Rezension: Cthulhus Ruf Ausgabe 9

Ich habe, bevor ich mich daran setzte diese Rezension zu schreiben, etwas mit mir gerungen. Neben dem ohnehin recht ambivalenten Verhältnis zu meinen Rezensionen der Zeitschrift „Cthulhus Ruf“ – immerhin war ich an einigen Ausgaben als Autor oder immerhin Inhaltslieferant beteiligt und habe auch auf diesen Seiten hier bereits davon profitiert, dass die Redaktion Artikel ablehnte – kommt nun noch der Fakt hinzu, dass die letzten Ausgaben des Magazins innerhalb weniger Tage ausverkauft waren. Macht da eine Rezension noch Sinn?

Cover_09_kleinJa, natürlich. Nicht nur für den Sekundärmarkt, der in den nächsten Jahren aufblühen wird. Nein, auch für die Macher, denn nichts ist deprimierender als „kein“ Feedback. Also, frisch ans Werk. Wie auch in den vergangenen Besprechungen möchte ich kurz über die einzelnen Artikel sprechen – und wie immer werden sich dabei der eine oder andere Spoiler sicherlich nicht vermeiden lassen. Spieler, aufgepasst!

Die Vereinsseite
Als Vereinsmagazin der „deutschen Lovecraft-Gesellschaft (dLG)“ wird dem Vereinsleben natürlich auch ein wenig Platz eingeräumt. Wie auch schon in den Vorgängerausgaben wird nicht wirklich klar, wer was plant, warum wann was passiert und überhaupt. Immerhin gibt es einen Link auf das neue Forum und eine Einladung zur nächsten JHV. Naja.

Die Flüstertüte
Unter dem Titel „Wer braucht schon Lovecraft Country“ stellt Autor Ralf Sandfuchs die These auf, dass sich die Weimarer Republik fast besser als das lovecraftsche Neuengland für cthuloide Ereignisse eignet. Kann sein, interessant oder kontrovers gestaltet sich aber leider auch diese Flüstertüte nicht. Und das nicht, weil der Autor sich nicht gute Argumente überlegt hätte oder der Text schlecht geschrieben wäre, überhaupt nicht. Er hat halt wenige Ecken und Kanten, an denen sich die Gemüter reiben könnten und verfehlt damit schlicht den Zweck der Kolumne. Allerdings reiht er sich damit in eine lange Reihe interessanter Artikel ohne Widerspruchscharakter ein, die hier veröffentlicht wurden.

Hydrophiliac
Gleich vier Abenteuer finden sich in der neunten Ausgabe wieder, und „Hydrophiliac“ aus der Feder von Moritz Honert eröffnet den Reigen. Das Abenteuer funktioniert sowohl als One-on-One, aber auch als Gruppenabenteuer, ist für NOW konzipiert und schickt die Investigatoren nach Kiel. Hier sollen sie als Reporter den seltsamen Vorkommnissen in einem Delfinarium nachgehen – ein Mann vergang sich vor aller Öffentlichkeit an einem Delfin und fiel anschließend ins Haibecken. Was obskur beginnt, geht ebenso seltsam weiter. Es geht um fehlgeleiteten Glauben, verschwundene Fische, Medizin und Wahnsinn. Auch, wenn das Finale ein wenig mit dem Holzhammer winkt, hat mir das Szenario selbst wirklich sehr gut gefallen – Prämisse, Aufbau, flexibler Verlauf und Präsentation sind sehr gelungen.

