Rezension: Die Bestie 1 – Präludium

Bevor ich zum eigentlichen Blogeintrag für heute komme: habt Ihr schon von meinem Cthulhu-NSC-Wettbewerb gelesen? Nicht? Hier findet Ihr alle wichtigen Infos. Haut in die Tasten, dank der Unterstützung zahlreicher Sponsoren gibt es auch coole Preise zu gewinnen!

Im Zuge meiner Preisvorstellungen von Pegasus ist mir augefallen, dass ich noch keiner Rezension zu „Die Bestie 1 – Präludium“ habhaft werden konnte. Mit dankenswerter Unterstützung des Ringboten, wo diese Rezension in den nächsten Tagen auch erscheinen wird, kann ich hier ein wenig Abhilfe schaffen.

Mit „Die Bestie“ legt Pegasus nach „Horror im Orient Express“, „In Nyarlathoteps Schatten“ und „Die Berge des Wahnsinns“ die nächste große Kampagne für das Rollenspiel „Cthulhu“ vor. Insgesamt drei umfangreiche Bände sind der Kampagne gewidmet, wobei mit „Präludium“ nun das erste Buch veröffentlicht wurde.

Rezension - Die Bestie 1 - Präludium„Die Bestie“ hat dabei bereits eine lange, wechselvolle Geschichte hinter sich. Im amerikanischen Original unter dem Titel „The Fungi from Yuggoth“ bereits in den 1980ern veröffentlicht, erfuhr die Kampagne mehrere Überarbeitungen und auch bereits eine Übersetzung ins Deutsche: Der Laurin-Verlag veröffentlichte die Kampagne unter dem Titel „Die Bruderschaft des Tieres“. Nun wurde die Kampagne komplett überarbeitet, erweitert und ergänzt und damit auf ihren heute vorliegenden, dreibändigen Umfang gebracht. Dem interessierten Leser sei auch verraten, dass es einige komplett neu geschriebene Episoden in die Kampagne geschafft haben – darunter auch die beiden ersten Plätze des von Pegasus veranstalteten Ägypten-Wettbewerbes von 2012 „Falkenjagd“ und „Die Söhne des Horus“, die nun auf diesem Wege Veröffentlichung erfahren.

Eröffnet wird der mit „Präludium“ treffend betitelte erste Band der Kampagne dann auch mit einem Überblick über den Handlungsfaden der gesamten Kampagne. Alle vorkommenden Abenteuer – von denen es insgesamt 18 an der Zahl sein werden – werden kurz umrissen, die Ziele der Gegenspieler werden vorgestellt und auch ein mögliches Scheitern der Spielercharaktere kurz skizziert. Dann geht es auch gleich ans Eingemachte, nämlich die sechs in diesem Band enthaltenen Szenarien. Eine Warnung vorweg: die Besprechung der Abenteuer kommt kaum komplett ohne Spoiler aus. Wer die Kampagne noch als Spieler erleben möchte, dem sei angeraten, die nächsten drei Abschnitte zu überspringen.

In „Das Geisterhaus“ trifft die Gruppe erstmals auf eine wichtige Schlüsselfigur der gesamten Kampagne, Paul LeMond. Sie begleiten das begabte Medium in ein abgelegenes Geisterhaus, um als interessierte Laien einige seiner spiritistischen Séancen zu erleben. Natürlich wird die Bedrohung durch die Geister ein wenig handfester als geplant, doch letzten Endes unterscheidet sich das Abenteuer kaum von vielen anderen Geisterhaus-Szenarien. Etwas mehr Fahrt nimmt das zweite Abenteuer „Der Vorfall in den Black Hills“ auf. Die Charakter untersuchen grauenhafte Vorfälle auf dem Gelände eines Bergbaus. Hier wird es gleich ein wenig deftiger und interessante NSC, alte indianische Legenden und die bange Frage, wer Freund und wer Feind ist werten dieses Szenario auf.

In „Das Heiligtum“ wird erstmals der amerikanische Kontinent verlassen, ist das Szenario doch in Indien angesiedelt. Im Auftrag eines Immobilienmaklers sollen die Charaktere ein Grundstück von einer obskuren Sekte abkaufen. Doch auch hier ist nicht alles, wie es auf den ersten Blick scheint… Diese ersten drei Abenteuer können dabei mit jeweils unabhängigen Gruppen gespielt werden und dienen als drei unabhängige Einstiege in die Kampagne. Ein geschickter Schachzug, um jedem Spieler gleich mehrere Charaktere an die Hand zu geben, sind doch Spielercharaktere auf der Spur der Großen Alten nicht unbedingt für ihre Langlebigkeit bekannt. Dabei werden drei ganz unterschiedliche Motive der späteren Kampagne eingeführt, doch die Zusammenhänge sind nun noch überhaupt nicht klar.

