Frohe Weihnachten!

Ach herrje. Ich weiß gar nicht, der wieviele „Frohe Weihnachten!“-Eintrag das auf diesen Seiten ist. Da der Blog seit 2011 online ist – und ich seit jeher zu dieser Jahreszeit zu sentimentalen Anwandlungen neige – wird es wohl der 9. seiner Art sein. Aber warum mit guten Traditionen brechen?

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs ein paar besinnliche, frohe, geschenkreiche, friedliche und einfach schöne Weihnachtstage!

RPG-Blog-O-Quest #51: Vorschau

Es ist mal wieder Dezember und damit ein weiteres Mal ein Grund für die diesmalige RPG-Blog-O-Queste, einen Blick in die rollenspielerische Zukunft einzufordern. Allerdings fasst Ausrichter Würfelheld die Fragen dieses Mal ein wenig enger, als es in den vergangenen Jahren der Fall war.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. Also, frisch ans Werk – schauen wir mal, was mir zu den Fragen so einfällt!

1. In knapp einen Monat beginnt das Cyberpunk -Jahr schlechthin. Wirst Du in 2020 eine Cyberpunk-Rollenspiel-Runde leiten oder in einer mitspielen?
Voraussichtlich nicht. Abgesehen von einigen Runden „Shadowrun“ (das man ja auch eher als Fantasy-Setting mit Knarren bezeichnen könnte) sind Cyberpunk und ich bislang nie wirklich aufeinander getroffen. Das Setting reizt mich einfach nicht genug, weder als Film, Buch, Rollenspiel oder Comic… Sofern mich jemand einladen sollte, würde ich darüber nachdenken. Da das aber äußerst unwahrscheinlich ist (…der (fast) ewige SL eben…), beantworte ich die erste Frage einmal mit „nein“.

2. Auf welche Rollenspiel-Neuheiten freust Du Dich 2020 am meisten und warum?
Puh, ich weiß jetzt gar nicht so genau, was für 2020 alles in der Pipeline ist. Da wäre zum Beispiel die deutsche Ausgabe von Pathfinder 2 – doch das äußerst schleppende Crowdfunding von Ulisses lässt mich hier wenig Herzblut erkennen. Überhaupt fand ich die Abenteuerpfade eigentlich immer eine der spannendsten PF-Publikationen – außer halt, sie erscheinen NUR über Crowdfunding als 600-Seiten-Wälzer für 100 EUR (oder so). Dann verliert die Publikationsform für mich ihren Reiz. Also, PF2 ist wohl nicht meine große Vorfreude für 2020.
Ein weiterer „Brecher“ wird „Dungeon Crawl Classics“ von System Matters… allerdings verhindert die optische Aufbereitung, dass ich mich mehr mit dem System beschäftige. Ich weiß, das ist furchtbar oberflächlich gedacht, aber ich finde, ein Rollenspielbuch heutzutage muss nicht mehr so aussehen. Ergo – auch, wenn ich mir das eine oder andere Abenteuer ansehen werde (…um einmal den so oft gelobten „Sense of Wonder“ unter die Lupe zu nehmen), DCC wird auch nicht meine große Vorfreude.
Ich denke, ich muss hier ein wenig tiefer graben. Bestimmt gibt es wieder einen neuen „Private Eye“-Abenteuerband zur SPIEL – das ist immer eine schöne Sache. Ausserdem arbeiten die Damen der Redaktion Phantastik immer noch an der deutschen Ausgabe von „Wolsung“, dessen Mischung aus Fantasy und Steampunk und Pulp mich immer wieder ansprechen kann. Wenn das 2020 fertig wird, wird es eines meiner Highlights.
Ach ja: Bei Pegasus erscheinen im nächsten Jahr wieder einige cthuloide Bände – und nach aktuellem Stand ist in mindestens einem mein Name im Impressum vertreten. Doch, darauf freue ich mich schon sehr. Es macht mich immer stolz, Teil eines so starken Autorenteams zu sein.

