Rezension: Fabula Obscura – Das McCready Erbe

Es ist nun fast ein Jahr her, dass ich auf diesen Seiten ein Hörspiel aus der Reihe „Fabula Obscura“ rezensiert habe. Damals habe ich mir „Haus Moreau“ angehört, und war eigentlich recht angetan. Zeit also, einen Blick auf die andere Ausgabe der kurzen Reihe zu werfen und sie auf Herz und Nieren zu prüfen.

Beginnen wir – wie so oft – mit dem Klappentext, der uns den Inhalt kurz und prägnant verrät:

1924 – Der Engländer William Campbell erbt die Plantage eines ihm völlig unbekannten Verwandten in New Orleans. Traumatisiert von den Wirren des großen Krieges, der in Europa tobte, nimmt er diese Erbschaft mit Freuden an, um ein neues Leben zu beginnen.
Seine Euphorie über das unerwartete Erbe und den damit verbundenen Reichtum wird jedoch schnell getrübt, als es auf der Plantage zu merkwürdigen Todesfällen kommt und William beinahe selbst Opfer eines Anschlages wird.
Wer zieht im Hintergrund die Fäden? Wurde auch sein Erbonkel Opfer eines Anschlages? Und was hat es mit den seltsamen nächtlichen Ritualen der Plantagenarbeiter auf sich?
Als William den Geschehnissen auf die Spur kommt, muss er feststellen, dass sein Gegner bereits ein tödliches Schicksal für ihn bereit hält…

Tatsächlich entfaltet sich auch diese Geschichte nicht so cthuloid, wie es der Untertitel „Inspiriert von H.P. Lovecraft“ vermuten lassen könnte. Tatsächlich geschehen unheimliche Dinge auf dem Landgut des verstorbenen Erbonkels, jedoch wird eine gänzlich andere Erklärung als ausserweltlicher Horror und Schrecken herangezogen. Stattdessen wird – und das passt tatsächlich auch sehr gut zum Setting – viel Bezug auf die Religion des Voodoo genommen. Schön, dass die unterschiedlichen Rollen auch alle ihr Wissensscherflein beizutragen haben und so ein schlüssiges Bild dieser Religion zeichnen, bevor der Horror hereinbricht und wir die Grenzen der Wirklichkeit hinter uns lassen.

Ein wenig cthuloider wird es dann, wenn wir zum Finale der CD hin von den Hintergründen der merkwürdigen Todesfälle erfahren. Denn der Antagonist ist auf der Jagd nach einem seltenen Folianten, der ihm ewiges Leben schenken soll. Dieses Buch im Speziellen ist zwar nicht aus Lovecrafts Werk entlehnt, man merkt hier jedoch, wessen Gedanken Pate für diese Idee standen. Das ist aber auch bereits alles, was einen Bezug auf Lovecraft erahnen lässt. Daneben gibt es einen recht plumpen und ungelenken Versuch, die Geschehnisse in den Sümpfen um New Orleans aus „Der Ruf des Cthulhu“ einzubinden, der aber recht oberflächlich bleibt und der Fantasie des Hörers den Zusammenhang überlässt. Schlussendlich lassen weder die handelnden Protagonisten – die sehr aktiv und mutig in das Geschehen eingreifen – noch die unwirklichen Hintergründe an eine Mythosgeschichte erinnern.

Technisch bin ich dieses Mal ebenfalls nicht hundertprozentig zufrieden. Denn auch wenn die Sprecher abermals überzeugend wirken, so passt die Musikauswahl ein ums andere Mal nicht wirklich zur transportierten Stimmung der Geschichte. Was lakonische Klaviermusik mit dem actionreichen Mystery-Thriller im Südstaaten-Feeling zu tun hat, konnte ich nämlich nicht erhorchen. Da wäre etwas stimmungsvolleres schön gewesen.

Fazit: Ja, auch „Das McCready Erbe“ ist eigentlich eine absolut gelungene Geschichte, in zumeist überzeugender Weise umgesetzt. Punktabzug gibt es allerdings für den nur zu erahnenden cthuloiden Bezug (…da hätte ich mir vom Untertitel mehr erwartet…) und die Musikauswahl.

Rezension: Fabula Obscura – Haus Moreau

„Inspiriert von H. P. Lovecraft“, so der aufmerksamkeitsheischende Untertitel des Hörspiels, das heute auf meinem Prüfstand landet. Wenn Lovecraft draufsteht, kann ich schließlich nicht einfach so an einem Hörspiel vorbeigehen. Mal sehen, wie sich dieser Mystery-Thriller im cthuloiden Gewand so schlägt.

Werfen wir doch zunächst einen Blick auf den Klappentext, der bereits einiges über den Inhalt verrät:

Eiland der bleichen Toten – so wird die kleine Insel vor der französischen Atlantikküste von den Einheimischen aus der näheren Umgebung genannt.

