RPG-Blog-O-Quest #55: Dunkles Geheimnis

Ein neuer Monat, eine neue RPG-Blog-O-Quest. In diesem Monat übernimmt wieder „der Würfelheld“ die Organisation und stellt fünf sehr unterschiedliche, aber irgendwie aktuelle Fragen zu unserem liebsten Hobby. Und da ich hier ja zu nix mehr komme, ich aber immerhin meine weiße Blog-O-Quest-Weste behalten will, beantworte ich mal wieder ein paar Fragen.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. Was war das schlimmste was je ein Charakter von Dir getan hat?
Mein langjährig gespielter Bornischer Schiffer (DSA) war ein leidlich götterloser Geselle und hat seine von der Boronkirche auferlegte Pilgerwallfahrt schrecklich unernst genommen. Das war wohl vor dem Kontext des aventurischen Kontinents reichlich frevelhaft und damit etwas „Schlimmes“. Ansonsten: wir haben es bisher – in all meiner Zeit – sehr gut geschafft, uns nicht als Murderhobos zu betätigen. Insofern kann ich hier nicht von Blutbädern oder anderen schlimmen Verbrechen berichten.

2. Hat ein Charakter von Dir ein dunkles Geheimnis und was muss passieren das dieses an die Oberfläche kommt?
Ich spiele aktuell keinen Charakter, sondern bin Dauer-Spielleiter. In Ausnahmen bin ich in One-Shots aktiv, da sind ja gerne mal SC-Geflechte vorgegeben.

3. Dunkles Geheimnis hin, Dunkles Geheimnis her, was ist dabei eine Grenze die Du nicht überschreiten möchtest / wurdest?
Keiner meiner Charaktere würde jemals Kindern etwas angetan haben. Punkt.

4. Hast Du schon einmal ein dunkles Geheimnis eines anderen Charakters (Spielers) gelüftet?
Nein. Das hat sich nie ergeben.

5. Nach Deinen gemachten Erfahrungen, planst Du Deinen Charakteren auch in Zukunft ein dunkles Geheimnis zu geben?
Nein, denn ich plane im Moment gar keine eigenen Charaktere.

RPG-Blog-O-Quest #54: GKs-Mixed Up 2020

Ein neuer Monat, eine neue RPG-Blog-O-Quest. In diesem Monat übernimmt wieder „Mastermind Greifenklaue“ die Organisation und stellt fünf sehr unterschiedliche, aber irgendwie aktuelle Fragen zu unserem liebsten Hobby. Und das ohne viel „Gelaber“, also höre ich auch an dieser Stelle auf, einleitende Worte zu finden :-).

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1.) Kinder im Rollenspiel zu spielen, egal ob 1W6 Freunde, Tales from the Loop oder Kleine Ängste, find ich _______________________ ! Und hast Du schon?
Kinder im Rollenspiel zu spielen, egal ob 1W6 Freunde, Tales from the Loop oder Kleine Ängste, find ich eigentlich eine ganz, ganz hervorragende Idee. Alle drei genannten Rollenspiele habe ich mit großer Freude gelesen. Aber: gespielt habe ich das noch nicht. Zum einen ist es der immer viel zu knappe Zeit-Slot, der diese Experimente bislang verhindert. Zum anderen stelle ich mir das Spielen von Kindern auch unglaublich schwierig vor. Denn ich erkenne schon an meinen eigenen Kindern, wie anders sie an vielen Stellen einfach denken, wie die Einschätzung von wichtig/unwichtig auseinanderdriftet und welche Probleme sie beschäftigen. Das WIRKLICH umzusetzen ist glaube ich sehr schwierig. Was nicht heißt, dass ich nicht definitiv plane, dem LOOP einmal einen Besuch abzustatten :-).

2.) Apropos Tales from the Loop – wie gefällen Dir Alternate History-Szenarien und was hast Du da schon gespielt?
Alternate History mag ich immer und immer wieder gerne. Wenn man so will ist CTHULHU ja ein einziges Alternate History-Szenario. Aber auch TftL hat mir sehr, sehr gut gefallen. Gespielt habe ich beispielsweise „Deadlands“ und „Cthulhu“, mehr will mir gerade nicht so recht einfallen.

3.) Egal ob Stadtwache oder Elitetrupp Sprungtruppen – hattest Du schon thematische Gruppen und wie fandest Du es? Wenn noch nicht, welche thematisch orientierte Gruppe würde Dir vorschweben – und wie wird es mechanisch interessant bzw. unterschiedlich? Ist Dir das überhaupt wichtig?
Ja, es gab durchaus thematische Gruppen in meiner Rollenspielkarriere. Die meisten haben allerdings keine lange Karriere gehabt. Bei One-Shots ist das üblich, doch auch, wenn wir in früheren DSA-Zeiten so etwas probiert haben (wir hatten mal eine Zwergengruppe und auch schon einmal eine Thorwaler-Ottajasko) hat das irgendwie nie so recht gezündet. Wahrscheinlich, weil das Gras auf der anderen Wiese doch immer etwas grüner ist und man die Flexibilität einer „normalen“ Heldengruppe dann doch irgendwann wieder bevorzugt.
Reizvoll fände ich das Thema vielleicht noch mit einem der Warhammer-40.000-Rollenspiele wie „Deathwatch“ oder „Only War“. Aber ich schätze, dass ich mich hier auch eher zu einem Few-Shot denn zu einer ganzen Kampagne hinreißen lassen könnte.

4.) Abstieg nach Avernus: Reizt Dich ein Ausflug in die Unterwelt?
Nein, bisher nicht. Ich kann gar nicht so genau sagen, woran das liegt… wahrscheinlich, weil das „Hölle“-Thema mit als alten Cthulhu-Fan nicht so richtig anspricht :-). Nein, ich weiß es nicht.

5.) Star Trek vs. Aliens: Beide großen Franchises bekommen bekommen in Kürze auch eine deutschsprachige RPG-Version. Wenn Du Dich entscheiden _musst_, was von beiden spielst Du lieber und warum?
Aliens. Das Setting von Star Trek konnte mich noch nie richtig abholen. Ist wohl einfach Geschmackssache. Von Alien wiederum habe ich verhältnismäßig wenig Ahnung, dafür fallen mir direkt fünf One-Shots ein, die ich hier konvertieren würde und/oder selber schreiben könnte. Da geht bei mir das Kopfkino einfach schneller an.

6.) Die BONUS-Frage: Die nutz ich, um zu fragen – Hast DU nicht mal wieder Lust und Laune, eine Blog-O-Quest auszurichten? Die Termine sind ab Juni noch offen …
…ich denke darüber nach. Versprochen.