3. Welche guten Rollenspielvorsätze hast Du für 2020?
Da gibt es eigentlich gleich zwei Dinge, die ich mir vornehmen wollte:

Das eine hat eigentlich eher mit einer „Nebendisziplin“ zu tun. Seit Ende letzten Jahres schiebe ich einen unschönen „Stapel der Schande“ vor mir her, also den Haufen von RPG-Büchern, den ich noch nicht gelesen habe. Ich habe unglaublich viele Bücher gelesen in diesem Jahr, aber in fast ebenso gleichem Maße für Nachschub gesorgt. Hier muss ich unbedingt mal etwas tun und versuchen, das Material das ich mir kaufe, wenigstens auch zu lesen (…dass mal ALLES den Spieltisch sehen wird, ist nahezu unmöglich :-)).

Das zweite hat dann direkt mit dem Spiel zu tun: Ich möchte ein vorbereiteter Spielleiter werden. Dabei geht es mir nicht um die Spielrundenvorbereitung – da reicht mir ein grobes Konzept, eine Karte und meine Mitspieler. Es gibt auch Dinge, die ich als Spielleiter (in meinen Augen) schon ganz gut mache: Pacing und Timing liegen mir ganz gut; ich denke, mein Stimmenspiel ist gar nicht so schlecht und auch meine Beschreibung sind mittlerweile ein bißchen farbiger geworden. Woran es bei mir aber mangelt, sind spieltheoretische Dinge, die ich eigentlich weiß, auch einmal wirklich aktiv einzubringen. Spotlight-Verteilung beispielsweise. Oder Spieltypen-Analysen. Da ist sicher auch nicht alles Gold, was glänzt, aber ich werde versuchen, die Vorlieben und Spotlight-Zeit meiner unterschiedlichen Spieler ein wenig besser anzuspielen. Zumindest in meiner laufenden Kampagnenrunde, bei den gelegentlichen OneShots mit unterschiedlicher Besetzung geht es dann doch eher plotzentriert zu.

4. Planst Du 2020 ein eigenes Rollenspielprojekt? Welches?
Ja. Seitdem ich mit „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“ hier auf diesen Seiten einmal mein eigenes Rollenspielbuch produziert und vertrieben habe, möchte ich unbedingt noch einmal etwas in dieser Richtung machen. Auch die selbstgemachten Abenteuerflyer für den GRT und den Ringboten waren immer tolle Geschichten. Und dann gab es mit „Schwarze Tiefen“ ja auch noch mein „eigenes“ Rollenspiel, dass ich für Pegasus im vergangenen Jahr maßgeblich gestalten durfte. Das waren tolle, prägende Projekte und ich möchte in dieser Richtung unbedingt wieder tätig werden.
Eigentlich plane ich etwas mit Dungeons. Ich schiele immer ein bißchen neidisch auf die Amerikaner, die so viele tolle Dungeon-Bücher mit Zufallstabellen und neuen Monstern kickstartern. Klar, mein Englisch würde hier reichen. Aber ein originäres Produkt in dieser Richtung, das sollte doch machbar sein. Allerdings muss es wohl systemlos werden – es gibt zwar deutsche Übersetzungen von Systemen die direkt auf der OGL basieren, aber dann sind ja oft wiederum die deutschen Begriffe geschützt… mal gucken, vielleicht gehe ich auch mit meiner Idee einmal hausieren :-).

5. Was willst Du im nächsten Jahr tun um neue Rollenspieler fürs Hobby zu gewinnen?
Da bin ich noch ein wenig unschlüssig. Eigentlich steht noch eine Einladung einer Runde mit einer Neueinsteigerin aus… allerdings gibt es hier noch Startschwierigkeiten. Aber vielleicht kann ich hier ja noch einmal positiv einwirken…
Ansonsten habe ich einige Jahre GRT-Materialien beigesteuert – vielleicht gelingt mir das (trotz engem Zeitfenster) ja in diesem Jahr noch einmal.
Davon ab überlege ich ernsthaft, meinen Achtjährigen langsam an die Sache ranzuführen. Ich halte überhaupt nichts von diesen ganzen Kinderrollenspielen, mit denen der Markt heute überschwemmt wird (also wirklich ÜBERHAUPT nichts). Ich meine: ich war elf, als ich DSA für mich entdeckte. Da waren weder die Regeln zu schwer noch die Inhalte zu deftig. Daher erschließt sich mir die Sinnhaftigkeit von „wir benutzen nur einen Würfel“-Regeln und „unsere Bibabutze-Männer retten die Vogeleier der Vogelmama vor dem Vogeleiergeier“-Abenteuern überhaupt nicht. Ich bin mir also sicher, diese Systeme überspringen zu wollen. Dann könnte Acht allerdings auch noch tatsächlich zu jung sein. Mal gucken, er hat in diesem Jahr „Harry Potter“ für sich entdeckt… vielleicht kann man in dieser Richtung was machen… :-).

