
  • Kontakte: 1. ein weit verzweigtes Netz von Unternehmen (4+1)
    2. Ein verbündeter Kult (10+1)
    3. Politik, Adel, Königshaus (2+1)
  • Artefakt im Besitz des Kultes: die Präsenz eines Gottes (10+3)
  • Zugang zu Mythosbüchern: keine (1)
  • Herkunft des Artefakts: „schon immer“ im Besitz des Kultes (1)
  • Das Mythoswissen stammt…: …aus einer Ausgrabung prähistorischer Ruinen (5)
  • Zentrales Kultritual: Pervertierung einer bestehenden Religion (8)
  • Ritual an…: keltischen Feiertagen/Hexensabbaten (8)
  • Während der Riten sind die Kultisten…: …transformiert oder zeigen ihre Deformation (6)
  • Magisches Werkzeug: Kristallkugel oder Spiegel (5)

…und was daraus werden könnte
Das ist also das Ergebnis meiner Würfelei. Nun gilt es natürlich, dem ganzen noch ein wenig Fleisch auf die Rippen zu verfassen. Ich bin auch ehrlicherweise nicht mit jedem Wurfergebnis 100%ig glücklich, ein paar scheinen auch nicht so recht zueinanderzupassen. Doch das kann ja auch Teil des kreativen Prozesses sein.

Zunächst gilt es, eine außerirdische Rasse zu finden, die Ziel der Verehrung der Kultisten sein könnte. Zunächst hatte ich Freude an dem Gefallen von „Körperfressern“ gefunden, wie sie z.B. die Hschogfgn in „Gestohlene Leben“ sind, oder die Wanderer aus „Tod im Gepäck“. Doch das will mir nicht so recht zu der Größe des Kultes passen. Daher sah ich mich ein wenig im Malleus um, um eine passende Rasse zu finden. Nach einiger Zeit entschied ich mich für die L’gy’hx, Bewohner des Uranus, eine niedere Rasse die im Krieg mit den Shan liegt. Ich wählte bewußt eine Rasse aus, die einen eigenen Konflikt mit sich bringt, um die Motivationen des Kultführers zu erklären.
Dann musste ich einen Ort auswählen, in dem der Kult aktiv sein würde. Da er seinen Ursprung irgendwo in archäologischen Ausgrabungen hat, entschied ich mich für das heutige Italien. Und so sieht der Kult heute aus:

Die Kinder Uranus
Die Kinder Uranus sind ein Kult, der die außerirdische Rasse der L’gy’hx verehrt. Diese Rasse stammt ursprünglich vom Uranus, wo sie im Krieg mit den Shan gelegen haben, bis sie diese von ihrem Planeten vertreiben konnten. Einige wenige wurden allerdings von den Shan versklavt und mit auf ihre Reise genommen. Eine der Pyramiden der Insekten von Shaggai stürzte vor Jahrtausenden auf der Erde ab, wo sie dort niederging, wo Jahrhunderte später erst Pompeji errichtet werden sollte, um dann wiederum Jahrhunderte später im Ausbruch des Vesuvs zu vergehen.

Der deutsche Archäologe Richard Weitzman stieß im Zuge von Ausgrabungen auf Reste der abgestürzten Pyramide. Dabei weckte er die beiden letzten lebenden Wesen an Bord aus einem Stasis-Schlaf: eines der Insekten vom Shaggai, dass sich alsbald seiner bemächtigen sollte, als auch einen L’gy’hx. Der Shan im Kopf von Weitzmann erkannte seine Chance, zurück zum Uranus zu gelangen, wenn es dem L’gy’hx gelingen sollte, Kontakt mit seiner Rasse aufzunehmen. Also formte er erst aus den Arbeitern, später aus allen möglichen anderen Menschen einen Kult, der dem L’gy’hx zu Diensten sein sollte.

Die friedfertige Kreatur vom Uranus genoss wiederum die Aufmerksamkeit der Menschen, ohne weitere Gedanken an die Shan zu verschwenden. Als Zeichen seines Wohlwollens weihte er den Kult in die Anbetung von Lrogg, einem Avatar Nyarlathotheps, ein. Dies beinhaltet oft groteske Formen der Selbstverstümmelung, was später zum Erkennungszeichen des Kultes werden sollte. Es dauerte einige Jahre, in denen der Kult – getrieben von Weitzmanns Versprechen auf Erlösung durch den außerirdischen Heilsbringer – wuchs und gedieh, bis der L’gy’hx den Shan in Weitzmanns Kopf wahrnahm. Um den L’gy’hx zu täuschen, entledigte sich der Shan in Weitzmanns Kopf seiner sterblichen Hülle (nicht ohne vorher einige prophetische Visionen an seine Anhänger zu hinterlassen), um sich alsbald einer anderen Hülle zu bemächtigen. Zu diesem Zwecke belebte er ein vor kurzem verstorbenes Kultmitglied zu untotem Leben, um zum einen Weitzmanns Worten mehr Gewicht zu verleihen, zum anderen um weiterhin ungestört agieren zu können.

