Rezension: Gruselkabinett 126 – Kalte Luft

In der Reihe des Gruselkabinetts sind mittlerweile einige Lovecraft-Titel vertont worden. Gar nicht schlecht für einen Autoren, dessen Werk eigentlich als schwer adaptierbar gilt. Seit einiger Zeit liegt mit „Kalte Luft“ die nächste Lovecraftgeschichte als Hörspiel vor. Lohnt sich auch dieser Ausflug in lovecrafteske Gefilde?

Werfen wir der guten Ordnung halber zunächst einen kurzen Blick auf die Handlung. Der junge Zeitungsangestellte James Russell ist – mal wieder – auf Wohnungssuche. Durch den Tipp eines Freundes findet er ein möbliertes Zimmer in einem New Yorker Appartementhaus. Dieses hat zwar schon bessere Zeiten gesehen, doch die Vermieterin will nur wenig Geld, so dass Russell das Angebot annimmt. Schon bald lernt er seinen exzentrischen Nachbarn Dr. Munoz kennen, der das Appartement über ihm bewohnt. Dr. Munoz ist ein seltsamer Zeitgenosse. In seiner Wohnung ist es unangenehm kühl und er verlässt seine vier Wände nie. Botengänge und Einkäufe erledigt der Sohn der Vermieterin. Doch er zeigt sich sofort hilfsbereit, als Russell unter einem leichten Herzanfall leidet und rettet den jungen Journalisten. In den folgenden Tagen und Wochen entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Männern und Russell lauscht immer faszinierter den Ausführungen des alten Mannes. Dieser hat sein Leben der Forschung verschrieben und nennt sich selbst den erbittertsten Feind des Todes. Die kühle Luft in seinem Appartement wird von Maschinen geschaffen und Munoz erklärt sie mit einer seltenen Krankheit. Die Ereignisse überschlagen sich, als eine der Maschinen, welche in Dr. Munoz Wohnung für kalte Luft sorgen. Der Doktor gerät in Panik und als alle Reparaturversuche fehlschlagen, lässt er sich von Russell in eine Badewanne voller Eis legen. Doch auch diese Maßnahme verspricht nur kurze Linderung…

Viel geschieht schlussendlich nicht in Lovecrafts Geschichte und auch die Handlung der Hörspielvariante ist entsprechend überschaubar. Doch das tut der Qualität von Marc Gruppes Drehbuchumsetzung des Stoffes kaum einen Abbruch. Das intensive Kammerspiel stellt das wachsend freundschaftliche Verhältnis zwischen dem jungen Russell und dem alternden Dr. Munoz in den Mittelpunkt. Ihre Dialoge tragen mühelos über die knapp einstündige Hörspieldauer und wissen den Hörer bestens zu unterhalten. Die Adaption der Geschichte ist damit ausnehmend gut gelungen. Als versierter Horrorkenner erahnt man zwar bereits recht bald die sich anbahnende Pointe, doch ist dies wohl kaum der Geschichte als solcher anzulasten.

Auch, wenn nur wenige Sprecher in diesem Hörspiel zum Tragen kommen, komme ich nicht umhin, die technische Umsetzung und die Sprechleistung der einzelnen Protagonisten zu loben. Insbesondere Monica Bielenstein gibt als spanische Vermieterin Senora Herrero eine hervorragende Figur ab, ebenso Tom Raczko als ihr unhöflicher Sohn Esteban. Doch auch und gerade Timmo Niesner und Peter Weis in den Rollen von Russell und Dr. Munoz erledigen ihre Arbeit sehr souverän.

Fazit: Wie so oft in der Reihe des „Gruselkabinett“ kann ich für „Kalte Luft“ eine glatte Empfehlung aussprechen. Eine sehr gelungene Umsetzung von Lovecrafts Geschichte, die Genrefreunden einen „kalten Schauer“ über den Rücken jagen wird.

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