Call of Casablanca
Ebenfalls aus der Feder von Moritz Honert stammt „Call of Casablanca“ für Cthulhu Noir, dessen Titel nicht zu unrecht an den Film „Casablanca“ erinnert. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe Kriegsflüchtlinge trifft in „Rick’s Café Americain“ zusammen. Jeder von ihnen verfolgt eine eigene Agenda, hat finstere Geheimnisse in seiner Vergangenheit und wird im Laufe des abends wenigstens einen Erzfeind unter seinen Mit-Investigatoren entdecken. Die Konstellation der Charaktere ist wirklich großartig, allerdings steht und fällt das Szenario wohl mit einer spielfreudigen Gruppe. Wer auf Kooperation um des Überlebens willen pocht, der wird hier nicht allzuviel erleben können. Wer sich aber auf seine Rolle einlassen mag, der erhält zusammen mit seiner Gruppe einen denkwürdigen Abend. Hübsch anzusehen ist das direkt mitgelieferte Kartenmaterial, viele Extrakästen geben dem Spielleiter Unterstützung, um die Handlung im Sinne des Erlebnisses zu lenken. Gut aufbereitet!

Dockside Dogs
Aus der Feder von Paul Fricker, der CR-Fans wohl spätestens seit „Gatsby und das große Rennen“ ein Begriff ist, stammt „Dockside Dogs“. Es bezieht sich wohl auf den Film „Reservoire Dogs“, den ich allerdings mangels Begeisterung für das Gesamtwerk Tarantinos nie gesehen habe. Eine Gruppe Gangster, die sich alle nur unter ihrem Decknamen (eine Farbe) kennen, treffen sich in einem alten Bootshaus. Gerade haben sie für einen Gangsterboss etwas gestohlen und sollen am nächsten Morgen abgeholt werden. Bald schon beginnen Spukerscheinungen und persönliche Animositäten zwischen den Gaunern, die Stimmung anzuheizen. Das Finale wiederum dreht dann alles noch einmal auf den Kopf.
Fricker rät, das Szenario als Freeform mit viel Bewegung anzulegen. Jemand will in die Küche? Dann steht er bitte auch vom Spieltisch auf. Zwei Gangster wollen etwas unter sich klären? Bitte schön, die Ecke des Raumes ist dort hinten. Mir hat „Dockside Dogs“ trotz – oder gerade wegen – dieser Kniffe nicht hundertprozentig gefallen. Zum einen ist die Konstellation der Animositäten in meinen Augen zu schwach und zu leicht zu unterdrücken, zum anderen ist die Handlungsfreiheit der Charaktere durch das unabdingbare Ende, das ohnehin alles noch einmal umdreht, eigentlich sehr eingeschränkt. Aufbereitet und bebildert ist das Szenario aber wiederum großartig.

Der Mann mit den tausend Gesichtern
Das wohl klassischste Szenario in der neunten Ausgabe spielt in den 1920ern und führt die Gruppe nach Hollywood. Richard A. Becker hat sich einen spannenden Plot um einen Hollywood-Schauspieler ausgedacht, der sich seit einiger Zeit in sein Anwesen zurückgezogen hat. Frau und Kind sind bereits ausgezogen, sein Agent ist seit dem letzten Besuch verschwunden und die Nachbarn sprechen von seltsamen Geräuschen. Was folgt ist eine wahre Achterbahn und mehr zu verraten, würde wohl zuviel verraten :-).
Sagt mir die Bebilderung mit dem eckigen Zeichenstil in diesem Fall nicht wirklich zu, so ist es die Prämisse des Abenteuers, die mir sehr gut gefällt. Kein Mythosmonster, kein Dimensionswechsel – einfach der Wahnsinn eines Menschen, der als Unwissender auf den Mythos traf. Das sein Anwesen dabei ein grenzgeniales Setting voller liebevoller Ideen – inkl. zahlreichen Filmpostern an den Wänden – abgibt, ist da nur ein Sahnehäubchen. Lobend erwähnen möchte ich auch die Karten und Handouts, die den Text gelungen abrunden. Ein tolles Szenario, das allerdings viel Improvisations- und Schauspieltalent des Spielleiters erfordert!

Eine Frage des Glaubens
Hier stellt Autor Stefan Droste zwei Organisationen für Spielercharaktere vor. Der Text ist kreativ und gut geschrieben, deckt potentiell verschiedene Settings ab und erweitert die Möglichkeiten für Organisationen auf gute Weise!

