Das Autorennähkästchen I: Die Davenport-Chronik

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. Während sich meine offizielle Publikationsliste bislang dennoch sehr knapp ausnahm, konnte ich in der vergangenen Zeit doch den einen oder anderen Text in der Redaktion platzieren. Einer davon hat nun den Weg zur Veröffentlichung gefunden. Es handelt sich um das Abenteuer „Requiem“, zu finden im Abenteuerband „Die Davenport-Chronik“.

„Die Davenport-Chronik“ beinhaltet verschiedene Abenteuer, die ursprünglich für das CTHULHU-Supportteam geschrieben wurden. Damit tritt sie sozusagen die inoffizielle Nachfolge des Abenteuerbandes „Upton Abbey“ an, der ebenfalls verschiedene Supportabenteuer vereinte. Inhaltlich beschreitet „Die Davenport-Chronik“ dennoch neue Wege, denn alle Abenteuer sind für die gleichen vorgefertigten Investigatoren – nämlich die namensgebende Familie Davenport – geschrieben. Dieser Bezug findet sich dennoch eher oberflächlich in den Abenteuern, doch allesamt funktionieren ganz gut mit den vorgeschlagenen Investigatoren. Dennoch ist es hier einfacher, eigene Investigatoren einzubringen als in manch anderem komplexen Investigatoren-Handlungs-Geflecht.

Während ihr es normalerweise gewohnt seid, an dieser Stelle Rezensionen cthuloiden Spielmaterials zu finden, kann ich natürlich schlecht einen Band rezensieren, an dem ich selbst mitgewirkt habe. Nichts desto trotz ist es mir ein Bedürfnis, darüber zu schreiben, weshalb ich mich dazu entschieden habe, ein wenig aus meinem persönlichen „Autorennähkästchen“ zu plaudern. Da ich mittlerweile an verschiedenen, cthuloiden Bänden mitarbeiten durfte und darf hoffe ich, dieses Nähkästchen noch das eine oder andere Mal öffnen zu können.

Die Geschichte des Abenteuers „Requiem“ ist lange und beginnt bereits im Jahr 2014. In diesem Jahr war eines der Stichworte des „OnePageContests“ von Blog-Kollege Greifenklaue das Wort „Weisheit“. Da ich wie immer etwas cthuloides beisteuern wollte, überlegte ich mir, wie ich dieses Stichwort cthuloid interpretieren konnte. So entstand die Idee, die eigentlich wahnsinnigen Investigatoren, die in einer Nervenheilanstalt einsaßen, zu „Weisen“ zu machen. Schlicht, indem die Welt um sie herum in einem irrsinnigen Chaos versank, dass sie – trotz aller Nervenkrankheit – zu den „Normalen“ werden ließ. Unter dieser Prämisse entstand der Einseiter „Weisheit & Wahnsinn“, den ihr immer noch hier im Downloadbereich finden könnt (KLICK). Von da an ruhte die Idee wieder und wart nicht weiter verfolgt.

Das änderte sich, als Heiko Gill sich auf die Suche nach neuen Support-Abenteuern begab. Im Support mag es sinnvoll erscheinen, die Regeln von CTHULHU ein wenig in den Vordergrund zu stellen oder sogar bestimmte Regelaspekte mehr zu betonen, um sie Neulingen vorstellen zu können. „Gehetzt“ aus „Upton Abbey“ beispielsweise macht exzessiven Gebrauch von den Verfolgungsjagdregeln. Diese Idee aufgreifend machte ich Heiko den Vorschlag, ein Abenteuer zum „Stabilitäts“-Mechanismus beizusteuern. Die Stabilität sollte oft getriggert werden und auch Geistige Umnachtungen und Anfälle von Wahnsinn sollten durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Heiko fand die Idee gut und so kramte ich „Weisheit & Wahnsinn“ ein zweites Mal hervor, um basierend auf dessen Konzept ein komplettes Abenteuer zu schreiben. Natürlich musste ich jetzt einige Prämissen ändern – es sollte für mehrere Investigatoren funktionieren und außerdem standen Scherben Azathoths gerade auf der aktuellen Black-List des Verlags. Also dichtete ich den Hintergrund entsprechend um und schuf eine breitere Bandbreite möglicher Stabilitätstrigger. Das Zwischenergebnis landete dann im Support.

Es ist natürlich großartig, wenn ein Abenteuer von verschiedenen Spielleitern im Vorfeld getestet wird. So gab der Support nach einigen Testrunden eine Menge sinnvolles und hervorragendes Feedback, welches in weiten Teilen Einzug in das Abenteuer gehalten hat. Die nun in „Die Davenport-Chronik“ vorliegende Variante wurde im Vergleich zur ursprünglichen Version noch einmal deutlich erweitert und ergänzt. Dank dieser großartigen Supportschleife ist „Requiem“ nun ein Abenteuer mit vielen starken Szenen geworden, viel besser, als meine ursprüngliche Version. Und das ist es schlussendlich auch, was ich an der Arbeit an einem Text mit mehreren Beteiligten so schätze: der kreative Input verschiedener Personen übersteigt meine eigenen Möglichkeiten natürlich um Längen.

Ich hoffe, dass Ihr viel Spaß mit „Die Davenport-Chronik“ (die noch drei weitere Abenteuer enthält, die ich euch gerne empfehlen möchte :-)) habt und freue mich darüber, wenn ihr mir vielleicht sogar ein bißchen Feedback zu „Requiem“ hier hinterlasst!

