H.P. Lovecrafts Neuengland – Bristol & Portsmouth/Rhode Island

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 25. November 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestseller

Bristol soll viele Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sein eigen nennen und dazu verfügt das Städtchen noch über ein anthropologisches Museum. Der freundliche, ältere Herr in meinem Zugabteil versicherte mir, dass ich dort einige Artefakte zu sehen bekommen würde, die noch von den Indianern stammen, die einst hier lebten. Er gab mir die Adresse des Museums und mit nicht geringer Vorfreude verließ ich den Zug am Bahnsteig in Bristol.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Bristol

bristolDie beeindruckenden Häuser zeugen von dem Reichtum, den Bristol einst mit dem Seehandel (vor allem durch den Transport von Rum und Sklaven) erwirtschaftete. Später vervielfachte sich der Wohlstand durch die Privatisierungen während der Revolution und dem Krieg vom 1812. Die feinsten Häuser im Federal-Stil wurden von Russell Warren entworfen und gebaut (zu finden auf der Hope, High und Thames Street), darunter auch das Heim des geschäftstüchtigen Händlers James DeWolf, der im heißen Kuba einige Zuckerplantangen besaß. Die Brüder von James DeWolf schreckten jedoch auch vor weitaus lukrativeren Unternehmungen nicht zurück und verdienten gutes Geld durch den Schmuggel von Sklaven nach South Carolina.

Ich durchquerte einige Gassen und fand mich endlich vor „Linden Place“ wieder. Das Haus gehörte einst einem Händler hier aus Bristol, dessen Familie (er besaß mehrere Brüder die alle im Seehandel tätig waren, auch wenn einige wohl durchaus zwielichtige Geschäfte machten) gleich mehrere Prachtbauten entwerfen ließ. Ich fand heraus, dass der Besitzer früher George DeWolf hieß und in Kuba einige Zuckerrohrplantagen unterhielt, aber auch dem Handel mit Sklaven nicht abgeneigt war. Allerdings verlor er all sein Hab und Gut als seine Plantage 1825 kläglich scheiterte, wobei das einzige was ihm blieb dieses Haus war, mit seinen feingeschwungenen Säulen und filigranen Torbögen. Es soll zudem das einzige der vier DeWolfs Anwesen sein, das sich noch hier in Bristol finden lässt.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Biegt man auf die Tower Street ein, schlägt einem vielleicht an einem heißen Tag der Geruch des Sumpfes entgegen, der sich hier erstreckt. Auf seinem Gelände wurde das Haffenreffer Museum of Anthropology erbaut, das einige Kunstschätze der Brown Universität ausstellt, die sich vor allem mit der indianischen Kultur weltweit beschäftigt, allerdings den Schwerpunkt auf Nordamerika setzt. Kunstgegenstände und Artefakte werden hier liebevoll ausgestellt, an einem Ort der Geschichtsträchtiger nicht sein könnte, denn hier tobte einst (genauer gesagt im August des Jahres 1676) die Schlacht in der Metacom (uns besser bekannt als König Philip), von Angehörigen der Sakonnet überrascht und getötet wurde. König Philips Tod sorgte für das Ende des blutigen „King Philip´s War“.

Szenarioidee

Bristols Reichtum gründet sich auf den Handel mit Menschen. Aus ihrer Heimat herausgerissen, wurden sie in dickbäuchige Schiffe gepfercht und in die Neue Welt gebracht. Manchmal denke ich, dass vielleicht etwas mit diesen Menschen mitkam, als blinder Passagier vielleicht. Als ich im Anthropologischen Museum meine Runde drehte, konnte ich so einige Artefakte und Gegenstände sehen, die einst mit den Sklaven hierher nach Rhode Island gekommen sind. Die Kapitäne waren damals durchaus nicht zimperlich, so erklärte es mir ein junger wissenschaftlicher Mitarbeiter, wenn es darum ging möglichst viel Gewinn mit einer Fahrt zu erwirtschaften. Seinen eigenen Reichtum durch dubiöse Handels- und Schmuggelgeschäfte zu mehren, war damals nicht unüblich und offenbar haben so, viele dieser befremdlichen Kunstgegenstände ihren Weg hierher nach Bristol gefunden.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Jeder weiß über die DeWolfs Bescheid. Nach außen waren sie eine erfolgreiche und wohlhabende Familie von Händlern und Schiffseignern, aber hinter vorgehaltener Hand wusste jeder, dass die Familie Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Sklaven nach South Carolina schmuggelte. Auf dem Rücken dieses Menschenhandels gründete sich der Reichtum der Familie, doch heute ist dieser Reichtum dahin. Nur noch ein Familienhaus der DeWolfs steht in Bristol und der letzte Nachfahre, Gerald DeWolf scheint kein besonderes Interesse daran zu besitzen. Er lebt allein und zurückgezogen in der Nähe der Küste in seinem eigenen kleinen Fischerhaus. Seine Einkünfte schöpft er aus dem Fischfang und dem Erbe.