NSC der Ausgabe
Der NSC der Ausgabe (ebenfalls von Stefan Droste) ist dieses Mal „Der Graue Postbote“, eine selbstironische Hommage an die vielen, vielen Ausgaben „Cthulhus Ruf“, die irgendein Zusteller in einen Briefkasten gequetscht hat. Der Mythosbezug ist dabei intelligent eingebaut und macht den NSC vielseitig einsetzbar. Ein wunderbarer NSC, der diese wirklich großartige Rubrik würdig vertritt.

Bow Street Runners
Im diesmaligen Archivheft präsentiert Autor Robert Wintermann auf 28 Seiten mit den „Bow Street Runners“ umfangreich eine Organisation für Investigatoren im Gaslicht-Setting. Hier können sie in die Rolle von einer Spezial-Einsatztruppe der Polizei schlüpfen – ehemalige Verbrecher, denen man Straferlass versprochen hat, wenn sie einige kriminelle Probleme „auf ihre Art“ lösen. Das Heft stellt dabei die Organisation vor, einige NSC, Beschäftigungsmöglichkeiten abseits der Abenteuer, garniert das Ganze mit interessanten Regeloptionen und gibt am Ende interessante Szenarien-Vorschläge zum Besten. Die Vielfalt des vorgestellten Materials ist vorbildlich, einzig hätte ich mir für den einen oder anderen Aspekt mehr Platz gewünscht. So bleibt es ein Steinbruch, aus dem der Spielleiter seine Kampagne mit viel Arbeit zurechtstricken muss, doch dass soll ja auch nichts Schlechtes sein :-).

Ein kurzes Wort möchte ich auch noch über das Layout verlieren: sauber, aufgeräumt, reichhaltig bebildert, im Stile der Vorgängerausgaben und doch teilweise überraschend (weil farbig!) – und insbesondere das Cover gehört wohl zu den Besten, die bislang die Ausgaben zierten. Chapeau!

Fazit: Was soll ich sagen? Ja, nicht jedes Szenario trifft meinen Geschmack, und auch zu den regelmäßigen Kolumnen zur Eröffnung der Ausgaben finde ich einfach keinen Zugang. Ist die Ausgabe neun damit schlecht geworden? Nein, bei weitem nicht. Die neunte ist eine großartige, vielfältige Ausgabe mit einem tollen Archivheft.

Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos: ein kleiner Feedbackspiegel

Hallo zusammen,

Vorderseiteseit Anfang Oktober ist das Ergebnis meines NSC-Wettbewerbs, der Quellenband „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“, lieferbar. Die Bestellseite findet sich oben hier auf meinem Blog. Ich kann stolz – und auch ein wenig erleichtert, immerhin bin ich komplett in Vorkasse getreten – verkünden, dass der noch hier bei mir liegende Bücherstapel den Titel „Restmenge“ wohl verdient hat. Es sind nicht mehr allzu viele Exemplare vorhanden.

Bereits bei der Ankündigung des Produktes habe ich darum gebeten, möglichst viel Feedback zu erhalten. Im Forum sind einige User dieser Aufforderung bereits gefolgt. Ich möchte nun ein wenig dieses Feedbacks hier wiedergeben – nicht zuletzt auch, um unentschlossene Käufer zu motivieren :-).

So schrieb User Raven2050:

Meine Meinung: Es ist ein tolles Produkt, welchem man das Fanblut, die liebevolle Arbeit und die Kreativität der Macher ansieht. Ich kann nur sagen „Respekt und vielen Dank an die Verantwortlichen für euer Engagement!“

Übrigens hat mir der Noir-NSC gestern Nacht ein Dauergrinsen ins Gesicht gezaubert. Eine schöne Art von „Comic relief“, welche ich ganz sicher mal nutzen werde…. 😉

Kürzer, aber nicht weniger erfreulich für mich, fasste sich User Dis Pater:

Erster Eindruck: Sowas hab ich mir immer schon gewünscht.