Bonus: Keine Frage, sondern die Aufforderung beim 8.Winter One Page Contest reinzuschauen und mitzumachen!

Das Autorennähkästchen III: Von unaussprechlichen Kulten

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. In bislang zwei Episoden im Laufe dieses Jahres konnte ich ein wenig von meiner Arbeit an offiziellen Publikationen aus dem (Autoren-)Nähkästchen plaudern. Und da es mir gelungen ist, meinen Namen auch im Impressum des neuesten Quellenbandes „Von unaussprechlichen Kulten“ zu platzieren, so möchte ich auch auf die Arbeit an diesem Band ein wenig zurückblicken und davon erzählen, wie eines zum anderen kam.

Als in einem Autorenrundbrief die Idee vorgestellt wurde, einen Band zum Thema „Kulte“ zu machen, war ich direkt Feuer und Flamme. Denn Kulte und ihre Kultisten sind der menschlichste und damit verständlichste Gegner, dem man bei CTHULHU gemeinhin begegnen kann. Diese Gruppierungen also mehr in den Fokus zu rücken, erschloss sich mir sofort. Nachdem wir ein wenig im Forum hin- und herüberlegt hatten, was alles in den Band reinkönnte, entschloss ich mich der Arbeitsgruppe beizutreten. Wir trafen uns per Skype, verteilten die Aufgaben untereinander und legten los.

Mir war bereits früh klar, dass ich kein Abenteuer für den Band beisteuern wollte. Tief in meinem Herzen hätte ich den Band sogar am Liebsten komplett als Quellenband angelegt und ihn komplett ohne Abenteuer gehalten. Die Mischung der Publikationsarten „Quellen-“ und „Abenteuer-„Band ist allerdings bei CTHULHU natürlich ein bewährtes Muster. Nichts desto trotz reizte mich der Quellenteil deutlich mehr. Der Quellenteil setzte sich nach unseren Planungen – und so ist es schlussendlich auch geblieben – aus drei Teilen zusammen: einem real-historischen Abriss über Kulte und Geheimbünde; einer enzyklopädischen Auflistung bekannter cthuloider Kulte sowie einem Kult-Generator, um Spielleitern die selber aktiv werden wollen, auch etwas an die Hand zu geben. Ich stürzte mich auf den real-historischen Quellenteil, während Julia Knobloch mit bewundernswerter Akribie begann, alle CTHULHU-Publikationen nach Kulten und Kultisten zu durchforschen. Nachdem ich mit meinem (schlussendlich ja auch recht kurzen) Teil fertig war, begann ich, Julia in ihrer enzyklopädischen Arbeit zu unterstützen. So konnte auch ich mein kleines Scherflein dazu beitragen, dass die Kulteliste so komplett ist, wie sie jetzt ist.

Eine besondere Freude war dann die Arbeit an dem Kult-Generator. Auch hier erledigte Julia den Löwenanteil der Arbeit. Mir blieb allerdings – gemeinsam mit unserem Redakteur Stefan – das besondere Privileg vorbehalten, den Generator in verschiedenen Stadien zu testen und zu kommentieren. Und natürlich auch lange bevor andere Spielleiter den Generator in die Finger bekommen konnten, spannende und gelungene Kulte zu erwürfeln. Ich denke, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Wie so oft, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere so ist auch hier wieder deutlich, dass die Zusammenarbeit mit anderen Autoren und dem Redakteur mehr erschafft, als die Summe der einzelnen Teile. Durch die Feedbackschleifen und das gegenseitige Unterstützen entstehen runde Texte, auf die ich – und ich denke, die anderen Autoren ebenfalls – stolz sein darf. Ich hoffe, dass Ihr viel Freude an „Von unaussprechlichen Kulten“ haben werdet, die Abenteuer genießt und vielleicht sogar den einen oder anderen Kult selbst erschafft. Wie immer freue ich mich über Feedback jedweder Art, gerne auch hier auf dem Blog!