Sollte die junge Frau Recht behalten? Habe ich mehr bekommen als ich wollte? Ich brachte das Ding von einer dieser kleinen karibischen Inseln mit. Die junge Frau, kaum mehr als 18 Jahre, mit schwarzen Haaren so dick wie Baumwolle, wollte es mir zuerst nicht geben, aber ich hatte schon Mittel und Wege sie zu überzeugen. Ich spürte das dieses Ding wertvoll sein musste und je mehr die Kleine zeterte und kreischte, um so mehr wollte ich es haben. Als sie halb bewusstlos in der Ecke ihrer Hütte lag und ich nach dem Ding griff, murmelte sie etwas vor sich her: „Du hast mehr bekommen als du haben wolltest…“ Ich lachte nur und verließ triumphierend die Hütte. Auf meiner Plantage angekommen begutachtete ich das Ding und war froh es mitgenommen zu haben. Auch als ich in der Nacht von einem schrecklichen Traum heimgesucht wurde, bereute ich meine Tat nicht. Erst als nach einer Woche meine Felder vertrockneten und sich Worte in meinen Geist stahlen, die ich nie zuvor hörte und die für mich keinerlei Sinn ergaben, war meine Euphorie getrübt. Ich kehrte nach Bristol zurück, in der Hoffnung bei meiner Familie Trost zu finden. Meine Brüder standen mir bei, wie eh und je und als ich ihnen das Ding zeigte, schienen sie sehr neugierig zu sein. Ich erklärte woher ich es hatte und sie wollten es sich genauer ansehen, doch ich bestand darauf, dass es bei mir blieb, schließlich hatte ich es gefunden und noch während ich es sagte, hörte ich bereits die Worte in meinem Kopf, die mir versicherten, dass meine Brüder mir meinen Besitz neideten. In der Nacht schlief ich schlecht, doch ich traue mich nicht die Worte des Traumes aufs Papier zu bringen, wer weiß was das auslösen wird. Ich muss das Ding loswerden, aber zugleich wollen es meine Brüder. Ich muss vorsichtig sein, ich werde es vergraben, dort wo der Sumpf liegt. Hier wird es niemand finden und ich bete zu Gott (falls es ihn gibt), dass es so tief auf den schlammigen Grund sinken wird, dass kein Mensch es jemals mehr erblicken wird.

– Aus dem Tagebuch von George DeWolf

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Portsmouth

Aus meinen Studien in Chicago war ich natürlich mit der geschichtsträchtigen Stadt Portsmouth vertraut, doch sie selbst sehen zu können ist etwas ganz anderes, als sein Wissen aus Büchern zu erlangen. Die gleiche Luft zu atmen, die einst Anne Hutchinson atmete, als sie diese Siedlung in Rhode Island erreichte und zu wissen das hier die Schlacht von Rhode Island gegen die Briten tobte, lässt mich vor Freude erschaudern. Ich hoffe ich werde die Schauplätze der Kämpfe finden, die ich mir eigens zuvor notiert habe.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

Nach Providence war Portsmouth die zweite Siedlung die in Rhode Island gegründet wurde. Die religiösen Andersdenkenden aus Massachusetts landeten am Founders Brook im April des Jahres 1638. Während des Unabhängigkeitskrieges, war hier die einzige wirklich große Schlacht (von kleineren Gefechten abgesehen), die als „Battle of Rhode Island“ in die Geschichtsbücher einging.

Die Schlacht von Rhode-Insel, auch bekannt als „Battle of Quaker Hill“, fand am 29. August 1778 statt, als Einheiten der Continental Army (Die Armee der 13 amerikanischen Kolonien) unter dem Befehl von John Sullivan versuchten, Aquidneck Island (auch bekannt als Rhode Island, nicht zu verwechseln mit dem Staat) von den britischen Kräften zurückzuerobern. Die Schlacht endete allerdings zu Ungunsten der Continental Army und sie schaffte es nicht die britischen Truppen von der Insel zu vertreiben. Ihr Ziel, den amerikanischen und französischen Schiffsverkehr innerhalb der Narragansett Bay zu sichern, blieb also ergebnislos.

(Mehr über die Schlacht von Rhode Island findet der geneigte Leser hier)

Der Rost und die salzige Luft, taten der Karosserie des Autobusses nicht gut, das war gleich zu sehen. Der Fahrer entpuppte sich auch als recht mürrisch und ich roch eine leichte Fahne von Rum, die um ihn herumwehte. Die Sitze waren durchgesessen, aber fest. Die Fahrt nach Newport würde einige Zeit dauern und so beschloss ich ein wenig zu dösen, während draußen der kalte Wind der Narragansett Bay das herabfallende Laub fortwehte.

– Aus dem Reisetagebuch von Nathaniel Evelith

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