Rezension: Auf der Spur des Grauens

Pünktlich zur vergangenen Spielemesse in Essen legte die Redaktion Phantastik den nächsten Abenteuerband für ihr Rollenspiel-Zugpferd „Private Eye“ vor. Mit „Auf der Spur des Grauens“ wagen die Redakteurinnen allerdings ein paar Schritte in unbekannte Gefilde. Und Achtung: Die folgende Rezension geizt nicht mit Spoilern!

Mit „Auf der Spur des Grauens“ erhält das viktorianische Detektiv-Rollenspiel „Private Eye“ gleich in doppelter Hinsicht einen interessanten Abenteuerband. Denn zum einen handelt es sich tatsächlich um den ersten Kampagnenband für das System, der gleich fünf miteinander verknüpfte Szenarien enthält. Zum anderen wagt sich Autor Ralf Sandfuchs an übersinnlich angehauchte Fälle, die mit einer mundanen Auflösung aufwarten. Aber der Reihe nach.

Verbindendes Element für die fünf Abenteuer ist die Gesellschaft SPEAR, was wiederum für die „Society for Paranormal Exploration And Research“ steht. Diese Gesellschaft – ein typischer Club der viktorianischen Ära – hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wirken übernatürlicher Kräfte zu untersuchen. Gibt es mehr zwischen Himmel und Erde, als der Mensch erahnen kann? Oder lassen sich die seltsamen Beobachtungen doch rational erklären? Dieses Thema, wenngleich tief in der viktorianischen Ära mit ihren Seancen und Medien verankert, war bislang nur am Rande Gegenstand von „Private Eye“. Nun können sich Detektive im Auftrag von SPEAR daran machen, auch diese Randgebiete zu erkunden. Alle Abenteuer warten dabei mit einer mundanen Lösung auf – doch der Autor (selbst ein erfahrener „alter Hase“ im „Cthulhu“-Autorenteam) gibt auch stets die Option mit an die Hand, tatsächlich übernatürliche Vorkommnisse in die Handlung mit einfließen zu lassen. So kann die Spielleitung entscheiden, wie übernatürlich ihre Kampagne werden soll.

Eröffnet wird der Band mit einer umfangreichen Einleitung. Hier erfahren wir alle wichtigen Hintergründe über die Gesellschaft SPEAR und die Rolle der Detektive in der Kampagne. Außerdem gibt der Autor zahlreiche Hinweise und Tipps für das Spiel mit übernatürlichen Elementen und wie eine gruselige Atmosphäre am Spieltisch erzeugt werden kann. Auch Sicherheitsmechanismen werden direkt angesprochen, falls es dem einen oder anderen Spieler doch einmal zu unheimlich wird. Außerdem werden Tipps gegeben, wie sich die Abenteuer verbinden lassen oder was beachtet werden sollte, wenn sie alleinstehend gespielt werden.

Die Szenarien

Direkt daran schließen sich die fünf Szenarien an, von denen drei vollwertig ausgearbeitet sind. Bei den beiden anderen handelt es sich um kurze, geradlinige Fälle, die weniger Ausarbeitung erfordern. Eröffnet wird der Reigen mit „Das Monster von Sark“. Hier geht scheinbar ein aus den Tiefen des Meeres entstiegenes Monster auf der Kanalinsel Sark um. Die Detektive von SPEAR werden nach den ersten Todesfällen eingeschaltet und müssen vor Ort erkennen, dass das Morden noch kein Ende genommen hat. Dieser fast schon cthuloid anmutenden Geschichte schließt sich mit „Die Macht des Teufels“ das erste Kurz-Szenario an. Hier geht es um eine (vermeintliche?) Besessenheit und einen eiligst einberufenen Exorzismus. „Die toten Kinder von Willow Hall“ stellen das „Spukhaus-Szenario“ des vorliegenden Bandes dar. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass in den Gängen von Willow Hall die leuchtenden Geister zweier ermordeter Kinder umgehen, oder?

„Die Todespfeife“ verwendet wieder ein wenig klassisches Motiv und schickt die Detektive auf die Jagd nach einer von den Toten erstandenen jungen Frau, die Rache an ihrem Mörder nehmen will. Die Ereignisse der Kampagne kulminieren schließlich im finalen Abenteuer „Der Gefallene Prinz“. Hier wütet ein mörderischer Kult in London, der mithilfe beschworener Dämonen unliebsame Personen aus dem Weg räumt. Wer ist der Drahtzieher hinter den Morden? Und sind es wirklich Dämonen, die hier furchtbare Bluttaten begehen? Besonders schön an diesem Szenario ist der Umstand, dass SPEAR tiefer in die Geschehnisse verstrickt ist, als die Detektive ahnen. „Der Gefallene Prinz“ ist der mit Abstand komplexeste Fall in dem Band, führt die Kampagne aber auch zu einem gelungenen Finale.

