Rezension: Fabula Obscura – Haus Moreau

„Inspiriert von H. P. Lovecraft“, so der aufmerksamkeitsheischende Untertitel des Hörspiels, das heute auf meinem Prüfstand landet. Wenn Lovecraft draufsteht, kann ich schließlich nicht einfach so an einem Hörspiel vorbeigehen. Mal sehen, wie sich dieser Mystery-Thriller im cthuloiden Gewand so schlägt.

Werfen wir doch zunächst einen Blick auf den Klappentext, der bereits einiges über den Inhalt verrät:

Eiland der bleichen Toten – so wird die kleine Insel vor der französischen Atlantikküste von den Einheimischen aus der näheren Umgebung genannt.

Was geschah vor über 50 Jahren im Maison du Moreau, dem einzigen Haus auf dem felsigen Eiland? Warum wagt es seitdem niemand mehr auch nur eine Nacht in diesem Haus zu verbringen? All dies sind für die kleine Gruppe von Sensationstouristen genau die Gründe, um auf die Insel überzusetzen und diese in Augenschein zu nehmen. Begünstigt von einer unruhigen See gibt es schon bald nach der Ankunft vorerst keine Möglichkeit, zum Festland zurückzukehren.

Ob sie wollen oder nicht: der Tag schreitet weiter voran, und das Anwesen scheint der einzige Unterschupf zu sein, der in der Nacht Sicherheit vor dem herannahenden Sturm bietet…doch Haus Moreau ist nicht unbewohnt.

Die Inhaltsangabe klingt mehr nach einem klassischen Schauermärchen denn nach einer lovecraftschen Horrorgeschichte. Und so setzt dann auch die Handlung eher behäbig an. Während zunächst die verschiedenen Figuren knapp charakterisiert werden, aus denen sich die Reisegruppe zusammensetzt, nimmt alsbald die Handlung ihren Lauf. Diese plätschert im Stile einer Gothic-Geistergeschichte denn auch kurz bis vor dem Finale vor sich hin. Natürlich wird Haus Moreau von einem Geist heimgesucht und natürlich ist dieser den Menschen nicht freundlich gesonnen.

Als die Protagonisten schließlich auf der Suche nach einer Lösung auf allzu lovecraftsche Motive stoßen – eine Ausgabe des „Von unaussprechlichen Kulten“, einen finsteren Ritualraum im Keller des Hauses Moreau – wirken diese auf den ersten Blick erst einmal wie aufgesetzt, der platte Versuch, mit Lovecrafts Motiven die laue Geistergeschichte aufzupeppen. Doch tatsächlich entwickelt sich durch diese Melange eine interessante Pointe, die zumindest an das Genie der finsteren Zauberer aus Lovecrafts Geschichten gemahnt. Ein zweiter Hördurchlauf vor diesem Kontext konnte bei mir also durchaus mehr Begeisterung wecken, als ich es beim ersten Durchhören für möglich gehalten hatte. „Haus Moreau“ ist damit sicherlich immer noch nicht eine der besten Lovecraft-Hommagen die mir untergekommen sind – die Motive sind dennoch passender getroffen, als ich es erwartet hätte.

Technisch gibt es nichts zu meckern. Eine Riege bekannter Stimmen – und wieder zitiere ich den Klappentext: „Mit den Sprechern Wolfgang Rüter, Peter Flechtner, Till Hagen, Corinna Dorenkamp, Markus Pfeiffer, Oliver Baumann u.a.“ – erledigt ihren Job unaufgeregt und höchst souverän. Soundeffekte und Soundtrack sind in Ordnung und so steht dem Hörgenuß eigentlich nichts im Wege.

Fazit: Wer von lovecraftschen Geschichten nicht genug bekommen kann, macht auch mit „Haus Moreau“ keinen schwerwiegenden Fehler. Der Untertitel „Inspiriert von H. P. Lovecraft“ verspricht tatsächlich nicht zu viel. Aber: Natürlich gibt es bessere Geschichten im Reiche Lovecrafts Epigonen.

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