Auch User Studer hat sich geäußert:

Fazit: Wunderbar – ein echter NSC-Steinbruch!

Wieder etwas umfassender ist der Text von User Grannus:

Ich finde diese Sammlung gelungen und hoffe, dass sich das ganze Prozedere mal wiederholen lässt. Von der Papierdicke zur Schrift kann ich sagen, dass sie mir zusagt und ich das als eine schöne Abwechslung zu anderen, typischeren Designs epmfinde. Vielleicht werden es das nächste Mal noch mehr NSC. Ein paar werde ich auf jeden Fall nutzen…

Hier die Meinung des Forenusers fnord:

Das Produkt ist super. Die Buchqualität, Schriftbild, Layout und Bebilderung sind gut und wer könnte bei einem Preis von 2,50 € überhaupt was sagen.

Ich bin noch hin und her gerissen, ob ich es mich stört, dass fast jeder NSC – Serienmörder, Irrer oder mit Magischen Wissen gesegnet ist. Andererseits ist ein Buch mit den Hintergründen des Hausmeisters, dem Klempner und der Sekretärin kein wirklicher Anreiz. Diese Figuren sind allerdings gut geschildert und jeder wohl ein eigenes Abenteuer wert.

Der allgemeine Teil über Rolle und Funktion des NSC als Solchem weiß auch zu gefallen.

Besonders schön: Der Tod, auch bekannt als Redakteur der fabelhaften Zeitschrift „Cthulhus Ruf“ hat sich die Mühe einer kompletten Rezension gemacht. Sein Fazit:

Zum Fazit.Lohnt sich „Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos“ also? Kurze Antwort: Ja.
Für den Preis eines Biers (+Versand/Trinkgeld) gibt es hier nicht nur ein unterstützenswertes Fanprojekt, sondern auch schlicht und ergreifend eine Spielhilfe, die sich nicht vor der „Konkurrenz“ zu verstecken braucht. Mein Tipp um die kleineren Schwächen des Bands zu umgehen: Greift euch einen Nichtspielercharakter heraus, der euch besonders gefällt, und strickt ein komplettes Abenteuer um ihn/sie und seine Geschichte! Einige hätten genau das verdient.

Seine komplette Rezension findet ihr HIER.

Positives Feedback ist eine tolle Sache, doch Meinungen jedweder Art sind wichtig und werden gern angenommen. Habt Ihr den Band vielleicht schon gelesen und wollt Eure Meinung loswerden? Dann immer her damit! Es gibt einen Diskussionsfaden im Cthulhu-Forum, Ihr könnt direkt hier im Blog kommentieren oder mir einfach eine E-Mail schreiben. Ich freue mich über jede Anregung!

Vorstellung: Cthulhus Ruf Ausgabe 5

Sapperlot! Da ist es doch schon wieder ein halbes Jahr her, dass die 4. Ausgabe der cthuloiden Zeitung „Von Fans für Fans“ erschien – höchste Zeit also, dass die Redaktion für Nachschub sorgte. Glücklicherweise erschien dann auch pünktlich zur RPC die fünfte Ausgabe.

Cover5KleinWie auch schon bei meiner Besprechung der Vorgängerausgabe werde ich keine komplette Rezension erstellen können: Abermals finden sich gleich zwei Artikel aus meiner virtuellen Feder in dem Magazin wieder und abermals habe ich als Rezensent damit das Gefühl, keine wirklich objektive Meinung bieten zu können. Da ich aber als cthuloider Blog kaum umhin komme, mich mit dem Magazin zu beschäftigen (was ein Glück ist :-)), werde ich wie in der vergangenen Besprechung eine Mischung aus Artikel-Rezension und Autorenbericht darbieten und hoffe, dass Ihr Euch ausreichend informiert fühlt.