Kritik

Wie so oft bei „Private Eye“-Abenteuern komme ich nicht umhin, die Aufbereitung der Szenarien zu loben. Detektiv-Abenteuer sind für die Spielleitung oft eine undankbare Aufgabe, gilt es doch reichlich Informationen zu verwalten, ohne den Spielern das Leben zu leicht oder zu schwer zu machen. Wie auch schon in den Vorgängerbänden geizt „Auf der Spur des Grauens“ daher nicht mit hilfreichen Übersichten für die Spielleitung. So werden Tatorte mit praktischen Hinweislisten versehen, es gibt Beziehungs-Übersichten zwischen den beteiligten Personen, praktische Zusammenfassungen von wichtigen Handlungsabschnitten oder Nichtspielercharakteren sowie reichlich Kartenmaterial, um auch die Untersuchung von Räumen übersichtlich zu halten. Man merkt der Aufbereitung die jahrelange Erfahrung der Redaktion deutlich an.

Inhaltlich können die fünf versammelten Kriminalfälle voll überzeugen. Es ist von jeher eine reizvolle Kampagnenvariante, cthuloide Recherche-Abenteuer mit mundanen „Private-Eye“-Fällen zu verknüpfen. So hält man die Ungewissheit, ob man kosmischem Grauen oder weltlicher Grausamkeit gegenübersteht, für die Spieler stets aufrecht. Mit „Auf der Spur des Grauens“ erhalten interessierte Spielleiter gleich fünf hervorragende Szenarien, um diese Spielart zu erweitern. Doch auch für sich alleinstehend funktioniert „Auf der Spur des Grauens“ natürlich gut. Insbesondere, weil die Gegenspieler, Verbrechen und Ortschaften abwechslungsreich gewählt wurden, gibt es hier für die Detektive – abseits des verbindenden Themas – jede Menge zu entdecken.

Verarbeitung

„Auf der Spur des Grauens“ ist im typischen „Private Eye“-Layout gehalten. Das Cover wurde abermals von Manfred Escher gestaltet und zeigt eine gekonnte Collage vorkommender Motive. Der Band erscheint in Schwarz-Weiß, ist reichhaltig mit zeitgenössischen Fotografien bebildert und übersichtlich layoutet. Darüber hinaus wurden einige schicke Handouts in den Anhang mit aufgenommen, welche die Stimmung am Spieltisch weiter unterstützen können. Es haben sich allerdings auch ein paar ungewohnt moderne Landstrichkarten in den Band geschlichen, die scheinbar von „Google Maps“ übernommen wurden, und ein wenig mit der angestrebten Optik brechen. Doch gilt hier natürlich: besser eine unpassende Karte als keine Karte, sodass ich dieses Manko verzeihen will. Lektorat und Korrektorat haben gute Arbeit geleistet, sodass kaum störende Rechtschreibfehler enthalten sind. Technisch gibt es damit wenig zu meckern.

Fazit: Gleich fünf spannende Kriminalfälle, gepaart mit der reizvollen Idee des Übersinnlichen. „Auf der Spur des Grauens“ ist ein hervorragender Kampagnenband für „Private Eye“ – und auch für Spieler anderer „moderner“ Systeme, die einen Schuss Übersinnliches vertragen können, auf jeden Fall einen Blick wert.

PS: Diese Rezension erschien erstmalig bei Ringbote.de

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GRT-Abenteuerwettbewerb 2021/22

Willkommen zum GRT-Abenteuerwettbewerb!!!

Seit Jahren liefern wir vom WinterOPC zum Gatis-Rollenspiel-Tag immer das Gesamtdokument unseres OnePage-Wettbewerbs ab (aktuell/Archiv), welches Dutzende Abenteuer und anderes Spielmaterial unter die Spielerschaft bringt. Nun wurde das diesjährige Orgateam – Ingo „Greifenklaue“ Schulze (Blog) und André „Seanchui“ Frenzer (Blog) – gebeten, auch für den Gratis-Rollenspiel-Tag einen Abenteuerwettbewerb zu veranstalten, dessen Ergebnisse sich in dem für Spieler kostenlosen Almanach wiederfinden – genau das ist der Lohn für die ersten drei Plätze. Auf Twitch stellten Ingo und Moritz Mehlem vom GRT-Orgateam die Bedingungen im Groben vor, heute nochmal alles Schwarz auf Weiß.

Ihr erstellt ein Abenteuer zu einem System der GRT-Verläge auf max. 4 Seiten im .doc/.odt-Format, welches drei der 5 folgenden Themen verarbeitet:
Gratis – Geschäft – Technologie – Spiel – Schwert
EINREICHUNG4 Seiten A4 Schriftgröße 12 in Times New Roman im Einfachstlayout mit Überschriften und Absätzen, aber keine Spalten, Bilder oder Karten.