Das (Autoren)nähkästchen II: Im Elfenbeinturm

Hallo zusammen,

wie treue Leser dieses Blogs sicherlich wissen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied im Autorenteam für das deutsche CTHULHU. Während sich meine offizielle Publikationsliste bislang noch recht knapp ausnimmt, konnte ich in der vergangenen Zeit doch den einen oder anderen Text in der Redaktion platzieren. Darüber hinaus durfte ich mich im neuesten Berufeband einbringen – zwar nicht aus Autor, doch wie und warum und überhaupt: Davon erfahrt Ihr in meiner nächsten Nähkästchenplauderei.

„Im Elfenbeinturm“ ist der dritte Band in der Reihe der sogenannten „Berufe-Bände“ für CTHULHU. Diese Bände wenden sich in erster Linie an die Spieler und sollen ihnen dabei helfen, ihre Charaktere mit tieferen Details und vor allem originalgetreuer darzustellen. „Im Elfenbeinturm“ erarbeitet auf diese Art eine gerade für CTHULHU sehr typische Charakter-Spezies: die Investigatoren, die sich dem akademischen Wissen verschrieben haben.

Nun muss ich gestehen, dass ich per se kein großer Freund der „Berufe-Bände“-Reihe bin. Meine Rezension von „Mystiker & Magier“ spiegelt diese Meinung vielleicht schon in Ansätzen wieder. Tatsächlich ging meine Abneigung an dieser Stelle so weit, dass der Folgeband „Die oberen 10.000“ der erste CTHULHU-Band seit … ach ich weiß nicht, seit Jahren(!!!) war, der es nicht in meine Sammlung geschafft hat. Ich war also gar nicht böse, als die Arbeit an „Im Elfenbeinturm“ bereits recht fortgeschritten war, als ich zum Autorenteam hinzustieß.

So überraschte es mich nicht wenig, als ich eines Tages eine Nachricht von Stefan erhielt, der fleißig als Redakteur an „Im Elfenbeinturm“ arbeitete. Ich hatte mich im Forum kritisch über die „Berufe-Bände“ geäußert und er sah hier eine Chance, einer kritischen Stimme zuzuhören. Flugs übersandte er mir Zugangsdaten zum damaligen Rohtext und lud mich ein, meine Meinung an jeder passenden Stelle kundzutun. Nun, was soll ich sagen: ich nutzte die Gelegenheit weidlich und schlug mit manch harter generellen Kritik sicherlich auch über die Stränge. Wir diskutierten in der Folge ein wenig über einige meiner extremeren Ansichten und schlussendlich ließ Stefan das Ergebnis der Diskussion sanft in den fertigen Text einfließen.

So kommt es also, dass ich im Impressum des Bandes als „Korrektorat“ aufgeführt werde, obwohl ich kaum Rechtschreibfehler ausgebügelt habe :-). Natürlich war „Im Elfenbeinturm“ schon vor unserer Diskussion ein „besserer“ Band als „Mystiker & Magier“ – alleine thematisch hatte er weit die Nase vorn. Und natürlich haben längst nicht alle meine Anmerkungen auch Einzug in den Band gehalten. Aber mir zeigte dieses Beispiel sehr deutlich, wie wichtig es ist, sich als „Team“ zu verstehen und als „Team“ auszutauschen. Insbesondere, wenn im Team auch schon einmal eine kritische Stimme dabei ist.

Rezension: Die zweiköpfige Schlange

„Die Welt braucht Helden, jetzt mehr denn je.“ So der pulptypisch-reißerische Untertitel auf der Rückseite des mir vorliegenden Kampagnenbandes. Meine Neugier ist geweckt – hält „Die zweiköpfige Schlange“ was sie verspricht?

Bislang ist gesondertes Material für das hierzulande vor einigen Monaten erschienene „Pulp Cthulhu“ noch rar gesät. Außer den im Regelband enthaltenen Abenteuern sind bislang noch keine weiteren Szenarien für den pulpigen Actionspaß mit den Großen Alten veröffentlicht worden. „Die zweiköpfige Schlange“ ist nun die Übersetzung der ersten von Chaosium verlegten Kampagne für den Pulp-Ableger. Worum geht es?