Über das professionelle und schicke Layout verliere ich folgend kaum noch Worte. Eigentlich heißt es ja „Ehre wem Ehre gebührt“; es gibt mal wieder nichts zu meckern und das ganze Heft sieht großartig aus! Die fünfte Ausgabe steht unter dem Oberthema „Cthulhu Noir“ und führt das cthuloide Grauen in die 50er Jahre. Doch wie immer beschäftigt sich nicht jeder Artikel mit dem Oberthema, so dass für jeden etwas dabei sein kann.

Die Flüstertüte
Wie auch schon ihre Vorgänger, wird die 5. Ausgabe von Cthulhus Ruf von der Rubrik „Die Flüstertüte“ eröffnet. Dieses Mal verlangt Autor Ralf Sandfuchs „Geh mir weg mit den Monstern…“. Hier untersucht der Autor, wie wichtig tatsächlich das tentakelbewehrte Monstervieh in cthuloiden Szenarien ist und wie sehr eigentlich menschliches Drama in den Mittelpunkt cthuloider Schrecken rücken sollte. Flüssig geschrieben und wieder ein wenig mehr Angriffsfläche bietend als der Vorgängerartikel habe ich das erste Mal etwas aus dieser Kolumne mitgenommen. Ein schönes Thema und gut aufbereitet.

John Carpenter und der Mythos
Es schließt sich ein kurzer Artikel an, in dem Markus Widmer die Anleihen in den Filmen von John Carpenter am Cthulhu-Mythos untersucht. Es ist diese Art von Artikeln, die mich immer ein wenig hin- und hergerissen zurücklassen: interessant sicherlich und jemand mit Interesse am cthuloiden Grauen abseits des Rollenspiels findet hier vielleicht die eine oder andere Anregung. Aber leider ist es halt am Spieltisch kaum zu gebrauchen – vielleicht wäre es eine Idee gewesen, Carpenter gleich mit Spielwerten einzubringen und ein oder zwei Szenarienideen einzustreuen? Oder die „Wahrheit“ hinter seinen Werken zu beleuchten, um Ansätze für ein Abenteuer zu finden?

Höhenflug
Es folgt das erste Szenario der fünften Ausgabe. Mit „Höhenflug“ von Greg Stolze liegt eine Übersetzung aus dem amerikanischen Magazin „The Unspeakable Oath“ für Cthulhu NOW vor. Im Chicago der Gegenwart verschwinden in luftigen Höhen immer mehr Menschen – Zeit für die Charaktere, hier nach dem Rechten zu sehen… das Szenario bietet einen ungewöhnlichen Gegner mit einer spannenden Schwachstelle, einige interessante Ansätze für ungewöhnliches Rollenspiel, alle wichtigen Hintergrundinformationen und das Potential für einen furiosen Showdown. Darüber hinaus ist es mit seiner gesunden Portion Sarkasmus sehr angenehm zu lesen. Ungewöhnlich – aber mir hat es sehr gut gefallen!

Tränen einer verlogenen Wahrheit
Das zweite Abenteuer stammt aus der Feder von Thomas Michalski und führt die Ausgabe erstmals in die 50er Jahre und nach Los Angeles bzw. Hollywood. Der Autor spinnt ein klischeebeladenes Detektivabenteuer, in dem die Charaktere bald Freund und Feind nicht unterscheiden können und in dem es angenehm mythosarm zugeht. Nicht umsonst lautet die Prämisse von Cthulhu Noir: „Das schlimmste Monster ist der Mensch“. Wie so etwas aussehen kann wird hier vorbildlich aufgezeigt. Ein Abenteuer sicher nichts für jedermann, mit Ecken und Kanten wie die Detektive der „Noir“-Ära. Wer sich darauf einlassen mag erhält einen soliden Einstieg.

