Rezension: Abwärts und andere Abenteuer für Cthulhu NOW

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21 Ausgaben und damit über zehn Jahre lang versorgte das offizielle Magazin „Cthuloide Welten“ die „Cthulhu“-Spielerschaft mit zahlreichem Spielmaterial. Neben den beliebten 1920ern fand sich auch immer wieder Material für „Cthulhu Now“ in Pegasus’ Hausmagazin. In „Abwärts und andere Abenteuer für Cthulhu Now“ findet sich nun einiges Material gesammelt als PDF-Veröffentlichung wieder. Lohnt sich die Anschaffung?

Rezension - Abwärts und andere Abenteuer für Cthulhu NOWInsgesamt drei Szenarien aus längst vergriffenen „Cthuloide Welten“-Ausgaben enthält der vorliegende Abenteuerband. Daneben sind außerdem zwei sehr unterschiedliche Hintergrundartikel enthalten.

Das erste Szenario, das titelgebende „Abwärts“ von Peer Kröger, ist als One-Shot mit vorgefertigten Charakteren angelegt. Es spielt im New York unserer Gegenwart und bringt eine sehr inhomogene Gruppe verschiedener Charaktere in einer beengten Situation zusammen: einem Fahrstuhl. „Abwärts“ lässt sich in Echtzeit spielen – jede verstrichene Minute in der realen Welt entspricht einer Minute in der Spielwelt. Das, die bedrückende Atmosphäre, viele interessante Vorschläge für den Spielleiter, tolle Spielercharaktere und nicht zuletzt ein furioser Showdown machen „Abwärts“ zu einer echten Perle unter den „Now“-Abenteuern.

Als zweites Szenario wird „Judas Prokaryot“ von Stefan Droste angeboten. Eine der fast schon üblichen Grippe-Epidemien überrollt eine Stadt. Doch in diesem Jahr ist alles anders und der Krankheitsverlauf ist unglaublich rasch und immer tödlich. Panik breitet sich aus – der Hintergrund, vor dem die Charaktere nach der Ursache der Epidemie forschen müssen … „Judas Prokaryot“ ist nichts für schwache Nerven und bietet neben allen Auswüchsen, die bekannte Epidemiestreifen wie „Outbreak“ hervorbrachten, noch einen wesentlich cthuloideren Horror. Mir persönlich ist das eine Spur zu viel – das ändert aber nichts an der Qualität des Szenarios.

Das dritte Szenario, „Projekt Pi“ von Peer Kröger, bringt wieder vorgefertigte Charaktere mit. Diesmal dürfen die Spieler in die Rollen stahlharter Navy SEALs schlüpfen – die Besten der Besten der Besten. Im Rahmen einer Aufklärungsmission entdecken sie ein verlassenes Schiff, stoßen auf Spuren verbotener Experimente und treten schließlich eine verhängnisvolle Reise unter das Meer an … „Cthulhu“ einmal anders: Hier steht nicht die Recherche und die Furcht vor dem Unbekannten im Vordergrund. Vielmehr dürfen die Charaktere endlich einmal schwere Waffen ins Gefecht führen und dem einen oder anderen Mythosgegner ordentlich einheizen. Vielleicht nichts für Jedermann; wer aber mal eine Abwechslung zu den üblichen Szenarien sucht, wird sicher fündig.

Das Handy der Spielercharaktere nimmt den meisten Szenarien einen entscheidenden Horrorfaktor: die Isolation. Der erste Hintergrundartikel, „Falsch verbunden“, liefert zahlreiche Vorschläge zu diesem altbekannten „Now“-Problem. Hier werden verschiedenste Methoden beleuchtet, um den Spielern den raschen Griff zum Telefon madig zu machen – ein Artikel, den ich als kreativ und hilfreich bewerten möchte. „Resolution Zero“, der zweite Hintergrundartikel schließlich beschäftigt sich mit den bekannten „Bergen des Wahnsinns“ in der Gegenwart: Er liefert einen optionalen Erklärungsansatz, warum die Öffentlichkeit in der heutigen Zeit nichts von den Bergen des Wahnsinns weiß. Viele interessante NSC, einige gute Szenarienaufhänger und nicht zuletzt eine der bekanntesten Locations aus dem „Cthulhu“-Universum verschaffen auch diesem Artikel eine gute Note.