Die obligatorische Spoilerwarnung ist an dieser Stelle mehr als angebracht. Denn die Kampagne enthält einige Wirrungen und Wendungen, die ich nun zumindest im Groben darlegen werde. Daher sei Spielern dringend angeraten, diese Rezension zu überspringen – sie ist nur für Augen der geneigten Spielleitung bestimmt.

„Die zweiköpfige Schlange“ führt die Helden in die Rolle von Mitarbeitern einer Hilfsorganisation, „Caduceus“. Diese Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, medizinische Nothilfe in Krisengebieten zu leisten. So beginnt denn auch der erste Auftrag für die Helden gleich in Bolivien, dass von einem Bürgerkrieg erschüttert wird. Vor Ort müssen die Helden allerdings erfahren, dass Caduceus mehr tut, als humanitäre Hilfe zu leisten: Die Organisation hat sich dem Kampf gegen den Mythos verschrieben, und in Bolivien erhalten die Helden erstmals Kontakt zu den grauenhaften Geschöpfen, die hier am Rande eines Bürgerkriegs ihr Unwesen treiben.

Doch auch in der Folge bleibt nicht alles so, wie es nun auf den zweiten Blick scheint. Tatsächlich spielt Caduceus – oder eher gesagt der undurchsichtige Kopf der Organisation, Joshua Meadham, ein gefährliches Spiel mit den Helden. Denn Caduceus wurde von Schlangenmenschen infiltriert, die im Auftrag Yigs an der Vernichtung der Menschheit arbeiten. Ihre Gegenspieler sind ebenfalls Schlangenmenschen, die eine andere Mythosgottheit anbeten und ihre eigene Vorstellung vom Untergang der Menschheit haben. Und dann gibt es da noch eine uralte Schlangenmenschenzauberin, die ihr ganz eigenes Spiel spielt …

In den folgenden Aufträgen für Caduceus – oder auch auf einer der Gegenseiten – geht es für die Helden tatsächlich einmal rund um die Welt. Sei es Nordborneo, Island, Belgisch-Kongo oder Indien – überall gilt es den Schergen der Schlangenmenschen ein Schnippchen zu schlagen und die Geheimnisse im Hintergrund immer weiter zu entwirren, um schlussendlich stilgerecht den Untergang der Menschheit zu verhindern. Dafür reisen die Helden sogar auf den verschollenen Kontinent Mu, der eine Weltuntergangsmaschine der Schlangenmenschen beherbergt, und können hier – hoffentlich – das Schlimmste verhindern. Ein umfangreicher Index, ausführliche NSC-Beschreibungen sowie zahlreiche neue Regeln wie Zaubersprüche oder Artefakte runden den Band gelungen ab.

Für eine lang angelegte Kampagne ist „Die zweiköpfige Schlange“ absolut vorbildlich aufbereitet. Statt wie an einer Perlenschnur Szenarien aufzufädeln, die ständig bestimmte Abläufe der Vorgänge voraussetzen und so dazu neigen, Spielleiter wie Spieler durch den Handlungsrahmen zu gängeln, setzt „Die zweiköpfige Schlange“ auf maximale Flexibilität. So werden nicht nur die Szenarien teilweise austauschbar präsentiert, sondern es gibt auch ständig Hinweise, wie gewisse Situationen – beispielsweise das vorzeitige Ableben eines wichtigen Kontrahenten – problemlos in den dargestellten „Idealablauf“ eingebaut werden können. Außerdem gibt es – angenehmerweise – diverse Spieltestnotizen, die den Umgang mit einigen Szenen erleichtern. Zusätzlich ist ein ganzes Kapitel einem umrahmenden Handlungsstrang rund um Nachforschungen und Konflikte mit der New Yorker Mafia gewidmet, sodass der Spielleiter wirklich flexibel darin wird, Informationen an seine Spielgruppe zu bringen. Zugegeben: Die Aufbereitung des Materials wird so komplexer, doch die Freiheit der Spielgruppe ist unbestritten.

