Rezension: Gruselkabinett 116: Der schwarze Stein

Der Müßiggänger Caleb Thomas aus Boston stößt beim Stöbern in der Bibliothek auf alte Legenden aus den ungarischen Karpaten. Neugierig beschließt er, sich vor Ort ein Bild zu machen, und ahnt nicht, in welche Gefahr er sich begibt …

Robert E. Howard ist nicht nur der berühmte Erfinder von „Conan, der Cimmerier“ oder „Kull von Atlantis“, sondern schrieb auch Western und Horrorgeschichten. Seine Brieffreundschaft zu H. P. Lovecraft übte dabei besonders auf das letztgenannte Genre einen nicht wegzudiskutierenden Einfluss aus. Mit „Der schwarze Stein“ liegt nun die Hörspieladaption einer Geschichte vor, in der Howard cthuloide Motive aufgreift und vertieft.

Caleb Thomas aus Boston stößt in den Tiefen einer Bibliothek auf eine seltene Ausgabe des verruchten „Von unaussprechlichen Kulten“ des deutschen Grafen Friedrich Wilhelm von Junzt. Besonders angetan ist Thomas von den Legenden eines schwarzen Monolithen, der in den ungarischen Karpaten in der Nähe des Dörfchens Stregoicavar liegen soll und seinen Besuchern furchtbare Albträume beschert. Neugierig macht er sich auf den Weg nach Europa, um Licht in die dunklen Legenden zu bringen. Er ahnt nicht, dass in der Vergangenheit des verschlafenen Dörfchens mehr lauert, als er sich ausmalen kann.

Die Idee hinter der Geschichte „Der schwarze Stein“, nämlich das von H. P. Lovecraft in „Der Ruf des Cthulhu“ ersonnene Motiv eines weltweit versteckt agierenden Kultes, der den Großen Alten Cthulhu in seiner versunkenen Stadt R’lyeh verehrt, zu vertiefen und mit einem neuen, exotischen Hintergrund zu versehen, gefällt mir ausgesprochen gut. Leider konnte mich die Umsetzung insbesondere in Hörspielform dann tatsächlich eher wenig überzeugen. Das Drehbuch von Marc Gruppe ersetzt einige innere Dialoge des Protagonisten durch Konversationen mit verschiedenen Hinweisgebern; so aber wirkt die Art und Weise, auf die Caleb Thomas seine Hinweise erhält, oft zu konstruiert. Sei es der wohl überaus belesene Bibliothekar, der mühelos die Lebensgeschichte aller über den schwarzen Stein schreibenden Autoren herunter beten kann oder der Postkutscher, der sich auf dem Weg nach Stregoicavar als wahrer Quell historischen Wissens über die Karpaten entpuppt. Dass dann auch noch der alte Schulmeister des Dorfes die altertümlichen Schriften entziffern kann, die Thomas wie zufällig in die Hände fallen, um das finstere Geheimnis um den schwarzen Monolithen zu lüften, fällt da kaum weiter ins Gewicht.

Wie man es von der Reihe „Gruselkabinett“ kennt, konnte der Titania Medien Verlag wieder einige bekannte Stimmen verpflichten, um „Der schwarze Stein“ zu vertonen. Leider bin ich insbesondere von der Sprechleistung hinter dem Protagonisten Caleb Thomas fast ebenso enttäuscht, wie von der arg konstruierten Geschichte. Zu aufgeregt, zu nervös, durchzogen von viel zu vielen „Ahs“ und „Ohs“ merkt man zu deutlich, wie unaufgeregt man eigentlich selbst der Geschichte mit ihrem vorhersehbaren Ende gegenüber steht.

Fazit: Mit „Der schwarze Stein“ liegt eines der in meinen Ohren schwächsten Hörspiele aus der „Gruselkabinett“-Reihe vor. Weder die technische Umsetzung konnte mich überzeugen, noch die eigentliche Geschichte wirklich fesseln. Es gibt wesentlich bessere Ausgaben der Reihe.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de.

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2 Kommentare zu “Rezension: Gruselkabinett 116: Der schwarze Stein

  1. Ohne deine Rezension kritisieren zu wollen möchte ich vergleichsweise den Fahrkartenverkäufer aus „der Schatten über Innsmouth“ anprangern, der, obwohl er nie in Innsmouth war und auch niemand eine Karte bei ihm löst, der perfekte Stadtführer wäre mit seinem reichhaltigem Wissen über die Stadt.

    Fazit: Lovecraft selbst hatte schon manchen Nebendarsteller zur Hauptinformationsquelle gemacht.

    • Na, die Voraussetzungen sind schon ein wenig anders :-).

      Und man muß ja noch einmal unterstreichen: die Konversationen sind aus dramaturgischen Gründen (Vermeidung von inneren Monologen) in der Hörspielversion drin. Da kann Howard ja nix dafür. Ich finde sie halt unpassend, aber das ist nur einer der Punkte, die mir an der Hörspielumsetzung nicht wirklich zu gefallen wussten.

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