Wie auch bei den vorhergegangenen „Cthulhoide Welten Archiv“-PDFs wurde für die Wiederveröffentlichung das Material dezent überarbeitet. Einige Handouts wurden neu aufgesetzt, außerdem wurden – wo nötig – Errata vorgenommen. Erfreulicherweise wurde das Layout im „Now“-typischen Schwarz-Weiß mit den bekannten Zeichnungen gehalten, sodass sich das PDF optisch von den übrigen Veröffentlichungen abhebt. Die reiche Bebilderung in guter Qualität und die – wie üblich – optisch hervorragenden Handouts führen auch beim Layout zu einer guten Note.

Fazit: Schon das Szenario „Abwärts“ alleine ist eine echte Perle unter den in der „Cthuloide Welten“ veröffentlichten Abenteuern. Flankiert von den beiden tollen Szenarien „Judas Prokaryot“ und „Projekt Pi“, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sowie einigen brauchbaren Hintergrundartikeln, kann man mit dem Kauf dieses PDFs sicher nichts falsch machen. Vorausgesetzt natürlich, man ist auf der Suche nach weiterem Material für „Cthulhu Now“, denn auf die anderen Settings konvertierbar sind die Szenarien kaum.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Mehr cthuloides zum Gratisrollenspieltag 2014

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Jaja,

es ist bald wieder soweit. Der GratisRollenspielTag steht vor der Türe, und viele fleißige und emsige Blogger mühen sich redlich, noch pünktlich vor dem GRT spielbares Material zu publizieren, um neugierigen Neulingen ebenso spannendes Material zu bieten wie den alten Hasen, die am GRT die eine oder andere Spielrunde anbieten wollen.

Ich war zwar schon fleißig zu diesem Thema – die Kollegen von Cthulhus-Ruf.de haben unser diesjähriges Sonderheft mittlerweile auch online veröffentlicht – dennoch wollte ich wie im letzten Jahr auch noch ein wenig Material gesondert für meinen Blog produzieren.

Wer also noch ein kurzes Szenario sucht, dass in wenig Spielzeit funktioniert und klassisch-cthuloide Motive aufgreift, der findet vielleicht hier das Richtige:

Die Charaktere sind Zuschauer bei der Premierenfeier der neugebauten Freilichtbühne. Schon den ganzen Tag fiebern sie und die anderen Urlauber der Uraufführung eines neuen Theaterstückes entgegen, dass heute Abend aufgeführt werden soll: Der König in Gelb.
Während der Aufführung rückt das gesamte Gelände in eine Zwischendimension, und damit in bedrohliche Nähe des verlorenen Carcosa. Hastur der Unaussprechliche streckt seine Finger nach den Gästen aus. Die Charaktere müssen nun in einer seltsam verzerrten und doch vertrauten Welt ein Mittel finden, den Zauber des Theaterstücks zu brechen und sich und die anderen Gäste zu retten.

Das Szenario ist sicherlich keine Sternstunde der Innovation, aber vielleicht macht es genau dieser Umstand passend, um für den GRT brauchbar zu sein.

PS: Ebenfalls absolut empfehlenswert: der Gewinner des diesjährigen OPC „Same Procedure“ – zu finden auf cthulhus-ruf.de!

Tatort: Der Spiegel

Wißt Ihr,

ich bin nach wie vor ein großer Fan von Kurzmaterial. Das beginnt schon bei meinen Lesegewohnheiten – hier ziehe ich Kurzgeschichten einem Roman stets vor. Und auch für’s Rollenspielen finde ich es immer angenehm, Kurzmaterial an der Hand zu haben: wenig Vorbereitungszeit, dafür im Anschluß viel Freiheit für den Spielleiter. Außerdem ist es für einen Autoren natürlich wesentlich schneller erledigt – daher ist einfach die Menge an verfügbaren Ideen auch größer.

Als ich mir also vor einiger Zeit dachte: „Du müsstest mal wieder ein Szenario für den Blog schreiben“ war mir schon bald klar: das wird wieder mal ein Kurzschocker. Warum auch nicht? Ich habe ziemlich viel Tipperei in das letzte Wettbewerbsabenteuer für „Cthulhus Ruf“ gesteckt, dann biete ich hier eben nochmal Kurzware an. Der OPC war dann – wie in jedem Jahr – die ideale Gelegenheit mit Designs, Texten, dem Aufbau einer Seite etc. herum zu experimentieren.

Für den OPC schrieb ich einen OnePager, der im Aufbau an einen Artikel aus Cthulhus Ruf #4 angelehnt ist: einen „Tatort“. Im Zeitungsartikel wurden auf einer Doppelseite ein Tatort eines ungewöhnlichen Mordes, alle möglichen Hinweise, Rechercheansätze und Ergebnisse und schließlich ein „Vorher/Nachher“-Kasten präsentiert, die zusammengenommen ein komplettes Szenario ergeben. Für den OPC erdachte ich mir ein eigenes cthuloides Kriminalstück und dampfte das Layout und die Kürze der Beschreibung auf eine Seite herunter.