Angenehm ist auch das stringente Oberthema. Denn obwohl es durchaus verschiedene Mythoswesen im Laufe der Kampagne zu bestaunen und besiegen gilt, eint die Schlangenmenschen-Thematik doch viele Kreaturen, sodass kein „Monster-of-the-Week“-Gefühl entsteht, sondern man das Gefühl hat, es mit einer konsequenten Bedrohung zu tun zu haben. Außerdem sind die Szenarien angenehm pulpig und mit reichlich Action und Cliffhangern versehen. Manches davon ist auch deutlich „over the top“, doch in meinen Augen gehört das zum Genre dazu.

„Die zweiköpfige Schlange“ erscheint als vollfarbiger Hardcoverband. Kartenmaterial gibt es reichlich – dieses orientiert sich im Stil am Regelband und ist damit eher funktional, aber vollkommen ausreichend. Hübscher sind wiederum die Handouts gelungen, von denen es einige zu finden gibt. Die Illustrationen wiederum stammen aus verschiedenen Quellen und sind damit zwar nicht ganz stringent; teilweise sind sie jedoch wirklich sehr gut gelungen. Lektorat und Korrektorat bewegen sich auf gewohnt gutem Niveau.

Fazit: Wer weder Action noch Pulp in seinen „Cthulhu“-Abenteuern mag noch dem Thema „Schlangenmenschen“ etwas abgewinnen kann, der ist hier an der falschen Adresse. Alle anderen erhalten eine vorbildlich aufbereitete und spannende Kampagne für den pulpigen „Cthulhu“-Ableger.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf www.ringbote.de

[#RPGaDay2019] #25 – „Katastrophe“

Es ist August und wiedereinmal #RPGaDay2019 – diesmal ist es jedoch anders: ein Stichwort wird vorgegeben (hier), Michael Jaegers hat es dankenswerterweise übersetzt (dort), und zu diesem Stichwort gilt es nun, einen passenden Artikel zu verfassen.

Die meisten CTHULHU-Abenteuer nutzen unsere gute, alte Erde als Hintergrund. Natürlich wird dem kosmischen Horror Lovecrafts ein ums andere Mal Tür und Tor geöffnet, dennoch sind es zuvorderst die „Roaming Twenties“, die einen besonderen Reiz des Settings ausmachen. Ebenso macht es viel Spaß, historische Ereignisse eben mit einem cthuloiden Hintergrund zu versehen und so vielleicht sogar spielbar zu machen.

Das funktioniert natürlich auch mit Katastrophen. Am 18. März 1925 tobt im mittleren Westen der USA ein Tornado der Stärke F5, der höchsten Stufe dieser Skala. Er ist gigantische 1,6 km breit, bewegt sich mit 100 km/h und erreicht innere Geschwindigkeiten von bis zu 482 km/h. Er beginnt seinen Marsch der Zerstörung in Ellington, Missouri und verwüstet auf seinem Weg die Bundesstaaten Missouri, Illinois und Indiana. Nachdem er rund 3,5 Stunden gewütet hat, löst er sich bei Petersburg auf. 695 Menschen kommen ums Leben, Tausende werden verletzt, Schäden in Millionenhöhe sind entstanden.

Nun sind Tornados im mittleren Westen der USA keine Seltenheit. Und auch, wenn wir es hier mit einem besonders großen und zerstörerischen Exemplar zu tun haben – so lässt sich die Entstehung dennoch mit dem Aufeinandertreffen milder Frühlingsluft mit einer Kaltfront aus dem Golf von Mexiko erklären. Doch was, wenn das nur die vordergründige Erklärung ist? Was, wenn der Tornado das Ergebnis eines Ithaqua-Rituals war? Dazu gesellen sich neue Fragen: war das Ritual erfolgreich oder ein furchtbarer Fehlschlag – was bezweckten die Kultisten tatsächlich? Und hätte es eine Gruppe tapferer Investigatoren geschafft, diesen Tornado zu verhindern? Vielleicht ist der Tornado tatsächlich natürlichen Ursprungs, doch welche Wesenheiten oder menschlichen Abscheulichkeiten hat er auf seinem Weg aufgedeckt? Was ist das für ein seltsam deformierter Kerl, in dessen Keller die Investigatoren Schutz vor dem Sturm suchen? Oder hängt das vielleicht sogar alles zusammen?

Wie sehen Eure Ideen dazu aus? Und habt Ihr schon einmal aus einer realen Katastrophe ein cthuloides Abenteuer gestrickt?

