Lovecrafts literarische Vorbilder

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 15. März 2008
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Literarische Vorbilder, die Lovecraft inspirierten, gab es einige: Edgar Allan Poe, Lord Dunsany, Arthur Machen, Nathaniel Hawthorne, Ambrose Bierce, Robert W. Chambers, Walter de la Mare, M. R. James und Algernon Blackwood sind da zu nennen, doch es sind bei weitem nicht alle. Diese Autoren hatten etwas das Lovecraft ansprach und begeisterte und ihn auch inspirierte. Viele erwähnte er in seinem Aufsatz über die phantastische Literatur (Die Literatur der Angst) und würdigte sie und ihre Werke. In einer kleinen Auswahl wollen wir nun einige der Autoren vorstellen, samt einigen Leseanregungen.

Algernon Blackwood
„Der hohe Rang von Blackwoods Genius steht außer Frage, denn niemand ist bisher dem Geschick, der Ernsthaftigkeit und minuziösen Genauigkeit, mit denen er die Untertöne des Seltsamen in gewöhnlichen Dingen und Erfahrungen festhält, auch nur nahe gekommen, geschweige denn dem Verständnis für das Übernatürliche, mit dem er Schritt für Schritt die Empfindungen und Wahrnehmungen aufbaut, die von der Wirklichkeit in eine übersinnliche Welt oder Vision führen.“

Der 1869 in London geborene Blackwood, emigrierte mit 18 Jahren nach Kanada und ging später in die USA. Er nahm eine Reihe unterschiedlicher Arbeiten an und sammelte so Erfahrungen für seine spätere Schriftstellerische Karriere. Er war äußerst skeptisch was die etablierten Religionen betraf, aber war dem Okkulten und Übersinnlichen nicht abgeneigt. Er trat sogar dem „Hermetic Order of the Golden Dawn” bei und verarbeitete seine Erkenntnisse in seinen Kurzgeschichten. Algernon Blackwood starb 1951. Lesenswert sind vor allem „Die Weiden“ und der „Wendigo“.

Lord Dunsany
„Ein unübertroffener Sprachzauberer, der eine kristalline, melodische Prosa schreibt, und begnadeter Gestalter einer prunkvollen, betörenden Welt schillernd exotischer Bilder ist Edward John Moreton Drax Plunkett, achtzehnter Baron Dunsany, dessen Erzählungen und Kurzdramen ein nahezu einzigartiges Element in unserer Literatur darstellen.“

Lord Dunsany leistete wahre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Phantastik. Er entstammte einer vornehmen irischen Adelsfamilie und machet es sich zum Hobby Kurzgeschichten (aber auch Gedichte, Dramen und Romane) zu schreiben. Zu seinen Geschichte sagte er, dass er „niemals über Dinge [schreibe], die [er] gesehen habe, nur über die, von denen [er] geträumt habe.“ Lovecraft war sehr von Dunsany beeindruckt (entsprach er doch dem Bild eines Gentleman das er sich immer vorstellte) und schrieb über ihn: „Dieser Autor besitzt das gleiche Gespür für dramatische Werte und die Bedeutsamkeit einzelner Worte und Details wie Poe, ist rhetorisch jedoch weit besser ausgerüstet als dieser […].“ Allerdings steht Dunsanys Werk „eher im Zeichen des Schönen als des Schrecklichen.“ Nichtsdestotrotz verknüpft Dunsany geschickt Sagen und Überlieferungen zu „Fantasy“ und inspirierten Lovecraft vor allem in seinen früheren Geschichten. Lovecraft schätzt von Lord Dunsany die Geschichten „The Gods of the Mountain“, „Book of Wonder“ und „A Dreamers Tales“.