Der Atem der Tiefe
Und das dritte Szenario, dieses Mal meinem Hirn entsprungen. Entstanden ist das Szenario für den Abenteuerwettbewerb „Im Land der Pharaonen“, den Cthulhus Ruf in seiner zweiten Ausgabe ausrief. Ich kann mich noch gut an die Entstehungsphase dieses Abenteuers erinnern: der Wettbewerb wurde rund drei Monate vor meinem geplanten Umzug ausgerufen und es war eine recht streßige Zeit. Da ich maximal sechs Wochen hatte, um mich mit dem Text zu beschäftigen war der einzige Vorteil eben jener, dass der Wettbewerb die Worte „kurz“ und „knackig“ in der Ausschreibung verwendete… Unter dem frischen Einfluß der zweiten Ausgabe schusterte ich mein erstes One-on-One-Szenario zusammen, dessen Einstiegsszene mir immer noch gut gefällt und bei dem ich der Meinung bin, dass der Druck auf den Spieler auch schön ausgespielt werden kann. Dennoch ist ein wirklich interessanter Mittelteil leider meinem persönlichen Zeitdruck zum Opfer gefallen und wollte mir einfach nicht aus den Gehirnwindungen kriechen. Wirklich zufrieden war ich nicht – aber fertig, also wurde der Text auch eingereicht. Dass er nun mit all seinen Prämissen das „Noir“-Thema so wunderbar widerspiegelt ist zwar Zufall, aber er passt wunderbar in diese Ausgabe. Ein großes Lob möchte ich als Autor ans Layout und insbesondere an die wunderbar von Tina Wessel-Heller gestalteten Handouts loswerden – Danke!

Dunkle Schatten vor laufender Kamera
Ein Hintergrundartikel wiederum von Thomas Michalski, der sich mit dem Funktionieren der Traumfabrik Hollywood in den 40er und 50er Jahren beschäftigt und einige Vorschläge enthält, an welchen Ecken der Mythos Einzug in diese scheinbar heile Welt halten kann und wie das „Noir“-Feeling besser am Spieltisch umgesetzt werden kann. Für Fans von „Noir“ ein absolut lesenswerter Artikel – alle anderen werden wohl nicht allzuviel herausziehen können.

Die drei Kerzen
Bei „Die drei Kerzen“ handelt es sich um den „Tatort“ der fünften Ausgabe. Diese in Ausgabe vier neu eingeführte Kolumne stellt auf einer Doppelseite einen „Tatort“ vor, an dem die Ermittler bei ihren Untersuchungen auf cthuloides Grauen stoßen können… von mir hier auf dieser Seite schon zweifach als Einseiter umgesetzt, stammt auch „Die drei Kerzen“ aus meiner Feder. Dieser Text ist zwar kurz, aber für mich etwas ganz, ganz, ganz besonderes, stellt er doch meine erste „Auftragsarbeit“ dar. Ich bin stolz darauf, eine Artikelanfrage von der Redaktion erhalten zu haben und noch ein wenig stolzer darauf, dass es diesmal nur ein sehr kurzes „Hin und her“ war, bis der Artikel den Ansprüchen der Redaktion genügte. Ich hoffe, er findet an vielen Spieltischen Anklang!

N2S2
Die diesmalige Ausgabe der „Fragmente des Grauens“ stammt von Robert Wintermann und bietet drei verschieden Vorschläge für den Umgang mit den kruden Auswirkungen von Atomtests, die in den 50ern in der Nähe von Las Vegas stattfanden. Sehr cthuloid und deftig, aber auch noir-typisches Detektivflair wird abgedeckt – und das alles in einem Artikel. Eine hübsche Ausgabe der „Fragmente“, die viele verschiedene Vorlieben bedient.