[#RPGaDay2019] #19 – „Gruselig“

Es ist August und wiedereinmal #RPGaDay2019 – diesmal ist es jedoch anders: ein Stichwort wird vorgegeben (hier), Michael Jaegers hat es dankenswerterweise übersetzt (dort), und zu diesem Stichwort gilt es nun, einen passenden Artikel zu verfassen.

Gruselig – na, das passt doch zum Thema dieses Blogs wie die Faust aufs Auge. Dennoch: Heute gibt es mal wieder eine kleine „Wiederveröffentlichung“, denn die nun folgende Liste gruseliger Adjektive – die im Original aus der Feder von Daniel Neugebauer stammt, ursprünglich auf dem verschollenen cthulhu.de-Blog veröffentlicht wurde und von mir im Rahmen der „Cthulhu.de-Bestseller“ neu aufgelegt wurde – ist immer einen Blick wert. Empfehlenswert: Druckt sie Euch aus und hängt sie hinter den Spielleiterschirm. So habt ihr immer mal ein passendes Wort zur Hand, um eine trockene Beschreibung anzureichern!

  • Abgrundtief
  • Abnorm
  • Abscheulich
  • Absonderlich
  • Abstoßend
  • Absurd
  • Alptraumhaft
  • Angsterfüllt
  • Bizarr
  • Blasphemisch
  • Dämonisch
  • Degeneriert
  • Düster murmelnd
  • Egelartig
  • Ekelig
  • Entsetzlich
  • Faulig
  • Finster
  • Formlos
  • Furchtbar
  • Geifernd
  • Geisterhaft
  • Gespenstisch
  • Glimmend
  • Glubschend
  • Glucksend
  • Gotteslästerlich
  • Grässlich
  • Grauenhaft
  • Grauenvoll
  • Gräulich
  • Grollend
  • Grotesk
  • Gruselig
  • Hypnotisch
  • Irremachend
  • Kakophonisch (Kakophonie=Missklang)
  • Körperlos
  • Krankhaft
  • Linkisch
  • Miasmatisch (kränklich)
  • Modernd
  • Morbide
  • Pervers
  • Rauschend
  • Rhythmisch wellend
  • Sardonisch (boshaft verzerrt)
  • Schauderhaft
  • Schleimig
  • Schmatzend
  • Schmierig
  • Schrecklich
  • Schwammig
  • Schwarz glänzend
  • Schwärzlich
  • Sinister
  • Sonderbar
  • Surreal
  • Triefend
  • Übernatürlich
  • Unaussprechlich
  • Unbeschreiblich
  • Unbestimmbar
  • Unchristlich
  • Undurchdringlich
  • Unfassbar
  • Unförmig
  • Ungeahnte Schwärze
  • Ungeheuerlich
  • Unheimlich
  • Unnatürlich
  • Verfallend
  • Vermodert
  • Verpestet
  • Verstörend
  • Verzerrt
  • Wahnsinnig
  • Wälzend
  • Wunderlich
  • Wurmstichig
  • Zerbröckelnd
  • Zerreißend
  • Zerrüttend

[#RPGaDay2019] #11 – „Untersuchen“

Es ist August und wiedereinmal #RPGaDay2019 – diesmal ist es jedoch anders: ein Stichwort wird vorgegeben (hier), Michael Jaegers hat es dankenswerterweise übersetzt (dort), und zu diesem Stichwort gilt es nun, einen passenden Artikel zu verfassen.

Untersuchungen gehören zu einem CTHULHU-Abenteuer oft einfach dazu. Wie bereits geschrieben – immerhin spielen wir hier „Investigatoren“, da sollte es ja doch das ein oder andere zu ermitteln geben. Nun basiert CTHULHU auf dem BRP-System, dass zwar in seiner Simplizität einige Vorteile bietet, aber nun einmal nicht explizit für Ermittlungsabenteuer geschrieben wurde. Die Folge sind oft probenabhängige Nadelöhre in der Story – wenn „Verborgenes Erkennen“ bei niemandem klappen will, gehen den Investigatoren wertvolle Hinweise durch die Lappen. Es gibt einige Regelsysteme – allen voran wohl das Gumshoe-System, auf dem bspw. „Trail of Cthulhu“ basiert – die hier deutlich eleganter zu Werke gehen.