Rezension: Schwarzer Mond

Als „Seanchui goes Rlyeh“ noch jung war, war eine meine ersten Amtshandlungen, mir einen Überblick über den damals bereits gigantischen Backkatalog cthuloider Veröffentlichungen zu machen. So wunderte es vielleicht nicht, dass die ersten Rezensionen auf diesen Seiten Material gewidmet war, das längst ausverkauft und nicht mehr ohne weiteres zu bekommen war. Ich selbst habe lange als „Jäger und Sammler“ daran gearbeitet, meine cthuloide Bibliothek so weit zu vervollständigen, dass ich das Gefühl haben konnte, „mitreden“ zu können. Ein umfangreiches Wissen über die bisher erschienenen Abenteuer half mir schlussendlich nicht nur beim Einordnen späterer Rezensionen sondern ist auch für mich mittlerweile als Mitglied des Autorenteams von Vorteil. Der langen Vorrede knapper Sinn? Ich habe mal wieder ein besonderes Schätzchen aus der Bucht gefischt und es mit großem Interesse gelesen. Die Rede ist vom 1994 veröffentlichten „Schwarzer Mond“, einem Abenteuer für CTHULHU, dass unter dem Label „Armageddon Press“ erschien und wohl von der „RuneQuest Gesellschaft e.V.“ herausgegeben wurde. Von den beiden Autoren Sebastian Weitkamp und Kai Christoffer ist mir zumindest ersterer Name in einem ganzen Haufen späterer Publikationen auch weiterhin begegnet. So, widmen wir uns „Schwarzer Mond“.

Die Aufmachung von „Schwarzer Mond“ stimmt direkt nostalgisch. Das Abenteuer erscheint als 34seitiges Heft mit Klammerbindung. Das Heft ist komplett in schwarz-weiß gehalten. Das man sogar Grauabstufungen aussparte, führt bei einigen der verwendeten Photographien zu Rätselraten. Bei den meisten eingestreuten Bildern fällt dieser Umstand aber nicht weiter ins Gewicht. Insgesamt wirkt der Band dadurch allerdings wie aus einem Guss. Die Karten sind nach heutigen Maßstäben eher… zweckdienlich als hübsch, aber gerade die handgezeichnete Umgebungskarte in der Heftmitte hat durchaus Fanzine-Charme. Ähnliches muss man allerdings auch über die Handouts sagen, die zwar – ganz cthulhu-typisch – in Mengen vorliegen, im Design aber sehr, sehr schlicht gehalten sind. Gepaart mit dem einfachen, zweispaltigen Blocksatz hat man wirklich das Gefühl, ein mit Liebe zusammengestelltes Fanzine vor sich zu haben. Das kann vielleicht nicht mit der Präsentation modernen Rollenspielmaterials mithalten, dafür ist die Präsentation übersichtlich und zweckdienlich.

Doch genug der äußeren Werte, worum geht es denn nun? Da ich „Schwarzer Mond“ wohl kaum ohne Spoiler besprechen kann, sei an dieser Stelle die obligatorische Warnung vor selbigen ausgesprochen. Liebe Spieler, der Rest dieses Textes widmet sich an Eure Spielleiter! „Schwarzer Mond“ führt die Investigatoren 1929 nach Kanada, genauer gesagt in das kleine, am Sklavensee gelegene Städtchen Rae. Hier machen sie sich auf die Suche nach einem verschwundenen Mounty, der auf der Suche nach einem verschwundenen Kind ebenfalls verschwand. Zunächst verlaufen alle Spuren irgendwo im Sande, denn die örtliche Polizei macht andere Angaben als andere Zeugen und jeder scheint sich irgendwie zu widersprechen. Schlussendlich gehen aber die Einwohner Raes davon aus, dass der Mounty schon bald wieder auftauchen wird.

Doch das wird er sicher nicht. Was die Spieler an dieser Stelle noch nicht ahnen können ist, dass wenige Tage vor der Ankunft der Investigatoren ein örtlicher Kult – unter der Führung von den Geistern längst verstorbener Kultisten – den Großen Cthulhu höchstselbst heraufbeschworen hat. Dieser liegt nun am Grunde des Sklavensees und wartet auf ein letztes Ritual, um die Siegel des ewigen Schlafes endgültig brechen zu können. Neben dieser sehr endgültigen – wenn auch noch unsichtbaren – Bedrohung sind auch mittlerweile die meisten Einwohner des Städtchens zum Kult konvertiert. Sei es, weil sie Cthulhu höchstselbst gesehen und darüber den Verstand verloren haben oder weil sie wirklich an die Einflüsterungen der jahrhundertealten Lehren glaubten. Den unwissenden Investigatoren steht also eigentlich (fast) das ganze Dorf feindlich gegenüber. In der Folge werden sich die Ereignisse überschlagen. Die Gruppe wird belogen, betrogen, bedroht, irgendwann aus dem Dorf geworfen, (teilweise) wieder entführt und muss schlussendlich alle mühsam zusammengetragenen Puzzlestücke zusammensetzen, um das letzte Ritual der Kultisten zu verhindern. Andernfalls streift Cthulhu höchstselbst in den nächsten Tagen ungehindert über den nordamerikanischen Kontinent…

Die Prämisse des Abenteuers ist zumindest interessant und ist mir in dieser Form auch noch nicht untergekommen. Nein, die cthuloide Apokalypse ist noch NICHT über die Menschheit hereingebrochen, aber DOCH, das ganze Dorf ist voll von Verrückten, die einen Großen Alten gesehen haben. Zumindest vor diesem Hintergrund ist es ein sehr ungewöhnliches Szenario, und auch der Einsatz der verschiedenen Nichtspielercharaktere ist entsprechend oft ungewöhnlich. Davon abgesehen unterscheidet sich das Szenario allerdings kaum von vielen investigativ gefärbten Abenteuern. Es gilt, einige Hinweise zusammenzusuchen, Verbündete zu finden und schlussendlich ein Ritual zu verhindern, um das Ende der Menschheit zu vereiteln.

Der Weg dorthin ist allerdings – leider – mit einigen Unvollkommenheiten des Abenteuers gespickt. Da ist zum einen die Aufbereitung. Zwar hat man an viele kleine Abschnitte mit Zwischenüberschriften gedacht, was das Wiederauffinden von Informationen eigentlich erleichtern sollte. Doch leider sind nahezu alle Informationen in prosaischem Fließtext gehalten, so dass der Spielleiter entweder vorher Stichwortsammlungen anlegen muss oder seine liebe Mühe haben wird, die gewünschte Information auf die Schnelle zu finden. Machen wir uns nichts vor: ich bin ein Freund von prosaischem Fließtext, hilft er mir doch, etwas in Stimmung für das Szenario zu kommen. Hier aber schießen die Autoren manches Mal übers Ziel hinaus (…wenn sie z. B. den voraussichtlichen Gemütszustand der Investigatoren oder ihre wahrscheinlichsten Handlungen beschreiben). Ein zweiter Fallstrick sind einige Szenen, die man pures Railroading nennen muss. Einige NSC können nicht kontaktiert werden („egal, was die Investigatoren auch tun“), während manche Schlüsselszenen (wie die oben angesprochene Entführung zum Finale hin) die Investigatoren sogar komplett ausser Gefecht setzen, ohne ihnen einen Ausweg zu erlauben. Da ist noch ein wenig Nacharbeit vom Spielleiter gefordert, um hier den Spielern kein Gefühl der Gängelung zu geben.