Der eigentliche Kampagnenbogen beginnt dann mit dem vierten Szenario, „Der Träumer“. Ein alter Bekannter aus dem ersten Szenario ist verschwunden, und die Charaktere werden ihr ganzes detektivisches Geschick in die Waagschale werfen müssen, um Paul LeMond wiederzufinden. In der Folge versorgt das Medium die Gruppe dafür mit hellseherischen Hinweisen rund um den weiteren Kampagnenverlauf. In „Guy Fawkes’ Erben“, angesiedelt in London, stoßen die Spieler dann erstmals auf einen Ausläufer der Verschwörung, deren Machenschaften sie in Zukunft noch öfters durchkreuzen werden. Dabei müssen sie mit finsteren Schlägern ebenso klarkommen wie mit einem mächtigen Zauberer – eine unerwartete Mischung mit reichlich Zündstoff. Schließlich beendet „Die Söhne des Horus“, eines der Siegerabenteuer des Ägypten-Wettbewerbes, den Abenteuerreigen: ein Anschlag auf das Leben der Charaktere führt sie erstmals nach Ägypten, wo sie auf den Spuren eines Jahrtausende alten Kultes wandeln und ein furchtbares Ritual verhindern müssen, um ihr eigenes Leben zu retten. Aktuell erschließt sich mir bei diesem – eigentlich sehr starken – Abenteuer der Zusammenhang zur Gesamtkampagne leider überhaupt nicht. Ich hoffe, dass sich in den Folgebänden eine Brücke zu diesen Ereignissen schlagen lässt; andernfalls wäre dieses tolle Szenario an dieser Stelle leider verschwendet.

Abgerundet wird der Band schließlich mit einem umfangreichen Regionalia-Artikel, der die britische Kolonie Indien in den 1920ern vorstellt. Dabei findet der interessierte Spielleiter gewohnt gut recherchierte und umfangreiche Informationen – über die verschiedenen Religionen, die Geschichte des Landes, den Umgang mit Land und Leuten und die britische Kolonialherrschaft. Gewürzt wird dieser Streifzug mit zahlreichen Szenarien-Vorschlägen und Abenteueraufhängern und gehört damit eindeutig zu den brauchbareren Regionalia-Artikeln.

„Die Bestie 1 – Präludium“ entspricht optisch den übrigen Cthulhu-Veröffentlichungen der letzten Jahre. Der Band ist reichhaltig bebildert, die Seiten wie die eines altertümlichen Folianten aufgemacht. Wie immer sind leider einige Seiten aber durch verwendete Hintergrundmotive schwer lesbar. Außerdem wurde die für „Cthulhu“-Bände übliche Bebilderung mit zeitgenössischen Photographien teilweise durch gezeichnete Bilder aufgelockert, die mich allesamt nicht zu begeistern wussten. Dafür sind aber die Handouts wieder zahlreich und wunderschön geworden und auch die zahl- und hilfreichen Karten im Regionalia-Teil sollen positiv erwähnt werden. Insgesamt würde ich das Layout – wie immer – als ansprechend und hübsch bewerten wollen.

Fazit: Wie so oft ist ein Fazit für den ersten Teil einer Kampagne schwer zu ziehen. „Die Bestie 1 – Präludium“ schreibt Abwechslung groß und mindestens drei der enthaltenen Abenteuer können auch für sich alleine stehen und verbreiten Grusel auf angenehm hohen Niveau. Auch Layout und der umfangreiche Quellenteil über Indien wissen mir zu gefallen. Insofern gibt es kaum einen Grund, dem Band eine Kaufempfehlung abzusprechen. Ob sich die gesamte Kampagne als lohnenswert erweist, kann ich an dieser Stelle aber noch nicht abschätzen – dafür ist der Einstieg ein wenig zu gemächlich ausgefallen.