Die Arkham Akten – Der Fall Julia-Anne Kendall

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 10. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Julia-Anne Kendall
Betreuender Arzt: Dr. Benjamin Raft
Fallnummer: JAK-158/DF9

Fallbeschreibung:
Ich nutze diesen Raum für einen persönlichen Kommentar zu diesem außergewöhnlichen Fall. Ich kann bezeugen, dass nichts hiervon in irgendeiner Weise erfunden oder übertrieben dargestellt ist, es ist die reine Wahrheit. Ich bin der praktizierende Arzt für die 8 jährige Julia-Anne Kendall, die im Herbst des Jahres 1928 vom St. John Waisenhaus zu uns gebracht wurde. Es ist durchaus ungewöhnlich ein achtjähriges Kind in einem Sanatorium unterzubringen, doch sie müssen verstehen, dass der Fall wirklich sehr ernst war, wie sie aus der beiliegenden Akte ja entnehmen können. Wir richteten für das Mädchen einen eigenen Raum ganz in der Nähe des Schwesterzimmers ein und bemühten uns ein möglichst kindgerechtes Umfeld zu schaffen. Julia-Anne schien in den ersten Wochen nur wenig auffällig zu sein. Sie liebte es, sich kreativ zu äußern und legte dabei ein erstaunliches Talent an den Tag Bilder und neuerdings auch Skulpturen zu gestalten, die im rechten Licht betrachtet nicht nur außergewöhnlich kunstfertig, sondern auch zu einem gewissen Teil Angst einflössend waren. Ich war mir nicht klar, welche Dämonen dieses Kind zu diesem Zeitpunkt quälten, doch ich sollte es bald erfahren. Es war Anfang November als Julia-Anne die Maske vollendete. Es war ein schreckliches Ding und erinnerte an eine Gasmaske mit mehr als einem Schlauch und eine Schwester erschrak fürchterlich, als sie Julia-Anne zum ersten Mal mit dem Ding auf dem Kopf in der Zelle sah. Doch die Schwester war nicht die einzige die sich vor dem Ding fürchtete. Wir hatten Patienten die steif und fest behaupteten nachts von dieser Maske geträumt zu haben und das sich ihre Schläuche an den Köpfen fest sogen und fürchterliche Schmerzen verbreiteten. Pete Fredricks gehörte dazu, ein trunksüchtiger Ire, den ständige Halluzinationen plagten. Er war der festen Meinung, dass sich die Maske durch die Wände Zugang zu seiner Zelle verschaffen würde. Ich erhöhte daraufhin die Medikamentation und schob diese Geschichten beiseite, wie es jeder gute Arzt gemacht hätte. Ich versuchte jedoch Julia-Anne nach dieser Maske auszufragen, doch das Mädchen schien gar nicht zu wissen wovon ich sprach. Sie behauptete die Maske nicht gefertigt zu haben und das sie so etwas auch noch nie gesehen hätte. Ich beschloss daraufhin die Maske an mich zu nehmen und das Mädchen schien einverstanden zu sein, auch wenn ich meinte einen böswilligen Blick in ihren Augen gesehen zu haben, als ich die Tür hinter ihr schloss. Die Maske, aus Pappmaché gefertigt und für Kinderhände wirklich mit ausgefallnen Ziselierungen und Details bedacht, verbreitete, das gebe ich ganz offen zu, auch in mir ein unbehagliches Gefühl. Ich schob diese Gedanken jedoch beiseite und legte das Ding in eine Schublade und kümmerte mich um Julia-Annes Akte. Sie war schon immer kreativ veranlagt gewesen und vielleicht lag darin der Schlüssel für ihre Erkrankung und ich beschloss ihre Bilder und Plastiken genauer zu untersuchen. Ich muss darüber wohl eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen wieder öffnete war es bereits dunkel. Ich beschloss die Arbeit für heute zu beenden und nach Hause zu fahren. Die Akten legte ich zu der Maske und… Die Maske war verschwunden. Ich hörte außerhalb meines Büros Schritte, der Dieb konnte nicht weit sein. Draußen war jedoch niemand, ich sah nur das Licht aus Julia-Annes Zelle scheinen. Sie saß dort im Schneidersitz auf den Boden und nuschelte etwas in sich hinein. Ihr Kopf von der Maske bedeckt. Ein Schrei ging durch den Korridor, es war eine der hinteren Zelle. Als ich ankam war es schon zu spät. Pete Fredricks war tot. Auf seinem Schädel fand ich große runde Löcher. Das Gehirn war verschwunden. Daraufhin verlangte ich die Verlegung von Julia Anne, da ich mich nicht in der Lage sah, sie weiterhin zu behandeln, doch sie wurde abgelehnt. Nun sitze ich hier in meinem Büro und es ist inzwischen der fünfte Tod den wir zu beklagen haben und ich frage mich: Ist das Wohl vieler, bedeutender als das Wohl eines einzelnen? Und was ist, wenn der Einzelne ein Kind ist…

Die Arkham Akten – Der Fall John Doe

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: John Doe/Wuen Li-Ging
Betreuender Arzt: Dr. Clifford Samson
Fallnummer: JD-012/Q

Äußere Beschreibung:
Männlich, Alter in etwa 35 Jahre, asiatische Herkunft, Brillenträger, körperlich gesund, Name unbekannt in den Akten zu führen als John Doe, wie sich herausstellte mit richtigem Namen Wuen Li-Ging.

Besondere Merkmale:
Tätowierungen am ganzen Körper, vor allem im Bereich des Rückens, des Bauches und der Oberschenkel, Zeichen gehören zu einem mir unbekannten Alphabet.