Zusätzlich dürft ihr eine weitere Seite mit Bildern einreichen, die im Almanach benutzt werden dürfen: daher hast Du oder einer Deiner Freunde etwas gezeichnet und erlaubt die VÖ oder es unterliegt einer allgemeingültigen, auch kommerziell nutzbaren Lizenz (Daher z.B. eine CC-Lizenz ohne NC). Was nix bringt, sind Bilder die Du kaufst und nur Du nutzen darfst (typische Stockart). Bilder fließen nicht in die Wertung ein und sollen Dir nur die Möglichkeit geben, mal ein Bild zu veröffentlichen – ansonsten lass dich einfach überraschen, was die Leute vom Almanach zaubern.

Eine sechste Seite mit Kartenmaterial darf auch eingereicht werden, je nach Qualität kann die Karte übernommen werden oder wird dann neu gezeichnet, dass entscheidet das Team des Almanachs. Die Karte selbst ist im Wettbewerb insofern relevant, wie sie Dinge in Eurem Abenteuer gut erklärt. Euer Abenteuer muss natürlich keine Karten enthalten.

Also Einreichung zusammengefasst: bis zu 4 Seiten Abenteuer in rudimentären Layout, optional 1 Seite mit Bildern und 1 Seite mit Kartenmaterial.

Einsendungen gehen ab sofort bis zum 30.6.2021 um Mitternacht an die Adresse seanchui_at_ gmx.de. Bestätigungen kommen üblicherweise innerhalb von drei Tagen. Fragen könnt ihr gerne dort oder hier im Blog stellen.

ERLAUBTE SYSTEME: Um es so einfach wie möglich zu machen, haben wir eine System positiv“-Liste gemacht aus allen Systemen, die von Verlägen sind, die den aktuellen GRT unterstützen – durch Beiträge im Almanach oder als Teil des Goodie-Bags:

Shadowrun (Pegasus)
Cthulhu (Pegasus)
Talisman (Pegasus)
Midgard
Beyond the Wall (System Matters)
Geh nicht in den Winterwald (System Matters)
DCC (System Matters)
Im Schatten des Dämonenfürsten (System Matters)
Swords&Wizardry (System Matters)
Mythos World (System Matters)
Dungeon World (System Matters)
FHTAGN (Deutsche Lovecraft Gesellschaft)
Splittermond (Uhrwerk)
Coriolis (Uhrwerk)
Mutant: Year Zero (und Ableger) (Uhrwerk)
Star Trek (Uhrwerk)
FATE (und Ableger wie Malmsturm) (Uhrwerk)
Achtung!Cthulhu (mit Cthuhu 7; Uhrwerk)
NIP’AJIN (Ludus Leonis)
Dieseldrachen
New Hong Kong Story
Fallen Worlds
Lemna (Orkenspalter TV)
Private Eye (Redaktion Phantastik)
Seelenfänger (Redaktion Phantastik)
Finsterland (Redaktion Phantastik)

DIE JURY: Wie beim WOPC erstellt die Jury eine jeweilige TOP-Liste in etwa der Länge von 1/3-tel der Einreichungen (Beispiel: 20 Einreichungen, TOP 6-Liste), die dann zusammengezogen und von der Orga ausgewertet werden. Die Juroren sind alles erfahrende Winter-OPC-Juroren: Ron Müller (Ausgespielt-Podcast), Elea Brandt (Nerdigen Trashtalk) und André Skora (Würfelheld).

DER PREIS: Die ersten drei Plätze erscheinen im nächstjährigen Almanach abgedruckt, ihr erhaltet natürlich ein Belegexemplar. Für den Rest behalten wir uns auch einen Abdruck vor, z.B. in einem Fanzine. Wir bitten darum, dass der Autor im Veröffentlichungsjahr nix mit der Einreichung macht bis zum nächsten GRT, dann ist er herzlich eingeladen, sein Material auch anderweitig zu nutzen. Bildrechte oder Layout aus dem Almanach gehen aber natürlich nicht an ihn über.

SONSTIGES: Mit der Teilnahme sichert Ihr zu, dass Ihr der Urheber der Einsendung seid.

Wenn ihr mögt, schreibt die Adresse für Euer Belegexemplar mit rein, ansonsten fragen wir nach. De Daten dienen allein der Zusendung des Belegexemplars und wird danach vernichtet. 

Für Fragen stehen wir unter der o.g. eMail-Adresse zur Verfügung.

Verlinkungen auf den “GRT-Abenteuerwettbewerb” sind ausdrücklich erwünscht.

Eine Einreichung pro Person.

Teilnehmen darf jeder außer den beiden Veranstaltern (Greifenklaue, Seanchui), den GRT-Machern und der Jury.

Mehr-Personen-Einreichungen: Sind erlaubt und möglich. Macht bitte deutlich, wer der Einsender ist, damit wir einen Ansprechpartner haben.

Auch beim Lektorat kannst Du Dich unterstützen lassen. Lektoren freuen sich über Erwähnung.

Deine Einreichung sollte bisher unveröffentlicht sein und sollte deutlich machen, welche drei Stichworte genutzt wurden.

Bei Fragen schreibt uns an!

…UND AUF GEHT`S

Wir wünschen Euch viel Spaß und viel Erfolg, beim Schreiben, beim Überlegen und beim Testen, nice dice … Seanchui und Greifenklaue