RPG-Blog-O-Quest #069 – Einsteigerboxen

Es ist mal wieder Questen-Zeit! Nachdem ich in den vergangenen Monaten mehrfach ausrichten durfte, kann ich mich in diesem Monat entspannt zurücklehnen und Greifenklaues Fragen zu Einsteigerboxen beantworten. Schön! Und doppelt schön: Das diesmonatige Thema dreht sich um Einsteigerboxen, eine Thematik, die ich sehr gerne mag.

RPG-Blog-O-Quest? Nie gehört? Kurz die Spielregeln: An jedem Monatsersten stellt der jeweilige Ausrichter dem Rollenspielvolk fünf Fragen, welche auf Blogs, in Podcast, in Vlogs oder in Foren beantwortet werden wollen. Dann hat man den Monat über Zeit, um die Fragen zu beantworten. Näheres dazu hinter dem obigen Link. So, nun aber auf an die Fragen!

1.) Welche Einsteigerboxen kennst Du, welche davon hälst Du warum für die beste? Einsteigerboxen können auch denkwürdige Ereignisse liefern: womit hast Du tolle Abenteuer erlebt?

Also, Einsteigerboxen kenne ich tatsächlich einige. Tatsächlich in meinem Schrank steht allerdings nur die noch recht frische „Drachenritter“-Einsteigerbox für „Das Schwarze Auge“, die „Entfesselt“-Einsteigerbox (…ehrlicherweise nur als Materialklauquelle…) sowie die „Splittermond“-Einsteigerbox. Ach ja, und die DnD5E-Einsteigerbox. Fasst man den Begriff – wie Greifenklaue es unten bereits tut – etwas weiter und zählt „Dungeon Slayer“ und „ABOREA“ mit dazu, dann sind noch diese beiden Boxen mit dabei.

Erweitert man wiederum in die etwas andere Richtung und zählt „Schnellstarter“ mit hinzu, so sind noch einmal einige Exemplare zu nennen: HEX, Space 1889, wieder Splittermond, CTHULHU, FHTAGN…

Die DSA-Box ist didaktisch toll gemacht und gerade die ultrakurzen Einsteiger-Solo-Abenteuer haben mir wirklich Spaß gemacht. Auch haptisch ist ja einiges mit dabei. Was mich allerdings wirklich gestört hat ist das Fehlen von Generierungsregeln für eigene Charaktere. Gleiches gilt für die DND5E-Box. Die Kampagne ist toll, aber keine SC generieren zu können, nimmt einfach enorm viel Spielspaß raus. Das kompletteste Bild bietet für mich daher die „Splittermond“-Einsteigerbox.

Viel gespielt habe ich allerdings – von den Boxen – am meisten mit ABOREA. Das Ganze sogar als jahrelange Kampagne mit meiner Einsteigerrunde. Das hat Spaß gemacht, auch wenn das System seine Grenzen hat. Aber da das Regelwerk komplett in der Box ist, ist dieser Vergleich vielleicht ein wenig unfair. Als Einsteigermaterial ungeschlagen ist der CTHULHU-Schnellstarter, insbesondere vor der 7. Edition. Er enthielt alles, was man für jahrelangen Spielspaß mit dem System wirklich brauchte.

2.) Charakterentwicklung: Eigene Charaktere, vorgefertigte Charaktere oder wie sollte die Mischung aussehen.

Ich kann die Entscheidung, die Charaktererstellung NICHT in Einsteigerregeln mit aufzunehmen, zwar nachvollziehen. Für mich sind eigene Charaktere aber essentieller Bestandteil des Rollenspiels und gehören damit natürlich auch in eine Einsteigerbox. Vorgefertigte Charaktere für den sofortigen Einstieg beizulegen ist natürlich trotzdem ein schönes Gimmick. Aber ein Ersatz für Generierungsregeln können sie nicht sein.

3.) Haptik: Was sollte dazugehören? Würfel, Minis, Pawns, Battlemap, Weltkarte, SL-Schirm etc.