Fallbeschreibung:
John Doe wurde von der örtlichen Polizei in Kingsport am Hafen aufgegriffen. Er machte einen verwirrten Eindruck und stammelte etwas in einer den Polizisten unbekannten Sprache. Aufgrund seiner asiatischen Herkunft, dachten die Beamten das es sich um Chinesisch oder dergleichen handelte, da der Mann jedoch einen völlig desorientierten Eindruck machte und zudem kein Wort Englisch sprach, wurde er auf die örtliche Wache mitgenommen. Zeitgleich kümmerte sich eine Streife darum am Hafen nachzufragen, ob der Mann irgendwo auf einem Schiff seinen Dienst getan hat, doch keiner der Kapitäne und Dockarbeiter kannte den Mann. Da sich sein Zustand auch nach einigen Stunden nicht besserte, verständigte man das Arkham Sanatorium und ich nahm mich des Unbekannten an. Er wurde um 16:40 schlafend eingeliefert. Da er sich in einem desolaten Zustand befand, ordnete ich ein Bad und eine Entlausung an, die von Pfleger Jackson durchgeführt wurde. Er berichtete später, dass der Patient erst bei der Entlausung die Augen aufschlug und wild zu schreien begann. Kurz nachdem John Doe ruhig gestellt wurde, verständigte mich Jackson. Als ich den Badbereich erreichte, zeigte Jackson nervös auf die zusammengesackte Gestalt am Boden. John Doe war über und über mit Tätowierungen bedeckt, doch Jackson schwor, dass sie vorher nicht da gewesen seien. Hier sei gesagt, dass Jacksons Akte (bis auf einige Kranketage) ausgezeichnet ist und ich seinem Wort Glauben schenkte. Da John Doe nicht bei Bewusstsein war, konnte ich einen genaueren Blick auf die Tätowierungen werfen, die einem Alphabet zugehörig waren, das mir noch nie untergekommen ist. Jackson brachte John Doe in seine Zelle und ich informierte die Universität Miskatonic. Drei Herren kamen, darunter auch Dr. Armitage, der Bibliothekar der Universität und wir untersuchten gemeinsam den Mann. Die Herren baten mich nach einer Weile sie und den Patienten allein zu lassen, ich folgte ihrem Wunsch und konnte die Zeit nutzen, meinen ausstehenden Bericht zu schreiben. Als die Wissenschaftler sich wieder bei mir meldeten, sagten sie, dass sie gerne mit John Doe sprechen würden, wenn er wieder zu sich kommen würde und ich bestätigte, dass ich sie sofort telefonisch informieren würde. Die Männer der Universität schienen beunruhigt und ich erinnere mich nun auch, dass einige unserer ärmsten Insassen eine doppelte Dosis an Beruhigungsmitteln benötigten um überhaupt etwas Schlaf zu finden. Am folgenden Tag, war John Doe ansprechbar, doch wie durch ein Wunder waren die Zeichen verschwunden!

Ich telefonierte Dr. Armitage an und trotz der morgendlichen Vorlesungen und universitären Verpflichtungen, eilten alle Drei sofort zum Sanatorium. Derweil führte ich mit John Doe ein Gespräch auf Englisch und der Mann, dessen Name sich als Wuen Li-Ging entpuppte, berichtete das er keinerlei Erinnerungen habe, wie oder warum er hierher nach Arkham gekommen ist. Das Letzte an was er sich erinnerte war, dass sein Schiff, die Maria-Julia in einen Sturm geriet. Kurz darauf kamen auch schon die Herren Professoren und sie baten mich Mr. Wuen zu entlassen, doch ich konnte dieser Bitte nicht nachkommen. Offensichtlich litt der Mann an einem schweren Fall von Amnesie und Persönlichkeitsstörung und so sehr ich Dr. Armitages Meinung auch schätze, ich musste ihm eine Absage erteilen, denn das Wohl des Patienten steht über allem. Mr. Wuen willigte ein noch einige Tage zur Beobachtung zu bleiben, doch zu einer Untersuchung kam es nicht mehr. In der Nacht auf den nächsten Tag verschwand Mr. Wuen spurlos. Kein Zeichen eines Ausbruches war vorhanden und auch der Nachtwächter, der alte Giles Fernham hatte nichts Besonderes gesehen. Ich verständigte Dr. Armitage über diese Tatsache und dieser zeigte sich sehr besorgt, doch zugleich beruhigte er mich in freundschaftlicher Weise und versicherte mir seine Hilfe, sollte ich sie brauchen. Trotz einer groß angelegten Suche und eines Phantomzeichners, ist Mr. Wuen nicht gefunden worden und einer der seltsamsten Fälle unseres Sanatoriums wird niemals zum Abschluss gebracht werden. Ich frage mich noch immer was diesem Mann nur passiert sein mag und wo er jetzt ist.

Gez.
Dr. Clifford Samson

Die Arkham Akten – Der Fall Dr. Douglas Harding

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Douglas Harding
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: DH-829/S

Fallbeschreibung
Dr. Douglas Harding wurde im September diesen Jahres eingewiesen. Harding war Dozent an der Universität Miskatonic im Bereich Anthropologie und Geschichte. In seiner gesamten Familie gibt es keinen ähnlichen Fall von paranoider Schizophrenie. Der Fall Harding unterliegt auch weiterhin der strikten Schweigepflicht und wurde selbst dem regionalem, wie überregionalem ärztlichen Fachpersonal nicht zugänglich gemacht.

Harding, der von seinen Studenten und Mitarbeitern immer als äußerst pflichtbewusst und eifrig wahrgenommen wurde, erlebte am 13. September diesen Jahres einen so schweren Schock, dass er in das Arkham Hospital gebracht werden musste. Nachdem keine körperlichen Gebrechen festzustellen waren, der Patient allerdings schwere psychische Störungen aufwies, wurde er hierher ins Arkham Sanatorium gebracht. Der Grund für diese Störung, die sich letztendlich als paranoide Schizophrenie herausstellte, ist weiterhin unklar. Interviews mit Harding sind äußerst schwierig, da er in beinahe jedem Menschen eine Gefahr für sich selbst sieht. Einzig einem Mann namens „Johnny Maxwell“ schenkt er das nötige Vertrauen. Er schreibt Briefe an ihn und das ist die einzige Art für uns etwas mehr über Harding herauszufinden. Im Folgenden nun eine Abschrift eines dieser Briefe:

Lieber Johnny,
Weißt du noch Johnny? Damals? Der Himmel war blau. Der Regen kam erst später. Wir waren da. Dann kamen sie. Den Tag werde ich nie vergessen.
Alles in allem Jahre vergingen. Ich rette den Tag ohne die Nacht. Ohne dich ist der Himmel gelb in grün, selbst beim Sonnenuntergang. Ach wären wir doch sie! Schön wären die Tage ohne zu wissen. Ich schließe mit den Worten die es sagen.
Lebwohl
Douglas

Dieser Brief mag als Beispiel für eine Vielzahl von anderen, ganz ähnlichen Schrieben dienen. Was mag diesen Mann, diesen gelehrten Mann nur derart zugrunde gerichtet haben? In meiner persönlichen Laufbahn habe ich derlei Fälle selten gesehen. Oft waren sie die Ausgeburt von jahrelanger Degenration und Inzucht, in abgeschotteten Dörfern, doch dieser Fall weißt keines dieser Merkmale auf. Wie eingangs erwähnt, gibt es in Hardings Stammbaum keinen Fall der auch nur irgendwelche Auffälligkeiten zeigt.