So, und nun schließt sich wieder der Kreis: da ich die Idee aus Ausgabe 4 nach wie vor für sehr gelungen halte UND ich mal wieder was für den Blog schreiben wollte – hier ein neuer „Tatort“ für cthuloide Ermittler (und selbstverständlich noch NICHT der OPC-Beitrag; der folgt später):

Der Spiegel

Viel Spaß damit – und wie immer bin ich für Feedback jedweder Art dankbar!

Vorstellung: Cthulhus Ruf Ausgabe 4

„Cthulhus Ruf“, die cthuloide Zeitung „von Fans für Fans“ geht in die vierte Runde. Bislang seit ihr es von mir gewohnt, dass ich die Ausgaben auf diesen Seiten rezensiere. Das ist mir mit der vierten Ausgabe nun nicht mehr vergönnt. Warum?

Cover-4-PreviewNun, während ich in der dritten Ausgabe bereits Gelegenheit hatte, einen kleinen Artikel mit einem universellen Abenteuerschauplatz beizusteuern, haben in die vierte Ausgabe gleich zwei Artikel aus meiner Feder Eingang gefunden. Der Anteil selbstgeschriebenen Materials ist damit eigentlich zu hoch, um eine möglichst objektive Rezension zu gewährleisten. Zum Anderen war die Zusammenarbeit mit der Redaktion in diesem Fall deutlich intensiver; während der Artikel zu Ausgabe 3 von mir eingereicht und später mit einem knappen „wird angenommen“ akzeptiert wurde, war die Arbeit an den Artikeln für diese vierte Ausgabe von einer konstruktiven Kritik geprägt, die ich als Alleinunterhalter auf diesem Blog in dieser Form natürlich nicht kenne. Ich habe den Eindruck, dass die Artikel durch das Feedback und die Vorschläge durch die Redaktion deutlich – sehr deutlich – verbessert wurden. Und da diese Zusammenarbeit damit sehr fruchtbar und darüberhinaus sehr freundlich abgelaufen ist, verhindert auch ein Stück weit persönliche Sympathie eine objektive Bewertung des kompletten Traktakts.

Da diese Seite aber nun einmal cthuloides Rollenspiel im Allgemeinen und Call of Cthulhu im Besonderen behandelt, führt an einer Besprechung dieses Szene-Magazins natürlich kein Weg vorbei. Da mir aber auch kein Gast-Rezensent zur Verfügung steht (fühlt sich jemand berufen?), werde ich das Heft einfach in seinen Einzelheiten vorstellen und meine persönliche Meinung zu den einzelnen Artikeln wiedergeben. Ausserdem plaudere ich ein wenig aus meinem persönlichen Autoren-Nähkästchen – vielleicht spornt das ja den einen oder anderen ebenfalls zu Artikeln für den „Ruf“ an.

Vorab ein paar Worte zum Layout: wie auch die Vorgängerausgaben wirkt das Magazin professionell und muß sich hinter keiner vergleichbaren – oder teureren – Publikation verstecken. Insbesondere die Handouts zu den Szenarien sind Augenweiden und die Bebilderung reichlich!

Die Flüstertüte
Traditionell eröffnet wird Cthulus Ruf mit der Kolumne „Die Flüstertüte“. Autor Andreas Mehlhorn nimmt auf zwei Seiten den „Spieltisch als soziales Gefüge“ auseinander. Gut geschrieben und schlüssig argumentiert, aber… Während die vorherigen Artikel bewußt polarisieren sollten, ist dieser etwas zahmer gehalten – spricht mich allerdings ebenso wenig an wie seine Vorgänger. Letzten Endes konnte ich dieser Kolumne bislang keine für mich relevanten Erkenntnisse entziehen, und bis auf ein oder zwei Foren-Beiträge hat sich auch keine nennenswerte Diskussion um die Themen entsponnen. Schade.

Das schottische Schloss
Die nächsten 23 Seiten nimmt das Gaslicht-Szenario „Das schottische Schloss“ ein. Die Charaktere werden von einem alten bekannten auf sein neu erworbenes Schloss eingeladen. So weit, so gewöhnlich. Auch die übrigen Zutaten hat man schon oft in diesem Zusammenhang gehört: ein Schlossgespenst, ein Moor, ein verschlafenes Dorf, ein jahrhundertealter Fluch und Wesen aus der Anderswelt, die in unsere Welt einfallen. Doch gerade diese Zusammenstellung aus Versatzstücken alter Geistermärchen, kombiniert mit einem kleinen Schuß Cthulhu-Mythos, verleihen dem Szenario von Günther Dambachmair einen unwiderstehlichen Charme. Wirklich gut gelungen, und dass ohne wirklich innovativ zu wirken – das kann nicht jedes Szenario von sich behaupten.

