Rezension: Gruselkabinett 138: Die Ratten in den Wänden

Lovecrafts Werk gilt eigentlich als schwer adaptierbar. Marc Gruppe, Mastermind hinter der erfolgreichen Reihe „Gruselkabinett“ des Titania Medien Verlags bewies allerdings schon oft das Gegenteil. Die meisten seiner Vertonungen sind gut gelungen und bewahren den Hauch kosmischen Grauens, den Lovecraft auf seine Leser herabbeschwor. Wie steht es nun mit der Hörspielvariante von „Die Ratten in den Wänden“?

Nach dem Tod seines Sohnes kehrt der alternde Kaufmann Delapore aus Amerika auf den Stammsitz seiner Familie in Südengland zurück. Nach aufwendigen und zeitfressenden Renovierungsarbeiten bezieht er schließlich 1918 in dem ehemaligen Kloster, dass zuvor seiner Familie gehörte, Quartier. Den abergläubischen Reden der einfachen Landbevölkerung schenkt er zwar keine Beachtung, doch liegt in der Familiengeschichte ein Geheimnis begraben, das den letzten Delapore bald zu interessieren beginnt. Gemeinsam mit Captain Edward Norton, einem Kriegskameraden seines verstorbenen Sohnes, beginnt er tiefer in der Familiengeschichte zu forschen – und stößt auf einen Vorfahren, der scheinbar weite Teile seiner damaligen Verwandtschaft umgebracht und daraufhin das Land verlassen hat.

In der Folge verlieren sich Delapore und Norton immer tiefer in den Tragödien der Delapores, während in den Nächten die Katzen und Bediensteten des Hauses kaum mehr ein Auge zutun können. Das Trippeln und Quieken tausender Ratten, die hinter den Wänden der alten Priorei hin und her huschen bringen die Bewohner des Hauses um den Schlaf. Schließlich entscheiden Delapore und Norton sich dazu, im Gewölbekeller des alten Klosters dem Spuk auf den Grund zu gehen. Doch hier entdecken sie unglaubliches…

Zugegeben, Marc Gruppes Adaption des Stoffes fehlt es mediumbedingt ein wenig an dem gemächlichen Spannungsaufbau, in dem sich Lovecraft in seiner Geschichte ergeht. Auch die vulgären Traumbilder, die der alte Delapore Nacht für Nacht durchlebt und die von Lovecraft in dekadenter Breite präsentiert werden, vermag das Hörspiel nur am Rande zu streifen. So mutet denn vielleicht auch die Wandlung des Protagonisten im Finale dieser Episode ein wenig zu plötzlich an, während man der Entwicklung Delapores in der literarischen Variante etwas besser folgen kann. Das ändert allerdings nichts daran, dass Titania Medien eine absolut stimmungsvolle und gut gemachte Variante von Lovecrafts Geschichte vorlegt, die dem Medium „Hörspiel“, dem nun einmal andere Rahmenbedingungen geschuldet sind, absolut gerecht wird. Natürlich werden den beiden Protagonisten ein paar langatmig-beschreibende Sätze in den Mund gelegt, die manchen Dialog etwas hölzern wirken lassen. Doch hilft diese Entscheidung dabei, die fremdartige Atmosphäre von einem von Lovecrafts beeindruckendsten Schauplätzen zu transportieren.

Und eines noch: während sich viele Ausgaben der „Gruselkabinett“-Reihe eher in einem sanften Schauer ergehen, so ist die 138. Ausgabe streckenweise deutlich kompromissloser. Gerade das Finale ist nichts für schwache Gemüter und die Vertonung ist schonungslos. Überhaupt weiß die technische Umsetzung des Hörspiels ein weiteres Mal zu gefallen. Die Sprechleistung der beiden Hauptakteure Hans Bayer und Jonas Baeck ist absolut überzeugend und auch mit stimmungsvollen Klangeffekten wurde nicht gegeizt. Das Cover wurde in gewohnter Qualität von Ertugrul Edirne angefertigt.

Fazit: Punktum: die 138. Ausgabe des „Gruselkabinett“ ist absolut gelungen. Gelegenheitshörer der Reihe oder auch Lovecraftfans kommen hier voll auf ihre Kosten; Sammler machen hier ohnehin nichts falsch.

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