Rezension: Cats of Catthulhu

Cthuloide Rollenspiele gibt es – der offenen Rechtesituation rund um Lovecrafts „Cthulhu“-Mythos sei Dank – mittlerweile wie Sand am Meer. Und auch exotische Themen wie cthuloide Katzenrollenspiele sind keine gänzlich neue Erfindung. Braucht es da einen weiteren Vertreter?

Howard Philipps Lovecraft, jener als recht verschroben geltende Autor aus Providence, welcher den „Cthulhu“-Mythos und mit ihm den kosmischen Horror erfand und seitdem erheblichen Einfluss auf die moderne Horrorliteratur ausübt, war ein rechter Katzenfreund. Auch in seinen Geschichten spielten Katzen hin und wieder eine Rolle und in den von ihm geschaffenen „Traumlande“-Geschichten wurden die Katzen gar zu denkenden und herrschenden Wesen. Kein Wunder, dass also auch dieser Aspekt seines Mythos Einzug ins Rollenspiel gehalten hat. Cthuloide Katzenrollenspiele haben dabei auch in Deutschland eine gewisse Tradition, denn mit „Katzulhu“ verlegt Pegasus bereits seit den frühen 2000ern ein eigenes Rollenspiel, in dem Spieler in die Rollen von Katzen schlüpfen können, die gegen den Mythos kämpfen.

2014 erschien die englische Variante von „Cats of Catthulhu“ aus der Feder von Joel Sparks. Nun hat sich Yvis Nerd and Geek World an die deutsche Ausgabe herangewagt. Der vorliegende Band trägt den Untertitel „Buch 1: Das Nekonomikon“ und verrät damit einerseits, dass es ein wenig humoristischer zugehen dürfte als bei der Pegasus-Variante des Themas, zum anderen, dass noch weitere Bücher aus dem Zyklus folgen werden.

Tatsächlich enthält „Das Nekonomikon“ nur die absoluten Grundregeln des Spiels. Diese sind einfach und rasch erklärt. Die Spieler schlüpfen auch hier in die Rolle von felinen Charakteren. Damit einher gehen die üblichen Probleme – die Kommunikation mit Zweibeinern gestaltet sich oft schwierig, ohne Daumen lassen sich die meisten Werkzeuge nicht bedienen und eine verschlossene Tür kann schon einmal ein erhebliches Hindernis darstellen. Andererseits ist man mit einem messerscharfen Intellekt, hoher Geschicklichkeit und neun Leben gesegnet – das sollte genügen, um die finsteren Mächte des Mythos das Fürchten zu lehren. „Cats of Catthulhu“ gestaltet sich darüber hinaus angenehm regelarm: Sofern es zu einer Probe kommt, wirft eine Katze zwei sechsseitige Würfel. Ein Ergebnis von drei bis sechs gilt als Erfolg. Je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgabe sind ein oder mehr Erfolge notwendig.

Dazu gesellen sich ein paar weiterführende und optionale Regeln, um das Spiel ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten. So können Pasche besondere Ergebnisse hervorbringen, im Kampf können Erfolge unterschiedliche Ergebnisse bedeuten und wenn man per Charakterbeschreibung für eine Aufgabe besonders gut geeignet ist – das Regelwerk verwendet die schöne Formulierung „Die richtige Katze für den Job“ –, dann erhält man automatische Erfolge. Da sich die Charakterwerte ausschließlich auf Beschreibungen ohne Zahlenwerte verlassen, war es das auch schon. Das Regelwerk gestaltet sich damit ähnlich minimalistisch wie die „Tiny D6“-Engine. Neben der Erklärung der Grundregeln enthält „Das Nekonomikon“ noch den Beginn eines Einführungsabenteuers, dessen Fortsetzung auf yvisnerdandgeekworld.de verfügbar gemacht werden soll.

Man merkt „Cats of Catthulhu“ an, dass es zwar einen humoristischen Ansatz rund um den Mythos verfolgt – so erhalten etwa die meisten erwähnten Wesenheiten Namen, die irgendwie an das Katzenthema angelehnt sind –, andererseits fehlen zum jetzigen Zeitpunkt noch tiefergehende Informationen zur Spielwelt. Diese werden erst in den später erscheinenden Büchern – wie „Unaussprechliche Katzen“ – genauer vorgestellt. An dieser Stelle bleibt daher nur das Regelwerk zur Bewertung, welches recht simpel daherkommt und einen guten Spielfluss verspricht. Regelfüchse wird es kaum ansprechen, dafür aber erzählfreudige Gruppen, denn je nach Erfolg der felinen Charaktere wechselt auch das Erzählrecht hin und wieder zu den Spielern – diese dürfen den Ausgang von besonders spektakulären Fehlschlägen oder Erfolgen beschreiben. Damit ist „Cats of Catthulhu“ auf jeden Fall eher etwas für Erzählspieler als Taktiker.

Das Layout ist schlicht und eher funktional: Das dünne A5-Büchlein ist einspaltig gedruckt und spärlich illustriert. Die wenigen erklärenden Tabellen sind gut strukturiert und farblich abgesetzt. Der Rest des Schriftsatzes wirkt eher etwas unruhig, da kein Blocksatz gewählt wurde und der Schriftgrad ist mir persönlich ein oder zwei Nummern zu klein gewählt. Das macht die Lektüre mitunter etwas anstrengender, als es dem Regelwerk nach nötig gewesen wäre.

Fazit: „Cats of Catthulhu“ setzt sich von „Katzulhu“ durch seinen humoristischeren Hintergrund, sein simpleres Regelsystem und die verteilten Erzählrechte ab. Damit liefert es für erzählfreudige Gruppen eine echte Alternative. Ich bin gespannt, wie sich das Hintergrundmaterial darstellen wird, welches im zweiten Band veröffentlicht werden wird.

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