Überhaupt hat der Spielleiter hier Einiges zu erledigen. Denn immerhin sollte die düster-drohende Atmospähre eines Dorfes, in dem jeder Einwohner dem Wahnsinn und dem Tod bereits ins Auge geblickt hat und das dazu noch unter der direkten Nähe eines Großen Alten leidet, irgendwie für die Spieler spür- und greifbar gemacht werden. Das Abenteuer bietet dazu nur wenig Anregungen – einige Vignetten dazu hätten mir noch gut gefallen.

Fazit: Ein interessantes Abenteuer, das muss ich sagen. Aufbereitet mit dem Charme des Selbstgemachten. Wer es noch irgendwo auftreiben kann, macht hier nicht viel falsch. Es lohnt sich.

Rezension: Sandy Petersen’s Cthulhu Mythos

„Dungeons & Dragons“ und H. P. Lovecrafts Großer Alter Cthulhu: Nur auf den ersten Blick haben diese beiden Themengebiete nichts miteinander zu tun. Denn Rollenspielschöpfer Gary Gygax empfahl bereits in seinem berühmten „Appendix N“, jener Leseliste, die er der ersten Edition von „Dungeons & Dragons“ beifügte, seinen Spielern, sich näher mit Autoren aus Providence zu beschäftigen.

Und so verwundert es vielleicht nicht, dass bereits in frühen Inkarnationen des ersten Rollenspiels der Welt lovecraftsche Schrecken Einzug hielten. Diese eher ungewöhnliche Symbiose hielt sich dann auch konsequent über die Jahre. Immer wieder gab und gibt es Abenteuer für „Dungeons & Dragons“ oder auch das Derivat „Pathfinder“, die sich dem schrecklichen Cthulhu-Mythos widmen. Dass ein Fantasy-Szenario mit seinen strahlenden Helden es traditionell schwer hat, seinen Spielern Horror zu vermitteln, fällt hierbei kaum ins Gewicht. Denn die gewählte Herangehensweise unterscheidet sich schlussendlich doch von klassischeren Horror-Rollenspielen, was völlig in Ordnung ist.

Sandy Petersen ist natürlich vielen Rollenspielern durch seine Arbeit an „Call of Cthulhu“, dem Urvater aller cthuloiden Rollenspiele ein Begriff. Kaum jemand verfügt über einen derartigen Erfahrungsschatz, wenn es um lovecraftsches Rollenspiel geht, wie Petersen. Für seine eigene Spieleschmiede Petersen Games schuf er vorliegendes Werk, „Sandy Petersen’s Cthulhu Mythos“ für die neueste Inkarnation von „Dungeons & Dragons“, die fünfte Edition. Und so schließt sich ein weiteres Mal der Kreis und Fantasy-Helden dürfen sich mit Lovecrafts Schrecken messen.

Schon ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis verrät die schier unglaubliche Materialfülle, die Petersen hier zusammengetragen hat. Stolze 424 eng bedruckte und großzügig illustrierte Seiten warten auf den Leser. Wer sich bereits ein wenig mit lovecraftschem Rollenspiel auskennt, wird sich gleich heimisch fühlen. So finden sich Regeln für Geistesgestörtheiten, ein Mythos-Grimoire, die geistzersetzenden Folianten des Mythos, liebgewonnene Kulte sowie ein umfangreiches Bestiarium wieder. Aber ein wenig der Reihe nach.

Die ersten Kapitel des Buches wenden sich an die Spieler. So werden gleich vier neue, spielbare Rassen vorgestellt, deren Verbindung zum Cthulhu-Mythos überdeutlich ist. So ist es nun möglich, Katzen aus den Traumlanden ebenso zu verkörpern wie die unheimlichen Mythos-Ghoule, die aquatischen Gnorri oder die hinterhältigen Zoog. Auf den nächsten dreißig Seiten werden dann neue Klassenoptionen für alle möglichen Charakterklassen sowie einige universelle Hintergründe vorgestellt. Hintergründe wie „Irrenarzt“ oder „Mythos-Kultist“ laden dazu ein, die Monstren des Mythos nicht nur zu einer Begegnung am Wegesrand zu machen, sondern gleich die Helden mit dem Mythos zu verstricken und ihn so zum zentralen Kampagnenelement zu machen. Die folgenden Regeln für Furcht und Geistesgestörtheit sind recht rasch abgehandelt und in erster Linie simpel und funktional. Misslungene Proben führen zu Furchtstufen, und wer genügend Furchtstufen ansammelt, läuft Gefahr, nicht nur spielmechanische Nachteile zu erhalten, sondern auch eine Geistesgestörtheit. Abgerundet wird der Spielerteil dann mit neuen Zauberspruchlisten – die so ikonische Sprüche wie „Das ältere Zeichen“ oder diverse „Rufe/Binde“-Zauber beinhalten – sowie einer Beschreibung der bekanntesten Mythosfolianten – allen voran natürlich das gefürchteten Nekronomikons.

Das nächste Kapitel stellt dann Mythos-Kulte und Kultisten aller möglichen Rassen sowie unterschiedlichster Mythos-Entitäten vor. Interessant sind hier die neu eingeführten Rassen – wie die widerwärtigen Tcho-Tcho –, aber auch an eine Beschreibung, wie sich die „klassischen“ Rassen angesichts des Mythos einbinden lassen, wurde gedacht. Die nächsten beiden Kapitel sind zugleich die umfangreichsten des Bandes und erweitern das Arsenal des Spielleiters um eine erkleckliche Anzahl schrecklicher Wesenheiten. Das erste der beiden Kapitel widmet sich den furchtbaren „Großen Alten“, zu denen zum Beispiel Cthulhu persönlich gehört, sowie den äußeren und älteren Göttern, wie dem Dämonensultan Azathoth. Das Kapitel gibt sich große Mühe, jede dieser gottgleichen Wesenheiten zu etwas Besonderem zu machen. Neben reinen Spielwerten werden Umgebungseffekte vorgestellt sowie verschiedene Eskalationsstufen, in die sich diese Wesenheiten entwickeln können. Die hohen Herausforderungsgrade dieser Wesenheiten machen deutlich, dass eine Begegnung mit einer einzelnen dieser Kreaturen den Höhepunkt einer langen Kampagne darstellen sollte. Das letzte Kapitel stellt dann die eher „normale“ Monstren des Mythos vor: Vom Älteren Wesen bis zum Yothaner sind hier alle möglichen und unmöglichen Kreaturen aufgeführt. Umfangreiche Indizes runden den Band schlussendlich ab.