Recherchen über Johnny Maxwell führen trotz redlicher Bemühungen ins nichts. Die Bostoner Adresse auf dem Briefkopf ist nicht existent, oder vielmehr ist sie noch nicht existent. Nachforschungen zufolge, soll in 10 bis 15 Jahren am angegeben Ort ein Neubau errichtet werden, der den wachsenden Hunger der Wirtschaft vorerst stillen mag.

Empfohlene Behandlung
Bis auf weiteres verordne ich die bisherige Medikation und Elektrokrampfbehandlungen.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

Die Arkham Akten – Der Fall Edward James

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Patient: Edward James
Betreuender Arzt: Dr. Phillip Lammon
Fallnummer: EJ-901/G

Edward James ist bereits seit drei Jahren unser Patient. Sein zwanghaftes Verhalten hat sich in dieser Zeit verringert, aber seit neustem gibt es eine völlig andere Auffälligkeit in seinem Verhalten. Im Folgenden nun eine auf das wesentliche gekürzte Transkription des letzten Interviews:

Dr. Phillip Lammon: Was bedrückt sie Edward?
Edward James: Jemand ist hier!
DPL: Meinen sie mich?
EJ: Nein, Nein… ich meine JEMAND ist hier, hier in der Klinik.
DPL: Wen meinen sie?
EJ: Verstehen sie nicht, JEMAND, es könnte jeder sein!
DPL: Denken sie das sich hier jemand eingeschlichen hat?
EJ: Ja, ja! Genau, eingeschlichen hat sich jemand.
DPL: Haben sie ihn gesehen?
EJ: Ich bin nicht sicher. Ich vermute die neue Schwester!

Anm. Dr. Philip Lammon: Gemeint ist Schwester Catherine Jenkins, die erst vor 2 Wochen eine Vertretungsstelle für Schwester Ethel Holden angenommen hat.

DPL: Aber Edward, wir haben doch darüber gesprochen das sie Ethel vertritt. Ethel bekommt doch ein Kind, wissen sie nicht mehr?
EJ: Nein, nein. Ich meine Ja. Ich weiß das sie ausfällt und ihre Schichten montags, dienstags donnerstags und freitags von 6:00 in der Früh bis 16:00 am Mittag nicht einhalten kann und das die Vertretung sie von 6:00 in der Früh bis 16:00 Mittag an jedem Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag vertreten wird. Das weiß ich doch, aber die neue, sie isst nicht.
DPL: Was?
EJ: Sie macht keine Pause von 9 Uhr bis 9:30. Sie macht keine Pause von 12:30 bis 13:00. Ich habs gesehen. Sie isst nie!
DPL: Vielleicht hat sie keinen Hunger Edward?
EJ: Nein hat sie nicht. Aber sie lockt die anderen.
DPL: Sie lockt sie?
EJ: Oh ja, sie lockt sie, ich habs gesehen. Sie ging zu Fred rein Zelle 154 DG, rechter Flügel, vierte Tür auf der linken Seite. Sie wollte ihm das Essen bringen, aber sie war 27 Minuten drin, ich habs gezählt.
DPL: Edward, was denken sie über Schwester Catherine?
EJ: Sie ist jemand aber sie ist keiner von uns?
DPL: Von uns?
EJ: Kein Mensch!
DPL: Das denken sie nur, weil sie bei Fred 27 Minuten in der Zelle war?
EJ: Nein, das denke ich, weil sie es mir gesagt hat und weil ich der nächste bin. Fred macht es nicht mehr lange hat sie gesagt dann holt sie mich! Ich will nicht, sie hat schlimme Dinge gesagt, ich, ich… DA!

Anm. Dr. Phillip Lammon: Schwester Catherine stand an der Tür mit etwas Kaffee, ich hatte danach verlangt und vergessen ihr Bescheid zu geben. Ich musste Edward James starke Beruhigungsmittel geben damit er ruhig blieb. Schwester Catherine hat angeboten den Zustand des Patienten zu überwachen. Ich lehnte ab, Edward war äußerst angespannt und diese Feindlichkeit gegenüber Schwester Catherine, die wirklich nur die besten Referenzen besaß, ist mir fragwürdig. Möglicherweise ein Rückfall in sein zwanghaftes Verhalten, aufgrund des Personalwechsels.

Gez.
Dr. Phillip Lammon

RPG-Blog-O-Quest Dezember 2016: Bestiarium

rpg-blog-o-quest_logo3Mit dem Dezember hat sich die Zeit des Keks-Naschens, der vorweihnachtlichen Besinnlichkeit und der Glühwein-Besäufnisse auf diversen Weihnachtsmärkten klammheimlich in den Kalender geschlichen. Zeit für die nächste RPG-Blog-O-Quest!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt, in abwechselnder Reihenfolgen, Würfelheld oder Greifenklaue dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres HIER.

