…lang lebe die Vielfalt!

Hallo zusammen.

Ich schreibe eigentlich selten über „Community“-Themen. Ich habe die „Community“ ins Herz geschlossen und betrachte mich – abseits aller persönlichen Con-Treffen – als Teil ebenjener. Heute möchte ich aber eine Beobachtung mit Euch teilen und Eure Meinung erfahren, daher breche ich einmal mein Schweigen über „Community“-Themen.

Die cthuloide Internet-Community in Deutschland ist verhältnismäßig klein, zumindest, wenn man ihre Internet-Aktivitäten mit denen anderer namhafter Rollenspiele vergleicht. Über „CTHULHU“ wurde im deutschsprachigen Rollenspiel-Web verhältnismäßig wenig gesprochen, so hatte ich immer den Eindruck. Das hat sich allerdings in den letzten Monaten geändert – nicht gravierend geändert, aber doch so erheblich, dass es auffällt. Was ist passiert?

Es ist noch gar nicht so lange her, da bündelte sich die deutsche Internet-CTHULHU-Szene auf einer einzelnen Plattform: dem Cthulhu-Forum. Hier wurde nicht nur über das Rollenspiel gesprochen und gefachsimpelt, sondern auch über Lovecraft im Allgemeinen, andere Horror-Rollenspiele, Bildbände, Hörspiele und alles, was sich im cthuloiden Kosmos da draußen so ansammelte. Natürlich gab es zu dieser Zeit auch cthulhu.de, den Blog, von dessen Bestsellern ich heute noch profitiere. Zwischen diesen beiden großen Anlaufstellen gab es ein paar alte Websites und ein, zwei Blogs – das war es. In anderen Foren war CTHULHU zwar dem Namen nach vertreten, aber kaum aktiv besprochen.

Den ersten tiefen Einschnitt erfuhr das Forum, als es von seiner vertrauten, freien Server-Adresse in die Pegasus-Forenlandschaft integriert wurde. Plötzlich gab es einige „Alt“-Poster, die nicht mehr mitmachen wollten. Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum dem so war. Ich bin wahrscheinlich noch nicht lange genug „dabei“ um beurteilen zu können, wieso viele Poster nicht unter dem direkten Deckmantel des Verlages posten wollten. Ich habe diese User auch leider nicht über irgendeinen anderen Kanal wiedergefunden.

In der Folgezeit gewöhnten sich die übrigen User an die neue Umgebung, lernten die neue Forensoftware schätzen, integrierten herzlich willkommenen Nachwuchs und diskutierten weiter fröhlich über Cthulhu und die Welt. Doch mit den Jahren schlich sich eine Unzufriedenheit ein. Die Leute wurden dünnhäutiger, man meckerte öfters gegeneinander. Hilfreich gemeinte – aber oft unnötige – Eingriffe der Moderaten wurden – oft zurecht – fehlinterpretiert, es wurde von Übermoderation gesprochen. Wenig hilfreiche Threadkomplexe drehten sich um immer wieder die gleichen Themen. Und dann gingen irgendwann alle fort. Das Cthulhu-Forum in seiner damaligen Form als Plattform für die cthuloide Internet-Community existiert nicht mehr. Sporadische Posts, keine Vielschreiber, viel Schweigen. Wenn ein neues Thema eröffnet wird, drehen sich die Diskussionen erst einmal darum, ob man das Thema überhaupt diskutieren sollte, statt das Thema aufzugreifen. Nein, das Forum existiert nicht mehr.

Doch aus der Asche des untergegangen Forums ist Vielfalt entstanden! Der Tanelorn-Channel für CTHULHU ist so aktiv wie schon lange nicht mehr. Gleiches gilt für den Channel bei den Blutschwertern. Mit dem Forum der deutschen Lovecraft-Gesellschaft hat sich darüber hinaus ein themenübergreifendes, neues Lovecraft-Forum etabliert, in dem nach Herzen über cthuloides gefachsimpelt werden darf. Und ja, auch der CoC-Channel bei rsp-blogs.de wird nicht mehr in erster Linie von diesem Blog gespeist, wie es zwischenzeitlich den Anschein hatte.

