Rezension: Königsdämmerung – Kampagnen-Tagebuch

„Was bitte ist ein Kampagnen-Tagebuch?“ Die Worte, mit denen Chefredakteur Heiko Gill eben dieses Kampagnen-Tagebuch im Vorwort eröffnet, schossen auch mir durch den Kopf als ich das Produkt betrachtete. Schauen wir doch einmal nach!

rezension-koenigsdaemmerung-kampagnen-tagebuch„Königsdämmerung“, die Übersetzung der amerikanischen Kampagne „Tatters of the King“ aus dem Jahr 2008, ist die neueste Kampagnen-Veröffentlichung aus dem Hause Pegasus für „Cthulhu“. Neben der eigentlichen Kampagne, die ja vorrangig von Spielleitern gekauft werden wird, haben Verlag und Redaktion eine Möglichkeit gesucht, um auch Spielern Material an die Hand zu geben. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist das „Kampagnen-Tagebuch“. Doch worum handelt es sich genau?

Im Laufe der Kampagne „Königsdämmerung“ können die Investigatoren – und damit natürlich auch ihre Spieler – auf eine Vielzahl verschiedener Handouts stoßen. Während Handouts ohnehin für „Cthulhu“ – und insbesondere für die deutsche Pegasus-Ausgabe des Horror-Klassikers – ein Markenzeichen sind, ist die Vielzahl und der Abwechslungsreichtum bei „Königsdämmerung“ recht hoch. Neben den obligatorischen Buchauszügen hinterlassen Photographien, Tagebucheinträge, Briefe, Einladungskarten und noch einiges mehr wichtige Hinweise für die Investigatoren.

Die Idee hinter dem „Kampagnen-Tagebuch“ ist es nun, diese Handouts in gebündelter Buchform zu präsentieren. Damit sollen zwei Ziele erreicht werden: Zum einen wird der Spielleiter von der lästigen Pflicht entbunden, alle Handouts gesondert vorzubereiten. Zum anderen soll es so für die Spieler einfacher werden, eine Art Tagebuch über den Verlauf der Kampagne zu führen, wie es in manchen Spielgruppen ohnehin üblich ist. Dabei wird bei den Spielern natürlich ein gewisses Maß an Selbstdisziplin vorausgesetzt, denn wer zu weit vorblättert, erhält bereits Informationen, die sein Investigator noch nicht kennt.

Ich muss sagen, dass mir die Idee hinter dem „Kampagnen-Tagebuch“ ausnehmend gut gefällt. Allerdings merkt man der tatsächlichen Ausführung den niedrigen Preis leider auch an. Versteht mich nicht falsch: Das Buch steht in Druck- und Papierqualität den übrigen, für die Edition 7 erschienen Softcoverbände in keiner Weise nach. Auch sind die Handouts liebevoll und aufwändig gestartet; das großzügige Layout mit ausreichend Platz für eigene Notizen wirkt durchdacht und sieht gut aus. Tatsächlich hätte ich mir für ein „Kampagnen-Tagebuch“ aber eine stimmungsvollere Aufbereitung gewünscht. Die Handouts nicht in Buchform, sondern als einzelne Ausdrucke zum Austeilen beizulegen und das Tagebuch als schick aufgemachtes, dem Thema angepasstes Notizbuch zu präsentieren hätte zu wesentlich mehr Individualität der eigenen Tagebücher beigetragen und würde deutlich stimmungsvoller wirken. So bleibt das „Kampagnen-Tagebuch“ in meinen Augen eine gute Idee, deren Möglichkeiten jedoch längst nicht ausgereizt sind.

Fazit: Ein Fazit zu ziehen fällt mir schwer. Das „Königsdämmerung – Kampagnen-Tagebuch“ ist eine nette Idee und für Gruppen, die gerne Tagebuch führen oder deren Spielleiter die Vorbereitungszeit reduzieren möchte, eine empfehlenswerte Anschaffung. Leider bleibt die Idee jedoch in der Ausführung hinter ihren Möglichkeiten zurück.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Rezension: Königsdämmerung

Neben Cthulhu ist Hastur – oder eher sein Avatar „Der König in Gelb“ – eine der ikonischsten Figuren des vielseitigen Cthulhu-Mythos. Nun widmet Pegasus diesem Großen Alten mit „Königsdämmerung“ eine eigene Kampagne. Wie gelungen ist die Auseinandersetzung mit dem Unaussprechlichen?

rezension-koenigsdaemmerung„Königsdämmerung“ ist die Übersetzung der amerikanischen, von Chaosium verlegten Kampagne „Tatters of the King“ aus dem Jahr 2008. Entgegen dem amerikanischen Original erscheint die deutsche Version als gewichtiges Hardcoverbuch, dem dankenswerterweise auch gleich ein Lesebändchen spendiert wurde. Bei über 200 Seiten Kampagnenmaterial ist das mehr als hilfreich. Doch worum geht es eigentlich? Bevor ich diese Frage beantworte, will ich Leser, welche die Kampagne noch als Spieler erleben wollen, warnen. Denn völlig spoilerfrei wird die Inhaltswiedergabe nicht werden. Es sei ihnen also angeraten, gleich zum Fazit vorzuspringen.