1. Welches Monster ist Dein Favorit und warum?
Gleich die erste Frage vermag ich kaum zu beantworten. Ich denke, das liegt an den unterschiedlichen Herzen, die in meiner Brust schlagen. Natürlich mag ich Fantasy, habe ewige Zeiten „DSA“ gespielt und gerade in der jüngeren Vergangenheit haben sich „Beyond the Wall“ und „Aborea“ deutlich auf meinen Monitor geschoben. Hier sind es eindeutig Drachen und Drachenartige, die ich dank ihrem großartigen Hintergrund und ihrer ambivalenten Rollen wegen sehr schätze. Außerdem sind sie einfach beeindruckende Wesen.
Auf der anderen Seite ist dies natürlich ein cthuloider Blog und der Großteil meiner rollenspielerischen Freizeit beschäftigt sich nun einmal mit „CTHULHU“. Hier sind es wohl die „Tiefen Wesen“, die es mir am ehesten angetan haben. Natürlich ist Cthulhu persönlich ein großartiges Monster, Dunkle Junge ebenso – aber die Tiefen Wesen eignen sich eben hervorragend für Gegnerkonstellationen jeder Art – vom Kanonenfutter bis zum absoluten Angstmacher. Und die literarische Vorlage, Schatten über Innsmouth, ist einfach zu grandios.

2. Dein bisher prägendes Monster-Erlebnis war?
Ich glaube die erste Begegnung meiner Investigatorengruppe mit dem Wesen, welches „Das Sanatorium“ (ein Abenteuer aus dem vergriffenen Dementophobia-Quellenband) bedroht. Es war ein großartiger Moment, als der Detektiv seinen Kopf durch die Dachluke steckte, das Wesen sah, seinen Stabi-Wurf vergeigte und „vor Angst gelähmt“ war. Seine Kameraden sahen dann nur noch, wie plötzlich seine Füße unter schmatzenden Geräuschen in die Höhe gerissen wurden. Ruhe in Frieden.

3. Wenn ich ein/e Hybrid der tiefen Wesen wäre, würde ich zuerst möglichst viel von dem Gold beiseite schaffen. Wer weiß, ob es mit der Transformation tatsächlich klappt…?

4. Wie findest Du in Deinem Lieblingssystem die gebotenen Monster?
Das „Malleus Monstrorum“ läßt wirklich keine cthuloiden Wünsche offen. Eigentlich könnte ich anführen, dass mir die „Unnahbarkeit“ von Mythosmonstern gegen den Strich geht – doch das Malleus liefert genügend Alternativen, denen man mit einer Schrotflinte recht problemlos beikommen kann… Also: Ich finde die gebotenen Monster großartig!

5. Ich wünsche mir, das Monstern auch mal etwas Schlimmes passiert?

Und die obligatorische Bonusfrage:

6. Monsterjäger ist bei CTHULHU keine dankbare Aufgabe sondern führt recht schnell ins Sanatorium.

Rezension: Königsdämmerung

Neben Cthulhu ist Hastur – oder eher sein Avatar „Der König in Gelb“ – eine der ikonischsten Figuren des vielseitigen Cthulhu-Mythos. Nun widmet Pegasus diesem Großen Alten mit „Königsdämmerung“ eine eigene Kampagne. Wie gelungen ist die Auseinandersetzung mit dem Unaussprechlichen?

rezension-koenigsdaemmerung„Königsdämmerung“ ist die Übersetzung der amerikanischen, von Chaosium verlegten Kampagne „Tatters of the King“ aus dem Jahr 2008. Entgegen dem amerikanischen Original erscheint die deutsche Version als gewichtiges Hardcoverbuch, dem dankenswerterweise auch gleich ein Lesebändchen spendiert wurde. Bei über 200 Seiten Kampagnenmaterial ist das mehr als hilfreich. Doch worum geht es eigentlich? Bevor ich diese Frage beantworte, will ich Leser, welche die Kampagne noch als Spieler erleben wollen, warnen. Denn völlig spoilerfrei wird die Inhaltswiedergabe nicht werden. Es sei ihnen also angeraten, gleich zum Fazit vorzuspringen.

In „Königsdämmerung“ ruht der Blick Hasturs auf der Erde. Die Sterne stehen günstig und in Zeitraum von Oktober bis März sind die Hyaden am Nachthimmel zu sehen, Heimstatt des Unaussprechlichen. Während sensible Menschen, allen voran Künstler, seinen Einfluss spüren und wirre Kunstwerke erschaffen, erreicht die Investigatoren ein Brief des Leiters eines Sanatoriums. Er bittet sie, ihm bei einem besonderen Fall von geistiger Verwirrung zur Seite zu stehen…

In den folgenden Episoden überschlagen sich die Ereignisse. Dabei stoßen die Investigatoren nicht nur auf einen finsteren Kult, der beabsichtigt, den Großen Alten Hastur zu beschwören. Nein, sie müssen gleich zwei ehemals verbrüderte und nun gegeneinander arbeitende Kulte verfolgen und daran hindern, großes Unheil über die Welt zu bringen. Dabei bietet „Königsdämmerung“ umfangreiche Recherchen, actionreiche Zwischensequenzen, finstere Widersacher, einprägsame Charaktere und absolut grandiose Schauplätze. Ja, ein Teil der Handlung spielt sogar im legendären Carcosa am See Hali.

Die Kampagne gehört zu den sehr lovecraftesken Abenteuern, die für „CTHULHU“ erhältlich sind. Nur wenigen der Antagonisten wird eine übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung gerecht, vielmehr vermischen sich unterschiedliche Grauschattierungen zu interessanten Charakteren. Auch den Investigatoren werden moralisch schwerwiegende Entscheidungen abverlangt und nicht zuletzt das beinharte Finale führt ihnen die Sinnlosigkeit ihrer Taten und ihre eigene Wertlosigkeit gnadenlos vor Augen. Damit sprüht die Kampagne vor puristischem Charme, ist damit aber auch vielleicht nicht mehr jedermanns Geschmack.