Die Illustrationen des Bandes sind mit dem Adjektiv „opulent“ nur unzureichend beschrieben. Die Zeichnungen bewegen sich auf einem einheitlichen, hohen Niveau und sind äußerst zahlreich über die verschiedenen Seiten verstreut. Ob die direkte Bebilderung der lovecraftschen Wesen etwas von ihrem Schrecken nimmt, darüber mag man streiten. Lovecraft beschrieb seine Wesen schließlich selbst oftmals als „unbeschreiblich“. Dennoch sind die Illustrationen gelungen. Auch das Layout mit seinen verschnörkelten Hintergründen weiß zu gefallen. Technisch gibt es damit nichts zu meckern.

Fazit: Wer darüber nachdenkt, den Cthulhu-Mythos mit seiner „Dungeons & Dragons“-Kampagne zu verbinden, der kommt an diesem Band kaum vorbei. Das gelieferte Material ist umfassend, erschöpfend und inspirierend. Die hohe Informationsdichte, die Kreativität im Umgang mit den Großen Alten und das ansprechende Design lassen nur eine gute Note zu. Empfehlenswert!

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf www.ringbote.de

Neuerscheinungen der dLG

Die deutsche Lovecraft-Gesellschaft war erneut fleißig und hat zwei Neuerscheinungen auf den Markt geworfen. Auch, wenn zumindest das FHTAGN-Abenteuer schon ein paar Tage erhältlich ist macht es sicher Sinn, hier noch einmal gesondert darauf hinzuweisen.

Lovecrafter #6

Mit ein wenig Verspätung hat sich die sechste Ausgabe des Lovecrafters auf den Weg zu den Mitgliedern gemacht. Alle anderen haben die Gelegenheit, auch diese Ausgabe im Cthulhu-Webshop zu erstehen. Aus dem Inhalt:

Im letzten Jahr erschienen verschiedene Bücher der deutschsprachigen Lovecraft-Autorenschaft. Die Redaktion hat drei von ihnen rezensiert. Top oder Flop, Lesen oder Lassen – das ist hier die Frage!

Streng genommen gehen alle Lovecraft-Aktivitäten auf einen Verlag zurück: Arkham House. Die Deutsche Lovecraft Gesellschaft hat einen Blick 80 Jahre zurück geworfen und beleuchten die Arkham-House-Bücher, die längst Klassiker sind.

Wie die Deutsche Lovecraft Gesellschaft auf der Morpheus Con im Januar festgestellt haben, herrscht großes Interesse am FHTAGN-Rollenspiel. Mit Chateau d’Épernay präsentiert unsere Kreativabteilung ein neues, exklusives Szenario.

Wer gerne lovecraftsche Videospiele zockt, findet im aktuellen Heft einen Überblick über den „digitalen Wahnsinn“ der letzten 25 Jahre. Außerdem weitere Rezensionen und die aktuellen Vereins-Infos, alles verpackt im gewohnt schicken Layout und hochwertig produziert!

Inhaltsübersicht
Vorwort – Blasphemisches vom Chefredakteur
Vereinsseite – Wortgeflüster aus dem Vorstand
Titelstory: Von Sauk City nach Arkham – 80 Jahre Arkham House
Lovecrafter – Rezensionen:
Irre(n) ist ko(s)misch – Der Schrecken im Flöz
R’lyeh – Über den neuen „Reiseführer“
Frutti di Mare – Stadt unter dem Meer
Lovecrafter Play:
Chateau D’Epernay – Ein FHTAGN-Szenario im großen Krieg
Der Rabe – Eine Kreatur für FHTAGN
Digitaler Wahnsinn – Lovecraftsche Videospiele
Alles ist besser mit Tentakeln, oder? – Über cthuloide Spiele.
Soth – Kultisten gegen Ermittelnde. – Eine Systemvorstellung

Amnesie

Und auch für FHTAGN ist ein neues Szenario erschienen, ebenfalls erhältlich im Webshop:

Amnesie ist ein FreeForm-Abenteuer von Matt Cowens für FHTAGN

Sechs Charaktere wachen zu Beginn des Szenarios auf, ohne dass sie sich daran erinnern können, wer sie sind oder wo sie sich befinden. Lediglich eine leichte Ahnung beschleicht sie, was für eine Persönlichkeit in ihnen steckt.
Klingt abgedroschen?
Dann überrascht Amnesie vielleicht umso mehr und sorgt für eine schnell eskalierende Achterbahnfahrt, während die Erinnerung Stück für Stück zurückkommt.

RPG-Blog-O-Quest #53: Blinde Flecken

Ein neuer Monat, eine neue RPG-Blog-O-Quest. Dankenswerterweise hat ackerknecht in diesem Monat die Organisation übernommen und stellt der bloggenden Rollenspielgemeinde fünf Fragen. Und was für welche, denn Lückentexte finde ich immer sehr schwer zu beantworten! Außerdem ist es ja sehr spannend, einmal die eigenen blinden Flecken zu erforschen!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1) Obwohl ich mich selbst als _____________ bezeichne, habe ich noch nie ______________________, und ich plane auch nicht, das zu ändern, denn ______________.
Obwohl ich mich selbst als Horrorfan bezeichne, habe ich noch nie ein anderes „Horror“-Rollenspiel als CTHULHU gespielt, und ich plane auch nicht, das zu ändern, denn meine rollenspielerische Zeit ist knapp bemessen und der Kosmos Lovecrafts unglaublich weit.

2) _________________________ ist mein Lieblings-Rollenspiel. ____________________ ist ein Kernelement davon, das ich bisher geflissentlich ignoriert habe, denn ___________________.
CTHULHU ist mein Lieblings-Rollenspiel. Der Themenkomplex um die Geistige Stabilität ist ein Kernelement davon, das ich bisher geflissentlich ignoriert habe, denn wir spielen zumeist OneShots, während denen es vielleicht einmal zu einer geistigen Umnachtung, nie jedoch zu längerfristigen Konsequenzen kommt.

3) Genug der Selbstkritik. Zeit um mal mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen. Ich werde nie verstehen, wie jemand ernsthaft dieses Hobby betreiben will, wenn man noch nie ____________________.
Ich werde nie verstehen, wie jemand ernsthaft dieses Hobby betreiben will, wenn man noch nie über den Tellerrand der heimischen Systeme und Runde geblickt hat, und sich kreativen Input reinholt.