Twinkle Twinkle
…ist die erste von zwei Übersetzungen in dieser vierten Ausgabe und nimmt die nächsten 13 Seiten in Anspruch. Das für NOW konzipierte Szenario führt die Charaktere bei einem Psychologen zusammen, da sie alle unter den selben Albträumen leiden. Auf der Suche nach den Hintergründen treffen sie auf Träumer, Kinderbücher und mehr… Achtung, die Kritik enthält ab hier SPOILER: die Idee, ein Mythoswerk als Kinderbuch zu tarnen ist mir in dieser Form noch nicht untergekommen. Richtig zünden wollte der Funke des Szenarios dann bei mir aber doch nicht. Zu langatmig sind die Recherchen, zu simpel das Finale. Schade, da wäre in meinen Augen mehr drin gewesen.

Die Prophezeiung
Auch das nächste, 14 Seiten starke Szenario ist eine Übersetzung. Eigentlich ist das schade, bei einer Publikation die auf Material aus der Fanbasis setzen will. Dafür wurde aber ein großartiges Szenario ausgewählt: angesiedelt in der Gaslicht-Ära, entführt es vier vorgefertigte Charaktere zu einer Uraufführung eines neuen Theaterstückes aus der Feder Oscar Wildes. Das Szenario zieht wirklich alle Register – ein tolles Theaterstück, starke NSCs, eine tolle Einbindung des Theaters in die Rollenspielrunde und nicht zuletzt viele, viele, viele verstörende Szenen – die Übersetzung hat sich gelohnt!

Fragmente des Grauens
Die dreiteilige Tale of Terror in dieser Ausgabe stammt aus meiner Feder und setzt sich mit einem Zugunfall am Gare Montparnasse auseinander. Eine frühe Version des Artikels fand sich einmal hier auf diesem Blog. Als ich im DORP-Interview hörte, dass die vierte Ausgabe der Gaslicht-Ära gewidmet sein sollte, entschloss ich mich kurzerhand, den Artikel kurz zu überarbeiten und ihn der Redaktion anzubieten. Die endgültige Version hat mit meinem damaligen Blogartikel wenig gemein, und ich freue mich wirklich, dass die Redaktion mit einem sanften Schubs in die richtige Richtung den Artikel so merklich verbessert hat.

Die geheimen Schriften der Janusgesellschaft
Unter diesem Titel firmieren die in „Cthulhus Ruf“ veröffentlichten Regionalia-Artikel. Auch dieser Artikel stammt aus meiner Feder und behandelt die Transsibirische Eisenbahn. Ein Artikel zu diesem Thema schwebt mir schon seit ungefähr einem Jahr im Kopf; als ich vom neuen „Reisen“-Band hörte und ich gleichzeitig bemerkte, dass der „Ruf“ die aktuellen Pegasus-Produkte am Rande mitbegleitet (wie z. B. in der Ausgabe 2 mit dem Thema Ägypten – passend zum Ägyptenband) nahm ich mir vor, das Thema für diese Ausgabe vorzubereiten – passt doch die Transsib prima zum Thema „Reisen“. Die ursprüngliche Form war wesentlich nüchterner gehalten und entsprach mehr den „Regionalia“-Artikel aus den alten CW; wie ein Reiseführer mit leichtem Mythoseinschlag. Doch die Regionalias der „neuen Generation“ sollen sich davon unterscheiden, und so wurde der Artikel mehrfach von mir überarbeitet, bis er seine heuige Form bekam: voller Szenarien-Vorschläge, Regeländerungen, NSC und haufenweise spielrelevantem Material, verpackt in eine Reisegeschichte eines Janobiten und trotzdem mit genug „hartem Stoff“, um dem SL ausreichend Ausweichmaterial an die Hand zu geben. Ich bin überzeugt, so ist der Artikel besser, als ich ihn „alleine“ je hätte schreiben können (und ausserdem finde ich ihn wirklich grandios gestaltet :-)) und ich bin schon sehr auf das Feedback der Community gespannt.

Das Leben des Anderen
…ist ein interessanter Ansatz: auf zwei Seiten wird ein Mord-Tatort mit allen Indizien beschrieben, dann wird der Hintergrund erläutert. Und so kann jeder Spielleiter das Teil als eigenes Szenario verwenden oder in eine Kriminalistik-Kampagne einbetten. Sicherlich nichts weltbewegendes, aber eine sehr hübsche Idee des Autors Stefan Droste und toll umgesetzt.

