Lovecraft: Mythos & Wahrheit

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 15. März 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Um Lovecraft ranken sich zahlreiche Mythen und Gerüchte. Er soll über 100.000 Briefe geschrieben haben, ein kauziger Einsiedler gewesen sein und dergleichen mehr. Um etwas Licht in die Gerüchteküche zu bringen, haben wir drei Mythen herausgegriffen und stellen euch die Wahrheit vor:

Mythos: Lovecraft war ein zurückgezogener Eigenbrödler der niemals Neuengland verlassen hat
Lovecraft wird oft als Einsiedler bezeichnet, was wahrscheinlich daran liegt, dass er mehr mit seinen Freunden über Briefe korrespondierte als sie von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Allerdings wird aus Lovecrafts Briefen klar ersichtlich, dass er sehr viel Zeit damit verbrachte seine Freunde zu treffen, sei es nun daheim oder auch im ganzen Osten der Vereinigten Staaten. Seine stets schlechte finanzielle Lage, könnte ihn jedoch wirklich daran gehindert haben, seine zahlreichen Bekanntschaften zu treffen und das ausführliche Schreiben war ein Weg wenigstens diesen Mangel zu kompensieren.

Dennoch reiste Lovecraft innerhalb seiner beschränkten Mittel oft und schrieb dann ausführlich über diese Ausflüge. Seine Reiseberichte beinhalten dabei unter anderem: Vermont—A First Impression (1927), Observations on Several Parts of America (1928), Travels in the Provinces of America (1929), An Account of a Visit to Charleston (1930), und A Description of the Town of Quebeck, in New France, das später seinen Weg in Lovecrafts His Britannick Majesty’s Dominions fand. Mit 75,000 Worten, war dieser 136 Seiten Bericht Lovecrafts längste Arbeit (annährend 50% länger als Der Fall Charles Dexter Ward). Seine Reisen führten ihn aber auch in den Süden der USA nach De Land, Florida und New Orleans, Louisiana. Im Norden besuchte Lovecraft das kanadische Quebec und eine Woche lang die Insel Nantucket. Ein wahrhaftiger „Einsiedler“.

Mythos: Lovecraft war homosexuell
Die Tatsache, dass Lovecraft wenig Erfolg bei den Frauen hatte und viele Männerfreundschaften pflegte, lässt viele Menschen glauben, dass er homosexuell war. Man muss jedoch sehen, dass er nicht nur mit Sonia Haft Greene verheiratet war, sondern das sie selbst über ihren Ehemann sagte, dass er ein adequately excellent lover sei (Sonia H. Davis, “Memories of Lovecraft: I” The Arkham Collector, No. 4, Winter 1969). Einige von Lovecrafts Freunden und Bekannten (zu erwähnen seien hier Robert H. Barlow, Samuel Loveman und Hart Crane) waren dagegen homosexuell, aber dies wusste oder erkannte Lovecraft gar nicht. Dennoch machte er seine Haltung zur Homosexualität klar, als er J. Vernon Shea am 14. August 1933 schrieb:

As a matter of fact—although of course I always knew that paederasty was a disgusting custom of many ancient nations—I never heard of homosexuality as an actual instinct till I was over thirty… which beats your record! It is possible, I think that this perversion occurs more frequently in some periods than in others—owing to obscure biological & psychological causes. Decadent ages—when psychology is unsettled—seem to favour it. Of course—in ancient times the extent of the practice of paederasty (as a custom which most simply accepted blindly, without any special inclination) cannot be taken as any measure of the extent of actual psychological perversion.

In einem anderen Brief vom 16. Februar 1933, gerichtet an August Derleth schrieb Lovecraft:

So far as the case of homosexuality goes, the primary and vital objection against it is that it is naturally (physically and involuntarily—not merely ‘morally’ or aesthetically) repugnant to the overwhelming bulk of mankind…

Man kann natürlich argumentieren, dass diese Worte nur seine eigentliche Haltung verschleiern sollte, letztlich gibt es aber keinen Beweis dafür, dass er einen Hang zur Homosexualität hatte. Wohl aber wird deutlich, dass auch sein heterosexuelles Bedürfnis nicht sonderlich ausgeprägt war. Wie viele Intellektuelle, waren Lovecrafts Interessen eher im Bereich des Mentalen angesiedelt und nicht im Physischen, er hatte wohl insgesamt kein besonders großes Interesse an der Sexualität insgesamt.

Mythos: Lovecrafts Älteres Zeichen
Nirgendwo in seinen Geschichten gibt Lovecraft eine genaue Beschreibung des Älteren Zeichens. Er erwähnt es insgesamt höchstens vier Mal in seinen Geschichten. In einem Brief an Clark Asthon Smith (vom 7. November 1930) beendet er sein Schreiben allerdings mit folgendem Kommentar:

Again thanking you in Tsathoggua’s name for the recent shipment, & hoping to see more items from your pen ere long, I append the Elder Sign & the Seal of N’gah, given in the Dark Cycle of Y’hu.

Es folgt Lovecrafts spielerische und lautmalerische Unterschrift (Ec’h-Pi-El) und eine Zeichnung des Älteren Zeichens, wie es hier zu sehen ist. Es sieht eher wie ein Geäst aus und nicht wie das inzwischen bekanntere Ältere Zeichen mit dem flammenden Auge, welches in ein Pentagramm eingeschlossen ist. Dieses Symbol stammt mit seiner Beschreibung aus der Geschichte The Lurker at the Threshold (zu deutsch: Das Grauen vor der Tür) von August Derleth.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.