Während der Kult als Ganzes relativ harmlos ist und sich in der Ehrerbietung des L’gy’hx ergeht, so ist der Shan in dem untoten Körper in erster Linie daran interessiert, Kontakt zu Seinesgleichen und vielleicht sogar zu Azathoth herzustellen, den er immer noch glühend verehrt. Dass dies erhebliche Komplikationen für die Menschheit als Ganzes bedeutet, dürfte klar sein.

Ein Fazit?
Ein kurzes Fazit: Ich habe nicht jeden Punkt der Würfelorgie genutzt (…vieles ist dann doch eher im Spiel von Bedeutung, wenn der Kult in einem Abenteuer auftauchen sollte). Und ja, ich habe auch ein paar Ergebnisse eher interpretiert als wortgetreu verwendet. Doch das ändert nichts daran, dass der Generator eine hervorragende Inspirationshilfe ist. Mir fallen gleich einige Dinge ein, die man mit diesem Kult anstellen könnte. Und so soll es ja auch sein.

Das Autorennähkästchen III: Von unaussprechlichen Kulten

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. In bislang zwei Episoden im Laufe dieses Jahres konnte ich ein wenig von meiner Arbeit an offiziellen Publikationen aus dem (Autoren-)Nähkästchen plaudern. Und da es mir gelungen ist, meinen Namen auch im Impressum des neuesten Quellenbandes „Von unaussprechlichen Kulten“ zu platzieren, so möchte ich auch auf die Arbeit an diesem Band ein wenig zurückblicken und davon erzählen, wie eines zum anderen kam.

Als in einem Autorenrundbrief die Idee vorgestellt wurde, einen Band zum Thema „Kulte“ zu machen, war ich direkt Feuer und Flamme. Denn Kulte und ihre Kultisten sind der menschlichste und damit verständlichste Gegner, dem man bei CTHULHU gemeinhin begegnen kann. Diese Gruppierungen also mehr in den Fokus zu rücken, erschloss sich mir sofort. Nachdem wir ein wenig im Forum hin- und herüberlegt hatten, was alles in den Band reinkönnte, entschloss ich mich der Arbeitsgruppe beizutreten. Wir trafen uns per Skype, verteilten die Aufgaben untereinander und legten los.

Mir war bereits früh klar, dass ich kein Abenteuer für den Band beisteuern wollte. Tief in meinem Herzen hätte ich den Band sogar am Liebsten komplett als Quellenband angelegt und ihn komplett ohne Abenteuer gehalten. Die Mischung der Publikationsarten „Quellen-“ und „Abenteuer-„Band ist allerdings bei CTHULHU natürlich ein bewährtes Muster. Nichts desto trotz reizte mich der Quellenteil deutlich mehr. Der Quellenteil setzte sich nach unseren Planungen – und so ist es schlussendlich auch geblieben – aus drei Teilen zusammen: einem real-historischen Abriss über Kulte und Geheimbünde; einer enzyklopädischen Auflistung bekannter cthuloider Kulte sowie einem Kult-Generator, um Spielleitern die selber aktiv werden wollen, auch etwas an die Hand zu geben. Ich stürzte mich auf den real-historischen Quellenteil, während Julia Knobloch mit bewundernswerter Akribie begann, alle CTHULHU-Publikationen nach Kulten und Kultisten zu durchforschen. Nachdem ich mit meinem (schlussendlich ja auch recht kurzen) Teil fertig war, begann ich, Julia in ihrer enzyklopädischen Arbeit zu unterstützen. So konnte auch ich mein kleines Scherflein dazu beitragen, dass die Kulteliste so komplett ist, wie sie jetzt ist.

Eine besondere Freude war dann die Arbeit an dem Kult-Generator. Auch hier erledigte Julia den Löwenanteil der Arbeit. Mir blieb allerdings – gemeinsam mit unserem Redakteur Stefan – das besondere Privileg vorbehalten, den Generator in verschiedenen Stadien zu testen und zu kommentieren. Und natürlich auch lange bevor andere Spielleiter den Generator in die Finger bekommen konnten, spannende und gelungene Kulte zu erwürfeln. Ich denke, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Wie so oft, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere so ist auch hier wieder deutlich, dass die Zusammenarbeit mit anderen Autoren und dem Redakteur mehr erschafft, als die Summe der einzelnen Teile. Durch die Feedbackschleifen und das gegenseitige Unterstützen entstehen runde Texte, auf die ich – und ich denke, die anderen Autoren ebenfalls – stolz sein darf. Ich hoffe, dass Ihr viel Freude an „Von unaussprechlichen Kulten“ haben werdet, die Abenteuer genießt und vielleicht sogar den einen oder anderen Kult selbst erschafft. Wie immer freue ich mich über Feedback jedweder Art, gerne auch hier auf dem Blog!