„Königsdämmerung“ ist dabei ein wenig sperrig aufbereitet. Die Handlung ist in drei Bücher (große Kampagnenabschnitte) mit insgesamt zwölf Kapiteln unterteilt. Der Großteil des Textes ist als Fließtext aufbereitet, wobei wichtige Regelerklärungen oder Spielwerte von Gegnern und anderen NSC in gut sichtbaren Extrakästen untergebracht sind. Nichts desto Trotz wird es durch die schiere Menge Fließtextes natürlich schwieriger, einzelne Passagen während des Spielabends herauszusuchen. Eine intensive Vorbereitung durch den Spielleiter wird damit Pflicht. Außerdem leidet „Königsdämmerung“ an mancher Stelle – nicht zuletzt in den beiden großen Finalen, die der Band bietet – unter akutem Railroading, um auch all die fantastischen Szenen, die Autor Tim Wiseman erdacht hat, sicher unterzubringen.

Die optische Aufbereitung des Bandes hat mir wieder sehr gut gefallen. Die verwendeten Schriften sind gut lesbar, das Schriftbild klar. Zahlreiche zeitgeschichtliche Fotografien zieren die Seiten. Ergänzend wurden wie auch schon im Grundregelwerk einige Zeichnungen aus dem amerikanischen Original übernommen, welche die Stimmung des Bandes hervorragend einfangen. Lektorat und Korrektorat haben einen guten Job gemacht. Lobend erwähnen möchte ich auch einmal mehr die absolut grandios aufgemachten Handouts, die in großer Zahl für mehr Haptik sorgen. Für die technische Seite gibt es damit wiederum eine gute Note.

Fazit: „Königsdämmerung“ ist eine sehr lovecrafteske Kampagne mit großartigen Szenen, abwechslungsreichen Herausforderungen, interessanten Gegenspielern und zwei beinharten Finalen. Schwächen zeigt es in der komplexen Aufbereitung und den stark gescripteten Szenen. Wer eine spannende, abwechslungsreiche aber auch trostlose und fordernde Kampagne sucht, wird hier garantiert fündig. Nicht zuletzt dank des niedrigen Verkaufspreises eine glatte Kaufempfehlung für alle Puristen, denen Pulp und Action bei „CTHULHU“ nicht so wichtig sind.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Winter OPC 2014: Meine Beiträge

Hallo zusammen,

da ist er schon wieder vorbei, der diesjährige (bzw. letztjährige?) Winter-OPC der Blogs Greifenklaufe und Würfelheld. Wie in jedem Jahr habe ich mit großer Freude teilgenommen, und fast ebenso traditionell bin ich an einer ordentlichen Platzierung vorbeigerauscht. Ich möchte an dieser öffentlichen Stelle allerdings keine Selbstreflexion starten – stattdessen freue ich mich darüber, immerhin einen Beitrag in den TOP24 platzieren zu können – gerade bei der qualitativ UND quantitativ hochwertigen Konkurrenz – bedanke mich ein weiteres Mal bei den Ausrichtern und spreche allen Gewinnern meinen aufrichtigen Glückwunsch aus.

Was habe ich in diesem Jahr zusammengebastelt? Nun, auf diesen Seiten ist es Tradition, diese Frage rasch nach dem Bekanntwerden des OPC-Rankings zu beantworten. So will ich es auch in diesem Jahr halten:

Dagonji

„Dagonji“ ist schlußendlich eine Idee, die mir schon seit ein paar Monaten im Kopf umherspukt. Es ist ein cthuloides Szenario basierend auf dem Film „Jumanji„. Die Charaktere werden in ein völlig verrücktes Würfelspiel hineingezogen und müssen sich alsbald aller möglichen maritimen Gefahren erwehren. Neben dem Spielbrett und einer groben Ablaufbeschreibung enthält der Einseiter noch eine Zufallstabelle mit verrückten bis verrücktmachenden Begegnungen – inspiriert auch durch Meilensteine der Filmgeschichte wie „Sharknado„.

Ihr merkt, bierernst gemeint ist dieses Szenario natürlich nicht. Und auch Hintergrundpuristen werden ein paar Mal kräftig schlucken müssen, habe ich doch gerade Dagons Hintergrund stark gedehnt, um den diesjährigen OPC-Themen gerecht zu werden. Vielleicht mag es der eine oder andere brauchen.

Weisheit und Wahnsinn

Der zweite (eigentlich erste, aber schlechter platzierte und daher zweite :-)) Beitrag ist deutlich klassischer. Er spielt in einem Sanatorium, in dem eines Morgens nichts mehr so ist wie es eigentlich sein sollte und einen einzelnen (vorgefertigt mitgelieferten) Charakter auf eine wahnsinnige Reise schickt. Als One-on-One konzipiert funktioniert er m. E. aber auch gut mit einer Gruppe. Letzten Endes war eine Seite allerdings vielleicht doch zu wenig Platz um das Szenario so auszuformulieren, wie ich es mir eigentlich gedacht hätte.

So, dass waren sie, meine zwei Beiträge. „Nanu, hat er in den letzten Jahren nicht immer drei Beiträge eingereicht?“, könnten treue Leser dieses Blogs nun fragen. Tatsächlich gibt es noch einen dritten Beitrag von mir, allerdings habe ich einmal cthuloide Gewässer verlassen und eine Kreatur für „Dungeons & Dragens 5E“ entworfen. Die ist zwar weder wahnsinnig innovativ noch irgendwie erfolgreich gewesen (:-)), aber als erste Fingerübung kam sie mir recht – auch, wenn ich beim dritten Lesen (natürlich NACH dem Versand) noch einige inhaltliche Fehler feststellen musste.

Wir lesen uns zu diesem Thema auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder. Der OPC war und ist eine großartige Institution!

Seanchui

PS: Die – ungleich erfolgreicheren – cthuloiden Autorenkollegen haben ihre Beiträge bereits veröffentlicht: Chaotisch Neutral hat die Fiasko-Kulisse „Wenn die Sterne richtig stehen“ online gestellt, Stefan Droste von Cthulhus Ruf sein „New Albion„. Seht’s Euch unbedingt an!