M. R. James
„Eine Lord Dunsanys Genius diametral entgegengesetzte Position nimmt der gelehrte Montague Rhodes James ein, Rektor des Eton College, Altertumsforscher von hohen Graden und anerkannte Autorität auf dem Gebiet mittelalterlicher Handschriften und der Geschichte der Kathedralen, der die fast diabolische Gabe besitzt, das Grauen Schritt für Schritt mitten im prosaischen Alltagsleben entstehen zu lassen.“

Wenn sich jemand um die klassische Geistergeschichte verdient gemacht hat, dann wird es wohl der englische Autor und Vorsteher des King´s Colleges, M.R. James gewesen sein. Der bis zu seinem Tod unverheiratete Gelehrte hat insgesamt vier Sammelbände unheimlicher Erzählungen veröffentlicht, die in England (einer Tradition zufolge, die bereits Charles Dickens für seinen „Weihnachtsabend“ nutzte) traditionsgemäß am Weihnachtsabend in illustrer Runde gelesen werden. Leider gibt es auf Deutsch keine gesammelten Erzählungen von M.R. James und so muss der Leser entweder gleich zum Original greifen oder sich die Geschichten mühsam zusammenklauben. Lesenswert ist vor allem „Count Magnus“, zu dem Lovecraft schrieb, dass es „sicherlich eine von James´ besten Geschichte [ist], stellt sie doch eine veritable Goldgrube an Spannung und Suggestivität dar.“

Arthur Machen
„Besser als alle anderen Autoren begreift er, wie sehr manche sensiblen Gemüter ständig im Grenzland des Traumes weilen und wie verhältnismäßig klein der Unterschied ist zwischen denjenigen Bildern, die von realen Gegenständen ausgelöst werden, und jenen, die durch das Spiel der Einbildungskraft entstehen.“

1863 wurde Arthur Machen unter dem Namen Arthur Llewellyn Jones geboren. Als Kind galt sein Interesse bereits der Geschichte und so war er fasziniert von den alten Römerruinen und den Überresten der Kelten. Seine Schriftstellerische Karriere begann ganz im Sinne Robert Louis Stevensons mit Abenteuergeschichten, bis ihm mit „Der große Pan“ im Jahre 1891 der große Durchbruch gelang. Machen war übrigens Mitglied des „Hermetic Order of the Golden Dawn“, zudem auch Algernon Blackwood und Aleister Crowley gehörte. Neben dem „Großen Pan“ schrieb Machen noch zahlreiche weitere Geschichten, unter anderem auch „Die weißen Gestalten“ die Lovecraft „auf unbestimmte Weise beunruhigend“ vorkam.

Edgar Allan Poe
„In den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts brach eine literarische Morgenröte an, die nicht nur auf die Geschichte der übernatürlich-unheimlichen Erzählung, sondern auch auf die der erzählerischen Kurzprosa insgesamt eine direkte Wirkung ausübte und die indirekt die Tendenzen und Geschicke einer bedeutenden ästhetischen Schule in Europa formte. Wir sind als Amerikaner in der glücklichen Lage, diese Morgenröte als unser Eigen beanspruchen zu können, denn sie manifestierte sich in der Person unseres illustren und unglücklichen Landsmannes Edgar Allan Poe.“

Über den unglücklichen Autoren Poe wurde schon viel geschrieben und analysiert. Er gilt als der Erfinder der Detektivgeschichte und nahm großen Einfluss auf die phantastische Literatur. Poe war Lovecraft so wichtig, dass er ihm in seinem Essay über die phantastische Literatur sogar ein eigenes Kapitel widmete. Unzweifelhaft reiche die Wuzrlen von Poes unheimlichen Erzählungen bis heute in die moderne Literatur. „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Die Abenteuer Gordon Pyms“ (aus dem Lovecraft das fremdartige „Tekeli li“ entlieh) dürften wohl jedem interessierten Leser zu empfehlen sein. Einen Blick sollte man auch auf Poes Gedichte werfen, gerade „Der Rabe“ verbreitet noch immer eine ungeheuere Anziehungskraft.

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