In „Königsdämmerung“ ruht der Blick Hasturs auf der Erde. Die Sterne stehen günstig und in Zeitraum von Oktober bis März sind die Hyaden am Nachthimmel zu sehen, Heimstatt des Unaussprechlichen. Während sensible Menschen, allen voran Künstler, seinen Einfluss spüren und wirre Kunstwerke erschaffen, erreicht die Investigatoren ein Brief des Leiters eines Sanatoriums. Er bittet sie, ihm bei einem besonderen Fall von geistiger Verwirrung zur Seite zu stehen…

In den folgenden Episoden überschlagen sich die Ereignisse. Dabei stoßen die Investigatoren nicht nur auf einen finsteren Kult, der beabsichtigt, den Großen Alten Hastur zu beschwören. Nein, sie müssen gleich zwei ehemals verbrüderte und nun gegeneinander arbeitende Kulte verfolgen und daran hindern, großes Unheil über die Welt zu bringen. Dabei bietet „Königsdämmerung“ umfangreiche Recherchen, actionreiche Zwischensequenzen, finstere Widersacher, einprägsame Charaktere und absolut grandiose Schauplätze. Ja, ein Teil der Handlung spielt sogar im legendären Carcosa am See Hali.

Die Kampagne gehört zu den sehr lovecraftesken Abenteuern, die für „CTHULHU“ erhältlich sind. Nur wenigen der Antagonisten wird eine übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung gerecht, vielmehr vermischen sich unterschiedliche Grauschattierungen zu interessanten Charakteren. Auch den Investigatoren werden moralisch schwerwiegende Entscheidungen abverlangt und nicht zuletzt das beinharte Finale führt ihnen die Sinnlosigkeit ihrer Taten und ihre eigene Wertlosigkeit gnadenlos vor Augen. Damit sprüht die Kampagne vor puristischem Charme, ist damit aber auch vielleicht nicht mehr jedermanns Geschmack.

„Königsdämmerung“ ist dabei ein wenig sperrig aufbereitet. Die Handlung ist in drei Bücher (große Kampagnenabschnitte) mit insgesamt zwölf Kapiteln unterteilt. Der Großteil des Textes ist als Fließtext aufbereitet, wobei wichtige Regelerklärungen oder Spielwerte von Gegnern und anderen NSC in gut sichtbaren Extrakästen untergebracht sind. Nichts desto Trotz wird es durch die schiere Menge Fließtextes natürlich schwieriger, einzelne Passagen während des Spielabends herauszusuchen. Eine intensive Vorbereitung durch den Spielleiter wird damit Pflicht. Außerdem leidet „Königsdämmerung“ an mancher Stelle – nicht zuletzt in den beiden großen Finalen, die der Band bietet – unter akutem Railroading, um auch all die fantastischen Szenen, die Autor Tim Wiseman erdacht hat, sicher unterzubringen.

Die optische Aufbereitung des Bandes hat mir wieder sehr gut gefallen. Die verwendeten Schriften sind gut lesbar, das Schriftbild klar. Zahlreiche zeitgeschichtliche Fotografien zieren die Seiten. Ergänzend wurden wie auch schon im Grundregelwerk einige Zeichnungen aus dem amerikanischen Original übernommen, welche die Stimmung des Bandes hervorragend einfangen. Lektorat und Korrektorat haben einen guten Job gemacht. Lobend erwähnen möchte ich auch einmal mehr die absolut grandios aufgemachten Handouts, die in großer Zahl für mehr Haptik sorgen. Für die technische Seite gibt es damit wiederum eine gute Note.

Fazit: „Königsdämmerung“ ist eine sehr lovecrafteske Kampagne mit großartigen Szenen, abwechslungsreichen Herausforderungen, interessanten Gegenspielern und zwei beinharten Finalen. Schwächen zeigt es in der komplexen Aufbereitung und den stark gescripteten Szenen. Wer eine spannende, abwechslungsreiche aber auch trostlose und fordernde Kampagne sucht, wird hier garantiert fündig. Nicht zuletzt dank des niedrigen Verkaufspreises eine glatte Kaufempfehlung für alle Puristen, denen Pulp und Action bei „CTHULHU“ nicht so wichtig sind.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de