PS: Und zu gewinnen gibt es diesen Band natürlich auch! Ran an die Tasten! 🙂

Rezension: Indien – Der Subkontinent in den 1890ern

Bei dem Gedanken an Indien steigen im Geiste der meisten Leser exotische Bilder auf: Fakire auf Nagelbrettern, geheimnisvolle Schlangenbeschwörer, überwucherte Tempelruinen in finsteren Dschungeln oder eine Tigerjagd auf dem Rücken eines Elefanten. Genug Stoff also für cthuloide Abenteuer in fernen Landen. Doch wie verhält sich der englische Gentleman in der Gaslichtära in der Kolonie Indien? Was motiviert ihn? Und wo kann er in Indien auf den Mythos treffen? Alle diese Fragen will das vorliegende PDF beantworten.

Das Quellenmaterial zu Indien in den 1890ern war – wie schon einige der „PDF-only“-Veröffentlichungen von Pegasus Press für das „Cthulhu“-Rollenspiel – ursprünglich für die leider eingestellte „Cthuloide Welten“ vorgesehen. Nun wird das von Stefan Droste geschriebene Material den Spielern auf andere Weise zugänglich gemacht. Es dient dabei zugleich auch als Appetit-Anreger für einen kompletten „Gaslicht“-Band, der zwischen den Zeilen schon das ein oder andere Mal vom Verlag angekündigt wurde.

Um es direkt vorweg zu nehmen: Der Titel des PDF ist etwas irreführend gewählt. Wer einen ausführlichen Regionalia-Artikel im Stile der „Cthuloide Welten“ erwartet, wird wohl etwas enttäuscht werden: Zwar beschäftigen sich einige der insgesamt 15 Seiten mit Land und Leuten, allerdings liegt der Schwerpunkt des Materials auf der englischen Kolonialherrschaft in den 1890ern. Die wird allerdings umfassend behandelt: Da geht es um die Geschichte der Kolonie oder auch um die Motivation der englischen Gentleman in Indien. Ein ausführliches Kapitel widmet sich dann auch englischen Spielercharakteren in Indien; hier werden zahlreiche Vorschläge für mögliche Berufe gemacht.

Wiederum einige Seiten beschäftigen sich mit dem Mythos in Indien. Hier erfährt der interessierte Spielleiter, welche Kreaturen und Gottheiten in der fernen Kolonie wohl anzutreffen sind. Dabei trifft man hauptsächlich auf alte Bekannte unter neuem Namen. Auch an typische Mythosbücher, die wohl in Indien zu finden sein könnten, wurde bei der Behandlung des Mythos gedacht. In diesem Kapitel ergeben sich schon alleine durch die Beschreibungen der Kreaturen und Artefakte einige Szenario-Ideen.

Zu guter Letzt findet sich noch eine Seite mit Hinweisen auf weiterführendes Quellenmaterial zu Indien. Wer eigene Abenteuer in diesem Land inszenieren möchte, kommt wohl auch nicht um eigene, weiterführende Recherche herum. Wie oben bereits angeführt, sind gerade die Regions-Beschreibungen in dem vorliegenden PDF sehr knapp gehalten.

„Indien“ reiht sich optisch nahtlos in die übrigen PDF-only-Veröffentlichungen ein. Das Dokument ist reich bebildert; die dabei verwendeten Photographien versprühen genau den Hauch von Exotik, den es für ein so fernes Land zu erzeugen gilt. Insgesamt kann man die grafische Aufmachung wohl wieder mit einer guten Note versehen. Was ich ehrlich gesagt ein wenig übertrieben finde, ist das mitgelieferte elektronische Inhaltsverzeichnis: Man muss nicht jede kleine Zwischenüberschrift bei einem Artikel, der wohl nicht für den direkten Einsatz am Spieltisch in Frage kommt, in das Verzeichnis mit aufnehmen. So wird es fast schon komplizierter, die gewünschte Information rasch herauszusuchen, was natürlich dem Zwecke dieses Inhaltsverzeichnis zuwider läuft.

Fazit: „Indien – Der Subkontinent in den 1890ern“ ist wirklich gut – wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung an den Text herangeht. Für eine Regionsbeschreibung ist er schlicht und einfach zu kurz, gerade der Teil über Land und Leute bietet viel zu wenig. Wer aber nach Informationen über englische Charaktere in der fernen Kolonie sucht, der wird hier in völlig ausreichendem Maße fündig. Insofern gibt es eine gute Note – allerdings ist das Thema damit auch schon so speziell, dass es wohl von selbst den einen oder anderen Käufer ausschließt.

Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de.