4) Der Eskapodcast hat sich unlängst mit Kartendecks und anderen Gadgets befasst. Ich könnte mir aber nicht vorstellen, jemals mit __________ zu spielen.
Ich könnte mir aber nicht vorstellen, jemals mit einer elektronischen Würfel-App zu spielen. Es müssen echte Würfel sein, die über den Tisch rollen. Punktum.

5) 2020 ist ja noch jung. Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal überhaupt…
O … ein Spiel leiten.

Ähm, nein. Bereits erledigt.
O … einmal kein Spiel leiten, sondern einfach Spieler sein.
Nein, auch Spieler war ich bereits.
O … ein spielleiterloses Spiel spielen.
Das könnte tatsächlich passieren. Wir planen locker „Ein ruhiges Jahr“ in diesem Jahr zu testen.
O … ein würfelloses Spiel spielen.
Würfellose Spiele hatte ich bereits einige – von Skat bis MauMau :-). Im Rollenspielsektor bislang allerdings nicht.
O … larpen.
Nein.
O … Tabletop-Minis bemalen.
Hm, das habe ich schon hinter mir.
O … an einem RSP-Karneval oder einer Blog-O-Quest teilnehmen.
Nein, auch bereits erledigt.
O … einen RSP-Karneval oder eine Blog-O-Quest ausrichten.
Auch bereits erledigt.
O … zu einer Con fahren.
Auch bereits erledigt.
O … am Gratis-Rollenspiel-Tag teilnehmen.
Wahrscheinlich nicht.
O … am Gratis-Comic-Tag teilnehmen.
Hm, wohl eher nicht. Allerdings hat mich der gute Greifenklaue in diesem Jahr mit seiner Reading-Challenge angefixt und ich arbeite mich mit großer Begeisterung durch verschiedene Comics und Graphic Novels… vielleicht werde ich ja noch ein Fan.
O … einen Beitrag beim WOTC einreichen.
Dabei seit schon immer, glaube ich.
O … an einer der August-Aktionen „RPG-a-Day“ oder „Wider den RPG-a-Day“ teilnehmen.
Auch bereits erledigt.

Bonusfrage: Jetzt das ganze noch mal zum Thema Medien. Mein Lieblingsgenre in Film/Fernsehen/Literatur ist Comedy. Ein absoluter Meilenstein in diesem Genre soll ja „How I met your mother“ sein, aber ich glaube nicht, dass ich da etwas verpasst habe, denn die Charaktere konnten mich in den paar Minuten hineinzappen einfach nicht anfixen.

RPG-Blog-O-Quest #52: Rückblick auf 2019

Ein frohes neues Jahr, liebe Leser! Traditionell beschäftigt sich die Blog-O-Queste im Januar mit einem Rückblick auf das vergangene Rollenspieljahr. Und das ist wie immer eine sehr gute Gelegenheit, einen Startpunkt in das diesjährige Blogjahr zu finden. Die Fragen findet Ihr im Start-Post des diesmonatigen Quest-Betreuers Greifenklaufe!

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. Welches Rollenspielereignis war für dich am prägnantesten/lustigsten/einprägsamsten in 2019?
Oha, das ist tatsächlich etwas schwierig. Ich habe tatsächlich gar nicht so wahnsinnig viel gespielt, und dennoch haben sich einige großartige Dinge ergeben.
– Wir haben mit meiner „Einsteiger“-Runde – die ich mittlerweile wohl zu „alten Hasen“ zählen muss – unsere erste, größere Kampagne abgeschlossen. Diese hat uns über ein Jahr hinweg begleitet und ich habe die Gelegenheit genutzt, ein Kampagnen-Log als gedrucktes Buch (komplett mit schickem Layout) an meine Spieler zu übergeben. Alles in allem war das ein einprägsames Erlebnis.
– Bei einem OneShot „Private Eye“ hatte ich die Gelegenheit, meine Frau als Gastspielerin begrüßen zu dürfen! Sie hält eigentlich nicht viel von dem „Rollenspielkram“, doch das Thema von „Private Eye“ reizte sie als alten „Holmes“-Fan dann doch einfach zu sehr. Sie hat sich sehr gut geschlagen :-).
– Ich habe zum ersten Mal einen „Cthulhu“-OneShot wirklich in den Sand gesetzt. Also nicht nur ich, meine Spieler waren da auch beteiligt. „Asche zu Asche“ ist ein Abenteuer, in dem man seltsamen Leichenrauben nachspürt – und trotz aller möglichen ausgelegten Spuren wollten meine Spieler einfach nicht in die richtige Richtung laufen. Da sich dann irgendwann ein Nadelöhr ergab, durch das ich die Gruppe unmöglich pressen konnte, mussten wir abbrechen. Das ist mir in dieser Form noch nicht passiert.
– Ein eigenes, selbstgeschriebenes System zum Spieltest zu führen ist auch etwas besonderes. Bei mir war es soweit, als ich „Schwarze Tiefen“, das Rollenspiel zum Computerspiel „The Sinking City“ an unseren Spieltisch brachte. Es spielte sich wirklich flüssig und ich hoffe, dass das Heftchen den einen oder anderen schönen Moment beschert.

Um die Frage zu beantworten: Es tut mir leid, ich kann mich nicht entscheiden. Meine Rollenspielmomente in diesem Jahr waren von besonderer Qualität :-).

2. Wie oft bist Du 2019 zum Spielen gekommen? Was wurde am meisten gespielt, welche Systeme hast Du neu kennengelernt?
Insgesamt haben wir nur elf mal gespielt. Unsere „Aborea“-Kampagne ist im Januar geendet, eine „Fantasy-Age“-Kampagne ist seit dem Herbst am Start. Zwischendurch haben wir uns die Zeit mit OneShots vertrieben – „Fantasy AGE“ (zum ersten Beschnuppern), „Private Eye“, „Schwarze Tiefen“ und „Cthulhu“. Außerdem haben wir den „HeXXen 1733“-Schnellstarter getestet. Neu kennengelernt ist dabei am ehesten „Fantasy AGE“ – und insbesondere die Thematik „Dirty Dungeon“, die wir hier gespielt haben. Das hat Spaß gemacht.

Meine komplette Statistik findet sich im Tanelorn.

3. Welches RPG-Produkt 2019 (aber nicht unbedingt aus 2019) ist Dein Produkt des Jahres?
Oh, jetzt wird es langsam wirklich schwierig. Klar, „Schwarze Tiefen“ war schon ein ganz besonderes Highlight, einfach, weil ich maßgeblich an dem Heft beteiligt war. Am meisten beschäftigt hat mich „Fantasy AGE“, da ich ja unsere neue Kampagne vorbereitet habe. Und als Neuerscheinung ohne Beteiligung hat mich wohl „Die Schwarze Katze“ als Gesamtpaket am ehesten überzeugt. Ein wirklich schönes Spiel, dem ich unbedingt einmal einen Few-Shot angedeihen lassen möchte.