Wenn jemand ein Reise tut…
Thomas Michalski untersucht in diesem Artikel die spieltechnischen Auswirkungen von Reisen. Dabei geht es natürlich nicht um Regelfuchserei, sondern darum, wie sich Reisen auf eine Kampagne auswirkt, was man als Stimmungskiller vermeiden sollte und unter welchen Aspekten eine Reise in die Kampagne eingeflochten werden kann. Ein kurzer Abriß über die Sinnhaftigkeit von Reisen in Lovecrafts Werk und einige Szenariovorschläge runden diesen Artikel ab.
Das Besondere an diesem Artikel: er wurde von der „offiziellen“ Cthulhu-Redaktion sozusagen bestellt. Als nach dem Erscheinen des „Reisen“-Bandes im Cthulhu-Forum eine hitzige Diskussion entbrannte, ob der Band genug spielleiterfreundliches „Meta“-Material enthielte, forderte die Redaktion ein Beispiel wie so etwas überhaupt aussehen sollte. Ich habe selbst keine Ahnung, ob der Artikel die Vorstellung aller „Reisen“-Kritiker erfüllt oder ob sie etwas völlig anderes meinten. Im Hinblick auf diesen Artikel ist das aber herzlich egal, denn er ist einfach gut. Punkt. Er bietet für jeden Spielleiter Anregungen und Ansätze zu einem wichtigen Thema und das macht ihn lesenswert.

Ich, Nyarlathotep
Kaum ein Mythosgegner ist so ausgelutscht wie Nyarlathotep, das Schleichende Chaos. Um diesem Abnutzungseffekt entgegen zu wirken findet Autor Stefan Droste nicht nur eine interessante Interpretation der Avatare des Götterboten sondern liefert gleich noch einen Haufen neuer Avatare, die mal wieder etwas Abwechslung zwischen all die „Schwarzen Männer“ und „Schweinsdämonen“ bringen. Ich möchte soweit gehen, von meinem persönlichen Lieblingsartikel in dieser Ausgabe zu sprechen.

Das zweite Gesicht
Die Kolumne „Aus den geheimen Schriften der Janus-Gesellschaft“ bietet dieses Mal keine Regionalia-Beschreibung, sondern alternative Regelvorschläge von Sebastian Weitkamp um die Janus-Gesellschaft etwas… „esoterischer“ zu gestalten. Interessanterweise klärt ein Textkasten darüber auf, dass es diese Regeln fast in den „Janus-Gesellschaft“-Band geschafft hätten, dann aber zugunsten eines „bodenständigeren“ Ansatzes herausgenommen wurden. Gut, dass sie nun hier ihre Veröffentlichung finden und so jeder Spielleiter die Wahl hat, wie weit er mit seiner JG gehen möchte. Grandios ist wie immer das Layout der Kolumne – die vorgeschlagenen Regeln sind funktional und stimmungsvoll, ergänzt um interessante NSC und Szenarienideen. Was will man mehr?

Studenta Elena zu Grafenberg
Wie immer schließt auch die fünfte Ausgabe mit dem „Charakter der Ausgabe“. Passend zum Vorgängerartikel findet sich hier eine Janobitin – beschrieben ebenfalls von Sebastian Weitkamp – wieder, die als Medium eine besondere Rolle einnehmen kann. Einer der „praktischsten“ Charaktere, die bisher in dieser Rubrik zu finden waren.

Cthulhu Noir
Das diesmalige Archivheft heißt „Cthulhu Noir“ und enthält auf 32 Seiten sehr interessante Einblicke in das Noir-Setting. Dabei wurde mit viel Liebe zum Detail auf engem Raum möglichst viel Information untergebracht: Regelergänzungen finden sich ebenso wie ein Blick auf den Mythos im Setting, Filme und Bücher zur Inspiration werden genannt und die wichtigsten Waffen aufgelistet. Ein tolles Beiheft – sofern Noir das persönliche Interesse anspricht.

Fazit? Wie auch beim letzten Mal ziehe ich kein objektives Fazit. Ich bin nicht nur ein Fan der Zeitung und als Autor aktiv. Nein, ich bin auch ein echter Fan des „Noir“-Settings, das hier mit viel Liebe zum Detail vorgestellt und aufbereitet wird. Wem es ebenso geht, der greift natürlich zu. Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinung zu dieser Ausgabe!