Rezension: In Labyrinthen – Dunkle Pfade im Osten

In der heutigen Rezensionen wenden wir uns wieder einem etwas älteren Werk zu. Etwas älter? „In Labyrinthen“ hat mittlerweile 12 Jahre auf dem Buckel, ist längst nicht mehr verfügbar und wird großteils nur noch zu Phantasiepreisen gehandelt. Doch ist der Band das heute noch wert?

in labyrinthen„In Labyrinthen“ stammt aus der frühen Ära des cthuloiden Rollenspiels bei Pegasus. Als Chefredakteur zeichnete damals Wolfgang Schiemichen verantwortlich, der für seine akribische Art bekannt gewesen sein soll. Das Cover entspricht in der Aufmachung den damals üblichen Collagen, zeigt deutlich den großen Cthulhu und ist ansonsten etwas schwer zu entziffern und wirkt unruhig. Der Softcoverband kommt mit einer stabilen Klebebindung und griffigem Papier daher – er wirkt langlebig. Das Layout wußte schon damals zu gefallen – angebrannt wirkende Seiten, ein klares Schriftbild, der hübsche Leonardo-Font und zahlreiche Photographien sorgen für eine gelungene Optik.

Wenden wir uns dem Inhalt zu – und Achtung! Es wird GESPOILERT! Eröffnet wird der Band mit einem Hintergrundartikel über indianische Medizinmänner. Ausreichend umfangreich und nicht langweilig geschrieben, wirkt er hier einfach ein wenig deplaziert – immerhin nimmt keines der enthaltenen Szenarien wirklich Bezug auf das Thema. Es folgt ein kurzer Text über „besseres Spielleiten“, der anhand eines Szenarios aus dem Band als Beispiel zeigt, wie aus einem mäßigen Abenteuer ein guter Spieleabend werden kann.

Klingt komisch – anhand eines mäßigen Abenteuers aus dem Band? Ja, das erste Szenario, „Das Nest“ ist ein sehr mäßiges Szenario aus dem Frühzeit des Cthulhu-Rollenspiels. Mancher mag es Klassiker nennen, doch heutzutage lockt man wohl niemand mit diesen Zutaten hinter dem Ofen hervor: der Anruf einer alten Bekannten, dann wird ein vermeintliches Geisterhaus aufgesucht und im Keller findet man dann einen langweiligen Dungeon und ein paar cthuloide Monster. Dass der Redaktion dieses Dilemma durchaus bewußt ist, beweist der vorangestellte Spielleiter-Artikel. Warum das Szenario dennoch übersetzt und in den Band aufgenommen wurde, bleibt wohl ein Rätsel.

Es folgt „Der Fall“ – ein ähnlich uninspiriertes und langweiliges Suchspiel. Ein Bekannter der Charaktere landet im Sanatorium und verhält sich äußerst seltsam. Tatsächlich so seltsam, dass die Charaktere seinem Haus einen Besuch abstatten… die Hälfte der Ereignisse ist eher optional, und wie aus dieser Aneinanderreihung von Begegnungen und Zufällen ein spannender Plot entstehen soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Mit „Das entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald“ liegt nicht nur das Debüt-Abenteuer vom späteren Chefredakteur Frank Heller vor uns, nein, es ist auch noch unbestritten der Höhepunkt des Bandes. Hier treffen die Charaktere auf ein Geisterhaus, dass es wirklich in sich hat. Der Autor zieht wirklich alle Register des Schreckens, legt intelligente Rätsel und sorgt für einen schön cthuloiden Rahmen. Auch abseits dieser Publikation ein starkes Szenario!

Es folgt „Autonarren„. Die Charaktere werden in einen Autounfall verwickelt. Kurze Zeit später werden sie von ihrem Unfallgegner angeheuert – sie sollen seinen verschollenen Bruder finden… es ist wenig cthuloides in diesem Szenario zu finden, dafür ist es zumindest solide und spannend. Die Mythoswerke, die gefunden werden können wirken ein wenig aufgesetzt und auch der cthuloide Hintergrund, der von der deutschen Redaktion ergänzt wurde, tritt weder in Erscheinung noch wirkt er wirklich stimmig. Solide, mehr nicht.

Wirklich enttäuscht war ich dann von „Der Gott im Labyrinth„. Das Szenario beginnt stark, stirbt doch der Auftraggeber der Charaktere bei ihrer ersten Begegnung einen spektakulären Tod. Was folgt ist aber ein eher mäßig gruseliger Dungeoncrawl zusammen mit einem Großen Alten, von dessen Aufeinandertreffen mit den Charakteren aber abgeraten wird. Aber möglich wärs. Und was der Spielleiter dann damit anfängt, das überlassen wir ihm. Aha. Ich halte mich gewiß nicht sklavisch an Abenteuertexte, wenn ich ein Szenario leite, aber ich fühle mich doch immer besser wenn ich das Gefühl habe, der Autor hatte eine Idee, als er mit dem Schreiben begann…

Abgerundet wird der Band von einem umfangreichen Anhang, in dem Briefe, Mythostexte, Notizen und ähnliche Handouts zu finden sind. Die sind allesamt hübsch gemacht, jedoch nicht mit der heutigen Qualität der Handouts zu vergleichen. Dafür sind sie universell genug, um sie auch außerhalb der angedachten Szenarien verwenden zu können.

Fazit: Es mag ein wenig unfair sein, den Band aus heutiger Sicht zu beurteilen. Er erschien nach einer langen Durststrecke der deutschen Cthulhu-Rollenspieler und sicherlich war es eine bewußte Entscheidung, Klassiker zugänglich zu machen. Nach den vielen hervorragenden Abenteuer- und Quellenbänden, die ihm gefolgt sind, wirkt er aber etwas durcheinander, ungeschickt zusammengestellt und einfach altbacken. Ein wirklich gutes und ein solides Szenario sowie die zahlreichen Handouts reißen meine persönliche Note aber noch auf ein „mittelmäßig“.