Ich freue mich über die neue Vielfalt. Ich freue mich, dass ich an verschiedenster Stelle die unterschiedlichsten Meinungen über mein Lieblingsrollenspiel austauschen kann. Ich freue mich, dass sich die „Community“ breiter aufgestellt hat. Und doch bleibt – ehrlich gesagt – ein wenig Wehmut, wenn ich an das alte Forum denke.

Wie seht IHR das? Täuscht mich meine Wahrnehmung? Wie entstand das große Schweigen im Forum? Und interessiert das überhaupt irgendjemanden außer mir?

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10 Kommentare zu “…lang lebe die Vielfalt!

  1. Mit der Cthulhu-Szene kenne ich mich nicht aus, aber bei Magic habe ich die Erfahrung gemacht, dass auf die aus dem Verlust der großen Seiten resultierende Vielfalt rasch eine Zersplitterung wird, die letztlich zum weitgehenden Sterben der Szene führt. Ich denke, das ist ein ganz allgemeines Internet-Phänomen, welches dem Wandel dieses Mediums geschuldet ist: Z.B. gehen viele Leute statt mit dem Computer heutzutage über Phones oder Tablets ins Netz, was einfach dazu führt, dass weniger gepostet und kommentiert wird. Tastaturen können halt doch was.

    Im Hobbybereich speziell wiederum lohnt sich das Sponsoring von mittelgroßen Seiten einfach nicht mehr, weil jeder unterdessen weiß, wo er Produkte AM ALLERBILLIGSTEN kriegt, und das ist per Definition nicht bei mittelgroßen Händlern, die bereit wären, sich als Sponsor in der Community engagieren. Es hilft hier auch nicht gerade, dass die Produkte selbst immer häufiger in virtueller Form vorliegen – bei Rollenspielbüchern als PDF, und bei Sammelkarten als Online Play. Und wenn Sponsoren sich zurückziehen, leiden Qualität und Quantität des veröffentlichten Contents, was wiederum geringeres Besucherinteresse und somit geringere Werbewirkung zur Folge hat, womit der Teuflélskreis perfekt ist.

    Deswegen ist es unterdessen leider wohl rein hypothetisch, wenn ich sage, dass ideal für eine stabile, gesunde Szene drei oder vier größere, rivalisierende Seiten sind, von denen mindestens eine eine Portalfunktion besitzt und Beiträge sowohl der anderen großen Seiten, als auch von kleineren Plattformen und privaten Blogs verlinkt. So war es halt FRÜHER einmal gewesen, als der peinlichste US-Präsident der Geschichte noch Bush hieß…

    • Naja,

      gerade im Rollenspielsektor fallen ja Themen wie „Sponsoren“ fast komplett aus, da die meisten Verlage ja eben so sich selbst über Wasser halten. Und es gibt auch erstaunlich wenige Rollenspiele, bei denen eine echte Community-Dichte entsteht. Auch stehen die Seiten kaum in Rivalität zueinander, denn es gibt ja ohnehin nichts zu gewinnen außer „Klicks“ :-). Umso ärgerlicher finde ich es eigentlich, eine einmal zusammengefundene Community auf diese Art und ohne Not in alle Winde zu zerstreuen.

      Bei MtG sah die Sache anders aus. Und ich bin bei Dir: die Sache sieht jetzt echt traurig aus… Alleine das Artikelprogramm beim Planeten ist… traurig, ja. Anders kann ich es nicht sagen.

  2. Ich war selbst früher im alten Forum und bin auch kurz nach der Umstellung gegangen. Die Umstellung war aber nicht der Grund dafür. Tatsächlich sehne ich dieser Community nicht hinterher. Es gab zwar wirklich viele sehr nette und hilfreiche Leute dort und auch der direkte Kontakt zur Redaktion war toll, aber es gab da den ein oder anderen aktiven Schreiber, der es mit fast jedem Beitrag geschafft hat mir die Stimmung zu vergrätzen. Hinzu kam, dass die Community sich oft um sich selbst gedreht hat und gefühlt zur Hälfte aus Sammlern bestand, für die der 70€-Ägyptenband die Erfüllung ihrer Sammlerträume war, aber nicht einsahen wollten, dass so etwas für ein wirklich gespieltes Spiel nicht wirklich ideal ist. Oder schlimmer, denen es egal war, solange sie nur sammeln konnten. Dazu kam ein Hang zum Konservativismus, der in einem Shitstorm für die damals siebte (amerikanische) Edition endete, weil das System nun nicht mehr 100% mit zwanzig Jahre alten Abenteuer abwärtskompatibel war.
    Lange Rede kurzer Sinn: Mir hat die angesprochene Vielfalt viel gebracht, da ich außerhalb des Forums damals erst wirklich frische Impulse gekriegt habe.