Umso schöner, dass dieser Umstand mittlerweile auch im deutschen CTHULHU-Team Beachtung gefunden hat. So findet sich im Abenteuerband „Königsgambit in Kamborn“ eine schöne Alternative, die mithilfe der einfachen CoC-Regeln die Nadelöhr-Regelung umschifft. Ein „Misserfolg“ bei der berühmten Probe fördert nämlich in jedem Fall den grundlegenden Hinweis zu Tage; ein Erfolg, ein schwieriger oder mehrere schwierige Erfolge fördern entsprechende Zusatzinformationen an das Licht der Ermittlungen. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass zugleich die Qualität des Erfolges mitgemessen wird.

Mir ist bewußt, dass es für einen Autoren mehr Arbeit bedeutet, die Hinweise für die Investigatoren in dieser Form aufzuarbeiten. Ich hoffe dennoch, dass es Schule macht!

[#RPGaDay2019] #8 – „Obskur“

Es ist August und wiedereinmal #RPGaDay2019 – diesmal ist es jedoch anders: ein Stichwort wird vorgegeben (hier), Michael Jaegers hat es dankenswerterweise übersetzt (dort), und zu diesem Stichwort gilt es nun, einen passenden Artikel zu verfassen.

„Obskur“, das ist bei CTHULHU ja so einiges. Allen voran sicherlich die widernatürlichen Wesenheiten, mit denen sich Investigatoren ein ums andere mal konfrontiert sehen. Doch eben diese Wesenheiten fertigen oft Artefakte an, deren Sinn und Gebrauch sich dem Menschen nicht erschließen mag. Eine sehr schöne Quelle zur Beschreibung solcher Artefakte bietet „Der nicht-euklidische Artefakt-Generator“ auf Chaotisch-Neutral (beim Link noch ein bißchen nach unten scrollen).

Ein Beispiel? Ein Beispiel. Den W10 zur Hand und auf geht’s:

Zunächst einmal fällt dem Betrachter auf, dass es sich um einen Gegenstand bestehend aus einer einzigen Komponente handelt. Das Material selbst lässt sich am besten beschreiben als organisch, jedenfalls kann man aus den Augenwinkeln manchmal obszöne Veränderungen an der Struktur erkennen, die einen lieber schnell den Blick abwenden lassen wollen. Setzt man das Objekt in Relation zu anderen, sicherlich weitaus weniger verstörenden Dingen des Alltags, so kann es am Besten als unbeschreiblich groß bezeichnet werden. Dabei entspricht die Form am ehesten einem Kegel, wobei eine solche Feststellung vermutlich von gewissen Gelehrten entschieden zurückgewiesen werden und die allgemeine Lehrmeinung über die Geometrie auf eine harte Probe stellen würde. Wollte man sein Alter schätzen, so käme man zu dem Schluss, dass es so gut wie neu aussieht. Beschäftigt man sich eingehender mit dem Artefakt, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass es überraschend leicht zu sein scheint. Allerdings sind auch hier die Grenzen der bekannten wissenschaftlichen Methoden schnell erreicht und hinterlassen den geneigten Betrachter eher hilflos und aufgewühlt.

Verlässt man die Ebene der klassischen Wissenschaften und wendet sein Wissen um die verborgenen Mythen dieser Welt an, so offenbart sich vielleicht der folgende Effekt des Artefakts, wenngleich zuvor möglicherweise noch Rituale oder andere blasphemische Handlungen durchzuführen sind. Es beherbergt etwas, was alles daran setzt, um frei zu kommen.

Probiert es doch selbst einmal aus, eine wirklich schöne Zufallstabelle!

[#RPGaDay2019] #5 – „Raum“

Es ist August und wiedereinmal #RPGaDay2019 – diesmal ist es jedoch anders: ein Stichwort wird vorgegeben (hier), Michael Jaegers hat es dankenswerterweise übersetzt (dort), und zu diesem Stichwort gilt es nun, einen passenden Artikel zu verfassen.

Heute gibt es hier einmal nicht viel Text, dafür einen tollen Link-Tipp: Vor Jahren beschrieben engagierte Spielleiter und Spieler im damaligen CTHULHU-Forum unheimliche Räume. Schaut mal drüber, es lohnt sich:

https://foren.pegasus.de/foren/topic/17574-räume