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Janobiten: Blanche und Reginald Hayman

Vor einiger Zeit veröffentlichte ich eine PDF-Datei mit ein paar beispielhaften Janobiten „niederen“ Ranges, verbunden mit der Drohung, diese PDF beizeiten erweitern zu wollen. Außerdem habe ich mir ja ohnehin vorgenommen, hier auch mal etwas mehr Spielmaterial zu präsentieren. Entsprechend folgen hier zwei weitere NSC-Janobiten; die PDF-Datei, die Ihr unter Selbstgeschriebenes finden könnt, ist ebenfalls entsprechend erweitert.

 

Blanche und Reginald Hayman

Beschreibung

4881972819_a458d073de_oBlanche und Reginald Hayman sind seit fast zwanzig Jahren verheiratet. Die beiden Mittvierziger lernten sich bereits an der Schule kennen und lieben und haben eigentlich ihr ganzes Leben zusammen verbracht.

Reginald arbeitet als Bibliothekar in der British Museum Library. Seine Gattin Blanche wiederum arbeitet als Pflegerin in einem Sanatorium für gut betuchte Familien, die ein ungeliebtes da schwachsinniges Mitglied gut versteckt wissen wollen. Sie wurden unabhängig voneinander von beruflichen Bekanntschaften auf die Janus-Gesellschaft aufmerksam gemacht und eingeführt. Sie genießen es, dass sie sogar das Geheimgesellschaftsleben miteinander teilen können.

Blanche ist eine resolute Dame mit modischem Kurzhaarschnitt, Reginald ist von kräftiger Statur, trägt Brille und stets einen leicht altmodischen Anzug. Beide sind von einer stillen Würde, die man sonst nur bei englischem Adel vermuten würde und mögen es gar nicht, auf ihren Fünf-Uhr-Tee zu verzichten.

Verwendung im Spiel

Beide Haymans können hervorragend als Kontaktperson eingesetzt werden. Reginald hat in der British Museum Library Zugriff auf Tausende und Abertausende Bücher, Blanche weiß mit Sicherheit etwas über ihre Patienten und deren Familien zu erzählen – sie unterliegt auch keiner Schweigepflicht. Gegen das Gesetz werden beide aber nicht verstoßen wollen – doch womöglich ergibt sich zwischen den Beiden noch eine ganz andere Situation…

 

Blanche Hayman

Fakultät: Pax (London)

Rang: Magister

Beruf: Pflegerin

ST 10  KO 9   GR 12  IN 16   MA 12

GE 14  ER 14  BI 17   gS 45

Trefferpunkte: 10

Magiepunkte: 12

Schadensbonus:

Angriff: entrüstete Ohrfeige 80%, Schaden 1W2

Fertigkeiten: Buchführung 22%, Cthulhu-Mythos 8%, Erste Hilfe 53%, Horchen 48%, Pharmazie 37%, Psychoanalyse 19%, Überzeugen 58%

Zauber: Älteres Zeichen, Gnädiges Vergessen

 

Reginald Hayman

Fakultät: Pax (London)

Rang: Magister

Beruf: Bibliothekar

ST 12  KO 10 GR 12  IN 15   MA 11

GE 13  ER 13  BI 19   gS 55

Trefferpunkte: 11

Magiepunkte: 11

Schadensbonus:

Angriff: Faustschlag 50%, Schaden 1W3+Sb

Fertigkeiten: Ansehen 35%, Archäologie 42%, Bibliotheksnutzung 88%, Geschichtskenntnisse 69%, Okkultismus 23%, Verborgenes Erkennen 61%

Zauber: Stimme des Ra (unbewusst)

 

Begegnungen mit dem Mythos

Blanche stieß bereits vor Jahren während ihrer Arbeit auf die Spuren des Mythos, als ein völlig verwahrloster Unbekannter mit Amnesie als Notfall in ihr Sanatorium eingewiesen wurde. Einige ihrer Freunde aus der Janusgesellschaft interessierten sich auffällig für den Fremden und schon bald weihten sie Blanche ein: der junge Mann war auf Geheimnisse gestoßen, die offenbar nicht für den menschlichen Geist gemacht waren. Ihre Freunde, Mitglieder der Tardot-Kommission, erkannten das Potential, dass in einer Kontaktperson im Sanatorium steckte, und führten sie in den elitären Zirkel ein.

Reginald wiederum stieß während seiner Recherchen in altem, ägyptischen Material auf Berichte über den sagenumwobenen schwarzen Pharao. Sein Interesse an Okkultismus ließ ihn weiterforschen. Zwar glaubt er längst nicht alles, was er in den alten Folianten geschrieben stand und ist sich in keiner Weise bewusst, welchen Weg er gerade beschreitet; doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis er das Interesse der Tardot-Kommission erregt…

Szenarioidee

Blanche Hayman ist verzweifelt. Sie ist sich bewusst, auf welchem gefährlichen Pfad ihr Mann wandelt, wann immer er wieder einen der verstaubten Folianten aus der Bibliothek mit nach Hause bringt, um ihn zu studieren. Bislang hat sie es nicht fertig gebracht, die Augen der Tardot-Kommission auf ihren eigenen, geliebten Ehemann zu lenken. Aus dieser verzwickten Lage ergeben sich verschiedene Einstiegsmöglichkeiten für die Charaktere.

  • Blanche tritt an die Charaktere heran und bittet sie um Hilfe. Wie kann ihr Mann von den verbotenen Büchern getrennt werden?
  • Ein anderes Mitglied der Tardot-Kommission wird auf Reginald aufmerksam und setzt die Charaktere auf Blanche, die Verräterin in den eigenen Reihen an. Wie verhalten sich die Charaktere, wenn sie von Blanches wahren Beweggründen erfahren?
  • Blanche entschließt sich, ihren Mann an die Tardot-Kommission zu verraten. Nach einem Anschlag wendet sich dieser hilfesuchend an andere Janobiten, die Charaktere. Wie reagiert Reginald, wenn er von der Verstrickung seiner Frau erfährt?