  3. Meiner Wahrnehmung nach nehmen sich oft Cthulhu Spieler als Elitär wahr und haben ziemlich festgefahrene Meinungen. Das Zeigt auch das Beispiel an der Kritik mit den Änderungen an den Regeln der 7ten Edition. Als ob die Regeln sich so massiv verändert hätten dass man damit gar nichts mehr an altem Material spielen könnte! Was nicht der Fall ist; ausserdem sind die Regeländerungen mal wirklich durchdacht und erleichtern das spielen (meine Meinung!). Gott bewahre wenn man ein anderes Regelwerk als das %-System verwendet wie Savage Worlds. Ausserdem habe ich auch negative Erfahrungen gemacht mit „Lovecraft-Kennern“ und Sammlern. Für letztere sind die limitierten Bände wirklich das Highlight gewesen und die haben sich die Bücher z. T. doppelt gekauft mit der Absicht das Buch entsprechend teuer wieder zu veräußern! Das hat nichts mehr mit Community zu tun sondern mit Profitgier! Man sollte meinen das es auch anderen ermöglicht ein Produkt zu seinem Spiel zu erwerben, aber für was für Preise solche Bücher wie Wien und Ägypten weggehen ist abartig. Deswegen schreibe ich nichts mehr in irgendeiner Cthulhu Community.

    • Den Vorwurf der „Elite“ habe ich auch oft gehört.

      Ich fühle mich damit auch immer ein wenig angesprochen. Ich glaube aber, des Pudels Kern liegt nicht in irgendeiner Form von Elite-Denken. Gerade das „Deutsche Cthulhu“ hat eine verschwurbelte Athmo-Railroad-Fließtext-Mentalität, die scheinbar eine ganz bestimmte Klientel anspricht. Mich zum Beispiel :-). Klar mag ich auch Zufallstabellen und Sandboxing, aber eben AUCH Cthulhu.

      Gerade dieses „Athmo-Geschwurbel“ lässt sich aber nunmal am Besten rüberbringen, wenn nicht jeder ständig Regeln nachlesen muss, Interaktionen überreglementiert sind und/oder ähnliche Situationen entstehen. Entsprechend kritisch waren die Fans des „Athmo-Geschwurbels“ als es hieß: wir schrauben noch einmal gehörig an den Regeln.

      Die neuen Regeln unterstützen jetzt deutlich breitere Spielstile, sind in sich konsistenter, bringen mehr Action in die Action und sind in vielen Fällen sogar unkomplizierter. Aber eben auch „anders“ :-).