Der Graben
Dieser sechsseitige Szenarioschauplatz erweitert den „Niemandsland“-Band um zahlreiche Vorschläge rund um die Gräben, in denen der Großteil des ersten Weltkrieges stattfand. Viel Mythos-Hintergrund, sinnvolle Regelvorschläge und viele Möglichkeiten den Alltag ein wenig aufzupeppen geben jedem Spielleiter eine Niemandsland-Kampagne wertvolles Material an die Hand, um die Kampagne zu beleben. Auch hier zeichnet Stefan Droste verantwortlich und wiederum ist die Idee toll umgesetzt. Ich würde dafür zwar keine Niemandsland-Kampagne starten, aber für alle die so etwas planen ein toller Artikel.

Der Bettler im Nebel
Mit dem „Charakter der Ausgabe“ schließt auch diese Ausgabe von Cthulhus Ruf. Der Bettler im Nebel ist dabei von Daniel Neugebauer erdacht, und wird etwas einfacher am Spieltisch einzusetzen sein als der Charakter aus der Vorgängerausgabe. Nicht nur der direkte Einsatz kommt in den Sinn, auch der indirekte, im Umfeld der Charaktere, liegt auf der Hand. Eine gelungene Sache.

Kurioses London
Bleibt noch das Archivheft zu Ausgabe 4, „Kurioses London“. Auf 28 Seiten entführt uns „Robert Ashford“ nach London und stellt einige Kuriositäten vor. Ein unbekannter Leser hat allerdings zahlreiche Markierungen und Notizen in den Texten hinterlassen, Stellen geschwärzt oder ergänzt und zieht den lautschreierischen Reiseführer damit auf eine dunkle, mythosgeschwängerte Seite. Tolles Bildmaterial, ein wirklich liebevolles Layout und nicht zuletzt das grandiose Cover machen dieses Archiv zu meinem Favorit unter den bisher erschienen Archivheften.

Ein Fazit werde ich an dieser Stelle nicht ziehen und auch keine meiner üblichen Sterne-Wertungen vornehmen – meine Meinung zu dieser Ausgabe ist glaube ich offen ersichtlich. Wer sich noch einen tieferen Einblick verschaffen möchte, dem sei die „Durchgeblättert“-Ausgabe von PurpleTentacle empfohlen: KLICK

Rezension: Cthulhus Ruf Archiv I – protect the elder sign

Seit der zweiten Ausgabe des Magazins „Cthulhus Ruf“ liegt den Heften ein A5-Beiheft bei, dass den Titel „Cthulhus Ruf Archiv“ führt. Seit der zweiten Ausgabe? Richtig, in der ersten Ausgabe war für das Archivheft leider kein Platz mehr. Doch die Cthulhus-Ruf-Redaktion reicht das Heftchen nun nach, so dass jeder in den Genuss von Cthulhus Ruf Archiv I kommen kann. Doch lohnt sich die Anschaffung?

coverDas Heft kommt in einem giftigen Grünton daher, ist ein Softcover und innenseitig fast komplett in schwarz-weiß gehalten. Im ersten Archivheft ist gleich eine ganze Kampagne enthalten: der sogenannte Cee-Hunter Pjotr Bakunin (dem einen oder anderen vielleicht von seinem Blog ithappensnow.twoday.net bereits bekannt) wird von seinem Kontaktmann nach Szczecin geschickt: hier soll er dem Diebstahl eines unbekannten Artefaktes nachspüren. Wer sind die Hintermänner? Welches Artefakt wurde gestohlen? Die Hinweise führen ihn alsbald auf die Spur des Diebes, der jedoch auch nur eine kleine Hilfe darstellen wird. Die Reise wird Pjotr in den folgenden Teilen der Kampagne durch mehrere polnische Städte führen, immer auf der Suche nach der Wahrheit…

Die Kampagne ist gleich auf mehrere Arten interessant: zunächst einmal handelt es sich um sogenannte „One-on-One“-Szenarien – gedacht für einen Spielleiter und einen Spieler. Dann legt der Autor viel Wert auf Tempo, Hektik und Action. Jeder Teil der Kampagne sollte in maximal zwei Stunden zu bewältigen sein. Der Spielleiter ist angehalten, das Tempo hoch zu halten. Der vorgefertigte Pjotr Bakunin ist darüber hinaus ein erfahrener Mythosjäger und ein hochspezialisierter Profi mit Zugriff auf eine Menge Material – da kann es schnell krachen und zu handfester Action kommen.