4. Welcher Blogartikel, welches Video, welcher Karneval Deiner RPG-Kollegen (also quasi der Blogosphäre) hat Dich 2019 am meisten geflasht?
Keine Nominierung hier. Ich habe viele Artikel im vergangenen Jahr gerne gelesen, mich über manchen geärgert und noch viel mehr überflogen. Vielleicht ist es der jährlich wiederkehrende Blogeintrag der Kollegen Würfelheld und Greifenklaue, welcher den Beginn des diesjährigen OPC ankündigt, der am ehesten eine Nominierung wert wäre :-).

5. Welches sind die Medien 2019 für Dich? Bester Film, beste Serie, beste Buch, beste Comic etc.?
Ich bin schlussendlich zeitlich nicht in der Lage, viele weitere Dinge neben meinem schönen Rollenspielhobby intensiv zu verfolgen. Ich gucke mittlerweile sogar so gut wie gar kein fern mehr (inkl. Streaming und DVD), so dass ich viele Medien schlicht verpasse. Auch bei Büchern hinke ich oft dem Zeitgeist hinterher, schlicht, weil das regelmäßige Lesen von 250-Seiten-Rollenspielbüchern meine Freizeit schon zur Genüge ausfüllt. Aber von den paar Dingen, die ich abseits konsumiert habe, waren die besten:
Film: Once upon a time in Hollywood
Hörspiel: Gruselkabinett 153 – Bulemanns Haus
Serie: Pastewka

Bonus: Warst Du 2019 auf RPG-Cons? Wenn ja, wie war es?
Neben der SPIEL habe ich in diesem Jahr die Niederrhein-Con besucht. Mein Bericht findet sich beim Ringboten.

Zwischen den Jahren… Version 2019

Das Weihnachtsfest liegt schon wieder hinter uns! Zwar habe ich es diesmal reichlich gemütlich angehen lassen; dennoch ist die Zeit mal wieder viel zu rasch verflogen. Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren möchte ich abermals nutzen, um hier ein wenig das vergangene Blogjahr Revue passieren zu lassen und Euch an Plänen für die Zukunft teilhaben zu lassen. Sicher, einiges davon erledigen auch die traditionellen Rück- und Ausblick-Blog-O-Quests… dennoch hat das hier einfach seine eigene Tradition, an der ich festhalten möchte.

Fakten

Zunächst präsentiere ich Euch wieder ein paar Fakten zu diesem kleinen Cthulhu-Blog:

  • Ich durfte knapp 13.000 Leser im gerade vergehenden Jahr auf meinem Blog begrüßen. Das sind deutlich weniger als noch im vergangenen Jahr und auch ein deutlicher Rückschritt gegenüber den vorangegangenen Jahren. Man merkt dem Blog den Zeitmangel an, den meine anderen Aktivitäten mit sich bringen und das schlägt sich in der Taktfrequenz der Artikel, der Wertigkeit des Inhalts und damit schlussendlich in den Leserzahlen nieder.
  • Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr 40 Blogeinträge verfasst. Auch die Zahl der Einträge ist damit deutlich rückläufig. Meine persönliche Zielsetzung, einmal wöchentlich zu bloggen, habe ich damit ebenfalls deutlich verfehlt.
  • Heimlich, still und leise kamen die „Cthulhu.de-Bestseller“ zu ihrem Ende. Tatsächlich habe ich nach sorgfältiger Sichtung alle Beiträge, die nicht „nur“ Newsmeldungen oder Einzeiler waren, hier wieder veröffentlicht. Ausgenommen davon ist eine Reihe „Gaslicht“-Artikel, die ich irgendwann gesondert wiederveröffentlichen möchte. Bis dahin ist „Die Macht der Walpurgisnacht“ der letzte „Bestseller“-Artikel.
  • Abseits der „Bestseller“-Artikel ist es mir auch nicht gelungen, neues Spielmaterial für den Blog zu produzieren. Sogar mein WTSC-Beitrag war nicht cthuloid genug, um hier auf dem Blog zu landen…

Wie immer gibt es abseits des Blogs mittlerweile deutlich mehr Aktivität von mir zu verzeichnen. Für den Ringboten verfasste ich rund 50 Artikel. Neben Rezensionen waren Messeberichte und Spielberichte mit dabei. Als Mitglied der Lovecrafter-Redaktion arbeitete ich mit meinen Autoren an den zwei jährlichen Ausgaben des dLG-Magazins (wobei die nächste Ausgabe leider erst knapp im Januar erscheinen wird). Um meinen schreiberischen Output abseits von CTHULHU noch ein wenig zu erhöhen, legte ich einen Rezensions– und einen Spielberichts-Thread im Tanelorn an. Außerdem habe ich ein paar wenige Gastbeiträge für PnPnews.de verfasst. Für das Computerspiel „The Sinking City“ schuf ich in Zusammenarbeit mit vielen fleißigen Händen und Mitautor Martin das Regelwerk für ein Pen&Paper-Rollenspiel, welches begleitend zum Computerspiel erschien. „Schwarze Tiefen“ macht mich immer noch stolz. Gleich in drei CTHULHU-Publikationen des vergehenden Jahres tauchte mein Name in der Mitarbeiterliste auf – namentlich „Die Davenport-Chronik“, „Im Elfenbeinturm“ und „Von unaussprechlichen Kulten“. Und zu guter Letzt betreue ich seit einiger Zeit das Artikelprogramm auf cthulhu.de mit, was ebenfalls noch ein wenig Zeit erfordert.

Was hätte sein sollen?

Bereits im vergangenen Jahr formulierte ich nur ein vages Fragezeichen, als es um den Inhalt dieses Blogs ging. Nun, immerhin diese Zielsetzung habe ich dann doch erreicht :-). Nein, wirklich zufrieden bin ich nun wirklich nicht. Immerhin konnte ich mit den „Nähkästchen“-Artikeln eine neue Rubrik einführen, die es mir erlaubt, meine abseitige Arbeit doch noch ein wenig für den Blog auszuschlachten.