  4. Ich glaube Pegasus hat mit dem eingliedern des unabhängigen Forums in die Pegasus-Forenlandschaft bei manchen Usern das Gefühl geweckt, man könnte dort direkt mit dem Verlag in Kontakt treten und sein Lieblingsrollenspiel mitgestalten. Das war allerdings definitiv nicht gewollt. Themen die sich kritisch mit Pegasus und den Cthulhu-Veröffentlichungen befassten endeten meist in verhärteten Fronten. Fatal in meinen Augen war es, dass die Moderatoren nicht neutral geblieben sind sondern oft unnötig eine Verteidigungshaltung an den Tag gelegt haben, so dass man sich als Schreiber zwangsweise unerwünscht gefühlt hat. In dem Bereich von SR z.Bsp. kommt dieses Phänomen fast nicht zum Tragen. Jedenfalls nicht in den Themen die ich gelesen habe. Hier dreht sich alles um das Spiel und die Regelmechanismen, Fanfiction und Charaktererschaffung. Mich persönlich würde mal interessieren wie dort moderiert wird wenn kritische Töne an der Veröffentlichungs- oder Preispolitik von Pegasus angeschlagen werden. Durch das Verhalten der Moderatoren wurde zum Schluss mehr und mehr der Eindruck vermittelt, dass ein reger Austausch zu Cthulhu oder gar Pegasus als Verlag nicht gewünscht ist. Dabei kam es auch zu erheblichen Reibungsverlusten im Bereich der Fanarbeit wie die Cthulhoide Welten oder der Ruf. Diese meist sehr hochwertigen und qualitativ ansprechenden Fanprojekte existierten neben den Verlagsveröffentlichungen und waren wohl auch unerwünscht!? Jedenfalls wurde auch hier mit „Kleinigkeiten“ wie dem Verschieben der entsprechenden Threads dafür gesorgt das es immer schwieriger wurde diese Fanprojekte zu finden.
    Das dort jetzt kaum noch etwas los ist, war abzusehen. Der Verlag hat gewollt oder ungewollt eine Situation geschaffen in der man sich in der Tat nur noch fragt ob man überhaupt noch etwas schreiben darf, oder ob Themen nicht eher Tabu sind. Die Eingriffe der Pegasus-Moderatoren forenübergreifend im dLG Forum waren schon bezeichnend und hätten es dort mit den gleichen Methoden wieder geschafft Diskussionen einzudämmen. Ich bin froh das die dLG die Kurve gekriegt hat und dort wieder mehr Leben im Forum drin ist. Ich hoffe das bleibt so!

    • Ich habe da wenig hinzuzufügen, Deine Beobachtungen decken sich ja auch mit meinen :-).

      Einzig vielleicht der Hinweis, dass – genauso wie „Pegasus“ und „Redaktion“ im Forum ständig als unterschiedliche Dinge herausgekehrt werden – wohl auch „Moderatoren“ und „Pegasus“ nicht auf eine Stufe zu stellen sind. Das ist alles recht kompliziert 🙂

  5. Ich hätte vielleicht schreiben sollen, dass die im Pegasus-Forum agierenden Moderatoren in zu vielen Diskussionen die Neutralität eines Moderators verlassen haben. In meinen Augen vermischte sich hier zu sehr persönliche Meinung und Forentreue aka Kadavergehorsam zu dem Betreiber des Forums. Damit möchte ich Moderatoren nicht absprechen eine eigene Meinung zu haben und diese auch kommunizieren zu dürfen, aber der schmale Grat zwischen persönlich und Funktion verwischte sich im Laufe der Diskussionen immer mehr. Vielleicht schadet es auch wenn ein Moderator an dem Produkt über das diskutiert wird, evt. auch sehr kritisch, mitgearbeitete hat. Persönlicher Einsatz und Lebenszeit die man damit verbracht hat wiegen halt doch sehr schwer. Schade ist das oft angesagte „letzte Worte und dann halte ich mich raus“ Ankündigungen dann doch nicht eingehalten wurden (von beiden Seiten).
    Insgesamt entstand bei mir der Eindruck das bis zu einem bestimmten Punkt eine persönliche Meinung vorherrschte, die, sofern nicht geteilt, dann immer mehr durchsetzt war mit mahnenden Moderator-Zeigefingern und verweisen auf den Betreiber. Pegasus wird dies nicht, wird jenes nicht, es läuft gut wie es ist, wir sind genau da wo wir seien wollen usw.
    Was dann passiert sieht man ja leider. Da hilft auch nicht der immer wieder eingeschobene Hinweis, das es neue Autoren gibt die jetzt an diesem und jenen Pegasusprodukt Mitarbeiten und sich die Teilnahme an Wettbewerben doch lohnt.

    Vor dem Spiegel stehen und wiederholt betont wie gut etwas läuft, löst bei mir immer Alarmsirenen aus 😀 umso mehr da die Adressaten wahrscheinlich im Pegasus-Forum nicht mehr aktiv sind. Aber das ist reine Spekulation.

  6. Pingback: Blogwatch No. 1 – Gelbe Zeichen

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