Was geschah vor über 50 Jahren im Maison du Moreau, dem einzigen Haus auf dem felsigen Eiland? Warum wagt es seitdem niemand mehr auch nur eine Nacht in diesem Haus zu verbringen? All dies sind für die kleine Gruppe von Sensationstouristen genau die Gründe, um auf die Insel überzusetzen und diese in Augenschein zu nehmen. Begünstigt von einer unruhigen See gibt es schon bald nach der Ankunft vorerst keine Möglichkeit, zum Festland zurückzukehren.

Ob sie wollen oder nicht: der Tag schreitet weiter voran, und das Anwesen scheint der einzige Unterschupf zu sein, der in der Nacht Sicherheit vor dem herannahenden Sturm bietet…doch Haus Moreau ist nicht unbewohnt.

Die Inhaltsangabe klingt mehr nach einem klassischen Schauermärchen denn nach einer lovecraftschen Horrorgeschichte. Und so setzt dann auch die Handlung eher behäbig an. Während zunächst die verschiedenen Figuren knapp charakterisiert werden, aus denen sich die Reisegruppe zusammensetzt, nimmt alsbald die Handlung ihren Lauf. Diese plätschert im Stile einer Gothic-Geistergeschichte denn auch kurz bis vor dem Finale vor sich hin. Natürlich wird Haus Moreau von einem Geist heimgesucht und natürlich ist dieser den Menschen nicht freundlich gesonnen.

Als die Protagonisten schließlich auf der Suche nach einer Lösung auf allzu lovecraftsche Motive stoßen – eine Ausgabe des „Von unaussprechlichen Kulten“, einen finsteren Ritualraum im Keller des Hauses Moreau – wirken diese auf den ersten Blick erst einmal wie aufgesetzt, der platte Versuch, mit Lovecrafts Motiven die laue Geistergeschichte aufzupeppen. Doch tatsächlich entwickelt sich durch diese Melange eine interessante Pointe, die zumindest an das Genie der finsteren Zauberer aus Lovecrafts Geschichten gemahnt. Ein zweiter Hördurchlauf vor diesem Kontext konnte bei mir also durchaus mehr Begeisterung wecken, als ich es beim ersten Durchhören für möglich gehalten hatte. „Haus Moreau“ ist damit sicherlich immer noch nicht eine der besten Lovecraft-Hommagen die mir untergekommen sind – die Motive sind dennoch passender getroffen, als ich es erwartet hätte.

Technisch gibt es nichts zu meckern. Eine Riege bekannter Stimmen – und wieder zitiere ich den Klappentext: „Mit den Sprechern Wolfgang Rüter, Peter Flechtner, Till Hagen, Corinna Dorenkamp, Markus Pfeiffer, Oliver Baumann u.a.“ – erledigt ihren Job unaufgeregt und höchst souverän. Soundeffekte und Soundtrack sind in Ordnung und so steht dem Hörgenuß eigentlich nichts im Wege.

Fazit: Wer von lovecraftschen Geschichten nicht genug bekommen kann, macht auch mit „Haus Moreau“ keinen schwerwiegenden Fehler. Der Untertitel „Inspiriert von H. P. Lovecraft“ verspricht tatsächlich nicht zu viel. Aber: Natürlich gibt es bessere Geschichten im Reiche Lovecrafts Epigonen.

Rezension: Gruselkabinett 24+25: Der Fall Charles Dexter Ward

„Die berühmte Erzählung aus der Feder des Kult-Horror-Autoren H. P. Lovecraft (1890-1937) als aufwendige, atmosphärische Hörspiel-Vertonung im Rahmen der preisgekrönten Reihe Gruselkabinett.“ So führt uns der Klappentext der CD in diese Vertonung von Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“ ein. Ist die Umsetzung gut gelungen?

gruselkabinett_24Die Geschichte des jungen Charles Dexter Ward beginnt mit seinem Verschwinden aus der Nervenheilanstalt. In einem ausführlichen Rückblick führt uns nun der Erzähler der Geschichte, der Hausarzt der Familie Ward Dr. Marinus Willet durch die Geschehnisse. Als der junge, sehr exzentrische Ward beginnt, in seiner Familiengeschichte zu recherchieren stößt er auf die Spuren von Joseph Curwen – einem berüchtigten Hexer, der vor Jahrhunderten gelebt haben soll. Die Neugier des jungen Ward ist geweckt. Und schon bald berichten seine verzweifelten Eltern von den seltsamen Experimenten des Jungen – und von einer unheilvollen Wandlung seines Gemütszustandes…

„Der Fall Charles Dexter Ward“ ist unter Lovecrafts Erzählungen ein echter Klassiker. Viele Motive, die sich insbesondere in der Rollenspiellandschaft wiederfinden, finden sich hier wieder. Sei es der Zirkel schwarzer Magier, der Wahnsinn und Niedergang des jungen Protagonisten, die finsteren Umtriebe Curwens oder seine gotteslästerlichen Laboratorien, denen Ward senior und Dr. Willet einen Besuch abstatten werden – „Der Fall Charles Dexter Ward“ gleicht einem CTHULHU-Szenario. Leider macht gerade das die Geschichte auch für einen versierten Kenner des Grauens auch sehr vorhersehbar – und spätestens zur Mitte der ersten CD ist auch dem letzten Hörer klar, was hier tatsächlich gespielt wird. Damit verbringt man noch weit über eine Stunde damit, Vater und Hausarzt dabei zuzuhören, wie sie offensichtliche Hinweise ignorieren und einfach nicht wahrhaben wollen, was wirklich mit Charles Dexter Ward geschehen ist.