Die Aufmachung des Heftchens ist grandios: die verwendeten Bilder sind stimmig und passend überarbeitet, die Handouts gewohnt oppulent. Der gesamte Stil vermittelt Hektik und Adrenalin. Ein dickes Lob für das Layout an dieser Stelle! Ausführliche Testberichte, die neben diversen Hinweisen im Fließtext stehen, zeugen vom ausführlichen Spieltesten, das die Szenarien erfahren haben.

Zwei Wehrmutstropfen seien erwähnt: als in Ausgabe 2 der erste Teil dieser Kampagne erschien, wurde er von einem passenden Artikel zum Thema „One-on-One“ flankiert, der dem angehenden Spielleiter hilfreiche Tipps an die Seite stellte. Derartige Tipps hätte ich mir auch hier im Kampagnenheft gewünscht. Zum anderen ist das Lektorat nicht gerade sorgfältig: das Heft verzichtet bewußt auf Großbuchstaben und ist auch in einem unsauberen, hektischen Stil verfasst – das ist sicherlich gewollt. Nichts desto trotz haben sich auch unabhängig von diesen Stilfaktoren ganz einfache Rechtschreibfehler eingeschlichen, die mir unangenehm häufig ins Auge gesprungen sind.

Fazit: Eine äußerst ungewöhnliche Kampagne mit einem tollen Protagonisten, interessanten NSC und einem sehr spannenden Plot in absolut grandiosem Design und einem wahnsinnig niedrigen Preis. Wer NOW spielt und neue Ideen sucht, oder einmal ein „One-on-One“ testen möchte, der kann bedenkenlos zugreifen. Auch für Sammler führt hier natürlich kein Weg vorbei. Alle anderen sind natürlich mit den kompletten Ausgaben des „Rufs“ besser bedient.

Geheimnisse um Burrows Cave

1982. Irgendwo in Illinois soll der passionierte Sammler Russel Burrows auf ein unterirdisches Höhlensystem getroffen sein. Mit einem Metalldetektor brach er durch die Decke des Höhlensystems ein und entdeckte hier Erstaunliches:

Dort sah er im Dämmerlicht altertümliche Statuen aus Stein, Urnen und Waffen, die auf dem Boden verstreut lagen. Die Wände waren mit Darstellungen und Motiven bedeckt, die ihn an das alte Ägypten erinnerten.

Und weiter ging es:

1987 entdeckte Burrows dann bei einer seiner vielen weiteren Exkursionen einen Raum des Höhlensystems, den er später als „Main Tomb“, als Hauptkammer der Anlage, bezeichnet hat. „Der Eingang war mit einem großen, steinernen Rad verschlossen, auf dem seltsame Schriftzeichen prangten. Burrows meisterte auch dieses Hindernis und trat schließlich in eine geräumige Kammer ein, in der – umringt von Waffen und Statuen – ein massiver Steinsarkopharg stand. Mit dem Brecheisen gelang es ihm, den Sargdeckel zu öffnen. Darin eingebettet lag ein zweiter Sarg aus purem Gold. Burrows öffnete auch diesen – und seine Augen weiteten sich: Vor ihm lag eine in Tücher eingehüllte Mumie…“

(Quelle: www.reinis-welten.de, auch für weitergehende Lektüre empfohlen :-))

Um die Fundstücke ranken sich zahlreiche Fragezeichen: Aufgetaucht sind zahllose Steine – rund 7.000 sollen dokumentiert sein – die mit Bildern und Schriften versehen sind, die die Archäologie kaum zuordnen kann. Besonders verwirrend: zahlreiche der Motive wirken, als würden sie aus verschiedensten Kulturkreisen stammen. Behelmte Krieger, römische Kaiser, Fischstatuetten und viele weitere, unzusammenhängende Motive sind bekannt. Fälschungen? Offensichtlich… Darüber hinaus hat der Finder Burrows scheinbar Gold und Schmuck „beiseite“ geschafft und verkauft. Verraten hat er den Fundort nie in der Öffentlichkeit – reine Goldgier, oder ging es um mehr?

Da ich keine gemeinfreien Bilder der Funstücke auftreiben konnte, sei hier auf einen Google-Link verwiesen: Fundstücke aus Burrows Cave

Um was aber handelt es sich wirklich bei diesem rätselhaften Höhlensystem im südlichen Illinois? Der Mythoskundige wird die wahre Antwort rasch finden: natürlich handelt es sich um Ausläufer einer Bibliothek der Großen Rasse von Yith. Hier haben sie steinerne Schriftstücke von menschlichen Individuen aufbewahrt, mit denen sie kurzzeitige Bewußtseinstransfers durchgeführt hatten. Es ist bekannt, dass die Große Rasse einigen Auserwählten Bewegungsfreiheit gewährten und sie auch zum Aufschreiben ihrer Geschichte ermunterten. So erklärt sich die scheinbar wahllose Vielfalt irdischer Kulturen, die in den Überbleibseln zu finden ist.

