de Profundis: Die ersten Schritte

Vor einiger Zeit veröffentlichte ich hier einen Artikel, in dem ich mich darüber ausließ, was ich – in Zeiten der Krise – als Alternativprogramm betreibe, um meine Lust aufs Rollenspiel ohne eine feste Runde zu befriedigen. Ein Ansatz dabei war es, endlich einmal eine Runde „de Profundis“ zu starten.

Was ist de Profundis?

Kurz gesagt ist „de Profundis“ ein Briefrollenspiel. Man schlüpft in die Rolle eines Alter Ego und schreibt Briefe an einen ebenso imaginären Bekannten. Dieser wird von einem Mitspieler geführt, der wiederum – hoffentlich alsbald – eine Antwort verfasst. Bei „de Profundis“ geht es aber – natürlich – um eine cthuloide Geschichte, die sich aus den Briefen der beiden Freunde entspinnt. Einer der Teilnehmer erlebt etwas Grauenhaftes, während der andere den Weg in den Wahnsinn begleitet. Mehr dazu habe ich hier auf meinem Blog bereits veröffentlicht.

Unsere erste Runde

Ein Freund und ich haben bereits früh in Zeiten der Krise eigene Charaktere erstellt. Während mein Gegenüber in die Rolle eines evangelischen Pfarrers geschlüpft ist, der in eine neue Gemeinde versetzt wurde habe ich mich für den Klassiker entschieden und habe Ludwig, den Kurator eines Kölner Museums erschaffen. Während ich in meinem ersten Brief bereits vorsichtige Spuren auf die möglicherweise kommende Zeit auslegte (…denn Ludwig arbeitet gerade an einer Ausstellung über Kunstfundstücke aus der Südsee), war es mein Gegenüber, der zuerst die Initiative ergriff. Denn in dem beschaulichen Ort, den sein Pfarrer zur neuen Heimat gemacht hat, spielen sich, so scheint es, gar schauderliche Dinge ab. So passt es denn wohl auch gut, dass sein Vorgänger spurlos verschwunden ist…

Das Spiel macht Spaß, wirklich. Es fällt mir erstaunlich leicht, immer wieder in die Rolle von Ludwig hineinzufinden. Besonderen Spaß macht es, den bisher gesammelten Stapel einmal in Summe Revue passieren zu lassen. UND: Es sammelt sich tatsächlich ein toller Haufen cthuloiden Spielmaterials an:

Da klar ist, dass unsere Runde wohl nur so lange funkioniert, wie unser Alltag dank Corona auf eine Art Pause versetzt ist, halten wir das Tempo recht hoch. Das gilt sowohl für den Fortschritt der Geschichte als auch für das Tempo, in dem wir uns Briefe hin- und hersenden. Ich bin schon sehr gespannt, wie unsere erste Runde endet.

De Profundis – die etwas andere Art Cthulhu zu spielen

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 04. Juli 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Briefe soll man, wie jedes andere Vergnügen, nach getaner Arbeit sich gestatten.
– Gottfried Keller

In den Tiefen eines einsamen Waldes in Polen wartete ein Buch seit vielen Jahren auf seine Entdeckung … und als es gefunden wurde, war nichts mehr so wie vorher … Aus den dunklen Tiefen sind diese Seiten aufgestiegen um dich in ihren Bann zu ziehen. Versinke in den Abgründen von De Profundis und sieh die Welt mit ganz anderen Augen. Wagst Du es, Deine Realität in Frage zu stellen?

Zu einer normalen Cthulhu-Runde finden sich die Spieler und der Spielleiter üblicherweise an einem Abend ein, um dann gemeinsam ein vorbereitetes Abenteuer zu erleben. So weit, so gut – doch De Profundis geht da einen ganz anderen Weg. Viele kennen wahrscheinlich Lovecrafts Geschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“, in der der Erzähler über Briefkontakt mit einem gewissen Akeley in Verbindung kommt. Aus dem Kontakt erwächst sich eine mysteriöse Verschwörungsgeschichte: Ein Paket mit geheimnisvollen Inhalt kommt nie an und Akeleys Briefe werden immer beunruhigender, bis sie sich plötzlich völlig ins Gegenteil verkehren und den Erzähler sogar einladen, zu Akleyes Anwesen zu kommen. Wer die Geschichte noch nicht kennt sollte sie sich einmal anschauen oder anhören (LPL Records hat sie grandios vertont), es lohnt sich!

Nun, was hat das Ganze nun mit De Profundis zu tun? De Profundis ist ein Briefrollenspiel. Nach einer Charaktererschaffung, die eigentlich eher aus Hintergrundinformationen besteht, also der Werdegang des Charakters, die Freunde und Verwandte usw. und weniger aus handfesten Werten. Auch der Epoche sind keine Grenzen gesetzt, von den 20ern bis hin zu NOW lässt sich eigentlich alles spielen, solange man sich in den Charakter hineinversetzen kann. Einen Spielleiter gibt es normalerweise auch nicht, die Geschichte entwickelt sich sozusagen durch den wechselnden Briefverkehr, in der die Handlung weitergesponnen wird. Ausgangspunkt für die Geschichte können ganz alltägliche Begebenheiten sein, denen man einen unheimlichen oder grotesken Anstrich verpasst. So könnte die gewöhnliche Bahnfahrt Ausgangspunkt für ein schreckliches Erlebnis werden, bei der man bei einem Blick aus dem Fenster etwas Schauerliches beobachtet und das einen dann den Rest des Tages verfolgt. So ein Aufhänger reicht schon für einige Briefwechsel, bis sich dann immer mehr Inhalt um die Geschichte aufbaut und Wirklichkeit mit Fiktion verschwimmt. Aufgrund dieses Themas sei das Spiel auch Jugendlichen unter 16 Jahren eher weniger zu empfehlen.

Das 84seitige Regelwerk im DIN A5-Format, stammt aus dem Verlag Krimsus Krimskramskiste und wurde von dem polnischen Autoren Michael Oracz geschrieben. Dabei geht er Autor etwas ungewöhnlicher vor als sonst und beschreibt in Briefen sein Briefrollenspiel De Profundis. Das Ganze ist sehr nett geschrieben und erklärt auch recht anschaulich wie ein De Profundis Brief aussehen könnte.

Fakten zum Spiel De Profundis:

  • Autor: Michael Oracz, deutsch von Ralf Sandfuchs
  • Verlag: Krimsus Krimskramskiste
  • Seiten: 84 in s/w
  • Preis: 7,50 €