Das ist allerdings nicht die Schuld der wirklich hervorragend gelungenen Hörspielumsetzung. Wie so oft hat der Titania Medien Verlag einige bekannte Stimmen – z. B. Ernst Meincke, die deutsche Synchronstimme von Patrick Stewart oder Thorsten Michaelis (der u. a. Wesley Snipes synchronisiert) – zusammengetrommelt. Diese Profis verleihen der Geschichte viel Tiefe und Farbe, schaffen es, den Hörer an den Gefühlen der Charaktere teilhaben zu lassen. Einige gute Sound- und Musikeffekte runden die technische Seite des Hörspiels angenehm ab.

Fazit: Der Fall Charles Dexter Ward wurde vom Titania Medien Verlag hervorragend umgesetzt und setzt die Reihe des „Gruselkabinetts“ auf dem gewohnt hohen Niveau fort. Die Geschichte ist ein wahrer Lovecraft-Klassiker und auch, wenn sie dem versierten Hörer kaum mehr einen Überraschungseffekt bieten mag, lohnt sich das Zuhören allemal!

Rezension: Gruselkabinett 66+67: Der Schatten über Innsmouth

Howard Phillips Lovecraft gilt als einer der einflussreichsten Autoren auf das Genre der Horrorliteratur des vergangenen Jahrhunderts. Nicht nur animierte er zahlreiche befreundete Autoren, er verfasste auch selbst viele Kurzgeschichten, die heute als Klassiker gelten. Doch seine Geschichten gelten als schwierig auf andere Medien übertragbar, mangelt es doch oft an klassischen Spannungsbögen oder Charakterbildern. Wie ist dem Titania-Medien-Verlag also die Hörspielumsetzung der Geschichte „Der Schatten über Innsmouth“ gelungen?

Rezension - Gruselkabinett 66+67 - Der Schatten über Innsmouth„Der Schatten über Innsmouth“ gehört zu Lovecrafts längeren Erzählungen. Entsprechend wundert es vielleicht nicht, dass die Geschichte in der Hörspielumsetzung als Zweiteiler erscheint. Da beide Teile nicht ohne den anderen stehen können, gilt diese Rezension beidermaßen für beide Teile.

Den Inhalt kann ich an dieser Stelle nur kurz wiedergeben: Im Winter 1927/28 führten Beamte der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika eine streng geheime Untersuchung in dem alten Hafenstädtchen Innsmouth in Massachusetts durch. Während dieses Einsatzes wurde eine große Anzahl morscher, wurmstichiger Häuser im verlassenen Hafenbezirk niedergebrannt oder sogar gesprengt. Warum dies nötig wurde, davon weiß ein junger Mann zu berichten, der nun endlich sein Schweigen bricht… jedes weitere Wort würde zuviel verraten und nur von der unheimlichen Spannung nehmen.

Technisch ist „Schatten über Innsmouth“ sehr ansprechend umgesetzt. Die ausgewählte Musik weiß zu gefallen, die verschiedenen Toneffekte sind passend, stimmungsvoll und auch gruselig und auch die Besetzungsliste der einzelnen Sprecher liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Synchronsprecher: neben anderen kommen Louis Friedemann Thiele (bekannt als Gentry aus der Serie „Game of Thrones“), Sonja Deutsch (die deutsche Synchronsprecherin von Helen Mirren oder Angela Lansbury) oder Hans-Jürgen Dittberner (dessen bekannteste Synchronarbeit wohl Bobby Ewing aus „Dallas“ ist) zu Gehör. Ob dem einen oder anderen Hörer diese Stimmen zu verbraucht erscheinen, muss wohl ein jeder für sich entscheiden.

Was ist nun aber mit der schwierigen Umsetzbarkeit Lovecrafts Geschichten? Nun, hier muss ich vor der Hörspielumsetzung von Marc Gruppe meinen Hut ziehen. Lovecrafts Werk wurde behutsam überarbeitet und wird dramaturgisch ansprechend präsentiert. Das Hörspiel ist spannend, authentisch und weist auch den einen oder anderen sehr gruseligen Moment auf. Man fiebert ernsthaft mit dem Protagonisten mit, obwohl die ganze Geschichte doch deutlich als Rückblende angekündigt wird.

Fazit: Eine hervorragende Umsetzung von Lovecrafts Geschichte. Sowohl Fans des Cthulhu-Mythos und Kenner der Geschichte als auch Neulinge auf diesem Gebiet kommen voll auf ihre Kosten. Wer an gut aufgemachten Gruselgeschichten interessiert ist, kann bedenkenlos zugreifen.