Geplantes für 2020

Ach, seufz. Ich weiß es nicht. Ich muss zugeben, dass die Beschäftigung mit dem Lovecrafter und der Umstand, dass ich Teil des CTHULHU-Autorenteams bin, „Cthulhu“ bzw. cthuloides Rollenspiel mehr und mehr zu einer Art „Job“ werden lassen. Es ist ein tolles Hobby, bzw. ein toller Job und es macht nach wie vor wahnsinnig viel Spaß, Teil dieser Gemeinschaften zu sein. Das allerdings nahezu jeder kreative Output, den ich in meiner Freizeit stemmen kann, schlussendlich in anderen Projekten landen „muss“, als diesem Blog ist nicht mehr wegzudiskutieren. Daher wird dieser Blog – zumindest vorläufig – wohl eher ein wenig vor sich hin vegetieren, so wie im vergangenen Jahr auch. Einige wenige Rezensionen, die Blog-O-Questen, ein oder zwei Nähkästchenplaudereien und wenn wieder einmal ein interessanter Artikel veröffentlicht wird, dann werde ich hier natürlich auch darauf hinweisen. Dass sich an diesem Artikelprogramm im nächsten Jahr noch einmal maßgeblich etwas ändern wird, kann ich im Moment wahrlich nicht absehen. Damit ist die „große Zeit“ dieses Blogs, so er je eine hatte, wohl auch langsam zu Ende. Ich hoffe einfach, dass Euch mein Geschreibsel nicht weiter stört, wenn es durch die verschiedenen RSS-Kanäle rieselt :-). Und wer weiß, vielleicht kommt hier zu einem späteren Zeitpunkt ja auch noch einmal die große Rückbesinnung.

Für den Moment bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Euch allen einen guten Übergang in das nächste Jahr und viele schaurig-cthuloide-grausige Momente für 2020 zu wünschen. Danke, dass ihr mir im vergangen Jahr die Lesetreue gehalten habt – und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder!

Seanchui

RPG-Blog-O-Quest #51: Vorschau

Es ist mal wieder Dezember und damit ein weiteres Mal ein Grund für die diesmalige RPG-Blog-O-Queste, einen Blick in die rollenspielerische Zukunft einzufordern. Allerdings fasst Ausrichter Würfelheld die Fragen dieses Mal ein wenig enger, als es in den vergangenen Jahren der Fall war.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. In knapp einen Monat beginnt das Cyberpunk -Jahr schlechthin. Wirst Du in 2020 eine Cyberpunk-Rollenspiel-Runde leiten oder in einer mitspielen?
Voraussichtlich nicht. Abgesehen von einigen Runden „Shadowrun“ (das man ja auch eher als Fantasy-Setting mit Knarren bezeichnen könnte) sind Cyberpunk und ich bislang nie wirklich aufeinander getroffen. Das Setting reizt mich einfach nicht genug, weder als Film, Buch, Rollenspiel oder Comic… Sofern mich jemand einladen sollte, würde ich darüber nachdenken. Da das aber äußerst unwahrscheinlich ist (…der (fast) ewige SL eben…), beantworte ich die erste Frage einmal mit „nein“.

2. Auf welche Rollenspiel-Neuheiten freust Du Dich 2020 am meisten und warum?
Puh, ich weiß jetzt gar nicht so genau, was für 2020 alles in der Pipeline ist. Da wäre zum Beispiel die deutsche Ausgabe von Pathfinder 2 – doch das äußerst schleppende Crowdfunding von Ulisses lässt mich hier wenig Herzblut erkennen. Überhaupt fand ich die Abenteuerpfade eigentlich immer eine der spannendsten PF-Publikationen – außer halt, sie erscheinen NUR über Crowdfunding als 600-Seiten-Wälzer für 100 EUR (oder so). Dann verliert die Publikationsform für mich ihren Reiz. Also, PF2 ist wohl nicht meine große Vorfreude für 2020.
Ein weiterer „Brecher“ wird „Dungeon Crawl Classics“ von System Matters… allerdings verhindert die optische Aufbereitung, dass ich mich mehr mit dem System beschäftige. Ich weiß, das ist furchtbar oberflächlich gedacht, aber ich finde, ein Rollenspielbuch heutzutage muss nicht mehr so aussehen. Ergo – auch, wenn ich mir das eine oder andere Abenteuer ansehen werde (…um einmal den so oft gelobten „Sense of Wonder“ unter die Lupe zu nehmen), DCC wird auch nicht meine große Vorfreude.
Ich denke, ich muss hier ein wenig tiefer graben. Bestimmt gibt es wieder einen neuen „Private Eye“-Abenteuerband zur SPIEL – das ist immer eine schöne Sache. Ausserdem arbeiten die Damen der Redaktion Phantastik immer noch an der deutschen Ausgabe von „Wolsung“, dessen Mischung aus Fantasy und Steampunk und Pulp mich immer wieder ansprechen kann. Wenn das 2020 fertig wird, wird es eines meiner Highlights.
Ach ja: Bei Pegasus erscheinen im nächsten Jahr wieder einige cthuloide Bände – und nach aktuellem Stand ist in mindestens einem mein Name im Impressum vertreten. Doch, darauf freue ich mich schon sehr. Es macht mich immer stolz, Teil eines so starken Autorenteams zu sein.

3. Welche guten Rollenspielvorsätze hast Du für 2020?
Da gibt es eigentlich gleich zwei Dinge, die ich mir vornehmen wollte:

Das eine hat eigentlich eher mit einer „Nebendisziplin“ zu tun. Seit Ende letzten Jahres schiebe ich einen unschönen „Stapel der Schande“ vor mir her, also den Haufen von RPG-Büchern, den ich noch nicht gelesen habe. Ich habe unglaublich viele Bücher gelesen in diesem Jahr, aber in fast ebenso gleichem Maße für Nachschub gesorgt. Hier muss ich unbedingt mal etwas tun und versuchen, das Material das ich mir kaufe, wenigstens auch zu lesen (…dass mal ALLES den Spieltisch sehen wird, ist nahezu unmöglich :-)).

Das zweite hat dann direkt mit dem Spiel zu tun: Ich möchte ein vorbereiteter Spielleiter werden. Dabei geht es mir nicht um die Spielrundenvorbereitung – da reicht mir ein grobes Konzept, eine Karte und meine Mitspieler. Es gibt auch Dinge, die ich als Spielleiter (in meinen Augen) schon ganz gut mache: Pacing und Timing liegen mir ganz gut; ich denke, mein Stimmenspiel ist gar nicht so schlecht und auch meine Beschreibung sind mittlerweile ein bißchen farbiger geworden. Woran es bei mir aber mangelt, sind spieltheoretische Dinge, die ich eigentlich weiß, auch einmal wirklich aktiv einzubringen. Spotlight-Verteilung beispielsweise. Oder Spieltypen-Analysen. Da ist sicher auch nicht alles Gold, was glänzt, aber ich werde versuchen, die Vorlieben und Spotlight-Zeit meiner unterschiedlichen Spieler ein wenig besser anzuspielen. Zumindest in meiner laufenden Kampagnenrunde, bei den gelegentlichen OneShots mit unterschiedlicher Besetzung geht es dann doch eher plotzentriert zu.