Szenariovorschlag 1: Ein Zirkel manischer Kultisten kauft von Burrows ein Goldmedaillon auf, dass sie rasch als der Großen Rasse zugehörig identifizieren können. Sie suchen Burrows auf und erpressen und foltern ihn, damit er sie zu den Höhlen führt. Sie lassen ihn mit einer kurzen Bedenkfrist zurück, in der er sich hilfesuchend an alte Freunde wendet – und die wiederum sind Bekannte der Charaktere, die als Problemlöser für solche Fälle womöglich nicht unbekannt sind. Nun gilt es auf der einen Seite, den zwielichtigen Burrows zu durchschauen, der natürlich vorgibt keine Ahnung zu haben, wer ihn verfolgt und warum. Auf der anderen Seite steht der Kultistenzirkel, der wenig zimperlich in der Wahl seiner Mittel ist. Und wenn die Charaktere dann herausgefunden haben, worum es in der Sache wirklich geht, stehen sie vor einer Bibliothek voll unmöglichem Wissen – was werden Sie hier finden können…?

Szenariovorschlag 2: Burrows hat die Lager der geheimen Höhlen 1998 einem Anthropologen mitgeteilt. Warum ist seither nichts unternommen worden? Nun, besagter Anthropologe ist nicht nur ein versierter Kenner des Mythos, der rasch herausfand, was er vor sich hatte. Darum verschleierte er alle weiteren Schritte vor der Öffentlichkeit. Er ist darüberhinaus Freund und Mäzen der Charaktere, die er nun um Hilfe bittet: denn durch Burrows Eindringen in das Höhlensystem hat er alte Schutzsymbole zerstört, die die tief im Erdinneren lebenden Flugkraken gefangen halten sollten. Das Wetter in der Gegend scheint verrückt zu spielen, seltsam lokale Stürme verwüsten naheliegende Dörfer. Die Zahl der Todesopfer steigt. Werden die Charaktere den Kampf in den Höhlen aufnehmen und die alten Schutzsymbole neu anbringen?

Rezension: todesangst

Die heutige Rezension beschäftigt sich noch einmal mit der Cthulhoide-Welten-Bibliothek, jene Sonderreihe der – leider eingestellten – Verlagszeitschrift Cthulhoide Welten, in der einige hervorragende Abenteuerbände publiziert wurden. In „todesangst“ finden sich zwei Szenarien für Cthulhu NOW wieder. Für dieses Setting wurde vergleichsweise wenig Material publiziert – entspricht die Qualität der Quantität?

todesangst100 Seiten ist der Sonderband stark und kommt als Softcover mit stabiler Klebebindung daher. Enthalten sind zwei Szenarien: auf der einen Seite „Die Geschichte der Kati S.“ von Frank Heller, auf der anderen das wesentlich umfangreichere „Kinderstimmen“ von Jens-Christian Seele.

Das 32seitige Szenario „Die Geschichte der Kati S.“ basiert dabei lose auf dem amerikanischen Abenteuer „Loves lonely children“ von Richard Watts. Das kenne ich zwar nicht, ist aber nach Aussage des Autors Frank Heller ohnehin nur eine sehr lose Grundlage. In dem Szenario, dass dank vorgefertigter Charaktere als One Shot funktionieren kann, schlüpfen die Spieler in die Rolle von Kommissaren der Berliner Mordkommission. Eine Frauenleiche wurde in einem Park gefunden. Die Spur führt rasch in den Berliner Untergrund. Ein Sumpf aus Sex, Drugs and Rock’n’Roll zieht die Charaktere immer weiter hinab, bevor sie auf übermenschlich große Abgründe stoßen… Der Hintergrund des Szenarios ist dreckig, gemein und sicher nichts für sensible Naturen – aber die sind bei NOW sicherlich ohnehin nicht richtig aufgehoben. Dank einer guten Storyline und vor dem realen Berliner Hintergrund können die Spieler einen spannenden Krimi erleben, bevor im Finale die Mythoskeule zuschlägt und für reichlich Action sorgen wird. Ein wirklich starkes Szenario.