Als ich damals anfing (DSA 2. Edition) hatten wir nichts außer zwei labbrigen Büchlein, einem W20 und einer überdimensionierten Karte. Den Rest hat die Fantasie erledigt. Aber: das beiliegende Spielmaterial wirkt natürlich prägend für das spätere Spiel. Ich spiele bis heute kaum mit Battlemap und Figuren, einfach, weil es mir damals gar nicht in den Sinn gekommen wäre. Ein mehr auf Taktik ausgelegtes Spiel profitiert natürlich davon, wenn direkt Maps und Token/Pawns mitgeliefert werden und die Spieler damit „sozialisiert“ werden.

4.) „Nutzen“ für später – kann man sie noch weiter gebrauchen? Eingedampfte Regeln vs Vollbox (a la Aborea oder Dungeonslayers)?

Ich denke, eingedampfte Regeln sind prinzipiell kein Problem – wenn man nicht auf so dumme Ideen kommt wie die „Pathfinder“-Einsteigerbox und den Stufenaufstieg beschränkt. Ein simples System und den Rest den Spielern überlassen – das trägt doch prinzipiell für alle Zeiten. Ich könnte mir z.B. problemlos vorstellen, mit meiner „Splittermond“-Box auch dauerhaft zu spielen. Ich bin ja ohnehin kein Freund von Regelschwergewichten.

5.) Du darfst Deine eigene Einsteigerbox zusammenstellen: Welches System, welcher Inhalt, welche Besonderheiten?

Oha, gar nicht so einfach. Ich habe sehr intensiv am Schnellstarter für FHTAGN mitgewirkt und außerdem schon zwei kurze Rollenspielsysteme („Sinking City“ und „Desperados“) geschrieben – daher habe ich schon recht starre Vorstellungen, was ich Neuspielern mit auf den Weg geben wollte. Allerdings war das immer ein einzelnes Büchlein, nie eine Box. Wie würde ich also eine Box aufbauen?

  • Ein dünner Flyer – vielleicht vier Seiten – mit einem „Willkommen“, einer „Was ist Rollenspiel“-Abhandlung und einem Spielbeispiel
  • Ein Buch mit Grundregeln. Hierzu gehören für mich der grundsätzliche Probenmechanismus, die Charaktergenerierung, Kampfregeln und ein paar besondere Situationen (Schwimmen / Gift / Stürze / Flammen…). Spiel- und Settingspezifika sollten in einem interessanten, ausreichenden Maß abgedeckt sein. Damit meine ich in einem Fantasy-Setting mal wenigstens drei oder vier spielbare Völker, zwanzig-dreißig Zaubersprüche und ebenso viele magische Gegenstände. Bei Cthulhu dürften es ausreichend (15?) Berufe, fünf-sechs finstere Folianten und zehn Zauber sein.
  • Ein Buch mit Spielleiterwerkzeugen. Dazu gehören Kreaturen, ein paar beispielhafte NSC, Settingspezifika (also Fallen und Rätsel für Dungeon-Fantasy, Kulte und Mythosgottheiten für Cthulhu…), Abenteuerideen und/oder -generatoren, Zufallstabellen und natürlich wenigstens ein erstes, ausgearbeitetes Abenteuer. Außerdem enthält das Buch ein grundlegendes Kapitel über das Spielleiten.
  • Ein Buch mit Setting-Informationen. Ist bei einem Fantasy- oder SF-Setting immer schön, bei Horror vielleicht direkt bei den Grundregeln zu implementieren (je nachdem, wie intensiv man es beschreiben muss. Ist es „nur“ „Heute mit Zombies“, dann braucht es dafür kein Buch).
  • Regelspezifisches Zusatzmaterial – also Pawns, Battlemats, Spezialwürfel, Karten – gibt es nur, wenn es für das Spielgefühl unabdingbar ist.

Und zack! Fertig ist die Einsteigerbox.

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