4. Planst Du 2020 ein eigenes Rollenspielprojekt? Welches?
Ja. Seitdem ich mit „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“ hier auf diesen Seiten einmal mein eigenes Rollenspielbuch produziert und vertrieben habe, möchte ich unbedingt noch einmal etwas in dieser Richtung machen. Auch die selbstgemachten Abenteuerflyer für den GRT und den Ringboten waren immer tolle Geschichten. Und dann gab es mit „Schwarze Tiefen“ ja auch noch mein „eigenes“ Rollenspiel, dass ich für Pegasus im vergangenen Jahr maßgeblich gestalten durfte. Das waren tolle, prägende Projekte und ich möchte in dieser Richtung unbedingt wieder tätig werden.
Eigentlich plane ich etwas mit Dungeons. Ich schiele immer ein bißchen neidisch auf die Amerikaner, die so viele tolle Dungeon-Bücher mit Zufallstabellen und neuen Monstern kickstartern. Klar, mein Englisch würde hier reichen. Aber ein originäres Produkt in dieser Richtung, das sollte doch machbar sein. Allerdings muss es wohl systemlos werden – es gibt zwar deutsche Übersetzungen von Systemen die direkt auf der OGL basieren, aber dann sind ja oft wiederum die deutschen Begriffe geschützt… mal gucken, vielleicht gehe ich auch mit meiner Idee einmal hausieren :-).

5. Was willst Du im nächsten Jahr tun um neue Rollenspieler fürs Hobby zu gewinnen?
Da bin ich noch ein wenig unschlüssig. Eigentlich steht noch eine Einladung einer Runde mit einer Neueinsteigerin aus… allerdings gibt es hier noch Startschwierigkeiten. Aber vielleicht kann ich hier ja noch einmal positiv einwirken…
Ansonsten habe ich einige Jahre GRT-Materialien beigesteuert – vielleicht gelingt mir das (trotz engem Zeitfenster) ja in diesem Jahr noch einmal.
Davon ab überlege ich ernsthaft, meinen Achtjährigen langsam an die Sache ranzuführen. Ich halte überhaupt nichts von diesen ganzen Kinderrollenspielen, mit denen der Markt heute überschwemmt wird (also wirklich ÜBERHAUPT nichts). Ich meine: ich war elf, als ich DSA für mich entdeckte. Da waren weder die Regeln zu schwer noch die Inhalte zu deftig. Daher erschließt sich mir die Sinnhaftigkeit von „wir benutzen nur einen Würfel“-Regeln und „unsere Bibabutze-Männer retten die Vogeleier der Vogelmama vor dem Vogeleiergeier“-Abenteuern überhaupt nicht. Ich bin mir also sicher, diese Systeme überspringen zu wollen. Dann könnte Acht allerdings auch noch tatsächlich zu jung sein. Mal gucken, er hat in diesem Jahr „Harry Potter“ für sich entdeckt… vielleicht kann man in dieser Richtung was machen… :-).

Bonus: Keine Frage, sondern die Aufforderung beim 8.Winter One Page Contest reinzuschauen und mitzumachen!

Das Autorennähkästchen III: Von unaussprechlichen Kulten

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. In bislang zwei Episoden im Laufe dieses Jahres konnte ich ein wenig von meiner Arbeit an offiziellen Publikationen aus dem (Autoren-)Nähkästchen plaudern. Und da es mir gelungen ist, meinen Namen auch im Impressum des neuesten Quellenbandes „Von unaussprechlichen Kulten“ zu platzieren, so möchte ich auch auf die Arbeit an diesem Band ein wenig zurückblicken und davon erzählen, wie eines zum anderen kam.

Als in einem Autorenrundbrief die Idee vorgestellt wurde, einen Band zum Thema „Kulte“ zu machen, war ich direkt Feuer und Flamme. Denn Kulte und ihre Kultisten sind der menschlichste und damit verständlichste Gegner, dem man bei CTHULHU gemeinhin begegnen kann. Diese Gruppierungen also mehr in den Fokus zu rücken, erschloss sich mir sofort. Nachdem wir ein wenig im Forum hin- und herüberlegt hatten, was alles in den Band reinkönnte, entschloss ich mich der Arbeitsgruppe beizutreten. Wir trafen uns per Skype, verteilten die Aufgaben untereinander und legten los.

Mir war bereits früh klar, dass ich kein Abenteuer für den Band beisteuern wollte. Tief in meinem Herzen hätte ich den Band sogar am Liebsten komplett als Quellenband angelegt und ihn komplett ohne Abenteuer gehalten. Die Mischung der Publikationsarten „Quellen-“ und „Abenteuer-„Band ist allerdings bei CTHULHU natürlich ein bewährtes Muster. Nichts desto trotz reizte mich der Quellenteil deutlich mehr. Der Quellenteil setzte sich nach unseren Planungen – und so ist es schlussendlich auch geblieben – aus drei Teilen zusammen: einem real-historischen Abriss über Kulte und Geheimbünde; einer enzyklopädischen Auflistung bekannter cthuloider Kulte sowie einem Kult-Generator, um Spielleitern die selber aktiv werden wollen, auch etwas an die Hand zu geben. Ich stürzte mich auf den real-historischen Quellenteil, während Julia Knobloch mit bewundernswerter Akribie begann, alle CTHULHU-Publikationen nach Kulten und Kultisten zu durchforschen. Nachdem ich mit meinem (schlussendlich ja auch recht kurzen) Teil fertig war, begann ich, Julia in ihrer enzyklopädischen Arbeit zu unterstützen. So konnte auch ich mein kleines Scherflein dazu beitragen, dass die Kulteliste so komplett ist, wie sie jetzt ist.

Eine besondere Freude war dann die Arbeit an dem Kult-Generator. Auch hier erledigte Julia den Löwenanteil der Arbeit. Mir blieb allerdings – gemeinsam mit unserem Redakteur Stefan – das besondere Privileg vorbehalten, den Generator in verschiedenen Stadien zu testen und zu kommentieren. Und natürlich auch lange bevor andere Spielleiter den Generator in die Finger bekommen konnten, spannende und gelungene Kulte zu erwürfeln. Ich denke, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Wie so oft, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere so ist auch hier wieder deutlich, dass die Zusammenarbeit mit anderen Autoren und dem Redakteur mehr erschafft, als die Summe der einzelnen Teile. Durch die Feedbackschleifen und das gegenseitige Unterstützen entstehen runde Texte, auf die ich – und ich denke, die anderen Autoren ebenfalls – stolz sein darf. Ich hoffe, dass Ihr viel Freude an „Von unaussprechlichen Kulten“ haben werdet, die Abenteuer genießt und vielleicht sogar den einen oder anderen Kult selbst erschafft. Wie immer freue ich mich über Feedback jedweder Art, gerne auch hier auf dem Blog!