Wesentlich länger ist „Kinderstimmen“ ausgefallen. Hier führt der Selbstmord eines kleinen Mädchens (!) die Charaktere in eine kleine Neubausiedlung, in der schon bald klar wird, dass man nicht jedem Nachbarn trauen kann. Während die Charaktere die Ermittlungen aufnehmen, entspinnen sich Ränkespiele und Intrigen vieler Parteien im Hintergrund… Das Szenario nimmt stolze 67 Seiten in Anspruch. Bedient wird alles, was man von NOW erwartet: komplizierte Verstrickungen, drastische Gewalt, Mythos-Monster und hinter allem stecken geheimnisvolle Dunkelmänner. Dank interessanten NSC und zahlreichen Handlungssträngen mag „Kinderstimmen“ als Ausgangspunkt einer Kampagne dienen oder recht leicht in eine solche verstrickt werden. Auf der anderen Seite ist mir der Plot ein wenig zu eintönig – einige Elemente sind so oder ähnlich schon oft verwendet worden.

Das Heft ist im typischen „NOW“-Stil gehalten: schwarze Textkästen, schwarz-weiß-graue Illustrationen und ein klar lesbares Schriftbild sorgen für eine gute Note in der Optik. Die Handouts sind – wie fast schon gewohnt – optisch oppulent und reichlich an der Zahl ausgefallen. Sogar eine eigene Web-Seite nebst herunterladbarem Punk-Song sind extra für „Die Geschichte der Kati S.“ angelegt worden – www.grenzfall-berlin.de. Für Verarbeitung und Material gibt es damit eine Höchstnote.

Fazit: Ein Fazit? Nun, „Die Geschichte der Kati S.“ gehört zum Besten, was ich bisher für NOW gelesen habe. „Kinderstimmen“ bietet zumindestens solide Kost und kann eine Kampagne in zahlreiche Richtungen bereichern. Ein ABER steckt im Hintergrund beider Szenarien: sie sind nichts für zarte Seelen, auch wenn sie mit Respekt und genügen Abstand an die grausigen Taten herangehen.

Was gibt es also zu meckern? Nichts. Wer NOW spielt sollte versuchen, dieses Heft aufzutreiben. Basta.

PS: weitere Rezensionen bei…
DORP.de
fantasyguide.de
Roter Dorn
Reich der Spiele

„Gast“szenario: Block B

Hallo zusammen,

durch einen glücklichen Zufall bin ich auf einen ambitionierten Autoren – Stefan „Eiter“ – Dieckhoff – gestoßen, der sein fertiggestelltes Werk gerne einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren möchte. Glücklicherweise (für mich) entschied er sich dafür, sein Szenario auf einer ganz dem cthuloiden Grauen verschriebenen Homepage zu veröffentlichen.

„Block B“ ist damit das erste „Gast“szenario auf diesem Blog. Es wurde für Cthulhu NOW konzipiert und bringt vorgefertigte Charaktere mit. Die Spieler übernehmen die Rollen von Gefängnisinsassen, denen ein uralter Fluch den Gar auszumachen droht. Flucht ist die einzige Chance auf Überleben – nur wie…?

Ein paar Worte möchte ich als Veröffentlicher noch mit auf den Weg geben: wie für Cthulhu NOW fast üblich ist “Block B” nichts für zarte Gemüter – insbesondere die vorgefertigten Charaktere haben es in sich. Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, Gewaltverbrecher, die in ihrer Vergangenheit teils wirklich furchtbare Dinge getan haben, zu mimen. Spielleiter sensibler Gruppen mögen vielleicht Abstand zumindest von den Hintergrundgeschichten der SC nehmen – nehmen damit aber auch Drastisches aus dem Szenario.

Genug der Vorrede, Vorhang auf für „Block B“:

Edit: da ich die Rückmeldung erhalten habe, dass die Druckqualität der vorgefertigten Charaktere nicht optimal ist, gibt es hier auch die Charaktere als höher auflösende Einzel-PDFs:

Um dem Umstand einer Gastautorenschaft gerecht zu werden, habe ich kleine Umstrukturierungen an meinem Blog vorgenommen. Ihr findet nun am oberen Bildrand zwei feste Links auf die Seiten „Spielmaterial“ und „Szenarien“. Die ehemalige Wildwuchs-Seite „Selbstgeschriebenes“ ist damit ad acta gelegt. Unter „Szenarien“ finden sich nun sauber gegliedert meine eigenen Niederschriften ebenso wie „Block B“.

Wer tatsächlich ebenfalls Interesse daran hat, sein Szenario hier veröffentlicht zu sehen, der findet weiterführende Informationen ebenfalls auf der Seite „Szenarien“. Und nun viel Spaß mit „Block B“. Stefan freut sich sicherlich – genau wie ich – über zahlreiche Kommentare.